(Stand 5. 7. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

4. Sonntag nach Trinitatis, 5. 7. 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 42

 2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott!

Wie oft lassen wir uns zu Sachen hinreißen,

die wir eigentlich nicht tun dürfen,

die wir vielleicht noch nicht einmal denken dürfen!

Wie oft leben wir mit einem schlechten Gewissen!

Wie oft benutzen wir die Lüge, um die Wahrheit zu vertuschen!

Wie oft leben wir auf Kosten anderer

und schämen uns nicht!

Herr, sieh gnädig auf uns und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann dürfen wir darauf vertrauen,

dass Gott uns eben gnädig ist

und dass er sich unser aller erbarmt.

Denn von ihm ist uns gesagt:

Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die,

die ihn ehren.

 

Und so dürfen wir zu ihm beten:

Herr, unser Gott, dir wollen wir folgen.

Lass uns Abstand gewinnen von allem,

was von dir wegführt.

Deine Gebote wollen wir achten;

unsere Fehler wollen wir einsehen

und Uneinsichtige nicht verachten.

Darum bitten wir in deinem Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, die Verse 36-42:

Vom Umgang mit dem Nächsten

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.

41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 12, die Verse 17-21

(auch Predigttext)

 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hoffe, jetzt lesen einige hier, von denen ich annehmen darf, dass sie unsere kleine, aber so feine Ev. Lukas-Kirche auch vermissen! Die Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen und einzuhaltenden Hygienerichtlinien macht ein Feiern in ihr zur Zeit noch unmöglich. gerade zwei Handvoll von uns dürften gleichzeitig in ihr feiern. Und so weichen wir auf unsere schöne Waldkirche aus. Doch auch dort wird immer wieder neu sichtbar in welch schwieriger zeit wir gerade leben. Auch dort gilt es, vieles einzuhalten und auch anders zu organisieren. Die Leichtigkeit in vielem ist auf der Strecke geblieben.

Vielleicht geht es einigen von Euch ja auch so. Es ist schwierig, den Glauben für sich allein zu leben. Unser christlicher Glaube ist nun einmal auch zu einem ganz großen Teil ein Gemeinschaftsglaube. Und mir fällt es deshalb auch einfach viel leichter, in unserer Kirche christlich zu sein. Da bin ich mit  Gleichgesinnten vor Gott, fühle mich geborgen von Gott und von einer Gemeinschaft, in der ich meinen Platz gefunden habe.

Da in der Kirche –  da ist die Bibel mit Gottes Wort mir nahe. Jesus ist Gottes Sohn und alle Menschen sind dort Gottes Kinder – wie ich. Ich kann sie sehen, sie hören, bis vor kurzem durfte ich sie beim Händeschütteln oder einer Umarmung sogar spüren.

Und gemeinsam in der Kirche da sind wir natürlich alle wie selbstverständlich für den Frieden, gegen Feindschaft unter den Menschen, sind wir alle viel leichter für Vergebung und gegen jede Vergeltung, sind wir für natürlich auch alle gleichermaßen für die Nächstenliebe, die Toleranz und das Verständnis und gegen jede Fremdenangst, Rechthaberei und Härte. In der Kirche geben wir Jesus selbstverständlich Recht, was immer er auch von uns verlangt. Gern folgen wir seiner Rede, die uns so überzeugend klarmacht, daß es immer noch besser sei, die andere Wange hinzuhalten, als die empfangene Ohrfeige mit gleicher Schlagkraft heimzuzahlen. In der Kirche geht alles – alles, was Paulus im Anschluss an die alten Schriften und die neue Botschaft Jesu den römischen Christen in ihr Stammbuch schreibt; es geht ohne Anstoß über die Schwelle unseres Gemüts. Die Rache ist süß, – das lässt uns Paulus vergessen. Sein mahnender Finger weist nach oben, zum Himmel hin: dort wird vergolten, nicht auf Erden in unseren Herzen. Kann Böses denn überhaupt anders überwunden werden als durch Gutes? Kann unsere Verstrickung in friedlose Aggressionen, die sich ja so manches Mal auch in uns selbst breit machen wollen,  überhaupt anders bezwungen werden als durch unsere Fähigkeit zur Ruhe, zum Vertrauen auf Gott, dem wir uns in solchen Situationen anvertrauen dürfen? In so vielen Liedern besingen wir den Frieden, auch den inneren Frieden in uns, singen wir über Versöhnung und Nächstenliebe. Wer würde dort in der Kirche, wenn wir es gemeinsam tun, nicht aus voller Überzeugung mitsingen wollen?

Liebe Schwestern und Brüder!

Was ist aber eigentlich, wenn sich die Kirchentüren dann immer auch irgendwann hinter uns schließen, wenn das letzte Lied gesungen und der Segen gesprochen ist? Was ist denn, wenn wir herausgehen in den Alltag, der morgen ja auch wieder neu beginnt? Sieht dann nicht alles schon wieder ganz anders aus? Manchmal erwacht dann ja doch der alte Adam in uns aus seinem Kirchenschlaf und ergreift wieder ganz unauffällig Herrschaft über uns. Schnell merken wir das, was schon oft zu unserer eigenen Erfahrung geworden ist: Der Alltag ist mit den einfachen christlichen Grundsätzen doch nicht immer so leicht in den Griff zu bekommen – beim besten Willen nicht.

Unvergessen bleibt mir eine Konfirmandin – es ist schon einige Zeit her –, die an einem Seminar, in dem wir über das Phänomen der Gewalt nachdachten, ihren Schulweg beschrieb, der sie immer durch eine Unterführung in unserer Stadt führt, fragte: „Ja, was mach’ ich denn, wenn sich die Großen auf dem Schulweg mir in den Weg stellen, und mein Taschengeld wollen und dabei ein Messer blitzt? Wenn ich denen nicht gebe, was ich habe? Vielleicht komme ich ja dann gar nicht mehr dazu, die andere Backe hinzuhalten. Die hauen einmal so zu, da bin ich platt! Da muß ich entweder rennen, oder zuerst zuhauen!“ Ich weiß in meiner Erinnerung, dass ich diesem Mädchen, das sich sehr wohl auch zu verteidigen wusste, nicht empfahl: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann!“

Kann dieser Satz – wie ich finde „Spitzenworte“ des Paulus – überhaupt Bestand haben, wenn sich nicht alle gleichermaßen daran halten? Würden mich Jugendliche, die mich so fragen, bei solch einer Antwort eigentlich noch ernst nehmen?

Und ich denke an den jungen Mann aus Bosnien. Wir feierten damals gemeinsam, Pfarrer Stephan Wahl aus der katholischen Nachbargemeinde St. Peter, Jugendliche aus Kroatien, Bosnien und Serbien und ich als Vertreter der evangelischen Kirche einen Versöhnungsgottesdienst zum Ende des Balkankrieges. Und in der Vorbereitung mit den ausländischen Gästen erzählte dieser junge Mann, wie man seine Familie niedergemetzelt hat. Er schilderte es so, dass uns allen die Tränen kamen und mir persönlich einfach schlecht wurde. Wenn ich mir heute noch vorstelle, dass er dies alles ja nicht nur aus Erzählungen kennt, sondern mitansehen musste, da verstehe ich heute noch – wenn ich ehrlich bleibe – sein Recht auf seine Wut, vielleicht sogar den Hass auf die Mörder. „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.!“ Würde er mich nicht für verrückt halten, wenn ich ihm in diesem Augenblick damit gekommen wäre? Vielleicht hätte ich es tun müssen, aber ich konnte es nicht!

Ich denke auch an eine Frau, die ich aus meiner Gemeindearbeit kenne und die es auch mir manchmal nicht gerade leicht gemacht hat. Sie wohnte mit vielen anderen in einem Haus und hat den anderen Mietern durch ihre Boshaftigkeit das Leben in diesem Haus manchmal wirklich „zur Hölle machen können“. Bei einem Geburtstagsbesuch sagte mir ein alter Mann, der ebenfalls in diesem Haus wohnte: „Herr Pfarrer, ich weiß ja daß die Nachbarin alt, krank und verbittert ist. Aber immer wenn ich sie sehe, dann könnte ich ihr eine ‘runterhauen. Der ewige Ärger mit ihr vermiest meiner Frau und mir jede Lebensfreude. ‘Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben’, sie kennen das ja!“ Eines Tages treffe ich die beiden und sie sind wie verwandelt. „Stellen sie sich vor, unsere Nachbarin ist in ein Altersheim umgezogen! Jetzt ist endlich Ruhe!“

Und noch ein letztes Beispiel, an das ich denken musste, als ich diesen Predigttext las und mir Situationen in den Sinn kamen, die ich in meiner Arbeit schon erlebt habe und in denen ich mich innerlich mit den Worten des Paulus irgendwie immer auseinandersetzen musste. Dieses letzte Beispiel kommt den Worten des Paulus vielleicht am nächsten. Ich denke an einen Wirt in meiner Heimatstadt, mittlerweile hat er sich leider zur Ruhe gesetzt. Aber als Freunde begegnen wir uns weiterhin. Ein Betrunkener stänkerte in seinem Lokal alle Gäste an. Und weil ihn keiner beachtete, wurde er immer wilder und lauter. Und als der Wirt – ein Schrank von einem Mann – hinter dem Tresen hervorkam, um leere Gläser einzusammeln, da kippte ihm der Betrunkene ein Glas Bier vor die Brust. Stille im Lokal, jeder dachte, nun packt er ihn endlich und schmeißt den Trunkenbold ‘raus. „Wenn ich wollte, könntest du jetzt ‘was erleben!“, sagte er, drehte sich um, sammelte die Gläser weiter ein und ging wieder hinter den Tresen, um weiterzuarbeiten. Der Betrunkene schaut sich um, sagte nichts mehr, legte Geld auf den Tisch und verschwand. Diese Szene bleibt mir unvergesslich.

Dieser Wirt, dieser Freund bewegte sich, vermutlich natürlich ohne es zu wissen, genau auf dem Kurs des Paulus. Während ein labiler Gegner Streit sucht, konnte er es sich leisten, einen eskalierenden Konflikt zu entschärfen. Dieser Wirt und Freud ist wahrlich kein Mensch, der sich alles gefallen läßt. Aber in einer Zeit wachsender Gereiztheit und vorschneller Gewaltbereitschaft war er ein lebendiger Beweis dafür, daß eigentliche Stärke und Gewalt eben nicht das gleiche sind.

Dem Einwand, den jetzt einige im Kopf haben, dass dieser Wirt ja nicht besonders christlich, sondern allenfalls klug und umsichtig gehandelt habe, dem kann ich zumindest mit dem Hinweis begegnen, daß Jesus selbst diejenigen klug nennt, die sich nach seinen Worten richten. Und das tat er ja, bewusst oder unbewusst. Und so sehen wir, daß das Christliche und das Vernünftige durchaus gute Partner sein können.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Was bleibt nun aber von diesem eigentlich schönen Text des Römerbriefes – einem Text, der Wut und Ohnmacht gleichermaßen auslösen kann wie Faszination und neuen Mut! Wenn uns denn nur schon einmal die Einsicht bliebe, dass die Rache nicht unsere Sache ist, dass sie göttlich ist – wenn Gott überhaupt einen Rachegedanken kennen sollte! Wenn uns doch der Glaube bliebe, dass bei Gott Rache und Vergeltung nicht einfach Zurückschlagen oder Draufhauen bedeutet, sondern dass Gott damit allenfalls meint, jedem die Gerechtigkeit zukommen zu lassen, die ihm zusteht, Opfern wie auch Tätern. Wenn uns der Glaube bliebe, dass Unrecht auch heute noch Unrecht bleibt, und Recht letztlich eben doch über Unrecht siegt – wenn uns das alles bliebe, dann wären wir schon weit.

Vieles spricht aber dagegen. Und manche Geschehnisse, Ereignisse, die uns manchmal durch die Fernsehkanäle bis ins Wohnzimmer geliefert werden, sprechen so radikal dagegen, dass bei vielen eigene Resignation über den Zustand dieser Welt schlichtweg in Wut umschlägt. Ich denke, nur deshalb können sich auch in unserem Land, aber auch in vielen anderen, wieder radikale Strömungen breit machen. Dies alles ist nur möglich, weil wir es offensichtlich verlernt haben, uns auf Wege zu begeben, die z. B. der Apostel Paulus vorzeichnet. Wer von uns ist denn heute noch bereit, sich den Mechanismen und Automatismen dieser Zeit entgegenzustellen? Wer predigt den seinen Kindern denn noch den Frieden, statt ihnen das Recht des vermeintlich Stärkeren nahezubringen?

Um Böses nicht mehr mit Bösem zu vergelten, um gut gegen jedermann zu werden, um Frieden zu bringen denen, die auf Frieden warten, um vor dem Bösen niemals einfach zu kapitulieren, da bedarf es eines inneren Friedens, den wir Christinnen und Christen wiederfinden müssen. Wie erschüttert ist er aber gerade bei so vielen Menschen! Aber dieser innere Frieden muss wieder so stark werden, dass er auch außerhalb unserer Kirchenmauern trägt, uns durch den Alltag hindurchträgt und so dann auch wieder unseren Alltag verändert.

Ich habe dafür keine Patentrezepte. Aber eines weiß ich: Solange wir an unseren Stammtischen weiterhin unsere radikalen Sprüche loslassen, die so ganz anders klingen, als die Worte, die wir uns z.B. in unseren Kirchen sagen,  solange wir weiter versuchen, unser Glück und Frieden auf dem Rücken derer aufzubauen versuchen, die wir für all unsere gesellschaftlichen Miseren verantwortlich machen, seien es Arbeitslose, Asylsuchende, Zugezogene, Menschen, die irgendwie aus der Norm fallen, – solange wir auf so manch versteckte Art selbst Gewalt schüren und letztendlich Gewalt dadurch hoffähig machen, solange geben wir dem Paulus, nein, solange geben wir uns selbst, keine Chance, unser Leben anders, eben gottgefällig zu gestalten.

Wenn Politikerinnen und Politiker den inneren Frieden in unserem Land bedroht sehen, dann sehen sie nur kurz. Wir selbst müssen uns fragen, wieviel an Frieden in uns selbst schon zerbrochen ist. Sind wir noch friedensfähig? Sind wir noch dazu fähig, aus einem vertrauensvollen Glauben heraus, Frieden in uns wachsen zu lassen? Einen Frieden, der uns auch wieder fähig macht, uns selbst aus so manch dummen radikalen Geschwätz herauszuhalten. Gerade in der letzten Zeit, den letzten Wochen und Monaten waren da auf einmal so viele verworrene Köpfe, die ihre abstrusen Meinungen herausposaunen konnten, dass mir selbst mein Kopfschütteln dafür schon zu viel an Reaktion war. Aber genau in solchen Momenten erlebte ich es eben auch wieder an mir selbst: Menschen, die Frieden bringen, müssen selbst vom Frieden erfüllt sein. Und das ist manchmal eine wirklich schwere Übung!

Deshalb bleibt einiges für uns selbst zu tun, ehe wir mit dem Finger auf andere zeigen. Wir müssen uns wohl selbst erst wieder neu zu dem erziehen, was Paulus hier sagt. Müssen neu verstehen lernen, was er uns sagen will: Tu dir selbst nichts Böses an, dann tust du es wohl auch keinem anderen! Sei gut zu dir, dann strahlt deine Güte aus! Finde deinen eigenen Frieden, dann machst du deine Umgebung friedlich! Und kapituliere nicht vor dem Bösen, denn dann kapitulierst du vor dieser Welt! Vielleicht verschaffst du der Welt nicht ihr Recht, aber setz dich für das Recht ein, wo du es nur kannst. Und dabei glaube daran und vertraue darauf: Gott will Gerechtigkeit, für diese Welt, für die Menschen in dieser Welt, er will sie für dich!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Wir haben deine Gebote gelernt.

Aber noch öfter haben wir sie umgangen.

Wir kennen deine Gebote oftmals nur von ferne.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Gib uns zu verstehen,

daß wir für unsere Gedanken und Taten

Maßstäbe brauchen.

Deine Gebote führen in die Freiheit,

sie sind Wegweiser zum Leben.

Hilf uns Menschen,

dies endlich zu verstehen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

An vielen Orten dieser Erde

werden deine Gebote mit Füßen getreten.

Da wird die Erde ausgebeutet und zerstört,

da gelten Menschenrechte nichts,

da leben Menschen auf Kosten anderer.

Unrecht schreit zum Himmel.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Herr, wir sehen auf unser Leben.

So vieles ist anders geworden.

Wir schauen nicht nur auf uns,

sehen vielmehr auch auf andere.

Befreie uns von allem Neid.

Herr, schenke du uns die Ruhe und Gelassenheit,

in unserem Leben das Schöne zu sehen.

Dann bleiben wir auch hellhörig

für die Nöte der anderen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

 

(Stand 28. 6. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

3. Sonntag nach Trinitatis, 28. 6. 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 103

 1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

 13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, wir haben dir für so vieles zu danken.

Aber unsere Erinnerung ist manchmal so schwach,

wenn es um die Zeichen deiner Liebe

im Alltäglichen geht.

Oft lassen wir den Mut sinken,

weil wir nicht sehen,

was du uns Gutes getan hast.

Wir bleiben bei dem stehen,

was andere uns angetan haben,

und rechnen einander die Schuld vor,

die du uns längst vergeben hast.

So bitten wir dich!

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist,

und erinnern uns:

Wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn ehren,

die seinen Bund halten, sich seine Gebote merken

und danach leben.

 

Guter Gott und Vater!

Du redest mit uns,

gerade dann,

wenn vieles um uns herum verstummt ist.

Du bringst uns neu in Bewegung,

nimmst uns mit auf einen neuen Weg.

Du sprichst uns an,

kommst uns unablässig entgegen,

egal wo wir sind und uns nach dir sehnen.

Wir können Neues in unserem Alltag wagen,

auch wenn es gerade schwierig ist.

Lass uns nun mit all unseren Gedanken

ganz bei dir sein,

damit wir nicht ohne deine Antwort bleiben.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Amen.

 

Lesung aus dem Alten Testament: Aus dem Buch des Propheten Micha, Kapitel 7, die Verse 18-20

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15, die Verse 1-3.11.-32

(auch Predigttext)

 1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

11 Ein Mensch hatte zwei Söhne.

12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.

13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.

14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben

15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!

18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.

19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.

21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.

22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße

23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; laßt uns essen und fröhlich sein!

24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen

26 und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre.

27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat.

28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.

29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.

30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.

31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.

32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Amen.

 

Predigt

 

Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Alle, die mich kennen, wissen es, dass ich mich eigentlich immer an den vorgeschlagenen Predigttext halte. Es wäre der Text gewesen, den Sie oben gerade als Lesung aus dem Alten Testament gefunden haben, Worte des Propheten Micha!

Wenn ich das nicht tue, dann muss es zumindest für mich einen besonderen Grund geben. Genau den gibt es eben heute. Zwar werden einige geradeaus dem Lukasevangelium die Geschichte vom verlorenen Sohn gelesen und gedacht haben: Klar, kenn’ ich! Alles bekannt! Aber ich trage diese Geschichte eben ganz besonders seit langer Zeit in mir mit.

Wer zufällig mein Buch gelesen hat, der kennt auch die Geschichte hinter der Geschichte. Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist das Evangelium dieses 3. Sonntages nach Trinitatis.

Genau hier habe ich meine Lieblingsgeschichte. Und nicht nur das! Sie ist für mich zur Berufungsgeschichte geworden! Die mich kennen wissen, dass ich schon so oft erzählt habe, wie sich hier und gerade im Vers 20 – in dem es heißt:

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn

– genau hier mein Verhältnis zu dem Gott, an den ich glaube, und zu dem, was ich seit dem auch in meinem Beruf tue, entschieden hat. Seitdem habe ich natürlich immer auch das Gefühl, worüber kann ich hier noch schreiben? Was bleibt noch?

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Es wäre für mich jetzt schön, wenn einige von denen, die diese Zeilen jetzt lesen, sich hinsetzen würden, um Ihre eigenen Gedanken über dieses Stückchen Evangelium zu Papier bringen und mir zusenden würden.

Ich bin nämlich zutiefst davon überzeugt, jede und jeder von Ihnen könnte eine Auslegung darüber machen. Ganz sicher! Worüber würden Sie nachdenken? Vielleicht über die Unfähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen, oder über das Glück, dann nach Hause kommen zu dürfen. Über Gott als den liebenden Vater, der einem gestrauchelten Menschen entgegenkommt. Über das natürliche Ärgernis des anderen Sohnes, der treu und folgsam auf dem Hof gearbeitet hatte. Einige haben Geschwister und wissen, dass beides möglich ist – ein Herz und eine Seele oder eben ganz verschieden! All dies ist hinreichend bekannt. Worüber also noch schreiben? Was bleibt?

Nun, für mich bleibt nicht viel mehr, als zu bekennen, wie wichtig mir selbst dieser Text, diese Geschichte geworden ist. Wie sehr sie das, was ich auch in meinem Beruf als Pfarrer versuche, geprägt hat und noch weiter prägt.

In fast jeder Woche, die ich im Kloster von Taizé verbringe – und mir tut es in der Seele weh, dass das nach nun 50 Jahren im 51. Jahr tatsächlich nicht möglich ist –, begegnet mir diese Geschichte. Nicht zufällig. Sie begegnet mir deshalb, weil sie für die Brüder von Taizé zu einer der wichtigsten Geschichten geworden ist. In jeder Woche kommt sie einmal irgendwo vor. Diese Geschichte prägt ihr Gottesbild, das Bild von dem liebenden Vater, der bereit ist, seine tägliche Arbeit zu verlassen. Der sich hinstellt, einfach so mit offenen Armen, um zu warten. Lange bevor der Sohn beschließt, wieder nach Hause zu gehen, steht der Vater schon da und wartet. Ohne Zweifel, einfach so, mit viel Vorfreude, weil er weiß: Mein Sohn kommt zurück! So sehen die Brüder von Taizé den Gott, den sie so sehr lieben. So sehe und liebe ich ihn auch.

Aber mich prägt  auch noch ein anderer Aspekt, der den Brüdern dort wesentlich an dieser Geschichte ist. Der Sohn weiß genau: Er hat seine Sohnschaft eigentlich verspielt. Er möchte nicht mehr als Sohn zurück, nur noch als Tagelöhner. Seine frühere Stellung beansprucht er nicht mehr, so weit geht sein Realitätssinn noch. Und so legt er sich Entschuldigungen zurecht, Ansätze zu neuen Formen des Zusammenlebens. Doch bevor er überhaupt dazu kommt, irgend etwas an Entschuldigung vorzubringen, läuft ihm dieser Vater entgegen, nimmt ihn in die Armen und lässt seiner ganzen Freude Lauf.

Das für mich beeindruckende: Der Vater vermeidet jede Art von Demütigung! Er weiß offensichtlich, wie schwer es ist, Fehler einzusehen; er weiß offensichtlich, wie schwer es ist, umzukehren; wieder zurück zu Menschen zu gehen, an denen man irgendwie schuldig geworden zu sein scheint. Er weiß offensichtlich um den Kloß im Hals, den Menschen so oft verspüren, wenn sie genau wissen, wie schwer es ist, auch nur ein Wort der Entschuldigung zu sagen und noch einmal neu anzufangen. Nein, der Vater lässt alle Formen der Demütigung.

Im Gegenteil! Er richtet ein Fest aus. Und er macht damit nicht nur deutlich, dass er längst vergeben hat, lange vor jeder Entschuldigung. Nein, er macht auch öffentlich deutlich, dass mit einem gemeinsamen neuen Anfang eben auch das Alte vergangen ist, dass nichts mehr lastend einen neuen Weg beeinträchtigt, und dass neuer Anfang eben wirklich neuer Anfang bedeutet. Nicht im Sinne von „unter den Tisch gekehrt, um es irgendwann noch ‘mal zu gebrauchen“. Nein, von Herzen vergeben, frei für einen neuen Weg, so sagt es uns diese Geschichte.

Und so möchte sie mich etwas für mich ganz Entscheidendes lehren: Die Vergebung geht jeder Entschuldigung voraus! – Die Vergebung geht jeder Entschuldigung voraus. Ich stelle mir vor, ich könnte das in meinem Alltag leben. Ich kann es leider nicht immer, aber ich stelle es mir eben vor, und ich versuche es. Ich versuche es wirklich. Stellen wir uns doch kurz einmal vor, liebe Schwestern und Brüder, wir könnten so leben. Mit unserem Nachbarn, dem wir ein Ereignis oder eine eigentlich dumme Begebenheit nicht vergessen und verzeihen können. Mit unseren Freunden, die plötzlich keine mehr sind, weil eine Eiszeit über uns hereingebrochen ist, und wir einfach unfähig sind, Vergebung zu buchstabieren. In unseren Familien, in denen wir an so manchem Streit leiden und bereit sind, eher selbst daran zugrunde zu gehen, als neue Wege zu bahnen.

Nein, wir verharren lieber in den alten Mustern: uns ist Unrecht geschehen. Die anderen müssen sich entschuldigen. Aber eines sollten wir uns klar machen. Niemand kann, wenn wir das Wort entschuldigen ernst nehmen, – nämlich ent-schuldigen im Sinne von: Schuld wegnehmen, abnehmen, eben entschuldigen -, niemand kann sich selbst Schuld abnehmen, niemand kann sich selbst entschuldigen. Ent-schuldigen müssen mich immer andere, andere müssen mir meine Schuldgefühle nehmen, müssen mir die Schuld abnehmen, damit ich frei davon werde und neu beginnen darf.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Der Vater hatte gewartet. Er hatte schon längst vergeben. Er wartete jetzt eigentlich nur noch darauf, diese Vergebung endlich mit seinem Sohn leben zu können, neu anfangen zu können. Er hatte das neue Leben schon vor Augen, in aller Freude, in aller Liebe, zu der er fähig war

Und der Vater – ich sage das noch einmal – der Vater verzichtet auf jede Art von Demütigung! Er verzichtet darauf, weil er weiß, wie viel er gewinnt, wenn er seinen Sohn ent-schuldigt, ihm wirklich vergibt. Er weiß, er bekommt seinen Sohn zurück, keinen Tagelöhner! Er bekommt einen Sohn zurück, dem seine Liebe ungebrochen galt; einen Sohn, den er ziehen lassen musste, loslassen musste, was ihm so weh getan hat und den er eigentlich so gern zurückgehalten hätte. Er bekommt ihn zurück, und darf mit ihm neu anfangen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Diese Geschichte – so wohlbekannt und ausgeschlachtet sie oft wirkt – sie stellt höchste Ansprüche an uns, die wir sie hören. Sie mahnt uns, ernst zu machen mit der Liebe unter uns Menschen, die Gott wirklich meint. Nämlich eine Liebe, in der die Vergebung jeder Entschuldigung vorausläuft, eben aus Liebe. Und sie zeigt uns genau so deutlich, daß wir eben nicht der liebe Gott sind, auch wenn wir uns manchmal so aufführen, gerade wenn wir über andere richten oder meinen, urteilen zu dürfen. An seinem Willen, an Gottes Willen, vergebend zu leben, neue Anfänge zu gewähren, Schuld nicht vorzuhalten – da sehen wir den größten Unterschied zwischen uns und dem lieben Gott. Wir selbst wollen immer so viel, aber letztendlich sind wir manchmal einfach zu wenig. Und es ist gut, dass gerade dies Gott uns wohl schon vergeben hat. Und aus dieser Vergebung dürfen wir leben und immer wieder neu ins Leben gehen. Vor allem aber dürfen wir eben auch immer wieder zu ihm zurückkehren, in seine offenen Arme!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir:

du schaust nach uns;

du gibst niemanden verloren;

du wartest auf uns,

du kommst uns entgegen;

du nimmst uns in deine Arme,

damit wir spüren,

wie sehr du liebst!

Gib, dass diese Liebe uns leitet und hilft:

– in dieser schwierigen Zeit nicht zu verzweifeln,

– in dir immer wieder die Mitte unseres Lebens zu finden

– mit dir in eine Zukunft gehen, die du schon für uns bereitet hast.

– vorsichtig zu bleiben, aber eben auch unser Lachen und unsere Unbeschwertheit

wiederzufinden!

– uns dir immer wieder neu anzuvertrauen, weil wir deine Vergebung spüren

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

(Stand 21. 6. 2020)

Lesegottesdienst 

mit den gottesdienstlichen Texten zum 

2. Sonntag nach Trinitatis, 21. 6. 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 36

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

daß Menschenkinder unter dem Schatten

deiner Flügel Zuflucht haben!

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist 

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott,

wir haben Sorgen, wir leiden unter Zwängen,

wir stellen viele Fragen.

Wir wissen, 

daß vieles in unserem Leben gerade nicht so ist,

wie es einmal war

und noch nicht so, wie es wieder werden soll.

Deswegen treten wir vor dein Angesicht –

so wie wir sind.

Dir vertrauen wir an, was uns belastet.

Dir sagen wir, was wir falsch gemacht haben,

du weißt es längst.

Dir gestehen wir unsere Fehler ein,

uns selbst können wir es nicht.

Da sind die vielen Entschuldigungen,

die wir vorbringen,

um vor dir davonlaufen zu können.

So vieles andere als deine Gemeinschaft ist uns wichtig.

Vor allem aber vertrauen wir dir unsere Ängste und Sorgen an,

die uns manchmal so kleingläubig machen wollen.

Und deshalb bitten wir dich:

Vergib uns Herr, komm und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet – 

 

Gott erbarmt sich unser. 

Wir beten zu ihm und bleiben niemals ohne Antwort. 

Darum dürfen wir seiner Einladung immer wieder neu folgen: 

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;

klopfet an, so wird euch aufgetan. 

Ehre sei Gott in der Höhe!

Herr, guter Gott und Vater,

du lädst uns immer wieder neu ein,

dir nahe zu kommen,

wo immer wir auch gerade sind.

Hinter uns liegt eine Woche, die angefüllt war

mit Sorgen und Freuden,

mit Hoffnungen und Enttäuschungen,

mit schönen und vielleicht auch traurigen Erlebnissen.

Heute können wir von allem ausruhen.

Wir versuchen, zur Ruhe zu kommen

und Kraft zu tanken für die Aufgaben, die auf uns warten.

Wir dürfen dir bringen, was uns sonst keiner abnimmt,

und du schenkst uns, was es sonst nirgends gibt.

Wir bitten dich:

Befreie uns von allen Lasten, 

die sich in den letzten Tagen 

auf unseren Schultern angesammelt haben 

und gib uns neue Kraft.

Das alles erbitten wir

durch die Liebe deines Sohnes Jesus Christus,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert 

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 2, die Verse 17-22:

Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,

erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,

auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 11, die Verse 25-30

(auch Predigttext)

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart. 

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen. 

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will. 

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. 

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. 

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Eines Tages werden wir auf die ersten Monate des Jahres 2020 zurückschauen. Vielleicht noch nicht mit dem nötigen Abstand etwa schon im nächsten Jahr. Aber irgendwann werden wir es tun. 

Woran werden wir uns dann erinnern? Welche Gefühle werden wieder in uns hoch kommen? Welche Erinnerungen lassen wir zu?

Für mich als Pfarrer begann dieser Lockdown mit der Beerdigung einer Frau im hohen Alter, die ich sehr mochte. Es war die erste Beerdigung, bei der maximal fünf Personen teilnehmen durften. Und es war die Beerdigung, bei der der einzige Sohn nicht anwesend sein durfte, weil er aus einem anderen Land nicht einreisen konnte. Diese Beerdigung werde ich nie mehr aus dem Kopf bekommen, weil es mir selbst fast das Herz zerreißt, wenn ich an all die mehr als traurigen Begleitumstände denke. Kein Gottesdienst! Eine kurze Trauerfeier mit so wenigen Menschen wie möglich! So würdig und tröstlich wie eben möglich, aber auch so unendlich traurig!

Werden wir uns vielleicht an das Gefühl der Ohnmacht erinnern, irgendwie ausgeliefert gewesen zu sein, in unseren gewohnten Freiheiten beschränkt? Die eigenen vier Wände haben viele lange nicht verlassen können, dürfen oder wollen.

So vieles war bis dahin ganz selbstverständlich, gerade auch bei jungen Menschen. Auf einmal durften sie nicht einmal mehr in die Schule. Einige frohlockten zuerst über diese wunderbaren und so unverhofften „Ferien“! Von Tag zu Tag wurden die Erfahrungen am eigenen Leib aber dann ganz andere. Einige der jungen Menschen haben es in dieser Zeit wohl niemals gedacht, sich einmal nach der Schule geradezu zu sehnen.

Angst schlich sich in viele Herzen ein. Die Sorgen wurden von Tag zu Tag größer. Was kommt da auf uns zu, fragten auf einmal Menschen in der aufkommenden Ahnung, dass der Alltag sich wohl grundlegend verändern könnte. Was wird in Zukunft „normal“ sein?

Ganz und gar existenzielle Fragen und Sorgen kamen auf, weil auf einmal für viele Menschen noch nicht einmal die Arbeit sicher war, das Einkommen gekürzt wurde. Menschen hatte sich etwas aufgebaut und mussten in ganz kurzer Zeit auch erfahren, wie brüchig eigene Existenz sein kann.

Woran werden wir denken, wenn wir uns irgendwann einmal an die erste Jahreshälfte von 2020 erinnern? Was werden einige von uns ihren Enkelkindern einmal davon erzählen und vielleicht nur ein müdes, aber mitleidiges Lächeln dafür zurückbekommen?

Vielleicht wird es das erleichterte Aufatmen der Davongekommenen sein, das noch nicht erreicht ist, aber sich vielleicht irgendwann einstellen wird.

Vielleicht wird es die Freude darüber sein, dass hier bei uns die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind, dass uns Bilder wie aus vielen anderen Ländern bei uns erspart geblieben sind. Es wird allerdings nicht die Freude derer sein, die jetzt gerade trauern, weil diese Krise in ihren Familien eben doch ihr Opfer gefunden hat.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns an die Dankbarkeit erinnern werden, die auch in dieser Zeit schon in einigen ihren Platz gefunden hat und zu einer guten Erinnerung werden kann. Dankbar zu bleiben dafür, dass ich gehen und stehen darf, atmen und schauen, essen und trinken darf, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Ich hoffe, wir werden es gelernt haben dass Bescheidenheit auch zur Dankbarkeit werden kann.

Vor allem aber wünsche ich mir, dass sich in uns die Erkenntnis darüber durchsetzen wird, zu erkennen, wie wenig wir wirklich brauchen. Nämlich Menschen, die uns lieben, die uns vertrauen, die uns ertragen und mittragen. Natürlich auch Menschen, die wir selbst lieben, denen wir vertrauen, die wir ertragen und mittragen. Sie sind das Kostbarste!

Ich habe gelernt und möchte es niemals mehr vergessen: Nichts kann echte Begegnungen und Beziehungen ersetzen. Es gibt nichts, was eine Umarmung, was die spürbare Nähe zu geliebten Menschen ersetzen kann!

Die Dichterin Mascha Kaléko hat viele wunderbare Gedanken aufgeschrieben. Einer davon ist dieser:

„Man braucht nur eine Insel 

allein im weiten Meer.

Man braucht nur einen Menschen, 

den aber braucht man sehr.“

Es gibt Menschen, die haben solch einen anderen Menschen. Glücklich dürfen sie sein! 

Und es gibt Menschen, die haben ebenfalls einen solchen geliebten Menschen, haben ihn in dieser Zeit aber vielleicht nicht in der Nähe gehabt. Glücklich traurig oder traurig glücklich dürfen sie sein!

Und da sind die Menschen, die solch einen geliebten Menschen einmal hatten, ihn sich zurückgesehnt, vielleicht sich sogar zu ihm hingesehnt haben! Traurig und sich an ihr Glück erinnernd dürfen sie sein!

Egal, wozu wir gehören, wir alle stehen vor Gott, stehen vor Jesus Christus, der uns sieht und hört. Der uns hält und trägt, der zu uns spricht:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Ich finde diese Worte Jesu wunderbar! Sie wirken erleichternd. Ich sehe sie geradezu vor mir: die geöffneten Arme Gottes, die mich auffangen werden, liebevoll! Die geöffneten Arme eines liebevollen Gottes, dir mir Ruhe verschaffen wird, auch wenn tief in mir drin noch ein Meer tobt! ER, der liebende Gott, bringt es zum Schweigen!

Für uns alle gibt es einen Ort, wo unsere Seele zur Ruhe kommt! Wir sollen das nie vergessen. Bei Jesus selbst ist dieser Ort, und er zeigt uns sogar den Weg dorthin. Im 29. Vers unseres Predigttextes heißt es – und ich zitiere noch einmal, aber nun aus der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“:

„Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.“

Aber soll das wirklich so einfach sein? Ja, ich denke es könnte so sein! Vielleicht sind wir in der ersten Hälfte des Jahres 2020 für vieles empfindsamer geworden. Wir werden uns an manch kleine Geste erinnern, die alles geändert hat.

Da ist der Nachbar, der geklingelt und gefragt hat, ob er etwas vom Einkauf mitbringen kann. Da wurde einer alten Frau an Ostern ein kleines Osternest mit bunten Eiern und Schokolade vor die Tür gestellt. Da haben Menschen am Telefon zueinander gefunden, die sich lange nicht mehr gesprochen hatten. Ja selbst unsere Lesepredigten wurden dorthin verteilt, wo keine Computer in Wohnungen Einzug gehalten haben.

Ich schreibe hier also nicht von den großen Wundern, die geschehen können. Ich werde einmal an die vielen kleinen Gesten denken wollen, die Menschen anderen Menschen zukommen ließen, um deutlich zu machen: du bist nicht allein!

Liebe Schwestern und Brüder!

Von Jesus selbst dürfen wir es lernen. Ihm dürfen wir es ruhig abschauen, anderen unser Herz zu öffnen und demütig zu werden, um die Not anderer zu erkennen. Sein Leben und sein Wirken machen es für uns sichtbar, wie das eben geht – mit der Liebe und dem Vertrauen, mit der Nächstenliebe, der Sanftmut und Geduld.

Wenn auch vieles in uns vielleicht erschüttert war und ist, dürfen wir dennoch es versuchen zu wagen. Nämlich wie Jesus selbst ganz auf Gott zu vertrauen!

Natürlich ist das alles andere als leicht, bleibt für die eine oder den anderen sogar ein Wagnis! Aber schauen wir noch einmal auf Gott selbst und seinen Sohn Jesus Christus.

Gott selbst hat seinem Sohn Jesus sein ganzes Herz geöffnet und ihm alles gezeigt, „offenbart“ sagt die Bibel – die Wahrheit, die Weisheit, seinen göttlichen Willen. Und der Weg, dieses alles zu erkennen und mitzugehen, war für Jesus nicht gerade leicht. Wir wissen es. Aber Vater und Sohn – beide sind so eng miteinander verbunden, dass es eben ein Geist ist, der sie treibt! Nichts und niemand bringt sie auseinander! 

Und genau das gibt nun Jesus hier in dem heutigen Predigttext aus dem Matthäusevangelium an uns alle weiter. Jede und jeden von uns spricht er an, wenn er sagt:

„Komm, komm zu mir! Meine Einladung für dich gilt! Sie gilt dir und jedem Menschen! Ich schenke dir den Raum für alle Liebe, für alle Barmherzigkeit, die du in dir entdecken wirst, für alle Kraft zur Versöhnung und für den Frieden, den du in dir wieder finden und aus dem du wieder leben sollst!“

Diese Einladung spricht Jesu an uns alle aus! Sie gilt jeder und jedem von uns! Es ist an uns, sie anzunehmen und aus ihr zu leben! Das ist wieder nicht einfach und kann leicht zu einer Lebensaufgabe, im besten Fall sogar zu einer Lebenshaltung werden!

Dem Kirchenvater Augustinus wird ein Satz zugeschrieben, den ich in Taizé in vielen Gesprächen oft gehört habe. Er wird dort oft zitiert, weil es einer der Lieblingssätze von Frère Roger ist. Dieser Satz fasst die Einladung Jesu an uns alle ganz kurz, aber eben als Aufgabe auch ganz unmissverständlich zusammen und lautet:

„Liebe, und sag es durch dein Leben!“

Und dem ist nichts hinzuzufügen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir,

dass du niemanden übersiehst, der sich verirrt.

Wir danken dir, dass du uns suchst und findest,

auch immer auf uns wartest.

Du schickst uns aber auch auf den Weg,

das Verlorene zu suchen.

Darum bitten wir dich:

Mach uns empfindsam für Menschen,

die innerlich am Ende sind,

sich aber sicher und tüchtig geben.

Lass uns auf diejenigen zugehen,

die von anderen gemieden werden.

Schenke uns Geduld mit denen,

die misstrauisch geworden sind,

weil sie überall Feinde und Verschwörung vermuten.

Wir möchten denen vertrauen können,

die abgestempelt sind, 

nur weil sie anders sind als wir.

Hilf uns, daß wir niemals den Mut verlieren,

offen auf sie und auf alle Menschen zuzugehen.

Du gibst uns dazu die Kraft,

weil du niemanden aufgibst.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet – 

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle, 

an die ich nun denke, 

und auch für mich das Gebet, 

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat 

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, 

die uns am Herzen liegen 

– und natürlich auch an uns selbst – 

und wir sprechen die Worte des Segens, 

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

 

(Stand 14. 6. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

1. Sonntag nach Trinitatis, 14. 6. 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 34

 2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

4 Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

5 Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Guter Gott und Vater!

Wenn einer wüsste,

der andere schämt sich nicht, wenn er ihm hilft

– viele würden hingehen und trösten.

Wenn einer wüsste,

der andere lacht nicht über ihn, wenn er ihm sagt: „Ich brauche dich“

– viele würden Vertrauen fassen.

Wenn einer wüsste,

der andere bemerkt, daß er ernst genommen wird

– viele könnten ihre Zweifel zerstreuen.

In all unserer eigenen Unsicherheit,

die wir so manches Mal an den Tag legen,

bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist.

Er sagt zu uns:

Siehe ich breite deinen Frieden aus, wie einen Strom.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Guter Gott und Vater,

ohne dich vermögen wir nichts,

darum hoffen wir auf deine Hilfe:

Gib uns deinen Geist,

dass wir wollen, was dich erfreut,

und tun, was du von uns erwartest.

Das bitten wir

durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 19-31

Vom reichen Mann und armen Lazarus

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.

20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren

21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.

24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.

25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt.

26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;

28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.

30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.

31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Halleluja! Deine Mahnungen, Herr, sind gerecht in Ewigkeit; unterweise mich, so lebe ich. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 4, die Verse 16b-21

(auch Predigttext)

 16 Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.

18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.

21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ – Ich weiß gar nicht, wie viele Paare, die ich in meinen bisher 35 Dienstjahren im Verkündigungsdienst getraut habe, diesen Vers als Trauspruch und wie viele Konfirmandinnen und Konfirmanden ihn als Konfirmationsspruch haben. „Gott ist Liebe“ – das spricht uns Menschen anscheinend doch in ganz besonderer Weise an.

Heutzutage wird überall – und manchmal geradezu inflationär – von der Liebe geredet, gesungen. Alle möglichen Ratgeber schalten sich in allen möglichen Medien ein, um uns die Wege zu einem erfüllten „Liebesleben“ zu bahnen. Manche Lieder verkaufen die Liebe so billig. Liebe, die man sich – so formulieren es einige – buchstäblich kaufen kann, ist da wesentlich teurer. Geht man ins Kino, kann man zwischen verschiedenen Liebesfilmen wählen. Und selbst, wenn einem der Sinn eher nach der großen „Action“ und Spannung steht: Ein kleine ‚Lovestory‘ – eine Liebesgeschichte –  ist immer mitverpackt.

Nun ist die Liebe ja tatsächlich durchaus etwas Schönes. Und mancher denkt bei unserem Predigttext an das, was er selbst damit erlebt hat. Es ist ja nicht so, dass wir die Liebe nicht kennen würden …

Aber wir kennen eben auch das andere: Beziehungen zerbrechen! Da reden Geschwister kein Wort mehr miteinander, Nachbarn streiten sich seit Jahren und Menschen auf der ganzen Welt bekämpfen sich. Die Schriftstellerin Elke Heidenreich schreibt: „Meine Mutter sagte immer: ‚Hör du bloß auf mit deinen saublöden Liebesgeschichten und mach lieber deine Schularbeiten.’ Die Liebe, behauptete sie, sei ein Dreck, ein einziger gigantischer Schwindel, und ich solle mir doch nur meinen Vater ansehen. Ich hatte selten Gelegenheit dazu, mir meinen Vater anzusehen – er war fast nie da.“

Ja, liebe Schwestern und Brüder, auch wenn Filme und Romane uns etwas anderes vorgaukeln. Wahre Liebe ist anscheinend selten und kostbar geworden. Zwei- oder dreimal in einem Jahrhundert käme sie vor, hat Albert Camus einmal geschrieben. Das ist nicht wirklich viel!

Und nun kommt uns die Bibel damit heute auch noch: 14mal kommt das Wort „Liebe“ in den 6 Versen unseres Predigttextes vor!

„Gott ist Liebe.“ – Für einige Theologen ist in diesem Satz das ganze Neue  Testament zusammengefasst. Natürlich hat sich auch Martin Luther darüber Gedanken gemacht. Er schreibt an einer Stelle: „Wollte einer Gott malen, er müsste einen Abgrund von Feuer malen – einen glühenden Backofen voll lauter Liebe. Gott ist eitel Liebe, ja die Liebe ist Gott.“

An dieser Stelle habe ich eine Stunde im Konfirmandenunterricht vor Augen. Sie liegt schon etwas länger zurück, aber war für mich einer dieser Momente, an den man sich eben gern zurückdenkt.

Da haben wir das mit dem Malen einmal ausprobiert. Wie malt man Gott? Natürlich kamen sofort einige, die sagten, das darf man ja gar nicht. Wir haben dann kurz darüber gesprochen, was mit dem Bilderverbot im Alten Testament eigentlich gemeint ist. Dann haben wir festgestellt, dass das Alte und auch das Neue Testament voll von Bildern ist, mit denen Menschen ihren Gott beschreiben. „Der Herr ist mein Fels … ist meine Burg … ist wie eine Mutter … ist mein Schild … ist wie eine lebendige Quelle … usw.“ Denn natürlich hat doch jeder Mensch sein ganz eigenes Bild von Gott im Kopf und im Herzen, jede und jeder von uns auch!

Und dann ging es los. Wir fingen an. Und ganz Verschiedenes kam zusammen. Da tauchte natürlich bei einigen der alte Mann mit Bart auf. Andere hatten aber auch so etwas wie ein großes Auge gemalt oder versucht, ihre Vorstellung mit Hilfe von Farben zum Ausdruck zu bringen. Eine Konfirmandin – und deshalb komme ich auf diese Stunde – hatte ein riesengroßes Herz gemalt, vollständig ausgefüllt mit roter Farbe. Und sie hatte für ihr Bild eine ganz einfache und biblische Erklärung. Sie sagte: „Gott ist Liebe! Nur Liebe!“ Welch eine junge Theologin!

Wie groß Gottes Liebe ist und wie weit sie geht, das dürfen wir an Jesus selbst ablesen, sagt unsere Bibel. Jesus selbst hat gezeigt, was Liebe bedeutet. Er hat kaputtes Leben wieder heil und Kranke wieder gesund gemacht. Er hat geholfen, dass einsame Menschen wieder Kontakt fanden und dass jemand, der vor Stress und Sorge nicht mehr wusste, wohin, dann endlich auch zur Ruhe kam. Gottes Liebe ist in unserer Welt schon einmal gelebt und in dieser Welt schon einmal ausgeteilt worden.

Gott ist Liebe! Nur Liebe! – Was soll das denn bringen? So fragte ein ganz cooler Konfirmand damals, als wir feststellten, dass Gott eben Liebe ist. Und heute frage ich uns, liebe Schwestern und Brüder: was bringt uns das denn tatsächlich ein, wenn wir wissen, dass Gott gar nicht anders kann, als dass er uns und seine Welt liebt?

Im Unterricht damals habe ich das Bild der Konfirmandin noch einmal hochgehalten und gezeigt. Das Bild mit dem großen, roten Herzen. „Seht es euch noch einmal an“, habe ich erklärt. „Das Herz ist ganz und gar ausgemalt mit roter Farbe. Für etwas anderes ist da überhaupt kein Platz mehr.“

Und so sagt s die Bibel doch auch: Gottes Liebe ist da, erfüllt alles, füllt alles aus. Und darum ist für die Angst und für alles andere, was die Liebe zerstören möchte, kein Platz mehr. „Furcht ist nicht in der Liebe“, steht im Predigttext oben, „sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus„,

Und nun, liebe Schwestern und Brüder, stellen wir uns vor, wir könnten es tatsächlich – uns ganz ohne Furcht, ganz selbstvergessen dem uns liebenden Gott anvertrauen und die uns zugesagte Liebe glaubend annehmen. Gerade in diesen Tagen, die viele von uns auf eine solch harte Probe gestellt haben. Diese Zeit im Frühling des Jahres 2020 war doch für viele auch eine Zeit der Glaubensprüfung. Viele haben bisher geklagt, viele sind mit ihrem Glauben ins Zweifeln geraten und viele haben natürlich gefragt: „Gott, wo bist du? Hilf mir!“

Gott ist Liebe! Nur Liebe! – Können wir uns wirklich dieser Liebe ganz und gar anvertrauen? Können wir uns ganz und gar dieser Liebe Gottes überlassen, der bei uns ist im Leben und auch im Sterben? Ja, mehr noch – können wir uns dieser Liebe nicht nur überlassen, sondern sie auch mit unserem Leben beantworten?

Dann hätten wir es gar nicht mehr nötig, das Maß unseres Glaubens oder unserer Liebe zu bestimmen, was wir so gerne zu tun versuchen. Vielmehr würden wir es der Liebe Gottes zutrauen, dass sie uns vollenden wird und all unserer Furcht, all unseren Fehlern zum Trotz das letzte Wort haben wird. Es kommt also gar nicht auf das Maß unserer Liebe an, sondern auf unser Vertrauen auf die Macht des liebenden Gottes, der einem Menschen Furcht nimmt, ja sogar Schuld vergibt, der all unser Klagen und all unsere Zweifel in Zuversicht wandeln kann!

Vertrauen wir uns einem liebenden Gott an, der will, dass wir leben und mit ihm in die Zukunft gehen, die er für uns bereithält! Und auf diesem Weg soll für die Furcht kein Platz mehr sein. Denn Furcht ist nicht in der Liebe!

Liebe Schwestern und Brüder! Ich weiß natürlich: So weit sind wir Menschen noch lange nicht. Lieben ganz ohne Angst und Furcht – wer kann das? Gerade wenn wir lieben, sorgen wir uns doch. Wir sorgen uns um andere Menschen. Wenn man einen Menschen liebt, ist man immer auch ein wenig bange, dass ihm etwas passieren könnte. Oder dass sich das einmal ändert und der andere einen irgendwann wieder fallen lässt? Kennen wir solche Sorgen nicht?

Ich finde darum das griechische Wort interessant, das im biblischen Urtext an dieser Stelle steht. Wenn man den Satz des Predigttextes ‚Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts“, im griechischen genau nachliest, steht dort für das übersetzte Wort ‚Gericht‘ das griechische Wort „Krisis“, das eben „Gericht“ bedeuten kann, genauso wie aber eben auch „Krise“. Und wenn ich es dann so übersetze, dann spüre ich, was der Briefschreiber auch wohl kennt: Jede Liebe, jeder Glauben erlebt ihre Krise. Davon können wir alle ein Lied singen. Gerade in dieser Zeit und in diesen Tagen, in denen wir nun mehr und mehr geduldig bleiben müssen! Aber niemand muss davor Angst haben, denn Gottes Liebe ist ja da. Gott ist Liebe! Nur Liebe! Und auf sie ist Verlass – immer, denn Gottes Liebe ist unverbrüchlich.

„Dieu ne peut que donner son amour, notre Dieu est tendresse“. So singen wir es in einem Lied im Kloster von Taizé: Gott kann nur seine Liebe schenken. Unser Gott ist Zärtlichkeit, ist Liebe!

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben einen Gott, der uns so sehr liebt, dass er alles – sogar seinen eigenen Sohn – für uns gibt. Wenn wir uns das immer wieder klar machen, wenn wir Gottes Fähigkeit zu lieben wirklich begreifen könnten, dann können wir gar nicht mehr anders, so sagt Johannes, dann können wir gar nicht mehr anders: Wir sehen unsere Mitmenschen mit anderen Augen, wir sehen sie als jemanden, der Gott wichtig und lieb ist.

Und darum bringt er das auf eine ganz einfache Formel: ‚Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott und hasst seinen Bruder und seine Schwester, der ist ein Lügner‘.  Das ist doch logisch, oder?

„Menschen, die aus Liebe leben, sehen tiefer“, hat einmal ein kluger Mann gesagt. „Menschen, die glauben können, sehen alles in einem ganz anderen Licht.“ Sie wissen, was sie selbst Gott wert sind und sie wissen auch, wie hoch Gott die anderen Menschen schätzt. Mit einer solchen Einstellung sollten wir uns und anderen ins Gesicht schauen, um es dann aber auch zu ahnen und sich daran zu freuen, wie gut es Gott mit uns meint! Gestern, heute und in aller Zeit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir danken dir, Herr guter Gott,

dass du uns einlädst und Gemeinschaft schenkst mit dir.

Wir danken dir, daß wir bei dir zu Hause sind,

auch wenn du gerade bei uns zu Hause bist.

Du bist uns nah

– auch jetzt, wo wir mit unseren Gedanken ganz bei dir sind.

Du bist bei uns, wenn wir beten, dein Wort lesen,

Du hörst unsere Klagen, aber auch unsere leisen Hoffnungen.

Herr, erbarme dich!

 

Deine Einladung ist grenzenlos

– und doch sind uns Grenzen in dieser Zeit gesetzt.

Wir machen uns viel zu schaffen mit allem Möglichen.

Hilf, daß wir die Zeichen deiner Nähe nicht übersehen.

Du begegnest uns doch in deinem Wort

und in den Menschen, die du uns schickst,

die vielleicht gerade in diesen Tagen besonders für uns sorgen.

Da sind immer auch die überraschenden Erfahrungen deiner Gegenwart.

Herr, erbarme dich!

 

Die Tür zu dir steht allen offen.

Lass uns Botinnen und Boten deiner Einladung sein

– gerade für die, die ferne stehen.

Lass uns glaubwürdig sein in unserem Leben,

damit Menschen, die uns begegnen, spüren:

Du schließt niemanden aus.

Lass uns die Not anderer sehen und lindern,

wo wir es können,

den Ausgestoßenen und  Entfremdeten ein Stück Heimat geben,

so wie wir Zuflucht haben bei dir.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, in so vielen Ländern herrschen gerade Angst und Sorge.

Wir denken nicht nur an uns selbst,

auch an unsere Schwestern und Brüder auf den anderen Kontinenten.

Lass uns gemeinsam vorsichtig und geduldig bleiben.

Hilf uns allen und überall,

dass wir andere schützen,

indem wir uns selbst schützen.

Und dann lass uns gemeinsam die neue Zukunft schauen,

in der wir uns wieder begegnen werden

– ganz unbeschwert und fröhlich unbelastet.

Herr, erbarme dich!

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

(Stand 7. 6. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Trinitatis, 7. 6. 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 113

 Gottes Hoheit und Huld

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN!

2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe,

6 der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;

9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott, es ist wahr:

Ohne Hoffnung auf Wandel gibt es keinen Frieden,

kein Glück, finden wir keinen Sinn.

Gern hantieren wir mit Neuheiten,

und verschließen uns doch

der erneuernden Kraft deines Geistes.

Nimm uns die Furcht vor neuen Anfängen,

die du mit uns machst.

Stärke uns,

unsere Schuld vor dir zu bekennen,

lass uns spüren,

wie du davon befreien willst.

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So erinnern wir uns, was uns verheißen ist:

Und es soll geschehen in den letzten Tagen,

spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist

auf alles Fleisch;

und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,

und eure Alten sollen Träume haben.

 

Guter Gott und Vater,

du kennst uns lange,

siehst in unser Herz.

Du merkst, wenn wir uns verändern.

Wir merken es manchmal nicht.

Gib, daß wir nicht erschrecken müssen

vor unserer neuen Gestalt.

Gib, daß wir deine Liebe wiederspiegeln,

wenn wir uns verändern.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 13, die Verse 1-8

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich,  sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 6, die Verse 22-27

(auch Predigttext)

 Der priesterliche Segen

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:

23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

24 Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Hier zuerst noch einmal die Worte aus dem heutigen Predigttext, die mich dazu gebracht haben, Euch heute einmal eher erinnernd erzählend zu „lesepredigen“.

Aus dem Buch Numeri, dem 4. Buch Mose, lesen wir noch einmal aus dem 6. Kapitel die Verse 24-26:

„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“Dieser sogenannte „aaronitische Segen“, so wie er auch in der alttestamentlichen Lesung weiter oben zu finden ist, gehört zu meinen persönlichen „TOP 3 – Bibeltexten“. Alle, die mich kennen, wissen von mir, dass der Vers Lk 15,20 mein ganz persönlicher „Lebenstext“ ist, weswegen ich sogar auf langen Umwegen Pfarrer geworden bin, und dass Psalm 121 mein Lieblingspsalm ist. Und direkt dahinter kommt eben der heutige Predigttext aus dem Alten Testament, aus dem Buch Numeri, dem 4. Buch Mose, aus dem 6. Kapitel die Verse 24-26.

Die Worte des Segens, so wie sie uns hier geschenkt sind, sind wohl die Worte, die ich als Pfarrer am häufigsten aus der Bibel zitiert habe. Jedes Mal und überall dort, wo wir Gottesdienste feiern, stehen sie am Schluss eines Gottesdienstes. Und nur ganz selten weiche ich von ihnen ab. Ich tue das deshalb so ungern, weil ich mir immer schon vorgestellt habe, dass hier Gott noch einmal selbst zu Wort kommt und all denjenigen, die da gerade vor ihm versammelt sind, verspricht, immer bei ihnen zu sein und sie neu ins Leben sendet. Und ich möchte am Ende eines Gottesdienstes niemals meine Worte gewichtiger finden, als die Worte, die Gott selbst für seinen Segen gefunden hat.

Diese Worte des aaronitischen Segens begleiten mich, seit der Gottesdienst für mich der Ort geworden ist, an dem ich immer wieder erleben durfte, wie Gott spricht und sich den Menschen zuwendet. Er tut es eben nicht nur durch die Predigt und diejenigen, die sich darum bemühen sein Wort zu „übersetzen“ und den Menschen zu erklären. Er tut es eben auch durch seinen Segen, und er tut es mit seinen eigenen Worten!

Damit ich zu dieser Einsicht gelangen konnte, hat dieser Segen in mir gearbeitet, ist mir nahe gekommen. Und er ist für mich untrennbar verbunden mit zwei ganz lieben Menschen in der Gemeinde, in der ich meinen Dienst tun darf, die mich gelehrt haben, es so zu sehen, wie ich es gerade etwas weiter oben beschrieben habe. Vor einigen Jahren schon musste ich beide beerdigen, sie starben kurz nacheinander. Er war ein Kollege. Nein, ich schreibe es etwas anders. Er war ein ganz besonderer Kollege und Lehrer für mich. Es war seine tiefe Geistlichkeit, besonders aber seine Demut vor Gott, die mich immer sehr berührte. Er schaffte es in jeder Begegnung, immer Gott den Vortritt zu lassen. Er brachte wirklich Gott den Menschen nahe. Und das in seiner ganz unnachahmlichen stillen Fröhlichkeit. Und sie – sie war Pfarrfrau! Im besten Sinne! Sie scheute kein direktes Wort, sie konnte zupacken, war unglaublich kreativ und immer zu jeder Hilfe bereit.

Die beiden saßen im Gottesdienst, ich erinnere mich gut und gern daran. Nach seinem Ruhestand waren sie in unsere Gemeinde gezogen. Es kam der Schluss des Gottesdienstes. Und ich sprach den Segen. Ich sprach ihn so, wie ich es immer tat. Ich hob meine Hände zum Segen, so wie es viele Kolleginnen und Kollegen am Ende eines Gottesdienstes tun und sagte: „Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen!“

Kurz danach stand ich am Ausgang unserer Kirche, um alle zu verabschieden. Irgendwann kam sie, die Pfarrfrau! Sie kam auf mich zu, wir gaben uns die Hand und sie sagte: „Das war kein Segen! Nächsten Sonntag möchte ich gesegnet werden!“ Direkt dahinter kam er, mein Kollege. „Sie meint es nicht so! Bis nächsten Sonntag!“ sagte er und gab mir ebenfalls die Hand, lächelnd wie immer. Verdutzt stand ich da. Was hatte ich falsch gemacht? Es ließ mir die ganze Woche über keine Ruhe. Was hatte ich falsch gemacht?

Der nächste Sonntag kam, wir feierten wieder Gottesdienst. Es kam wieder zum Segen. Diesmal passte ich auf, wo der Fehler liegen könnte. Ich hob wieder meine Hände – wie immer. Ich sagte die gleichen Worte „Der Herr segne uns und behüte uns …“ – wie immer. Ich hatte alles richtig gemacht. Zufrieden ging ich an den Ausgang. Sie kam. Händeschüttelnd sagte sie: „Sie sollten öfter in der Bibel lesen! Dann würden sie Gott die Ehre geben! Ich möchte den Segen zugesprochen bekommen!“ Er kam wieder hinter ihr her. „Machen sie sich nichts draus! Sie meint es nicht so!“ sagte er und ging ein paar Schritte. Dann blieb er stehen und drehte sich noch einmal zu mir um. Er lächelte mich an und sagte: „Aber sie hat Recht! Einen schönen Sonntag noch!“

Zwei Tage später besuchte ich die beiden. Ich wollte wissen, was ich in ihren Augen falsch machte. Wir nahmen uns eine Bibel und lasen was da an dieser Stelle Num 6, 24-26 wirklich stand. „Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“  „Aber das sag’ ich doch auch!“ war mein erster Gedanke und Satz danach. „Nein“, sagte er – mein Kollege – „du sagst nicht „dich“, du sagst „uns“! Und das ist ein Unterschied! Ein großer Unterschied! Du bist der Bote, der Überbringer des Segens Gottes! Sein Segen ist ein großes Geschenk an alle! Es ist seine gute Gabe für alle, die vor ihm stehen und ihn empfangen! Es ist sein Versprechen, bei jedem einzelnen und bei gleichzeitig deshalb auch bei allen Menschen zu sein! Also verschenk’ Gottes Wort reichlich!“

Dieser Nachmittag bei diesen wunderbaren beiden Menschen war für mich mein ganz persönliches drittes Erlebnis, neu zu erfahren, wie Gott für uns Menschen ist und wie er natürlich auch für mich ist. Die ersten beiden Erlebnisse mit Texten aus der Bibel, die mich zu dem gemacht haben, was und wie ich bin, habe ich ganz zu Anfang kurz genannt. Hier – im aaronitischen Segen – begegnet mir meine „dritte Säule“, auf die der Gott, an den ich glaube, gebaut ist.

Ich habe damals verstanden, worin der Unterschied zwischen den Worten, die ich bis dahin benutzt hatte, und dem, was uns als Segen und als heutiger Predigttext in der Bibel tatsächlich begegnet. Ich hatte bis dahin immer die Formulierung „Gott segne uns und behüte uns …“ als Segen zum Schluss eines Gottesdienstes benutzt. Ich hatte nämlich niemals vor, mich über die Gemeinde zu erhöhen und etwas auf sie zu legen, was ich durch die Geste der erhobenen Hände allerdings eigentlich immer sowieso schon getan hatte. Meine Absicht war es bis dahin, mich auf eine Stufe mit der Gemeinde vor Gott zu stellen und gemeinsam mit allen, um seinen Segen zu bitten. Deshalb immer mein „Gott segne uns und behüte uns …“. Es war aber dann tatsächlich eine Bitte! Ein Bitte um Gottes Segen!

Und genau so hatte es die Pfarrfrau immer auch empfunden, aber es kam dann eben kein Segen mehr. Nach ihrer Ansicht beendete ich meine Gottesdienste immer mit der Bitte um einen Segen. Aber dann blieb der Segen eben aus. Und sie verließ immer die Kirche mit dem Gefühl, Gottes Segen noch irgendwie oder irgendwo erfahren zu müssen. Irgendwie fühlte sie sich eben ungesegnet!

Aber das Wichtigste, das mir in dem Gespräch mit meinem Kollegen klar wurde – und das hat mich bis heute eben geprägt und dankbar gemacht -, war etwas anderes.

Er hat mich gelehrt, dass ich mich als Pfarrer am Ende eines Gottesdienstes noch einmal sehr sensibel zu einem Werkzeug Gottes machen lassen darf. Gott nimmt mich in seinen Dienst, damit ich sein – und eben nicht mein – Wort weitersage. Genau wie z.B. in der Predigt auch!

Ich darf am Ende eines Gottesdienstes seinen Segen weitergeben. Er geht durch meinen Mund und durch meine Hände. Es ist sein Geschenk an alle Menschen, und es geht auch durch mich! Es ist sein Geschenk an jeden einzelnen Menschen, der vor ihm steht. Ganz egal wie jung oder alt, ganz egal wie fromm oder unfromm, ganz egal wie einheimisch oder fremd!

Mich hat diese Einsicht, die ich durch einen Kollegen geschenkt bekam, der unvergesslich in meinem Herzen bleibt, bis heute und zukünftig verändert. Und viele, die mich lange in meinem Dienst begleiten, wissen das.

Ich habe seitdem sogar meine Segensgeste verändert. Niemals mehr habe ich meine Hände zum Segen über die Gemeinde erhoben. Segen ist und bleibt Geschenk Gottes. Deshalb strecke ich, während ich nun die Segensworte spreche, meine Hände mit den Handflächen nach oben zur Gemeinde hin. Der Segen ist und bleibt ein Geschenk. Und ich überreiche es praktisch in Gottes Namen an die, die vor ihm versammelt sind, weiter.

Seit ich gelernt habe, all mein pfarramtliches Handeln im Gottesdienst in erster Linie immer durch die Augen Gottes, zu sehen, der mich dazu in Gottesdiensten, bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und bei Beerdigungen in den Dienst nimmt, höre ich am Ende eines Gottesdienstes geradezu immer, wie er zu den Menschen spricht, wenn er sagt – und nun übersetze ich die Segensworte aus dem Buch Numeri tatsächlich einmal:

„Ich segne dich! Ich behüte dich und verlasse dich nie! Ich schaue dich an und freue mich über dich! Ich richte dich niemals, sondern wende mich dir in all meiner Gnade und Liebe zu! Ich schaue auf dich und um dich herum, damit du sicher in mir leben darfst. Ich schenke dir meinen Frieden, in dem deine Seele Ruhe findet und dir alle Angst genommen ist! Lebe und sei gewiss: Ich lebe mit dir!“

Das alles ist uns gewiss und von Gott zugesprochen, wenn wir am Ende eines Gottesdienstes eben nicht nur einfach durch den Menschen, der am Altar steht, Gott um seinen Segen bitten. Dazu können Lieder wie „Komm, Herr, segne uns“ oder „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ vor den Segensworten eher helfen, solch eine Bitte vor Gott zu bringen, und das können wir durchaus zusammen tun – wenn wir es denn irgendwann wieder können und dürfen.

Nein, wir dürfen uns wirklich segnen und behüten lassen. Gott selbst schenkt uns sein Versprechen, bei uns zu sein, als seinen Segen. Und deshalb heißt es eben richtig, so wie es heute auch in unserem Predigttext steht: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Er hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden!“ Obwohl, so manches Mal bin ich auch dem untreu geworden, wenn ich das „dich“ durch ein „euch“ ersetze. Aber es bleibt dann immer noch eher sein Segen als es durch das „uns“ zu einer Bitte formuliert wird.

Eine Bitte am Schluss habe ich noch! Wenn Ihr, liebe Schwestern und Brüder,  unsere Lesegottesdienste aufmerksam verfolgt – und ich freue mich sehr darüber, dass es einige tun und auch weitergeben -, dann wisst ihr, dass ich weiter unten in den gottesdienstlichen Texten vor dem Segen immer darum bitte, sich die Menschen vorzustellen, an die Ihr gerade denkt und die Ihr dem Segen Gottes anvertraut.

Und nun meine Bitte: tut es auch! Stellt euch die Menschen vor, die in eurem Herzen sind und für die ihr selbst Gott um seinen Segen bitten möchtet. Und dann lasst Euch in den Dienst nehmen von Gott! Lasst Gottes Worte durch Euren Mund gehen, sprecht die Segensworte, so wie ihr sie dort findet. Es ist Gottes Stimme, die durch euch geht und aus euch kommt! Vielleicht segnet Ihr sie sogar aus der Entfernung auch mit Euren Händen und teilt somit Gottes Freude aus! Der Segen Gottes als Ausdruck seines Versprechens an alle und seine Freude über alle – all das geht auch durch Euch – durch Euer Herz, aus Eurem Mund und durch Eure Hände! Und natürlich gilt das alles auch Euch! Denn ein guter Herr und Vater sorgt immer auch für seine Dienerinnen und Diener! Seid gesegnet und behütet!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter und gütiger Gott,

du wirst andere Menschen aus uns machen.

Du willst nicht,

daß wir einander zerstören,

du willst,

daß wir deine Liebe leben;

sie neu zu leben lernen.

Darüber dürfen wir uns freuen,

denn wir leiden an uns selbst,

dass wir nicht sind,

wie du uns haben willst.

 

Wir bitten dich:

Gewähre uns genug Zeit,

schenke uns eine neue Zeit,

dass der neue Mensch in uns wachsen kann.

Schenke uns den nötigen Raum,

damit wir nicht heimatlos werden,

wenn wir vertraute Standpunkte verlassen.

Wir sehen auf die Menschen neben uns.

Gib,

dass wir niemanden danach beurteilen,

was er im Augenblick darstellt,

sondern herausfinden,

wer er wirklich ist.

 

Schenke uns Geduld miteinander,

schenke uns Zeit und Raum,

damit wir untereinander zu leben lernen,

wie du es willst.

 

So vieles müssen wir in diesen Tagen neu bedenken,

so viele Sorgen begleiten uns.

Alles, was uns so sicher schien,

wir stellen es infrage.

Da ist die Unruhe in uns über das,

was werden wird.

Schenke uns die Ruhe,

damit wir in der Stille zu dir beten können.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag! Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 118, die Verse 24-29

 24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Lieber und guter Gott!

Du hast uns alles geschenkt.

Deine Schöpfung, deinen Sohn

und auch deinen heiligen Geist.

Was machen wir daraus?

So vieles läuft schief!

So vieles ist auf einmal anders geworden.

So vieles scheint unsicher.

Auch wir selbst haben uns verändert –

in unseren Ansichten und Meinungen.

Wir unterscheiden neu,

was wichtig und unwichtig für unser Leben ist.

Da ist viel Zuversicht und Glaube,

aber auch Kleingläubigkeit und Unglaube.

So vieles ist da, was uns verwirrt.

Wir glauben uns allein und verlassen.

Wie oft vergessen wir aber dabei,

dass du immer bei uns bist,

dass du uns niemals allein lässt?

In allem und auch in uns bist du, guter Gott!

Ja, auch jetzt,

wenn wir dich in der Stille zu dir bete,

hörst du mich, hörst mir zu.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Ich danke, dass du mir in meiner Stille nahe bist

und hörst, was ich dir anvertraue.

Ich danke dir,

dass du mich heute an diesem Pfingsttag daran erinnerst,

was du deinen Jüngern und uns allen verheißen hast:

 

Aber der Tröster, der heilige Geist,

welchen mein Vater senden wird in meinem Namen,

der wird euch alles lehren und euch erinnern an all das,

was ich euch gesagt habe.

Den Frieden lasse ich euch,

meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Guter Gott und Vater! Lieber Gott!

Du entzündest in uns das Feuer deiner Liebe!

Du schenkst uns allen deinen heiligen Geist.

Wir sind gerufen, deine Kirche zu werden

– immer wieder neu.

Eine Kirche, die schon in der Familie,

ja, die sogar schon in uns selbst,

in unseren Wohnungen und Häusern

beginnt und lebt.

Wir alle gehören dazu,

denn du schließt niemanden aus.

Du kommst und bleibst bei uns.

Gestern, heute und in aller Zeit.

Dafür danken wir dir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14, die Verse 15-19.23-27

Die Verheißung des Heiligen Geistes

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.

26 Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 2, die Verse 1-18

(auch Predigttext)

Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt.

Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder.

Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.

Nun lebten in Jerusalem fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten.

Als sie das mächtige Rauschen hörten, strömten sie alle zusammen. Sie waren ganz verwirrt, denn jeder hörte die Versammelten, die Apostel und die anderen, in seiner eigenen Sprache reden.

Außer sich vor Staunen riefen sie: »Die Leute, die da reden, sind doch alle aus Galiläa!

Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?

Wir kommen aus Persien, Medien und Elam, aus Mesopotamien, aus Judäa und Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien,

aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten, aus der Gegend von Zyrene in Libyen und sogar aus Rom.

Wir sind geborene Juden und Fremde, die sich der jüdischen Gemeinde angeschlossen haben, Insel- und Wüstenbewohner. Und wir alle hören sie in unserer eigenen Sprache die großen Taten Gottes verkünden!«

Erstaunt und ratlos fragten sie einander, was das bedeuten solle.

Andere machten sich darüber lustig und meinten: »Die Leute sind doch betrunken!«

Da stand Petrus auf und die elf anderen Apostel mit ihm, und er rief laut: »Ihr Juden aus aller Welt und alle Bewohner Jerusalems! Lasst euch erklären, was hier vorgeht; hört mich an!

Die Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst neun Uhr früh.

Nein, hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joël angekündigt hat:

‚Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume.

Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt!

Liebe Schwestern und Brüder!

Gewaltig was da erzählt wird, der Geist Gottes kommt zu Jesu Anhängern. Sie hatten sich nach seinem Tod verkrochen, vielleicht aus Angst selbst den Tod zu finden.

Aber der Geist, den sie erhalten, die Begeisterung, die sie am eigenen Leib erfahren haben, ändert alles. Sie fangen an, laut von Gottes Taten zu erzählen und werden auf wunderbare Weise von allen verstanden.

Dazu kommt die flammende Predigt des Petrus! Ein Funke, der überspringt. Tief beeindruckte, in das Herz getroffene Zuhörerinnen und Zuhörer. 3000 Menschen, die sich taufen lassen. Ein wahr gewordener Pfingsttraum!

In meinem Studium habe ich einige Jahre mit einem baptistischen Studenten zusammen studiert und gewohnt. Er hat immer mal wieder behauptet, die Landeskirche schränke mit ihren Gottesdiensten den heiligen Geist viel zu sehr einschränken.

Ich habe das immer bestritten, hatte ich doch während meines Studiums bei meinen regelmäßigen Predigten in meiner Heimatgemeinde eine doppelte Erfahrung gemacht:

Voll Freude hielt ich meine Predigt aus dem Homiletikseminar – mit gut benotet und entsprechend sprachlich und theologisch richtig gut -, aber schon während des Gottesdienstes merkte ich, dass die Botschaft irgendwie nicht ankam. Drei Wochen später stand ich noch mal auf der Kanzel – als Vertretung in den Sommerferien. 13 Leute verloren sich in der Kirche, vier davon aus unserem Kirchenchor, einer davon auch noch ausgerechnet der Finanz-Kirchmeister unserer Gemeinde, mit dem ich über Kreuz lag. Ich hatte einen dicken Klos im Hals, weil mir die Geschichte vom brennenden Dornbusch zwar eine Menge sagte, ich es aber nicht recht formulieren konnte.

Nach dem Gottesdienst bat er mich um ein Gespräch im Gemeindehaus. Zu meiner Überraschung war bei ihm nicht nur angekommen, was ich sagen wollte, es hatte ihn auch getroffen. Meine Erfahrung aus diesen beiden Erlebnissen: Der Geist weht, wo er will. Er hilft, da wo wir zu scheitern, drohen, und wenn wir scheitern tröstet er uns.

Und das zweite noch viel wichtigere: Wenn ich einen Gottesdienst halte, dann mache ich im Grunde nichts, sondern der Macher ist Gottes Heiliger Geist. Durch ihn dient uns Gott, durch ihn stiftet er Gemeinschaft. Er hilft, füreinander da zu sein.

Wer von diesem Geist begeistert ist, fällt dem oder der anderen vielleicht eben nicht vor Begeisterung direkt um den Hals. Nein, er geht vielmehr achtsam mit ihm um.

Gerade in dieser Zeit, wo plötzlich die Umgangsformen ganz neu definiert werden, hilft dieser Geist Gottes uns auch dabei, andere Möglichkeiten zu finden, für die anderen da zu sein und ihnen Gottes frohes Wort weiterzusagen.

Und er gibt uns Mut! Mut überhaupt noch etwas zu tun!

Und den braucht es auch gerade in diesen Zeiten in unserem Leben. Die Bedrohung durch das Virus hat für mich zu einer völligen Umkehr der Lebensverhältnisse geführt. Mir scheint, als sei plötzlich alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.

Und so sind diejenigen, die für die Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen Verantwortung tragen, auch noch zu dieser Verantwortung mit erheblich Bußgeldandrohungen belegt für den Fall, dass etwas passiert.

Für mich ist es so ein echtes Pfingstwunder, dass es heute für uns evangelischen Christinnen und Christen die Möglichkeit gibt, Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Peter feiern können.

Nach unserer Kirchenordnung, sind es die Presbyter, die die Verantwortung für die äußere Durchführung der Gottesdienste haben. Und so haben sie –  im Bewusstsein ihrer Verantwortung und der persönlichen Haftung – das Schutzkonzept, das für diesen Gottesdienst zwingend vorgeschrieben war, erarbeitet und arbeiten bei dessen Umsetzung mit. Dafür sei ihnen allen auch an diesem Ort ganz herzlich Danke gesagt.

Und zugleich gilt unser Dank den Schwestern und Brüdern der katholischen Sankt Peter Kirchengemeinde, bei der wir heute wie selbstverständlich eingeladen sind.

Der Geist Jesu, an dessen Kommen wir uns heute erinnern lassen, eint uns zu einer Gemeinschaft der Heiligen. Die Gastfreundschaft, die wir hier erfahren, ist auf dem Weg zu dieser Gemeinschaft ein wunderbares Wegzeichen.

In diesen Corona-Zeiten Gott auf diesem Weg nicht loben und danken zu können, nicht in lauten Jubel ausbrechen zu können, nicht mit allen gemeinsam singen zu dürfen – all das fällt schwer!

Ein Blick zurück auf das allererste Pfingstfest zeigt, in welch schwierigen Zeiten wir heute leben.

Aber so ängstlich ich den Wettlauf zwischen den Bundesländern bei der Beendigung des Shut-Downs beobachte, ich bin und bleibe gewiss:

Gott hat der ersten Gemeinde an Pfingsten gegen ihre Angst seinen Geist gegeben und ihr so das Leben in Gemeinschaft ermöglicht. Er gibt auch uns in dieser Zeit seinen Geist, damit wir auch ohne Angst, dafür mit Mut und Fantasie neue Wege finden als seine Gemeinde miteinander zu leben, so dass wir mehr und mehr dazu kommen, diese widernatürliche Situation auch wieder zu überwinden. Und wir werden in einer nicht allzu fernen Zukunft dann endlich so miteinander leben, wie es von Gott her gemeint ist. Ihnen allen ein gesegnetes Pfingstfest!

 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen!

 

Fürbittgebet

Du Heiliger Geist, komm, komm zu uns, erneure uns,
ermutige uns, dich zu bekennen,
begeistere uns, beieinander zu bleiben.
Stifte uns an, dich zu verkündigen,
komm zu deinen Gläubigen

und komm auch zu mir.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist,
komm zu den Armen und Notleidenden,
sättige sie, heile sie,
bestärke sie in ihrem Vertrauen zu dir,
lass sie nicht resignieren.
Sende ihnen Menschen,
die mit ihnen zusammen gegen das Elend ankämpfen.
Komm und schenke neues Leben!

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Stolzen und Mächtigen,
leite sie zur Umkehr.
Gib ihnen Liebe zu denen, die ihnen anvertraut sind,
schärfe ihre Gewissen, lass sie dich suchen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Trauernden und Verzweifelten,
tröste sie, wärme ihre Herzen,
erfülle sie mit Hoffnung.
Gib ihnen Menschen, die ihnen Nähe schenken,
lass sie Hoffnung schöpfen, zeige ihnen dein Licht.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Fröhlichen und Glücklichen,
mache ihre Freude groß.
Lass sie dich als Quelle aller Freude erkennen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu deiner Kirche,
bewege sie, eine sie,
stärke sie in ihrem Glauben an den einen Herrn Jesus Christus.
Komm und schenke neues Leben.

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und frohe Pfingsten!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Pfarrer Oliver Schmidt und Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 27, die Verse 1.7-14

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir! 

8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz. 

9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf. 

11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen. 

12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht. 

13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen. 

14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist 

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Amen.

 

Gebet

Jesus Christus, 

immer wieder fragen wir uns:

Wer hört eigentlich, wenn wir rufen?

Wer tröstet uns, wenn wir einmal traurig sind?

Wer fängt uns auf, wenn wir einmal fallen?

Wer gibt uns einmal zu essen, wenn wir hungrig sind;

und vielleicht auch ganz ohne irgendwelche Mittel?

Wer sieht unser Unrecht und unsere Fehler und hilft uns?

Wer erkennt unsere Einsamkeit?

Du selbst, Herr, willst Antwort auf unsere Fragen sein.

Du kommst und erbarmst dich unser!

So lernen wir, neu zu vertrauen und zu danken.

Und sprechen:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

Er erhört uns in aller Angst.

Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen

und sich nicht zu verlassen auf Menschen und Mächte.

Der Herr ist meine Macht und mein Heil.

Ich werde nicht sterben, sondern mit ihm leben.

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören.

In dieser ungewissen Zeit lasse uns Ruhe finden

und sprich du in der Stille neu zu uns.

In aller Unruhe unserer Herzen schenke uns dein Wort

und tröste uns mit der Kraft deiner Liebe.

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören.

Das bitten wir in Jesus Christus, 

deinem Sohn, unserem Herrn, 

der mit dir und dem heiligen Geist 

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 16, die Verse 5-15

Das Werk des Heiligen Geistes

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin? 

6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer. 

7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden. 

8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht; 

9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben; 

10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist. 

12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen. 

13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen. 

14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen. 

15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! 

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus Jeremia, Kapitel 31, die Verse 31-34

(auch Predigttext)

Der neue Bund

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, 

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR; 

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da sein wird.

Nein, diesen Sonntag mag ich nicht im Verlauf des Kirchenjahres – und ob er wirklich in die Freudenzeit ist für mich die Frage. Jesus ist endgültig gegangen, und die Bibel berichtet, dass die Jünger sich ängstlich verkriechen. Jesus hat den Tröster verheissen, aber es scheinen Zweifel bestanden zu haben. Jedenfalls berichtet der Anfang der Pfingstgeschichte, dass sich die Jünger mehr oder weniger verkrochen haben. Und die Jünger wussten noch nicht, dass schon an und mit Pfingsten alles anders wird.

Und natürlich ist es ganz etwas anderes, ob man sich von Angesicht zu Angesicht sieht oder dies mittels irgendwelcher technischer Hilfsmittel ersetzt. Wie sehr einem schnell der persönliche Kontakt fehlt, haben wir in den vergangenen Wochen schmerzvoll entdecken müssen. Telefonieren, skypen oder zoomen ersetzt eben die persönliche Begegnung nicht.

Und so ist dieser Sonntag für mich passend für diese Zeit, in der wir auf bessere Zeiten zugehen, aber ein Freudensonntag? Eher ein Hoffnungslicht auf das, was da kommt, ein Vorfreudensonntag auf Pfingsten zu, wo wir uns hoffentlich und endlich wieder von Angesicht zu Angesicht im Gottesdienst sehen werden.

Aber zurück zum Predigttext! Jeremia lebte in einer dunklen Zeit im 6. Jahrhundert vor Christus. Weite Teile von Israel und Juda sind von den Babyloniern eingenommen worden. Die Städte dort sind zerstört, die Führungsschicht des Landes wurde nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem aber war noch frei. Und der König tat so, als ob das auch immer so bleiben würde. Dabei kamen die Babylonier mit ihrer mächtigen Armee immer näher. Jeremia erkennt: Jerusalem hat keine Chance! Und er weiß: Das ist Gottes gerechte Strafe dafür, dass das Volk seinen Bund gebrochen hat. Als Prophet hat Jeremia viel zu tun: Schon lange hielten sich der König und die Menschen nicht mehr an Gottes Gebote. Sie verehren andere Götter, sie kümmern sich nicht um Witwen und Waisen, sie lügen, betrügen und stehlen. Deshalb, so richtet Jeremia die Botschaft Gottes aus, wird Gott die Babylonier über Jerusalem kommen lassen und Jerusalem wird zerstört werden, so wie es bereits den Dörfern und Städten im Norden ging. Aber weder der König, noch die Priester, noch das Volk wollten auf Jeremia hören, sie vertrauten darauf: Gott wohnt im Tempel. Er garantiert unsere Sicherheit. Jerusalem ist uneinnehmbar. Für sie war Jeremia deshalb ein Schwarzseher, ein Unruhestifter, ein Spinner. Aber Jeremia ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Er predigte den Untergang, auch wenn er verhaftet und geschlagen wurde, wenn Anschläge auf ihn verübt werden und er in Lebensgefahr war.

Und dann trat ein, was Jeremia vorausgesagt hatte: Die Babylonier belagerten Jerusalem. Und angesichts der unmittelbar bevorstehenden Katastrophe redet Jeremia ganz anders.

Als alle wussten, dass sie jetzt dem Untergang und Verderben entgegen gehen und bereuten, dass sie Gottes Weg verlassen haben, sagt Jeremia eine Zeit voraus, in der Gott seinen Bund erneuern wird. Dann wird der Mensch Gott erkennen, und das Gesetz Gottes wird den Menschen ins Herz geschrieben sein. Sie werden Gottes Wort befolgen, nicht weil sie es müssen und weil sie dazu ermahnt werden, sondern weil sie es wollen. Das ist nicht das Ende, sagt Jeremia voraus, auch wenn Jerusalem jetzt zerstört wird, auch wenn ihr in das Exil geführt werdet, auch wenn ihr so weit von Gottes Wegen und seinem Gesetz entfernt seid, das ist nicht das Ende. Gottes Weg mit euch geht weiter, Gottes Gnade wird größer sein als eure Schuld. „Es lohnt sich“, könnte Jeremia den Menschen sagen, „es lohnt sich, weiterzumachen, nicht aufzugeben, zu Gott zurückzukehren. Das ist nicht das Ende. In Gottes Namen sage ich euch: Es wird eine Zeit kommen, da wird alles wieder gut.“ Diese Zeit kommt allerdings nicht gleich und oft gerade dann nicht, wenn man sie sich als Mensch am meisten wünscht.

„Es kommt die Zeit“, sagt Gott. Sie ist eben noch nicht da. Und so neigen wir dazu, uns zu verkriechen, wie es die Jünger zwischen Himmelfahrt und Pfingsten getan haben. Aber Gott gibt nicht auf. Er will, dass es am Ende gut wird für seine Menschen. Er will, dass sie gut leben. Deshalb hat er sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Deshalb hat er ihnen die 10 Gebote auf den steinernen Tafeln gegeben. Deshalb hat Gott seine Propheten geschickt, die unter dem Einsatz des eigenen Lebens Gottes Willen ausrichten. Und deshalb schickte Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, damit die Menschen erfahren, wie gut es Gott mit ihnen meint. Als Jesus dann am Kreuz starb, dachten die Menschen, die an ihn glaubten und die mit ihm gegangen sind, dass dies das Ende wäre. Aber sie durften erfahren, dass Gott einen neuen Anfang setzte, denn Jesus war nach drei Tagen wieder lebendig. Und als Jesus dann an Himmelfahrt in den Himmel fuhr, schien das wieder das Ende zu sein. Aber es war nicht das Ende, Gott sandte seinen Heiligen Geist und machte wieder einen Anfang, und seine frohe Botschaft breitete sich aus bis an das Ende der Welt.

Und am Ende dieser Zeit wird seine neue Welt kommen. Wie diese neue Welt, diese neue Zeit aussehen wird, wissen wir nicht wirklich, aber Jeremia lässt uns einen Blick darauf werfen. 

Für diese Zeit, die kommen soll, sagt Jeremia einen Bund Gottes mit den Menschen voraus. Dann werden die Menschen nicht mehr nach Gott fragen müssen, sondern sie werden ihn erkennen, und sein Gesetz soll in ihre Herzen geschrieben sein. Ohne Zweifel wird das auch wieder die Erde neu machen. Und diese neue Zeit strahlt schon jetzt in diese Welt.

Für uns Christen hat mit Jesus Gottes neuer Bund mit uns Menschen begonnen. In Jesus stellt Gott sich ein für allemal auf die Seite der Menschen. Er wird selbst ein Mensch. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie Gott ist. Aus den Worten und Geschichten Jesu wissen wir, wie Gott ist. In Jesus gibt sich Gott zu erkennen. Die Liebe ist sein Gesetz. Die Liebe ist das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Die Liebe ist das Gesetz, das uns Gott ins Herz gibt. Die Liebe ist das Gesetz, das uns sagt, was zu tun und was zu lassen ist. Die Liebe macht, dass das Ende gut wird. Wo die Liebe regiert, ist die Zeit, von der der Prophet Jeremia spricht, schon angebrochen. Sie ist noch nicht vollendet. Die Vollendung ist noch nicht ganz da, aber Jeremia blickt bis an das Ende der Welt. Fast ganz am Ende der Bibel werden Jeremias Worte noch einmal zitiert. Dort beschreibt der Seher Johannes, wie es sein wird, wenn am Ende der Zeit Gottes neues Reich anbricht und wenn wirklich alles gut sein wird: Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. (Offb 21,3b-4). Dann erst wird das Ende sein, dahin sind wir unterwegs durch die Zeit und dann wird es wahrlich gut sein.

Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Eph3, 20f)

Und der Friede Gottes, der Frieden möglich macht, indem er in unsere Herzen einzieht, der bewahre uns alle durch unsern Glauben an unseren Herrn Jesus Christus zum Leben in seinem Reich.

Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott! Wir rufen zu dir: 

Gott, viele fühlen sich leer, 

ausgelaugt und ohne Halt. 

Lege ihnen die Liebe neu ins Herz, 

damit sie sich und anderen wieder etwas zutrauen. 

Herr, erbarme dich!

Viele fühlen sich einsam, 

ohne Menschen, die ihnen zuhören können. 

Laß sie gute und neue Erfahrungen machen 

– gerade auch in dieser Zeit –,

damit sie sich wieder freuen können 

und das Leben neu entdecken. 

Herr, erbarme dich!

Viele sind wie stumm, 

können nicht in Worte fassen, 

was sie bedrückt und quält. 

Richte sie auf, damit sie ein neues Licht sehen, 

Hilfe finden, und wieder sprechen 

und sogar wieder singen lernen. 

Herr, erbarme dich!

Viele fürchten sich vor dem, 

was kommt und ihnen geschehen könnte. 

Alles ist ungewiss.

Stärke ihren Glauben, 

damit sie mutig werden 

und alle Angst verlieren. 

Denn du bist da – für uns!

Herr, erbarme dich!

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, die uns am Herzen liegen – und natürlich auch an uns selbst – und wir sprechen die Worte des Segens, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten 

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch 

und schenke euch Frieden.

Amen. 

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Oliver Schmidt, Pfr. 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 21. Mai 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 47, die Verse 2-10

 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde.

4 Er zwingt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße.

5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Schall der Posaune.

7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige!

8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen!

9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Schilde auf Erden; er ist hoch erhaben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Alles was ist, hast du geschaffen.

Alles, was lebt, erzählt deine Gedanken.

In allem, was ist, erfüllt sich dein Plan,

auch in uns, du Gott aller Welt.

In dir ist der Himmel über uns,

in dir ist die Erde unter uns.

Du bist die Höhe und die Tiefe,

das große und das Geringe.

Du bist in dem Wind, den wir atmen.

Du bist in dem Grund, auf dem wir stehen.

Du bist in der Erde, in der wir wurzeln.

Doch wir, wir treten all das, was dir gehört,

so oft buchstäblich mit unseren Füßen.

Wollen leben, ganz ohne dich.

Deine Liebe missachten wir,

doch du hältst unverbrüchlich an ihr und an uns fest.

So sind wir nun vor dir und hoffen auf dein Erbarmen,

denn von dir ist uns gesagt:

Der Gott aller Gnade wird euch aufrichten,

stärken, kräftigen und auf einen festen Grund stellen.

Du treusorgender Gott!

Du schaffst Licht in aller Dunkelheit,

Freude in den Traurigen,

Trost in den Schwermütigen,

Klarheit in den Verwirrten,

Leben in den Schwachen.

Schaffe Licht auch in uns an diesem und Tag und alle Zeit.

Sei uns nahe, damit wir dir nahe sein können.

Heile uns, geleite uns, segne uns.

Wir danken dir für deinen neuen Tag mit uns.

In Jesu Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 1, die Verse 3-11

3 Ihnen zeigte er sich nach seinem Leiden durch viele Beweise als der Lebendige und ließ sich sehen unter ihnen vierzig Tage lang und redete mit ihnen vom Reich Gottes.

4 Und als er mit ihnen beim Mahl war, befahl er ihnen, Jerusalem nicht zu verlassen, sondern zu warten auf die Verheißung des Vaters, die ihr – so sprach er – von mir gehört habt;

5 denn Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber sollt mit dem Heiligen Geist getauft werden nicht lange nach diesen Tagen.

6 Die nun zusammengekommen waren, fragten ihn und sprachen: Herr, wirst du in dieser Zeit wieder aufrichten das Reich für Israel?

7 Er sprach aber zu ihnen: Es gebührt euch nicht, Zeit oder Stunde zu wissen, die der Vater in seiner Macht bestimmt hat;

8 aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch kommen wird, und werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an das Ende der Erde.

9 Und als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen.

10 Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe, da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern.

11 Die sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und seht gen Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 44-53

(auch Predigttext)

Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

Ihr seid Zeugen dafür.

Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;

sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder!

An diesem Tag – an Christi Himmelfahrt – wollten wir eigentlich unbeschwert und bei schönem Wetter in unserer Waldkirche feiern. Und es sind bestimmt nicht wenige, die jetzt danach fragen, warum es denn nicht so ist. Aber da sind so viele Dinge zu bedenken, da im Moment noch die gleichen Bedingungen für alle Gottesdienste gelten, egal ob sie in Kirchen oder unterfreiem Himmel stattfinden. Aber es wird daran gearbeitet, dass es doch auch bald wieder möglich wird. Und wir werden uns dann auch dort wiedersehen!

Heute möchte ich erst einmal einer anderen Frage nachgehen. Warum ist es bei vielen Gemeinden eigentlich so, genau an diesem Tag, am Christi Himmelfahrtstag, rauszugehen. Raus aus den Kirchen, auf einen freien Platz mit Blick auf den Himmel? Was steckt dahinter?

Kann es sein, dass wir den Blick an den Himmel brauchen, um uns diese Szene aus dem Lukasevangelium überhaupt vorstellen zu können? Es kann ja sein, dass uns biblische Geschichten schneller als Glaubensinhalte ins Herz gehen, wenn wir sie uns irgendwie bildlich vorstellen können, oder eben auch nicht. Bei fünf Broten und zwei Fischen, die wir uns im Konfirmandenunterricht einmal angeschaut haben, haben wir über alle Möglichkeiten diskutiert, bis zu dem Ergebnis, dass man sie so klein nicht teilen kann, dass davon 5000 Menschen satt werden. „Man kann einfach nur glauben“, sagte ein Konfirmand, „dass Jesus eben doch Dinge tun konnte, die wir nicht können!“

Über heilende Hände z.B., die bei Jesus ja auch eine Rolle gespielt haben, da gab es schon Deutungen, das war den Konfi’s sichtlich näher.

Aber bei Christi Himmelfahrt, da merkten es die jungen Menschen, scheitert zunächst einmal jeder Versuch einer Erklärung.

Vielleicht ist das ja bei uns allen irgendwie auch so. Und vielleicht ist deshalb unser Ortswechsel an diesem Tag ja auch ein Hinweis darauf, dass wir immer auch Deutungsmuster für unseren eigenen Glauben brauchen.

Ich höre oft, dass Menschen sagen, dass sie sich in der Natur Gott näher glauben als in der Kirche. Natürlich ahne ich bei einigen darin auch den Versuch, ihr eigenes Fernbleiben im sonntäglichen Gottesdienst vor dem Pfarrer irgendwie schnell zu entschuldigen. Darüber lächle ich innerlich immer. Denn stellen sie sich einmal vor, bei einem Kirchenbesuch von 2-4 Prozent aller Gemeindeglieder im Durchschnitt würde sich jedes Gemeindeglied an jedem Montag beim Pfarrer entschuldigen, warum es am Sonntag nicht in der Kirche war. Der Tag wäre ja voll.

Nein, ich glaube den Menschen, die mir das erzählen. An Himmelfahrt sind es zwei Dinge, die mir dabei helfen, es sogar sehr gut zu verstehen. Jesus selbst führt ja in unserer Geschichte seine Freunde raus vor die Stadt Betanien, auf einen Hügel. Wir hätten heute wohl auch auf einem gesessen. Jesus selbst führt seine Freunde in die Natur. Und das nicht nur einmal. Obwohl es war ihm natürlich ungleich leichter, denn Kirchen wie bei uns gab es für die jungen Nachfolger ja noch keine.

Und das andere: Vielleicht hilft ja gerade der Blick an den offenen Himmel meinem Suchen nach Gott, nach dem Jesus, der ja auch versprochen hat wiederzukommen.

Obwohl den meisten von uns klar ist, die Geschichte, dass Jesus leibhaftig in den Himmel auffährt, ist nun einmal schwer zu glauben. Und dass er leibhaftig aus diesem Himmel wiederkommt, ist mindestens genau so schwer, im eigenen Glauben anzunehmen. Aber genau das ist uns verheißen in der Bibel.

 

Liebe Schwester und Brüder!

Aufgefahren in den Himmel – von dort wird er kommen.

So bekennen wir es in jedem Gottesdienst; wir haben das Glaubensbekenntnis etwas weiter oben auch gelesen. Der Himmel spielt also eine große Rolle in unserem ganz privaten Glauben. Dort glauben wir unsere Verstorbenen geborgen. Dort sitzt der Gott, der alles sieht, sogar ob wir unseren Teller leer gegessen haben, so wurde es jedenfalls mir als Kind immer eingeredet – und bestimmt nicht nur mir. Wenn wir uns Gott vorstellen und uns an unsere Kinderbilder erinnern, die wir manchmal angefertigt haben, im Kindergarten, in der Grundschule – wie oft war es der alte Mann mit Bart, der auf einer Wolke im Himmel sitzt. Und selbst Ludwig Thoma ist durch seine Kurzgeschichte vom „Münchner im Himmel“ bekannt geworden, der seit 1911 verzweifelt versucht, als unzufriedener Engel sein „Halleluja“ auf der Harfe anzustimmen.

Ja, unter freiem Himmel an Himmelfahrt, das hat auch in unserer Gemeinde eine Tradition bekommen, und wir werden sie auch wieder fortführen. Denn an diesem Tag – und nicht nur an diesem – schauen wir eben gern auch in den Himmel.

Was sehen wir? Was glauben wir?

Die Menschen mit Englisch als ihrer Muttersprache, die haben es leichter als wir, vom Himmel zu erzählen, so dass andere, die ihnen zuhören, gleich wissen, wovon sie erzählen.

Im englischen benutzt man das Wort „sky“, um von dem Himmel zu erzählen, den man sieht, vom Himmel, der blau ist, der bewölkt ist, aus dem es regnet, an dem die Vögel fliegen.

Erzählt man im Englischen von dem Himmel, an den man glaubt, benutzt man das Wort „heaven“. Eric Clapton singt in seinem berühmten Lied „Tears in heaven“ z.B. von seinen Tränen, die aufwärts steigen in den Himmel, in dem sein vierjähriger Sohn, der durch einen Sturz aus dem Fenster ums Leben kam, geborgen ist.

Heaven ist der Himmel an den sich im Englischen das Vaterunser richtet.

Es macht es natürlich einfach, zwei verschiedene Worte zu haben. Und da bin ich noch einmal bei den Menschen, die sagen, in der Natur bin ich Gott und seinem Himmel näher. Wir haben zwar nur ein Wort für das da oben. Aber wir meinen auch zwei verschiedene Himmel. Die, die sagen, dass sie in der Natur näher bei Gott sind, sagen das ja wohl deshalb, weil sie ihrem eigenen Glauben an Gott näher sind. Nicht Gott selbst, dem sind wir in jeder Kirche genau so nahe. Aber der Himmel, an den wir glauben, und dem wir an verschiedenen Orten uns näher fühlen, liegt dieser Himmel nicht immer auch ein gutes Stück weit in uns selbst? Tragen wir diesen nicht mit, und gerade an Orten, an denen wir uns freier und unbeschwerter fühlen, fühlen wir ihn da nicht näher?

Für mich selbst kann ich das sehr gut nachempfinden und mache es mir selbst an einem Beispiel noch einmal klar. Vor etwas mehr als drei Jahren starb meine Mutter. Ich glaube sie ganz fest bei Gott im Himmel geborgen. Aber die Momente, in denen ich mich ihr nahe glaube, in denen ich spüren darf, dass sie selbst mir immer noch sehr nahe ist, Momente, in denen ich spüren darf, dass die Liebe eben niemals aufhört, das sind immer die Momente, in denen ich Zeit habe, an sie zu denken, oder wenn ich eben an Orten bin, an denen wir waren, oder an Tagen, die in unserer gemeinsamen Familiengeschichte eine besondere Bedeutung haben. Ja, der Himmel, in dem ich meine Mutter geborgen glaube, ist bei Gott. Aber dieser Himmel ist immer auch in mir, begleitet mich, geht mit. Und dieser Himmel lässt ganz oft für mich die Sonne scheinen, selbst an bewölkten Tagen!

Liebe Schwestern und Brüder,

könnte dass ein Schlüssel für die Himmelfahrtsgeschichte sein? Zu wissen, dass Jesus bei Gott im Himmel ist, aber dass Gott selbst diesen Himmel in uns alle – in jede und jeden von uns – legt? Gott geht mit uns, damit wir in unserem Leben spüren dürfen, wie nahe er uns sein möchte, dass er – Gott selbst – in uns leben und beten möchte. Jesus selbst möchte sich in uns offenbaren, damit wir hören, wie er uns ruft, wie er uns in den Dienst nehmen möchte und für uns jetzt schon in unserem Leben sorgt?

Vielleicht ist ja die Höhe, aus der der Heilige Geist kommt – Lukas beschreibt das als „aus der Höhe“ –, vielleicht ist das ja genau auch die Tiefe in unserem Herzen, in dem er jetzt schon wohnt und uns öffnet – für alles was auf uns im unserem Leben noch wartet, für alle Begegnungen mit Menschen, die er auf unseren Weg stellt, ja für all die Situationen, die wir jetzt noch nicht ahnen, die wir aber mit ihm bestehen werden, zum Beispiel auch diese Zeit, die uns allen gerade so viel abverlangt!

Glücklich der Mensch, der Gott immer auch in sich selbst findet und der Gott aus vertrauensvollem Herzen preisen kann. Wo auch immer! Sollten Sie also heute auch rausgehen und in die Natur gehen. Gott geht mit und hört Ihnen zu! Und bestimmt antwortet er auch!

Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

 Zu dir beten wir, guter Gott,

Schöpfer dieser Welt.

Wir leben von deiner Güte und Weisheit.

 

Diese Welt gehört nicht uns, sie gehört dir.

Unsere Wissenschaft geht deinen Gedanken nach.

Unsere Technik verlässt sich auf deine Gesetze.

Unsere Wirtschaft lebt von deinen Gütern.

Unsere Politik ist dir verantwortlich.

Wir danken dir für Geist und Kraft der Menschen,

denn Geist und Kraft sind von dir.

 

Uns Menschen ist viel Macht gegeben.

Was deine Weisheit geschaffen hat,

ist uns unweisen Menschen anvertraut.

Was du gegeben hast, damit wir leben können,

ist Gefahr geworden für unser aller Leben.

Wir möchten dir danken für deine Welt.

Wir möchten einander schützen,

auch in diesen schwierigen Tagen,

vor Gewalt und Hass.

Wir möchten deine Gaben behüten:

Die Menschen und ihr Glück

Und das Leben der ganzen Erde.

 

Wir bitten dich,

bewahre uns und dieser Erde den Frieden.

Und bewahre uns davor,

den Frieden anderer zu gefährden:

den Frieden unserer Kinder, Freunde und Nachbarn

und aller, denen wir begegnen.

Wir bitten dich, Schöpfer dieser Welt,

hilf uns und gib Gelingen.

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

 

– für alle, die wir lieben.

 

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

 

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

 

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

 

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

 

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Feiertag! Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm Ps 95,1-7a

 1 Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

2 Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! 3 Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

4 Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

5 Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

6 Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

7 Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Gott, unser Vater!

Da ist auf einmal so viel Einsamkeit unter uns,

so viel Sprachlosigkeit.

Wir möchten gern reden,

so vertraut und nahe mit vielen anderen Menschen,

wie wir es immer taten.

Wir schwer tun wir uns zur Zeit damit,

miteinander zu reden,

unbelastet und ganz frei.

Und würden wir wirklich aussprechen,

was uns so schwer auf der Seele liegt?

Auch mit dir zu reden, ist nicht immer leicht.

Da wäre gerade so viel Klage,

da wäre unsere Frage „Warum das alles?“

Würden wir Worte finden für unser Lob,

für unsere Freude darüber, dass du da bist?

Herr, befreie uns von allen trüben Gedanken,

in denen wir uns gerade so oft verstricken.

Befreie uns von der Verschlossenheit,

in der wir zu verkümmern scheinen.

Schenke uns das Glück der Zwiesprache

mit dir und mit unseren Mitmenschen.

Lass uns wieder Nähe spüren!

Denn wir hängen doch an dir und an deinem Wort!

Daran denken wir, weil  es dein Sohn Jesus Christus,

uns doch so gesagt und versprochen hat:

 

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

 

Guter Gott und Vater!

Wenn wir auch jetzt nicht als Gemeinschaft versammelt sind,

so sind wir doch in deiner Gegenwart vereint,

weil du uns in unseren Wohnungen und Häusern aufsuchst,

um bei uns zu sein.

Wir sind niemals verlassen,

auch wenn wir manchmal meinen,

wir hätten keinen Boden unter den Füßen.

Du bist da, und du wirst immer da sein,

wo immer die Zeit uns hinführt.

Dass dieses für uns alle spürbar bleibt,

jeden Tag neu,

das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Timotheusbrief, Kapitel 2, die Verse 1-6a

Das Gemeindegebet

1 So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen,

2 für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stilles Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.

3 Dies ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserm Heiland,

4 welcher will, dass alle Menschen gerettet werden und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

5 Denn es ist ein Gott und ein Mittler zwischen Gott und den Menschen, nämlich der Mensch Christus Jesus,

6 der sich selbst gegeben hat als Lösegeld für alle.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 6, die Verse 5-15

(auch Predigttext)

5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.

6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir’s vergelten.

7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt.

10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden.

11 Unser tägliches Brot gib uns heute.

12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. [Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.]

14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben.

15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wieder ein Sonntag, dem das erste Wort des lateinischen Wochenpsalms den Namen gibt: Rogate – Betet. Und ums Gebet soll es heute gehen.

So wie damals im Vorstellungsgottesdienst meiner Tochter am 29.3.2009. An das Anspiel der Konfirmandinnen und Konfirmanden erinnere ich mich gerne und gebe es heute an dieser Stelle noch einmal wieder. Sebastian und der liebe Gott unterhalten sich.

 Sebastian begann die Lesung:

Mt 6,7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen.

8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel

(eine Mädchenstimme aus dem Hintergrund) – Ja?

S: Unterbrich mich nicht, ich bete!

– Aber du hast mich doch angesprochen.

S: Ich dich angesprochen? Äh… eigentlich nicht.  Das beten wir eben so: Vater unser im Himmel…

– Da, schon wieder, du rufst mich an, um ein Gespräch zu beginnen, oder? Also, worum geht’s?

S: Geheiligt werde dein Name …

– Meinst du das ernst?

S: Was soll ich ernst meinen?

– Na, daß du meinen Namen wirklich heiligen willst? Wenn ja, wie machst du das?

S: Wie ich das mache, deinen Namen heiligen? Eh… – keine Ahnung, wie ich das machen soll, haben wir im Paff (= Pfarrunterricht) nicht gelernt.

– Meinen Namen heiligen, das machst du, wenn du dich wirklich für mich inter­essierst und wenn du mich nur dann anrufst, wenn du wirklich mit mir reden willst. Überleg mal, wie oft du »ach, Gott« sagst, ohne überhaupt an mich zu denken. Dann heiligst du meinen Namen nicht.

S: Aha. Hm. Ja, das verstehe ich.

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel, so auf Erden . . .

– Und was tust du dafür?

S: Dass dein Reich kommt und dein Wille geschieht? Na hör mal! Siehst du nicht, wie oft ich mit Oma in der Kirche bin. Und außerdem: Seit dem ich im Paff bin helfe ich im Kigo und im Jugendclub . .

– Alle Achtung!  Aber: Ich will mehr: Dass dein Leben in Ordnung kommt. Dass deine Angewohnheiten, mit denen du anderen auf die Nerven gehst, verschwinden; dass du von anderen her und für andere denken lernst; dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Ich will, dass Kranke geheilt und Hungernde gespeist, Trauernde getröstet und Gefangene befreit werden. Denn alles, was du diesen Menschen tust, tust du für mich.“

S: Tja . . . da ist was dran. – Kann ich jetzt mal weiterbeten?

Unser tägliches Brot gib uns heute …

– Du hast Übergewicht, Mensch!

S: Soll ich den Satz denn weglassen?

– Nein, du sollst mehr mit anderen teilen. Deine Bitte beinhaltet die Verpflichtung, etwas dafür zu tun, dass die Millionen Hungernden dieser Welt ihr tägliches Brot bekommen. Das Geld, das du zwischendurch für Cola, Crunchips und Haribo ausgibst, könnte ich anderswo in der Welt gut gebrauchen.

S: Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigem . . .

– Und Frettchen?

S: Frettchen? – jetzt fang auch noch von dem an! Du weißt doch genau, wie sehr mich mich Jan-Frederik auf der Konfi-Fahrt im Regen hat stehen lassen hat, wenn ich schon sein Romika-Gesicht sehe, könnt ich direkt reintreten.

– Ja, ja, ich weiß, aber du hast doch gerade gebetet…

S: Ich hab es nicht so gemeint.

– Du bist wenigstens ehrlich.

Macht es dir eigentlich Spaß, mit soviel Wut und Aggressionen im Bauch herumzulaufen?

S: Nein, überhaupt nicht. Es macht mich richtig krank.

– Ich will dich heilen. Vergib Jan-Frederik, und ich vergebe dir. Es ist nicht leicht, aber es wird dir Frieden ins Herz bringen.

S: Hm. Ich weiß nicht recht, ob ich mich dazu überwinden kann.

– Ich helfe dir.

S: Manchmal frage ich mich wirklich, wie du das machst, dass du alle Menschen lieb hast. Ich fürchte, wenn ich Du wäre, dann hätte ich schon längst alle Menschen hops gehen lassen, so wie wir uns immer benehmen. Das ist wirklich gar nicht so einfach mit dem Vergeben.

– Ich merke, dass du anfängst, die Dinge in einem anderen Licht zu sehen. Das ist gut. S: Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen

– Nichts lieber als das! Meide bitte Personen und Situationen, durch die du versucht wirst.

S:Wie meinst du das?

– Du kennst doch deine schwachen Punkte: Angeberei, Aggression, Umgang mit Geld, Fußball, Mädchen, Computer: Gib dem Versucher keine Chance.

S: Ich glaube, das ist das schwierigste Vaterunser, das ich je gebetet habe. Aber es hat zum ersten Mal etwas mit dem zu tun, wie ich lebe.

– Schön, wir kommen weiter. Bete ruhig zu Ende.

S: Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen.

– Weißt du, was ich herrlich finde? Wenn Menschen wie du anfangen, mich wirklich ernst zu nehmen, wenn sie aufrichtig beten und dann das tun, was mein Wille ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Dass es nach dieser „Lesung“ keine eigentliche Predigt mehr gab, hat damals niemanden gestört.

Ich habe von den Konfirmanden in diesem Gottesdienst zwei Dinge gelernt.

Zum einen versuche ich seitdem in meinen Gottesdiensten das Vater Unser bewusster zu sprechen.

Zum andern aber hatte der Gottesdienst noch ein Nachspiel: Sebastian hat so aus vollem Herzen auf Jan-Frederik geschimpft, dass der sich nach dem Gottesdienst bei ihm entschuldigte. Die beiden sind beste Freunde geworden, haben für den Abend des Konfirmationstages vier Wochen später eine Konfirmationsfete im Jugendclub organisiert und haben sich bis sie 2017 bzw. 2019 weggezogen sind dort engagiert. Weil meine Tochter auch dort mitarbeitete,  habe ich die beiden in dieser Zeit immer wieder getroffen. Und in ihrem Umgang miteinander wurde mir immer wieder vor Augen gestellt, Vergebung ist möglich, aber auch notwendig.

Deshalb ist die Bitte um die Vergebung der Schuld die einzige, die an eine  „Bedingung“ geknüpft ist, nämlich selbst den anderen die Schuld zu vergeben.

Für mich ist diese Bitte das Zentrum so nicht nur des Vater-Unsers, sondern das Zentrum unseren christlichen Glaubens.

Wenn wir vergebend handeln, wird Gottes Liebe und Gnade in der Welt sichtbar.

Und der Friede Gottes, der Frieden möglich macht, indem er in unsere Herzen einzieht, der bewahre uns alle durch unsern Glauben an unseren Herrn Jesus Christus zum Leben in seinem Reich.

Amen.

 

 Fürbittgebet

 Wir beten zu dir, Vater im Himmel!

 

Wir bitten dich für alle Menschen,

denn alle sind deine Geschöpfe,

alle sind geschaffen nach deinem Ebenbild:

Lass jeden Menschen in dir seine Mitte finden finden,

so dass wir uns noch mehr gegenseitig und füreinander

Mensch und Mitmensch werden.

 

Wir bitten dich für die, die Macht haben und Verantwortung in der Politik:

Gib ihnen Kraft und auch den nötigen Weitblick,

dass sie über den jetzigen Tag hinaus denken,

dass sie daran denken und berücksichtigen,

dass wir auch Verantwortung für die kommenden Generationen haben.

Gib ihnen Einsicht, daß sie verstehen,

was wir Menschen wirklich brauchen:

das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf,

die Hingabe für die Kranken,

Pflege und gute Versorgung für die Pflegenden.

Viele brauchen Arbeit und gegenseitige Unterstützung,

Vertrauen in die Gerechtigkeit,

Hoffnung auf Frieden,

gerade auch untereinander,

unter den geduldigen und Ungeduldigen.

Mit ihnen allen hoffen wir auf bessere Zeiten,

in denen wir auch wieder

die Unbeschwertheit und Lebensfreude leben.

 

Wir bitten dich für die Kirche:

dass wir beständig bleiben

in der Liebe zu deinem Wort,

dass wir das Evangelium von deiner Liebe

in allem zum Maßstab machen

und es glaubwürdig bezeugen

in ganz verschiedenen Formen,

auch mit unseren Taten,

mit unserem Denken und mit unseren Worten.

Dazu hilf uns durch deinen Geist,

damit die Freude am Leben wieder neu

in uns allen wächst!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Oliver Schmidt, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Kantate, 10. Mai 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 98

Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. 

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm. 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! 

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! 

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen. 

Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. 

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist 

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Amen.

 

Gebet

Herr, unser Gott und Vater!

Wir finden in unsrem Leben so viele Gründe, dir zu danken.

Aber in diesen Tagen ist es nicht so einfach wie sonst! 

Da sind Unsicherheiten und Ängste darüber,

wie alles werden wird.

Da geht uns die Klage schneller über unsere Lippen als unser Dank.

Da wächst unsere Ungeduld und will uns zu Leichtsinn verleiten.

Vielleicht ist da sogar Traurigkeit in uns,

weil unbeschwerte Zukunft so weit weg scheint.

Aber jetzt, Herr und Gott,

jetzt schauen wir nur auf uns.

Wir schauen auf unser Leben und unsere Zeit mit dir.

Und dann wollen wir einen Moment still werden,

um dir anzuvertrauen,

was heute schwer auf uns liegt.

- Zeit für einen kurzen Moment der Stille, um Gott die eigenen Gedanken anzuvertrauen - 

Wir danken dir, Herr, dass du hörst, worum wir in der Stille bitten.

Du lässt uns niemals allein. 

Dein Sohn Jesus Christus hat es uns verkündet.

Er hat es in unsere Herzen gesprochen, als er sagte:

Aber der Tröster, der heilige Geist, welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch erinnern an all das, was ich euch gesagt habe. Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht. 

Ja, Herr und Gott, 

wir nehmen diese Worte dankbar in uns auf.

Und wir bitten dich:

Bleibe bei uns, bleibe uns nahe!

Gib, dass dein Friede unsere Herzen erfülle

und unsere Gedanken, unsere Worte und Taten.

Mit allem, was wir sind,

mit der Gestalt unseres ganzen Lebens

wollen wir dir danken, 

wollen wir dich loben und preisen.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem 19. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 37-40

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, 

38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe! 

39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht! 

40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! 

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch 2. Chronik, Kapitel 5, die Verse 2-14

(auch Predigttext)

Einweihung des Tempels

2 Da versammelte Salomo alle Ältesten Israels, alle Häupter der Stämme und die Fürsten der Sippen Israels in Jerusalem, damit sie die Lade des Bundes des HERRN hinaufbrächten aus der Stadt Davids, das ist Zion. 

3 Und es versammelten sich beim König alle Männer Israels zum Fest, das im siebenten Monat ist. 

4 Und es kamen alle Ältesten Israels, und die Leviten hoben die Lade auf 

5 und brachten sie hinauf samt der Stiftshütte und allem heiligen Gerät, das in der Stiftshütte war; es brachten sie hinauf die Priester und Leviten. 

6 Aber der König Salomo und die ganze Gemeinde Israel, die bei ihm vor der Lade versammelt war, opferten Schafe und Rinder, so viel, dass es niemand zählen noch berechnen konnte. 

7 So brachten die Priester die Lade des Bundes des HERRN an ihre Stätte, in den innersten Raum des Hauses, in das Allerheiligste, unter die Flügel der Cherubim,

8 dass die Cherubim ihre Flügel ausbreiteten über die Stätte der Lade. Und die Cherubim bedeckten die Lade und ihre Stangen von oben her. 

9 Die Stangen aber waren so lang, dass man ihre Enden vor dem Allerheiligsten sah, aber von außen sah man sie nicht. Und sie war dort bis auf diesen Tag. 

10 Und es war nichts in der Lade außer den zwei Tafeln, die Mose am Horeb hineingelegt hatte, die Tafeln des Bundes, den der HERR mit Israel geschlossen hatte, als sie aus Ägypten zogen. 

11 Und die Priester gingen heraus aus dem Heiligtum – denn alle Priester, die sich eingefunden hatten, hatten sich geheiligt, ohne dass man auf die Abteilungen geachtet hätte –, 

12 und alle Leviten, die Sänger waren, nämlich Asaf, Heman und Jedutun und ihre Söhne und Brüder, angetan mit feiner Leinwand, standen östlich vom Altar mit Zimbeln, Psaltern und Harfen und bei ihnen hundertzwanzig Priester, die mit Trompeten bliesen. 

13 Und es war, als wäre es einer, der trompetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem HERRN. Und als sich die Stimme der Trompeten, Zimbeln und Saitenspiele erhob und man den HERRN lobte: »Er ist gütig, und seine Barmherzigkeit währt ewig«, da wurde das Haus erfüllt mit einer Wolke, als das Haus des HERRN, 

14 sodass die Priester nicht zum Dienst hinzutreten konnten wegen der Wolke; denn die Herrlichkeit des HERRN erfüllte das Haus Gottes.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da sein wird.

Liebe Schwestern und Brüder!

Singet dem Herrn ein neues Lied und er tut Wunder, so beginnt der Wochenpsalm, dessen erstes Wort in der lateinischen Bibel (Kantate = Singt!) diesem Sonntag seinen Namen gibt.

Aber zum Singen ist mir heute viel weniger zu Mute als am vergangenen Sonntag, da hatten wir gehört, es kommen Lockerungen, bald sind wieder Präsenzgottesdienste möglich. Und wir freuten uns darauf, wieder ein Stück Normalität zurückzugewinnen.

Aber die Anforderungen, die dann gestellt wurden machen Gottesdienste, zumindest in unserer Lukas-Kirche de facto unmöglich und in der Waldkirche sehr schwierig. Gesang, auch durch einen Kantor oder Vorsänger, ist verboten, genauso wie die Benutzung von Gesangbüchern, etwa um Psalmen im Wechsel zu beten. Pro Person ist eine Fläche von 10 m² vorzuhalten, ein Mindestabstand von 1,5m muss garantiert werden, es sind separate Ein- und Ausgänge vorzusehen, genauso wie kontaktlose Möglichkeiten zur Handdesinfektion, sämtliche Gottesdienstbesucher müssen registriert werden und das Ganze muss in einem Hygienekonzept zusammengefasst werden, das vorab von den staatlichen Stellen zu genehmigen ist. Und wenn ich mir dann noch klar mache, dass außerdem auch noch Maskenpflicht besteht, dann frage ich mich, ob der Geist Gottes nicht irgendwo von unseren Maßnahmen abgetötet wird. Ein Gottesdienst nach diesen Maßgaben scheint mir freudlos. Ganz anders muss es vor circa 3000 Jahren in Jerusalem gewesen sein.

Wie gewaltig die Feiern zur Einweihung des Tempels waren, können wir uns kaum vorstellen. Da kommt eine lange Entwicklung zum Ende, das Ende einer Reise, die in Ägypten begann. Schon David wollte diesen Endpunkt setzen. Er wollte für Gott in Jerusalem ein Haus bauen. Weil er aber ein Kriegsmann war, durfte er nur die Lade nach Jerusalem holen, der Tempelbau blieb seinem Sohn Salomo vorbehalten.

Haarklein werden die Feierlichkeiten zum Einzug Gottes in sein neues Heim geschildert, wie Älteste, Priester und Leviten die Lade ins Allerheiligste bringen und wie Gott dann dort wirklich Wohnung nimmt, wie seine Herrlichkeit dort einzieht.

Ausdrücklich – als sei es nicht sicher gewesen – wird festgehalten: Die Herrlichkeit des Herrn erfüllte das Haus Gottes. Tatsächlich also: Gott zieht aus der Stiftshütte, dem Zeltheiligtum in das errichtete Haus um und ist fortan im Tempel gegenwärtig.

Diese Gegenwart Gottes wird  intensiv gefeiert: Mit Trompetenklang, mit Zimbelklang, mit Saitenspiel, mit Lobgesang, mit Dank, mit dem Singen eines Psalmenverses. Wie mit einem kleinen Gottesdienst, so scheint es.

Mehr als 400 Musiker erheben ihre Stimmen und lassen ihre Instrumente erklingen. Sie musizieren auf unterschiedlichen Tonhöhen, aber im gleichen Rhythmus. Keiner profiliert sich durch eine Solistenleistung. Die Stimmen fügen sich zu einem Klang. Dieses Musizieren bewegt: Es ist eine Freude mitzumachen und zuzuhören. Sowohl aktiv als auch passiv beteiligt loben sie Gott gemeinsam. Das ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die musizierenden Priester und Leviten sich in ihrem Dienst am Heiligtum hierarchisch gegenüberstehen: Die Priester, die Gott im Heiligtum dienen, blasen das Schofar, das dem Klang der Stimme Gottes ähnlich sein soll, als Soloinstrument. Die Leviten, die den Menschen außerhalb der Wohnung Gottes durch rituelle Hilfsdienste dienen, singen und musizieren auf Begleitinstrumenten. Aus all dem entsteht nur deshalb ein harmonischer Gesamtklang, weil die unterschiedlich Begabten und Beauftragten so musizieren, als wenn sie nicht ihre, sondern eben Gottes Gegenwart feiern. Sie heißen Gott willkommen und preisen seine Barmherzigkeit und Güte.

Barmherzigkeit und Güte sind herausragende Wesensmerkmale Gottes. Gott kommt mit der Zärtlichkeit einer Mutter zu seinem Kind, der Zuneigung eines Vaters für seinen Sohn, der engen geschwisterlichen Liebe seinem Volk entgegen. Und weil Gott so handelt, können und sollen wir seine Liebe und Barmherzigkeit weitergeben.

Weil nur so die Harmonie zwischen Gott und Mensch erhalten beleibt, mahnt der Apostel Paulus in der Epistel für diesen Sonntag: „So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!“ (Kol 3,12f)

Aber in Israel wurde dies im Laufe der Zeit vergessen, die Königsbücher und die Chronik schildern, wie sehr in der nachfolgenden Zeit Israel daran scheitert, dass es meint, Gott sei sein Eigentum und nicht umgekehrt. Der feste Glaube Jerusalem sei durch Gott uneinnehmbar, führt in die Katastrophe.

Und so zieht Gott vor 2000 Jahren nochmals in Jerusalem ein, ganz anders, aber genauso triumphal – wir haben davon im Evangelium weiter oben gelesen.

Und Jesus erzählt auch im Gleichnis vom Barmherzigen Samariter ganz anders von den handelnden Personen in unserm Predigttext und hält vor Augen, was in dieser Welt so oft schief läuft: Levit und Priester ziehen auf dem Weg zu ihrem Dienst an dem halbtoten Reisenden, nur der Samariter bleibt nicht gleichgültig. Wer so wie der Samariter handelt der lässt nicht nur Gottes Barmherzigkeit und Güte in dieser Welt aufleuchten, sondern regt darüber hinaus zum Nachahmen an.

Paulus hat die enge Beziehung zwischen Lobpreis Gottes und tätigem Handeln, die Wechselwirkung zwischen der Feier der Gegenwart Gottes und dem Leben in der Gegenwart Gottes in einem plastischen Bild ausgedrückt: „Wisst ihr nicht, dass euer Leib der Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört?“ (1 Kor 6,19) Gott ist nunmehr zu uns gezogen. Er wohnt durch die Taufe in uns. Darüber sollten wir fröhlich singen und uns freuen können. 

Aber leider lassen genau das diese Zeiten nicht in unseren gewohnten Formen. Dass ist schade, aber ich bin mir sicher, dass es Gott wichtiger ist, wenn wir ihn durch unser Leben preisen als vielleicht durch den sonntäglichen Gottesdienst. Oder (sehr) frei nach einem Wort Jesu: Im Himmel wird mehr Freude über eine oder einen sein, der nicht an Corona gestorben ist als über tausend gehaltene Gottesdienste.

Und so wünsche ich uns, dass wir diese Zeit überstehen und uns in unserem Handeln, Reden und Denken von der Barmherzigkeit und Güte Gottes leiten lassen. Wie es ausgehen kann, wenn wir Menschen das vergessen, stellt uns der Predigttext vor. Von dem prachtvollen Anfang bleibt nur noch eine Klagemauer. Aber sie soll niemals Gottes letztes Wort sein!

Und der Friede Gottes, der alles übersteigt, was wir Menschen mit unserem Verstand erfassen können, der bewahre uns alle - mit unserem Tun und Sein - durch den Glauben an unseren Herrn Jesus Christus in diesem und zum neuen Leben.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater!

Lass deinen Geist unter uns wohnen, 

dass er uns erwärme und belebe, 

damit wir dir gerne dienen. 

Lass uns über dem Lobpreis deiner Güte

das Elend der Welt nicht vergessen:

die Angst der Weinenden und Verzagten,

die Not der Verlassenen und Verletzten,

die Verzweiflung der an Leib und Seele Gefolterten.

Sei du bei allen Menschen!

Lass in der ganzen Welt deine Kirche

aus Anbetung und Gesang

neue Kräfte schöpfen.

Mach sie bereit, von sich wegzusehen

und die vielen, die dich brauchen,

anzunehmen.

Lass deine Kirche sich auf den Dienst

an deiner Schöpfung ausrichten -

alles zu deiner Ehre, Herr, unser Gott.

Bleibe du bei deiner Kirche und bei allen Menschen!

Herr, unser Gott und Vater, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

- für alle, die wir lieben.

-  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

-  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, die uns am Herzen liegen – und natürlich auch an uns selbst – und wir sprechen die Worte des Segens, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten 

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch 

und schenke euch Frieden.

Amen. 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag! 

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Oliver Schmidt, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 66,1-9

1 Jauchzet Gott, alle Lande!  

2 Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich! 

3 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht. 

4 Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen. Sela. 

5 Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern. 

6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen. 

7 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben. Sela. 

8 Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen, 

9 der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist 

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. 

Amen.

 

Gebet

Guter Gott, 

wenn wir über unser Leben 

mit dir und den Menschen nachdenken,

über das, was wir wollten

und was daraus geworden ist,

wie stehen wir dann da vor dir?

So viele Dinge bewegen uns im Innern.

So vieles hätten wir nie gedacht.

Vielleicht hätten wir sogar vieles anders gemacht.

Du allein weißt es.

Du hörst uns,

wenn wir die unsere Schuld bekennen.

Du wendest dich uns zu, 

wenn wir dir in der Stille zu dir beten

und dir anvertrauen, was uns auf der Seele liegt!

– Kurze Stille, um Gott die eigenen Gedanken anzuvertrauen – 

Danke, Herr, dass wir deine Nähe spüren dürfen!

Du hältst uns in deiner Hand.

Wir bleiben mit dir verbunden durch deinen Sohn Jesus Christus.

Er hat es uns so gesagt:

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

Guter Gott und Vater,

wenn wir jetzt auch als deine Gemeinde 

nun nicht in der Kirche vor dich treten können,

so sind wir doch auch in der Zerstreuung vor dir,

denn du bist da – in jeder Wohnung und in jedem Haus

als deine Gemeinde sind wir zusammengekommen.

Wo wir jetzt auch sind, wir vertrauen weiter darauf,

dass Verbindungen unter uns bleiben 

und auch wieder neu wachsen

Das erhoffen und erbitten wir in 

Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist 

lebt und regiert 

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 17, die Verse 22-34

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt. 

23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt. 

24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind. 

25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt. 

26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen, 

27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. 

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir; wie auch einige Dichter bei euch gesagt haben: Wir sind seines Geschlechts. 

29 Da wir nun göttlichen Geschlechts sind, sollen wir nicht meinen, die Gottheit sei gleich den goldenen, silbernen und steinernen Bildern, durch menschliche Kunst und Gedanken gemacht. 

30 Zwar hat Gott über die Zeit der Unwissenheit hinweggesehen; nun aber gebietet er den Menschen, dass alle an allen Enden Buße tun. 

31 Denn er hat einen Tag festgesetzt, an dem er richten will den Erdkreis mit Gerechtigkeit durch einen Mann, den er dazu bestimmt hat, und hat jedermann den Glauben angeboten, indem er ihn von den Toten auferweckt hat. 

32 Als sie von der Auferstehung der Toten hörten, begannen die einen zu spotten; die andern aber sprachen: Wir wollen dich darüber ein andermal weiterhören. 

33 So ging Paulus weg aus ihrer Mitte. 

34 Einige Männer aber schlossen sich ihm an und wurden gläubig; unter ihnen war auch Dionysius, einer aus dem Rat, und eine Frau mit Namen Damaris und andere mit ihnen.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! 

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 15, die Verse 1-8

(auch Predigttext)

Der wahre Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner. 

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe. 

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe. 

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt. 

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun. 

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen. 

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren. 

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da sein wird.

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schwestern und Brüder!

J U B I L A T E – Freut Euch, so steht es dick und fett über diesem Sonntag. Und eigentlich ist diese Übersetzung viel zu schwach. Jubelt, tanzt und singt vor Freude wäre vielleicht besser. Gefühle, die sich heute mit Sicherheit spätestens dann eingestellt hätten, wenn der Gospelchor „Grenzenlos“ mit seinen Gospels die ganze Lukaskirche zum Singen und Swingen gebracht hätte. Einfach überflutende Freude, die aus den Menschen überflutend herausbricht und geteilt werden will. So wäre dieser Sonntag ideal für die Konfirmation gewesen.

Das Corona-Virus hat dieses Fest des Lebens in der üblichen Form unmöglich gemacht. Und wann und in welcher Form wir es nachholen werden, lässt sich noch nicht absehen, aber ich bin gewiss, dass wir es tun werden!

Während ich dies schreibe, erinnere mich zurück an meine erste Predigt über unseren heutigen Predigttext. Dabei geht mir auf, wie sehr der Streit der aus dieser Predigt entsprang mich immer noch berührt.

Meinen Hilfsdienst habe ich an der Erlöserkirche in Dinslaken abgeleistet. Dort gab es im Anschluss an jeden Gottesdienst ein Kirchencafé, bei dem üblicherweise auch über die Predigt gesprochen, manchmal auch heftiger diskutiert wurde. Dabei griff mich einmal eine Presbyterin heftig an und warf mir vor, ich hätte nicht das Evangelium sondern nur das Gesetz verkündet. Erst als wir uns die Predigt dann gemeinsam durchgelesen haben, fanden wir die Stein des Anstoßes. Es war ein einziges Wort, das nicht einmal in dem Predigtentwurf stand. Bei ihr angekommen war, dass wir Frucht bringen müssen und nicht – wie es im Konzept stand – werden. Das macht in der Tat einen gewaltigen Unterschied! Martin Luther hat einmal das Evangelium als Zuspruch und Anspruch bezeichnet. Und mit  dem einen Wort wird aus dem Zuspruch, der uns für unser Leben ermutigen soll, ein fast schon ins gesetzliche reichender Anspruch nach dem Motto: Du musst reichlich Frucht bringen, sonst …

Im Rückblick muss ich sagen: Ich habe zu diesem Missverständnis beigetragen, weil damals auch ich etwas nicht verstanden habe. Ich lag falsch damit, den Schwerpunkt auf die Frucht des Evangeliums zu legen.

Natürlich gibt es Stellen, an denen wir nachdrücklich erinnert werden, unser Leben zu ändern und Gutes zu tun. Aber Jesus hält hier eben keine Bußpredigt, sondern er ermutigt seine Hörer zum Leben aus dem Glauben, auch ohne ihn. Das Wort vom Weinstock ist das letzte „Ich bin“-Wort, ziemlich unmittelbar vor seiner Passion.

Er will denen, die sich zu ihm halten, Mut machen den Weg weiter zu gehen, den er voran gegangen ist und vorangehen wird.

Dabei weiß er sie schon auf einem guten Weg, er kann ihnen sogar zusagen: „Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.“

Und das heißt bis heute und auch für uns: Die Möglichkeit als fruchtlose Rebe weggenommen (V. 3) und ins Feuer geworfen zu werden (V. 6) ist schon fast vorbei. Gott hegt und schützt uns, er schafft für uns die Möglichkeit, Frucht zu bringen; wir können ihn um alles bitten, und es wir uns widerfahren. (V. 7)

Jesus macht so Mut aus dem Glauben heraus zu leben. Auf ihn zu schauen und daraus zu handeln. 

Wenn ich es so dann auch recht verstehe, entlastet er uns. Er sagt, schaut auf mich und handelt daraus. Dass solches Handeln dann gelingt, liegt in Gottes Hand.

Er ist der Weingärtner, der dafür sorgt, dass die Reben reichlich Frucht bringen.

Und Jesus ist sein Weinstock, an dem wir alle hängen.

Das entscheidende aber ist Gottes Liebe, die quasi das Wasser in diesem Bild ist.

Weil Gott uns liebt, ist Jesus Mensch geworden, hat unser Leben geteilt und ist durch seinen Tod für uns zum Weinstock des neuen Lebens geworden.

Weil wir durch die Taufe ganz und gar zu ihm gehören, sind wir mit ihm verbunden, durch ihn gelangt Gottes Liebe zu uns, und wir gewinnen die Möglichkeit aus ihr zu Leben. Das heißt mit andern Worten, sie weiterzugeben und so Frucht zu bringen.

Gott schafft so die Möglichkeit, und die Frucht bringen wir so letztlich ganz automatisch.

Für mich ist das gerade in diesen Tagen entlastend. Mit den Corona-Beschränkungen fällt ein großer Teil dessen, was – zumindest laut meiner Dienstanweisung meine Arbeit ist – aus. Aber natürlich sucht man sich neue und andere Beschäftigungen. Normalerweise rede ich mit den Menschen lieber von Angesicht zu Angesicht, schon zu telefonieren ist mir eher ein Greuel. In Zeiten des social distancing hat sich meine Einstellung nicht nur zum Telefon sondern auch zu anderen Kommunikationsformen wie skype, WhatsApp oder Zoom geändert. Und ich habe so auch alte Kontakte wieder intensiviert.

Dabei ist mir gerade im Gespräch mit einigen Theologen etwas aufgefallen. Nämlich wie schlecht wir mit den Beschränkungen umgehen können, wie verzweifelt manche Freunde und Kollegen sind, weil sie gefühlsmäßig zu wenig Frucht bringen. Mich hat aus diesem unguten Gefühl der Predigttext herausgeholt.

Er hat mich erinnert: Du bist getauft und gehörst deshalb zu Christus.

Und plötzlich erklang in meinem Hinterkopf Paul Gerhards „Auf auf mein Herz mit Freuden“, vielleicht deshalb, weil auch er beschreibt, was es bedeutet, an Jesus zu hängen. Er dichtet:    

5) Ich hang und bleib auch hangen
an Christus als ein Glied;
wo mein Haupt durch ist gangen,
da nimmt er mich auch mit.
Er reißet durch den Tod,
durch Welt, durch Sünd, durch Not,
er reißet durch die Höll;
ich bin stets sein Gesell.

6) Er dringt zum Saal der Ehren,
ich folg ihm immer nach
und darf mich gar nicht kehren
an einzig Ungemach.
Es tobe, was da kann,
mein Haupt nimmt sich mein an,
mein Heiland ist mein Schild,
der alles Toben stillt.

7) Er bringt mich an die Pforten,
die in den Himmel führt,
daran mit güldnen Worten
der Reim gelesen wird:
Wer dort wird mit verhöhnt,
wird hier auch mit gekrönt;
wer dort mit sterben geht,
wird hier auch mit erhöht.

So gehe ich nun mit diesem Lied auf den Lippen in die kommende Zeit im Vertrauen auf den der mich hält, wenn ich mich an ihn halte.

Was ich mir wünsche ist, dass ich dem oder der einen oder anderen gezeigt habe, wie sehr Gott uns durch seine Liebe hält.

Ihnen allen wünsche ich, dass sie in Ihrem Leben die Spuren von Gottes Liebe und die  Kraft zum Leben in diesen dunklen Zeiten finden und Gottes Liebe weitergeben, damit es in dieser Zeit dann auch wieder heller wird.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Jesus Christus, wir danken dir,

daß du uns Bruder und Freund bist,

daß wir mit dir und untereinander

verbunden bleiben, auch wenn jetzt vielleicht für uns allein sind

und andere schmerzlich vermissen.

Du bist da!

Wir alle bitten dich:

Schenke du uns deinen Geist, damit wir bereit sind,

an deinem Wort festzuhalten,

auch dann, wenn es uns schwer fallen will.

Du bist da und hältst uns!

Und du hörst unsere Bitten!

Wir bitten dich für die Einsamen!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

werden wir sie auch wieder besuchen!

Wir bitten dich für die Hungernden!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

wollen wir uns auch wieder für sie einsetzen!

Wir bitten dich für die Kranken und die vielen alten Menschen!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

nehmen wir sie in unsere Arme und halten sie!

Wir bitten dich für unsere Kinder!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

lassen wir sie wieder fröhlich ihre Wege gehen

zu all ihren Freunden und ohne Sorgen in ihre Schulen,

weil sie sich geliebt wissen 

und die Freude am Leben wieder neu in uns allen wächst!

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke, und auch für mich,

das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus

uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten 

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch 

und schenke euch Frieden.

Amen. 

Euch allen einen gesegneten Sonntag! 

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Oliver Schmidt, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Misericordias Domini, 26. April 2020

 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 23

 

Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet:

Guter und Gnädiger Gott!

Wir erinnern uns daran!

Du hast deinen Sohn zu uns gesandt.

Wie ein guter Hirte sollte er uns sein.

Und er ist es auch!

Sein Leben sollte er für uns lassen!

Er hat es getan!

Den Tod hat er überwunden!

Das glauben wir!

Gerade in dieser Zeit,

in der der Tod uns überwinden will!

Dein Sohn Jesus Christus, guter Gott, ist auferstanden

Er will weiter unser Hirte sein!

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit,

ihm zu folgen!

Wie oft wollen wir eigene Wege gehen,

von denen wir manchmal tatsächlich meinen,

wir könnten sie in aller Sicherheit selbst planen und gehen!

Wie oft verlieren wir dich auf diesen Wegen aus den Augen!

Wir entfernen uns von dir in so vielem!

Aber du lässt niemals von uns!

 

Du selbst hast uns gesagt:

Ich will sie retten von allen Abwegen,

auf denen sie gesündigt haben,

und will sie reinigen,

und sie sollen mein Volk sein,

und ich will ihr Gott sein.

So bitten wir dich, Jesus Christus,

der du unser guter Hirte bist:

Führe uns auf deinen Wegen.

Auch durch diese schwere Zeit.

Schenke uns Kraft, Geduld und Ausdauer

mit dir auf deinen Wegen für uns zu gehen.

Du lässt uns keinen Mangel leiden.

Du sorgst für uns.

Von dir werden wir niemals verlassen!

Halte du uns alle also in deiner Nähe!

Die, die sich gerade verloren glauben,

suche sie, damit sie dich spüren.

Wenn wir in alle Richtungen auseinanderlaufen,

wenn wir jeder Nachricht, jeder schnellen Erfolgsaussicht,

jeder Verschwörungstheorie und vielem Unsinn

hinterherlaufen und uns zu Leichtsinn verleiten möchte,

dann sei du unsere Mitte, damit wir auf dich schauen.

Denn du führst uns heraus und in eine neue Zukunft.

Darauf vertrauen wir und bitten dich,

der Du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes,

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Evangelium des Tages: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 10, die Verse 11-16.27-30

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 2, die Verse 21-25

(auch Predigttext)

21 Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußstapfen;

22 er, der keine Sünde getan hat und in dessen Mund sich kein Betrug fand;

23 der, als er geschmäht wurde, die Schmähung nicht erwiderte, nicht drohte, als er litt, es aber dem anheimstellte, der gerecht richtet;

24 der unsre Sünden selbst hinaufgetragen hat an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben. Durch seine Wunden seid ihr heil geworden.

25 Denn ihr wart wie irrende Schafe; aber ihr seid nun umgekehrt zu dem Hirten und Bischof eurer Seelen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Dieser Sonntag wird auch der Sonntag des guten Hirten genannt. Das Thema dieses Hirtensonntags zieht sich wie eine Perlenkette durch alle Lesungen des Sonntags.

Hätte ich Euch oben auch noch die alttestamentliche Lesung ausgedruckt, dann hätten wir lesen können, wie der Prophet Hesekiel sich scharf gegen die Hirten seiner Zeit wendet, die sich selbst weiden, sich an den ihnen Anvertrauten bereichern, statt Verantwortung zu übernehmen, um das Schwache zu stärken, um Kranke zu heilen, um Verwundete zu verbinden, um Verirrte zurückzuführen und um das Verlorene zu suchen.

So sind die Schafe, schreibt es Hesekiel,  zerstreut und werden Opfer der wilden Tiere. Das ist eine deutliche Kritik an den Führern im Lande, besonders auch an den religiösen Führern. Diese Kritik zieht sich durch die Jahrtausende bis zu uns selbst und mahnt uns heute noch an unsere Verantwortung.

Aber Gott wird ihnen die Verantwortung entreißen und sich selbst seiner Herde annehmen, davon ist er überzeugt und so schreibt es der Prophet im Alten Testament.

Im Evangelium oben haben wir dann gerade von Christus als dem guten Hirten gelesen. Er ist eben nun der dem Volk Israel verheißene Hirte, der das Schwache stärkt, das Kranke heilt, das Verwundete verbindet, das Verirrte zurück führt und das Verlorene sucht. Und dieser gute Hirte – Jesus Christus –  setzt sich dabei mit ganzer Kraft ein. Während ein falscher Hirte flieht, wenn Gefahr naht, um sich selbst zu retten. Der gute Hirte lässt sein Leben für die ihm Anvertrauten. Wir haben es gefeiert, vor kurzem am Karfreitag! Aber dieser Hirte steigt vom Kreuz, überwindet den Tod, um uns neu ins Leben zu führen. Er bleibt unser guter Hirte. Das ist für uns die österliche Nachricht, die alle Erfahrungen übersteigt und die wir nur mit größtem Erstaunen und manchmal mit zweifelnd hoffnungsvoll aufgerissenen Augen und Ohren vernehmen dürfen.

Und dann kommt da unser heutiger Predigttext aus dem 1. Petrusbrief, den sie gerade etwas weiter oben gelesen und von dem sie – genau wie ich – wahrscheinlich beim ersten Lesen nur wenig verstanden haben.

Er soll uns auch an den guten Hirten erinnern. Ganz ehrlich, ich lese ihn zwei- oder dreimal, und ich verstehe ihn immer noch nicht! Das geht mir oft mit biblischen Texten so. Ich lese sie und frage mich, was sie mit mir zu tun haben sollen. Manche klingen einfach irgendwie alt! Manche behandeln Themen, die sind irgendwie gar nicht meine! Und dann gibt es immer zwei Möglichkeiten. Die eine – ich lege den Text weg und nehme einfach einen anderen. Mach’ ich aber nicht!

Ich wähle dann immer die andere Möglichkeit. Ich frage dann lieber direkt: Lieber Gott, warum? Dabei weiß ich, dass der Gott an den ich glaube, zwar meine Warum-Fragen zulässt, weil er mich dann oft in höchster Not und Verzweiflung weiß. Ich weiß aber auch, dass er solche Warum-Fragen meist nie so beantwortet, dass ich seine Antworten akzeptieren könnte. Also frage ich ihn lieber direkter: Was soll dieser Predigttext aus dem 1. Petrusbrief für mich bedeuten, was möchtest du mir sagen? Ist natürlich immer noch irgendwie eine Warum-Frage, nur mit anderen Worten! Vielleicht merkt er es ja nicht!

Natürlich tut er das! Aber um Menschen die Schrift eröffnen, ihnen helfen, sie besser zu verstehen und damit ja auch ihn selbst besser zu verstehen, dafür nimmt er sich schon Zeit. Und wenn ich dann vielleicht ja auch nicht alles verstehe, so schaue ich doch gemeinsam mit ihm noch einmal genauer hin. Höre zu, was er mir ins Herz sprechen will, denn nur dort können wir, davon bin ich zutiefst überzeugt, die Bibel und Gott selbst verstehen! Ich lese also mit ihm!

Christus hat für euch gelitten und euch ein Vorbild hinterlassen, dass ihr sollt nachfolgen seinen Fußtapfen.

Wir werden noch einmal daran erinnert, was sein Sohn Jesus Christus für uns getan hat – für uns gelitten. Und wir werden erinnert, warum er das getan hat – zum Vorbild, um ihm nachzufolgen. Also frage ich mich: Wo leide ich für jemanden? Wo leide ich für jemanden, und werde dadurch vielleicht im besten Fall für diesen Menschen zum Vorbild? Habe ich so etwas schon einmal erlebt? Könntet Ihr das für euch beantworten? Sucht nicht so weit weg, sucht in eurer Umgebung!

Als ich diese Fragen gerade aufschrieb, fiel mir sofort meine Mutter ein! Sie musste mich viele Jahre allein erziehen. Ich war so ziemlich das einzige Arbeiterkind in meiner Klasse im Gymnasium. Alles übrigens wunderbare Klassenkameraden, auch wenn viele ganz anders leben konnten als wir! Sie haben es mich niemals spüren lassen, ganz im Gegenteil! Wir sind bis heute befreundet!

Aber meine Mutter machte sich, das sehe ich heute im Rückblick, großen Druck. Sie wollte, dass es mir an nichts fehlte. Ich sollte überall dabei sein, bei allen Klassenfahrten und Unternehmungen, bei allen Feiern und Abschlussbällen. Und das hat sie geschafft! Dafür arbeitete sie, arbeitete hart, manchmal an drei Stellen gleichzeitig. Zeitweise buchstäblich Tag und Nacht! Unter Schmerzen, wegen einer dauerhaften Beeinträchtigung und oft über die Grenzen ihrer Gesundheit hinaus! Und warum? Weil sie mich liebte! Sie hat mich gelehrt, wie tief Liebe gehen kann und dass man dafür vielleicht sogar auch über eigene Grenzen gehen muss. Auch sich selbst einmal zurückzunehmen, um sich daran freuen zu können, dass andere ihren Weg finden und gehen können, gerade auch durch den Grund, den man legt. So hat diese wunderbare Frau geliebt! Und ich hoffe, meine Kinder können das in ihrem Rückblick irgendwann auch einmal von mir so ähnlich sagen! Ja, meine Mutter war eine sehr gläubige Frau und sie muss diesen Satz aus dem 1. Petrusbrief wohl gekannt haben. Zumindest lebte sie ihn! War im einfachen, aber besten Sinne Christusnachfolgerin!

… der nicht widerschmähte, als er geschmäht wurde, nicht drohte, als er litt, er stellte es aber dem anheim, der gerecht richtet.

Schwere Schrift, schwere Worte, keine Frage! Aber ich hatte das Glück, das mir als Jugendlicher jemand genau diese Worte aus dem 1. Petrusbrief schon so nahegebracht hat, dass sie mich seitdem begleiten. Frère Roger, der verstorbene Prior und Gründer des Klosters von Taizé sprach darüber, als einige Jugendliche, darunter eben auch ich, abends bei ihm zusammensaßen und Kakao tranken. Er erinnerte uns daran, was Jesus sich alles von den Menschen anhören musste, gerade in senen letzten Tagen, als sie ihn beschimpften und quälten. An keiner Stelle, so habe ich es damals gelernt, macht aber Jesus das mit anderen Menschen. Seine Kraft zur Vergebung beginnt schon da, wo er einen Menschen durch die Augen seines Vaters ansieht und als Geschöpf Gottes erkennt. Manche Leute denken immer, dieser Jesus hätte sich so ganz kampflos und kapitulierend einfach hingegeben. Nein, er hat geliebt durch alle Tage seines Lebens, bis zum Schluss, hat denen schon vergeben, die ihn quälten. Und am Kreuz selbst bittet er sogar noch einmal seinen Vater, es auch zu tun: „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ Worte Jesu am Kreuz. Und er legt damit das letzte Wort, das Urteil darüber ganz in Gottes Hand zurück. Seine Aufgabe war es nicht zu richten.

Frère Roger, ich weiß es noch wie heute, nahm sich viel Zeit, um für diese Worte zu werben. Ihm war es wichtig, Menschen dazu anzustiften, vergebend zu leben, selbst dann, wenn es keinen eigenen Vorteil bringt. Er wollte uns ins Herz legen, niemals über Menschen zu richten, sondern sie zu erkennen als Geschöpf Gottes. Er, Gott selbst wenn überhaupt, wird richten.

Ich denke, das ist eine der schwersten Übungen für uns Menschen. Wie leicht regen wir uns auf, zahlen gern mit gleicher Münze heim, setzen manchmal sogar noch eins drauf! Da schreit jemand und der andere schreit lauter zurück! Denn wer schreit, gewinnt! Unfug! Haben Sie schon einmal im Streit versucht, einen Schreienden durch ihr Schweigen zu entwaffnen! Es braucht Mut, wie Jesus ihn bestimmt auch brauchte! Aber ich erfahre in solchen Konflikten, in denen ich – Gott sei es gedankt – nur selten stecke, immer viel über mich selbst! Da wo ich eben nicht Gleiches mit Gleichem oder noch mehr Gleichem anwende, sondern diese eigentlich immer unheilvolle Kette durchbreche, da erlebe ich manchmal neue Anfänge, zumindest neue Möglichkeiten dazu!

Natürlich steht in unserem Predigttext noch mehr. Und andere Theologinnen und Theologen könnten bestimmt viel weiter ausholen und fänden bestimmt wunderbare Worte dafür, über die ich dann auch staunen und sie bestimmt auch annehmen könnte.

Für mich ist aber manchmal weniger einfach mehr! Ich muss Worte und Sätze finden, die mir ins Herz gehen können, um darin meinen Glauben wachsen zu lassen, damit er seinen Weg zu anderen Menschen finden kann. Frère Roger sagte einmal: „Wenn du nur ein Wort, einen Satz der Heiligen Schrift verstanden hast, dann hast du alles verstanden!“

So gesehen und aufgeschrieben, finde ich es für mich eigentlich ausreichend, mich heute duch das kleine Stückchen aus dem 1. Petrusbrief daran erinnern zu lassen, dass Christus mir auch durch andere Menschen zum Vorbild werden kann und ich es vielleicht sogar auch für andere, wenn ich ihm nachfolge! Und vergebend zu leben und eben nicht über andere zu urteilen, meistens zu vorverurteilen, kann meinen eigenen inneren und vielleicht sogar äußeren Ärger klein machen! Allein für diese beiden Gedanken hat es sich für mich schon gelohnt, diese schwierigen Worte nicht einfach wegzulegen.

Vielleicht entdeckt Ihr ja etwas ganz anderes darin! Deshalb: einfach nicht zu schnell aufgeben und vielleicht auch einfach Gott ins Herz erzählen lassen! Er wird Worte finden! Für jede und jeden sogar ganz eigene!

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet:
Lebendiger Gott, guter Vater!

Du hast uns Menschen deine Liebe gezeigt!

In deinem Sohn, in Jesus Christus, unserem guten Hirten!

Wenn dein Jesus Christus uns Bruder geworden ist,

warum fällt es uns so schwer,

auch uns alle als Schwestern und Brüder anzunehmen!

Herr, schau’ auf uns alle, denn wir vertrauen dir und bitten dich:

 

Wir bitten dich für die Zaghaften und Kleinmütigen unter uns,

die es nicht wagen,

ihren eigenen Gefühlen und Ideen zu trauen.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie überall!

 

Wir bitten für die Mächtigen und alle diejenigen,

denen Geld oder Machtstreben

den Blick auf die Mitmenschen verstellen.

Schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie immer noch!

 

Wir bitten für die Traurigen und die Resigierenden,

die ihren Lebenssinn verloren haben.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind so viele!

 

Wir bitten für die Suchenden und für alle Idealisten,

die so ungeduldig werden

und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben können

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es werden mehr!

 

Wir bitten für die Kranken und Leidenden,

für all die, die sich ihrer Grenzen und ihrer Ohnmacht bewusst werden.

Herr schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind zu viele!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

 

– für alle, die wir lieben.

 

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

 

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

 

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

 

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

 

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich

das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Quasimodogeniti, 19. April 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 116

 Gedanken zu Versen aus Psalm 116 in meinen Worten:

Es tut so gut, darauf vertrauen zu können,

dass Gott hört, wie ich zu ihm rufe,

er hört mein Weinen und Klagen!

Er kommt mir ganz nahe,

damit keines meiner Wort ungehört bei ihm verhallt!

Das möchte ich mir mein Leben lang bewahren!

Manchmal da schnürt mir die Angst die Kehle zu.

Ja, ich habe in diesen Tagen auch in meinem Leben

auch an den Tod denken müssen!

Das hat mich erschreckt! Tief erschreckt!

Aber du, guter Gott, schaust auf mich mit all deiner Gnade.

Ich weiß auch du verteilst deine Gnade gerecht,

und sie reicht für alle!

Mit all deiner Barmherzigkeit,

die so gut tut, bist du bei uns!

Die Schwachen brauchen dich gerade sehr.

Alle die, die nicht für sich selbst sprechen können!

Du bist dort. Und das ist gut!

Aber du bist auch bei mir, denn auch in bin so oft schwach.

Und auch mir hilfst du!

Deshalb finde ich ganz tief in mir nun auch meine Ruhe wieder!

Und das tut gut! Du tust mir Gutes!

Die düsteren Gedanken hast du vertrieben.

Ich vertraue wieder dir und mir.

Meine Tränen wische ich ab.

Und ich stehe wieder fest!

Ja, ich werde wieder neu gehen können!

Sehr aufmerksam!

Und ich werde wieder von dir erzählen!

Und dann werde ich auch eines Tages wieder feiern,

vor dir und mit vielen anderen.

Wir werden singen, beten und dein Wort hören!

Und wir werden dir danken!

Von ganzem Herzen!

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Es gibt viele Menschen, die glauben.

Und sie sagen:

Mit Ostern hat das Leben wieder neu begonnen

Und es wird anders werden, ganz anders!

Es wird gut werden!

Da sind aber auch die anderen;

die, die gerade sagen:

Ich glaube nur, was ich sehe!

gerade in diesen Tagen!

Und das, was ich sehe, es spricht alles dagegen!

Vieles wird nie wieder gut!

Herr beides bringen wir heute

auch in unsrem Gebet vor dich!

Unseren ganzen Optimismus,

der uns manchmal dazu verleitet,

unsere Aufmerksamkeit und Vorsicht zu verlieren

und sich in unserer Ungeduld seine Bahn bricht!

Aber auch unsere ganze Verzagtheit und Mutlosigkeit;

beides wirkt so lähmend

beides will uns daran hindern,

mit dir nach vorn zu schauen!

Schau auf uns, Herr,

und wandle uns in deiner Liebe!

Ermutige uns!

 

Mache uns getrost und gewiss,

dass wir wieder daran denken

und es uns als einen festen Glauben bewahren:

Du, guter Gott, gibst uns niemals auf!

Es galt zu allen Zeiten und es gilt heute und in Zukunft!

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Unsere Hoffnungen kommen und gehen.

Manchmal verkümmern sie.

Manchmal sogar begraben wir all unsere Hoffnungen.

Wir bitten dich, gib uns neue und lebendige Hoffnung,

die uns trägt, gerade in diesen Tagen,

gerade in diesen Zeiten.

Sei du selbst unsere Hoffnung,

mit der wir neu durch das Leben gehen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Evangelium des Tages: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 20, die Verse 19-29

 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch!

Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

Da sprach Jesus abermals zu ihnen: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch.

Und als er das gesagt hatte, blies er sie an und spricht zu ihnen: Nehmt hin den Heiligen Geist!

Welchen ihr die Sünden erlasst, denen sind sie erlassen; welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten.

Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam.

Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.

Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch!

Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig!

Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott!

Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung (auch Predigttext): Aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 40, die Verse 26-31:

Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, daß nicht eins von ihnen fehlt.

Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem HERRN verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber«?

Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.

Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;

aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Die Stimmung ist gar nicht gut im Ghetto von Babylon. Jahrzehnte dauert es nun schon, dass sie hier und nicht im heimatlichen Jerusalem ihr Dasein fristen. Jerusalem ist zerstört. Keine Aussicht auf irgendeine Besserung. Die Herren von Babylon werden wohl Recht behalten, wenn sie behaupten: Seht ihr, unsere Götter sind doch stärker als euer! Gebt’s doch endlich auf! Wo ist er denn euer Gott? Aber die Herren von Babylon hätten damals im 6. Jahrhundert vor Christus gar nicht mehr so fragen brauchen. Die Menschen im Ghetto, das alte Volk Israel, hatte schon lange genau so zu fragen begonnen: Wo bleibt denn unsere Rettung? Weshalb sollen wir eigentlich noch Hoffnung haben? Gott kümmert sich ja doch nicht um uns, hat uns längst vergessen, er sieht uns nicht, nie mehr! Wir haben verloren, und niemand steht uns bei! Und wenn diese ganze Hoffnungslosigkeit über uns zusammenbricht, dann scheint es ihm egal zu sein! Gott greift nicht ein! Wir sind ihm egal geworden! – Die Stimmung ist total am Boden. Depression überall – im alten Volk Israel!

Mich erschreckt diese depressive Grundstimmung des alten Volkes Israel! Sie erschreckt mich deshalb, weil ich in Gesprächen der vergangenen Woche ähnliche Fragen – zumindest in der Grundtendenz – gehört habe! Wie lange noch? Warum macht der liebe Gott nichts? Es ist alles so hoffnungslos! Und dann weint ein alter Mensch am Telefon, weil die Kinder und Enkel so sehr fehlen! Ja, lieber Gott, tu’ doch ’was! Ich kann die alten Israeliten verstehen. Und ich kann die Menschen verstehen, die langsam müde darin werden, auszuhalten, Geduld zu üben, Hoffnung zu bewahren. Denn dass alles bald vorbei sein wird, diese Illusion ist den meisten von uns längst genommen.

Wie sollte uns eigentlich heute solch ein Prophet wie der Jesaja eigentlich begegnen. Mit welchen Trostbotschaften müsste er kommen. Wie wär’s z.B. mit: „Kopf hoch, es wird schon wieder! Hängen lassen gilt nicht“? Wir alle kennen solche billigen Vertröstungen. Und wir alle wissen, wie sehr so etwas ärgern und sogar verletzen kann. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht. Aber ich kann solche Sätze im Moment nur schwer ertragen!

Aber Jesaja macht das ja auch gar nicht! Jesaja macht etwas ganz anderes. Er zeigt auf den klaren Nachthimmel, mit seinen unendlich vielen Sternen. Schaut ’mal! Schaut mal hoch! Und staunt! Könnt ihr euch noch erinnern, wer das alles erschaffen hat? Ihr selbst habt es erzählt, besungen und weitergegeben! Es ist Gottes Schöpfung, hier auf Erden und weit darüber hinaus. Davon habt ihr immer erzählt! Daran habt ihr immer geglaubt. Und es ist alles noch da! Es ist der gleiche Himmel wie damals bei einem eurer Väter, bei Abraham! Gott hat es ihm versprochen: deine Nachkommen werden so zahlreich wie Sterne am Himmel sein! Sie sind alle noch da! Wie versprochen! Ihr seid alle noch da, wenn auch in schwerer Not und Traurigkeit!

Und wenn das so ist, dann gilt auch Gottes Versprechen weiter für euch! Gott hat einen langen Atem! Und den braucht ihr auch! Er hat euch nicht vergessen, niemals! Nicht ein einziges Leben ist ihm egal! Er ist darin, er ist es im Leben und sogar im Sterben! Halte aus, noch eine Weile! Vertraue und tu’ es nicht mit halbem Herzen! Tu’ es ganz! Denn auch du wirst zu den Menschen gehören, „die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.“ (Jesaja 40,31) Auf den Herrn harren, also ausdauernd und voll Hoffnung warten, alle Sehnsucht und Vertrauen auf Gott setzen, das ist und das bleibt der Weg. Ich kann nichts anderes schreiben!

Und doch, liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser, ich ahne natürlich wie schnell einige nun auch schon wieder misstrauisch werden: Misstrauisch, wenn jemand uns verheißt, dass wir laufen können und nicht matt werden. Ist das nicht auch bloß wieder so ein Werbespruch? Einige werden wohl auch skeptisch bei dem Hinweis auf den langen Atem Gottes. Ist das nicht wieder nur billige Vertröstung, sowohl für das alte Volk Israel, sowohl für die Christenheit durch alle Generationen, vielleicht sogar bis zu uns in diesen Tagen?

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser! Natürlich könnten wir all das in Frage stellen, was der Prophet hier sagt. Wir können uns nämlich in diesen Tagen, Wochen und Monaten sehr gut in das alte Volk Israel hineinversetzen. Ein einziger Stachel des Zweifels und des Grübelns in uns kann schon dafür sorgen, dass wir unsere trüben Gedanken lange mit uns tragen und somit uns selbst vielleicht auch innerlich blockieren!

Dagegen helfen dann auch keine Bemerkungen wie die, dass man eben die Hoffnung nicht aufgeben dürfe; schließlich geht es ja gerade in der Situation des Volkes Israels und ich behaupte jetzt einfach einmal auch in unserer darum, ob wir überhaupt Grund zum Hoffen haben.

Immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her! Solche Sätze helfen mir jetzt nicht weiter! Sie locken höchstens meine unterdrückte Wut über den ganzen Schlamassel, in dem wir gerade sitzen, ein wenig mehr an die Oberfläche! Aber tröstlich ist er nicht, jedenfalls nicht für mich!

Wenn, dann muss mein, dann muss unser Licht, muss unsere ganze Hoffnung von Gott allein kommen. Von niemandem sonst! Aber wer hilft uns dabei, weiter darauf zu hoffen und zu vertrauen? Wie finden wir den Grund dieser Hoffnung?

Heute will der Prophet Jesaja uns dabei genau so helfen wie damals dem alten Israel! Wahrscheinlich hat er es mit uns heute aber auch genau so schwer wie mit den Menschen damals!

Solcher Grund findet sich gerade und zu allermeist in der Erinnerung an das, was Gott schon getan hat, weiß der Prophet. Gute Erinnerungen machen stark und führen weiter! Das kennen wir sogar von uns selbst!

Der Prophet fragt deshalb: „Weißt du nicht, hast du nicht gehört?“(Jesaja 40,28) Er erinnert an Abraham. Er zeigt auf das, was Gott geschaffen hat. Für uns Christen seit Jesu Geburt, Tod und Auferstehung gehört zu solchem Erinnern gerade jetzt in der Osterzeit auch die Erinnerung an das Kreuz Jesu und an seine Auferweckung. „Bist du Gottes Sohn, so steig’ herab vom Kreuz!“, hatten die Leute gespottet. Da war nichts vom Auffliegen wie ein Adler, da war nur noch Müdigkeit und Mattheit, da war nicht Vitalität und Spannkraft, sondern nur noch Schmerzen und Tod. Und dann aber eben doch: die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft. Die Auferstehung Jesu ist der Sieg über den Tod; da ist dies Wort endgültig wahr geworden!

Und dieses Wort Gottes erfüllt sich für uns mit einem neuem Sinn. Schon damals beim Propheten Jesaja ging es ja nicht um ein Fitnessprogramm, um ein Durchhalteprogramm, das das Leiden erträglicher machen wollte. Nein, es ging um Wege raus aus der kollektiven Depression. Dazu gehörte aber eben auch die Erkenntnis, dass Gottes Verstand und Größe unerforschlich ist und wir nicht einfach unsere Bedingungen und unsere Grenzwerte setzen können, damit Gott sie dann erfüllen muss. In der Auferweckung Jesu zeigt es sich vollends anders herum; nämlich, dass die Hilfe unseres Gottes all unsern Erfahrungshorizont übersteigt. Denn sie greift sogar über die Grenze des Todes hinaus.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Das bedeutet nun keineswegs, dass Gott uns in diesem Leben hängen lässt und aller Trost in das Leben nach dem Tod gehört. Das wäre in der Tat eine billige Vertröstung!  Vielmehr ist Gottes Sieg über den Tod jetzt schon der sichere Grund für unser Leben hier. Das gilt in guten wie in schlechten Zeiten. Das gilt, wenn du beschwingt bist und voller Elan. Aber das gilt eben auch in Elend und Verlassenheit, wenn es keine Hoffnung mehr gibt und nur noch Mattheit und Müdigkeit. Es gilt auch und gerade jetzt in einer Zeit, in der wir buchstäblich am eigenen Leib erleben, dass wir aushalten müssen, geduldig bleiben müssen und Gott uns ganz sicher alle Kraft schenkt, die nötig ist, um auch wieder aus diesen Tagen in eine neue Zukunft zu gehen. Diese Zukunft gab es für das alte Israel! Und es gibt sie für uns!

Vielleicht schauen ja aber doch immer noch einige von uns mit Jesaja in den Himmel, aber sehen die Sterne nicht mehr. Einfach weil es leer geworden ist in ihnen, weil der weite und vertrauende Blick abhanden gekommen ist. Ja, ich kann mir vorstellen, dass es manchen gerade so geht! Das tut mir unendlich leid! Wenn das so ist, dann würde ich mir sehr wünschen, dass sie mit mir, dass sie mit uns auch wieder daran denken können, dass Gott, der alles erschaffen hat und auch für seine Schöpfung eintritt, die Macht und die Kraft hat, auch den tiefsten Zweifel in uns allen zu überwinden.

Schau’ dich um! Schau in den Himmel, schau auf die Welt um dich herum! Entdecke das Schöne in ihr wieder neu! In deinem Garten! Bei deinen Spaziergängen! Ja sogar in deinen Erinnerungen an die schönen Plätze, wo du so gerne warst und irgendwann auch wieder hinkommst, sei es Sylt, Südtirol, Amrum, Bayern, Spanien oder Kroatien. Sei es im Garten deiner Kinder und Enkel! Das alles bleibt, weil es Gottes Schöpfung ist und du ein Teil davon! Und das alles gibt Gott niemals auf! Niemals! Er liebt das alles!

Lassen wir uns also erinnern an die großen Taten Gottes, und in solchem Erinnern wächst unser Glaube neu. Es ist der Glaube, der auf den Herrn harrt; da bekommen wir Grund unter die Füße, da wachsen uns Flügel, da können wir wieder laufen und wir werden nicht müde.

Und jetzt frage ich – wie vorhin schon weiter oben – noch einmal ähnlich. Ist das, was der Prophet Jesaja da sagt, nun eine schöne, heile Werbewelt für den Glauben, die uns da vorgegaukelt wird?

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser! So wäre es, wenn das Leid und die Depression verschwiegen würden. Doch das Leiden Christi und die Depression der Jünger gehören zu unserer Glaubensgeschichte dazu. Eine vorgegaukelte heile Welt: so wäre es, wenn Gottes Wort einfach nur dastünde und nicht eingelöst wäre. Doch in dieser österlichen Zeit feiern wir genau das: dass Gott zu seinem Wort steht und dass er dem Tod nicht einfach das Feld überlassen hat.

Diese Botschaft gilt auch und gerade dann, wenn die Stimmung nicht gut ist – und sie ist bei vielen von uns gerade nicht gut! Diese Botschaft gilt auch und gerade dann, wenn Depression sich vielleicht breiter machen möchte, als wir es zulassen sollten. Wenn Menschen nur auf Menschen ihr Leben und ihre Hoffnung gründen, dann wird es immer auch zu Enttäuschungen kommen. Wir erleben es gerade ein Stück weit! Helden ermüden, Patentrezepte vergehen, Krisen stellen sich ein und machen das Leben schwer. Die Finanzen, auf die du gestern noch gebaut hast, müssen morgen schon angebrochen werden, sind vielleicht sogar bald aufgebraucht. Politikerinnen und Politiker bemühen sich. Und viele – egal, wie wir sonst vielleicht zu ihnen stehen – machen es wirklich gerade auch so gut sie es können. Aber sie müssen in diesen Tagen auch die unbequemen Dinge aussprechen, die ihnen dann wieder viel länger anhaften werden, als alles das, was uns auch durch sie unser eigenes Leben trotz aller Einschränkungen vielleicht sogar gut durch diese Zeit bringt. Ich möchte – und das sage ich jetzt ganz ungeschützt ehrlich, vielleicht sogar angreifbar – im Moment in keinem anderen Land leben als dem unsrigen! Auch wenn vielleicht die eigene Gesundheit, auf die wir uns immer so oft verlassen haben, gerade in Frage gestellt oder bei so vielen Menschen leider auch schon verloren ist!

Während ich diesen letzten Satz schreibe, sind da an viele Freundinnen und Freunde in anderen Ländern in meinem Herzen. Ich bete für sie und alle ihre Mitmenschen, wo immer das auch ist. Gott, behüte sie und uns!

Ich denke auch an die vielen neuen Presbyterien in unseren Kirchengemeinden, deren Einführungen in den Kirchen allesamt ins Virus gefallen sind! Statt neuem Schwung und neuem Anfang vielerorts ein zähes Waten im kirchlichen Sumpf, aus dem aber unendlich viele Videokonferenzen, Online-Gottesdienste, unzählige andere Angebote erwachsen sind. Ich denke an alle, die in ihren Gemeinden Verantwortung tragen wollen und werden. Und ich denke gleichermaßen an uns alle, die wir ihren Dienst gerne annehmen!

Es kann sein, dass wir alle die Worte des Jesaja oft brauchen werden in den kommenden Jahren.

Es kann sein, dass es auch an unseren Kräften zehren wird, mit Gott in eine neue und gute Zukunft zu gehen.

Es kann sein, dass wir uns dabei sogar manchmal allein gelassen fühlen werden – von unserer Kirche, von den Menschen, die wir mit uns auf dem Weg glaubten!

Bei aller Freude, die wir eines Tages wieder dabei empfinden werden, wenn das alles einmal hinter uns und die Zukunft offen und frei vor uns liegt, werden wir es nicht mehr vergessen, dass sich die Depression immer wieder wie eine Schlange von hinten anschleichen und uns packen kann. Wir werden vorsichtiger sein! Sensibler! Und es wird uns gut tun!

Egal, wie es wird, eines bleibt! Es gilt immer und in allem und zu allererst und zu allermeist zu vertrauen! Die Hoffnung auf den Herrn lässt uns niemals in der Depression zurück; die Hoffnung auf den Herrn, die unseren Glauben immer wieder neu weckt, wird uns immer wieder neuen Lebensmut verleihen. Wir alle werden es spüren, weil Gott selbst es will: Da werden unter uns ungeahnte Kräfte frei, ja da entsteht sogar mitten im Elend immer auch die die Lücke, durch die ich den Himmel sehen kann!

Ich weiß nach all meinen vielen Worten, dass es jetzt natürlich immer noch Menschen gibt, die sagen, dass sie von all dem nichts mehr spüren! Ich kann mir das gut vorstellen! Aber das war ja auch schon damals in Babylon so, dass die Leute müde wurden, die Hoffnung erlahmte und sie meinten: Gott tut nichts. Trotzdem aber ist da der Ruf des Propheten: „Weißt du nicht, hast du nicht gehört?“ Er ist bis heute nicht verstummt und wird es auch nicht! Weil doch Gott selbst durch seine Propheten zu uns Menschen spricht und uns ruft! Deshalb werden wir uns an Gott erinnern, nein anders: Gott selbst wird uns immer und immer wieder an sich selbst erinnern! Und er wird Wege finden – zu uns und in uns! Darauf unser Vertrauen, unsere Hoffnung für uns und für eine gute Zukunft für alle Menschen!

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet:

Wir beten!

Herr! Guter Gott und Vater!

Wir danken dir für alle Menschen,

die du in deinen Dienst nimmst.

Gerade auch in diesen Tagen!

Sie tun es auf so viele verschiedene Weisen!

Für einige ist es ihr Dienst,

andere tun es freiwillig.

Wir danken dir für alle Menschen,

die du auch in diesen Tagen zu den Menschen sendest!

 

Deine Gemeinde lebt.

Auch wenn wir uns vielleicht nicht sehen können,

aber wir dürfen es spüren! Danke!

Viel Kraft ist nötig, Herr,

um diese Zeit zu bestehen.

Und noch mehr Kraft wird nötig sein,

um diese Zeit zu überwinden.

 

Da warten so viele Aufgaben,

vieles müssen wir neu denken und neu leben!

Wir wollen vertrauen, Herr!

Auf dich und auf die Kräfte,

die du auch wieder in uns wecken wirst

Rüste uns aus mit allem, was wir brauchen,

um mit dir neu leben zu können!

Denn du bist das neue Leben für uns.

Es hat begonnen! Schon heute! Schon in uns!

Du schenkst uns alles!

Und deine Liebe trägt uns weit!

 

Guter Gott, wir bitten dich!

Schau auf unsere Gemeinden!

Zeige du uns den Weg,

den wir vielleicht bald wieder gehen können!

Aber es soll dein Weg sein!

Nicht ein Weg, der auf unserer Ungeduld gebaut ist.

Nicht ein Weg, auf dem wir uns selbst mehr sehen als dich!

Wir wollen dich vor Augen haben!

Denn du führst und leitest uns!

Nicht uns, sondern dich haben wir vor Augen!

 

Wir wollen nicht darüber streiten,

welche Wege zu dir und in die Gemeinschaft mir dir

führen! Und wie schnell das sein muss!

Lass uns auf die Nöte und Bedenken genau so hören

wie auf die schöpferische Ideen,

die neue Möglichkeiten zeigen.

Lass uns aneinander interessiert bleiben!

Gib, dass wir uns respektieren!

Gib, dass wir uns nicht fremd werden,

in dem, was wir tun und sagen!

Stärke in uns das Vertrauen,

dass wir einander brauchen!

Du vertraust uns, Herr!

So lass uns auch ganz auf dich vertrauen!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostermontag, 13. April 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

 Psalm 118,14-24

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Wir hätten allen Grund zum Jubeln, guter Gott!

Deine Auferstehung hätten wir zu preisen.

Aber weißt du, guter Gott,

wie schwer uns das in diesen Tagen manchmal fällt?

Statt Freude, dass du lebst,

ist da die Sorge, wie das alles noch werden wird!

Statt Mut zum Leben, weil du den Tod besiegt hast,

schauen wir angstvoll auf Zahlen und wissen nicht,

wie wir unser Morgen planen sollen!

Wir können es gar nicht!

Statt Vertrauen auf deine Auferstehung

werden wir von Zweifeln geschüttelt.

Wir sind so kleingläubig!

Weißt du das alles, Herr und Gott?

 

Ja, natürlich weißt du es!

 

Und du vertraust darauf,

dass wir neuen Mut in dir und deiner Auferstehung

in deinem Sohn Jesus Christus finden.

Du willst uns deine Liebe neu spüren lassen,

gerade auch in diesen Tagen.

Du willst auch, dass wir sie wieder zu anderen Menschen tragen.

Dazu ist dein Sohn Jesus Christus in die Welt gekommen;

der auferstandene Christus, der zu uns allen spricht:

Nicht ihr habt mich erwählt,

sondern ich habe euch erwählt und gesetzt,

daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.

 

Ja, Jesus, in deiner Gegenwart leben wir.

Du bist die Kraft unseres Lebens

und du wirst auch einmal unsere Kraft im Sterben.

Denn wir leben und wir sterben mit dir.

In dir sind wir allezeit geborgen,

du erfüllst unsere Seelen mit der Kraft deines Lebens.

Weil du lebst, leben auch wir.

Wir bitten dich, sei bei uns, in uns und um uns.

Das bitten wird dich,

deinen Vater und den heiligen Geist.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Verse 50–58

50 Das sage ich aber, liebe Brüder, dass Fleisch und Blut das Reich Gottes nicht ererben können; auch wird das Verwesliche nicht erben die Unverweslichkeit.

51 Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden;

52 und das plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune erschallen und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden.

53 Denn dies Verwesliche muss anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muss anziehen die Unsterblichkeit.

54 Wenn aber dies Verwesliche anziehen wird die Unverweslichkeit und dies Sterbliche anziehen wird die Unsterblichkeit, dann wird erfüllt werden das Wort, das geschrieben steht (Jesaja 25,8; Hosea 13,14): »Der Tod ist verschlungen in den Sieg.

55 Tod, wo ist dein Sieg? Tod, wo ist dein Stachel?«

56 Der Stachel des Todes aber ist die Sünde, die Kraft aber der Sünde ist das Gesetz.

57 Gott aber sei Dank, der uns den Sieg gibt durch unsern Herrn Jesus Christus!

58 Darum, meine lieben Brüder und Schwestern, seid fest und unerschütterlich und nehmt immer zu in dem Werk des Herrn, denn ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist in dem Herrn.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium (auch Predigttext):

Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, Verse 36-45

Jesu Erscheinung vor den Jüngern

36 Als sie aber davon redeten, trat er selbst mitten unter sie und sprach zu ihnen: Friede sei mit euch!

37 Sie erschraken aber und fürchteten sich und meinten, sie sähen einen Geist.

38 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so erschrocken, und warum kommen solche Gedanken in euer Herz?

39 Seht meine Hände und meine Füße, ich bin’s selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe.

40 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

41 Da sie es aber noch nicht glauben konnten vor Freude und sich verwunderten, sprach er zu ihnen: Habt ihr hier etwas zu essen?

42 Und sie legten ihm ein Stück gebratenen Fisch vor.

43 Und er nahm’s und aß vor ihnen.

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose und in den Propheten und Psalmen.

45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, dass sie die Schrift verstanden

 

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

 Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder!

Frohe Ostern – so wünschen wir es uns in diesen Tagen.

Aber es klingt irgendwie in diesem Jahr auch anders. Es scheint, als haben die beiden Worte ihre Unbeschwertheit verloren! Dabei war es immer eine so schön einfache und klare Antwort! Was wollten wir eigentlich damit sagen, wenn wir uns diese Worte zusprechen – über alle theologischen Aussagen zur Auferstehung hinaus?

Ein frohes Osterfest

– dass wir uns den Magen nicht mit Ostereiern und zu viel Essen, Trinken verderben und hinterher klagen müssen?

– dass die Zahl der schlechten Nachrichten im Fernsehen einmal unter das Nor­malmaß sinkt und dass der Tag bald kommt, an dem ein ZDF-Spezial oder ein ARD-Brennpunkt zu einem Virus nicht mehr nötig wird?

– dass es uns allen und den vielen Menschen in den Krisen­gebieten vergönnt sein möge, in Frieden zu leben?

– dass es endlich einmal so weit käme, dass Menschen nicht mehr ständig Handlan­ger des Todes sind, sondern endlich zu Handlangern des Lebens werden?

– dass wir uns an diesen Tagen – bei all der Zeit, die wir uns gerade gönnen müssen – auch einmal den großen Horizont un­seres Lebens erfassen, den Gott uns schenken will und in dem wir weit über die Zeit hinausschauen, die in diesen Tagen für viele so schwer auszuhalten ist.

Haben wir uns das gewünscht? Es sind keine schlechten Wünsche. Wir sollten sie uns deshalb auch nicht madig machen lassen. Aber sind das wirklich Wünsche, die „Ostern“ meinen? Was ha­ben Sie sich für Ostern eigentlich gewünscht?

Die kleine Szene aus dem Lukasevangelium, die sie oben als Evangelium und heutigen Predigttext lesen konnten, erzählt nicht von solchen Osterwünschen. Sie beschreibt aber Oster-Erfahrungen, die Gott uns schenken will und in denen unsere Wünsche zutiefst ihre Erfüllung finden.

Wir lesen, wie Jesus unter ratlose Menschen tritt. Ratlose Menschen – das trifft auf die Jünger damals wahrlich zu. Sie hatten Nachrichten bekommen, mit denen kamen sie einfach nicht zurecht. Vor zwei Tagen hatten sie Jesu Sterben miterlebt – aus sicherem Abstand, aber immerhin live. Und das war damals auch si­cher: Wen die Römer freigaben zur Beerdigung, der war auch wirklich tot, denn sie verstanden ihr grausames Handwerk der Hinrichtung! Und so lag für sie die Sache ganz klar: Jesus liegt im Grab und mit ihm alle ihre Hoffnungen, alle ihre guten Erfahrungen, all ihre Erinnerungen.

Aber dann gab es auf einmal da diese aufgeregten Berichte: Die Frauen wollten ihn gesehen haben, Petrus sollte ihm begegnet sein, auf dem Weg nach Emmaus sollte er sich mit zweien der Jünger unterhalten haben.

Ich kann’s mir jetzt richtig ausmalen: Die Jünger sind beieinander und diskutieren sich die Köpfe heiß. Das Thema heißt „Auferstehung“. Davon hatte Jesus selbst doch immer gesprochen. Verhaftet sollte er werden! Ja, abgehakt! Verurteilt sollte er werden! Ja, abgehakt! Sterben sollte er! Ja, abgehakt und viel grausamer als gedacht! Und auferstehen sollte er! Auferstehen am dritten Tag! Noch kein endgültiger Haken dran! Zumindest offenbar erst für einige!

Alles, was an Argumenten nun zu bieten ist, es kommt jetzt auf den Tisch. Der gute Petrus schwört auf seine guten Augen, die beiden Emmaus-Wanderer reden von ihrem brennenden Herzen, die aufgeregten Frauen beschreiben immer wieder den Engel und erzählen, was sie erlebt hatten, ja dass sie ihn sogar angefasst hatten!

Und trotzdem: tief in allen sitzt letztendlich die Ratlosigkeit. Die ganze Weltordnung spricht nämlich dagegen: Tot ist tot, und es ist noch keiner zurückgekommen. Alles andere ist Spinnerei, Phantasie und Wunschvorstellung! Man muss Realist sein – so könnte es einer von ihnen vielleicht sagen, und die anderen würden wohl traurig nicken, weil diese Realität einfach nur trauriges Nicken hervorbringen kann.

So könnten sie diskutieren und wären heute noch nicht am Ende. Uns geht es übrigens manchmal ganz ähnlich, wenn wir über die Auferstehung diskutieren. Auch wir reden uns manchmal heiß. Argumente werden gewechselt, Meinungen ausgetauscht, aber es bleibt alles irgendwie in der Luft hängen. Etwas fehlt manchen dabei!

Aber die Auferstehung Christi sucht – so verstehe ich es für mich – niemals seinen Platz in meinem Kopf. Sie sucht ihren Platz in meinem Herzen. Und das Herz spricht seine eigene Sprache. Es spricht die Sprache der von Gott dort hineingelegten Liebe! Und diese Liebe bewegt mich nicht, sie zu verstehen! Sie bewegt mich zu glauben und diese Liebe zu leben! Christus ist auferstanden, auch in und mit mir!

Bleiben wir aber noch bei den Jüngern, die da so ratlos sitzen. Es geschieht plötzlich etwas, was alle Argumente in den Wind schlägt: Jesus tritt mitten unter die Jünger. Er ist da, er ist bei ihnen, ganz nah. Sie müssen nicht mehr über „Auferstehung“ und ob es sie gibt debattieren: Der Auferstandene steht vor ihnen, spricht zu ihnen, ja er isst mit ihnen sogar einen gebratenen Fisch. Also leibhaftig ist er da, will der Evangelist uns damit sagen.

Und auch das gilt eben bis heute: Die Debatte um Auferstehung und ob es so etwas gibt, hört in dem Augenblick auf, in dem der Auferstandene unter seine Leute tritt, hört da auf, wo wir es in unserem eigenen Leben erfahren: Er ist hier, er ist mitten unter uns. Damit sind nicht alle unsere Fragen be­antwortet – schon gar nicht die, wie man Auferstehung ordentlich – oder vielleicht sogar: vernünftig – denken soll. Aber damit steht eine Erfahrung im Raum, die alle Fragen überholt. Diese Gegen­wart des Auferstandenen ist uns verheißen, versprochen, verbürgt: durch Gott selbst, durch den Geist Gottes, durch den Heiligen Geist!

Und da ist dann noch der letzte Abschnitt, der mich beschäftigt:

44 Er sprach aber zu ihnen: Das sind meine Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Es muss alles erfüllt werden, was von mir geschrieben steht im Gesetz des Mose, in den Propheten und in den Psalmen. 45 Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.

Jesus eröffnet ihnen endlich die Schrift. Endlich! Ist sie mir eigentlich eröffnet? Wie kriege ich, wie kriegen wir eigentlich einen Zugang zur Bibel? Das ist eine Frage, die viele Menschen beschäftigt. Da sind so viele unterschiedliche Geschichten – wie kann ich das alles auf eine Reihe bringen? Manch einer oder eine hat sich irgendwann vielleicht schon einmal vorge­nommen: ich lese die Bibel von vorne bis hinten! Danach muss doch alles klar sein.

Ich erinnere mich noch an meinen ersten Versuch in Jugendtagen, er endete kläglich und schon früh. Spätestens bei den Aufzählungen der Geschlechter der Israeliten in 4. Buch Mose lief ich auf Grund, schon im 3. Buch Mose bei dieser unendlichen Schilderung von Gesetzen und Vorschriften hätte ich fast aufgegeben, aber im 4.  Buch Mose war’s dann endgültig so weit!

Aber auch wer sich durchgekämpft – und ich kenne einige Menschen, die das geschafft haben, Respekt! –,  fragt oft etwas unsicher immer noch: Was ist denn eigentlich die Mitte? Worauf läuft die ganze Geschichte eigentlich hinaus?

Liebe Schwestern und Brüder!

Und genau an dieser Stelle gibt der Auferstandene selbst den Jüngern Antwort: Die Mitte der Schrift – das ist die Liebe Gottes zu seinen Menschen. Schaut her: Diese Liebe hat mich ans Kreuz gebracht. Diese Liebe hat den Tod durchdrungen. Diese Liebe bin ich in Person, und ich nehme euch mit hinein in diese Liebe. Niemand von euch soll jemals verloren sein!

Das alles ist erfüllt in Jesu Auferstehung. Sein Wort ist das Wort des Gottessohnes, der nicht nur bis zum Tod durchgehalten hat, sondern der durch den Tod hin­durch die Wahrheit über Gott und die Welt, über dich und mich ist. In den Be­gegnungen mit dem Auferstandenen gewinnen die Jünger auf einmal einen ganz neuen Durchblick durch die alten Schriften und einen neuen Durchblick durch das Leben. Vieles wird jetzt verstanden. Vieles wird jetzt anders und neu lebbar!

Und genau das geschieht bis heute: wo wir die Gegenwart Jesu erfahren, da geht uns auf einmal ein Licht auf – da wird die Bibel aus einem alten Buch zu einer le­bendigen Geschichte Gottes, da hören wir auf Schritt und Tritt das Rufen und Einladen Gottes an uns in den alten Geschichten. Wir gewinnen für un­sere Zeit heute und unser eigenes Leben einen ganz neuen Durchblick!

Und dann ist da, liebe Schwestern und Brüder, noch ein drittes und letztes, an das ich denke, wenn ich die zunächst ratlosen Jünger in ihrer Begegnung mit dem Auferstandenen betrachte. Ratlosigkeit, Entmutigung, Angst – das alles kenne ich auch. Gerade in diesen Tagen und in dieser schwierigen Zeit! Wie oft bin ich zuversichtlich und gebe das auch gerne weiter! Ich möchte es auch tun, weil ich spüre, es hilft auch anderen weiter! Ihnen geht es vielleicht ja ganz ähnlich! Aber wenn das so ist, dann kennen Sie bestimmt wie ich auch das andere: die Phasen der Traurigkeit, vielleicht sogar der Entmutigung, auch der mentalen Erschöpfung, weil diese Zeit, in der wir gerade leben, ganz anders stressig ist, als wir es kennen. Und natürlich tauchen dann Fragen auf: Wie wird das alles werden? Wo soll es enden? Und  wohin geht der Weg meines Lebens? Fragen, die jede und jeden von uns natürlich gerade in dieser Zeit durchaus einholen können! Bei dem einen kommt sie wie ein Überfall, bei der anderen entsteht sie aus erfahrenem Leid oder bei einem dritten Menschen aus langen Gesprächen über den Glauben und die eigenen Zweifel. Ich glaube, niemand von uns kommt an dieser Frage vorbei. Wohin geht mein Weg?

„Ab in die Kiste!“ – So sagte es mir einmal jemand, der von sich behauptet, nicht an Gott zu glauben. Cool wollte er sein, stark und Realist. Aber wenn ich richtig hingehört habe, war er gar nicht so cool, wie er tat. Da schwang Furcht in seinen Worten mit, irgendwie auch die Hoffnung auf meinen Widerspruch. Könnten Sie mit solch einer Antwort leben – ab in die Kiste? Ich kann es nicht. Ich will es nicht! Ich glaube es nicht! Ich kann es sogar auch dann nicht, wenn einer das etwas behutsamer sagt: Mit dem Tod ist alles aus. Ich kann es auch dann nicht, wenn einer vom großen Nichts spricht, auf das wir alle zugehen – jeder Mensch für sich und die ganze Welt. Und ich kann auch nicht damit leben, dass mir Leute sagen: „Das ist keine erlaubte Frage. Du bist da – und das muss dir genügen, solange du da bist.“

Nein! So möchte ich nicht denken. Aber ich möchte der Frage schon standhalten und sie nicht verdrängen. Und auch deshalb erinnere mich gern an den, der neben Jesus am Kreuz hängt: „Jesus, wenn Du in dein Reich kommst, dann denke an mich.“ (Lukasevangelium 23,42) In der Stunde seines Sterbens findet einer neben ihm das Vertrauen zu Jesus. In der Stunde seines Sterbens setzt er ganz auf die Liebe, die er bei diesem Mann am Kreuz gespürt hat. Als dieser Jesus für seine Feinde betet, setzt er darauf, dass dieser Jesus eine Zukunft auch für ihn hat. Und ich höre Jesu Antwort: „Heute wirst du mit mir im Paradies sein“. (Lukasevangelium 23,43) Jesus verspricht ihm Anteil an seiner eigenen Zukunft!

Und – ist das wahr? Hat Jesus diesem Menschen in seiner Zukunftslosigkeit eine neue Zukunft eröffnet, angesichts des Todes ein neues Leben eröffnet? Wenn Je­sus nicht auferstanden wäre, dann hätte er diesen Menschen neben ihn am Kreuz noch in der letzten Stunde seines Lebens betrogen! Wenn Jesus aber auferstanden ist – und er ist es -, dann ist dieser Mann der erste, dem Jesus den neuen Weg in das Vaterhaus Gottes, in die große Ewigkeit aufgetan hat. Dann ist er der erste, dem Jesus seine Zukunft geschenkt noch vor dem eigenen Sterben geschenkt hat. Er hat ihn zur Umkehr gebracht, zur Heimkehr zu Gott.

Liebe Schwestern und Brüder! Genau das will Jesus in unsere Welt hineintragen. Als der Aufer­standene sagt er seinen Jüngern: Das ist euer Auftrag – Sagt den Menschen, dass mein Leben die­sen einen Zweck hat: dass sie heimfinden, dass sie sich in die Arme Gottes bergen, der ihnen das Leben gegeben hat und der ihnen mit weit geöffneten Ar­men entgegenläuft. Keine Schuld der Welt kann euch hindern, diesen Weg zu ge­hen, wenn ihr euch nur an mich haltet. Kein Virus dieser Welt kann selbst diejenigen, die jetzt gerade leiden und vielleicht sogar gestorben sind und sterben, davon abbringen! Und ich merke gerade schon beim Schreiben dieser Worte, wie groß mein eigener Schrecken gerade ist! Sei uns nahe, guter Gott, bleibe bei uns und gehe mit uns – in diese Krisenzeit und aus ihr heraus!

Aber trotz allem Schrecken, der uns gerade nahe sein will, ich bleibe dabei! Das ist der Osterwunsch, den Gott hat:

Lasst euch hineinrufen in meine Zukunft mit euch! Ich berge euch in meinen weit geöffneten Armen! Und ich tue das mit meiner ganzen Liebe für euch, die sogar den Tod überwindet! Heute schon tue ich es und in Ewigkeit!

Dass wir uns hineinrufen lassen in seine Zukunft und uns bergen in seine weit geöffneten Arme, in all seiner Liebe, heute schon und dann in Ewigkeit – das alles höre ich, wenn mir jemand zuruft: „Frohe Ostern!“ Und genau das tue ich, wenn ich Ihnen hier am Ostermontag schreibe! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja! Frohe Ostern!

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet:

Lebendiger Jesus, Herr und Bruder!

Schenke uns die Kraft deines Lebens,

daß wir von der Fülle des Lebens hier schon kosten können.

Auch heute schon, auch in diesen Tagen!

Stärke alle engagierten Menschen,

die sich im Moment voll und ganz einsetzen,

anderen Leben in Fülle zu ermöglichen.

Jesus, wir denken an die Menschen,

denen die gerade jede Lebensfreude verloren haben.

In unserer Hilflosigkeit,

in all unseren eingeschränkten Möglichkeiten

bitten wir dich

daß du sie nicht übersiehst und ihnen nahe bist.

Viele von uns können das nämlich gerade nicht,

geliebten Menschen nahe sein!

 

Wir denken an die Menschen,

die in unseren Familien das Leben lernen,

an unsere Kinder.

Gib, dass wir ihnen in diesen Tagen

lohnende Vorbilder deiner Liebe sein können.

 

Wir denken auch an die Menschen,

die vielleicht in unseren Familien

und überall im Sterben liegen.

Sei du ihnen Licht der Ewigkeit,

so daß sie auch im Sterben in dir Trost finden,

denn wir dürfen ihnen vielleicht gerade

mit unserem Trost nicht nahe sein!

 

Setze du dich Herrn, zu denen,

die sich in Finsternis glauben,

zu all denen, die nun um ihre Arbeit und Existenz fürchten,

zu all denen, die nun wohnungslos, aber nicht würdelos

Orte suchen, an denen sie diese schwere Zeit überstehen!

Erhelle ihnen ihre Finsternis,

sei du ihnen Licht des Lebens, lebendiges Osterlicht.

Und sei es auch für uns!

Wir alle sind in deiner Hand, du hältst uns geborgen.

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir diesen Gottesdienst am Ostermontag abschließen.

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostermontag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostersonntag, 12. April 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

 Psalm 118,14-24

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Herr Jesus, lebendiger Christus!

Du bist auferstanden, du hast die Macht des Todes besiegt.

Aber er wütet gerade um uns herum; zeigt sich so stark!

Du hast dem Tode alle Macht genommen, so beten wir es!

Aber er ist so mächtig in diesen Tagen!

Sieh in unsere Herzen,

schau auf unsere Verzagtheit und unseren Kleinglauben.

All unsere Sorgen und Ängste,

all unsere Unruhe und Traurigkeit

– all das ist dir nicht verborgen!

Lass uns doch deine Barmherzigkeit spüren;

lass uns das neue Leben spüren,

Mach uns stark, mach uns neu, Herr, gib uns Mut!

Lass auch uns geistlich auferstehen,

schon heute!

In der Stille bekennen wir dir,

was als Last auf unserer Seele liegt!

 

– Raum für persönliche Stille –

 

Guter Gott, wir durften ablegen, was uns belastet!

So lass uns jetzt neu hören,

was die Menschen verkündeten,

als sie das offene Grab begriffen,

als sie verstanden haben,

dass dein Sohn Jesus Christus

für uns gestorben und auferstanden ist,

um uns all unsere Schuld zu nehmen,

um mit uns neu ins Leben zu gehen:

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Und deshalb, guter Gott, werden wir nicht

an der Macht des Todes verzweifeln!

Niemals!

Du lässt es Ostern werden in uns, heute schon!

Lass dein österliches Licht auch in uns

und auch durch uns für andere scheinen!

Wir vertrauen darauf,

dass du uns neue Kraft und neuen Mut schenkst!

Du machst uns darin gewiss,

dass wir den Schrecken dieser Tage besiegen

und die Freude auf das Leben neu entdecken.

Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Osterevangelium

Aus dem 16. Kapitel des Markusevangeliums, Verse 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung (auch Predigttext): 1. Korintherbrief, Kapitel 15, Verse 19-28

Hoffen wir allein in diesem Leben auf Christus, so sind wir die elendesten unter allen Menschen. Nun aber ist Christus auferstanden von den Toten als Erstling unter denen, die entschlafen sind.

Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten.

Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.

Ein jeder aber in seiner Ordnung: als Erstling Christus; danach, wenn er kommen wird, die, die Christus angehören; danach das Ende, wenn er das Reich Gott, dem Vater, übergeben wird, nachdem er alle Herrschaft und alle Macht und Gewalt vernichtet hat.

Denn er muß herrschen, bis Gott ihm »alle Feinde unter seine Füße legt« (Psalm 110,1).

Der letzte Feind, der vernichtet wird, ist der Tod.

Denn »alles hat er unter seine Füße getan« (Psalm 8,7). Wenn es aber heißt, alles sei ihm unterworfen, so ist offenbar, daß der ausgenommen ist, der ihm alles unterworfen hat.

Wenn aber alles ihm untertan sein wird, dann wird auch der Sohn selbst untertan sein dem, der ihm alles unterworfen hat, damit Gott sei alles in allem.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Schwestern und Brüder!

Was mussten sich die Christenheit wegen ihrer Hoffnung über den Tod hinaus schon alles anhören: „Religion ist Opium für das Volk!“ – war z. B. einer der Spitzensprüche. Vielen Dank, Karl Marx! Mit solchen und ähnlichen Sätzen wollte man sie verleumden; die Christen betäubten sich mit dem Auferstehungsglauben, wie mit einem Rauschgift. Ihr vertröstet die Menschen auf das Jenseits, damit ihr ihnen hier besser das Fell über die Ohren ziehen könnt. Von der „Pfaffenlüge“ wurde gesprochen, die mit bloßen Versprechungen einer ewigen Freude die Christen um das Leben in dieser Welt betrügt.

Und auch noch in unseren Tagen müssen wir Christen uns so einiges sagen lassen, wenn die Rede auf unsere ewige Zukunft kommt: „Alles Humbug! Es ist noch keiner zurückgekommen. Was Gottes ewige Welt angeht, da weiß man nichts Genaues. Wir verlassen uns lieber auf das, was wir sehen. Ich glaube nur, dass ein Viertelpfund Rindfleisch eine gute Suppe gibt.“ Das sind nur einige Beispiele aus Gesprächen mit vermeintlichen Religionskritikern.

Ich will nun gar nicht versuchen, solches Reden zu widerlegen. Ich werd’ mich auch gar nicht bemühen, heute die Zweifler zu überzeugen. Das geht durch Geschriebenes sowieso nicht. Dazu bräuchte es ein Gespräch! Und das ist ja momentan nur schwer möglich! Aber ich kann und will auch solche Zweifler gar nicht überzeugen! Das muss schon der liebe Gott tun! Er kann das!

Ich möchte aber heute diejenigen unter uns ansprechen, die das Zeugnis der Heiligen Schrift vom ewigen Leben auch beschäftigt. Ich schreibe jetzt zu denen, die dem Herrn Jesus Christus seinen Sieg über den Tod glauben können und die auch für sich selbst an eine Zukunft mit diesem Gott glauben, die sogar ewig dauern kann! Wenn wir auch jetzt überhaupt nicht zu spekulieren beginnen sollten, wie so etwas aussieht!

Ihr nämlich, liebe Schwestern und Brüder, mit einer lebendiger Hoffnung im Herzen, ihr habt einen großen und wichtigen Auftrag! Ihr seid heute Jesu Mund, mit dem er von seiner Auferstehung zeugen will. Ihr seid heute seine Hände, mit denen er die Menschen auf den Weg der Hoffnung und des Glaubens führen will und ihnen Gutes tut. Ihr seid heute seine Füße, mit denen er die Ängstlichen und Verzweifelten aufsuchen will. Ihr seid heute seine Predigt, die von neuem Leben spricht und davon, dass der Tod überwunden ist. Wie der auferstandene Herr am Ostermorgen nur ein paar Menschen erschienen ist, um den wenigen die wichtige Botschaft anzuvertrauen, so gibt er uns allen auch heute wieder die Hoffnung und den Glauben neu ins Herz, um viele andere damit zum Fragen und zum Staunen zu bringen. Ihr müsst es weitersagen und weitertragen, so wie es möglich ist, denn gemeinsam können wir es gerade ja nicht tun! Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Vielleicht ist jetzt jemandem etwas mulmig vor der großen Verantwortung, die ich ihr oder ihm zumute. Aber denken wir doch einmal nach: Wie war das denn eigentlich bei uns, als wir zu diesem, zu unserem Glauben kamen? Konnten uns allein die Worte der Bibel überzeugen? Haben wir unsere Hoffnung allein auf Buchstaben gesetzt? War es vielleicht nur ein Satz oder ein Spruch, den wir gelesen haben und der uns dann zum Vertrauen führte?

Wenn ich mich erinnere, war es bei mir die feste Hoffnung, die ich meiner Großmutter und meiner Mutter abgespürt habe. Meine Oma brachte mir Gott nahe, weil er ihr nahe war! Und als Pfarrer erinnere ich auch mich an Gespräche, die ich mit sterbenskranken Menschen führen durfte. Die Zuversicht, die einige von Ihnen ausstrahlen konnten, selbst im eigenen Leid, sie hat in mir oft eigenen Glauben neu gestärkt! Wie oft saß ich als Pfarrer schon an einem Bett, wollte trösten, stattdessen wurde ich getröstet! Ich kenne Menschen, die können so überzeugend ihren Glauben in ganz einfachen Worten, Gesten und Taten leben, die können so ansteckend einfach von Gott erzählen, das könnte ich niemals aus irgendeinem Buch lernen!

Ich erinnere mich an eine alte Bäckersfrau in unserem Ort. Ich hatte viel mit ihr in unserer Kirchengemeinde zu tun. Sie konnte mich mit ihrer Sturheit öfter mal an die Decke gehen lassen. Aber war jemand krank, traurig oder allein, sie war immer schon vor mir da – und meist mit einem Stückchen Kuchen als Seelenpflaster.

Und war es nicht in jedem Fall das Beispiel eines Menschen, das auch in uns die Gewissheit von der Auferstehung der Toten, diesen Osterglauben pflanzte? Hierzu habe ich gern den viel zu früh verstorbenen Organisten unserer katholischen Geschwistergemeinde im Ort vor Augen. Er erzählte mit solch einer Leidenschaft von Christus, seiner Auferstehung und vom ewigen Leben. Und von seinem Glauben konnte er sogar durch sein Spiel an der Orgel erzählen! Unvergesslich für mich!

Und damit ich nie in die Grübeleien kommen kann, ob und wie das mit der Auferstehung denn jetzt wirklich war – und ich persönlich meine, dass viel zu viele zu oft darüber grübeln –, hilft mir ein Satz, den ich von Frère Roger als Jugendlicher einmal lernen durfte. Er fasste die ganze Diskussion um Auferstehung und ihre Wahrheit einmal in einem für mich auch wieder unvergesslichen Satz zusammen, als er einmal sagte: „Wäre Christus nicht auferstanden, wären wir nicht hier!“ Recht hat er, schreibe ich an dieser Stelle sehr subjektiv, aber so einfach ist das!

Liebe Schwestern und Brüder! Weil Christus auferstanden ist und weil er weiter mit uns Menschen lebt, weil er liebt, braucht er uns aber auch!  Er will nämlich in uns auferstehen, will in uns lebendig sein. So – in uns und durch uns – will er seinen Sieg über den Tod in die Welt hinaustragen. Ich glaube, nur so setzt sich die Hoffnung auf ewige Zukunft unter uns Menshen durch: Aus Glauben zu neuem Glauben. Durch Hoffnung zu neuer Hoffnung. Durch das Beispiel gläubiger Menschen, durch ihr Vorbild, ihr Zeugnis, ihr Leben; durch die Jahre, die Jahrhunderte, die Jahrtausende – bis zu uns und solange es Christinnen und Christen auf dieser Erde gibt! Und das ist eben eine große Verantwortung, die wir alle tragen. Und wir können sie tragen, weil uns unser Glaube trägt – unser Glaube an den Herrn und seine Auferstehung!

Vieles wurde uns Christinnen und Christen schon entgegen gehalten. Vieles mussten wir uns schon anhören wegen dieser unerschütterlichen Hoffnung mit der wir unseren Glauben durch die Zeit leben. Ich will uns heute noch ein anderes Wort eines Kritikers unseres Glauben zumuten: „Die Christen müssten mir erlöster aussehen!“ Der Philosoph Friedrich Nietzsche hat uns das zu seiner Zeit zugerufen. Und er hat damit gerade die Leute Jesu gemeint, die doch angeblich fest darauf hoffen, dass dieses Leben in ein ewiges Leben bei Gott führen wird. Ich will dieses Wort heute weitergeben, weil ich glaube, er hat Recht.

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir Christinnen und Christen müssten tatsächlich viel erlöster aussehen! Man müsste uns die Hoffnung auf die Ewigkeit ansehen können. Unser Glaube, wir müssten ihn überzeugender leben. Auch in unserem Kummer in diesen Tagen, auch in der Trübsal unserer Zeit, auch in unseren Anfechtungen, die wir gerade alle auszuhalten haben und noch aushalten werden müssen! Lassen wir unsere Freude über den Himmel, den Gott uns schenken will, strahlen! Lassen wir andere staunen über die Art, wie wir mit Tod, mit Trauer und auch gerade mit unseren Ängsten und Nöten in diesen Tagen umgehen!

Liebe Schwestern und Brüder! Machen wir doch  die Menschen neugierig durch unser Gottvertrauen, stecken wir sie an mit unserer Hoffnung – gerade nun auch in der Not, selbst wenn uns das Wasser bis zum Hals steht. Das soll unser ganzes Wesen durchscheinen: Dieses Leben ist wunderbar! Es lohnt jeder Tag, jede Stunde und Minute! Denn es ist uns geschenkt, aus Liebe geschenkt! Von Gott selbst! Er kommt heute neu zu uns, hat den Tod besiegt, lässt uns heute schon eine Zukunft schauen oder erahnen! Er schenkt uns schon heute das Leben neu und schaut mit uns weit. Weit in das Leben, das vor uns liegt und das vielleicht auch ein wenig anders werden wird! Und er schaut heute mit uns sogar über unser eigenes Leben und über unseren eigenen Tod hinaus – in die Zukunft, die wir dann auch einmal bei ihm leben dürfen, sogar in Ewigkeit!

Das, liebe Schwestern und Brüder, das ist Ostern! Und davon erzählt! Sagt es in euren ganz eigenen Worten! Tut es mit ganz einfachen Zeichen! Geht auf den Wegen, auf die er euch selbst führt und begegnet den Menschen! Auch wenn genau das im Moment eben nicht geht! Aber auch diese Zeit kommt wieder! Lasst uns leben, so wie es der Kirchenvater Augustinus einmal ganz knapp, aber eindeutig formuliert hat: „Liebe, und sag’ es durch dein Leben!“

Liebe Schwestern und Brüder! Das ist die Zumutung, die Gott uns auferlegt. Das ist die Verantwortung, die er uns allen überträgt. Und ich bin zutiefst davon überzeugt: wir können das!

Erlöster aussehen, erlöster sprechen, erlöster leben. Wie viele Zweifler würden wir gewinnen! Wie viel Glauben und Hoffnung ginge von uns aus! Wie viele Ängste, die uns zurzeit selbst erdrücken wollen, könnten wir mit einer gelösten Osterfreude und einem erlösten Osterglauben schon im Keim ersticken. Lasst uns damit aufhören, unseren eigenen Glauben, unsere eigene Kirche klein zu reden! Wir verwalten darin nicht nur einen Mangel. Wie viel kreative Kraft in uns allen und in Christi Kirche, in seinen Gemeinden steckt, das spüren wir doch gerade auch in diesen Tagen.

So viele bemühen sich auf allen im Moment möglichen Wegen Gottes Wort ganz nahe zu den Menschen zu bringen. So viele setzen sich gerade ein – durch tätige Nachbarschaftshilfe, durch Kontakthalten zu Menschen, die sich gerade besonders allein glauben. So viele stehen morgens gerade auch gegen ihre eigene Angst auf, um ihren Dienst in den Krankenhäusern und Einrichtungen für alte Menschen, in Geschäften und an vielen anderen Orten aufzunehmen. Die Auferstehung, Gottes spürbare Nähe bei den Menschen, sie hat auf eine wunderbar vielfältige Art in diesem Jahr schon in den Tagen vor Ostern längst begonnen! Es ist vieles schwierig in diesen Tagen, ja, das ist es! Aber es ist längst nicht alles schlecht! Da ist so viel Gutes! Wir sollten es nicht übersehen! Denn aus Gutem wächst Gutes! Und genau das dürfen wir ja an Christi Auferstehung erkennen!

Deshalb noch einmal, liebe Schwestern und Brüder!

Lasst uns erlöster aussehen, auch in einer gerade so unwirklich erscheinenden Wirklichkeit! Lasst uns fröhlich bleiben. In dir ist Freude in allem Leide, so singen wir es in einem alten Kirchenlied!

Lasst uns auf das Leben zugehen, auch wenn wir gerade daheim bleiben müssen! Es ist uns versprochen. Gott hält sein Wort. Er hat es mit seinem Leben, Sterben und Auferstehen besiegelt.

Wir Christen dürfen viel erlöster aussehen. Hoffnung verbreiten, Glauben wecken, Zuversicht in die Herzen der Mitmenschen um uns herum legen – wir können das, wenn wir bekennen, was wir selbst glauben! „Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!“ Euch allen ein gesegnetes Osterfest! Frohe Ostern!

Amen.

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Guter Gott in Jesus Christus,

lass Freude in uns wachsen an diesem Ostermorgen!

Auch wenn so vieles uns daran hindern will.

Aber du lebst – das muss uns zur Freude werden!

 

Ostern können wir nicht verstehen.

Wir müssen es erfahren, daß du auferstanden bist.

Laß uns diese Erfahrung nicht in Vergangenem suchen.

Denn das Vergangene ist auf einmal so weit weg!

Lass uns diese Ostererfahrung heute suchen und finden,

auch wenn es vielleicht schwierig scheint.

Lass sie uns in der kommenden Zeit suchen,

in der wir Neues leben

und uns neu und anders begegnen werden.

 

So wollen wir dich preisen und bitten dich:

Geh mit uns, wenn uns Zweifel überfallen,

wenn wir meinen, wir hätten kein Ziel.

Geh mit uns, auch wenn wir dich nicht erkennen.

Geh mit uns durch die Nacht unserer Ängste,

führe uns heraus aus dem, was uns bedrängt.

 

Herr, wir wollen fröhlich sein.

Aber sieh auch auf unsere Not!

Da ist so viel Leid in so vielen Familien,

bei so vielen Menschen!

Sei bei allen, die nun trauern,

sei bei allen, die gerade keine Osterfreude spüren können.

Und wenn ich an diesem Osterfest einmal zu ihnen dazugehöre,

dann schau auch auf mich und bleib’ mir nah!

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

 

Öffne unsere Augen und Herzen,

mach es hell in uns mit dem Licht deiner Auferstehung,

daß wir zu Trägerinnen und Trägern deiner frohen Botschaft werden

und Mut und Hoffnung in diese Welt bringen.

Halte uns miteinander verbunden,

auch wenn wir jetzt nicht zusammen sein können.

Schenke du uns die Freude deiner Auferstehung,

heute und in Ewigkeit.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Ostergottesdienst abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostersonntag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Karfreitag, 10. April 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 22,2-9.12.16.19-20

 Aus Psalm 22 in meinen Worten und Gedanken

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Du hörst doch mein Rufen, aber ich spüre einfach noch keine Hilfe!

Weißt du, wie oft ich in diesen Tagen zu dir rufe und auf eine Antwort von dir warte?

Manchmal bete ich sogar nachts zu dir,

weil ich keine Ruhe und keinen Schlaf finde!

Aber du bleibst mein Gott,

selbst wenn du mir in einigen Augenblicken ganz weit weg zu sein scheinst!

Deshalb werde ich wie Generationen vor mir auf dich hoffen, auf dich vertrauen!

Du hast deine Freude an ihrer Hoffnung gehabt und ihnen geholfen!

Keiner ihrer Rufe verhallte ungehört!

Jeder Hoffnung ließt du Rettung folgen!

Aber ich fühl’ mich im Moment so klein.

Sähen andere mich jetzt, die mich gut kennen,

sie würden vielleicht sogar den Kopf über mich schütteln

–  über meine Verzagtheit und meinen Kleinglauben!

Bring deine Klage vor Gott, sagt jemand zu mir.

Hoffe auf ihn und bitte ihn!

Deshalb, Herr, höre meine Bitte!

Lass mich deine Nähe spüren, die all meine Angst vertreibt!

Schau auf meine ganze Mutlosigkeit,

ich fühle mich schwach, ich habe bald keine Worte mehr!

Lass Krankheit und Tod an mir vorüber gehen!

Lass mich einfach nur deine Nähe spüren!

Du bist meine Stärke,

damit auch ich wieder stark sein kann!

Hilf mir, guter Gott! Hilf!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater,

Brot und Wein hast du uns bereitet.

Du gibst dich selbst als Zeichen deiner Liebe;

einer Liebe, die selbst durch den Tod hindurch neues Leben verheißt.

Wie gern würden wir dein uns allen hinterlassenes Zeichen heute teilen,

aber wir können es nicht!

Wie gern würden wir unsere Schuld jetzt vor den Altar bringen,

all unsere Bitten um Vergebung, unser großes Sehnen nach Gemeinschaft mit dir!

Wie gerne würden wir jetzt als ganze Gemeinde vor dir stehen und bekennen,

wie schuldhaft wir manchmal leben und wie sehr wir nach deiner Güte in Brot und Wein verlangen.

Und wie gern wären wir jetzt gemeinsam still, um alles, was uns auf der Seele liegt, vor dich zu bringen und ablegen zu dürfen.

Diese Gemeinschaft ist uns in diesen Tagen nicht möglich,

und das ist nur schwer auszuhalten!

Deshalb bin ich nun allein vor dir.

Aber bitten wie immer, das möchte ich nun auch.

Höre, Herr, was ich dir in der Stille nun anvertraue!

 

– Raum für einen Moment persönlicher Stille –

 

Ich weiß, guter Gott, all meine Schuld und Sorge,

sie ist bei dir geborgen und aufgehoben.

Ich darf leben in deiner Liebe, die so groß ist,

und von der ich weiß:

 

Also hat Gott die Welt geliebt,

daß er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf daß alle, die an ihn glauben,

nicht verloren werden,

sondern daß ewige Leben haben.

 

Und nun lass mich befreit an dich denken, Jesus Christus!

Ohnmächtig und verachtet hängst du am Kreuz.

Lass mich dich und dein Kreuz neu sehen lernen

als Zeichen einer neuen Welt,

als Zeichen deiner Gerechtigkeit und Liebe,

als Zeichen der Hoffnung für alle.

Mit allen, die diese Zeilen auch lesen

und mit denen ich mich in deiner Gemeinschaft verbunden wissen darf,

bitte ich dich, Jesus Christus, darum,

der du mit deinem Vater und dem heiligen Geist

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen!

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Amen.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung (auch Predigttext): Aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 5, die Verse 19-21

19 Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung.

20 So sind wir nun Botschafter an Christi Statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!

21 Denn er hat den, der von keiner Sünde wusste, für uns zur Sünde gemacht, damit wir in ihm die Gerechtigkeit würden, die vor Gott gilt.

 

Predigt

 Die Gnade des Herrn, unseres Gottes, sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Liebe Schwestern und Brüder!

Karfreitag, alles erscheint schwarz, hoffnungslos. Christus stirbt. Für einen Moment scheint die Welt still zu stehen. Besonders in diesen Tagen, da es nicht nur ein Moment, sondern schon Wochen sind, empfinden wir das ganz neu und so ungewohnt. Und in allem momentanen Stillstand ist dieser Karfreitag noch einmal ein ganz besonderer Tag. Es ist der Tag der Trauer, des Fastens, der Klage. Durch Jahrhunderte haben wir diesen Tag so gefeiert. Aber macht uns dieser Tag nicht heute sogar manchmal immer noch irgendwie ratlos? Eine Umfrage, schon vor einigen Jahren, will an den Tag gebracht haben, dass etwa 47 Prozent der Menschen in unserem Land gar nicht mehr wissen, was in diesen Tagen eigentlich bedacht und gefeiert wird. Ich kann und will es nicht glauben, aber was, wenn das wahr ist? Ich bleibe lieber bei dem Versuch, diesen Tag zu fassen, und ich möchte Sie, liebe Leserinnen und Leser, etwas fragen: Sind wir nicht immer schon vor diesem Kreuz irgendwie auch davongelaufen? Haben wir es je richtig begriffen?

Wie groß muss der Schock für die Apostel und Jünger, für die vielen Menschen damals gewesen sein, als sie mit ansehen mussten, wie Jesus starb! Wie gelähmt werden sie gewesen sein, ganz und gar am Ende! Ihren Herrn und Meister – gerichtet wie einen Verbrecher – ans Kreuz genagelt als schlimmste Schande. Das soll Gottes Sohn gewesen sein? Ich kann es fast mitfühlen, wie sie gezweifelt und geheult haben; ich sehe sie davonlaufen, weil sie diesen Anblick nicht ertragen haben. Haben wir ihn eigentlich jemals ertragen? Und wie sehr verbinden wir eigentlich Gedanken unseres eigenen Todes mit diesem Tod da am Kreuz?

Liebe Schwestern und Brüder!

Was haben wir aus diesem Kreuz gemacht? Nun, wir haben es z.B. verniedlicht in unzähligen rührseligen Bildern. Wir haben es vergoldet und versilbert und uns um den Hals gehängt. Wir haben es in prunkvollen Kirchen hinter vielen Darstellungen gleichsam versteckt. In Verfilmungen haben wir die romantischste Musik an dieser Stelle, Regisseure schneiden Symbolbilder an dieser Stelle in ihre Filme ein, blenden andere Menschen ein. Das Kreuz konnten sie selbst bisher – zumindest nicht für mich – nicht überzeugend darstellen!

Und dann haben wir die Kreuze mit dem sterbenden Christus aus den Kirchen genommen, haben gesagt, ein Corpus Christi gehöre da nicht hinein! In vielen evangelischen Kirchen ist das so. Manche evangelische Theologinnen und Theologen werden es sicherlich theologisch fundiert begründen können, keine Frage! Aber ich bekenne es und stehe dazu: wie wunderbar, dass in „meiner“ evangelischen Lukas-Kirche ein Kreuz mit dem Corpus Christi vor mir über dem Altar hängt. Und dafür habe ich zwei Gründe. Ob sie theologisch fundiert sind, weiß ich nicht. Ist mir aber, wenn ich ganz ehrlich bleibe, auch eigentlich egal. Es bleiben für mich einfach zwei gute Gründe!

Zum einen weiß ich, dass Gott auf uns schaut, wenn wir uns vor ihm versammeln. Dass ich dabei in unserer Kirche hinter und unter dem Kreuz und auch hinter dem Altar stehe, lässt mich nie vergessen, wer wirklich der Hausherr und wer der Diener Christi ist! Das sollte nirgendwo verwechselt werden! Und ich bin mit der letzteren Rolle sehr zufrieden!

Und zum anderen bleibt dieser auf uns schauende Christus auch das sichtbare Zeichen, dass wir vor diesem Kreuz eben nicht einfach davonlaufen kommen. Gott am Kreuz schaut uns an! Er bleibt Mitte unseres Glaubens! Und deshalb hängt es für mich genau dort, wo es eben hingehört!

Kreuz und Auferstehung – daraus schlägt unser christliches Herz. Und doch – wir haben dieses Kreuz nie recht fassen können. Es war für uns im Konzert der Religionen immer auch ein Makel, das Symbol unseres Glaubens darzustellen. Im Buddhismus ist es ein lächelnder, meditierender Buddha, dem alle Erleuchtung nach Sinn und Leben kommt, als ihm ganz zaghaft ein Blatt auf den Kopf fällt. Buddhisten sind stolz auf ihre Abbildung des friedlichen Buddhas. Die Götterwelt der Hinduisten zeigt ihre Götter in den Tempeln immer als profilierte Gestalten. Als machtvolle Kriegsgötter, als friedenstiftende, engelsähnliche Wesen, immer aber einzuordnen, immer mit weiterführendem Profil. Und wir Christinnen und Christen – wir halten einen hingerichteten, dornengekrönten, ans Kreuz genagelten Mann hoch. Wer sollte sich davon eigentlich überzeugen lassen?

Liebe Schwestern und Brüder! Trotzdem: Wir dürfen an dem Kreuz niemals vorbeisehen. Das Kreuz bleibt die zentrale Tat Gottes in seiner Geschichte mit uns Menschen. Aber – und das behaupte ich – wir haben den Schrecken des Kreuzes manchmal übermächtig werden lassen. Wir haben zugelassen, dass unsere Vorstellung von dem Grauen dieses Kreuzestodes in uns übermächtig werden durfte. Das hat Menschen bis in ihr Glaubensleben ganz konkret hinein bestimmt.

Und wenn dieses auch alles stimmt, ja, wenn da Grauen und Entsetzen, wenn da Sprachlosigkeit angesichts des Kreuzestodes sein sollte, Gott wollte uns aber doch seine ganze Liebe zeigen!

Und nicht nur Gott! Dieser Jesus am Kreuz wollte uns seine Liebe zeigen. Und wir Christinnen und Christen im 21. Jahrhundert müssen in uns wieder das Gleichgewicht schaffen. Das Kreuz Christi ist Zeichen der Liebe, nicht nur des Schreckens. Ein Zeichen der Liebe, das am Auferstehungsmorgen seine endgültige Vollendung findet. Paulus selbst war schon sehr früh daran interessiert, dieses seinen Glaubensfreunden nahezubringen. Auch er wollte ihnen den Schrecken des Kreuzes nehmen, wenn er im zweiten Korintherbrief deutlich die Versöhnung in den Vordergrund stellt. Er schreibt es uns im 2. Korintherbrief. Oben haben Sie es als Episteltext lesen.

Als Wort der Versöhnung, so schreibt es Paulus, hat Gott seinen Sohn gegeben. Er bietet Versöhnung an und bittet: Lasst euch versöhnen mit mir! Eure Schuld ist genommen, er, Christus hat sie getragen. Er selbst ist das lebendige Wort, er bleibt es für alle Zeit. Und nun lebt, was er sagte, dann gilt unter euch meine Gerechtigkeit, mein Friede, meine Hoffnung – für euch.

Auf diese Weise – so schreibt es Paulus – würde Gott selbst das Kreuz erklären. So hat es Jesus selbst in vielen Andeutungen und Ankündigungen erklärt. Also lassen wir uns niemals von dem Schrecken des Kreuzes in die Knie zwingen. Nehmen wir es an als das Zeichen der Liebe Gottes. Er selbst möchte es so.

Ich weiß, das kann er ja gut schreiben, mag mancher jetzt denken. Aber es ist nun einmal ein schreckliches Zeichen und dieser leidende Christus geht mir eben nicht aus dem Sinn.

Nun, dann erinnern wir uns noch einmal an seinen Tod – gerade an diesem Tag. Das erst einmal tröstliche sagt Paulus uns in ganz einfachen Worten. „Gott war in Christus“ – Unsere Vorstellung von dem verlassenen, leidenden Christus stimmt nicht. Gott war zu allen Zeiten bei und in ihm, Gott selbst ist am Kreuz, überwindet den Tod in Christus. Dieser Jesus, der uns so menschlich geworden ist, war nicht allein, niemals. Allein das schon sollte uns trösten. Das muss uns trösten in diesen Tagen! Denn genau das gilt uns allen. Wenn Christus für uns gestorben ist, dann leben wir auch mit ihm. Dann ist Gott nicht nur in Christus. Er ist in dir und ist in mir! Und genau so ist es

Aber da ist auch das andere, das mich immer so fasziniert an diesem Kreuzesgeschehen. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“ ruft Jesus am Kreuz. Und ich habe von „meiner“ Kanzel in der Lukas-Kirche schon so oft daran erinnert und hätte es auch heute so gern getan!!!

Oft haben wir Jesus hier einen Moment des Zweifelns angedeutet. Wir hörten aus diesen Worten einen Hilfeschrei. Und doch, es ist seine letzte Rede, seine letzte Predigt, vielmehr es ist sein letztes Gebet! Jesus betet am Kreuz; er betet einen alten Psalm, den 22. Psalm. Wir haben ihn seitdem am Anfang der Karfreitagsliturgie, haben ihn auch vorhin schon in Auszügen mitgelesen, allerdings die vorderen Verse.

Viele, die damals am Kreuz standen, kannten dieses alte Gebet, diesen Vers. Und ich stelle mir nun vor, wie sie mitgebetet haben. Jesus selbst kam dazu leider nicht mehr. Aber er wollte ihnen die Worte in den Mund und in ihr Herz legen. Er wollte seine ganze Botschaft noch einmal in einem alten Gebet zusammenfassen. Mit etwas mehr Zeit, mit etwas mehr Kraft hätte Jesus am Kreuz dieses Gebet gesprochen und wohl alle unter dem Kreuz mit ihm. Er kam nur zu dem ersten Satz: „Mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen!“(Psalm 22,2) Und er schaffte den letzten gerade noch: „Denn er hat alles vollbracht!“ (Psalm 22,32)Jesus selbst, schon am Kreuz und schon beim Sterben, bittet alle unter dem Kreuz, das Gebet zu beten, zu dem er selbst nicht mehr kommt; er bittet alle, das zu beten, was zwischen Anfang und Ende dieses Psalmes steht. Nämlich ein Bekenntnis zu Gott und kein Gebet der Verzweiflung. Hätte er mehr Zeit, mehr Kraft gehabt, dann wären das Jesu letzte Worte gewesen:

Herr, ich will deinen Namen kundtun allen meinen Brüdern. In der Gemeinde werde ich dich rühmen. Preiset den Herrn, ehret ihn! Er hat das Elend der Armen niemals verachtet oder verschmäht. Er hörte ihre Rufe. Ich preise dich in der Gemeinde, alle meine Gelübde werde ich erfüllen. Die Elenden sollen zu essen bekommen, daß sie satt werden. Die nach mir fragen, sie sollen leben in Ewigkeit. Sie werden an mich denken und sich zum Herrn bekennen bis an aller Welt Ende. Das Reich gehört Gott, er herrscht auch unter den Heiden. Ihn werden alle anbeten, alle Lebenden, alle Verstorbenen. Und es werden Nachkommen da sein, und sie werden ihren Kindern und Kindskindern vom Herrn erzählen. Sie werden zusammenkommen und seine Gerechtigkeit preisen und predigen dem Volk, das geboren wird. Denn er hat alles vollbracht. (Ps 22,32)

So wollte Jesus selbst beten! So wollte er im eigenen Sterben noch Gott, seinen Vater loben! So wollte er, dass die Menschen unter dem Kreuz damals und auch wir heute beten, wenn wir auf das Kreuz schauen! So wollte Jesus, dass wir ihn im Herzen behalten – als jemanden, der sich niemals von seinem Vater getrennt glaubte, nicht einmal im Tod! Nicht einmal beim Sterben! Das möchte Christus selbst – von jeder und jedem von uns! Christus will nicht, dass wir uns vom Schrecken des Kreuzes erdrücken lassen, so als ob dieser Tod immer auf uns lasten würde.

Mit den wenigen Psalmworten, zu denen Jesus noch die Kraft hatte, lädt dieser Christus am Kreuz selbst uns ein, über das Kreuz hinaus zu schauen, auf die Zeit, die vor uns liegt. Eine Zeit, in der für uns genauso da sein will wie heute und in der Zeit, die er mit uns schon gelebt hat! Christus selbst will, dass wir diesen vertrauenden Glauben leben und weitergeben; den Glauben, das Gott selbst niemals stirbt und auch wir das ewige Leben haben. Und Christus selbst möchte, davon bin ich zutiefst überzeugt, dass wir genau dieses in diesen Tagen einer so schweren gemeinsamen Krise spüren und auch weitersagen: Ich sterbe für euch, ich lebe mit euch, ich trage mit euch, ich bleibe bei euch! Gestern, heute und in Ewigkeit! Vertraut und lebt!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Herr, Jesus Christus, auch ich stehe unter deinem Kreuz!

Du gehst den Weg des Opfers und des Leidens!

Sei auch in meinem Leid, in meiner Sorge!

Rette mich, mach mich frei von allem,

was mir das Herz schwer macht!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und sehe die Bosheit dieser Welt!

Lass mich nicht abseits stehen, sondern immer in deiner Nähe!

Schau auf das Leid, schau auf mein und auf fremdes Leid!

Ich will es nicht verdrängen oder überspielen.

hilf mir, es ebenfalls anzunehmen und zu tragen!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne,

wie du für mich einstehst und mir hilfst.

Auf dem Weg, zu denen, die leiden,

zu denen, die sich gering und verachtet fühlen,

zu denen, die in ihrem Leben scheitern,

zu denen, die ich so oft übersehe –

auf diesem Weg möchte ich dir folgen.

Nimm mich in deinen Dienst,

mit all meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten,

auch wenn sie in diesen Tagen so sehr eingeschränkt sind.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne deine Barmherzigkeit!

Du trägst, was ich nicht tragen kann!

Du willst, dass ich wieder aufatmen kann,

dass ich wieder als freier Mensch leben kann.

Du willst, dass ich von deiner Barmherzigkeit,

die ich in diesen Tagen deiner Bewahrung erfahren darf,

weitergeben kann an all die Menschen,

denen ich hoffentlich dann auch wieder begegnen werde!

Und dann werden wir all unser Gerede übereinander lassen,

und Worte der Zuneigung, der Liebe

und der Freundlichkeit neu füreinander finden.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Karfreitag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Gründonnerstag, 9. April 2020
 

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Der Herr sei mit euch!

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 111

 Psalm 111 mit meinen Worten und Gedanken

Halleluja! Guter Gott, ich möchte dir Dank sagen,

für alle und mit allen, die jetzt hier mitlesen.

Gemeinsam erinnern wir uns daran, was du alles für uns tust,

auch und gerade jetzt in dieser Zeit!

Wir denken daran, und es schenkt uns Mut und neue Freude!

Du hast alles wunderbar gemacht,

in der Schöpfung sehen wir deine ganze Pracht!

Wie oft dürfen wir uns daran freuen

und auch das Wunderbare darin wieder erkennen!

Du schenkst, was wir für unser Leben brauchen.

Du hältst dein Versprechen, immer bei uns zu sein,

gerade auch jetzt in diesen Tagen.

So viele erzählen gerade auf ganz verschiedene Weisen

von dir und deiner Nähe;

wir werden es nicht vergessen, sondern uns bewahren.

Viele helfende und zupackende Hände

künden gerade von der Wahrheit deiner Nähe,

sie tun, was du uns als Gebot deiner Liebe ins Herz gelegt hast.

Und dieses Gebot deiner Liebe galt gestern,

es trägt heute und wir werden morgen daraus leben;

dein Heil für uns erkennen wir darin.

Und doch bitten wir:

Sende uns doch die Erlösung aus der Bedrängnis dieser Zeit,

schenke uns Geduld und immer wieder neue Hoffnung darauf.

Dein Versprechen, dein Bund mit uns gilt,

auch durch alle schweren Zeiten.

Dein Name bleibt in meinem Herzen geheiligt!

Das Vertrauen, dass du mir nahe bleibst,

ist der Beginn meiner Zuversicht und meiner Hoffnung,

wenn ich nach vorne schaue.

Sei auch bei allen anderen,

dass sie es ebenso spüren und mit mir dich loben.

Heute und in der Zukunft, die du uns allen schenkst!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Angang, jetzt und immerdar,

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Jesus Christus, Sohn Gottes,

von Anfang an hast du Menschen an deinem Tisch zusammengerufen.

Manchmal waren wir mit unseren Meinungen ganz weit auseinander.

Manchmal traten wir sogar zerstritten vor dich.

Und doch, du liebst uns alle.

Du weißt, manchmal hat in unserem Leben

so vieles zwischen uns und dir gestanden,

andere Dinge waren uns viel wichtiger.

Wie gern säßen wir jetzt alle, so wie wir sind,

verschieden und doch von dir geliebt,

gemeinsam an deinem Tisch.

Nun sitze ich vielleicht allein an meinem Tisch

und bete in der Stille zu dir.

Herr, höre mein Gebet!

Und in meine Stille und mein Bitten

höre ich, dass mich nichts von deiner Liebe trennen kann,

egal wo ich gerade sitze und an dich denke.

Ich lese und höre, wie du mir ins Herz sprichst:

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

 

Jesus Christus, darauf vertraue ich

und deshalb gehe ich mit dir in den Abend dieses Tages,

an dem du verraten wurdest.

Du nahmst unsere Schuld auf dich,

damit wir niemals verzweifeln.

Du gingst für uns in den Tod, damit wir leben.

 

Dafür danke ich und danken wir alle dir, Jesus Christus,

der du mit Gott, deinem Vater,

und dem heiligen Geist lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Evangelium: Aus dem 13. Kapitel des Johannesevangeliums, Kapitel 13, die Verse 1-15.34-35

Die Fußwaschung

1 Vor dem Passafest aber erkannte Jesus, dass seine Stunde gekommen war, dass er aus dieser Welt ginge zum Vater. Wie er die Seinen geliebt hatte, die in der Welt waren, so liebte er sie bis ans Ende. 2 Und nach dem Abendessen – als schon der Teufel dem Judas, dem Sohn des Simon Iskariot, ins Herz gegeben hatte, dass er ihn verriete; 3 Jesus aber wusste, dass ihm der Vater alles in seine Hände gegeben hatte und dass er von Gott gekommen war und zu Gott ging – 4 da stand er vom Mahl auf, legte seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. 5 Danach goss er Wasser in ein Becken, fing an, den Jüngern die Füße zu waschen und zu trocknen mit dem Schurz, mit dem er umgürtet war. 6 Da kam er zu Simon Petrus; der sprach zu ihm: Herr, du wäschst mir die Füße? 7 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was ich tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. 8 Da sprach Petrus zu ihm: Nimmermehr sollst du mir die Füße waschen! Jesus antwortete ihm: Wenn ich dich nicht wasche, so hast du kein Teil an mir. 9 Spricht zu ihm Simon Petrus: Herr, nicht die Füße allein, sondern auch die Hände und das Haupt! 10 Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, bedarf nichts, als dass ihm die Füße gewaschen werden; er ist vielmehr ganz rein. Und ihr seid rein, aber nicht alle. 11 Denn er wusste, wer ihn verraten würde; darum sprach er: Ihr seid nicht alle rein. 12 Als er nun ihre Füße gewaschen hatte, nahm er seine Kleider und setzte sich wieder nieder und sprach zu ihnen: Wisst ihr, was ich euch getan habe? 13 Ihr nennt mich Meister und Herr und sagt es mit Recht, denn ich bin’s auch. 14 Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr euch untereinander die Füße waschen. 15 Denn ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe. 34 Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. 35 Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Lesung aus dem Alten Testament (heute auch Predigttext):

Aus dem 2. Buch Mose, Kapitel 12, die Verse 1-4.6-8.10-14

Einsetzung des Passafestes1 Der HERR aber sprach zu Mose und Aaron in Ägyptenland: 2 Dieser Monat soll bei euch der erste Monat sein, und von ihm an sollt ihr die Monate des Jahres zählen. 3 Sagt der ganzen Gemeinde Israel: Am zehnten Tage dieses Monats nehme jeder Hausvater ein Lamm, je ein Lamm für ein Haus. 4 Wenn aber in einem Hause für ein Lamm zu wenige sind, so nehme er’s mit seinem Nachbarn, der seinem Hause am nächsten wohnt, bis es so viele sind, dass sie das Lamm aufessen können. 6 Und sollt es verwahren bis zum vierzehnten Tag des Monats. Da soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel schlachten gegen Abend. 7 Und sie sollen von seinem Blut nehmen und beide Pfosten an der Tür und den Türsturz damit bestreichen an den Häusern, in denen sie’s essen, 8 und sollen das Fleisch essen in derselben Nacht, am Feuer gebraten, und ungesäuertes Brot dazu und sollen es mit bitteren Kräutern essen. 10 Und ihr sollt nichts davon übrig lassen bis zum Morgen; wenn aber etwas übrig bleibt bis zum Morgen, sollt ihr’s mit Feuer verbrennen. 11 So sollt ihr’s aber essen: Um eure Lenden sollt ihr gegürtet sein und eure Schuhe an euren Füßen haben und den Stab in der Hand und sollt es in Eile essen; es ist des HERRN Passa. 12 Denn ich will in derselben Nacht durch Ägyptenland gehen und alle Erstgeburt schlagen in Ägyptenland unter Mensch und Vieh und will Strafgericht halten über alle Götter der Ägypter. Ich bin der HERR. 13 Dann aber soll das Blut euer Zeichen sein an den Häusern, in denen ihr seid: Wo ich das Blut sehe, will ich an euch vorübergehen, und die Plage soll euch nicht widerfahren, die das Verderben bringt, wenn ich Ägyptenland schlage. 14 Ihr sollt diesen Tag als Gedenktag haben und sollt ihn feiern als ein Fest für den HERRN, ihr und alle eure Nachkommen, als ewige Ordnung.

 

Predigt

 Die Gnade des Herrn, unseres Gottes, sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Manchmal da fasse ich es einfach nicht! Ich verstehe manchmal einfach nicht, was sich einige hohe Damen und Herren ausgedacht haben, als sie die biblischen Texte als Predigttexte über das Jahr verteilten. Heute ist es mal wieder soweit. Ich rege mich auf. Solch ein wunderbares Evangelium, das wir weiter oben gelesen haben. Jesus dient, wäscht die Füße, legt Hand an den Menschen. Wie wunderbar hätte man jetzt darüber predigen und den Menschen noch einmal danken können, die in diesen Tagen gerade genau das tun, was Jesus uns als Beispiel gegeben hat, nämlich den Menschen nahe sein, Hand anlegen und pflegen, wo es nötig ist. Und es ist gerade so nötig, wir alle wissen es! Darüber hätte man predigen sollen!

Oder wir hätten uns an das letzte Abendmahl erinnern können, das Jesus mit seinen Freunden gefeiert hat. Daran, wie er ihnen allen sagte, dass da am Tisch jemand sitzt, der ihn verraten wird. Wir hätten daran denken können, wie alle Apostel fragen, weil sie es wohl für möglich halten, dass sie es selbst sein könnten: „Herr, bin ich es?“ Wir hätten uns dann fragen können, wie oft wir selbst Gott in unserem Alltag schon verraten haben, weil wir unser Bekenntnis zu ihm gescheut haben! Wir hätten weiter gehört, wie Jesus auch für Judas das Brot bricht und mit ihm den Kelch teilt. Gott vergibt grenzenlos, und wir sollen es auch tun! Das wäre vielleicht ein Gedanke für eine Predigt gewesen.

Und was lesen wir im Predigttext? Wir hören von einem Schlachtfest! Da wird gegessen, bis alle pappsatt sind! Dann soll mit dem Blut der Schlachttiere auch noch die Haustür angestrichen werden. Dann wird wieder die ganze Nacht gegessen. Ach ja, dann gibt es für andere noch eine Katastrophe. Und all das soll dann zusammengenommen und zu einem Feiertag erhoben werden! Lieber Gott, manchmal verstehe ich dich nicht. Und ihr lieben hohen Damen und Herren, Wächterinnen und Wächter über die Predigttexte! Manchmal verstehe ich euch einfach nicht! Und deshalb muss ich mich erst einmal beruhigen und eine kleine Pause machen!

 

So, genau das habe ich gemacht! Eine kleine Pause und noch einmal neu nachgedacht! Natürlich hat diese alttestamentliche Ansage Gottes, die wir etwas weiter oben als alttestamentlichen Text gelesen haben, etwas mit dem Abendmahl zu tun. Hier wurde nämlich das Alte Volk Israel von Gott selbst aufgefordert, zusammenzukommen, sich zu Gott zu bekennen und so eben auch Bewahrung zu erfahren als sein auserwähltes Volk! Und dennoch hätte ich mir gewünscht, Gott hätte damals schon einen liebevolleren Weg dazu gefunden! Aber von da an feiert eben das jüdische Volk das Passahfest, und feiert es so! Und genau in dieser Tradition wollte es Jesus ja auch tun. Und hat es getan. Er hat es aufgenommen, geradezu auf sich bezogen. Als Opferlamm wird er an einigen Stellen in der christlichen Tradition bezeichnet! Und auch wir kennen noch das Osterlamm. Ich kenne es aus meiner Kindheit als Gebäck, das am Ostermorgen auf dem Tisch stand. Und jetzt finde ich es schon wieder bemerkenswert, wie sehr sich Gott und seine Weisung zum ersten Passahfest durch die Jahrhunderte und Jahrtausende zumindest noch in kleinen Symbolen bis in unsere heutige Zeit erhalten hat. Und deshalb hat dieser Text ja vielleicht doch seinen Platz an diesem Gründonnerstag.

Aber in meiner persönlichen Prioritätenliste steht er eben nicht ganz oben. Und das bleibt auch so. Für mich ganz persönlich ist dieser Gründonnerstag einer meiner wichtigsten Feiertage. Und als Pfarrer feiere ich ihn als einen der wichtigsten Feiertage in meinem persönlichen Kirchenjahr immer auch gern abends in der Kirche. Früher haben auch immer viele mitgefeiert. Doch in den letzten Jahren ist – so habe ich es mitansehen dürfen – dieser Feiertag fast aus dem Bewusstsein vieler Christinnen und Christen verschwunden. Wir wurden weniger. Und wie viele andere Gemeinden hätten wir genau darum in diesem Jahr auch statt zu einem Gottesdienst in der Kirche zu einem Tischabendmahl im Gemeindehaus eingeladen. In liturgischer Form wollten wir zusammensitzen, wie Jesus mit seinen Apostel gemeinsam essen, trinken und diesen Abend feiern.

Ich habe in den letzten Tagen immer wieder daran gedacht, wie schade es nun ist, dass es eben nicht so sein kann. Aber dann dachte ich auch noch an etwas anderes. Die ganze Zeit hatte mich nämlich irgendetwas an dieser Idee gestört, aber ich kam nicht drauf. Erst jetzt! Und es wurde mir noch einmal neu bewusst und klar, was mich an diesem Feiertag immer schon so bewegt hat. Es war gar nicht das letzte Abendmahl, was ja eigentlich auch in dieser Form wohl das erste für Jesus und seine engsten Freunde war und übrigens das letzte gemeinsame! Nein, mir ist etwas ganz anderes an diesem Abend wichtig. Etwas, was ich bei einem Tischabendmahl im Gemeindehaus wahrscheinlich gar nicht so hätte empfinden können.

Mir liegt für meinen Glauben schon immer die Szene nach dem gemeinsamen Abendmahl am Herzen. Jesus geht in den Garten Gethsemane. Drei seiner Apostel nimmt er mit. Er konnte nicht allein sein, wollte es nicht. Bleibet hier und wachet mit mir, bittet er sie. Und diese drei Apostel hätten einen der wohl innigsten Momente im Leben Jesu erleben können, wenn …! Ja, wenn sie nicht eingeschlafen wären!

Sie hätten erlebt, wie Jesu für einen kurzen Moment die Fassung zu verlieren scheint, wie er auf einmal nur noch ganz Mensch zu sein scheint. Sie hätten hören können, wie Jesus selbst seinem Vater all seine Sorgen und Ängste bekennt und anvertraut. Ja, sie hätten ihn sogar weinen sehen können. Sie hätten hören können, wie Jesus selbst aus seiner Not heraus seinen Vater bittet, es doch anders werden zu lassen: „Mein Vater, ist’s möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber!“ (Matthäusevangelium 26,39) Jesus bittet Gott! Bittet Gott um einen anderen Weg! Er tut es nicht einmal, er tut es mehrmals. Aber dann wandeln sich in ihm doch Ängste und Zweifel in neues Zutrauen zu Gott, seinem liebenden Vater, der selbst alle Wege mitgeht. „Doch nicht, wie ich will, sondern wie du willst!“ (Matthäusevangelium 26,39) Er bekennt sich wieder zu Gott und dann geht er. Noch einen kurzen Rüffel beim Wecken für seine schlafenden Freunde. Aber dann beginnt er aus diesem Garten heraus seinen Weg ans Kreuz, seinen Weg in den Tod und neu ins Leben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Diese Szene da im Garten hat mich immer schon bewegt. Gerade in diesen Tagen bewegt sie mich noch mehr und noch viel tiefer wohl als sonst. Ich gehe nämlich mit Jesus in den Garten. Und vielleicht tun es einige von ihnen ja gedanklich auch. Und auch ich könnte heulen wie Jesus, ja natürlich! „Es ist schrecklich, was gerade passiert“, würde ich Gott sagen wollen. Ja noch mehr! „Lieber Gott, es erschreckt mich bis ganz tief innen ins Herz!“So ähnlich wie bei Jesus auch wären meine Worte. Und auch meine Bitte wäre ganz ähnlich: „Lieber Gott, lass es doch anders werden! Lass mich aufwachen aus diesem schrecklichen Traum! Ich will mein altes Leben wiederhaben! Meine Unbeschwertheit, meine Freude! Ich will meine Liebe zu den Menschen wieder leben dürfen. Ich möchte Ihnen spürbar nahe sein! Herr, ich bin so allein! Wenn es einen Weg gibt, dann lass es anders werden“

Ja, so würde ich klagen! Ja, so würde ich versuchen, mit Gott zu handeln! Genau wie Jesus es tat. Und dann würde ich darauf hoffen, dass ich aber eben auch das schaffe, was Jesus dann schafft. „Doch nicht wie ich will, sondern wie du willst!“ Alles so annehmen können, wie Jesus es dann tut, das möchte ich auch. Aber ich merke schon beim Sprechen und Schreiben dieser Worte, dass sie mir viel schwerer über meine Lippen gehen als die Worte meiner Klage.

Ich schaue noch einmal auf Jesus und merke, was dazu nötig ist, um so reden zu können. Vertrauen! Vertrauen, Gottvertrauen und nochmals Gottvertrauen! Und ich ahne, wie Gott selbst ihm in diesem Moment nahe war und seinem Sohn genau das ins Herz gelegt hat: „Vertrau’ mir! Es wird nicht leicht, wirklich nicht! Aber es wird keinen Moment geben, in dem ich dich allein lasse. Ich gehe mit dir ans Kreuz, ich gehe mit dir in den Tod; und ich gehe mit dir in ein neues Leben, das ich dir schenke! Vertrau’ darauf, denn ich liebe dich!“

So höre ich Gott zu Jesus selbst reden! Und wie Jesus schaue auch ich ihn an. Und dann höre ich, wie er auch zu mir, zu uns allen zu reden beginnt: „Vertraut! Ja, es ist nicht leicht, und es wird auch noch schwierig werden! Und es kann dauern! Aber es wird keinen Moment geben, in dem ich euch allein lasse! Ich gehe mit euch durch diese schwere Zeit! Ich helfe euch, sie auszuhalten! Ich bin bei allen, die jetzt leiden! Ich bin bei allen, die jetzt so hart für andere arbeiten! Ich bin bei allen, die sich jetzt sorgen! Ja, ich bin bei euch in all eurer Einsamkeit! Ich teile alles mit euch, weil ich euch liebe! Und ich schenke euch einen neuen Anfang, in dem eure Unbeschwertheit und Fröhlichkeit, eure Zärtlichkeit und Liebe und vieles mehr wieder wachsen wird! Nur um eines bitte ich euch bis dahin: „Verliert euer Vertrauen nicht! Vertraut!“

Liebe Schwestern und Brüder!

Lassen wir in uns dieses Vertrauen wachsen und lebendig halten. Und dann stehen wir mit Jesus auf und neu gehen los! Ach, nein, geht ja gerade nicht! Also noch einmal anders: Stehen wir mit Jesus auf! Schauen wir auf Gott und halten aus, was jetzt eben dran ist! Tun wir es, so lange bis Not gewendet ist! Und bis wir uns alle wiedersehen! Auch wieder in unseren Kirchen! Bis dahin: Bleibt daheim und bleibt in Gott!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Wir sind dir dankbar, guter Gott und Vater,

dass deine Liebe auf dieser Erde Spuren hinterlässt.

Wir danken dir für die Menschen, die dem Beispiel Jesu folgen

und uns – oft unerwartet – so viel Liebe schenken.

Wir danken dir für jeden Menschen, der in dieser Welt

selbstverständlich die Schürze anzieht und dient.

Wir bitten dich für deine Kirche in der Welt,

daß sie nicht dient, um zu herrschen,

auch nicht dienert aus Angst vor Herrschern,

sondern daß sie – deiner Liebe gewiss –

eindeutig ist, wenn sie redet, und mutig, wenn sie handelt.

Aber nun Herr, schau auch auf uns.

Schau auf all unsere Sorgen und Nöte.

Schau auf das viele,

das uns unser Herz schwer macht in diesen Tagen.

Und dann beschenke uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

 

– für alle, die wir lieben.

 

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

 

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

 

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

 

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

 

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen schönen und gesegneten Gründonnerstag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Palmsonntag, 5. 4. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 69

 Gedanken zu Versen aus Psalm 69 in meinen Worten:

Guter Gott hilf mir!

Das Wasser scheint mir bis zum Hals zu stehen.

Manchmal glaube ich,

ich wäre im tiefen Wasser und gehe unter!

In diesen Tagen tue ich viel weniger als sonst

und doch, ich fühle mich so müde.

Mein Hals kratzt, das ist nicht gut in diesen Tagen.

Schaust du mir in die Augen, siehst du auch Traurigkeit!

Traurigkeit über diese Zeit und dieses Warten,

bis es auch mit deiner Hilfe wieder besser wird!

Du lädst mir einiges auf, ich fühle mich nicht gut!

Ich werde mir selbst fremd!

Vielleicht sogar denen, die ich liebe und die mich lieben,

weil ich sie nicht sehen darf und sie mich auch nicht!

So viele werden ungeduldig;

ja, sie klagen, weil du nicht spürbar bist!

So bin ich nicht!

Ich bete zu dir!

Schenke mir eine neue Zeit, eine Zeit der Gnade,

in der mein Leben wieder blüht!

Ich weiß, du hörst mich und hilfst mir!

Ich sitze hier und frage mich,

ob überhaupt jemand an mich denkt!

Ich wünsche mir Trost,

aber da ist niemand, der mich tröstet.

Was zum Leben nötig ist, das habe ich,

aber nicht das Leben in Fülle.

Das alles tut mir in der Seele weh!

Guter Gott, lieber Gott!

Hilf mir und beschütze mich!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Epistel: Aus dem Philipperbrief, Kapitel 2, Verse 5-11

Leben in der Gemeinschaft mit Christus

1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit,

2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.

3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst,

4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen, jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam, unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium für den Palmsonntag: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 3-9

(auch Predigttext)

Die Salbung in Betanien

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wodurch werde ich eigentlich zu einem mutigen Menschen? Was bringt mich dazu, aus meiner gewohnten Rolle herauszutreten?

Wie oft fühlen wir uns eingebunden in das, was andere von uns erwarten? In das, was man in bestimmten Situationen eben so tut, wie man sich eben zu verhalten hat. Wie können wir mitten in diesen Erwartungen, mitten in der Routine allgemeiner Verhaltensregeln eigentlich Raum finden und Raum behalten für das Plötzliche, das Unerwartete, das Unerhörte? Was muss eigentlich passieren, damit ich einmal anders reagiere, als es erwartet wird oder es gute Sitte ist? Heute haben wir Palmsonntag. Wir denken daran, daß Jesus seinem Leiden und seinem Tod schon sehr nahe kommt. Und da wagt eine Frau das Außergewöhnliche. Sie haben diese Frau in der Lesung oben gerade kennengelernt. Rufen wir uns den ersten Teil dieser kurzen Szene noch einmal ins Gedächtnis:

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Was war eigentlich so besonders daran, dass sie da an diesem Abend reinkam und Jesus mit einem kostbaren Öl segnete? Nun ich denke, wir müssen kurz die Lebenswelt zu der damaligen Zeit verstehen, um auch die energischen Einwände der Apostel besser einordnen zu können.

Wer möchte sich schon gern bei einem gemütlichen Beisammensein stören lassen? Essen und Trinken ist wohl schon aufgetragen. Da kommt jemand in den Raum, und dann auch noch – für damalige Verhältnisse ungeheuerlich – eine Frau. Eine Frau in solch einer Männergesellschaft! Das ging gar nicht, zumindest nicht als Gast! Hätte sie, wenn diese Salbung schon sein musste, dann nicht wenigstens bis zum Schluss warten können? Und überhaupt: So ein kostbares Öl! Solch eine Verschwendung! Was hätte man damit alles tun können! All dies klingt als Einwand doch eigentlich ganz verständlich. Und doch – weshalb reagieren die Jünger eigentlich so heftig? Ist es wirklich wegen der Salbung, ist es wirklich wegen der Kostbarkeit des Öls? Oder hat ihr Unmut auch noch ganz andere Gründe? Oder werden sie etwa als Freunde Jesu auf einmal eifersüchtig?

Ich glaube, das ist es! Das plötzliche Auftreten der Frau macht die Apostel als Freunde Jesu auf einmal zu Zuschauern einer sehr vertrauten Szene. Sie fühlen sich bei dem, was da gerade geschieht, plötzlich ausgeschlossen. Sie sind Jesus auf einmal so fern, aber diese Frau ist ihm so nah. Vielleicht tut sie etwas, was sie selbst gern getan hätten. Was sie selbst gern getan hätten, wenn Jesus ihnen immer von seinem bevorstehenden Tod erzählt hatte und sie ihre Ohren und ihre Herzen dafür verschlossen hatten.

Vielleicht hatte diese Frau schon einmal eine Begegnung mit Jesus, hatte ihm vielleicht schon einmal zugehört, war in ihrem Glauben naiver oder einfach weiter als die Apostel. In diesem Moment tut diese Frau Jesus einfach gut, weil sie eben Gutes an ihm tut. Sie zeigt ihm ihre ganze Zuneigung, ist ihm nahe, segnet ihn. Das sehen die Jünger und nun fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: ihr Messias wird da gerade gesalbt. Und das kann eigentlich nur einen Grund haben. Das, was er ihnen gesagt hat, er wird wahr sein, wird nahe bevorstehen. Vielleicht macht all dieses sie so eifersüchtig, daß sie eben so heftig reagieren. Und so debattieren sie und legen Jesus gute Gründe zurecht, damit er ähnlich reden könnte wie sie. Sie wollen ihn auf ihre Seite ziehen.

Doch was tut er, was sagt Jesus? Lesen wir es noch einmal!

6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Jesus hat sich diese Salbung gefallen lassen, mehr noch, er wird sie genossen haben und er hat sie gut geheißen. Es war auch eine Salbung gegen seine eigene Angst, gegen all das, was er in Kürze so schwer tragen wird. Von einem guten Werk spricht er. Und die Schriftgelehrten, wenn sie es denn auch gehört haben, sie werden die Ohren gespitzt  haben. Sie machten nämlich einen Unterschied zwischen Almosen und sogenannten Liebeswerken. Gute Werke in ihrem Sinne forderten immer einen persönlichen Einsatz, eine Hingabe. Da soll jemand den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort erkennen, dazu noch die Bedürftigkeit des Menschen in Not. „Ein gutes Werk, ein Werk der Liebe hat sie mir getan“, will Jesus sagen.

Ich finde diese Szene und diesen Satz Jesu einfach nur wunderbar! Hier ist er ganz Mensch. Hier redet er – und das tut er nur ganz selten – eben auch von seiner eigenen Sehnsucht nach Liebe! Ganz menschlich gibt er hier auch einmal seine Bedürftigkeit zu. Diese Frau, deren Namen wir leider nicht kennen, sie hat erkannt, daß Jesus etwas braucht, gerade jetzt, gerade an diesem Ort in Bethanien. Hier und jetzt und eindeutig!

Für die Jünger ist das ungewohnt, Jesus in der Rolle des Bedürftigen zu sehen. Aber es passt zu ihrem Weghören, immer dann wenn er von seinem unbequemen Weg erzählte. Jedes Mal schwiegen sie peinlich, wenn er ihnen sagte, daß er nicht mehr lange unter ihnen sein würde. Ihre Herzen, ihre Augen und Ohren waren dafür nicht empfänglich. Nun, in dieser Szene, konnten sie nicht mehr einfach wegschauen. In diesem Moment hält eine Wahrheit in ihren Herzen Einzug, die weh tut und erschreckt. Und Jesus nutzt diese Begebenheit, um es ihnen noch einmal ganz deutlich zu sagen, weil wohl auch er nun hier den Moment ahnt, dass sie es endlich auch verstehen: „… mich aber habt ihr nicht allezeit. … sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“

Jesus bestätigt hier nicht nur das Christuszeugnis der Frau, die die Stunde erkannt und ihre Chance, das zu tun, was getan werden musste, genutzt hat. Er lässt den Jüngern auch keine Chance mehr, wegzuhören. Auch sie müssen sich jetzt entscheiden, der Wahrheit, die Christus verkündet, offener und mutiger ins Gesicht zu sehen.

Denn sie alle kannten ja auch den Ritus, den diese Frau vollzog, sehr gut. Ja, die Sterbenden, ja auch die Toten, die wurden gesegnet, balsamiert. Und auf einmal, als sie genau dabei zusehen, wie diese Frau diesen ja uralten Ritus an Jesus vollzieht, da erkennen sie die Wahrheit, der sie nun standhalten müssen. Es war eben wahr, was Jesus ihnen gesagt hatte, nämlich dass er sterben würde. Ja, in diesem Moment wurde nicht nur Jesus in seiner ganzen eigenen Bedürftigkeit, sondern auch seinen Freunden ganz klar, was nun auf sie alle wartete. Jetzt war die Stunde der Wahrheit, des Bekennens und der Entscheidung für diesen Jesus und für einen Gott, der sogar in den Tod führt, aber der auch verkündet, dass er niemanden in diesem Tode lässt. Diese Frau hat mit dem, was sie da an diesem Abend tat, Gott selbst verkündet. Eine ganz wunderbare Frau, eine Predigerin Gottes durch ein Werk der Liebe an Jesus.

Ich ahne, wie groß die Freude war, die sie Jesus damit gemacht hat. Er wusste es jetzt noch einmal neu, daß er nicht allein war. Von ihrer Zuwendung wird er bis ans Kreuz gezehrt haben. „Sie hat getan, was sie konnte!“ Sie hat sein Leiden nicht verhindern können. Aber sie hat ihn als den Messias erkannt, sie war da, versuchte zumindest zu lindern, und Jesus vertraute ihr.„Wahrlich, ich sage euch: …“, spricht Jesus, also auch hier und heute, „Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Ihren Namen kennen wir nicht, aber wir denken an sie auch heute in dieser ungewissen Zeit; so ist es Jesu Wille. Und ich bin sicher, er will auch, daß wir von dieser Frau lernen. Etwas, was sehr, sehr wichtig ist. Und in der Zeit, die kommt, wenn wir alle diese Krise, in der wir gerade leben, überstanden haben, vielleicht um ein Vielfaches wichtiger werden wird. Vielleicht ist es ja dieses:

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir merken gerade, wie kostbar das Leben und die Zeit – jeder Tag und jede Stunde – sind.  Es gibt in unserem Leben so viele vertane und verpasste Chancen, die uns oft traurig zurücklassen. Meist merken wir immer erst hinterher: Wir haben wieder einmal auf Konventionen, auf die Angst vor dem Gerede der Leute gehört und nicht auf unser Herz. Wir hätten mutiger und eindeutiger sein müssen, vor den anderen und vor uns selbst!

Verpasste Liebe, versäumtes Leben – all das kennen wir! Das Verhalten der Frau macht uns Mut. Nicht nur Mut, Christus durch unsere Tat zu bekennen. Nein, da ist auch etwas ganz Anderes. Diese Frau macht uns Mut, unseren Gefühlen mehr zu vertrauen und ihnen auch zu folgen. Aus Liebe zu tun, was gerade dran ist. Allen Mut dafür zusammennehmen! Und wir lernen dabei, dass es Taten der Liebe sind, die uns zum Leben führen und Christus nahe bringen. Ein brennendes, ein liebendes Herz, das uns Mut macht, Grenzen zu überschreiten, brauchen wir, kein kaltes in alle möglichen Normen gepresstes, das eigentlich zu nichts mehr nützt. Die Taten eines liebenden Herzens können den Gang der Dinge nicht verhindern. Sie können Leiden und Schmerzen nicht aufhalten. Vielleicht können sie lindern. Bestimmt aber brechen Taten der Liebe das oft so verhängnisvolle Komplott des Schweigens und des Nicht-Wahrhaben-Wollens, sie sind wie ein Hauch Leben mitten im Tod.

Und wenn wir diese Tage, die unser aller Leben so einschränken, ja die uns vielleicht sogar gerade schmerzhaft daran hindern, anderen liebend und liebevoll zu begegnen, dann auch eines Tages überwunden haben, dann werden wir neu leben und vielleicht ja auch neu lieben. Worte der Liebe sagen, dort wo jemand so lange darauf wartet! Werke der Liebe tun, weil wir jetzt schon ahnen, da wartet jemand auf uns und die Freude wird groß sein! Und wir werden uns selbst neu sehen und auch an uns selbst neu spüren, wie wichtig es ist, sich auch selbst liebevoll zu begegnen!

Und dann werden wir lachen! Wir werden uns umarmen und geborgen halten! Wir werden tanzen, singen, das Leben feiern! Die Liebe soll uns leiten und unser Leben neu ordnen! Ich freu’ mich jetzt schon drauf!

Um uns daran zu erinnern und darauf zu hoffen – auch und sogar im Angesicht des Todes, der so vielen Menschen auf der ganzen Welt gerade so nahe kommt und seine Opfer fordert – brauchen wir Ermutigung. Wir brauchen diese kleine Geschichte von der Salbung Jesu durch die Frau in Bethanien. Und genau deshalb wird diese Geschichte heute in den vielen ganz verschiedenen Gottesdiensten, zu denen wir nicht zusammenkommen dürfen stehen – im Fernsehen, im Internet, in unzähligen Aktionen vieler, die sich um ihre Gemeinden sorgen. Wir erzählen und bedenken sie – zu seinem und zu ihrem Gedächtnis.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Barmherziger Gott und Vater!

Segne alle meine Wege,

auch wenn ich sie gerade vielleicht gar nicht gehen kann.

Wir werden sie wieder gehen,

du und ich gemeinsam in neuer Zeit.

Segne alle Begegnungen, alle Gespräche,

die ich heute vielleicht gehabt hätte,

die mir zum Segen geworden wären,

die aber heute und in diesen Tagen nicht möglich sind.

Aber du wirst mich auch wieder zu anderen führen.

dann werden wir uns in die Arme nehmen,

miteinander reden und lachen

und uns zum Segen werden.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen schönen und gesegneten Sonntag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

 

(Stand 29. 3. 2020)

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten des Sonntags Judika, 29. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 43

 Gedanken zu Psalm 43 in meinen Worten:

Guter Gott, ich weiß du lässt Unrecht nicht zu.

Du schützt auch mich vor Menschen,

die mir Böses oder mich in die Irre führen wollen.

Guter Gott, du bist nun meine Stärke, du bist mein Halt.

Siehst du auch in dieser schweren Zeit auf mich?

Spürst du meine Traurigkeit und Sorge,

bei allem, was mich bedrängt?

Mach du mein Leben wieder hell und freundlich,

hilf mir, dass ich auch jetzt Wahres von Falschem unterscheiden kann.

Wahrheit und Besonnenheit, beides soll mich leiten,

wieder und immer wieder neu zu dir.

Und ich werde auch wieder in deinem Tempel sein, in deiner Kirche.

Ich werde hineingehen und wieder mit dir auch in deinem Hause sein.

Dann wird meine Freude vor dir wieder Worte finden,

mit anderen werden wir zu dir rufen

und Lieder vor dir singen und spielen.

Für den Glauben an diese Zukunft danke ich dir!

Aber noch ist meine ganze Seele betrübt.

Da ist so viel Unruhe in mir.

Aber ich werde an dir festhalten,

ich werde ausharren, denn ich vertraue ganz auf dich!

Bis zu dem, Tag an dem sich meine Freude ihre Bahn bricht.

Und ich werde dir danken,

dass du in all dieser Zeit meine Hilfe und der Gott an meiner Seite warst.

Und bleibst!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Evangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 10, Verse 35-45

Vom Herrschen und vom Dienen

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. 41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistel für den Sonntag Judika: Aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, Verse 12-14

(auch Predigttext)

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich vermisse in diesem Moment den Blick von der Kanzel aus  in „meine“ Lukaskirche so sehr. Vertraute Gesichter über viele Jahre. Immer auch wieder andere und neue! Und ich spüre gerade, wie reich wir sind. Reich an Menschen, an verschiedenen Begabungen.  Mit unserem Reden „Wir werden kleiner, ärmer und weniger“ haben wir uns wirklich in der Vergangenheit oft klein gemacht, ich glaube oft auch kleiner als nötig.

Natürlich sehe ich auch, wie schwierig es ist, z. B. jüngere Menschen für die Gemeinde zu gewinnen. Obwohl immer noch mehr da sind und mitmachen, als wir es wohl ahnen. Aber gerade den jüngeren Menschen fällt es manchmal schwer, den Zugang zu ihrer Kirche und Gemeinde zu finden. Und ich meine damit nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die uns im Team gerade wieder eine große Freude machen. Nein ich meine auch die Jahrzehnte und Generationen über ihnen – die so genannte „Elterngeneration“. Vielen fällt es immer schwerer, einen Zugang zu ihrer Kirche zu finden. Sie nehmen weniger als früher am Gemeindeleben teil – einmal von der Konfirmation und der Zeit davor abgesehen. Sie besuchen auch immer seltener einen Gottesdienst. Und wenn das stimmt – und wir wollen und können es nicht bezweifeln, dass es stimmt – dann führen uns die Worte aus dem Hebräerbrief vielleicht auch ein Lehrstückchen vor, warum das so sein mag. Denn ich glaube fest, das hat nicht nur damit zu tun, dass die Kirchen, die Pfarrerinnen und Pfarrer und die vielen sonst in der Gemeinde Tätigen die Jugendlichen und die Generationen darüber nicht mehr so ansprechen können, das liegt auch an der frohen Botschaft selbst. Es liegt auch daran, was sie sagt und wie sie es sagt – in dieser Zeit.

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

Liebe Schwestern und Brüder, mal ganz deutlich geschrieben: Wer will das heute noch hören, wer kann solch einen Satz heute noch als frohe Botschaft in seinen Alltag einbauen: Leiden, mit eigenem Blut, für andere…? Ja, wenn es hieße: Jesus hat dafür gesorgt, daß die Menschen ein schönes, kurzweiliges Leben genießen können, daß alle genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und Arbeit haben. Aber das: …damit er das Volk heilige… Wer kann sich darunter auch nur etwas vorstellen?

Und das geht ja so weiter: So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Wer wird denn so etwas wollen – wenn er das Wort überhaupt versteht: „Schmach“…also Schande, Leiden und Schmerz?

Und das letzte stimmt einfach nicht, nicht nur für die Jungen, auch für uns Erwachsene:Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Wir suchen doch meist – gerade im Gegenteil – diese Welt und ihre Freude. Wir haben uns in ihr so gut eingerichtet, jedenfalls so gut es halt geht, und nach der zukünftigen Welt steht uns nicht der Sinn, jedenfalls heute doch noch nicht!

Doch: Stopp! Halt! Genau so hätte ich bis vor zwei Wochen wohl noch gepredigt. Aber alle die jetzt an dieser Stelle mitlesen, wissen, dass nichts mehr so zu sein scheint, wie es einmal war. Und vor allem, dass wohl auch alles anders werden wird. Und wir wissen noch nicht einmal, wie es aussehen wird!

Unsere bleibende Stadt ist erschüttert. Wie viele wären jetzt froh, wenn die Welt so sein könnte wie z. B. am Jahresanfang! Wir merken gerade, wie viele vermeintliche Sicherheiten in Beruf und Existenz ins Wanken geraten. Nichts ist sicher, gar nichts! Es sind nicht wenige Menschen, die gerade ihre ganze Heiterkeit und Unbeschwertheit gegen Sorge und Angst eingetauscht haben und spüren, wie schwer so etwas auf einem Menschen liegen kann. Ich denke an die vielen Kinder und  jungen Menschen, die in ihrer ganzen Unbekümmertheit sich wohl immer noch nicht wirklich vorstellen können, was gerade passiert und wie es auf ihr Leben Einfluss nehmen wird.

Und bei all dem wird mir eines klar: wir haben hier keine bleibende Stadt, auch wenn für viele gerade die eigene Wohnung dazu geworden zu sein scheint. Ein Rückzugsort für möglichst viel Sicherheit! Auch mit der Möglichkeit, die Welt buchstäblich mal für eine Zeitlang draußen zu lassen. Sie – wie auch ich – wissen, wie schwer das fallen kann!

Wir haben hier keine bleibende Stadt. Vieles wird anders werden. Und wir werden gemeinsam in eine neue, eine zukünftige Stadt aufbrechen müssen. Meine Ahnungen davon sind ganz ungeordnet, ganz subjektiv und auch ganz persönlich. Ich hoffe, wir werden neu darauf schauen, wie viel es wertzuschätzen ist, wenn Menschen sich in Berufen der Gesundheitsvorsorge und Krankenpflege engagieren. Und wir haben jetzt schon gelernt, dass sie allesamt Menschen sind, die weit über ihre eigenen Grenzen hinausgehen müssen und wollen, um anderen beizustehen. Da setzen Menschen ihre ganze Kraft ein, um für alte Menschen, für Menschen mit Behinderungen da zu sein. „Haltet Abstand“ können sie zur Zeit nur übersetzen mit „Bleibt in meiner Liebe“, um den Mut zu finden, weiter zu pflegen und Menschen nahe zu kommen. Da sind so viele Menschen, die mit dafür sorgen, dass wir alle weiter versorgt sind. Mir war niemals so bewusst wie heute, welche Berufe alle dazu zählen. Das beschämt mich. Vieles habe ich einfach immer als selbstverständlich hingenommen!

Und nun – in schwerer Zeit – beginnen Menschen, eigene Dankbarkeit dafür auch wieder in ein Lächeln für andere zu verwandeln. Ich spüre, wie Respekt wächst. Zusammenhalt und Gemeinschaft sind plötzlich wieder Worte geworden, die gegen Einsamkeit und Isolation stehen.

Vor allem aber freut es mich – und das bekenne ich an dieser Stelle ganz freimütig –, dass das unerträgliche Geplapper und die hohlen Phrasen der Populisten und rückwärtsgewandten Miesmacher endlich einmal verstummt, weil sie sich selbst entlarvt haben, wie hohl und leer ihr Reden ist.

Und dann ahne ich noch etwas? Welche Rolle wird das Geld in der zukünftigen Stadt spielen? Kann und wird es so sein, dass das Geld oberste Priorität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft behalten wird? Oder wird Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung noch einmal neu beschrieben und übersetzt? Ja, wir brauchen einen guten Plan für die zukünftige Stadt. Und dabei spüre ich zumindest zwei Gefahren.

Die erste Gefahr: Wir wissen, wie schnell der Mensch vergessen kann! Wir wissen, wie schnell wir auch immer wieder in alte Muster zurückfallen können! Wir wissen, wie groß die Versuchung ist, sich selbst in Vielem als den Mittelpunkt zu sehen, um den sich alles zu drehen hat. Und damit verliert man eben schnell wieder den Blick für den anderen Menschen.

Die zweite Gefahr: Wie groß wird die Versuchung werden, wieder zu glauben, wir hätten alles selbst in der Hand? Wir groß wird die Überzeugung sein, die eigene Kraft reicht wieder aus und selbstgemachte Sicherheiten tragen wieder? Wie schnell werden wir auch wieder in der Gefahr stehen, den zu vergessen, der uns in diesen Tagen spürbar zur Seite stehen will?

Gott ist nahe! Ist bei uns! Ist bei denen, die leiden und sterben, ist ganz am Ende ihr einziger Besuch, Halt und Trost! Geht mit uns in unsere Angst und Sorge! Und er geht mit uns aus dieser Angst heraus, mit uns aus all unseren Sorgen! Hinein in die Zukunft, in der unsere Freude wieder Lieder finden wird, in der herzliche Umarmungen auch spüren lassen werden, wie gut es Gott mit uns meint.

Er geht mit uns in eine zukünftige Stadt, die er – quasi als Baumeister – für uns längst bereitet hat, von der er schon weiß, wie sie aussehen soll und wird. An uns ist es nicht, einen Plan für diese Stadt zu machen, die uns nicht gehört. An uns ist es, mitzuhelfen, dass Gottes Plan unter uns Menschen und für uns Menschen greift. Dass er sichtbar wird, erlebbar für jeden – gerade auch in der Art, wie wir künftig zusammenleben und miteinander umgehen.

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung uns Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Licht in der Dunkelheit!“ So beschreibt ein Lied in unserem Gesangbuch (eg 591) die Hilfe für den Weg in diese zukünftige Stadt.

Noch vor wenigen Wochen hätte ich über diese zukünftige Stadt wohl wie über einen Hinweis auf das Leben in Gottes Ewigkeit, auf ein Leben, wenn er uns in sein Reich aufgenommen hat, gepredigt. Hätte Mut gemacht, darauf zu vertrauen, dass unser Leben hier auf Erden nicht alles ist.

Aber wie oft habe ich in 35 Jahren Predigtdienst davon gesprochen, dass Gottes Reich nicht an irgendeinem St. Nimmerleinstag anbricht, sondern dass es schon mitten unter uns ist. Sein Sohn Jesus Christus ist für uns gestorben, er ist für uns auferstanden, er hat für uns den Tod überwunden. In der nächsten Zeit werden wir – diesmal wohl in ungewöhnlicher Weise – daran denken. Und damit ist Gottes Reich mitten unter uns angebrochen! Ein für allemal!

Aber die zukünftige Stadt wird keine abstrakte Größe mehr bleiben. Wird uns nicht bloß an die Ewigkeit bei Gott erinnern. Nein, sie ist auf einmal ganz nah. Sie wird für uns zu einer Chance werden. Sie wird beides verbinden. Das Vertrauen auf unsere Ewigkeit bei Gott und den Neuaufbruch in die Zukunft nach der Krise.

Kirchenvater Augustinus wird ein Satz zugeschrieben, den Frère Roger in Taizé uns Jugendlichen einmal so ans Herz legte. „Wir Christen gehen von Neubeginn zu Neubeginn!“

Und ich denke: Noch eine Weile, dann werden wir aufbrechen! Und gegen all meine eigene Angst und Sorge: Ich freu’ mich jetzt schon darauf!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Ein Gebet von Florence Nightingale(1820-1910), Begründerin des Krankenpflegewesens, Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge, begleitet uns heute in diesem Lesegottesdienst.

Spender des Lebens, gib mir Kraft,
dass ich meine Arbeit mit Überlegung tue,
getreu dem Ziel, das Leben jener zu hüten,
die meiner Versorgung anvertraut sind.
Halte rein meine Lippen von verletzenden Worten,
gib mir klare Augen, das Gute der andern zu sehen.
Gib mir sanfte Hände, ein gütiges Herz
und eine geduldige Seele.
Dass durch deine Gnade Schmerzen gelindert werden, kranke Körper heilen,
Gemüter gestärkt werden,
der Lebenswille wieder wachse.

In der Stille beten wir für die, die uns heute besonders am Herzen liegen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen,

und natürlich auch an Sie selbst zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

(Stand 21. 03. 2020)

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten des Sonntags Lätare, 22. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 84,2-13

 

Gedanken zu Psalm 84 in meinen Worten:

 

Wie schön ist es, zu wissen dass du nahe bist,

und ich auch in meiner Wohnung bei dir zu Hause bin.

Das ist, was meiner Seele jetzt gut tut.

Ja, Leib und Seele freuen sich, dass du, lebendiger Gott, nahe bist.

Die Vögel fliegen herum, Schwalben beginnen ihren Nestbau.

Sie tun es unbeschwert und ebenso unter deiner Hut.

Segen für alle, denen du nahe bist, so wie mir.

Segen all denen, die dich auch jetzt loben können.

Es seien gesegnet alle,

die jetzt ihr ganzes Vertrauen auch auf dich legen können

und auf den Wegen bleiben, die du für sie gebahnt hast.

Wir gehen durch schwere Zeiten,

bleib du unsere Quelle für alle neue Kraft, die wir brauchen.

Schenke du, was uns zum Segen werden kann.

Und lass uns davon weitergeben, damit wir uns alle in dir wiederfinden.

Guter Gott, ich weiß, du hörst mein Gebet,

du hörst mein Stammeln und all die Sorge dahinter.

Jeder Tag mit dir an meiner Seite ist unendlich wertvoll, ist Segen.

Und daran möchte ich festhalten.

Du bist meine Sonne, du bist mein Schutz in dieser schweren Zeit.

Ich lebe aus deiner Gnade, dafür lass mich dankbar bleiben.

Ich weiß, du lässt mich keinen Mangel leiden.

Darauf möchte ich vertrauen.

Gesegnet seien alle, die sich dir anvertrauen.

Sei bei ihnen und allen Menschen!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kap. 12 die Verse 20-24:

Die Ankündigung der Verherrlichung

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Amen.

 

Predigttext für den Sonntag Lätare: Jes 66, 10-14

10 Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert, 11 auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit! 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. 13 Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. 14 Ihr werdet das sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün. So offenbart sich die Hand des HERRN an seinen Knechten, aber er ergrimmt gegen seine Feinde.

 

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Natürlich würde ich mich gerne frei machen von all dem, was mir in diesen Tagen des ausgehenden März 2020 wie ein Mühlstein um den Hals liegt. Natürlich würde ich gern das erste Frühlingswochenende unbeschwert verbringen. Und natürlich würde ich gern unbeschwert auf diesen Predigttext schauen, um dem nachzuspüren, was er uns sagen möchte und welche gute Nachricht er für uns bereit hält.

Aber ganz ehrlich, ich bin nicht unbelastet. Jetzt über Freude zu predigen, wie klänge das in unseren Ohren. Obwohl wir gerade auch in diesen Tagen einiges erleben, über das wir uns neben allen Ängsten und Sorgen auch freuen dürfen. Da sind Menschen, die unter ganz unglaublichen Anforderungen und trotz allem für uns sorgen. Da erwacht das Mitleiden und Mitsorgen für andere unter uns noch einmal ganz neu. Und, und, und … Nein, es ist nicht alles schlecht in diesen Tagen!

Ich könnte jetzt auch nicht einfach losgelöst von allem z.B. über die besondere Stellung Jerusalems predigen oder über den Friedenswunsch für diese Stadt, den der Prophet unserem Gott in der Mitte des Textes in den Mund legt! Eher natürlich anders herum, Gott lässt Jesaja diesen Wunsch aussprechen. Ein wirklich frommer Wunsch, durch so viele Jahrhunderte! Alles könnte diese Stadt für unseren Glauben sein, für den jüdischen natürlich wie auch für unseren christlichen. Ja darüber hätte ich mich unter anderen Umständen wohl ausführlich auslassen können. Aber ich kann es eben nicht.

Woran aber bleibe ich hängen? Ein Satz war sofort da. Er war sofort da, weil er an mein Innerstes rührt. „Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch!“ Eine Mutter tröstet ihren Sohn. Zweimal bin ich in der vergangenen Woche wegen Beerdigungen auf dem Friedhof gewesen, zweimal musste ich dabei an dem Grab meiner Mutter vorbei. Und zweimal konnte ich mir meine Tränen nicht verkneifen. Und das aus zwei Gründen. Zum einen stellte ich mir kurz vor, sie säße jetzt in ihrem Zimmer im Seniorenheim, auf das sie in den letzten sechs Jahren ihres Lebens angewiesen war. Sie fühlte sich dort wohl, so wie man sich in einer solchen Einrichtung eben wohlfühlen kann. Solange ihr Bewusstsein noch mitspielte, mit aller Vernunft in die Einsicht, dass es eben anders nicht mehr möglich ist, aber immer auch mit dem Rest an Heimweh nach der Zeit davor. Und dann stellte ich mir an ihrem Grab eben vor, wie sie jetzt nun da säße. Versunken in ihrer für mich so schwer erträglichen Demenz. Sie säße da, allein, ohne zu wissen, dass ich sie nun nicht oder nur schwer besuchen dürfte. Obwohl ich bin zutiefst davon überzeugt, dass auch wenn sie es nicht mehr hätte wissen können, aber gespürt hätte sie es, davon bin ich zutiefst überzeugt. Denn das Herz und die Liebe sprechen ihre ganz eigene Sprache. Und dafür braucht es keine Worte. Da am Grab war ich auf einmal, wenn ich ganz ehrlich bleiben darf, froh, dass sie diese Zeit nicht erleben muss. Und gleichzeitig war da auf einmal das andere, für mich fast ebenso spürbar. Wie viele alte Menschen sitzen nun in ihren Wohnungen, Seniorenheimzimmern oder wo auch immer und warten. Buchstäblich auf bessere Zeiten. Vor allem aber auch darauf, dass sie nicht vergessen werden. Und wie viele von uns als Töchter und Söhne, Enkelinnen und Enkel leiden gerade daran, ihnen genau diese Sorge durch unbeschwerte Besuche nicht nehmen zu können. Ich stand da am Grab, und es geschah etwas für mich Wunderbares. Für einen kurzen Moment war es so, als könnte ich meine Mutter reden hören. Hören konnte, was sie immer dann sagte, wenn alles um sie herum zu toben schien. „Lass uns ruhig bleiben, sonst hören wir den lieben Gott nicht!“ Ein Satz, der mich seit meiner Kindheit begleitete. Sie hatte ihn von meiner Oma, ihrer Mutter. Und ich habe ihn von ihr!

„Lass uns ruhig bleiben, sonst hören wir den lieben Gott nicht!“ Ja, das war ihre ganz eigene Übersetzung der Worte, die Jesaja sagt: „Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch!“ Wunderbar!

Und noch ein anderer Satz unseres Predigttextes fand sofort den Weg in mein Herz.

„Ihr findet Trost. Ihr werdet es sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün.“

Ja, so soll es ein. Mitten in all dieser schwierigen Zeit schaut Gott uns an. Ein Gott, der niemals unser Unheil will, der niemals das Leid eines Menschen will, ein Gott der an der Seite eines jeden Menschen bleibt und mitträgt, wenn er dennoch Unheil erleidet, ein Gott der selbst mitleiden kann und dessen eindeutiges und letztes Wort immer die Liebe ist. Dieser liebende Gott schaut uns an und will unser Trost sein. Wir dürfen neu lernen, uns an ihn zu wenden. Egal wie fromm oder vermeintlich unfromm, egal wie fern oder nah wir selbst uns Gott glauben. Jede und jeder von uns ist sein Geschöpf, dem er seine ganze Liebe schenkt. Bei ihm ist jeder Gedanke, jedes unausgesprochene Worte, jedes gestammelte, jedes unfertige Gebet, sind all unsere Sorge und Angst längst geborgen.

Und dann lässt er sich spüren, niemals aufdringlich, aber beharrlich. Er möchte jetzt schon unseren Blick weit machen, unser Herz wieder neu öffnen. Er will, dass wir die Welt und uns darin sehen, wie sie wieder werden wird. Er wird unser Herz wieder jubeln lassen, weil eigene und neu gefundene Fröhlichkeit uns gegenseitig wieder zum Leben anstecken wird. Er wird uns neue Kraft schenken, damit wir Angst und Sorge abschütteln können um wieder frei zu atmen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Das sind die Dinge, die mich aus diesem Predigttext heraus in die Zeit tragen, die vor uns liegt. Ein Gedanke an meine Mutter und ihre Weisheit und die Verheißung Gottes, dass er uns niemals verlässt, sondern einen neuen Anfang schenken wird. Uns vor allem anderen aber im Moment eben all die Kraft gibt, um besonnen zu bleiben. Um mitzuhelfen, diese Krankheit zu besiegen, in dem wir uns zurückziehen – in unsere Häuser und Wohnungen. Zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz derer, die nun in den Krankenhäusern, in den Senioreneinrichtungen, in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in einigen Geschäften und Diensten für andere Menschen da sein müssen und ja auch wollen. Entlasten wir sie dadurch, dass wir alle ihnen keine zusätzliche Last werden. Entlasten wir uns auch dadurch, dass wir uns um einander sorgen. Geht es dem Nachbarn, der Nachbarin gut? Was machen die Eltern? Wie geht es den Kindern? Können wir telefonieren oder – wie man heute auf internetdeutsch sagt – skypen oder facetimen? Für wen bete ich, wenn ich allein in meiner Wohnung sitze, für wen – außer für mich selbst? Und wenn ich diese Frage beantworte, spüre ich immer auch, wie wertvoll mir andere Menschen sind. Und bleiben werden! Wir sehen uns wieder! Und dann werden wir es uns sagen und uns endlich auch wieder in den Armen liegen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittgebet

Guter Gott, schau’ auf uns und höre uns.

Höre in unser Schweigen und schau in unser Herz.

So vieles liegt uns auf der Seele.

Für manches finden wir keine Worte und nur unklare Gedanken.

Deshalb wollen wir selbst auch nicht viele Worte machen.

Du verstehst alles und wandelst es zum Guten.

So bitten wir dich für alle, die wir lieben.

Wir bitten dich für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

Wir bitten dich für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns auch durch schwere Zeiten tragen wird:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.