(Stand 5. 4. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zu

Palmsonntag, 5. 4. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 69

 Gedanken zu Versen aus Psalm 69 in meinen Worten:

Guter Gott hilf mir!

Das Wasser scheint mir bis zum Hals zu stehen.

Manchmal glaube ich,

ich wäre im tiefen Wasser und gehe unter!

In diesen Tagen tue ich viel weniger als sonst

und doch, ich fühle mich so müde.

Mein Hals kratzt, das ist nicht gut in diesen Tagen.

Schaust du mir in die Augen, siehst du auch Traurigkeit!

Traurigkeit über diese Zeit und dieses Warten,

bis es auch mit deiner Hilfe wieder besser wird!

Du lädst mir einiges auf, ich fühle mich nicht gut!

Ich werde mir selbst fremd!

Vielleicht sogar denen, die ich liebe und die mich lieben,

weil ich sie nicht sehen darf und sie mich auch nicht!

So viele werden ungeduldig;

ja, sie klagen, weil du nicht spürbar bist!

So bin ich nicht!

Ich bete zu dir!

Schenke mir eine neue Zeit, eine Zeit der Gnade,

in der mein Leben wieder blüht!

Ich weiß, du hörst mich und hilfst mir!

Ich sitze hier und frage mich,

ob überhaupt jemand an mich denkt!

Ich wünsche mir Trost,

aber da ist niemand, der mich tröstet.

Was zum Leben nötig ist, das habe ich,

aber nicht das Leben in Fülle.

Das alles tut mir in der Seele weh!

Guter Gott, lieber Gott!

Hilf mir und beschütze mich!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Epistel: Aus dem Philipperbrief, Kapitel 2, Verse 5-11

Leben in der Gemeinschaft mit Christus

1 Ist nun bei euch Ermahnung in Christus, ist Trost der Liebe, ist Gemeinschaft des Geistes, ist herzliche Liebe und Barmherzigkeit,

2 so macht meine Freude dadurch vollkommen, dass ihr eines Sinnes seid, gleiche Liebe habt, einmütig und einträchtig seid.

3 Tut nichts aus Eigennutz oder um eitler Ehre willen, sondern in Demut achte einer den andern höher als sich selbst,

4 und ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.

5 Seid so unter euch gesinnt, wie es der Gemeinschaft in Christus Jesus entspricht:

6 Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich zu sein,

7 sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, ward den Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt.

8 Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode, ja zum Tode am Kreuz.

9 Darum hat ihn auch Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist,

10 dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind,

11 und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr ist, zur Ehre Gottes, des Vaters.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen, jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam, unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Evangelium für den Palmsonntag: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 14, Verse 3-9

(auch Predigttext)

Die Salbung in Betanien

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an. 6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Wodurch werde ich eigentlich zu einem mutigen Menschen? Was bringt mich dazu, aus meiner gewohnten Rolle herauszutreten?

Wie oft fühlen wir uns eingebunden in das, was andere von uns erwarten? In das, was man in bestimmten Situationen eben so tut, wie man sich eben zu verhalten hat. Wie können wir mitten in diesen Erwartungen, mitten in der Routine allgemeiner Verhaltensregeln eigentlich Raum finden und Raum behalten für das Plötzliche, das Unerwartete, das Unerhörte? Was muss eigentlich passieren, damit ich einmal anders reagiere, als es erwartet wird oder es gute Sitte ist? Heute haben wir Palmsonntag. Wir denken daran, daß Jesus seinem Leiden und seinem Tod schon sehr nahe kommt. Und da wagt eine Frau das Außergewöhnliche. Sie haben diese Frau in der Lesung oben gerade kennengelernt. Rufen wir uns den ersten Teil dieser kurzen Szene noch einmal ins Gedächtnis:

3 Und als er in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das Öl auf sein Haupt. 4 Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? 5 Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.

Was war eigentlich so besonders daran, dass sie da an diesem Abend reinkam und Jesus mit einem kostbaren Öl segnete? Nun ich denke, wir müssen kurz die Lebenswelt zu der damaligen Zeit verstehen, um auch die energischen Einwände der Apostel besser einordnen zu können.

Wer möchte sich schon gern bei einem gemütlichen Beisammensein stören lassen? Essen und Trinken ist wohl schon aufgetragen. Da kommt jemand in den Raum, und dann auch noch – für damalige Verhältnisse ungeheuerlich – eine Frau. Eine Frau in solch einer Männergesellschaft! Das ging gar nicht, zumindest nicht als Gast! Hätte sie, wenn diese Salbung schon sein musste, dann nicht wenigstens bis zum Schluss warten können? Und überhaupt: So ein kostbares Öl! Solch eine Verschwendung! Was hätte man damit alles tun können! All dies klingt als Einwand doch eigentlich ganz verständlich. Und doch – weshalb reagieren die Jünger eigentlich so heftig? Ist es wirklich wegen der Salbung, ist es wirklich wegen der Kostbarkeit des Öls? Oder hat ihr Unmut auch noch ganz andere Gründe? Oder werden sie etwa als Freunde Jesu auf einmal eifersüchtig?

Ich glaube, das ist es! Das plötzliche Auftreten der Frau macht die Apostel als Freunde Jesu auf einmal zu Zuschauern einer sehr vertrauten Szene. Sie fühlen sich bei dem, was da gerade geschieht, plötzlich ausgeschlossen. Sie sind Jesus auf einmal so fern, aber diese Frau ist ihm so nah. Vielleicht tut sie etwas, was sie selbst gern getan hätten. Was sie selbst gern getan hätten, wenn Jesus ihnen immer von seinem bevorstehenden Tod erzählt hatte und sie ihre Ohren und ihre Herzen dafür verschlossen hatten.

Vielleicht hatte diese Frau schon einmal eine Begegnung mit Jesus, hatte ihm vielleicht schon einmal zugehört, war in ihrem Glauben naiver oder einfach weiter als die Apostel. In diesem Moment tut diese Frau Jesus einfach gut, weil sie eben Gutes an ihm tut. Sie zeigt ihm ihre ganze Zuneigung, ist ihm nahe, segnet ihn. Das sehen die Jünger und nun fällt es ihnen wie Schuppen von den Augen: ihr Messias wird da gerade gesalbt. Und das kann eigentlich nur einen Grund haben. Das, was er ihnen gesagt hat, er wird wahr sein, wird nahe bevorstehen. Vielleicht macht all dieses sie so eifersüchtig, daß sie eben so heftig reagieren. Und so debattieren sie und legen Jesus gute Gründe zurecht, damit er ähnlich reden könnte wie sie. Sie wollen ihn auf ihre Seite ziehen.

Doch was tut er, was sagt Jesus? Lesen wir es noch einmal!

6 Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. 8 Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis. 9 Wahrlich, ich sage euch: Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Jesus hat sich diese Salbung gefallen lassen, mehr noch, er wird sie genossen haben und er hat sie gut geheißen. Es war auch eine Salbung gegen seine eigene Angst, gegen all das, was er in Kürze so schwer tragen wird. Von einem guten Werk spricht er. Und die Schriftgelehrten, wenn sie es denn auch gehört haben, sie werden die Ohren gespitzt  haben. Sie machten nämlich einen Unterschied zwischen Almosen und sogenannten Liebeswerken. Gute Werke in ihrem Sinne forderten immer einen persönlichen Einsatz, eine Hingabe. Da soll jemand den richtigen Zeitpunkt und den richtigen Ort erkennen, dazu noch die Bedürftigkeit des Menschen in Not. „Ein gutes Werk, ein Werk der Liebe hat sie mir getan“, will Jesus sagen.

Ich finde diese Szene und diesen Satz Jesu einfach nur wunderbar! Hier ist er ganz Mensch. Hier redet er – und das tut er nur ganz selten – eben auch von seiner eigenen Sehnsucht nach Liebe! Ganz menschlich gibt er hier auch einmal seine Bedürftigkeit zu. Diese Frau, deren Namen wir leider nicht kennen, sie hat erkannt, daß Jesus etwas braucht, gerade jetzt, gerade an diesem Ort in Bethanien. Hier und jetzt und eindeutig!

Für die Jünger ist das ungewohnt, Jesus in der Rolle des Bedürftigen zu sehen. Aber es passt zu ihrem Weghören, immer dann wenn er von seinem unbequemen Weg erzählte. Jedes Mal schwiegen sie peinlich, wenn er ihnen sagte, daß er nicht mehr lange unter ihnen sein würde. Ihre Herzen, ihre Augen und Ohren waren dafür nicht empfänglich. Nun, in dieser Szene, konnten sie nicht mehr einfach wegschauen. In diesem Moment hält eine Wahrheit in ihren Herzen Einzug, die weh tut und erschreckt. Und Jesus nutzt diese Begebenheit, um es ihnen noch einmal ganz deutlich zu sagen, weil wohl auch er nun hier den Moment ahnt, dass sie es endlich auch verstehen: „… mich aber habt ihr nicht allezeit. … sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“

Jesus bestätigt hier nicht nur das Christuszeugnis der Frau, die die Stunde erkannt und ihre Chance, das zu tun, was getan werden musste, genutzt hat. Er lässt den Jüngern auch keine Chance mehr, wegzuhören. Auch sie müssen sich jetzt entscheiden, der Wahrheit, die Christus verkündet, offener und mutiger ins Gesicht zu sehen.

Denn sie alle kannten ja auch den Ritus, den diese Frau vollzog, sehr gut. Ja, die Sterbenden, ja auch die Toten, die wurden gesegnet, balsamiert. Und auf einmal, als sie genau dabei zusehen, wie diese Frau diesen ja uralten Ritus an Jesus vollzieht, da erkennen sie die Wahrheit, der sie nun standhalten müssen. Es war eben wahr, was Jesus ihnen gesagt hatte, nämlich dass er sterben würde. Ja, in diesem Moment wurde nicht nur Jesus in seiner ganzen eigenen Bedürftigkeit, sondern auch seinen Freunden ganz klar, was nun auf sie alle wartete. Jetzt war die Stunde der Wahrheit, des Bekennens und der Entscheidung für diesen Jesus und für einen Gott, der sogar in den Tod führt, aber der auch verkündet, dass er niemanden in diesem Tode lässt. Diese Frau hat mit dem, was sie da an diesem Abend tat, Gott selbst verkündet. Eine ganz wunderbare Frau, eine Predigerin Gottes durch ein Werk der Liebe an Jesus.

Ich ahne, wie groß die Freude war, die sie Jesus damit gemacht hat. Er wusste es jetzt noch einmal neu, daß er nicht allein war. Von ihrer Zuwendung wird er bis ans Kreuz gezehrt haben. „Sie hat getan, was sie konnte!“ Sie hat sein Leiden nicht verhindern können. Aber sie hat ihn als den Messias erkannt, sie war da, versuchte zumindest zu lindern, und Jesus vertraute ihr.„Wahrlich, ich sage euch: …“, spricht Jesus, also auch hier und heute, „Wo das Evangelium gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch das sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Ihren Namen kennen wir nicht, aber wir denken an sie auch heute in dieser ungewissen Zeit; so ist es Jesu Wille. Und ich bin sicher, er will auch, daß wir von dieser Frau lernen. Etwas, was sehr, sehr wichtig ist. Und in der Zeit, die kommt, wenn wir alle diese Krise, in der wir gerade leben, überstanden haben, vielleicht um ein Vielfaches wichtiger werden wird. Vielleicht ist es ja dieses:

Liebe Leserinnen und Leser!

Wir merken gerade, wie kostbar das Leben und die Zeit – jeder Tag und jede Stunde – sind.  Es gibt in unserem Leben so viele vertane und verpasste Chancen, die uns oft traurig zurücklassen. Meist merken wir immer erst hinterher: Wir haben wieder einmal auf Konventionen, auf die Angst vor dem Gerede der Leute gehört und nicht auf unser Herz. Wir hätten mutiger und eindeutiger sein müssen, vor den anderen und vor uns selbst!

Verpasste Liebe, versäumtes Leben – all das kennen wir! Das Verhalten der Frau macht uns Mut. Nicht nur Mut, Christus durch unsere Tat zu bekennen. Nein, da ist auch etwas ganz Anderes. Diese Frau macht uns Mut, unseren Gefühlen mehr zu vertrauen und ihnen auch zu folgen. Aus Liebe zu tun, was gerade dran ist. Allen Mut dafür zusammennehmen! Und wir lernen dabei, dass es Taten der Liebe sind, die uns zum Leben führen und Christus nahe bringen. Ein brennendes, ein liebendes Herz, das uns Mut macht, Grenzen zu überschreiten, brauchen wir, kein kaltes in alle möglichen Normen gepresstes, das eigentlich zu nichts mehr nützt. Die Taten eines liebenden Herzens können den Gang der Dinge nicht verhindern. Sie können Leiden und Schmerzen nicht aufhalten. Vielleicht können sie lindern. Bestimmt aber brechen Taten der Liebe das oft so verhängnisvolle Komplott des Schweigens und des Nicht-Wahrhaben-Wollens, sie sind wie ein Hauch Leben mitten im Tod.

Und wenn wir diese Tage, die unser aller Leben so einschränken, ja die uns vielleicht sogar gerade schmerzhaft daran hindern, anderen liebend und liebevoll zu begegnen, dann auch eines Tages überwunden haben, dann werden wir neu leben und vielleicht ja auch neu lieben. Worte der Liebe sagen, dort wo jemand so lange darauf wartet! Werke der Liebe tun, weil wir jetzt schon ahnen, da wartet jemand auf uns und die Freude wird groß sein! Und wir werden uns selbst neu sehen und auch an uns selbst neu spüren, wie wichtig es ist, sich auch selbst liebevoll zu begegnen!

Und dann werden wir lachen! Wir werden uns umarmen und geborgen halten! Wir werden tanzen, singen, das Leben feiern! Die Liebe soll uns leiten und unser Leben neu ordnen! Ich freu’ mich jetzt schon drauf!

Um uns daran zu erinnern und darauf zu hoffen – auch und sogar im Angesicht des Todes, der so vielen Menschen auf der ganzen Welt gerade so nahe kommt und seine Opfer fordert – brauchen wir Ermutigung. Wir brauchen diese kleine Geschichte von der Salbung Jesu durch die Frau in Bethanien. Und genau deshalb wird diese Geschichte heute in den vielen ganz verschiedenen Gottesdiensten, zu denen wir nicht zusammenkommen dürfen stehen – im Fernsehen, im Internet, in unzähligen Aktionen vieler, die sich um ihre Gemeinden sorgen. Wir erzählen und bedenken sie – zu seinem und zu ihrem Gedächtnis.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Barmherziger Gott und Vater!

Segne alle meine Wege,

auch wenn ich sie gerade vielleicht gar nicht gehen kann.

Wir werden sie wieder gehen,

du und ich gemeinsam in neuer Zeit.

Segne alle Begegnungen, alle Gespräche,

die ich heute vielleicht gehabt hätte,

die mir zum Segen geworden wären,

die aber heute und in diesen Tagen nicht möglich sind.

Aber du wirst mich auch wieder zu anderen führen.

dann werden wir uns in die Arme nehmen,

miteinander reden und lachen

und uns zum Segen werden.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen schönen und gesegneten Sonntag!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

 

(Stand 29. 3. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten des Sonntags

Judika, 29. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 43

 Gedanken zu Psalm 43 in meinen Worten:

Guter Gott, ich weiß du lässt Unrecht nicht zu.

Du schützt auch mich vor Menschen,

die mir Böses oder mich in die Irre führen wollen.

Guter Gott, du bist nun meine Stärke, du bist mein Halt.

Siehst du auch in dieser schweren Zeit auf mich?

Spürst du meine Traurigkeit und Sorge,

bei allem, was mich bedrängt?

Mach du mein Leben wieder hell und freundlich,

hilf mir, dass ich auch jetzt Wahres von Falschem unterscheiden kann.

Wahrheit und Besonnenheit, beides soll mich leiten,

wieder und immer wieder neu zu dir.

Und ich werde auch wieder in deinem Tempel sein, in deiner Kirche.

Ich werde hineingehen und wieder mit dir auch in deinem Hause sein.

Dann wird meine Freude vor dir wieder Worte finden,

mit anderen werden wir zu dir rufen

und Lieder vor dir singen und spielen.

Für den Glauben an diese Zukunft danke ich dir!

Aber noch ist meine ganze Seele betrübt.

Da ist so viel Unruhe in mir.

Aber ich werde an dir festhalten,

ich werde ausharren, denn ich vertraue ganz auf dich!

Bis zu dem, Tag an dem sich meine Freude ihre Bahn bricht.

Und ich werde dir danken,

dass du in all dieser Zeit meine Hilfe und der Gott an meiner Seite warst.

Und bleibst!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Evangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 10, Verse 35-45

Vom Herrschen und vom Dienen

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden. 36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue? 37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit. 38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde? 39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde; 40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist. 41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes. 42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. 43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; 44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein. 45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistel für den Sonntag Judika: Aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, Verse 12-14

(auch Predigttext)

12 Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. 13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. 14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder! Wenn ich ganz ehrlich bin: Ich vermisse in diesem Moment den Blick von der Kanzel aus  in „meine“ Lukaskirche so sehr. Vertraute Gesichter über viele Jahre. Immer auch wieder andere und neue! Und ich spüre gerade, wie reich wir sind. Reich an Menschen, an verschiedenen Begabungen.  Mit unserem Reden „Wir werden kleiner, ärmer und weniger“ haben wir uns wirklich in der Vergangenheit oft klein gemacht, ich glaube oft auch kleiner als nötig.

Natürlich sehe ich auch, wie schwierig es ist, z. B. jüngere Menschen für die Gemeinde zu gewinnen. Obwohl immer noch mehr da sind und mitmachen, als wir es wohl ahnen. Aber gerade den jüngeren Menschen fällt es manchmal schwer, den Zugang zu ihrer Kirche und Gemeinde zu finden. Und ich meine damit nicht nur die Konfirmandinnen und Konfirmanden, die uns im Team gerade wieder eine große Freude machen. Nein ich meine auch die Jahrzehnte und Generationen über ihnen – die so genannte „Elterngeneration“. Vielen fällt es immer schwerer, einen Zugang zu ihrer Kirche zu finden. Sie nehmen weniger als früher am Gemeindeleben teil – einmal von der Konfirmation und der Zeit davor abgesehen. Sie besuchen auch immer seltener einen Gottesdienst. Und wenn das stimmt – und wir wollen und können es nicht bezweifeln, dass es stimmt – dann führen uns die Worte aus dem Hebräerbrief vielleicht auch ein Lehrstückchen vor, warum das so sein mag. Denn ich glaube fest, das hat nicht nur damit zu tun, dass die Kirchen, die Pfarrerinnen und Pfarrer und die vielen sonst in der Gemeinde Tätigen die Jugendlichen und die Generationen darüber nicht mehr so ansprechen können, das liegt auch an der frohen Botschaft selbst. Es liegt auch daran, was sie sagt und wie sie es sagt – in dieser Zeit.

Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.

Liebe Schwestern und Brüder, mal ganz deutlich geschrieben: Wer will das heute noch hören, wer kann solch einen Satz heute noch als frohe Botschaft in seinen Alltag einbauen: Leiden, mit eigenem Blut, für andere…? Ja, wenn es hieße: Jesus hat dafür gesorgt, daß die Menschen ein schönes, kurzweiliges Leben genießen können, daß alle genug zu essen, ein Dach über dem Kopf und Arbeit haben. Aber das: …damit er das Volk heilige… Wer kann sich darunter auch nur etwas vorstellen?

Und das geht ja so weiter: So lasst uns nun zu ihm hinausgehen aus dem Lager und seine Schmach tragen. Wer wird denn so etwas wollen – wenn er das Wort überhaupt versteht: „Schmach“…also Schande, Leiden und Schmerz?

Und das letzte stimmt einfach nicht, nicht nur für die Jungen, auch für uns Erwachsene:Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Wir suchen doch meist – gerade im Gegenteil – diese Welt und ihre Freude. Wir haben uns in ihr so gut eingerichtet, jedenfalls so gut es halt geht, und nach der zukünftigen Welt steht uns nicht der Sinn, jedenfalls heute doch noch nicht!

Doch: Stopp! Halt! Genau so hätte ich bis vor zwei Wochen wohl noch gepredigt. Aber alle die jetzt an dieser Stelle mitlesen, wissen, dass nichts mehr so zu sein scheint, wie es einmal war. Und vor allem, dass wohl auch alles anders werden wird. Und wir wissen noch nicht einmal, wie es aussehen wird!

Unsere bleibende Stadt ist erschüttert. Wie viele wären jetzt froh, wenn die Welt so sein könnte wie z. B. am Jahresanfang! Wir merken gerade, wie viele vermeintliche Sicherheiten in Beruf und Existenz ins Wanken geraten. Nichts ist sicher, gar nichts! Es sind nicht wenige Menschen, die gerade ihre ganze Heiterkeit und Unbeschwertheit gegen Sorge und Angst eingetauscht haben und spüren, wie schwer so etwas auf einem Menschen liegen kann. Ich denke an die vielen Kinder und  jungen Menschen, die in ihrer ganzen Unbekümmertheit sich wohl immer noch nicht wirklich vorstellen können, was gerade passiert und wie es auf ihr Leben Einfluss nehmen wird.

Und bei all dem wird mir eines klar: wir haben hier keine bleibende Stadt, auch wenn für viele gerade die eigene Wohnung dazu geworden zu sein scheint. Ein Rückzugsort für möglichst viel Sicherheit! Auch mit der Möglichkeit, die Welt buchstäblich mal für eine Zeitlang draußen zu lassen. Sie – wie auch ich – wissen, wie schwer das fallen kann!

Wir haben hier keine bleibende Stadt. Vieles wird anders werden. Und wir werden gemeinsam in eine neue, eine zukünftige Stadt aufbrechen müssen. Meine Ahnungen davon sind ganz ungeordnet, ganz subjektiv und auch ganz persönlich. Ich hoffe, wir werden neu darauf schauen, wie viel es wertzuschätzen ist, wenn Menschen sich in Berufen der Gesundheitsvorsorge und Krankenpflege engagieren. Und wir haben jetzt schon gelernt, dass sie allesamt Menschen sind, die weit über ihre eigenen Grenzen hinausgehen müssen und wollen, um anderen beizustehen. Da setzen Menschen ihre ganze Kraft ein, um für alte Menschen, für Menschen mit Behinderungen da zu sein. „Haltet Abstand“ können sie zur Zeit nur übersetzen mit „Bleibt in meiner Liebe“, um den Mut zu finden, weiter zu pflegen und Menschen nahe zu kommen. Da sind so viele Menschen, die mit dafür sorgen, dass wir alle weiter versorgt sind. Mir war niemals so bewusst wie heute, welche Berufe alle dazu zählen. Das beschämt mich. Vieles habe ich einfach immer als selbstverständlich hingenommen!

Und nun – in schwerer Zeit – beginnen Menschen, eigene Dankbarkeit dafür auch wieder in ein Lächeln für andere zu verwandeln. Ich spüre, wie Respekt wächst. Zusammenhalt und Gemeinschaft sind plötzlich wieder Worte geworden, die gegen Einsamkeit und Isolation stehen.

Vor allem aber freut es mich – und das bekenne ich an dieser Stelle ganz freimütig –, dass das unerträgliche Geplapper und die hohlen Phrasen der Populisten und rückwärtsgewandten Miesmacher endlich einmal verstummt, weil sie sich selbst entlarvt haben, wie hohl und leer ihr Reden ist.

Und dann ahne ich noch etwas? Welche Rolle wird das Geld in der zukünftigen Stadt spielen? Kann und wird es so sein, dass das Geld oberste Priorität in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft behalten wird? Oder wird Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung noch einmal neu beschrieben und übersetzt? Ja, wir brauchen einen guten Plan für die zukünftige Stadt. Und dabei spüre ich zumindest zwei Gefahren.

Die erste Gefahr: Wir wissen, wie schnell der Mensch vergessen kann! Wir wissen, wie schnell wir auch immer wieder in alte Muster zurückfallen können! Wir wissen, wie groß die Versuchung ist, sich selbst in Vielem als den Mittelpunkt zu sehen, um den sich alles zu drehen hat. Und damit verliert man eben schnell wieder den Blick für den anderen Menschen.

Die zweite Gefahr: Wie groß wird die Versuchung werden, wieder zu glauben, wir hätten alles selbst in der Hand? Wir groß wird die Überzeugung sein, die eigene Kraft reicht wieder aus und selbstgemachte Sicherheiten tragen wieder? Wie schnell werden wir auch wieder in der Gefahr stehen, den zu vergessen, der uns in diesen Tagen spürbar zur Seite stehen will?

Gott ist nahe! Ist bei uns! Ist bei denen, die leiden und sterben, ist ganz am Ende ihr einziger Besuch, Halt und Trost! Geht mit uns in unsere Angst und Sorge! Und er geht mit uns aus dieser Angst heraus, mit uns aus all unseren Sorgen! Hinein in die Zukunft, in der unsere Freude wieder Lieder finden wird, in der herzliche Umarmungen auch spüren lassen werden, wie gut es Gott mit uns meint.

Er geht mit uns in eine zukünftige Stadt, die er – quasi als Baumeister – für uns längst bereitet hat, von der er schon weiß, wie sie aussehen soll und wird. An uns ist es nicht, einen Plan für diese Stadt zu machen, die uns nicht gehört. An uns ist es, mitzuhelfen, dass Gottes Plan unter uns Menschen und für uns Menschen greift. Dass er sichtbar wird, erlebbar für jeden – gerade auch in der Art, wie wir künftig zusammenleben und miteinander umgehen.

„Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung uns Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Licht in der Dunkelheit!“ So beschreibt ein Lied in unserem Gesangbuch (eg 591) die Hilfe für den Weg in diese zukünftige Stadt.

Noch vor wenigen Wochen hätte ich über diese zukünftige Stadt wohl wie über einen Hinweis auf das Leben in Gottes Ewigkeit, auf ein Leben, wenn er uns in sein Reich aufgenommen hat, gepredigt. Hätte Mut gemacht, darauf zu vertrauen, dass unser Leben hier auf Erden nicht alles ist.

Aber wie oft habe ich in 35 Jahren Predigtdienst davon gesprochen, dass Gottes Reich nicht an irgendeinem St. Nimmerleinstag anbricht, sondern dass es schon mitten unter uns ist. Sein Sohn Jesus Christus ist für uns gestorben, er ist für uns auferstanden, er hat für uns den Tod überwunden. In der nächsten Zeit werden wir – diesmal wohl in ungewöhnlicher Weise – daran denken. Und damit ist Gottes Reich mitten unter uns angebrochen! Ein für allemal!

Aber die zukünftige Stadt wird keine abstrakte Größe mehr bleiben. Wird uns nicht bloß an die Ewigkeit bei Gott erinnern. Nein, sie ist auf einmal ganz nah. Sie wird für uns zu einer Chance werden. Sie wird beides verbinden. Das Vertrauen auf unsere Ewigkeit bei Gott und den Neuaufbruch in die Zukunft nach der Krise.

Kirchenvater Augustinus wird ein Satz zugeschrieben, den Frère Roger in Taizé uns Jugendlichen einmal so ans Herz legte. „Wir Christen gehen von Neubeginn zu Neubeginn!“

Und ich denke: Noch eine Weile, dann werden wir aufbrechen! Und gegen all meine eigene Angst und Sorge: Ich freu’ mich jetzt schon darauf!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Ein Gebet von Florence Nightingale(1820-1910), Begründerin des Krankenpflegewesens, Reformerin des Sanitätswesens und der Gesundheitsfürsorge, begleitet uns heute in diesem Lesegottesdienst.

Spender des Lebens, gib mir Kraft,
dass ich meine Arbeit mit Überlegung tue,
getreu dem Ziel, das Leben jener zu hüten,
die meiner Versorgung anvertraut sind.
Halte rein meine Lippen von verletzenden Worten,
gib mir klare Augen, das Gute der andern zu sehen.
Gib mir sanfte Hände, ein gütiges Herz
und eine geduldige Seele.
Dass durch deine Gnade Schmerzen gelindert werden, kranke Körper heilen,
Gemüter gestärkt werden,
der Lebenswille wieder wachse.

In der Stille beten wir für die, die uns heute besonders am Herzen liegen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen,

und natürlich auch an Sie selbst zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

(Stand 21. 03. 2020)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten des Sonntags

Lätare, 22. März 2020

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 84,2-13

 

Gedanken zu Psalm 84 in meinen Worten:

 

Wie schön ist es, zu wissen dass du nahe bist,

und ich auch in meiner Wohnung bei dir zu Hause bin.

Das ist, was meiner Seele jetzt gut tut.

Ja, Leib und Seele freuen sich, dass du, lebendiger Gott, nahe bist.

Die Vögel fliegen herum, Schwalben beginnen ihren Nestbau.

Sie tun es unbeschwert und ebenso unter deiner Hut.

Segen für alle, denen du nahe bist, so wie mir.

Segen all denen, die dich auch jetzt loben können.

Es seien gesegnet alle,

die jetzt ihr ganzes Vertrauen auch auf dich legen können

und auf den Wegen bleiben, die du für sie gebahnt hast.

Wir gehen durch schwere Zeiten,

bleib du unsere Quelle für alle neue Kraft, die wir brauchen.

Schenke du, was uns zum Segen werden kann.

Und lass uns davon weitergeben, damit wir uns alle in dir wiederfinden.

Guter Gott, ich weiß, du hörst mein Gebet,

du hörst mein Stammeln und all die Sorge dahinter.

Jeder Tag mit dir an meiner Seite ist unendlich wertvoll, ist Segen.

Und daran möchte ich festhalten.

Du bist meine Sonne, du bist mein Schutz in dieser schweren Zeit.

Ich lebe aus deiner Gnade, dafür lass mich dankbar bleiben.

Ich weiß, du lässt mich keinen Mangel leiden.

Darauf möchte ich vertrauen.

Gesegnet seien alle, die sich dir anvertrauen.

Sei bei ihnen und allen Menschen!

 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kap. 12 die Verse 20-24:

Die Ankündigung der Verherrlichung

Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest. Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen. Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus. Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

Amen.

 

Predigttext für den Sonntag Lätare: Jes 66, 10-14

10 Freut euch mit Jerusalem und jauchzt in ihr alle, die ihr sie liebt! Jubelt mit ihr, alle, die ihr um sie trauert, 11 auf dass ihr trinkt und satt werdet an der Brust ihrer Tröstungen, auf dass ihr schlürft und euch labt an der Brust ihrer Herrlichkeit! 12 Denn so spricht der HERR: Siehe, wie einen Strom leite ich den Frieden zu ihr und die Herrlichkeit der Nationen wie einen rauschenden Bach, auf dass ihr trinken könnt; auf der Hüfte werdet ihr getragen, auf Knien geschaukelt. 13 Wie einen Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch; in Jerusalem findet ihr Trost. 14 Ihr werdet das sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün. So offenbart sich die Hand des HERRN an seinen Knechten, aber er ergrimmt gegen seine Feinde.

 

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Natürlich würde ich mich gerne frei machen von all dem, was mir in diesen Tagen des ausgehenden März 2020 wie ein Mühlstein um den Hals liegt. Natürlich würde ich gern das erste Frühlingswochenende unbeschwert verbringen. Und natürlich würde ich gern unbeschwert auf diesen Predigttext schauen, um dem nachzuspüren, was er uns sagen möchte und welche gute Nachricht er für uns bereit hält.

Aber ganz ehrlich, ich bin nicht unbelastet. Jetzt über Freude zu predigen, wie klänge das in unseren Ohren. Obwohl wir gerade auch in diesen Tagen einiges erleben, über das wir uns neben allen Ängsten und Sorgen auch freuen dürfen. Da sind Menschen, die unter ganz unglaublichen Anforderungen und trotz allem für uns sorgen. Da erwacht das Mitleiden und Mitsorgen für andere unter uns noch einmal ganz neu. Und, und, und … Nein, es ist nicht alles schlecht in diesen Tagen!

Ich könnte jetzt auch nicht einfach losgelöst von allem z.B. über die besondere Stellung Jerusalems predigen oder über den Friedenswunsch für diese Stadt, den der Prophet unserem Gott in der Mitte des Textes in den Mund legt! Eher natürlich anders herum, Gott lässt Jesaja diesen Wunsch aussprechen. Ein wirklich frommer Wunsch, durch so viele Jahrhunderte! Alles könnte diese Stadt für unseren Glauben sein, für den jüdischen natürlich wie auch für unseren christlichen. Ja darüber hätte ich mich unter anderen Umständen wohl ausführlich auslassen können. Aber ich kann es eben nicht.

Woran aber bleibe ich hängen? Ein Satz war sofort da. Er war sofort da, weil er an mein Innerstes rührt. „Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch!“ Eine Mutter tröstet ihren Sohn. Zweimal bin ich in der vergangenen Woche wegen Beerdigungen auf dem Friedhof gewesen, zweimal musste ich dabei an dem Grab meiner Mutter vorbei. Und zweimal konnte ich mir meine Tränen nicht verkneifen. Und das aus zwei Gründen. Zum einen stellte ich mir kurz vor, sie säße jetzt in ihrem Zimmer im Seniorenheim, auf das sie in den letzten sechs Jahren ihres Lebens angewiesen war. Sie fühlte sich dort wohl, so wie man sich in einer solchen Einrichtung eben wohlfühlen kann. Solange ihr Bewusstsein noch mitspielte, mit aller Vernunft in die Einsicht, dass es eben anders nicht mehr möglich ist, aber immer auch mit dem Rest an Heimweh nach der Zeit davor. Und dann stellte ich mir an ihrem Grab eben vor, wie sie jetzt nun da säße. Versunken in ihrer für mich so schwer erträglichen Demenz. Sie säße da, allein, ohne zu wissen, dass ich sie nun nicht oder nur schwer besuchen dürfte. Obwohl ich bin zutiefst davon überzeugt, dass auch wenn sie es nicht mehr hätte wissen können, aber gespürt hätte sie es, davon bin ich zutiefst überzeugt. Denn das Herz und die Liebe sprechen ihre ganz eigene Sprache. Und dafür braucht es keine Worte. Da am Grab war ich auf einmal, wenn ich ganz ehrlich bleiben darf, froh, dass sie diese Zeit nicht erleben muss. Und gleichzeitig war da auf einmal das andere, für mich fast ebenso spürbar. Wie viele alte Menschen sitzen nun in ihren Wohnungen, Seniorenheimzimmern oder wo auch immer und warten. Buchstäblich auf bessere Zeiten. Vor allem aber auch darauf, dass sie nicht vergessen werden. Und wie viele von uns als Töchter und Söhne, Enkelinnen und Enkel leiden gerade daran, ihnen genau diese Sorge durch unbeschwerte Besuche nicht nehmen zu können. Ich stand da am Grab, und es geschah etwas für mich Wunderbares. Für einen kurzen Moment war es so, als könnte ich meine Mutter reden hören. Hören konnte, was sie immer dann sagte, wenn alles um sie herum zu toben schien. „Lass uns ruhig bleiben, sonst hören wir den lieben Gott nicht!“ Ein Satz, der mich seit meiner Kindheit begleitete. Sie hatte ihn von meiner Oma, ihrer Mutter. Und ich habe ihn von ihr!

„Lass uns ruhig bleiben, sonst hören wir den lieben Gott nicht!“ Ja, das war ihre ganz eigene Übersetzung der Worte, die Jesaja sagt: „Wie ein Mann, den seine Mutter tröstet, so tröste ich euch!“ Wunderbar!

Und noch ein anderer Satz unseres Predigttextes fand sofort den Weg in mein Herz.

„Ihr findet Trost. Ihr werdet es sehen und euer Herz wird jubeln und eure Knochen werden sprossen wie frisches Grün.“

Ja, so soll es ein. Mitten in all dieser schwierigen Zeit schaut Gott uns an. Ein Gott, der niemals unser Unheil will, der niemals das Leid eines Menschen will, ein Gott der an der Seite eines jeden Menschen bleibt und mitträgt, wenn er dennoch Unheil erleidet, ein Gott der selbst mitleiden kann und dessen eindeutiges und letztes Wort immer die Liebe ist. Dieser liebende Gott schaut uns an und will unser Trost sein. Wir dürfen neu lernen, uns an ihn zu wenden. Egal wie fromm oder vermeintlich unfromm, egal wie fern oder nah wir selbst uns Gott glauben. Jede und jeder von uns ist sein Geschöpf, dem er seine ganze Liebe schenkt. Bei ihm ist jeder Gedanke, jedes unausgesprochene Worte, jedes gestammelte, jedes unfertige Gebet, sind all unsere Sorge und Angst längst geborgen.

Und dann lässt er sich spüren, niemals aufdringlich, aber beharrlich. Er möchte jetzt schon unseren Blick weit machen, unser Herz wieder neu öffnen. Er will, dass wir die Welt und uns darin sehen, wie sie wieder werden wird. Er wird unser Herz wieder jubeln lassen, weil eigene und neu gefundene Fröhlichkeit uns gegenseitig wieder zum Leben anstecken wird. Er wird uns neue Kraft schenken, damit wir Angst und Sorge abschütteln können um wieder frei zu atmen.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Das sind die Dinge, die mich aus diesem Predigttext heraus in die Zeit tragen, die vor uns liegt. Ein Gedanke an meine Mutter und ihre Weisheit und die Verheißung Gottes, dass er uns niemals verlässt, sondern einen neuen Anfang schenken wird. Uns vor allem anderen aber im Moment eben all die Kraft gibt, um besonnen zu bleiben. Um mitzuhelfen, diese Krankheit zu besiegen, in dem wir uns zurückziehen – in unsere Häuser und Wohnungen. Zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz derer, die nun in den Krankenhäusern, in den Senioreneinrichtungen, in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, in einigen Geschäften und Diensten für andere Menschen da sein müssen und ja auch wollen. Entlasten wir sie dadurch, dass wir alle ihnen keine zusätzliche Last werden. Entlasten wir uns auch dadurch, dass wir uns um einander sorgen. Geht es dem Nachbarn, der Nachbarin gut? Was machen die Eltern? Wie geht es den Kindern? Können wir telefonieren oder – wie man heute auf internetdeutsch sagt – skypen oder facetimen? Für wen bete ich, wenn ich allein in meiner Wohnung sitze, für wen – außer für mich selbst? Und wenn ich diese Frage beantworte, spüre ich immer auch, wie wertvoll mir andere Menschen sind. Und bleiben werden! Wir sehen uns wieder! Und dann werden wir es uns sagen und uns endlich auch wieder in den Armen liegen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Fürbittgebet

Guter Gott, schau’ auf uns und höre uns.

Höre in unser Schweigen und schau in unser Herz.

So vieles liegt uns auf der Seele.

Für manches finden wir keine Worte und nur unklare Gedanken.

Deshalb wollen wir selbst auch nicht viele Worte machen.

Du verstehst alles und wandelst es zum Guten.

So bitten wir dich für alle, die wir lieben.

Wir bitten dich für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

Wir bitten dich für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns auch durch schwere Zeiten tragen wird:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.