(Stand 13. 5. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zu

Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai 2021

 

Wochenspruch: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 47, die Verse 2-10

 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde.

4 Er zwingt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße.

5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Schall der Posaune.

7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige!

8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen!

9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Schilde auf Erden; er ist hoch erhaben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Alles was ist, hast du geschaffen.

Alles, was lebt, erzählt deine Gedanken.

In allem, was ist, erfüllt sich dein Plan,

auch in uns, du Gott aller Welt.

In dir ist der Himmel über uns,

in dir ist die Erde unter uns.

Du bist die Höhe und die Tiefe,

das große und das Geringe.

Du bist in dem Wind, den wir atmen.

Du bist in dem Grund, auf dem wir stehen.

Du bist in der Erde, in der wir wurzeln.

Doch wir, wir treten all das, was dir gehört,

so oft buchstäblich mit unseren Füßen.

Wollen leben, ganz ohne dich.

Deine Liebe missachten wir,

doch du hältst unverbrüchlich an ihr und an uns fest.

– Raum für ein persönliches Gebet vor Gott –

 

So sind wir nun vor dir und hoffen auf dein Erbarmen,

denn von dir ist uns gesagt:

Der Gott aller Gnade wird euch aufrichten,

stärken, kräftigen und auf einen festen Grund stellen.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Du treusorgender Gott!

Du schaffst Licht in aller Dunkelheit,

Freude in den Traurigen,

Trost in den Schwermütigen,

Klarheit in den Verwirrten,

Leben in den Schwachen.

Schaffe Licht auch in uns an diesem und Tag und alle Zeit.

Sei uns nahe, damit wir dir nahe sein können.

Heile uns, geleite uns, segne uns.

Wir danken dir für deinen neuen Tag mit uns.

In Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 44-53

Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

Ihr seid Zeugen dafür.

Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;

sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 1, Verse 20b-23

(auch Predigttext)

Er hat Christus eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel

über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.

Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles,

welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Heute wären wir eigentlich – wie seit vielen Jahren – wieder draußen in unserer Waldkirche. Es geht leider heute genau so wenig möglich wie schon im vergangenen Jahr. Christi Himmelfahrt – Gottesdienst unter freiem Himmel, um eben den Himmel auch zu sehen. Und Christus – irgendwo da oben? Vielleicht weit entfernt von uns? Die Jünger geben uns einen Hinweis darauf, wie wir diesen Tag feiern sollen. Wir konnten es etwas weiter oben im Evangelium für diesen Tag lesen. Sie ließen sich segnen, fielen auf die Knie. Aber da war keine Sorge, keine Angst mehr. Auch keine Trauer darüber, dass Jesus nun erst einmal von ihnen gegangen war. Nein, von den Jüngern wird etwas anderes berichtet. „Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ (Lukas 24,52f)

Also eben kein wehmütiger Trauertag, sondern ein Freudentag. Der Akzent von Himmelfahrt lautet nicht: „Wie schade, dass Jesus weg ist.“ Sondern: „Wie schön, dass Jesus Christus da ist. Dass er überall da ist, wo Gott ist.“
Wir feiern an Himmelfahrt das, was wir in jedem Glaubensbekenntnis sprechen und eben so als unseren Glauben bekennen: „Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes.“Aber kann man sich „Himmelfahrt“ ganz konkret vorstellen? Wie ein historisches, beweisbares Ereignis? Jesus wie auf einer Art Rakete sitzend? So malen es manchmal Kinder! Martin Luther kannte noch keine Raketen zum Hochfliegen, aber er kannte Leitern zum Hochsteigen, und er sagt im Bezug auf Christi Himmelfahrt: „Es geht nicht so zu wie du aufsteigst auf einer Leiter ins Haus, sondern das ist es, dass Christus über alle Kreaturen und in allen und außer allen Kreaturen ist.“ Jesus Christus – überall da. Die Wirksamkeit Jesu ist nicht örtlich und sie ist nicht zeitlich beschränkt, sondern sie weitet sich. Nicht nur die Jünger von damals gehören dazu zu Jesus, sondern Menschen in aller Welt und von Generation zu Generation gehören dazu. Wir heute gehören dazu! Weil Jesus bei Gott ist und mit ihm lebt und regiert, und weil die beiden, Vater und Sohn, eins sind, sind wir mit ihnen.

Jesus Christus ganz bei Gott. Darauf kommt es an beim Fest „Himmelfahrt“. Es kommt weniger darauf an, ob die Himmelfahrt selbst ein historisches Ereignis war. Von einer „sichtbaren“ Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern berichtet nämlich nur ein einziger biblischer Autor: Lukas. Wir haben das vorhin gehört. Alle anderen biblischen Autoren drücken das Gemeinte anders aus. Sie fassen es in eins zusammen: Auferweckung Jesu und zugleich Erhöhung Jesu zur Rechten des Vaters. Ostern und Himmelfahrt sind demnach zwei Seiten der einen Medaille. Und so sagt es ja auch unser Predigttext aus dem 1. Kapitel des Epheserbriefes (20b-23):

Er hat Christus eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel

über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.

Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles,

welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Der Epheserbrief beschreibt Jesus Christus als einen eingesetzten Herrscher. Aber ist er das wirklich? Sage ich es auch so:  Er „herrscht“ auch in meinem Leben, er hat etwas zu sagen in meinem Leben, hat ein Mitspracherecht, auf ihn hoffe ich, auf ihn vertraue ich.

Es tut gut, an diesem heutigen Himmelfahrtstag auch das wieder einmal für sich selbst zu überprüfen. Und das geht aber über den ganz persönlichen Bereich weit hinaus. „Jesus herrscht“, so heißt es, „er ist eingesetzt über alle Mächte, über alles was Rang und Namen hat.“ Über welche Mächte? Wer hat Macht in unserer heutigen Welt? Wir haben das im vergangenen Jahr sehr deutlich aufgezeigt bekommen, wer denn glaubt, in dieser Welt die Macht zu haben. Ich nenne einmal drei Bereiche – die Macht der Politik, die Macht der Wirtschaft, die Macht des Todes.

Macht haben Politikerinnen und Politiker. Noch nie haben sie im vergangenen Jahr so spürbar in unser Leben eingegriffen, oder besser: eingreifen müssen. Sie mussten unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie mussten – so meinen einige – „Freiheit“ verbieten oder einschränken. Sie mussten in unsere Lebensabläufe eingreifen. Sie mussten damit rechnen, sich noch unbeliebter zu machen als sie es sonst vielleicht schon fühlen. Das alles mussten sie  machen, um Leben zu schützen, das Allgemeinwohl wieder herzustellen, um auch gemeinsames Leben – wenn auch unter Einschränkungen – zu erhalten und neu möglich zu machen. Ganz ehrlich, ich hätte in dieser Zeit mit niemandem von ihnen tauschen mögen. Ich weiß nicht, wie viel Verantwortung ich hätte tragen können. Ich weiß auch nicht, ob ich mich an jedem Abend hätte im Spiegel ansehen können und dann mit dem ruhigen Gewissen, das Richtige getan zu haben, hätte einschlafen können, oder ob Selbstzweifel an mir unerträglich genagt hätten. Aber sie mussten entscheiden. Und wir mussten damit leben. Macht – ob in dieser Form gewollt oder nicht – war klar verteilt.

Macht haben die in der Wirtschaft Mächtigen. Auch das haben wir gespürt und mitansehen müssen. Einige haben schamlos abkassiert. Andere haben Arbeit anders verteilt und Menschen kurz gehalten. Sogar bereichert haben sich einige. In einer Weltkrise wie dieser scheint es, dass es darin immer noch Wege gibt, dass Reiche reicher und Arme ärmer werden. Firmeninteressen schienen manchmal wichtiger als Einzelschicksale. „Systemrelevanz“ nachzuweisen schien oberstes Gebot. Ja, an manchen Stellen wurde uns brutal die Dominanz der Wirtschaft über vieles andere aufgezeigt.

Die Macht des Todes. Hier viele Worte zu machen, erübrigt sich eigentlich. Wir mussten mitansehen, wie sehr der Tod seine Opfer holte. Mussten mitansehen, wie Lkw’s seine Opfer in die Krematorien fuhren. Haben wir uns jemals klar gemacht, dass hinter diesen Bildern für jede Verstorbene, für jeden Verstorbenen immer auch eine Familie steht, die trauert. Wir waren schockiert. Mittlerweile scheint es uns, als hätten wir uns so sehr daran gewöhnt, dass die tägliche Meldung über immer noch hunderte von Corona-Toten nicht mehr als einer Zweisatz-Meldung im Fernsehen bedarf, in der nur noch die neueste Zahl bekanntgegeben wird. Doch nicht so sehr unsere Gewöhnung schreckt mich. Am meisten entsetzt mich jedoch, dass es unter uns immer noch die Verharmloser und Zyniker gibt, die dies alles kleinreden, nicht wahrhaben oder am liebsten als Lüge beschreiben wollen und so jeden einzelnen verstorbenen Mitmenschen verhöhnen!

Ja – Macht hat der Tod. Wir unterliegen der Macht des Todes und niemand kann dem Tod letztlich ausweichen. Und es war entsetzlich, wie wir das tausendfache Sterben präsentiert bekamen und mitansehen durften. Ich denke dabei nicht nur an uns. Ich denke auch an die vielen, die es aus nächster Nähe durch ihre tägliche Arbeit mitansehen und ertragen mussten. Wie werden sie diese Zeit verarbeiten und wieder unbeschwert leben können? Werden wir eine Form für unseren Dank finden, die sich spürbar von unserer anfänglichen Geste der eigenen Hilflosigkeit, von unserem Applaus von den Balkonen, unterscheidet? Werden wir gemeinsam mit ihnen, mit allen Angehörigen der Opfer dieser Zeit wieder eine Form finden, in der wir es als Christinnen und Christen gemeinsam feiern können, dass der Tod niemals das letzte Wort Gottes ist und wir mit Christus selbst den Tod überwinden?

Nehme ich nun einmal alle drei genannten Bereiche zusammen – kann man das dann eigentlich noch sagen: Jesus Christus ist eingesetzt, herrscht in dieser Welt als König? So singen wir es in einem alten Kirchenlied.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja – das tut er. Aber er tut es auf sehr verborgene und stille Weise. Er herrscht nicht anders als so, wie er auch auf Erden gelebt hat: an der Seite der Schwachen, an der Seite der Opfer, an der Seite der Zu-kurz-Gekommenen, der Trauernden, der hoffnungslos Überarbeiteten und Ausgebrannten. Jesus Christus, am Ende selber verwundbar und schwach und ohnmächtig. Seine Macht weicht dem Tod nicht aus, ist keine unberührbare Macht „von oben herab“, sondern sie geht durchs Leiden und durch den Tod hindurch. Sie ist eben auch und gerade in den Schwachen mächtig.

Ich wünsche uns deshalb – ganz egal wo und wie wir gerade vor ihm sitzen oder stehen – allen einen Himmelfahrtstag, an dem wir spüren: Christus ist da, drinnen und draußen, in unsern Kirchen, Häusern Wohnungen und in der Natur, in unseren Herzen und auch in unseren Gedanken. Er ist da, mitten unter uns, und keine Macht dieser Welt kann uns jemals scheiden von der Macht seiner Liebe. Diese Liebe ist allemal stärker als Politik, Wirtschaft oder Tod. Denn sie ist unverbrüchlich! Amen.

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

 Zu dir beten wir, guter Gott,

Schöpfer dieser Welt.

Wir leben von deiner Güte und Weisheit.

 

Diese Welt gehört nicht uns, sie gehört dir.

Unsere Wissenschaft geht deinen Gedanken nach.

Unsere Technik verlässt sich auf deine Gesetze.

Unsere Wirtschaft lebt von deinen Gütern.

Unsere Politik ist dir verantwortlich.

Wir danken dir für Geist und Kraft der Menschen,

denn Geist und Kraft sind von dir.

 

Uns Menschen ist viel Macht gegeben.

Was deine Weisheit geschaffen hat,

ist uns unweisen Menschen anvertraut.

Was du gegeben hast, damit wir leben können,

ist Gefahr geworden für unser aller Leben.

Wir möchten dir danken für deine Welt.

Wir möchten einander schützen,

auch in diesen schwierigen Tagen,

vor Gewalt und Hass.

Wir möchten deine Gaben behüten:

Die Menschen und ihr Glück

Und das Leben der ganzen Erde.

 

Wir bitten dich,

bewahre uns und dieser Erde den Frieden.

Und bewahre uns davor,

den Frieden anderer zu gefährden:

den Frieden unserer Kinder, Freunde und Nachbarn

und aller, denen wir begegnen.

Wir bitten dich, Schöpfer dieser Welt,

hilf uns und gib Gelingen.

 

– Raum für persönliche Fürbitten vor Gott – 

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Feiertag!

Kommt gut durch die Zeit,

passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

 

 

 

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Rogate, 9. Mai 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Rogate, 9. Mai 2021

 

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66,20)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm Ps 95,1-7a

 1 Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

2 Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! 3 Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

4 Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

5 Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

6 Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

7 Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Gott, unser Vater!

Da ist auf einmal so viel Einsamkeit unter uns,

so viel Sprachlosigkeit.

Wir möchten gern reden,

so vertraut und nahe mit vielen anderen Menschen,

wie wir es immer taten.

Wir schwer tun wir uns zur Zeit damit,

miteinander zu reden,

unbelastet und ganz frei.

Und würden wir wirklich aussprechen,

was uns so schwer auf der Seele liegt?

Auch mit dir zu reden, ist nicht immer leicht.

Da wäre gerade so viel Klage,

da wäre unsere Frage „Warum das alles?“

Würden wir Worte finden für unser Lob,

für unsere Freude darüber, dass du da bist?

Herr, befreie uns von allen trüben Gedanken,

in denen wir uns gerade so oft verstricken.

Befreie uns von der Verschlossenheit,

in der wir zu verkümmern scheinen.

Schenke uns das Glück der Zwiesprache

mit dir und mit unseren Mitmenschen.

Lass uns wieder Nähe spüren!

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurze Stille für ein persönliches Gebet –

 

Denn wir hängen doch an dir und an deinem Wort!

Daran denken wir, weil  es dein Sohn Jesus Christus,

uns doch so gesagt und versprochen hat:

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Wenn wir auch jetzt nicht als Gemeinschaft versammelt sind,

so sind wir doch in deiner Gegenwart vereint,

weil du uns in unseren Wohnungen und Häusern aufsuchst,

um bei uns zu sein.

Wir sind niemals verlassen,

auch wenn wir manchmal meinen,

wir hätten keinen Boden unter den Füßen.

Du bist da, und du wirst immer da sein,

wo immer die Zeit uns hinführt.

Dass dieses für uns alle spürbar bleibt,

jeden Tag neu,

das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 11, die Verse 1-13

1 Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.

2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

3 Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag

4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

5 Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;

6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,

7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.

8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange?

12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion?

13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Sirach, Kapitel 35, die Verse 16-22a

(auch Predigttext)

16 Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten.

17 Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt.

18 Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter,

19 und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?

20 Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken.

21 Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt

22 und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wann beten Sie eigentlich? Wie beten Sie? Und warum eigentlich?

Wann? – Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden denke ich gern darüber nach. Dann höre ich meistens, dass die jungen Leute beten, wenn es ihnen nicht gut geht, wenn sie sich ängstigen, wenn sie sich in Not glauben. Eine sehr häufige und offenbar nötige Antwort ist dann immer auch: „Ich bete vor jeder Mathematikarbeit!“ Ganz ehrlich, ich erinnere mich gut – das habe ich auch getan! Wie ist es bei Ihnen?

Wie? – Hier gehen die Antworten meist weit auseinander. „Ich brauche keine auswendig gelernten Gebete!“ „Ich bete dann manchmal ein Vater Unser!“, „Ich denke an Gott und rede in Gedanken mit ihm!“ „Ich bete vor dem Schlafengehen und schließe dabei die Augen!“ „Ich gehe manchmal in eine Kirche, setze mich einfach kurz hin und denke an Gott!“ Vieles andere mehr kommt als Antwort. Wie ist es bei Ihnen?

Warum? – Hier gehen die Antworten selbst bei jungen Menschen manchmal sehr tief. Und ich komme dabei oft ins Staunen und kann selber lernen. „Wenn ich bete, weiß ich, dass ich nicht allein bin!“ „Ich bete einfach, weil ich hoffe und glaube, dass Gott mich hört!“ „Ich bete, damit sich Dinge in meinem Leben ändern!“ „Ich bete für andere, für Freunde und auch für die Welt!“ „Ich bete, weil ich sonst nicht weiß, wohin ich mit meiner Angst soll!“ Wie ist es bei Ihnen?

Am heutigen Sonntag „Rogate“ – „Betet“ oder „Bittet“ kreisen unsere Gedanken um das Gebet, um das Reden mit Gott, das an so vielen Stellen der Bibel zum Thema wird, z.B. im kommenden Wochenspruch für die nächste Woche: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Ps 66,20)

Auch unser heutiger Predigttext aus dem eher unbekannten Buch Jesus Sirach, einer alttestamentlichen Spätschrift, tut das. Im 2. Jh. vor Christus macht sich in diesem Text jemand seine eigenen Gedanken zum Beten, vor allem aber auch, wie Gott auf unser Beten schaut und wie er es annimmt. Dazu schaut er auf die Menschen seiner Umgebung, auf die Armen, Unterdrückten, Waisen und Witwen. Er sieht auf die, die selbst mit ihrem Leben Gott dienen wollen. Er schaut auf die Verschiedenartigkeit, in der sie beten. Er ist beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der manche Menschen beten. Er sieht auch, wie das Gebet bei Menschen wirken kann und sie verändert.

Vor allem aber beginnt er über Gott zu staunen. Bei ihm ist kein Ansehen der Person, stellt er nach seinen Beobachtungen fest. Er spürt geradezu Gottes Zuwendung zu jedem Menschen.  Gottes Aufmerksamkeit gilt jedem gleich. Gott versteht das Stammeln. Er versteht die Sprache der Tränen, die manchmal gar keine Worte braucht. Ja Gott lässt sich sogar von einem Gebet selbst beschenken, wenn er es mit Freude, mit Wohlgefallen annimmt.

Manchmal, so stellt es der Schreiber unseres Predigttextes auch fest, dauert es etwas, bis ein betender Mensch im Gebet wirklich Trost findet. Aber das ist niemals Gottes letztes Wort. Gott kommt jedem Menschen nahe, auch im Gebet, im Gespräch mit Gott. Das Gebet bleibt niemals ein Monolog. Gott antwortet, manchmal sehr direkt. Manchmal bleibt er ganz unmerklich, aber er ist da, auch wenn wir das erst viel später erkennen. Gott drängt sich niemals auf, aber er wendet sich auch niemals ab. Daran erinnert viel später z.B. der Apostel Paulus die Menschen in Athen, wenn er auf dem Marktplatz zu ihnen spricht und ihnen sagt. „Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“ (Apg 17,27)

Gott hört also! – Aber ich frage eben noch einmal. Reden wir überhaupt noch mit ihm? Oder sind wir so selbstverliebt geworden, dass uns der Monolog mit uns selbst reicht. Wir brauchen kein Gegenüber. Wir schaffen alles selbst! Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Es gibt gar nicht so wenige Menschen, die so leben und glauben. Manchmal gehöre ich selbst vielleicht sogar dazu, deshalb ist hier nicht der Ort darüber den Stab zu brechen.

Aber hat nicht gerade das letzte Jahr uns noch einmal neu und leider so ganz anders die Augen geöffnet.

Wir brauchen kein Gegenüber! Nein, und nochmals nein – das stimmt nicht!! Für viele Menschen war das in den letzten Monaten die traurige Realität, eben kein Gegenüber zu haben. Gewohnt mit anderen zusammen zu sein, fröhlich und ungezwungen, war da auf einmal vielleicht niemand mehr. Nicht einmal die Menschen, die uns lieben und die wir lieben, durften uns nahe sein. Das Spiegelbild war für manche Menschen das einzige Gegenüber an vielen Tagen.

Wir schaffen nicht alles selbst! Nein, und nochmals nein – das stimmt nicht! Wir sind angewiesen darauf, dass andere uns helfen. Einige durften zeitweise nicht aus dem Haus, andere haben sich zu Recht nicht rausgetraut, weil es zu Hause eben einfach sicherer ist. Wie gut, wenn dann andere da waren, die einen vorsorgten, die Acht darauf gaben, ob man selbst nicht unversorgt bleibt.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Nein, zumindest dann nicht, wenn ich meine, mich vor Gott stellen zu können. Dieses „Hilf dir selbst“ hat viele von uns an ihre eigenen Grenzen geführt. Das Gefühl der Ohnmacht, irgendwie nichts tun zu können, um für sich selbst, vor allem aber auch für die Menschen, um die man sich sorgt, etwas tun zu können, hat oft weh getan; besonders dann, wenn es galt, alte und kranke Menschen zu begleiten, aber genau das eben nicht möglich war. Es hat dort weh getan und hat Menschen an den Rand des auszuhaltenden Schmerzes und sogar darüberhinaus geführt, wo sie geliebte Menschen loslassen mussten und nicht einmal in diesem Moment bei ihnen sein durften.

Deshalb müssen wir den Satz eben anders sagen. Ja, wir müssen ihn tief in unserem Herzen sogar anders glauben. Vielleicht, nein bestimmt wäre er richtiger, wenn wir es für uns selbst so sagen: „Wenn du dir selbst nicht helfen kannst, Gott hilft, er ist da für dich!“ Das ist ein Glaubensgrundsatz, der in unserem Herzen verankert sein soll. Denn dann wird es für jede und jeden von uns möglich, sich in allem, was uns freut, was uns belastet und sorgt, was uns ängstigt und zittern lässt, an Gott zu wenden, um es vor ihn zu legen in all unserem Gestammel, mit all unseren Tränen, sogar in all unserer Wut und Enttäuschung. Und nichts davon geht verloren, bleibt ungehört oder ohne Antwort. So weiß es Gott von sich selbst. So möchte er, dass wir es ebenso verstehen.

Genau hier haben wir aber so manches mal ein „Übersetzungsproblem“ Es gibt Situationen, da hören wir ihn nicht. Oftmals verstehen wir ihn sogar nicht. Oftmals antwortet Gott ganz anders, als wir es erwarten oder erhoffen. Manchmal erkennen wir sogar, dass er ganz andere Wege auftut, als wir es erwarten. Aber genau dies ist die gleiche Freiheit, in der wir in all unserer Verschiedenartigkeit vor Gott stehen dürfen, in der uns Gott eben auch antwortet.

Schauen wir auf die letzten Monate, schauen wir auf das gesamte letzte Jahr, dann werden einige von uns bestimmt davon erzählen können, dass da so manches war, was sie im Gebet vor Gott gebracht haben. Gottesdienste waren an vielen Orten nicht möglich, oder durften nicht so stattfinden wie wir es gewohnt sind. Natürlich hat die Kirche, hat jede Gemeinde immer auch versucht, Menschen in ihren Häusern und Wohnungen zu erreichen. Viel Neues ist dadurch entstanden, ohne Frage. Aber oft blieb da trotzdem auch nur der Rückzug auf das eigene Gespräch, auf das eigene Gebet mit Gott möglich und übrig.

Ich habe in dieser Zeit mit vielen Menschen am Telefon und auch am Bildschirm gesprochen. Sie haben davon erzählt. Haben erzählt, dass beten hilft. Vor allem aber – und das hat mich sehr gefreut und ermutigt – habe ich in ganz vielen solchen Gesprächen erfahren dürfen, dass Menschen für andere beten. Für die Menschen, die sie lieben, für die Menschen, um die sie sich sorgen, für die kranke Nachbarin, für Menschen in anderen Ländern und schlimmen Verhältnissen. Ja, die Fürbitte, das Beten für andere haben Menschen neu entdeckt. Dabei sollte mir als so betender Mensch eines klar sein. Solch ein Gebet, ist genau ein solches Gebet, an dem Gott – so sagt es unser Predigttext – Wohlgefallen hat. Er hört es mit Freuden, nimmt es mit Freude an. Vor allem aber freut sich Gott über den, der so beten kann. Denn solch ein Gebet fällt immer auch auf mich selbst zurück. Irgendwo in einem anderen Gebet eines anderen Menschen bin nämlich auch ich ein Teil seiner Bitte vor Gott. Ich werde Gott ans Herz gelegt, und er schaut schon längst auf mich.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Rogate! – Betet! Dazu lädt uns der Wochenspruch, dazu lädt uns dieser Sonntag ein! Versuchen wir es doch einfach. Versuchen wir es so, wie und wo wir gerade sind. Beten wir für uns, beten wir für andere. Und ganz gleich, wie traurig, wie verbittert, wie einsam, aber auch wie fröhlich, wie unbeschwert wir gerade sind – Gott hört! Denn bei ihm ist kein Ansehen der Person. Geben wir Gott so die Ehre, machen wir ihm diese Freude! Es soll auch unsere werden!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

 Wir beten zu dir, Vater im Himmel!

Wir bitten dich für alle Menschen,

denn alle sind deine Geschöpfe,

alle sind geschaffen nach deinem Ebenbild:

Lass jeden Menschen in dir seine Mitte finden finden,

so dass wir uns noch mehr gegenseitig und füreinander

Mensch und Mitmensch werden.

 

Wir bitten dich für die, die Macht haben und Verantwortung in der Politik:

Gib ihnen Kraft und auch den nötigen Weitblick,

dass sie über den jetzigen Tag hinaus denken,

dass sie daran denken und berücksichtigen,

dass wir auch Verantwortung für die kommenden Generationen haben.

Gib ihnen Einsicht, daß sie verstehen,

was wir Menschen wirklich brauchen:

das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf,

die Hingabe für die Kranken,

Pflege und gute Versorgung für die Pflegenden.

Viele brauchen Arbeit und gegenseitige Unterstützung,

Vertrauen in die Gerechtigkeit,

Hoffnung auf Frieden,

gerade auch untereinander,

unter den geduldigen und Ungeduldigen.

Mit ihnen allen hoffen wir auf bessere Zeiten,

in denen wir auch wieder

die Unbeschwertheit und Lebensfreude leben.

 

Wir bitten dich für die Kirche:

dass wir beständig bleiben

in der Liebe zu deinem Wort,

dass wir das Evangelium von deiner Liebe

in allem zum Maßstab machen

und es glaubwürdig bezeugen

in ganz verschiedenen Formen,

auch mit unseren Taten,

mit unserem Denken und mit unseren Worten.

Dazu hilf uns durch deinen Geist,

damit die Freude am Leben wieder neu

in uns allen wächst!

 

– Raum für persönliche Stille und Gebet –

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit,

passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Kantate, 2. Mai 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Kantate, 2. Mai 2021

 

Wochenspruch: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Ps 98,1)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 98

 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Herr, unser Gott und Vater!

Wir finden in unsrem Leben so viele Gründe, dir zu danken.

Aber in diesen Tagen ist es nicht so einfach wie sonst!

Da sind Unsicherheiten und Ängste darüber,

wie alles werden wird.

Da geht uns die Klage schneller über unsere Lippen als unser Dank.

Da wächst unsere Ungeduld und will uns zu Leichtsinn verleiten.

Vielleicht ist da sogar Traurigkeit in uns,

weil unbeschwerte Zukunft so weit weg scheint.

Aber jetzt, Herr und Gott,

jetzt schauen wir nur auf uns.

Wir schauen auf unser Leben und unsere Zeit mit dir.

Und dann wollen wir einen Moment still werden,

um dir anzuvertrauen,

was heute schwer auf uns liegt.

 

– Zeit für einen kurzen Moment der Stille, um Gott die eigenen Gedanken anzuvertrauen –

 

Wir danken dir, Herr, dass du hörst, worum wir in der Stille bitten.

Du lässt uns niemals allein.

Dein Sohn Jesus Christus hat es uns verkündet.

Er hat es in unsere Herzen gesprochen, als er sagte:

 

Aber der Tröster, der heilige Geist,

welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren

und euch erinnern an all das, was ich euch gesagt habe.

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Ja, Herr und Gott,

wir nehmen diese Worte dankbar in uns auf.

Und wir bitten dich:

Bleibe bei uns, bleibe uns nahe!

Gib, dass dein Friede unsere Herzen erfülle

und unsere Gedanken, unsere Worte und Taten.

Mit allem, was wir sind,

mit der Gestalt unseres ganzen Lebens

wollen wir dir danken,

wollen wir dich loben und preisen.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

 

Epistellesung: Aus dem Kolosserbrief, Kapitel 3, Verse 12-17

12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;

13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.

16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem 19. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 37-40

(auch Predigttext)

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit euch all. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

„Kantate“ – so heißt dieser Sonntag im Kirchenjahr. „Kantate“ ist lateinisch und bedeutet „Singt“! Genau das tun – optimistisch geschätzt – in normalen Zeiten immer noch etwa eine Million Menschen in den auch normalerweise etwa 20.000 Gottesdiensten, nimmt man einmal alle evangelischen Landeskirchen zusammen! Viel mehr als einige vielleicht gedacht haben! Leider sind aber gerade keine „normalen“ Zeiten!

Die Musik hat Menschen schon immer fasziniert. Zum Beleg noch einmal etwas Statistik: Etwa sieben Millionen haupt- und ehrenamtliche Musikerinnen und Musiker gibt es allein in unserem Land. Sie verteilen sich auf Orchester, Chöre, und sie sind solo unterwegs. Wenn sie denn singen oder unterwegs sein dürfen. Genau das ist ja auch nun schon seit über einem Jahr nicht mehr so.

Ja, Menschen lieben die Musik. Viele Menschen schätzen den Gesang. Was hat nicht allein die evangelische Kirche an großen Chor und Musikwerken zu bieten! Johann Sebastian Bach mit seinen Werken, viele andere Namen könnten wir nennen. Da sind große Passionsmusiken, Chorwerke. In letzter Zeit kamen hier und da große Musicals vieler junger Komponisten und Chöre dazu. Kirchenchöre, Kinderchöre, Gospelchöre – Musik bewegt die Menschen. Sie öffnet uns in unseren Gottesdiensten das Herz für Gott, sie schafft Stimmungen. Musik bewegt uns buchstäblich!

Zur Zeit ruht sie, ist an vielen Orten verstummt, durch Verordnungen verboten, kann sogar gefährlich für uns werden! Wer von uns hätte das jemals gedacht! Ich weiß nicht, wie es Euch geht! Aber am heutigen Sonntag Kantate musste ich, auch durch den Predigttext aus dem Lukasevangeliumangestoßen, daran denken. Es tut weh! Aber – so hoffe nicht nur ich – noch eine kleine Weile, dann wird sie wieder erklingen. Sie wird uns froh machen! Und alle, die z.B. davon leben, dass sie uns froh macht, werden hoffentlich dann wieder sorgenbefreiter atmen, singen und auf den Plätzen, in den Hallen und Kirchen wieder für uns spielen und singen dürfen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ein Lobpreis steht im heutigen Predigttext im Mittelpunkt! Nicht nur der Lobpreis, auch das Singen dieses Liedes! Jesus ist mit seinen Freunden auf dem Weg nach Jerusalem. Und wir können es uns geradezu vorstellen, wie die Jünger und er nach einem langen Fußmarsch, nach dem Anstieg auf den Ölberg nun oben ankommen und die Stadt taucht vor ihren Augen auf, das Ziel ist nahe. Ja, Freude ergreift die Jünger. Sie beginnen zu singen, singen das Loblied über Gott. Ich denke, sie tun es in diesem Moment für alles, was sie bisher erlebt haben – auch mit diesem Jesus –, sie tun es, weil sie bald am Ziel sind. Und noch freuen sie sich auf das, was sie in der Stadt erleben und feiern wollen. Sie schauen auf diesen Jesus und spüren in und durch ihn geradezu etwas von der angebrochenen Herrschaft Gottes in dieser Welt.

Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. Zeichen und Wunder sahen wir geschehen…“. So lesen wir es in unserem Gesangbuch in dem Lied „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“   (eg 648, 3).

Genau das hatten die Apostel erlebt – Zeichen und Wunder. Jesus hatte geheilt, hatte Menschen von ihrer Schuld und von Lasten befreit. Die Apostel haben es erlebt, sie können in diesem Moment da auf dem Ölberg nicht mehr schweigen. Sie singen ihre Freude darüber hinaus, wie geradezu unglaublich es ist, diesem Jesus nachzufolgen und mit ihm zu leben.

Diese Zeichen und Wunder haben die Jünger mit Jesus erlebt und können von diesen Erlebnissen nicht schweigen. Jesus hat getröstest, geheilt und Menschen von ihrer Schuld losgesprochen. Die Jünger singen, damit alle hören, wie unglaublich es ist, Jesus nachzufolgen und mit ihm zu leben.

Ein wenig erinnert ihr Gesang an Weihnachten. Auch dort wird ähnlich angekündigt und gesungen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und auf Erden!“ Jesus wird mit diesen Worten als der kommende König und Messias besungen und gesegnet, der vom Himmel den Frieden auf die Erde bringt, der uns Gottes Nähe und sein Reich hier auf Erden anbrechen lässt.

Genau darüber sind die Freunde Jesu so voller Hoffnung. Vom Berg Zion aus wird sich diese Gottesherrschaft durch ihren Herrn Jesus auf der Erde verbreiten und zur neuen Wirklichkeit werden!

Nun aber stimmen die Jünger ihr eigenes Loblied an. Sie singen den Psalm 118. Hier im Predigttext sind sie schon beim Vers 26 angekommen, also fast am Ende des Liedes! Ich spüre, dass ihr Gesang fröhlich klingt. Vielleicht nicht unbedingt harmonisch, eher spontan freudevoll, jubelnd. Es ist ihre Art, den bevorstehenden Einzug in Jerusalem zu bejubeln. Da es ein alter Psalm war, den die Menschen damals kannten, da auch der Ölberg wohl eine beliebte Stätte für Menschen war, kann ich mir vorstellen, dass sie nicht allein da oben standen – schließlich waren einige Pharisäer ja wohl auch da – und wie die umstehenden Menschen sich von ihrer Freude anstecken ließen. Nach und nach begannen die Menschen dort mit den Jüngern Jesu zu singen.

Und die Pharisäer? Natürlich kannten sie diesen alten Psalm auch, waren vielleicht sogar gewohnt, ihn auch in ihren Feiern zu singen. Aber es waren eben ihre Feiern, hier auf dem Ölberg aber gerade nicht. Die ansteckende Freude scheint sie eher zu ärgern. Sie geben sich – wie so oft – eher zugknöpft, geradezu feindselig. Die Jünger sollen ruhig sein, wünschen sie sich. Jesus selbst soll dafür sorgen. „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ (V. 39) fordern sie. Jubelnde Menschen, oder besser: Jesus zujubelnde Menschen können sie so kurz vor dem Passahfest überhaupt nicht gebrauchen, wollen es auch nicht dulden.

Sie ahnen nämlich genau, dass mit diesem König, der da kommt im Namen des Herrn  und den besonders die Apostel gerade besingen, dieser Jesus aus Nazareth gemeint ist. Und jetzt stecken sie durch dieses Lied auch noch andere Menschen mit dieser Annahme an. Unglaublich für die Pharisäer! Empörend! Deshalb diese scharfe Zurechtweisung an diesen Jesus!

In ihrem Denken ist nämlich alles sehr festgelegt. Für eine neue, für eine gute Nachricht, für ein Evangelium ist da nun wirklich kein Platz! Sie werden solch einem religiös Verwirrten und seiner ebenso verwirrten Anhängerschaft keine Möglichkeiten bieten, weiter so gefährlich und umstürzend zu predigen. Sie hören wie er sich als Davids Sohn bezeichnen lässt, wie er von Gott als seinem Vater redet. Ich denke, ihr Urteil wird hier schon festgeklopft, lange vor dem Einzug in Jerusalem. Ausschalten, am besten noch durch die Römer. Die Taktiker unter ihnen wissen schon den Weg.

Was macht Jesus, der, den sie so zurechtweisen? Kuscht er jetzt verängstigt, lässt er sich einschüchtern? Ob Jesus sich aufregt, wir erfahren es nicht. Ob er ängstlich wird oder eingeschüchtert, keine Spur davon im Evangelium. Nein, ich finde seine Antwort lässt momentan noch seine Gelassenheit spüren. Er beschwert sich nicht über die Art der Anrede durch die Pharisäer. Er ist an einer Auseinandersetzung mit ihnen in diesem Moment überhaupt nicht interessiert. Er weiß, was kommt. Er weiß auch, es ist nicht aufzuhalten. Er weiß vielleicht, oder besser: bestimmt sogar schon etwas über diese Stadt, auf die sie alle von da oben schauen. Vierzig Jahre später nämlich wird sie in Trümmern liegen, der Tempel zerstört sein. Es ist nicht aufzuhalten. Werden seine Jünger nicht singen dürfen, dann werden es eben die Steine tun; die Steine der Stadt werden eines Tages ihre Klagelieder singen. Aber aufzuhalten ist es nicht. Deshalb sagt Jesus, was er vor seinem inneren Auge gerade sieht, vielleicht klingt es in den Ohren der Pharisäer ebenso schroff: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (V. 40)

Dass Jesus es genau so meint, wird deutlich, wenn wir die nächsten vier Verse betrachten. Alle freuen sich hier nämlich gerade. Aber direkt nach seiner Antwort beginnt Jesus zu weinen. Er weint über diese Stadt Jerusalem, die ja auch ihm am Herzen liegt. Er erzählt den umstehenden Menschen von der bevorstehenden Zerstörung. Ob ihm in diesem Moment damals auf dem Ölberg die Menschen geglaubt haben, weiß ich nicht. Bestimmt nicht alle. Jesus selbst konnte dieses Wissen jedenfalls nicht mehr für sich behalten. So lässt er es heraus, weint über die Stadt Jerusalem und auch über die Menschen, die seine Worte nicht hören und annehmen können.

Nein, Gesänge seiner Jünger – wie hier bei Lukas – auch nicht später die Gesänge der Kinder beim Einzug in Jerusalem – wie an anderer Stelle bei Matthäus – können seine Kritiker, seine Gegner und wohl auch nicht viele zweifelnde, im Glauben unsichere Menschen erreichen und umstimmen. Diese Gesänge erreichen viele Herzen nicht!

Und trotzdem! der Lobpreis Gottes gerade auch durch Gesänge und Lieder – er ist seit damals niemals mehr verstummt! Immer wieder wird Jesus in den späteren Jahrhunderten als König besungen werden – „Jesus Christus herrscht als König“ (eg 123), „O König aller Ehren, Herr Jesu Christ“ (eg 71). Manche Lieder sind gesungene Predigten. Sie bewegen die Herzen der Menschen, finden Worte für ihren Glauben und bringen sie zum Klingen. Sie machen Mut zu Neuanfängen. Sie ermutigen zur tätigen Nächstenliebe. Sie wecken den Glauben im Menschen.

Die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, die vielen Glaubensgemeinschaften durch die Jahrhunderte und auch die Kirchen der verschiedenen Konfessionen hatten immer einen Halt an Gesang und Glaubensliedern.

Viele Lieder verbinden uns im Gotteslob der katholischen Kirche und dem Evangelischen Gesangbuch unserer Kirche. Lieder wirken glaubensverbindend. Die Lieder mit dem „Ö“ für „Ökumene“ künden in wunderbaren Tönen von dem einen Gott, den wir gemeinsam haben und besingen können. Sie vereinen uns Kirchen jetzt schon als eine von vielen Möglichkeiten, noch mehr und enger zusammenzuwachsen.

Der Lobgesang Gottes hat sich niemals mehr aufhalten lassen, durch alle Jahrhunderte nicht. Natürlich haben sich zu allen Zeiten Melodien und Texte verändert. Eines haben sie aber auch durch alle Zeit und für alle Zeit gemeinsam. Sie loben und ehren Gott. Wir tun es ebenso, wenn wir sie singen, sogar, wenn wir sie hören! Ganz gleich, ob selbst gesungen, ob durch Bachs Passionen erklungen, ob durch manchmal sehr moderne Lieder auf den Kirchentagen und Poporatorien. Aber es gibt eben Musik und Lieder in unseren Kirchen, die tatsächlich alle Generationen dazu bringen, den eigenen Glauben auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen.

Viele dieser Lieder sind sogar zu Predigten über diesen einen Gott geworden, die viele von uns unaufgebbar in unseren Herzen tragen. Oder profaner und einfacher gesagt: die wir sogar auswendig können, weil sie uns schon so lange begleiten. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, bei den Älteren von uns auch noch „Lobe den Herren“ oder „Nun danket alle Gott“. Lieder begleiten uns durch das ganze Kirchenjahr. Immer wieder taucht für viele mindestens eines in den Gottesdiensten auf, mit dem wir unsere eigene Glaubensgeschichte verbinden können, die uns Halt im Glauben geben können. Zu besonderen Zeiten z.B. haben Lieder wie „So nimm denn meine Hände“ oder „Befiehl du deine Wege“ trösten aber auch ermutigen können. Viele ältere Gemeindeglieder können das bezeugen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Musik und Singen geben Halt für unseren Glauben. Deshalb freue ich mich – und ich bin bestimmt wahrlich nicht der einzige –, wenn wir endlich auch wieder singende und auf diese Art Gott gemeinsam, lebende Gemeinde in unseren Kirchen und Gottesdiensten werden können. Dann werden wir keine Klagelieder anstimmen. Das haben wir innerlich in dem vergangenen Jahr wohl zur Genüge getan. Der liebe Gott musste sie sich in all seiner Geduld anhören und hat es auch getan. Nein, mit vielen anderen werden wir alle fröhlichen Glaubenslieder, die wir kennen aufschlagen, und singen, bis auch dann der liebe Gott lächelnd sagen wird: „Ja, es reicht! Ich habe euch gehört und freu mich mit euch!“ Genau so, liebe Schwestern und Brüder, wird es kommen!

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder“. (Ps 98,1) Genau auch davon kündet unser Wochenspruch für die kommende Woche. Auf dieses Versprechen sprechen wir unser „Amen – so sei es“!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

 Herr, unser Gott und Vater!

Lass deinen Geist unter uns wohnen,

dass er uns erwärme und belebe,

damit wir dir gerne dienen.

 

Lass uns über dem Lobpreis deiner Güte

das Elend der Welt nicht vergessen:

die Angst der Weinenden und Verzagten,

die Not der Verlassenen und Verletzten,

die Verzweiflung der an Leib und Seele Gefolterten.

Sei du bei allen Menschen!

 

Lass in der ganzen Welt deine Kirche

aus Anbetung und Gesang

neue Kräfte schöpfen.

Mach sie bereit, von sich wegzusehen

und die vielen, die dich brauchen,

anzunehmen.

Lass deine Kirche sich auf den Dienst

an deiner Schöpfung ausrichten –

alles zu deiner Ehre, Herr, unser Gott.

Bleibe du bei deiner Kirche und bei allen Menschen!

 

Herr, unser Gott und Vater, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott,

ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen – und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfr. Rüdiger Dunkel

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Jubilate, 25. April 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Jubilate, 25. April 2021

 

Wochenspruch: Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden. (2. Kor 5,17)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 66,1-9

 1 Jauchzet Gott, alle Lande!

2 Lobsinget zur Ehre seines Namens; rühmet ihn herrlich!

3 Sprecht zu Gott: Wie wunderbar sind deine Werke! Deine Feinde müssen sich beugen vor deiner großen Macht.

4 Alles Land bete dich an und lobsinge dir, lobsinge deinem Namen. Sela.

5 Kommt her und sehet an die Werke Gottes, der so wunderbar ist in seinem Tun an den Menschenkindern.

6 Er verwandelte das Meer in trockenes Land, / sie gingen zu Fuß durch den Strom; dort wollen wir uns seiner freuen.

7 Er herrscht mit seiner Gewalt ewiglich, / seine Augen schauen auf die Völker. Die Abtrünnigen können sich nicht erheben. Sela.

8 Lobet, ihr Völker, unsern Gott, lasst seinen Ruhm weit erschallen,

9 der unsre Seelen am Leben erhält und lässt unsere Füße nicht gleiten.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott,

wenn wir über unser Leben

mit dir und den Menschen nachdenken,

über das, was wir wollten

und was daraus geworden ist,

wie stehen wir dann da vor dir?

So viele Dinge bewegen uns im Innern.

So vieles hätten wir nie gedacht.

Vielleicht hätten wir sogar vieles anders gemacht.

Du allein weißt es.

Du hörst uns,

wenn wir die unsere Schuld bekennen.

Du wendest dich uns zu,

wenn wir dir in der Stille zu dir beten

und dir anvertrauen, was uns auf der Seele liegt!

 

– Kurze Stille, um Gott die eigenen Gedanken anzuvertrauen –

 

Danke, Herr, dass wir deine Nähe spüren dürfen!

Du hältst uns in deiner Hand.

Wir bleiben mit dir verbunden durch deinen Sohn Jesus Christus.

Er hat es uns so gesagt:

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater,

wenn wir jetzt auch als deine Gemeinde

nun nicht in der Kirche vor dich treten können,

so sind wir doch auch in der Zerstreuung vor dir,

denn du bist da – in jeder Wohnung und in jedem Haus

als deine Gemeinde sind wir zusammengekommen.

Wo wir jetzt auch sind, wir vertrauen weiter darauf,

dass Verbindungen unter uns bleiben

und auch wieder neu wachsen

Das erhoffen und erbitten wir in

Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 15, die Verse 1-8

Der wahre Weinstock

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, nimmt er weg; und eine jede, die Frucht bringt, reinigt er, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht an mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt die Reben und wirft sie ins Feuer, und sie verbrennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja. Amen.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 17, die Verse 22-34

(auch Predigttext)

22 Paulus aber stand mitten auf dem Areopag und sprach: Ihr Männer von Athen, ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.

23 Denn ich bin umhergegangen und habe eure Heiligtümer angesehen und fand einen Altar, auf dem stand geschrieben: Dem unbekannten Gott. Nun verkündige ich euch, was ihr unwissend verehrt.

24 Gott, der die Welt gemacht hat und alles, was darinnen ist, er, der Herr des Himmels und der Erde, wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind.

25 Auch lässt er sich nicht von Menschenhänden dienen wie einer, der etwas nötig hätte, da er doch selber jedermann Leben und Odem und alles gibt.

26 Und er hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen, und er hat festgesetzt, wie lange sie bestehen und in welchen Grenzen sie wohnen sollen,

27 dass sie Gott suchen sollen, ob sie ihn wohl fühlen und finden könnten; und fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.

28 Denn in ihm leben, weben und sind wir.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

IN den letzten Monaten habe ich viele Gespräche geführt. Viel mehr war manchmal leider gar nicht möglich. Manchmal waren es Tür- und Angel-Gespräche auf Abstand und mit Maske. Es gab ganz unverhoffte und zufällige Gespräche. Aber es gab eben auch lange Telefonate und geplante Gespräche über den PC-Bildschirm.

Ich habe mit Menschen gesprochen, die zu unserer sogenannten „Kerngemeinde“ gehören. Aber auch mit einigen sogenannten und vielleicht sogar falsch genannten „Kirchenfernen“.

Oft ging es wirklich um Seelsorge, eigentlich kam immer das Gespräch auch auf Gott. Etwas fiel mir dabei auf, wie eigentlich nie. In allen Gesprächen mit Menschen habe ich immer das Gefühl gehabt, eben auch religiös empfängliche Menschen gegenüber gehabt zu haben. Was mir dabei besonders auffiel und mir selbst, nach so vielen Jahren im Pfarrdienst, auf einmal aber auch irgendwie immer suspekter wird, war eine Antwort zum Thema Gott, von der ich glaube, dass sich Menschen manchmal mit ihrem eigenen Glauben gar nicht mehr so richtig auseinandersetzen wollen. Es war eine Antwort, die mir auf einmal irgendwie zu einfach erschein. Oftmals fiel ein Satz wie dieser, ein Satz, der das Nachdenken über das je Eigene im Glauben scheinbar irgendwie ersetzen soll.

„Wir glauben doch alle an den einen, den gleichen Gott. Ob Christen oder Moslems, ob Hindus oder Buddhisten – das alles sind doch Leute, die an Gott glauben – und wenn er auch viele Namen hat, es ist doch immer der gleiche.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das mag ja sogar sein. Vielleicht gäbe sich Gott selbst mit dieser Antwort ja zufrieden. Aber mittlerweile fang ich ganz vorsichtig an, diese Aussage in Zweifel zu ziehen: das ist für mich im besten Wortsinne frag-würdig. Es ist nämlich eine Frage wert, ob Gott, wie ich ihn in Jesus kennen gelernt habe, dem entspricht, was ein Hindu über Gott erfahren hat oder was ein Muslim aus dem Koran über Gott kennen lernt. Bitte, ich möchte das jetzt nicht wertend verstanden wissen, wohl aber hinterfragend, und das muss erlaubt bleiben.

Und wenn ich unser heutiges Predigtwort durchdenke, da geht mir diese Antwort nach. Sie arbeitet in mir, und sie hat Spuren hinterlassen. Mir geht auf, wie der Apostel Paulus in sehr konzentrierter Form zu Leuten gesprochen hat, um ihnen das Evangelium von Jesus nahe zu bringen.

In vier kurzen Gedanken versucht Paulus, das Evangelium in Athen auf dem Aeropag  zu sagen.

1. Überall ist eine Ahnung von Gott

Ich kann mir das richtig vorstellen: Als Paulus damals durch Athen geht, sieht er Tempel, Götterbilder, Altäre. Er steht vor einer Vielfalt an religiöser Kunst, die atemberaubend ist. An diesen Steinen und Bauten kann er ablesen: in diesen Menschen ist die Ahnung von Gott da. Und er sagt das auch: „… ich sehe, dass ihr die Götter in allen Stücken sehr verehrt.“ (V.22)

Das, was Paulus hier sagt, hat hier einen bestimmten Klang – wir würden heute beim Anblick dieser Pracht vielleicht sagen: Ihr seid hoffnungslos religiös. Ihr Athener tragt in euch eine Sehnsucht, ein Fragen nach Gott, eine Ahnung davon, dass es um Gott mehr sein muss als die Tempel und die Götterbilder euch sagen.

Überall ist eine Ahnung von Gott. Auch heute. Wer durch unsere Welt geht, der wird das auch finden. In den Bücherladen der Großstädte, im Internet und wo auch immer  gibt es wachsende Abteilungen zum Thema „Übersinnliches“. In den CD-Ständern der verschiedensten Geschäfte finden sich immer wieder CDs mit religiösen Themen. Es ist kein Ausrutscher, wenn ein Sänger wie Peter Maffay von seinen Fragen an Gott singt und einer seiner früheren Hits „Halleluja“ – „Lobt Gott“ heißt.

Talkmaster Markus Lanz fragt einen seiner Gäste danach, ob er in der Angst in dieser Zeit betet, so als ob das Gebet nur etwas für Zeiten der Angst und Krisen wäre. Ich selbst erinnere mich lieber immer wieder gerne an Hanns-Dieter Hüsch, den Kabarettisten, der in seinen Programmen immer auch predigte. Gott, Glaube – schon immer und überall ein Thema!

Wer sich Kinofilme anschaut und Fernsehproduktionen jenseits der seichten Unterhaltung, der bekommt es mit: Auch dort werden immer wieder religiöse Themen verhandelt, taucht die Frage nach Gott und Glauben auf – als eine Frage, die wieder oder vielleicht: immer noch modern ist und Menschen umtreibt.

Ja, die Menschen unserer Zeit sind durchaus religiös, auch wenn sie vielleicht nicht christlich, oder sagen wir sogar: nicht kirchlich-christlich sind, Menschen suchen Gott, suchen Göttliches. Es liegt förmlich in der Luft und begegnet uns, wenn Leute z.B. sagen: beim Gang durch den Wald habe ich eine Ahnung von Gott. In der Natur bin ich Gott so nahe. Und ich denke, so viel spazieren wie im vergangenen Jahr waren wir insgesamt wohl schon lange nicht mehr, denn viel anderes blieb ja nicht. Wie nahe müssen folglich dann viele Menschen Gott gewesen sein!

Göttliches begegnet uns in vielen Formen, in Liedern, und Gedichten; es begegnet uns sogar in dem Gefühl, das viele Menschen haben, dass sie sich eben nicht selbst alles verdanken, was sie geschaffen und geschafft haben, dass sie das Empfinden einer Abhängigkeit benennen. Überall ist eine Ahnung von Gott – und Menschen sind sehr wohl bereit, das auch auszusprechen. Genau das hat auch Paulus schon vor langer Zeit  da in Athen gespürt.

2. Keinem von uns ist Gott fern

Dieses Fragen, Suchen, Ahnen von Gott nimmt der Apostel mit einem ganz weiten Satz auf: Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.“ (V 27.28)  Gott ist uns näher als die Luft zum Atmen, näher als uns die Menschen sind, näher als uns die Dinge sind, mit denen wir uns umgeben. Gott lebt in uns und wir leben aus ihm.

Der Apostel Paulus sagt dieses Bekenntnis, weil er an den Schöpfer glaubt. Gott hat die Welt geschaffen und hat uns das Leben gegeben. Wenn wir Paulus nach einem Beweis für seinen Gedanken fragen könnten, dann würde er sagen: Schau Dich an: Du bist der Beweis! Du hast Dir das Leben nicht selbst gegeben. Du hast Dir Deinen Leib nicht selbst gegeben. Du hast Dir deine Kraft und Deine Talente nicht selbst gegeben. Mit allem, was du bist und was du lebst und was du kannst, kommst Du immer schon von Gott her – aus seinem unerschöpflichen Geben. Und jeder Augenblick Deines Lebens kommt von Gott, ist sein Geschenk an dich.

Keinem von uns ist Gott fern. Dieses Wort hat eine Kehrseite: Wir alle verdanken uns Gott, mit dem, was wir sind und wie wir sind. Damit steht zugleich eine Frage vor uns, auf die wir alle eine Antwort finden müssen: Danken wir Gott denn mit unserem Leben, das wir ihm verdanken? Entspricht unser Leben dem, das Gott uns nicht fern ist, sondern nahe? Sind wirGott nahe – mit unserem Tun, mit unserem Denken, mit unserem Danken?

3. Gott will, dass wir ihn suchen

Bis hierhin können viele ja vielleicht noch mitgehen. Aber nun geht Paulus den einen Schritt weiter: Es ist nicht damit getan, dass wir sagen: Gott gibt es. Es ist nicht damit getan, dass wir sagen: Wir leben immer schon von Gott her. Sondern Gott will, dass wir ihn suchen und mit ihm leben.

Es geht um eine sehr persönliche Beziehung zu Gott, um eine Beziehung des Vertrauens und sogar auch des Gehorsams gegenüber diesem Gott, der uns als seine Geschöpfe liebt. Wenn wir z. B. Kinder taufen, wird über sie gesagt: Du sollst Gott gehören. Du sollst zu dem Gott gehören, der deinen Namen gerufen hat. Du sollst zu dem Gott gehören, der sich selbst in dieser Welt mit seinem Namen zu erkennen gegeben hat: in dem Menschen Jesus Christus, der ans Kreuz gegangen ist und der durch den Tod gebrochen ist. Du gehörst nicht zu einem namenlosen, unbekannten Gott – du gehörst zu dem bekannten Gott, der sich zu dir bekannt hat und zu dem du dich bekennen darfst. Zu dem Gott, der spricht, und wir lesen es in unserer Ev. Lukas-Kirche bei jedem Gottesdienst, wenn dort wieder einer stattfinden wird, vorne auf unserem Taufstein: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein!

Das ist über uns allen, die wir getauft worden sind, gesagt worden, und das gibt unserem Leben Richtung. Unsere Lebensrichtung ist markiert durch die Zugehörigkeit zu Jesus, das Vertrauen zu Jesus. Und das ist dann kein Allerweltsglaube mehr. Sondern das ist der Glaube, der immer wieder fragt: Was ist der Wille Gottes für mein Leben – an diesem Tag heute? Was ist der Wille Gottes für mein Handeln an diesem Tag heute? Was will Jesus durch mich in dieser Welt tun – an Menschen, in den Aufgaben der Zeit, für die Nahen und die Fernen?

Solange wir noch nicht wissen, wer Gott ist, können wir ihm auch nicht gehorchen. Aber wenn es wahr ist, dass Gott sich uns bekannt machen will und bekannt gemacht hat durch Jesus, dann gibt es für uns nur eines: unseren Willen ausrichten nach seinem Willen.

 4. und letztes: Gott ruft uns

Ich denke, dass es deutlich geworden ist: Es geht nicht nur um gute Gedanken über Gott. Paulus hat nicht zu den vielen Gesprächen über Gott ein weiteres hinzufügen wollen – nach dem Motto: Gut, dass wir mal drüber geredet haben. Er steht auf dem Areopag aus einem einzigen Grund: Weil Gott nach seinen Menschen ruft und weil Menschen dieses Rufen Gottes hören müssen – um ihrer Seelen Seligkeit willen.

Ich sehe diesen Paulus da stehen. Ich ahne auch die Reaktion der Menschen. Einige haben es damals gehört, aber viele haben sich – wie wir es heute vielleicht auch tun würden – lächelnd abgewendet. Einige haben den nahen Gott in den Worten seines Boten gehört, viele aber haben nur einen seltsamen Wanderprediger gehört und hatten nur ein Achselzucken für ihn. Das sind bis heute die Reaktionen. Die einen hören und glauben und finden das Leben, und die anderen gehen ihres Weges. Auf welcher Seite stehen wir, steht ihr, stehen Sie, stehe ich?

Es ist die Sorge um die Menschen; es ist die Sorge, dass Menschen an Jesus vorbeileben könnten und darüber das Leben versäumen, die uns diese Worte des Paulus weitersagen lassen. Es ist die Sorge, dass Menschen das große Geschenk ihrer eigenen Taufe versäumen könnten, die uns nicht einfach sagen lässt: Jeder hat seinen Glauben, jeder hat seine Vorstellung von Gott – ist doch alles gleich-gültig. Die Erfahrung, die Paulus gemacht hat – und die ich Jahrhunderte nach ihm mit ihm teile –  ist großartig anders: Jesus ruft uns beim Namen, ich bin ihm nicht gleichgültig. Und diesem Ruf darf und will ich folgen. In diesem Ruf liegt mein Leben, und ohne diesen Ruf geht mein Leben in die Leere, geht es am Willen Gottes vorbei.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott ruft uns – ich möchte es zuspitzen: Gott ruft Dich und mich. Seit unserer Taufe hat er niemals aufgehört, meinen und Deinem Namen zu rufen, damit wir nicht ohne ihn leben, ohne seine Liebe, ohne seine Treue, ohne das Vertrauen zu ihm und ohne den Gehorsam, der sich um seinen Willen müht. In diesem Ruf bietet er das Leben an. Er, der nicht will, dass auch nur einer verloren geht, sondern der uns allen im Glauben das Leben schenken will, ein Leben, das niemals vergeht. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

 Jesus Christus, wir danken dir,

dass du uns Bruder und Freund bist,

dass wir mit dir und untereinander

verbunden bleiben, auch wenn jetzt vielleicht für uns allein sind

und andere schmerzlich vermissen.

Du bist da!

 

Wir alle bitten dich:

Schenke du uns deinen Geist, damit wir bereit sind,

an deinem Wort festzuhalten,

auch dann, wenn es uns schwer fallen will.

Du bist da und hältst uns!

Und du hörst unsere Bitten!

 

Wir bitten dich für die Einsamen!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

werden wir sie auch wieder besuchen!

 

Wir bitten dich für die Hungernden!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

wollen wir uns auch wieder für sie einsetzen!

 

Wir bitten dich für die Kranken und die vielen alten Menschen!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

nehmen wir sie in unsere Arme und halten sie!

 

Wir bitten dich für unsere Kinder!

Wir beten für sie und wenn wir es wieder können,

lassen wir sie wieder fröhlich ihre Wege gehen

zu all ihren Freunden und ohne Sorgen in ihre Schulen,

weil sie sich geliebt wissen

und die Freude am Leben wieder neu in uns allen wächst!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit,

passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfr. Rüdiger Dunkel

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Misericordias Domini, 18. April 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Misericordias Domini, 18. April 2021

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10,11a.27–28a)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 23

 Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet:

Guter und Gnädiger Gott!

Wir erinnern uns daran!

Du hast deinen Sohn zu uns gesandt.

Wie ein guter Hirte sollte er uns sein.

Und er ist es auch!

Sein Leben sollte er für uns lassen!

Er hat es getan!

Den Tod hat er überwunden!

Das glauben wir!

Gerade in dieser Zeit,

in der der Tod uns überwinden will!

Dein Sohn Jesus Christus, guter Gott, ist auferstanden

Er will weiter unser Hirte sein!

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit,

ihm zu folgen!

Wie oft wollen wir eigene Wege gehen,

von denen wir manchmal tatsächlich meinen,

wir könnten sie in aller Sicherheit selbst planen und gehen!

Wie oft verlieren wir dich auf diesen Wegen aus den Augen!

Wir entfernen uns von dir in so vielem!

Aber du lässt niemals von uns!

So sei nun auch jetzt bei

uns höre uns in all deinem Erbarmen,

wenn wir jetzt in der Stille zu dir beten!

 

– Zeit für ein persönliches Gebet in der Stille –

 

Du selbst hast uns gesagt:

Ich will sie retten von allen Abwegen,

auf denen sie gesündigt haben,

und will sie reinigen,

und sie sollen mein Volk sein,

und ich will ihr Gott sein.
Ehre sei Gott in der Höhe!

 

So bitten wir dich, Jesus Christus,

der du unser guter Hirte bist:

Führe uns auf deinen Wegen.

Auch durch diese schwere Zeit.

Schenke uns Kraft, Geduld und Ausdauer

mit dir auf deinen Wegen für uns zu gehen.

Du lässt uns keinen Mangel leiden.

Du sorgst für uns.

Von dir werden wir niemals verlassen!

Halte du uns alle also in deiner Nähe!

Die, die sich gerade verloren glauben,

suche sie, damit sie dich spüren.

Wenn wir in alle Richtungen auseinanderlaufen,

wenn wir jeder Nachricht, jeder schnellen Erfolgsaussicht,

jeder Verschwörungstheorie und vielem Unsinn

hinterherlaufen und uns zu Leichtsinn verleiten möchte,

dann sei du unsere Mitte, damit wir auf dich schauen.

Denn du führst uns heraus und in eine neue Zukunft.

Darauf vertrauen wir und bitten dich,

der Du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes,

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 10, die Verse 11-16.27-30

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Hesekiel, Kapitel 34, Verse 1–2.10–16.31

(auch Predigttext)

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir:

2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.

12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war.

13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande.

14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels.

15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.

16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Der Prophet Ezechiel, von Martin Luther eingedeutscht zu Hesekiel, regt sich auf – regt sich mächtig auf. Was war geschehen?

Etwa 600 vor Christus war Jerusalem ins Exil verschleppt worden, Ezechiel war mit dabei. Nun sitzt das Volk im Zweistromland in der babylonischen Gefangenschaft. Von hier aus schaut Ezechiel immer wieder geradezu visionär zurück nach Jerusalem. Von hier aus kündigt er das Gericht Gottes an, hier verkündigt er Gottes Weisung an die mit ihm Deportierten, hier kündigt er Gottes richtendes Handeln an den Israel umgebenden Völkern an. Hier lässt er seiner Wut und Enttäuschung über die regierenden seines Volkes freien Lauf. Wir konnten das in der Lesung etwas weiter oben geradezu nachspüren.

Ezechiel spart nicht mit Kritik an den Regierenden. Sie haben seiner Meinung nach nicht etwa aus Schwäche versagt. Nein, sie haben aus Bosheit und aus Egoismus das Volk zugrunde gerichtet! So sieht es Ezechiel! Sie haben sich benommen wie Hirten, die sich an der Herde, die ihnen anvertraut, ist einfach nur bereichern, nur auf eigenen Profit aus sind. Das Wohlergehen der Herde oder etwa Bestandspflege war ihnen völlig egal. Sie haben sich nur selbst geweidet und gemästet, haben geschaut, das die eigenen Taschen und Vorräte immer gut gefüllt waren. Sie haben nur für sich selbst gesorgt. Das Schicksal der anderen war ihnen völlig gleichgültig. Alles Ausbeuter! Und deshalb, so Ezechiel, ist jetzt eben die ganze Herde verstreut, das Land mit seiner Hauptstadt Jerusalem zerstört. Nun bekommen die schlechten Hirten eben ihre Strafe. Gott sagte es durch Ezechiel in Vers 10:

So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

Kritik an den Regierenden, prophetische Kritik, wie es ihnen ergehen wird. Kommt uns das – gerade auch in diesen Tagen – nicht irgendwie bekannt vor. Schweben nicht sogar die gleichen Vorwürfe im Raum? Machthabende und Politik Treibende, die ein Volk zugrunde richten, gibt es weltweit leider viel zu viele. Politikerinnen und Politiker, die in die eigene Tasche arbeiten, sind in letzter Zeit ja auch bei uns „aufgeflogen“. Ist es manchmal nicht geradezu erschreckend, wenn Verantwortliche von großen Wirtschaftsunternehmen ganz übel und betrügerisch wirtschaften und trotzdem kräftig für sich selbst abkassieren. Ist es nicht wirklich ein Ärgernis, wenn manche Managementtreibende immer mehr bekommen, und diejenigen, die vor Ort die Arbeit tun, kaum mehr verdienen?

Nun schaue ich aber auch einmal auf unsere Kirchen, also auch auf uns selbst. Wie viel Zeit, Kraft und auch Geld stecken wir alle – Kirchenleitende genau so wie Presbyterinnen und Presbyter, Gemeindeleitungen und Pfarrgemeinderäte – in Strukturreformen? Wie oft drehen wir uns im Kreis und schaffen nur halbherzige Lösungen, weil unter uns immer noch die Maßgabe gilt, größere Einheiten seien zukunftsfähiger als kleinere. Wo kommt aber auch die geistliche Erneuerung in den Blick? Wo bleibt dieser geistliche Blick auf Kirche und Gemeinden, wenn wir nur noch Rückbau planen, nicht aber Neuaufbau?

Mir ist schon klar, dass man einen geistlichen Neuaufbau nicht einfach am Reißbrett planen kann wie ein Haus oder ein anderes Gebäude. Es braucht immer auch, wie z.B. im 6. Kapitel des Epheserbriefes beschrieben, die Zurüstung durch den Heiligen Geist; es braucht die Zurüstung durch Gebet und das Lesen in der Heiligen Schrift. Es braucht vielleicht sogar das ehrliche Bekenntnis und die Einsicht: Wir können es nicht! Oder besser: wir können es nicht mehr! Haben es irgendwie scheinbar verlernt. Es ist soweit in den Hintergrund getreten. Wir müssen noch einmal mit Gott ganz neu anfangen!

Lebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wäre das – wäre solch eine Einsicht und solch ein ehrliches Bekennen – nicht auch die Voraussetzung für einen Neuanfang und Neuaufbau? Wäre es nicht gut, einmal zu bekennen: Lieber Gott! Wir sind müde geworden. Wir sehen es doch selbst, unsere Gottesdiense sind schlecht besucht. Wir reißen niemanden vom Hocker! Wir reden von deiner Freundlichkeit, aber wie oft strahlen wir sie einfach nicht aus! Wir erfahren als Kirche und Gemeinde bei vielen Menschen mittlerweile Ablehnung und Kälte; da sind viele, die wollen von uns gar nichts mehr wissen. Vielleicht noch von dir, guter Gott, aber nicht mehr von uns! Manchmal wissen wir gar nicht mehr wirklich, was uns noch zusammenhält oder neu zusammenführt!

Wäre nicht solch eine selbstkritische Betrachtung, wäre das Zulassen solch einmal wieder auf uns selbst schauender Fragen in unserer zur so festen und erstarrten Institution Kirche nicht an der Zeit? Wäre es nicht besser, so offen an die zu verändernden Situationen heranzugehen, als Meisterinnen und Meister des Herumlavierens und der faulen Kompromisse zu werden? Nach außen wollen wir gerne noch stark erscheinen, aber unsere innere Schwäche verdrängen wir meisterhaft! Aber sollten gute Hirten einer Herde nicht auch die leider wohl nur begrenzte Kraft einer „Herz-Lungen-Maschine stabiler Kirchensteuereinnahmen“ zugeben? Kirche, bekenne doch auch einmal ehrlich deine Schwäche und beginne damit, Gott neu zu suchen! Tu’ es bald!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Merken wir, wie schnell die heftige Kritik Ezechiels auch auf uns selbst zurückfällt, uns trifft und auch zu uns gesprochen ist? Gott sei es gedankt, ist das alles aber nur die eine Seite der Botschaft des mutigen Propheten. Da sind nämlich auch noch die Verse 11-16 aus unserem Predigttext. Drei Verse zitiere ich noch einmal:

Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. (V.11)

Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. (V.13)

Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. (V.16)

Gott redet durch Ezechiel. Er lässt ihn Tröstliches und Hoffnungsvolles sagen. Es gibt eine Zukunft! Für die aus der Heimat Vertriebenen, für die Ausgebeuteten, für alle im Stich Gelassenen gibt es eine Zukunft des Friedens! Diese Zukunft beginnt – so Ezechiel – eben gerade nicht damit, dass sich da irgend jemand aufrafft, gerechte Verhältnisse schafft und meint, es besser als die früher Regierenden zu machen. Wie so etwas meist endet, haben wir oft genug aus der Geschichte erfahren. Nein!

Neuanfang geschieht einzig und allein als Tat Gottes! Gott selbst lässt es Ezechiel so deutlich wie möglich aussprechen, wenn er sagt: Siehe, ich will mich meiner Herde selbstannehmen und sie suchen. (V.11) Neuanfang beginnt, um es einmal bildlich zu schreiben, also „ganz oben“. Für Gott selbst steht eines nämlich fest: Für die neue Zukunft in einem neuen Frieden und in einer neuen Gestalt braucht es mehr als ein ausgefeiltes und wortreiches Programm mit neuen Slogans, es braucht mehr als ein paar neue Überzeugungstäterinnen und Überzeugungstäter!

So kam es ja dann schließlich auch. Gott selbst führte sein Volk heraus aus der Gefangenschaft und neu und auch anders in die alte Heimat zurück!

Der Neuanfang beginnt also offenbar ganz oben: Das sollen wir bejahen – gerade auch in den Fragen der Erneuerung von Kirche und Gemeinde!  Genau weil das so ist – und ja auch schon einmal beim alten Volk Israel so geschehen ist –, sollten wir doch auch so mutig sein, die eigene Verzweiflung du Hilflosigkeit zu bekennen, um dann eben auch „ganz oben“, also bei Gott selbst, nachfragen, Hilfe suchen, neu zu beten lernen. Vielleicht müssen wir es deshalb sogar neu lernen, eigene Pläne und Ideen einmal zurückzustellen, um genauer hinzuhören, was Gott uns sagen will. Vielleicht müssen wir unsere Augen und Herzen wieder einmal neu ganz weit aufmachen, um wieder neu sehen zu lernen, was Gott uns vielleicht schon zeigt und als Weg vorgibt. Manchmal müssen wir es dann vielleicht sogar auch gegen jede scheinbare Vernunft und gegen alle  Finanz- und Strukturpläne tun, auch wenn es verrückt klingt!

Wir müssen, dürfen und sollen uns auf unseren Glauben neu besinnen, in dem wir das Vertrauen wieder wachsen lassen, uns alle auf den zu besinnen, der doch schon einen grundlegenden Neuanfang für uns alle und mit uns allen gemacht hat. Dieser Neuanfang ist – wir haben ihn erst vor kurzem, wenn auch in diesem Jahr schon wieder in sehr bescheidenem Rahmen, gefeiert – an Ostern für die ganze Welt geschehen. Es ist Jesus Christus selbst, der Auferstandene! Er hat von sich selbst gesagt: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte lässt sein Leben für die Schafe!“ (Joh 10,11)

Schauen wir deshalb auf diesen guten Hirten. Er ist nicht deshalb so besonders, weil er besondere irdische Macht hat. Er übertrifft alle Regierenden dieser Welt auch nicht einfach durch senb vorbildliches Handeln. Jesus hat nie einer Riege von Ministerinnen und Ministern vorgestanden, musste nie Bund-Länder-Konferenzen leiten. Er hat nie einer Steuerbehörde vorgestanden oder eine funktionierende Verwaltung um sich gehabt. Nein, das alles nicht! Aber dieser gute Hirte hat uns Menschen Gottes Handeln, hat uns Gottes Regieren in dieser Welt sichtbar und für uns spürbar gemacht. Das machte ihn besonders. Er hat uns darin vergewissert: Gott selbst sucht und erlöst sein Volk! Gott selbst errettet uns Menschen aus unseren Sünden, hat auch uns als sein Volk erlöst. Gerade deshalb hat Jesus immer auch diejenigen berufen, die scheinbar diese Verbindung zu Gott verloren hatten. Genau auf diesem Weg der Gerechtigkeit Gottes in dieser und für diese Welt ist der gute Hirte, ist Jesus selbst, geradezu unter die Räder gekommen. Die gerechten und Selbstgerechten dieser Welt konnten nämlich genau diesen barmherzigen Jesus nicht ertragen! Jesus hat aufgelöst, was ihnen, den Selbstgerechten, bis dahin scheinbar heilig war. Deshalb bricht Jesus geltende Gesetze und übertritt sie. Er sagte auch deutlich, warum er dies so tat. Aus seiner Verwandtschaft mit dem Gott, der diesen Weg in der Welt durch ihn für uns Menschen bahnt, machte er keinen Hehl, als er gefragt wurde, wer er denn sei. Solche Vorwürfe brachten ihn ans Kreuz. Der gute Hirte starb daran für seine Schafe. Eben nicht einfach nur, weil er die „Verlorengegangenen“ suchte oder die „Versprengten“ zurückbringen wollte. Nein! Jesus selbst stirbt nach Gottes Willen. Durch seinen Tod und durch seine Auferstehung öffnet er dann aber geradezu die Tür für die Verlorenen aller Länder und Völker ganz weit. Er selbst öffnet am Kreuz und durch seine Auferstehung die Tür zu Gott neu, zu einem neuen Leben im Frieden mit Gott, auch zur Heilung für Leib und Seele.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ist es nicht genau das, was auch und gerade die Aufgabe von Kirche und Gemeinden ist? Wir sind doch durch alles, was wir sagen, tun und handelnd bezeugen, dazu da, Gottes Regieren in dieser Welt durch die frohe Botschaft von Jesus Christus anzukündigen und weiterzusagen. Wir sind dazu gerufen, schon heute in und aus dieser guten Nachricht heraus zu leben und das Leben für viele zu gestalten! Gott sucht unablässig und erlöst unablässig durch seinen Sohn Jesus Christus!

Das ist der Weg, auf dem wir gehen sollen. Es ist der gleiche Weg, auf dem vor langer Zeit schon das alte Volk Israel schon ging und auf dem wir wohl auch noch ein gutes Stück vor uns haben. Und genau so wie er dem alten Volk Israel schon damals durch den Propheten Ezechiel ins Gewissen redete, muss er es wohl ab und zu auch bei uns tun! Und wir? – Wir haben zu hören und weiterzugehen! Mit Gott! In eine gute Zukunft, die er für uns bereithält! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet:
Lebendiger Gott, guter Vater!

Du hast uns Menschen deine Liebe gezeigt!

In deinem Sohn, in Jesus Christus, unserem guten Hirten!

Wenn dein Jesus Christus uns Bruder geworden ist,

warum fällt es uns so schwer,

auch uns alle als Schwestern und Brüder anzunehmen!

Herr, schau’ auf uns alle, denn wir vertrauen dir und bitten dich:

 

Wir bitten dich für die Zaghaften und Kleinmütigen unter uns,

die es nicht wagen,

ihren eigenen Gefühlen und Ideen zu trauen.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie überall!

 

Wir bitten für die Mächtigen und alle diejenigen,

denen Geld oder Machtstreben

den Blick auf die Mitmenschen verstellen.

Schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie immer noch!

 

Wir bitten für die Traurigen und die Resigierenden,

die ihren Lebenssinn verloren haben.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind so viele!

 

Wir bitten für die Suchenden und für alle Idealisten,

die so ungeduldig werden

und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben können

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es werden mehr!

 

Wir bitten für die Kranken und Leidenden,

für all die, die sich ihrer Grenzen und ihrer Ohnmacht bewusst werden.

Herr schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind zu viele!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Versen aus Psalm 116 in meinen Worten:

Es tut so gut, darauf vertrauen zu können,

dass Gott hört, wie ich zu ihm rufe,

er hört mein Weinen und Klagen!

Er kommt mir ganz nahe,

damit keines meiner Wort ungehört bei ihm verhallt!

Das möchte ich mir mein Leben lang bewahren!

Manchmal da schnürt mir die Angst die Kehle zu.

Ja, ich habe in diesen Tagen auch in meinem Leben

auch an den Tod denken müssen!

Das hat mich erschreckt! Tief erschreckt!

Aber du, guter Gott, schaust auf mich mit all deiner Gnade.

Ich weiß auch du verteilst deine Gnade gerecht,

und sie reicht für alle!

Mit all deiner Barmherzigkeit,

die so gut tut, bist du bei uns!

Die Schwachen brauchen dich gerade sehr.

Alle die, die nicht für sich selbst sprechen können!

Du bist dort. Und das ist gut!

Aber du bist auch bei mir, denn auch in bin so oft schwach.

Und auch mir hilfst du!

Deshalb finde ich ganz tief in mir nun auch meine Ruhe wieder!

Und das tut gut! Du tust mir Gutes!

Die düsteren Gedanken hast du vertrieben.

Ich vertraue wieder dir und mir.

Meine Tränen wische ich ab.

Und ich stehe wieder fest!

Ja, ich werde wieder neu gehen können!

Sehr aufmerksam!

Und ich werde wieder von dir erzählen!

Und dann werde ich auch eines Tages wieder feiern,

vor dir und mit vielen anderen.

Wir werden singen, beten und dein Wort hören!

Und wir werden dir danken!

Von ganzem Herzen!

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Es gibt viele Menschen, die glauben.

Und sie sagen:

Mit Ostern hat das Leben wieder neu begonnen

Und es wird anders werden, ganz anders!

Es wird gut werden!

Da sind aber auch die anderen;

die, die gerade sagen:

Ich glaube nur, was ich sehe!

gerade in diesen Tagen!

Und das, was ich sehe, es spricht alles dagegen!

Vieles wird nie wieder gut!

Herr beides bringen wir heute

auch in unsrem Gebet vor dich!

Unseren ganzen Optimismus,

der uns manchmal dazu verleitet,

unsere Aufmerksamkeit und Vorsicht zu verlieren

und sich in unserer Ungeduld seine Bahn bricht!

Aber auch unsere ganze Verzagtheit und Mutlosigkeit;

beides wirkt so lähmend

beides will uns daran hindern,

mit dir nach vorn zu schauen!

Schau auf uns, Herr,

und wandle uns in deiner Liebe!

Ermutige uns!

 

Mache uns getrost und gewiss,

dass wir wieder daran denken

und es uns als einen festen Glauben bewahren:

Du, guter Gott, gibst uns niemals auf!

Es galt zu allen Zeiten und es gilt heute und in Zukunft!

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Unsere Hoffnungen kommen und gehen.

Manchmal verkümmern sie.

Manchmal sogar begraben wir all unsere Hoffnungen.

Wir bitten dich, gib uns neue und lebendige Hoffnung,

die uns trägt, gerade in diesen Tagen,

gerade in diesen Zeiten.

Sei du selbst unsere Hoffnung,

mit der wir neu durch das Leben gehen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14:

(Auch Predigttext)

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade eine Geschichte gehört – die Geschichte von Jesu Begegnung mit den Fischern am See in Tiberias -, die eigentlich im Johannesevangelium schon gar nicht mehr drinsteht. Wenn man nämlich genau hinschaut, sich einmal in neutestamentliche Theologie und besonders in das Johannesevangelium vertieft, dann kann man feststellen, wie das Johannesevangelium an sich schon mit dem Kapitel vorher in aller Form abgeschlossen wird.

Da hat Johannes – wie die anderen Evangelisten auch – vom Leiden und der Kreuzigung Jesu erzählt. Es folgen seine Ostergeschichten mit der Auffindung des leeren Grabes und den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena, seinen Jüngern und schließlich auch mit Thomas, dem Zweifler. Dann kommt da schließlich, unmittelbar vor unserer heutigen Evangeliumslesung von der Geschichte am See der eigentliche Schlusssatz des Evangeliums, wenn der Evangelist schreibt: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30f) Deutlicher kann ein Schlusspunkt doch wohl nicht sein.

Aber jetzt folgt noch ein Kapitel mit der Geschichte, über die wir heute nachdenken. Ganz offensichtlich ein Nachtrag. Warum? Warum macht sich der Evangelist damals schon die Mühe, noch eine Geschichte zu erforschen, aufzuschreiben, zu erinnern und eben an sein eigentliches Gesamtwerk anzuhängen?

Eigentlich gibt es wohl nur eine Erklärung: diese Geschichte hängt er an und schreibt sie auf für all diejenigen, die die Ostergeschichten damals zwar schon andächtig gehört, dann aber damals wohl auch schon gesagt haben: So wie das da von Maria Magdalena und den Jüngern und erst recht von dem Thomas erzählt wird, der den Auferstandenen regelrecht zu fassen kriegt, so direkt und eindeutig und zwingend zeigt sich der Auferstandene uns leider nicht. Dabei hat er doch versprochen, bei und in seiner Gemeinde zu bleiben bis an der Welt Ende. Woran kann unsereiner das denn nun merken? Bis heute reden Menschen so. Niemals ist das Sehnen danach, den Auferstandenen leibhaftig zu sehen, um dann vermeintlich besser und zweifelsfreier glauben zu können, verstummt.

Ich denke, genau auf diese Frage gibt diese Nachtragsgeschichte eine Antwort. Ostern wird noch einmal erzählt, als hätte es die Geschichten von den umwerfenden Erscheinungen in Jerusalem gar nicht gegeben. Es ist, als habe alles mit Karfreitag geendet und die Jünger seien in ihren Alltag am See Tiberias zurückgekehrt, den wir auch als See Genezareth kennen. Die Jünger werden mit Menschen in ihren späteren Gemeinden und deshalb auch mit Menschen wie uns auf eine Stufe gestellt. Deshalb diese andere Ostergeschichte vom See in Tiberias.

Wir erinnern uns: Es geht damit los, dass Petrus zu seinem Gefährten sagt: Ich will fischen gehen – er sagt also: ich gehe zur Arbeit. Und die anderen tun das auch. Und natürlich gehört das nur zu gut bekannte unwillige Seufzen dazu, wenn es heißt: ich muss zur Arbeit… Kennen doch einige von uns, oder? Manchmal weiß man nur zu genau, dass die Arbeit oft nicht der Mühe wert zu sein scheint. Und so ist es hier in der Geschichte ja tatsächlich auch: Nach einer mühevollen Nacht beim Fischfang kommen sie in der Frühe todmüde zurück – mit leeren Netzen. Nichts gefangen. Und damit stehen sie für alle, die von der Arbeit oder vielleicht auch aus der Schule kommen mit dem Gefühl: Es hat heute mal wieder nichts gebracht! Manchmal habe ich solch ein Gefühl sogar bei der Hausarbeit. – Obwohl, während ich das schreibe, fühlen es wohl manche gerade ganz anders. Homeoffice und Homeschooling – das Arbeiten und das Lernen von zu Hause aus – haben die Prioritäten vielleicht verschoben, lassen aber bei manchen vielleicht auch schon wieder das Sehnen nach dem scheinbar Vergangenem, wachsen. Wie kläglich war das Seufzen, aber wie schön war es auch, unbeschwert zur Arbeit oder in die Schule gehen zu können!

Genau jedoch in diese Stimmung des Alltäglichen tritt in unserer Geschichte Jesus, wieder erst einmal in der Gestalt eines Fremden ein. Das war bei Maria aus Magdala damals am Grab nicht anders. Die sah ja zunächst den Friedhofsgärtner in ihm. Oder denken wir an die Jünger auf dem Wege nach Emmaus. Der Auferstandene begegnet ihnen unerkannt. Nicht an seiner Gestalt wird er erkannt, sondern an dem, was er sagt und in Gang setzt. Erkannt wird er, als er das Brot bricht.

Hier beginnt der noch fremd erscheinende Jesus mit einer Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ (V. 5) Er fragt geradezu väterlich, möchte nicht mehr fremd sein. Jesus sucht den Kontakt zu seinen Jüngern. Die Jünger aber müssen passen, sie haben ja nichts gefangen. Bei der im Orient selbstverständlichen Gastfreundschaft muss ihnen das besonders peinlich gewesen sein. Allein schon deshalb muss Jesus jetzt geradezu aktiv werden. Menschen in eine peinliche Lage zu bringen, das hat er nämlich niemals getan.

„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden, rät er ihnen. Auf deutsch: Kommt, versucht es noch einmal! Auch wenn ihr denkt: der hat gut reden. Als hätten wir nicht schon alles versucht – natürlich nicht nur links, sondern auch rechts!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Was wären wir ohne die Menschen –  Ehepartnerinnen und -partner, Kolleginnen  und Kollegen, gute Freundinnen und Freunde -, ohne die Menschen, die uns gut zureden, den Kopf nicht hängen zu lassen, die uns sagen: Komm, du schaffst das. Ich weiß doch, was du kannst. Menschen, die uns nicht festlegen auf unsere Misserfolge, die uns etwas zutrauen, uns Mut machen und uns auf neue Ideen bringen. Menschen, die uns gegen all unsere Angst, gegen all unsere Resignation auch wieder Mut zusprechen. Menschen, die geradezu – wie hier der Auferstandene – mit der aufgehenden Sonne am Ufer unseres Lebens stehen. In ihnen begegnet uns der Auferstandene – also in denen, die uns wieder an die Arbeit schicken, die uns wieder ins Leben schicken, die uns wieder ermutigen und neu aufrichten. So irdisch, so alltäglich, so menschlich kann Ostern sich auswirken! Und wie wichtig sind gerade in diesen Tagen solche Menschen für uns alle! Wie wichtig ist es sogar, wenn wir vielleicht selbst solche Menschen für andere sein können!

Die Jünger fahren also wieder los. Und natürlich passiert das, was Jesus für sie ja wollte; sie kommen mit übervollen Netzen zurück. Ich schaue damit auch noch einmal auf uns. Denn das kennen wir doch auch: Ja, das gibt es! Ja, das kommt vor, dass mitten im normalen Trott unsere Arbeit überreich gesegnet wird – wenn man eben nicht ausgelaugt, sondern wirklich erfüllt nach Hause kommt im Triumph über eine gute Arbeit; mit der Genugtuung, heute habe ich wirklich etwas bewegt, ich habe etwas weitergebracht. Vielleicht sogar: ich habe mich weitergebracht. Die Arbeit macht Spaß, und ich freu mich schon auf den nächsten Tag. Oder mir wird vielleicht sogar in diesen schwierigen Tagen mal wieder klar: Was für ein Segen, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein kann, ja dass ich sogar zu Hause mit und nach meiner Arbeit Geborgenheit und eine Atmosphäre schaffen kann, in der sich die Menschen, die ich liebe und mit denen ich lebe, wohlfühlen können.

Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen solche Segenstage. Tage, an denen wir erkennen, wie wunderbar das Leben sein kann und wie wunderbar es ist, von diesem Gefühl weitergeben zu können. Ich wünsche es uns gerade auch in dieser Zeit!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich wünsche uns sogar noch etwas. Nämlich dieses Gefühl auch oft zu spüren, wie gut ist es, an solchen Segenstagen einen Menschen wie den Johannes im Boot des eigenen Lebens zu haben – einen Menschen, der uns die Augen öffnet für das, was hinter dem steht, was man so obenhin als Glück, Glückssträhne oder Gutgehen bezeichnet. Jemanden, der immer auch tiefer sieht und der es eben auch weitersagt: „Es ist der Herr.“ (V. 7)  Wer Grund hat, von Glück und Segen zu reden – oder vielleicht sogar zu singen, wie ich es manchmal bis zum März des vergangenen Jahres, aber hoffentlich bald auch wieder in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres 2021 an verschiedenen Orten tun darf –, der hat es, ob er es weiß oder nicht, mit nichts Geringerem als mit Ostern und mit der Lebensäußerung des Auferstandenen zu tun.

Ich glaube – gestattet mir, liebe Freundinnen und Freunde, die ihr mich kennt und von meiner Leidenschaft wisst, diesen eingeschobenen Gedanken – genau deshalb ziehe ich umher und singe und erzähle ich. Und tue es sehr gern!

Auf Petrus – damit sind wir wieder bei der Geschichte am See –, der bisher gar nichts davon mitbekommen hat, wirkt diese Entdeckung wie elektrisierend. Ohne lange nachzudenken, wirft er sich ins Wasser, um möglichst schnell an Land und zu Jesus zu kommen.

Und hier begegnet uns das, woran ich schon in vielen Predigten erinnert habe: Die beiden Menschentypen, die uns hier vor Augen geführt werden, die kennen wir doch gut: wir kennen den Stillen, den Tieferblickenden, den Meditativen auf der einen Seite. Wir kennen aber auch den Impulsiven auf der anderen Seite, den, dem es oft nicht schnell genug gehen kann; den, der voller Ungeduld Hals über Kopf einfach losprescht. Und lebt eine Gemeinde – bei uns in Winzenheim und natürlich auch überall – nicht geradezu davon, dass beide dieser Typen in einem Boot sitzen? Sind diese Typen wirklich so gegensätzlich, dass man sie nur zu leicht gegeneinander ausspielen kann und meint, man könne sich nur für den einen oder den anderen entscheiden?

Ich glaube das nicht. Es geht hier um mehr. Es geht bei diesem zunächst als Gegensatz Erscheinenden doch eher um die Spannung zwischen Kontemplation und Aktion. Jedes Presbyterium kennt doch z.B. diese Frage: Wo soll in unserer Gemeindearbeit der Schwerpunkt gesetzt werden? Liegt der Schwerpunkt in der Sammlung um Gottes Wort, im Gebet, im Gottesdienst oder in den vielen möglichen Aktivitäten, die den Willen Jesu im Alltag der Welt umsetzen? Und welchen Schwerpunkt werden wir so neu gewichten, dass er uns in eine gute Zukunft trägt?

Genau diese Spannung – liebe Schwestern und Brüder –  war von Anfang da in der christlichen Gemeinde. Sie gehört dazu wie die Männer und Frauen, die den Unterschied zwischen Johannes und Petrus bis heute verkörpern. Alles hängt daran, dass keiner dem anderen die Nähe zum Auferstandenen streitig macht. Der auferstandene Jesus, der Christus – er trifft keine Entscheidung zwischen ihnen; er äußert sich nicht zu der Frage, wo denn wohl die größere christliche Substanz ist. Er lädt sie beide zusammen mit all den verschiedenen Menschen zwischen diesen beiden Typen zum gemeinsamen Mahl. Die Unterschiede und Gegensätze im Glauben – sie wurden und werden uns wohl auch in Zukunft nicht erspart. Aber das andere bleibt eben auch: bei allem Streit, bei all unseren Verschiedenheiten bleiben wir Gemeinde des Auferstandenen; wir bleiben es, solange wir uns an seinen Tisch bitten lassen und seiner Einladung dann auch folgen. Zumindest dann, wenn wir uns auch wieder als sichtbare Gemeinschaft von Geschwistern rund um diesen Tisch versammeln dürfen. Selbst jetzt, wo es gerade nicht so ist, bleiben wir, wenn auch vielleicht anders und niemals gedacht, als Gemeinschaft vor Gott verbunden! Denn es war, es ist und es bleibt sein Wille!

Wir sind in seinem Geist zusammen, feiern das Leben, genießen die Gemeinschaft untereinander, auch und gerade in der momentanen Zerstreuung! Wo immer wir auch gerade sind, der Auferstandene will und wird uns nahe bleiben! Er tritt mitten unter uns, schickt uns immer wieder neu auf unseren Weg. Er geht ihn sogar mit. Also: auf geht’s! Denn der Weg ist noch weit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet:

Wir beten!

Herr! Guter Gott und Vater!

Wir danken dir für alle Menschen,

die du in deinen Dienst nimmst.

Gerade auch in diesen Tagen!

Sie tun es auf so viele verschiedene Weisen!

Für einige ist es ihr Dienst,

andere tun es freiwillig.

Wir danken dir für alle Menschen,

die du auch in diesen Tagen zu den Menschen sendest!

 

Deine Gemeinde lebt.

Auch wenn wir uns vielleicht nicht sehen können,

aber wir dürfen es spüren! Danke!

Viel Kraft ist nötig, Herr,

um diese Zeit zu bestehen.

Und noch mehr Kraft wird nötig sein,

um diese Zeit zu überwinden.

 

Da warten so viele Aufgaben,

vieles müssen wir neu denken und neu leben!

Wir wollen vertrauen, Herr!

Auf dich und auf die Kräfte,

die du auch wieder in uns wecken wirst

Rüste uns aus mit allem, was wir brauchen,

um mit dir neu leben zu können!

Denn du bist das neue Leben für uns.

Es hat begonnen! Schon heute! Schon in uns!

Du schenkst uns alles!

Und deine Liebe trägt uns weit!

 

Guter Gott, wir bitten dich!

Schau auf unsere Gemeinden!

Zeige du uns den Weg,

den wir vielleicht bald wieder gehen können!

Aber es soll dein Weg sein!

Nicht ein Weg, der auf unserer Ungeduld gebaut ist.

Nicht ein Weg, auf dem wir uns selbst mehr sehen als dich!

Wir wollen dich vor Augen haben!

Denn du führst und leitest uns!

Nicht uns, sondern dich haben wir vor Augen!

 

Wir wollen nicht darüber streiten,

welche Wege zu dir und in die Gemeinschaft mir dir

führen! Und wie schnell das sein muss!

Lass uns auf die Nöte und Bedenken genau so hören

wie auf die schöpferische Ideen,

die neue Möglichkeiten zeigen.

Lass uns aneinander interessiert bleiben!

Gib, dass wir uns respektieren!

Gib, dass wir uns nicht fremd werden,

in dem, was wir tun und sagen!

Stärke in uns das Vertrauen,

dass wir einander brauchen!

Du vertraust uns, Herr!

So lass uns auch ganz auf dich vertrauen!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostermontag, 05. 04. 2021

Wochenspruch: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar

 und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Wir hätten allen Grund zum Jubeln, guter Gott!

Deine Auferstehung hätten wir zu preisen.

Aber weißt du, guter Gott,

wie schwer uns das in diesen Tagen manchmal fällt?

Statt Freude, dass du lebst,

ist da die Sorge, wie das alles noch werden wird!

Statt Mut zum Leben, weil du den Tod besiegt hast,

schauen wir angstvoll auf Zahlen und wissen nicht,

wie wir unser Morgen planen sollen!

Wir können es gar nicht!

Statt Vertrauen auf deine Auferstehung

werden wir von Zweifeln geschüttelt.

Wir sind so kleingläubig!

Weißt du das alles, Herr und Gott?

Komm, Herr, erbarme dich unser

und höre, wie wir in der Stille zu dir beten.

 

– Kurze Stille zum persönlichen Gebet –

 

Ja, natürlich weißt du es!

Und du vertraust darauf,

dass wir neuen Mut in dir und deiner Auferstehung

in deinem Sohn Jesus Christus finden.

Du willst uns deine Liebe neu spüren lassen,

gerade auch in diesen Tagen.

Du willst auch, dass wir sie wieder zu anderen Menschen tragen.

Dazu ist dein Sohn Jesus Christus in die Welt gekommen;

der auferstandene Christus, der zu uns allen spricht:

Nicht ihr habt mich erwählt,

sondern ich habe euch erwählt und gesetzt,

daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Ja, Jesus, in deiner Gegenwart leben wir.

Du bist die Kraft unseres Lebens

und du wirst auch einmal unsere Kraft im Sterben.

Denn wir leben und wir sterben mit dir.

In dir sind wir allezeit geborgen,

du erfüllst unsere Seelen mit der Kraft deines Lebens.

Weil du lebst, leben auch wir.

Wir bitten dich, sei bei uns, in uns und um uns.

Das bitten wird dich,

deinen Vater und den heiligen Geist.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, Verse 13 – 35

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus.

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Buch der Offenbarung, Kap. 21, Verse 6-14  

(auch Predigttext)

6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.

7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.

8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen,

9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen

10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.

11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend;

12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.

13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!

14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das, was ich zum Lesegottesdienst am Ostersonntag zum Predigttext schrieb, gilt hier ganz genauso. Mein Ärger darüber, wer so etwas aussucht, ist wieder da und auch mein Ärger darüber, das ich das einfach schon wieder mitmache. Genau wie ich am Ostersonntag die Geschichte von der Auferstehung als Predigttext erwarte und nicht die Erzählung von der Rettung am Schilfmeer, erwarte ich auch am Ostermontag natürlich eine Geschichte aus dem Evangelium, das in mir die Erinnerung wachhält, was denn direkt nach Ostern geschah, wie Jesus z.B. seinen Freunden begegnet oder wie er auf dem Weg nach Emmaus mit den Freunden sogar mitgeht.  Aber dann kommt so etwas Unverständliches wie heute als Epistellesung und Predigttext aus dem Buch der Offenbarung. Wie gesagt, mein Ärger darüber ist genau so wieder da! Aber ich lasse es jetzt lieber, sonst rege ich mich ja nur unnötig auf!

Was finde ich Österliches in diesem kleinen Teil eines weitgehend mysteriösem und unverständlichem Buch der Bibel? Nun, es ist natürlich das Bild des Lammes, das geschlachtet wird. Es ist ja ein sehr gebräuchliches Bild für Jesus, der für uns ans Kreuz gegangen ist und dort den Tod überwunden hat. „Das Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder … es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank“ – Kirchenlieder (eg 83), die mir unglaublich schwerfallen zu singen, weiden dieses Bild genüsslich aus. Viele Maler haben es gemalt, van Eyck sogar als Lamm, das ausblutet.

Ja, Jesus Christus als Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt, so habe wohl nicht nur ich es als Kind schon gelernt. Und eines weiß ich von mir eben auch seit Kindertagen. Lämmer mag ich, geschlachtete Lämmer nicht! Und so ist mir auch dieses Bild für Jesus niemals wirklich nahegekommen, als Kind nicht und auch heute als Erwachsenem nicht. Wie geht es Euch eigentlich damit, liebe Schwestern und Brüder?

Heute weiß ich, ich brauche dieses Bild für meinen Glauben gar nicht. Ja, wenn ich für mich selbst Kreuz und Auferstehung  beschreiben müsste, dann kann ich es eher mit einem Wort beschreiben. Und dieses Wort wäre „Dankbarkeit“. Ich bin dankbar dafür, dass Jesus ans Kreuz gegangen ist – für uns Menschen, also auch für mich. Ich bin dankbar dafür, dass er auferstanden ist – damit wir Menschen neu leben können, also auch ich. Ich bin dankbar dafür, dass Gott so sehr lieben kann – uns Menschen, also auch mich! Ja, für all das bin ich dankbar. Genau aus dieser Dankbarkeit schaue ich eben auf das Kreuz und auf die Auferstehung Jesu, ohne mir das in Bildern ausmalen zu müssen. Kreuz und Auferstehung kann ich letztlich nur im Glauben verstehen und annehmen. Vorstellen kann und mag ich mir das eigentlich nicht! Denn vieles bliebe dann doch auch unverständlich, vielleicht sogar missverständlich.

Ich weiß aus vielen Gesprächen, z.B. mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass junge Menschen manchmal ihr eigenes „Ja“ zu Gott und dem Glauben davon abhängig machen, ob sie genau für Kreuz und Auferstehung eine schlüssige Erklärung bekommen. Die gibt es aber nicht! Aber genau in solchen Gesprächen geschieht oft etwas Wunderbares. Aus ihren Antworten und Erklärungsversuchen höre ich sehr oft, dass sie das Geschehen der Kar- und Osterwoche zwar nicht richtig erklären können, aber dass sie doch immer auch noch Möglichkeiten suchen, dass sie auch für sie einfach wahr sein kann. Ist nicht dieses Suchen nach Antworten immer auch ein Suchen nach Gott? Ist nicht dieses Suchen nach Antworten immer auch schon der Anfang oder besser: das Weitersuchen von Glauben? Einem Glauben, der ein ganz persönlicher Glaube werden soll. Ein Glauben, zu dem ein junger Mensch „Ja“ sagen kann. Ein Glauben an einen Gott, der einem nahe ist und der im Leben mitgeht. Ja, all das höre und finde ich in solchen Gesprächen mit jungen Menschen. In solchen Momenten hat dann wohl niemand von den „Konfi’s“ eine Ahnung, dass ich auch immer dann ein Lernender und oft in solchen Momenten Beschenkter bin.

Aus solch einem Glauben, der immer auch ein suchender Glaube ist und bleibt, kann ich nämlich gut leben. Alles wächst und kommt aus dem Glauben, dass Gott da ist, mich begleitet und niemals allein lässt. Das ist österlicher Glaube. Gott ist da, geht mit, ich bin niemals mehr allein! So haben es die Frauen am Grab erfahren, so haben sie es den Freunden Jesu weitergesagt. So hat sich diese gute Nachricht auf der ganzen erde verbreitet. Das Bild des Lammes kommt darin meist gar nicht mehr vor. Muss es auch nicht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Und da ist noch das andere in unserem so unverständlichen Predigttext aus dem Buch der Offenbarung, das aus der Quelle von Ostern entspringt. Da heißt es fast am Schluss:

„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (V.13)

Ich übersetze es einfach einmal für mich etwas einfacher und freier:

Gott und seinem Sohn Jesus Christus gilt mein Lob und meine Ehre in Ewigkeit!

Das wären für mich Worte des Dankes, mit denen ich Kreuz und Auferstehung gut und ausreichend beschrieben hätte. Kreuz und Auferstehung als Grund, in meinem und durch mein Leben Gott zu loben und zu danken.

Ich möchte mir immer neu bewusst machen, dass Gott in mir lebt und auch durch mich handeln möchte. Ich möchte mir immer wieder neu bewusst machen, dass ich dabei natürlich auch Fehler mache und mich sogar versündige. Aber genau so bewusst ist mir, dass Gott vergibt, einen Neuanfang mit mir macht und niemals von mir lässt. Das ist kein Freibrief, in meinem Leben zu tun und lassen, was ich will. Nein, es ist Ansporn immer auch selbst danach zu fragen, ob ich noch auf dem Weg bin, auf den Gott mich gestellt hat und ob ich ihn, Gott selbst, auch in meinem Gegenüber erkenne.

Zugegeben, heute hat mich der Predigttext aus dem Buch der Offenbarung nicht wirklich „vom Hocker gehauen“. Aber zumindest hat er mir dazu verholfen, wieder einmal über meinen eigenen Glauben nachzudenken. Darüber nachzudenken, was mich trägt und prägt. Ich glaube, das ist manchmal nötig und gut.

Und nun frage ich Euch, liebe Schwestern und Brüder. Welche Bedeutung haben eigentlich Kreuz und Auferstehung für Euch? Wie könntet Ihr das, was da vor langer Zeit geschehen ist, ganz kurz für Euch selbst ausreichen beschreiben? Vielleicht gibt der heutige Ostermontag ja auch ein klein wenig Raum dafür, einmal nicht immer nur über die augenblickliche Situation oder über all das, was gerade nicht möglich ist, nachzudenken. Vielleicht nutzen wir einmal die Zeit darüber nachzudenken, an welchen Gott wir glauben, um dann auch wieder neu zu entdecken, wie gut er es mit uns meint und wie nahe er uns gerade auch in schwierigen Zeiten ist! Vielleicht, nein bestimmt stimmt uns das dann auch österlich und fröhlich!

Einen Versuch wäre bestimmt lohnenswert! Euch allen frohe Ostern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Lebendiger Jesus, Herr und Bruder!

Schenke uns die Kraft deines Lebens,

dass wir von der Fülle des Lebens hier schon kosten können.

Auch heute schon, auch in diesen Tagen!

Stärke alle engagierten Menschen,

die sich im Moment voll und ganz einsetzen,

anderen Leben in Fülle zu ermöglichen.

Jesus, wir denken an die Menschen,

denen die gerade jede Lebensfreude verloren haben.

In unserer Hilflosigkeit,

in all unseren eingeschränkten Möglichkeiten

bitten wir dich

dass du sie nicht übersiehst und ihnen nahe bist.

Viele von uns können das nämlich gerade nicht,

geliebten Menschen nahe sein!

 

Wir denken an die Menschen,

die in unseren Familien das Leben lernen,

an unsere Kinder.

Gib, dass wir ihnen in diesen Tagen

lohnende Vorbilder deiner Liebe sein können.

 

Wir denken auch an die Menschen,

die vielleicht in unseren Familien

und überall im Sterben liegen.

Sei du ihnen Licht der Ewigkeit,

so dass sie auch im Sterben in dir Trost finden,

denn wir dürfen ihnen vielleicht gerade

mit unserem Trost nicht nahe sein!

 

Setze du dich Herrn, zu denen,

die sich in Finsternis glauben,

zu all denen, die nun um ihre Arbeit und Existenz fürchten,

zu all denen, die nun wohnungslos, aber nicht würdelos

Orte suchen, an denen sie diese schwere Zeit überstehen!

Erhelle ihnen ihre Finsternis,

sei du ihnen Licht des Lebens, lebendiges Osterlicht.

Und sei es auch für uns!

Wir alle sind in deiner Hand, du hältst uns geborgen.

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

Höre nun, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Zeit für Stille und zum persönlichen Gebet –

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Gottesdienst am Ostermontag abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Botinnen und Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostermontag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

 Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostersonntag, 04. 04. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

 Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn du dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Herr Jesus, lebendiger Christus!

Du bist auferstanden, du hast die Macht des Todes besiegt.

Aber er wütet gerade um uns herum; zeigt sich so stark!

Du hast dem Tode alle Macht genommen.

So beten wir es!

Aber er ist so mächtig in diesen Tagen!

Sieh in unsere Herzen,

schau auf unsere Verzagtheit und unseren Kleinglauben.

All unsere Sorgen und Ängste,

all unsere Unruhe und Traurigkeit

– all das ist dir nicht verborgen!

Lass uns doch deine Barmherzigkeit spüren;

lass uns das neue Leben spüren,

Mach uns stark, mach uns neu, Herr, gib uns Mut!

Lass auch uns geistlich auferstehen,

schon heute!

In der Stille bekennen wir dir,

was als Last auf unserer Seele liegt

und bitten dich um dein Erbarmen!

 

– Raum für persönliche Stille –

 

Guter Gott, wir durften ablegen, was uns belastet!

So lass uns jetzt neu hören,

was die Menschen verkündeten,

als sie das offene Grab begriffen,

als sie verstanden haben,

dass dein Sohn Jesus Christus

für uns gestorben und auferstanden ist,

um uns all unsere Schuld zu nehmen,

um mit uns neu ins Leben zu gehen:

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Und deshalb, guter Gott, werden wir nicht

an der Macht des Todes verzweifeln!

Niemals!

Du lässt es Ostern werden in uns!

Lass dein österliches Licht auch in uns

und auch durch uns für andere scheinen!

Wir vertrauen darauf,

dass du uns neue Kraft und neuen Mut schenkst!

Du machst uns darin gewiss,

dass wir den Schrecken dieser Tage besiegen

und die Freude auf das Leben neu entdecken.

Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Osterevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kap. 16, Verse 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem 2.Buch Mose, Kap 14,8–14.19–23.28–30a; Kap. 15,20f

(auch Predigttext)

8 Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen.

9 Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten.

10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN

11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?

12 Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

13 Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen.

14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie

20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.

22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb.

29 Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.

21 Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

Amen.

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und von Jesus Christus seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ostern habe ich schon immer als so etwas wie Befreiung empfunden. Die Passionszeit ist vorbei. Vorbei die traurigen Gesänge in unseren Kirchen mit den zum Teil nur schwer zu ertragenden Texten. In diesem Jahr haben wir allerdings die wenigsten davon gehört bzw. selbst singen dürfen. An vielen Orten fanden ja keine oder nur sehr wenige Gottesdienste statt – und wenn, dann unter strengen und stumm machenden Auflagen.

Vorbei auch die Fastenzeit, die ich diesmal eingehalten habe, da ich ja sowieso die meiste Zeit zu Hause sitzen musste und die verführerischen Ablenkungen durch Restaurants, Kneipen und Eisdielen ja doch nur sehr vereinzelt anders bis gar nicht möglich waren. Alles eine sehr eigenartige Zeit, bei der ich manchmal – wie wohl andere auch – immer noch irgendwie hoffe, ich wache bald auf, und es war alles nur ein böser Traum! Aber leider – es ist wohl Realität!

Wir feiern in unserer Gemeinde an den Feiertagen – und das nach reiflicher Überlegung und Abwägung – wieder keine präsenten Gottesdienste wie schon im vergangenen Jahr auch nicht. Das tut weh! Richtig weh!

Und doch! Ostern ist immer auch ein Fest der Befreiung. Alles, was uns in der Zeit davor beschwert, ängstigt, runterziehen will, so traurig und stumm gemacht hat – all das wird aufgehoben und verwandelt, in der Liebestat Gottes, an die wir heute denken und die wir heute feiern!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Gott lässt das Leben über den Tod siegen, hebt seinen Sohn aus dem Grab und stellt ihn mit uns neu ins Leben. Und wir dürfen mit ihm auferstehen und auch neu ins Leben gehen!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Davon künden die Lieder, die wir normalerweise singen. Davon erzählen vor allem die biblischen Geschichten von der Auferstehung die heute in der Mitte unserer Gottesdienste, wie immer wir sie auch feiern können, stehen. Genau solch eine Geschichte, eine Auferstehungsgeschichte erwarte ich dann natürlich auch als Predigttext, als Mitte des Gottesdienstes an einem für unsere Christenheit so bedeutsamen Tag unseres Glaubens.

Aber dann schlage ich vor einigen Tagen den Predigttext auf, und was sehe ich dort als den vorgeschlagenen Text? – Ich sehe die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten, und ihre Rettung am Schilfmeer, das sich teilt, sie durchziehen lässt und alle Ägypter in sich begräbt und ertrinken lässt.

Ganz ehrlich – ich habe erst einmal nachgeschaut, ob ich mich im Datum vertan hätte. Dann habe ich geschaut, ob ich überhaupt in den richtigen Kalender schaue. Aber es stimmte alles! Und dann kam einmal wieder mein Kopfschütteln darüber, was in so manchen Theologenhirnen vorgehen muss, wenn sie am ersten fröhlichen Tag nach sieben Wochen ohne – und in diesem Jahr war es ja mit besonders viel „ohne“ -, am ersten Tag, an dem sich die Freude in uns Bahn brechen soll, auch wenn gerade so vieles dagegen spricht, solch einen Predigttext aussuchen, dem wir als alttestamentliche Lesung gerade begegnet sind.

Was soll das? Heute ist Ostern! Halleluja! Was soll da die Geschichte von der Errettung Israels am Schilfmeer und dem Tod der Ägypter darin? Zugegeben, manchmal ärgere ich mich einfach nur! Über den Hochmut mancher Theologinnen und Theologen, in dem sie fröhlich und einfach glaubenden Menschen ihr theologisches Insiderwissen überstülpen möchten. Ich ärgere mich über mich, dass ich mich ärgere und dennoch mitmache. Viel lieber hätte ich über das Evangelium vom leeren Grab unseres heutigen Tagesevangeliums gepredigt.

Jedes Mal, wenn ich mich dann so ärgere, steht mir plötzlich immer wieder mein Predigtlehrer Prof. Dr. Manfred Seitz vor Augen, bei dem ich vor langer Zeit an der Universität von Erlangen lernen durfte, wie man predigen soll. „Wenn Ihnen mal eine Geschichte oder ein Text so gar nichts zu sagen scheint“, hat er uns junge Studentinnen und Studenten gelehrt,  „dann atmen Sie tief ein, kommen Sie zur Ruhe und lesen sie noch einmal. Und dabei suchen sie das eine Wort, den einen Satz, in dem Gott zu Ihnen spricht und von dem er möchte, dass Sie genau das dann auch weitersagen!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Also las ich den Text im 2. Buch Mose noch einmal und fragte mich: Wo ist Ostern? Wo ist Ostern und die frohe Botschaft in dieser alten Geschichte? Und tatsächlich – ich habe ihn für mich gefunden, den Satz, oder sogar besser: die beiden Sätze, in denen Gott zu mir sagte: Frohe Ostern! Gott legt diese Worte dem Mose in den Mund und lässt ihn im Vers 13 sagen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird!“

Fürchtet euch nicht! – Natürlich, es sind die gleichen Worte, die im Evangelium der Auferstehung Jesu Christi der Jüngling im weißen Gewand zu den erschrockenen und sich ängstigenden Frauen am leeren Grab sagt. Nun geht, sagt er zu den Frauen, geht und sagt weiter, was ihr gesehen habt und neu glaubt! Er lebt, ist auferstanden! Geht in all eurem Schrecken, in all eurer Furcht und spürt mit jedem Schritt, wie ihr alle Angst und Furcht ablegt, wie Freude euch erfüllen wird! Teilt sie aus, diese Freude! Geht und sagt es allen Menschen!

Steht fest, sagt Mose vor langer Zeit seinem Volk. Steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird! Er sieht auf eure Angst, eure Schwäche, er kennt eure Hoffnungslosigkeit. All das kennt er; und er verwandelt es. Nicht irgendwann, er tut es heute! Er tut es jetzt! Er tut es, damit aus eurer Angst neue Zuversicht wächst. Er tut es, damit eure Schwäche sich in eure alte und wieder neue Stärke wandelt. Er tut es, damit ihr all eure Hoffnungslosigkeit ablegt und mit neuer Hoffnung, mit neuer Freude und mit neuem Mut euren Weg weitergeht in eine Zukunft, die er, Gott selbst, euch schenkt.

Und dann spüre ich förmlich, wie viele Menschen damals natürlich versuchen, an all das zu glauben; wie viele Menschen versuchen, sich wieder und zum wiederholten Mal aufzuraffen, um ihre eigenen und letzten Kräfte für den weiten Weg zu mobilisieren, aber sie können es irgendwie gerade scheinbar nicht mehr. Ich ahne die Menschen, die versuchen, diese Worte ihr Herz zu lassen, aber es irgendwie nicht mehr zu schaffen scheinen.

Ich sehe all diese Menschen und höre, wie Moses in Vers 14 weiter spricht:

Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Auch Gott sieht auf all diese Menschen vor langer Zeit. Er sieht sie und legt diese Worte in den Mund des Moses.

„Ich weiß“, sagt Gott mit diesen Worten, „ich weiß, ihr könnt nicht mehr! Viele von euch glauben das! Ich sehe es euch an, ihr habt so vieles mitgemacht, musstet so vieles ertragen. Ihr wart tapfer. Ihr habt gelitten! Ihr habt manche Träne geweint, ich habe euer Klagen gehört. Es ging mir ins Ohr und vor allem in mein Herz.

Aber hier ist nicht das Ende. Hier ist nicht das Ziel, das ich für euch habe! Ich führe euch nach Hause, dort wo ihr nicht einfach euer altes Leben wiederfindet. Aber ich führe euch dorthin, wo ihr euer altes Leben neu und anders leben könnt und werdet! Ich weiß, der Weg ist noch weit! Aber was euch beschwert, ich möchte es für euch tragen. Diesmal bereite ich euch den Weg! Selbst durch ein Meer, wenn es sein muss! Ihr braucht nichts sagen! Ihr braucht nichts tun! Nur eines: gehen – gehen müsst ihr selbst! Denn es ist eure Zukunft! Es ist mein Geschenk für euch! Ich braucht nichts sagen, ihr braucht nichts tun! Aber in all eurer Stille vertraut. Vertraut mir und geht! Vertraut den neuen Wegen, auf die ich euch weise! Ihr geht sie nicht allein. Ich gehe sie immer mit euch mit! Seid einfach still und vertraut! Und geht weiter!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, ich schaue auf diesen Ostertag heute! Ich schaue auf das leere Grab! Ich schaue auf das alte Volk Israel da am Schilfmeer. Ich schaue auf Moses und höre Gottes Worte durch seinen Mund. Und sie sprechen durch eine lange Zeit von damals da am Schilfmeer bis heute an diesem Ostermorgen direkt in unsere Herzen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Wie die Menschen damals im alten Volk Israel sind wir doch, oder? Sind wir nicht in den letzten Monaten auch durch eine Wüstenzeit unseres Lebens gegangen? Sind nicht einige von uns scheinbar am Ende ihrer Kräfte und ihrer Geduld? Fragen nicht auch einige von uns, wie lange und wohin das alles noch gehen soll?

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott spricht mit der gleichen Liebe wie damals seine Worte heute zu uns allen. Mit der gleichen Liebe bereitet er auch für uns einen Weg aus allem Unheil. In der gleichen Liebe stellt er heute seinen auferstandenen Sohn Jesus Christus wieder neu an unsere Seite, damit in ihm Gott selbst alle Wege mit uns geht. Und er ist schon auf dem Weg – in eine neue Zukunft für uns. Damit wir alle wieder fest stehen und sehen, was für ein Heil der Herr heute an uns getan hat!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! – Darauf unsere Hoffnung und unser Vertrauen! – Ihnen und euch allen frohe Ostern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Guter Gott in Jesus Christus,

lass Freude in uns wachsen an diesem Ostermorgen!

Auch wenn so vieles uns daran hindern will.

Aber du lebst das muss uns zur Freude werden!

 

Ostern können wir nicht verstehen.

Wir müssen es erfahren, daß du auferstanden bist.

Lass uns diese Erfahrung nicht in Vergangenem suchen.

Denn das Vergangene ist auf einmal so weit weg!

Lass uns diese Ostererfahrung heute suchen und finden,

auch wenn es vielleicht schwierig scheint.

Lass sie uns in der kommenden Zeit suchen,

in der wir Neues leben

und uns neu und anders begegnen werden.

 

So wollen wir dich preisen und bitten dich:

Geh mit uns, wenn uns Zweifel überfallen,

wenn wir meinen, wir hätten kein Ziel.

Geh mit uns, auch wenn wir dich nicht erkennen.

Geh mit uns durch die Nacht unserer Ängste,

führe uns heraus aus dem, was uns bedrängt.

 

Herr, wir wollen fröhlich sein.

Aber sieh auch auf unsere Not!

Da ist so viel Leid in so vielen Familien,

bei so vielen Menschen!

Sei bei allen, die nun trauern,

sei bei allen, die gerade keine Osterfreude spüren können.

Und wenn ich an diesem Osterfest einmal zu ihnen dazugehöre,

dann schau auch auf mich und bleib’ mir nah!

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

 

Öffne unsere Augen und Herzen,

mach es hell in uns mit dem Licht deiner Auferstehung,

damit wir zu Trägerinnen und Trägern deiner frohen Botschaft werden

und Mut und Hoffnung in diese Welt bringen.

Halte uns miteinander verbunden,

auch wenn wir jetzt nicht zusammen sein können.

Schenke du uns die Freude deiner Auferstehung,

heute und in Ewigkeit.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Ostergottesdienst abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostersonntag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Frohe Ostern!

 

Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Karfreitag, 02. April 2021

Wochenspruch: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gedanken zu Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Du hörst doch mein Rufen, aber ich spüre einfach noch keine Hilfe!

Weißt du, wie oft ich in diesen Tagen zu dir rufe

und auf eine Antwort von dir warte?

Manchmal bete ich sogar nachts zu dir,

weil ich keine Ruhe und keinen Schlaf finde!

Aber du bleibst mein Gott,

selbst wenn du mir in einigen Augenblicken

ganz weit weg zu sein scheinst!

Deshalb werde ich wie Generationen vor mir

auf dich hoffen, auf dich vertrauen!

Du hast deine Freude an ihrer Hoffnung gehabt und ihnen geholfen!

Keiner ihrer Rufe verhallte ungehört!

Jeder Hoffnung ließt du Rettung folgen!

Aber ich fühl’ mich im Moment so klein.

Sähen andere mich jetzt, die mich gut kennen,

sie würden vielleicht sogar den Kopf über mich schütteln

–  über meine Verzagtheit und meinen Kleinglauben!

Bring deine Klage vor Gott, sagt jemand zu mir.

Hoffe auf ihn und bitte ihn!

Deshalb, Herr, höre meine Bitte!

Lass mich deine Nähe spüren, die alle Angst vertreibt!

Schau auf meine ganze Mutlosigkeit,

ich fühle mich schwach, ich habe bald keine Worte mehr!

Lass Krankheit und Tod an mir vorüber gehen!

Lass mich einfach nur deine Nähe spüren!

Du bist meine Stärke,

damit auch ich wieder stark sein kann!

Hilf mir, guter Gott! Hilf!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater,

Deinen Sohn gibst du in den Tod – für uns

als Zeichen deiner Liebe;

einer Liebe, die selbst durch den Tod hindurch neues Leben verheißt.

Wie gern würden wir dein uns allen hinterlassenes Zeichen,

deinen Sohn in Brot und Wein, heute teilen,

aber wir können es nicht!

Wie gern würden wir unsere Schuld jetzt vor den Altar bringen,

all unsere Bitten um Vergebung,

unser großes Sehnen nach Gemeinschaft mit dir!

Wie gern würden wir spüren,

wie du in uns kommst und in uns lebst

– spürbar durch Brot und Wein

Aber wir sind still, schweigen vor dir,

um alles, was uns auf der Seele liegt,

vor dich zu bringen und ablegen zu dürfen.

Vieles an Gemeinschaft ist uns erschwert,

vieles ist nur schwer auszuhalten!

Aber wir sind vor dir!

Und wir können dich bitten:

Höre, Herr, was ich dir in der Stille nun anvertraue!

 

– Raum für einen Moment persönlicher Stille –

 

All unsere Schuld, all unsere Sorge,

alles, was uns ängstet und beschweren will,

es ist aufgehoben bei dir.

Wir alle sind bei dir geborgen.

Wir alle dürfen in deiner Liebe leben.

Einer Liebe, von der wir wissen:

 

Also hat Gott die Welt geliebt,

daß er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf daß alle, die an ihn glauben,

nicht verloren werden,

sondern das ewige Leben haben.

 

Und nun lass uns befreit an dich denken, Jesus Christus!

Ohnmächtig und verachtet hängst du am Kreuz.

Lass uns dich und dein Kreuz neu sehen lernen

als Zeichen einer neuen Welt,

als Zeichen deiner Gerechtigkeit und Liebe,

als Zeichen der Hoffnung für alle.

Mit allen, mit denen wir uns nun

in deiner Gemeinschaft verbunden wissen dürfen,

bitten wir dich darum, Jesus Christus,

der du mit deinem Vater und dem heiligen Geist

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Amen.

 

– Wir werden still vor dem Kreuz Jesu –

 

Glaubensbekenntnis

In aller Stille bekennen nun jede und jeder für sich und vor Gott wir doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 52,13-15 und Kap. 53,1-12

(auch Predigttext)

13 Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.

14 Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –,

15 so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.

1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?

2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war.

9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.

11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Dieses Predigtwort aus dem Jesajabuch ist eine der eindrücklichsten Aussagen, die wir in der Heiligen Schrift vorfinden. Es hat viele Menschen angeregt, über ihr Leben nachzudenken, dem Sinn des Todes und des Leides nachzusinnen; und es hat viele Menschen auf den verwiesen, an dessen Tod wir heute denken. Jesus Christus ist in diesem prophetischen Wort nicht erwähnt. Dennoch spüren wir natürlich darin einen Hinweis auf den Sohn Gottes, der zum Erlöser für die Menschheit wurde. Ich denke, dies geschieht deshalb, weil das Wort Jesajas in seiner ganzen Dichte dazu einlädt, unser eigenes Leben im Spiegel dieser Worte zu erblicken. Karfreitag ist dazu der rechte Ort, denn er lässt uns nacherleben, wie es vor langer Zeit  den Jüngern gegangen sein mag.

Da war dieser Jesus aus Nazareth mit seiner unglaublichen Botschaft, dieser Mensch, von dem offensichtlich so viel Wärme und Liebe ausging, dass er fähig war, neue Hoffnung in den Herzen der Menschen zu entfachen, ihnen neuen Lebensmut zu geben und ihnen einen unerhörte Botschaft zu verkündigen: Gott, der Vater im Himmel wendet sich euch in Liebe zu!

An diesen Menschen Jesus haben sie neu geglaubt, sind ihm nachgefolgt, haben gesehen, zu was er fähig war. In ihm erhofften sie sich eine neue Welt, die noch zu ihren Lebzeiten anbrechen würde.

Aber dann kam dieser Tag, dieser Karfreitag aber, den wir heute bedenken, und es war alles vorbei! Tod und Kreuzigung, eine schmähliche Niederlage in den Augen der Feinde, Hohn und Spott über die, die an ihn geglaubt hatten. Angst und Furcht vor Verfolgung und Nachstellungen. Jesus war ihnen genommen worden und mit ihm ein Stück ihres neuen Lebens: der Glaube, die Liebe und die Hoffnung – alles war wie erstarrt.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Liturgie ist am Karfreitag immer besonders still. Gesänge verstummen, keine Antwortgesänge, mit denen wir Gott loben. In diesem Jahr natürlich auch aus ganz anderen Gründen nicht! Die Altäre in den Kirchen sind  nicht geschmückt wie sonst, auch in den Kirchen scheint vieles heute wie erstarrt.

In diesem Augenblick des Karfreitags sind wir selbst hier vor dem Kreuz, irgendwie auch besonders auf uns alleine gestellt. Wir werden konfrontiert mit dem, was wir eigentlich sind. Denn wofür steht denn das Kreuz, an das er für uns geschlagen wurde?

Es steht nicht für unsere Leidverliebtheit – das Christentum kennt in seinem Wesen keine Leidverherrlichung, sondern es steht für die Konfrontation mit unserem Wesen: es sagt uns: das seid ihr – auch ihr gehört zu denen, die es gerufen haben „Ans Kreuz mit ihm“. „Halleluja“ könnt ihr rufen, wenn ihr Gott euch wohlgesonnen nahe fühlt. Ihn verleugnen könnt ihr wie Petrus, wenn ihr euch bekennen müsstet. Vor dem Kreuz verdrückt ihr euch schließlich so gern wie die anderen, die damals nur mitgezogen waren, um ein Spektakel zu erleben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gäbe es nur Karfreitag und nur das Kreuz, wir gingen zugrunde. Wir könnten nicht bestehen, sondern müssten uns verstecken vor der grausamen Wahrheit, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Wir würden zu Zynikern, die das Leben verachten. Deswegen weist das Kreuz auch heute schon, auch in der Stunde seines Todes schon auf Ostern hin. Aber das Kreuz nimmt Ostern eben nicht einfach vorweg. Bis Ostern sind es noch drei Tage, drei Tage, in denen wir auch mit unserer eigenen Finsternis konfrontiert werden sollen.

Jesaja schreibt: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jes 53,6)

Da ist der Missbrauch des Namens Gottes, dem diese Welt seit langen unwidersprochen zuschaut.

Es ist die vermessene und maßlose Aufteilung der Welt in Gut und Böse, in richtig und falsch, in christlich und unchristlich, die Schundluder treibt mit dem Wort des lebendigen Gottes, einem Gott, der sich solidarisch erklärt hat mit den Armen und den Schwachen.

Es ist die gefährliche Verwechslung einer Kultur-Idee mit dem Gottesreich, welches Staaten und Staatenlenker zu gefährlichen Agitatoren macht, Kriege entstehen lässt und im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand malt.

An die Stelle des Nachdenkens über eigene Schwächen und Fehler wird der Glaube an Leistung, an wirtschaftliche Macht, ja an ein Übermenschentum propagiert, der jeder Verwendung des Namens Christi Hohn spricht, und der bei vielen von uns gerade so erschüttert wird, weil das Leben in diesen Zeiten so ganz anders verläuft als wir es gewohnt sind.

Jesaja schreibt: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg.“ (Jes 53,3)

Da ist traurigerweise die Tradition der Ablehnung zwischen Gemeinschaften, die doch nahe beieinander liegen. Wie Kain und Abel als Brüder miteinander leben sollten und sich doch gegeneinander abgrenzten bis zum Tode. Anstatt vorwärts zu blicken und zu sehen, wo Gemeinschaft tragen kann, wird rückwärts gewandt gehetzt und der Same der Verachtung schon wieder früh und erschreckend unter uns gelegt.

Wie sehr bejubeln wir alle ehrlicherweise z.B., wenn wir in unseren Kirchen, vor allem in den Gemeinden vor Ort ökumenische Erfolge sehen und ein Miteinander spüren. Wie sehr formieren sich aber die wirklich vermeintlich Mächtigen in allen Kirchen, um das je Eigene zu schützen und zu verteidigen, solange es eben geht.

Oder wie kommt es, dass Kinder so oft den Hass und die Vorurteile der Alten oder Erwachsenen übernehmen? Wer trägt die Verantwortung: die Alten, die diese böse Tradition pflegen wie eine alte Erinnerung an einen verlorenen Krieg? Manche Erwachsene, die sie übernommen haben und neu pflegen und hoffähig machen?  Die Jungen, weil ihnen die Scheuklappen vor den Augen die Wahrnehmung ihrer Umgebung leichter macht?

Jesaja spricht: „Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.“ (Jes 53,9)

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich weiß, all das ist schwer zu hören, noch schwerer anzunehmen. Dennoch: Karfreitag zwingt uns dazu. Wir haben dieser Tage nicht das Recht, auf Ostern hinzuweisen und einfach darüber hinweg zu gehen – über das Dunkel von Karfreitag. Österlich geschmückte Fenster und Vorgärten – schon in den vergangenen Tagen und Wochen. Ich gönne es allen, die es getan haben. Vielleicht sind sie in diesem Jahr ja auch ein besonderes Hoffnungszeichen in schwierigen Zeiten! Wie gesagt, es sei von Herzen gegönnt!

Aber sind sie nicht letztendlich auch ein Indiz dafür, dass wir uns dem Leiden Christi eben nicht stellen wollen, dass wir unserem eigenen Leiden, unserer eigenen Schuld und Sünde eben nicht standhalten können oder wollen. Wie schön wäre es, wenn wir mit dem österlichen Halleluja auf den Lippen am Ostermorgen auf die Straßen laufen würden und unsere kleine Welt in bunten Farben schmücken. Gegen alles, was uns bedrohen will und für die Hoffnung, dass Gott in Christus alles neu macht – auch für uns. Die Osterzeit beginnt erst in der Frühe mit einem leeren Grab. Freilich wird uns allerhand angeboten, um nicht in den kirchlichen Rhythmus eintauchen zu müssen. Studiert nur einmal das Fernsehprogramm: dort finden Ihr genügend Ablenkung, um über Karfreitag nicht nachdenken zu müssen. Und dennoch oder gerade trotzdem: es ist die schreckliche Zeit der Ungewissheit, die kaum auszuhaltende Konfrontation mit unseren dunklen Seiten, die wir uns auch hier und in den Kirchen stellen müssen. Wir sollten sie auch sehen und bedenken.

Wie wäre es eigentlich gewesen, wenn wirklich mit dem Kreuz alles aus gewesen wäre? – Für mich unvorstellbar, dieser Tag wäre niemals gefeiert worden!

Aber wir sind doch heute vor Gott, weil wir eben spüren wollen, dass wir alle nichts wären ohne den gekreuzigten und auferstehenden Christus.

Wir sind dich heute auch vor Gott, weil wir spüren, wie allein wir wären, wäre Christus nicht mit uns.

Was bleibt uns eigentlich, liebe Schwestern und Brüder?

Nun, es bleibt die Gewissheit, dass Christus für uns gestorben ist und dass er für uns auferstehen wird, damit auch wir neu ins Leben gehen können! Wir als Christinnen und Christen haben in dieser Welt einen entscheidenden Vorteil: wir wissen Bescheid über unsere eigene Finsternis, wir wissen Bescheid über die Zerrissenheit der Welt, wir wissen Bescheid über die Schmerzen, die wir automatisch mit unserer Person auch anderen Menschen zufügen können. Deswegen bleiben wir angewiesen auf  Hilfe und Trost, einen Trost nämlich, der uns zusichert: es wird euch Gerechtigkeit geschaffen werden, eure Sünden werden getragen werden!

Aber weil diese Gewissheit in uns immer irgendwie unsicher bleibt, weil sie in uns immer wieder ins Wanken gerät, weil wir unseren Glauben immer auch in Anfechtung leben und er oft ins Wanken gerät,  legt Gott uns Worte und Glauben immer wieder neu ins Herz; auch wenn er uns heute durch den Propheten daran erinnert, was für seinen Sohn und uns unverbrüchlich gilt:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4.5)

In diesem Glauben, liebe Schwestern und Brüder, können wir diesem Karfreitag begegnen, ihn aushalten und auch schon als den Beginn des neues Lebens erahnen, den Gott mit uns gehen will. Darauf unsere Hoffnung. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Fürbittgebet:

Herr, Jesus Christus, auch ich stehe unter deinem Kreuz!

Du gehst den Weg des Opfers und des Leidens!

Sei auch in meinem Leid, in meiner Sorge!

Rette mich, mach mich frei von allem,

was mir das Herz schwer macht!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und sehe die Bosheit dieser Welt!

Lass mich nicht abseits stehen, sondern immer in deiner Nähe!

Schau auf das Leid, schau auf mein und auf fremdes Leid!

Ich will es nicht verdrängen oder überspielen.

hilf mir, es ebenfalls anzunehmen und zu tragen!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne,

wie du für mich einstehst und mir hilfst.

Auf dem Weg, zu denen, die leiden,

zu denen, die sich gering und verachtet fühlen,

zu denen, die in ihrem Leben scheitern,

zu denen, die ich so oft übersehe –

auf diesem Weg möchte ich dir folgen.

Nimm mich in deinen Dienst,

mit all meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten,

auch wenn sie in diesen Tagen so sehr eingeschränkt sind.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne deine Barmherzigkeit!

Du trägst, was ich nicht tragen kann!

Du willst, dass ich wieder aufatmen kann,

dass ich wieder als freier Mensch leben kann.

Du willst, dass ich von deiner Barmherzigkeit,

die ich in diesen Tagen deiner Bewahrung erfahren darf,

weitergeben kann an all die Menschen,

denen ich hoffentlich dann auch wieder begegnen werde!

Und dann werden wir all unser Gerede übereinander lassen,

und Worte der Zuneigung, der Liebe

und der Freundlichkeit neu füreinander finden.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Euch allen einen gesegneten Karfreitag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

 

Pfarrer Rüdiger Dunkel

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Gründonnerstag, 01. April 2021

Wochenspruch: Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR. (Ps 111,4)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 111 in meinen Worten und Gedanken

Halleluja! Guter Gott, ich möchte dir Dank sagen,

für alle und mit allen, die jetzt hier mitlesen.

Gemeinsam erinnern wir uns daran, was du alles für uns tust,

auch und gerade jetzt in dieser Zeit!

Wir denken daran, und es schenkt uns Mut und neue Freude!

Du hast alles wunderbar gemacht,

in der Schöpfung sehen wir deine ganze Pracht!

Wie oft dürfen wir uns daran freuen

und auch das Wunderbare darin wieder erkennen!

Du schenkst, was wir für unser Leben brauchen.

Du hältst dein Versprechen, immer bei uns zu sein,

gerade auch jetzt in diesen Tagen.

So viele erzählen gerade auf ganz verschiedene Weisen

von dir und deiner Nähe;

wir werden es nicht vergessen, sondern uns bewahren.

Viele helfende und zupackende Hände

künden gerade von der Wahrheit deiner Nähe,

sie tun, was du uns als Gebot deiner Liebe ins Herz gelegt hast.

Und dieses Gebot deiner Liebe galt gestern,

es trägt heute und wir werden morgen daraus leben;

dein Heil für uns erkennen wir darin.

Und doch bitten wir:

Sende uns doch die Erlösung aus der Bedrängnis dieser Zeit,

schenke uns Geduld und immer wieder neue Hoffnung darauf.

Dein Versprechen, dein Bund mit uns gilt,

auch durch alle schweren Zeiten.

Dein Name bleibt in meinem Herzen geheiligt!

Das Vertrauen, dass du mir nahe bleibst,

ist der Beginn meiner Zuversicht und meiner Hoffnung,

wenn ich nach vorne schaue.

Sei auch bei allen anderen,

dass sie es ebenso spüren und mit mir dich loben.

Heute und in der Zukunft, die du uns allen schenkst!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar,

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Wir beten:

Jesus Christus, Sohn Gottes,

von Anfang an hast du Menschen an deinem Tisch zusammengerufen.

Manchmal waren wir mit unseren Meinungen ganz weit auseinander.

Manchmal traten wir sogar zerstritten vor dich.

Und doch, du liebst uns alle.

Du weißt, manchmal hat in unserem Leben

so vieles zwischen uns und dir gestanden,

andere Dinge waren uns viel wichtiger.

Wie gern säßen wir jetzt alle, so wie wir sind,

verschieden und doch von dir geliebt,

gemeinsam an deinem Tisch.

Nun sitze ich vielleicht allein an meinem Tisch

und bete in der Stille zu dir.

Herr, höre mein Gebet in der Stille

und erbarme dich meiner!

 

– Kurze Stille zum persönlichen Gebet –

 

Und in meine Stille und mein Bitten

höre ich, dass mich nichts von deiner Liebe trennen kann,

egal wo ich gerade sitze und an dich denke.

Ich lese und höre, wie du mir ins Herz sprichst:

 

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

 

Jesus Christus, darauf vertraue ich

und deshalb gehe ich mit dir in den Abend dieses Tages,

an dem du verraten wurdest.

Du nahmst unsere Schuld auf dich,

damit wir niemals verzweifeln.

Du gingst für uns in den Tod, damit wir leben.

Dafür danke ich und danken wir alle dir,

Jesus Christus,

der du mit Gott, deinem Vater,

und dem heiligen Geist lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 11, die Verse 23-26

23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,

24 dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis.

25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium 26, 17-30

17 Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.

19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.

21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich’s?

23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.

24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.

25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich’s, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;

28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade des Herrn, unseres Gottes, sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hätte es niemals für möglich gehalten, in Situationen zu kommen, in denen wir nicht einfach im Kreis nebeneinander um einen Altar stehen können, Brot und Wein weiterreichen, von einem Teller essen, aus einem Kelch trinken und uns die Hände reichen. Das war alles so selbstverständlich. Nun erlebe ich mit vielen anderen, dass dies genau an dem Abend, an dem das gemeinsame Abendmahl im Mittelpunkt aller gottesdienstlichen Lieder, Gebet und Geschichten steht, schon zum zweiten Mal nicht möglich ist, nämlich das Abendmahl in einer solch vertrauten Runde zu feiern. Nein, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Was bleibt denn dann – jetzt und hier oder wo auch immer Sie jetzt gerade meine Gedanken mitlesen?

In jedem Abendmahl erinnern wir uns daran, was Jesus uns eben auch hinterlassen wollte. Hinterlassen wollte, damit wir z.B. auch schwierige Zeiten durchstehen und ihn nahe bei uns spüren sollten. Heute können wir diese Erinnerung nicht einfach schmecken und feiern. Heute können wir sie nur im Herzen tragen. Und uns eben darauf verlassen, dass Gott dennoch immer und unverbrüchlich in uns lebt und mit uns geht.

An diesem Tag, an diesem Abend des Gründonnerstages erinnern wir uns daran, wie wichtig es Jesus war, mit anderen das Mahl zu feiern und Gemeinschaft für alle sichtbar, erlebbar und schmeckbar zu machen. Viele Geschichten erzählen in besonderer Weise davon.

Da ist die Geschichte vom großen Gastmahl. Einer wollte ein großes Fest machen; so nach und nach ließen sich alle entschuldigen. Jeder hatte Gründe, um fernzubleiben. Da ließ der Gastgeber alle rein holen, die nicht eingeladen waren, die sich unwürdig fühlten, die niemand jemals eingeladen hätte. Und dann feierten sie eben. Was ist uns an dieser Geschichte wichtig, was fällt uns ein? Nun, ich denke darüber nach, wie traurig wohl der Gastgeber gewesen sein musste. Wir kennen das selbst ja auch. Einige, die hier jetzt mitlesen, haben bestimmt schon ‘mal ein Fest ausgerichtet und waren dann über Absagen enttäuscht. Heute wäre man froh über jede erlaubte und mögliche Zusage!

Ob jemand von uns dann einfach rausgegangen wäre, um die, die zufällig erreichbar waren, hereinzuholen, wage ich zu bezweifeln. Und dann erinnere ich mich als Pfarrer daran, wie eindringlich ich vor jedem Abendmahl, das wir in unserer Kirche gefeiert haben, immer versuche, dieses Mahl als Einladung Gottes zu verkünden. Und doch,  es bleiben immer einige sitzen, es gehen fast niemals alle. Dabei sind doch gerade immer von Gott her auch alle eingeladen – jede und jeder, ohne Unterschied. Eben, weil Gott selbst an diesem Tisch lädt. Wir sind ihm wichtig, er will sich mit uns teilen, will uns nahe sein. Und doch, es gibt immer auch diejenigen unter uns, die meinen, gute Gründe dafür zu haben, dieser Einladung nicht zu folgen. Aber eines gilt eben immer: wenn wir auch die Einladung ausschlagen, Gott hat uns alle zuerst einmal eingeladen. Er würde sich sehr freuen, wenn diese Einladung nicht ausgeschlagen würde. Gerade diejenigen, die Mühe mit diesem Abendmahl haben, sie sind geladen, von Gott eingeladen.

Es gibt eine andere Geschichte, die mich sehr geprägt hat. Es ist die Geschichte vom vermeintlich verlorenen Sohn. Von dem Sohn, der fortgeht, sein ganzes Erbe verprasst, der dann nach Hause kommt, wo ihn sein Vater mit offenen Armen empfängt und ein großes Mahl ausrichten lässt. Warum eigentlich dieses Fest mit den vielen Leuten? Nun, seine Freude wollte der Vater ausdrücken. Mehr noch: ein sichtbares Zeichen wollte er setzen. Ein Zeichen, dass sein Sohn von nun an wieder zu der Gemeinschaft der Freunde und Bekannten gehört, ja dass er, auch wenn er fort war, aus dieser Gemeinschaft eigentlich niemals herausgefallen war. So setzt dieser Vater ein deutliches Zeichen, dass er dem Sohn vergeben hatte, wie groß seine Schuld auch war. Wenn auch der Bruder damit nicht einverstanden war, der Vater setzte die Gemeinschaft, die Liebe und die Vergebung über alles. Genau das feiern wir heute ungebrochen, wenn wir eben gemeinsam feiern können. Wir feiern die Liebe Gottes, feiern seinen Ruf in die Gemeinschaft und freuen uns, dass Gott uns spürbar vergibt, was zwischen uns und ihm steht. Genau dazu sind eben alle eingeladen. Aber genau das jetzt nicht so vertraut gemeinsam feiern zu können, das macht unendlich traurig. Wie gut aber, dass uns die Erinnerung daran ins Herz gelegt ist. Sie hält in uns die Hoffnung und die Vorfreude wach auf die zeit, in der wir es wieder unbeschwert tun werden.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Natürlich gehört an diesem Abend auch das Erinnern an eine ganz besondere Liebestat Jesu zu unserem erinnern. Der Apostel Paulus erinnert uns in der Epistellesung daran. Und wir konnten es etwas weiter oben auch im Evangelium für diesen Tag, für diesen besonderen Abend in unserem Kirchenjahr nachlesen.

Es ist die Geschichte vom letzten, besser gesagt: vom ersten Abendmahl, schließlich feiern wir es seitdem bis heute – fast ungebrochen. Diese Geschichte bündelt all unser Erinnern noch einmal. „Ich will das Passamahl halten mit meinen Jüngern!“ (V.18) sagt Jesus selbst. Und genau das wollen wir nicht vergessen: Jesus selbst will es! Mit uns! Und dann kommt die Szene, die mich schon immer – seit ich als Kind diese Geschichte  kennengelernt habe – am meisten beeindruckt. „Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten!“ (V.23)  sagt Jesus. Er beginnt diesen eigentlich schönen Abend mit einem Paukenschlag. Er gibt auch zu erkennen, dass er natürlich weiß, dass dieser Verräter nur dabei hilft, die Schrift zu erfüllen. Ja, er weiß sogar, wie es mit ihm enden wird. Auch das sagt er. (V.24) Die Stimmung ist auf einmal weg. Jeder spürt es: „Ich könnte es sei, denn ich hab’ Schwächen, hab’ Fehler, bin ich es?“ Jeder fragt so. Auch der Judas. „Ja, du sagst es!“ (V.25) Jetzt höre ich förmlich, wie all die anderen Jünger kurz durchatmen, weil sie froh sind, dass ihnen diese Rolle nicht zufällt; und dann könnte ich mir gut vorstellen, wie sie nach dem ersten Schreck wütend werden. „Raus mit dem Kerl, hau ab, Judas! Mit dem wollen wir nichts mehr zu tun haben! “Bin ich’s, Rabbi? (V.25) fragt dieser Judas. „Ja, du sagst es!“ (V.25)

Mich hat dann schon immer fasziniert, wie diese Geschichte weitergeht. Nun, sie aßen gemeinsam. Jesus nahm das Brot, dankte brach es und gab es ihnen. Jesus beginnt nach diesem großen Schreck für alle mit dem, was uns als Abendmahl überliefert ist. Er schickt den Judas nicht weg. Er isst mit ihm. Er bietet ihm das Mahl an, er teilt Brot und das Gewächs des Weinstocks mit ihm. Könnte es sein, daß Jesus im Abendmahl eben noch mehr ausdrücken will, als seine Nähe zu uns Menschen, als seine Gemeinschaft, die er uns anbietet? Wenn wir auch dem Judas vielleicht nie hätten vergeben können, es vielleicht heute noch nicht tun, Jesus hat es schon damals – an diesem Tisch – zeigen wollen. Liegt in seiner Geste nicht eben doch alle Vergebung und der Neubeginn jeder Versöhnung? „Ja, du sagst es!“ (V.25) antwortet Jesus auf die Frage des Judas. Dann fällt kein böses Wort mehr, es folgt das gemeinsame Mahl, mit Judas und allen anderen. Und deshalb, wenn wir uns eben an dieses Abendmahl erinnern, erinnern wir immer auch  daran, wie groß Gottes Liebe zu uns ist. In der Gemeinschaft, in die er uns ruft und die er selber stiftet, da spüren wir seine Nähe und Liebe, seinen Willen zur Vergebung und zur Versöhnung.

Liebe Schwester und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir feiern also viel mehr, wenn wir bei einem Abendmahl zusammenkommen können, als das Erinnern an diesen Abend des ersten Gründonnerstages. Wir feiern die Liebe Gottes, die er zu uns hat. Wir hören seinen Ruf zur Vergebung und zur Versöhnung, weil er selbst uns vergibt und mit sich selbst versöhnt. Ich spüre förmlich, wie er uns heute anschaut und uns genau dazu auch ermahnen will.

In einer Zeit, die sehr schwierig für uns alle ist, höre ich wie Gott selbst uns dazu rufen will:

Hört doch endlich auf, euch gegenseitig schlecht zu machen. Ihr braucht voreinander nicht prahlen, mit dem, was ihr habt und vermeintlich besser wisst. Ihr braucht nicht zu neiden, was andere vielleicht mehr haben. Werft euch eure Herkunft nicht vor. Hört auf immer gleich draufzuschlagen. Lasst doch endlich das verächtliche Reden übereinander. Warum seid ihr so hart gegen euch selbst geworden? Die Gräben zwischen euch werden immer größer. Es wird kälter zwischen euch. Denkt daran, Zukunft werdet ihr nur haben, lebenswerte Zukunft wenn ihr auch wieder lebt, woran ihr euch erinnert, zum Beispiel an diesem Tag, an diesem Abend. Nämlich an die Gemeinschaft, in die ich euch rufe – selbst wenn sie vielleicht gerade nicht sichtbar gefeiert werden kann! Es ist eine Gemeinschaft, in der ihr eure Vorurteile voreinander endlich fallen lasst, eine Gemeinschaft, in der ihr merkt, dass ihr eben nicht immer nur die Starke, den Starken spielen müsst, weil andere immer auch eure Schwächen sehen; eine Gemeinschaft, in der ihr euch auf andere wieder verlassen könnt, weil sie sich auf euch verlassen können. Eine Gemeinschaft, die uns unaufhörlich daran erinnert, dass wir alle, ob das der einen oder dem anderen passt, dass wir alle gerufen sind als Brüder und Schwestern miteinander zu leben. So will ich es, Gott selbst – für euch!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Genau deshalb, weil Gott das alles für uns will und es Jesus uns in einem einfachen Zeichen hinterlassen hat, wollen wir weder das Abendmahl, noch die Erinnerung daran jemals verhöhnen, gering achten oder verblassen lassen. Auch wenn wir es heute vielleicht nicht überall feiern können und nicht feiern werden, bleibt die Einladung Gottes in Jesus Christus offen und bestehen, bleibt sein Wille zur Versöhnung und Vergebung in uns gelegt, bleibt seine Liebe ungebrochen! Gott will in uns wohnen und mit uns leben! Er tut es in Brot und Wein. Ja, er tut es sogar in der Erinnerung daran. Er tut es, weil er uns zuerst geliebt hat. Und diese Liebe bleibt! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Wir sind dir dankbar, guter Gott und Vater,

dass deine Liebe auf dieser Erde Spuren hinterlässt.

Wir danken dir für die Menschen, die dem Beispiel Jesu folgen

und uns – oft unerwartet – so viel Liebe schenken.

Wir danken dir für jeden Menschen, der in dieser Welt

selbstverständlich die Schürze anzieht und dient.

Wir bitten dich für deine Kirche in der Welt,

dass sie nicht dient, um zu herrschen,

auch nicht dienert aus Angst vor Herrschern,

sondern dass sie – deiner Liebe gewiss –

eindeutig ist, wenn sie redet, und mutig, wenn sie handelt.

Aber nun Herr, schau auch auf uns.

Schau auf all unsere Sorgen und Nöte.

Schau auf das viele,

das uns unser Herz schwer macht in diesen Tagen.

Und dann beschenke uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen schönen und gesegneten Gründonnerstag!

Kommt alle gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Palmsonntag, 28. 3. 2021

(Stand 28. 3. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

Sonntag Palmsonntag, 28. 3. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh 3,14b.15)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Psalm 69 in meinen Worten:

Guter Gott hilf mir!

Das Wasser scheint mir bis zum Hals zu stehen.

Manchmal glaube ich,

ich wäre im tiefen Wasser und gehe unter!

In diesen Tagen tue ich viel weniger als sonst

und doch, ich fühle mich so müde.

Mein Hals kratzt, das ist nicht gut in diesen Tagen.

Schaust du mir in die Augen, siehst du auch Traurigkeit!

Traurigkeit über diese Zeit und dieses Warten,

bis es auch mit deiner Hilfe wieder besser wird!

Du lädst mir einiges auf, ich fühle mich nicht gut!

Ich werde mir selbst fremd!

Vielleicht sogar denen, die ich liebe und die mich lieben,

weil ich sie nicht sehen darf und sie mich auch nicht!

So viele werden ungeduldig;

ja, sie klagen, weil du nicht spürbar bist!

So bin ich nicht!

Ich bete zu dir!

Schenke mir eine neue Zeit, eine Zeit der Gnade,

in der mein Leben wieder blüht!

Ich weiß, du hörst mich und hilfst mir!

Ich sitze hier und frage mich,

ob überhaupt jemand an mich denkt!

Ich wünsche mir Trost,

aber da ist niemand, der mich tröstet.

Was zum Leben nötig ist, das habe ich,

aber nicht das Leben in Fülle.

Das alles tut mir in der Seele weh!

Guter Gott, lieber Gott!

Hilf mir und beschütze mich!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr Gott, guter Vater!

An diesem Morgen sind wir vor dir

und bringen unsere Lasten der vergangenen Woche mit.

Wir kommen mit all unserer Schuld,

dir wollten wir folgen

und sind doch wieder unsere eigenen Wege gegangen.

Doch du, Gott und Vater, willst,

dass wir umkehren, von den falschen Wegen hin zu dir,

der du unser Leben sein willst.

Vergib uns unsere Schwäche und unseren Kleinglauben.

So bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann, guter Gott,

lassen wir uns von deinem Sohn Jesus Christus,

neu einladen, der zu uns spricht:

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.

Wenn jemand meine Stimme hören wird

und die Tür auftun,

zu dem werde ich hineingehen

und das Abendmahl halten

und er mit mir.

 

Wir danken dir, Herr, unser Gott,

denn wir dürfen vor dir sein;

du siehst und hörst uns,

wo immer wir auch gerade sind.

Wir dürfen zu dir beten und dein Wort lesen,

dürfen in unseren Herzen sogar

die Lieder unseres Glaubens klingen lassen.

Sende nun deinen Geist auf uns herab,

auf uns, die wir in deiner Gegenwart stehen

und deine reiche Gnade erwarten.

Wir bringen dir Ruhm, Ehre und Anbetung,

dir dem Vater, dem Sohn und dem Hl. Geist,

denn dir gehört unsere Vergangenheit,

unsere Gegenwart und unsere Zukunft;

und du regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 12-19:

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,

13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):

15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.

18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Amen.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Hebräerbrief, Kap. 11,1-2.8-12.39-40;12,1-3

(auch Predigttext)

1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

2 In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.

8 Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.

10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte.

12 Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist.

39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt,

40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.

1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,

2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Lebe Leserinnen und Leser!

Es gibt Sonntage im Kirchenjahr, die sind einfach „besetzt“! Und mit „besetzt“ meine ich, dass sie bestimmte Erinnerungen auslösen, bestimmte biblische Geschichten in den Gottesdiensten einfordern, ja einfach ein festes Thema haben. Vielleicht hat sich deshalb irgendetwas in mir gewehrt, als ich den Predigttext für den heutigen Palmsonntag – das kleine Stückchen Hebräerbrief, das Sie als Epistellesung etwas weiter oben lesen konnten – zum ersten Mal zur Kenntnis genommen habe. Damit konnte ich erst einmal gar nichts anfangen!

Warum? – Das schreibe ich Ihnen gerne hier an dieser Stelle. Weil dieser Palmsonntag für mich seit meiner frühesten Kindheit eben „besetzt“ ist. Erinnerungen kommen mir. Für mich war dieser Sonntag immer „Omatag mit Messe und Zweigen“. Die, die mich kennen, wissen, dass ich die ersten Jahre meines Lebens katholisch war. Und an Palmsonntag gab es in unserer Familie einen ganz festen Ritus. Morgendlicher Besuch bei der Oma. Meine Cousinen und ich. Mit der Oma ging es in die heilige Messe. Am Ende gingen wir dann meist dickbepackt mit Buchsbaumzweigen, deren Weihrauchgeruch mir heute noch in der Nase liegt, nach Hause. Bei Oma wurde dann als erstes am Zimmerkreuz der alte Zweig des letzten Jahres abgenommen und der neue daran gesteckt. „Das schützt vor Gewitter und allem anderen“, sagte meine Oma andächtig, machte ein Kreuzzeichen und begann dann, die Buchsbaumzweige zu ganz kleinen Sträußchen zu binden. Die Aufgabe von meinen Eltern und mir war es dann, diese kleinen Sträußchen am gleichen Tag noch unter allen erreichbaren Verwandten, von denen Oma wusste, dass sie wahrscheinlich keinen Gottesdienst besucht hatten, zu verteilen. Und niederrheinische Verwandtschaften sind groß, weil scheinbar jeder, den man kennt, irgendwie dazuzugehören scheint!

Aber wenn Oma den neuen Zweig an ihr Zimmerkreuz gesteckt hatte – was ich dann als Ritus später, wenn ich abends wieder zu Hause war, bei meinem Zimmerkreuz natürlich auch machte, schließlich hatte ich ja auch Angst vor Gewitter – gab es immer noch etwas, worauf wir uns als Kinder so freuten. Alle eng an Oma gekuschelt nahm sie eine Bilderbuchbibel und erzählte uns die Geschichte, wie Jesus auf einem Esel in die Stadt Jerusalem eingeritten kam und die Menschen ihm laut zujubelten. „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ So endete die Geschichte. Das ist zweifellos einer der ersten Sätze, die ich über Jesus auswendig aufsagen konnte! Bestimmt ist das auch ein Grund dafür, dass mich später bei meinen vielen Aufenthalten im Kloster von Taizé das dort gesungene Lied „Benedictus qui venit in nomine domini“ immer besonders berührt hat. Wahrscheinlich habe ich es im Herzen immer für und mit meiner Oma gesungen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

All diese Erinnerungen kamen mir, als sich meine erste Aufgeregtheit über den für mich erst einmal unpassenden Predigttext für diesen Palmsonntag gelegt hatte. Aber dann machte ich es eben noch einmal wie früher als Kind. Ich stellte mir diese Palmsonnntagsszene vom Einzug in Jerusalem – so wie wir sie in der Evangeliumslesung oben lesen konnten – vor Augen und tauchte hinein. Wenn Oma früher erzählte – und sie erzählte so wunderbar –, war es immer ganz leicht. Ich stelle mir also diese Szene vor und schaue auf die Menschen, die dort am Wegesrand stehen und Jesus zujubeln, ihm den Weg schmücken, ihn mit all dem vielleicht sogar in diesem Moment irgendwie überfordern.

Man hatte ihnen einen König versprochen. Jemanden, der sie aus ihren bedrückten Verhältnissen holt. Jemanden, der sie neu stark macht, ihr Leben wieder mehr selbst in die eigene Hand und vor allem auch in die eigene Verwaltung zu übernehmen. Jede Bürde der Knechtschaft sollte von ihnen  genommen werden. So ähnlich war es ihnen jedenfalls schon so lange angekündigt worden, darauf hofften sie nun in diesem Moment der Begegnung mit diesem Jesu, auf den so vieles hingewiesen hat, dass er es sein sollte, der ihre Hoffnungen und Sehnsüchte stillt. Zuversicht hatte sie erfüllt, ja alter Glaube schien sich neu zu erfüllen, schien neu belebt zu werden.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, …“ (Kap 11,1) – Da ist er nun, der Grundgedanke in der ersten Hälfte des ersten Satzes unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief. Er scheint also doch in diesen Sonntag zu sprechen. Ja, ich kann mir vorstellen, wie Menschen erfasst waren von dem Gedanken, dass nun alles besser wird, alles anders wird, Leben neu möglich wird. Jesus, dieser Mann auf dem Esel, er wird es wohl machen! Glaube und Zuversicht werden hier zusammengesprochen. Vielleicht sollen sie ja sogar zusammengehören; vielleicht gehören sie untrennbar zusammen!

Nun stelle ich mir Jesus vor, wie er auf die Menschen schaut, die ihm da zujubeln. Und ich ahne, wie er da schon merkt, wie brüchig das in den Menschen ist, was sie sich da gerade ansehen lassen. Er ahnt jetzt schon, dass es die gleichen Menschen sind, die ein paar Tage später  aus den gleichen Mündern statt des „Hosianna“ das „Kreuzige ihn!“ laut werden lassen. Glaube und Zuversicht – beides kann manchmal sehr brüchig sein.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ist das vielleicht auch gerade eine Erfahrung, die einige von uns selbst in sich spüren? Da sagt uns der Glaube, in dem wir auf die zentrale Woche der Erinnerung – der Karwoche mit dem abschließendem Osterfest als Hoffnungszeichen – zugehen, die uns vielleicht so eng wie sonst nie mit diesem Jesus, mit seiner Geschichte und somit mit Gott zusammenbindet. Wir feiern sie mit besonders gestalteten und sogar in der Form nahe an die Geschichte heranrückenden, liebevoll vorbereiteten Gottesdiensten, in denen wir selbst oft von der mitempfundenen Trauer über den Tod Jesu in das neue Licht der Auferstehung und der Osterfreude am Ostermorgen gehen. Wir spüren in unseren Gottesdiensten nach, wie die Auferstehung Jesu über den Tod siegt und lassen uns anstecken von der Freude. Und dann kommt vor ein paar Tagen die Nachricht und mittlerweile vielleicht sogar die stille Einsicht, dass wir dieses alles auch in diesem Jahr – wie schon so unvermutet im vergangenen Jahr – besser nicht in unseren gewohnten Formen, Liturgien und Kirchen tun sollen, um eben das Leben zu schützen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Hält unsere Zuversicht, hält unser Glaube dem allen stand? Sprechen wir auch und gerade jetzt unseren eigenen Glauben und unsere Zuversicht zusammen? Bleibt beides untrennbar in uns? Gott in Christus kommt zu uns, stirbt für uns, aufersteht für und mit uns, damit wir neu leben. Ist das unser Glaube, ist das unsere Zuversicht?

Ich verstehe alle Entmutigten. Ich verstehe auch die Enttäuschten. Ich verstehe die Ohnmächtigen und die Wütenden. Ich verstehe alle am Glauben, an der Kirche und an Gott Zweifelnden. Ich kann ihnen, so habe ich gerade in diesen Tagen auch oft – wenn ich ehrlich bleibe – das Gefühl, ich kann ihnen allen gar nicht so viel geben, wie sie bräuchten. Auf jeden Fall würde ich gern mehr geben. Mehr zum Bespiel als den zweiten Teil des ersten Satzes aus unserem Predigttext, der mir selbst zur Hilfe wird in diesen schwierigen Tagen, die uns allen gerade wieder und weiter aufgeladen werden. „…und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Kap 11,1) – So heißt es im ersten Satz unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief weiter. Ja, das ist das, was ich selbst gerade fühle und aushalten möchte, hoffentlich auch werde! Nein, ich möchte nicht zweifeln! Zweifel dürfen niemals die Überhand bekommen, sie dürfen mich nicht beherrschen und leiten! Sie dürfen schon gar nicht meine Erinnerungen an einen Tag, den meine Oma mir als Kind so sehr ins Herz gelegt hat, verdunkeln!

Ich möchte auch nicht über das zweifeln, was ich jetzt noch nicht sehe. Die Menschen damals waren auch ganz erfüllt von der Hoffnung auf Veränderung. Niemand hatte wohl eine Ahnung, wie Jesus all ihre Sehsüchte und Vorstellungen erfüllen würde. Wahrscheinlich hat nicht ein einziger der Umstehenden damals daran gedacht, dass er es durch sein Sterben und seine Auferstehung machen und schaffen würde. Sie ließen einfach in diesem Moment die Zweifel nicht zu; sie hofften und glaubten.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Dieser Jesus schaut uns genau so an wie die Menschen damals; erschaut uns genau so ins Herz. Wie damals ahnt und weiß er, wie es wirklich um uns steht. Er kennt auch unsere Zerbrechlichkeit, kennt unseren gerade so angefochtenen Glauben, spürt unsere bröckelnde Zuversicht. Aber –  er kommt, kommt zu uns! Sollten wir auch in diesem Jahr unsere Gottesdienste wieder nicht so feiern können, wie wir es uns so sehr wünschen und gewohnt sind. Gott in Jesus Christus kommt zu uns, in jedes Haus, in jede Wohnung, in jedes Herz! Genau dieses Versprechen Gottes, das sich in Jesus Christus ja längst erfüllt hat, wird es nicht zulassen, dass wir uns unsere Zuversicht zerstören lassen oder sie aufgeben. Jesus kommt, stirbt und geht mit uns neu ins Leben, damit auch wir, damit unser Glaube lebt!

Im letzten Satz unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief werden wir genau daran erinnert, wenn es dort heißt:

„Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“ (Kap 12,3)

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, viele von uns werden sich gerade zu den Ermatteten zählen können, weil das vergangene Jahr uns so zermürbt hat! Ja, viele von uns verlieren mehr und mehr den Mut, weil nichts wirklich voranzukommen und leichter zu werden scheint! Deshalb kann ich auch hier und heute an dieser Stelle nicht mehr tun, als uns alle zu bitten, einzuladen und zu ermutigen, auf den zu schauen, der gerade und besonders an diesem Palmsonntag in unsere Herzen einziehen möchte – Jesus Christus, für uns in den Tod gegangen, für uns den Tod überwunden und auferstanden, damit wir das Leben in Fülle haben! Genau so wird es kommen!

Und deshalb gilt für mich – und hoffentlich für viele andere auch – der Satz, mit dem meine Oma die Palmsonntagsgeschichte immer schloss: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Benedictus qui venit in nomine domini!“

Darauf unsere Hoffnung! Amen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, ich brauche deine Augen,

gib mir einen lebendigen Glauben.

Ich brauche dein Herz,

gib mir in allen Situationen Liebe zum Nächsten.

Ich brauche deinen Atem,

gib mir deine Hoffnung für mich selbst und deine Kirche,

auf dass sie Zeugnis ablege für die Welt,

auf dass man die Christen erkenne

an ihrem strahlenden, heiteren Blick,

an der Wärme ihres Herzens

und an diesem unüberwindlichen Glauben,

der sich aus den heimlichen, unversiegbaren Quellen

ihrer fröhlichen Hoffnung nährt.

Vieles gibt es noch,

worum ich dich, Herr, bitten möchten.

Vertrauensvoll lege ich all das,

was mir auf der Seele liegt,

vor dich und bete in der Stille!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel