(Stand 4. 4. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Samstag, 4. 4. 2020

 Psalm 115,2.3

„Warum sollen die Heiden sagen: Wo ist denn ihr Gott? Unser Gott ist im Himmel; er kann schaffen, was er will.“

Römerbrief 1,20

Gottes unsichtbares Wesen – das ist seine ewige Kraft und Gottheit – wird seit der Schöpfung der Welt, wenn man es wahrnimmt, ersehen an seinen Werken.

 Eigentlich müsste ich jetzt …

Mein Terminkalender hat mich daran erinnert: Eigentlich wäre ich heute auf unserer Konfirmandenfreizeit. Wir ziehen uns gemeinsam in eine alte Schloßruine zurück, versorgen uns selbst.! Für einen Pfarrer sind diese Tage mit den Konfi’s immer eine besondere Zeit! Es sind für mich als Pfarrer die Tage mit ganz wenig Schlaf. Es sind die Tage, bei denen ich mich den ganz lebenspraktischen Fragen einiger Konfi’s stellen muss: „Wo ist bei einem Geschirrhandtuch eigentlich vorne? Warum sehen meine Kartoffeln eigentlich immer wie kleine Würfel aus, wenn ich sie geschält habe? Wie macht man eine Tür eigentlich leise zu?“ Usw, usw…

Wir hätten viel gelacht, hätten gespielt. Wir hätten unsere Zeit miteinander geteilt, wahrscheinlich ohne daran zu denken, welch ein kostbares Geschenk die Zeit ist. Nun wissen wir es alle, wenn wir vieles in diesen Tagen eben nicht können! Vor allem aber hätten wir einen wunderbaren Gottesdienst vorbereitet. Wir hätten die Gebete geschrieben, hätten Lieder gesucht. Und jede und jeder der jungen Menschen hätte durch Mithilfe und Beratung der anderen einen biblischen Spruch gefunden, der ihn als Segenswort und Konfirmationsspruch von diesem Konfirmationstag an durch’s Leben begleitet hätte. Wie lautet eigentlich Ihrer? Oder mit welchem Bibelwort gehen Sie durch’s Leben?

Und dann hätten wir am 3. Mai 2020 zur Konfirmation ein Fest des Lebens gefeiert! Mit allem Drum und Dran! Eng gepresst in einer an diesem Tag viel zu kleinen, aber immer alle aufnehmenden Kirche! Der Winzenheimer Musikverein hätte die Konfi’s in der Kirche musikalisch empfangen. Der Gospelchor „Grenzenlos“ hätte zum Abschluss alle in der Kirche zum Klatschen, Mitsingen und Tanzen gebracht und so ins Fest der Familien übergeleitet.

Das alles hätten wir gemeinsam vorbereitet. Alle Konfirmandinnen und Konfirmanden, unsere Jugendleiterin, die bei solchen Freizeiten immer wie ein Fels in der Brandung alles so wunderbar leitet und ohne die ich – ich schreibe es einmal so, weil ich keine anderen passenden Worte finde – „echt aufgeschmissen“ wäre und mein Kollege. Wir alle gemeinsam hätten dieses Fest vorbereitet und dann  auch gefeiert. Eigentlich! Aber diese Feier fällt erst einmal aus und ist verschoben!

Und wie mich mein Terminkalender an diese Konfirmandenfreizeit erinnert, erinnert er mich durch sein ab und zu erklingendes „Pling“ an viele Termine, die ich in diesen Tagen hätte wahrnehmen dürfen und müssen. Eigentlich hätte ich Taizé-Gottesdienst gehabt! Eigentlich! Fällt aus! Eigentlich hätte ich ein Taufgespräch führen dürfen! Eigentlich! Taufe ist auf unbstimmte Zeit verschoben! Eigentlich hätte ich auch ein Traugespräch geführt! Eigentlich! Die Hochzeit ist verschoben! Eigentlich hätte ich … Eigentlich!

Und warum fallen all diese Termine aus? Na, weil es eben allesamt Termine sind, bei denen ich auf Menschen getroffen wäre, im Gemeindehaus oder bei Hausbesuchen. Ich wäre ihnen begegnet, so wie es bisher immer ganz normal war. Aber die Zeit ist eben anders in diesen Tagen! Und wir leben sie alle auch anders! Das weiß ich aus vielen Gesprächen.

Da sind die Aufräumer unter uns, die endlich mal zu Hause das tun, was lange schon dran gewesen wäre; ein Vorsatz, den ich allerdings und leider immer noch vor mir her schiebe. Da sind die, die diesen Tag einfach einmal nutzen, um sich auch wieder an Menschen zu erinnern, zu denen man länger schon keinen Kontakt mehr hatte und die sich dann über ein unverhofftes Telefonat freuen können! Da sind aber auch die, denen die Zeit lang wird. Denen das Aushalten jetzt schon von Tag zu Tag schwerer fällt und denen ich die zunehmende Einsamkeit am Telefon manchmal geradezu anhören kann! Und da sind die Macherinnen und Macher unter uns, diejenigen, die ständig unter Strom stehen und von morgens bis abends normalerweise unterwegs und geschäftig sind. Sie erlebe ich manchmal mit einem geradezu schlechten Gewissen vor sich selbst und anderen, im Moment nicht produktiv sein zu können. Ich weiß sehr gut, in welche Gruppe ich mich sofort einreihen könnte. Zu welcher gehören Sie?

Aber egal, zu welcher Gruppe Sie und ich gerade gehören, eines verbindet uns alle. Wir leben in einer vielleicht anderen Zeit, das mag sein. Aber es ist eine Zeit, die uns allen von Gott geschenkt ist und von der ein Beter in einem Psalm des Alten Testamentes ganz überzeugt sagen kann: Meine Zeit steht in deinen Händen. (Psalm 31,16)

Wir leben nicht allein, auch nicht in unseren Wohnungen und Häusern. Wir leben in Gottes Hand, die immer auch und gerade besonders eben bis in unsere Wohnung reicht! Und so getragen und behütet halten wir sie eben aus, diese eigenartige und so ganz anders unverhoffte Zeit!

Ach übrigens: Gestern hätte ich fast meine Sporttasche gepackt. Meine Tischtennismannschaft hätte gestern Abend eigentlich ein Auswärtsspiel gegen Niederhausen/Norheim gehabt. Leider nur eigentlich! Fällt ja aus. Na, bleibe ich eben zu Hause! Was sonst!

Und noch ein allerletztes zu diesem Wörtchen „eigentlich“. Kennen Sie solche Sätze von sich selbst auch: Eigentlich bin ich zufrieden! Eigentlich habe ich, was ich brauche! Eigentlich brauche wirklich ich gar keine anderen Menschen! Eigentlich kann ich gut allein sein! Lassen Sie das „Eigentlich“ doch einfach einmal weg, streichen Sie es. Dann können Sie nämlich das Ausrufezeichen durch ein Fragezeichen ersetzen. Und – wie können Sie dann auf diese offenen Fragen antworten?

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 3. 4. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Freitag, 3. 4. 2020

 Ps 89,16

Wohl dem Volk, das jauchzen kann! HERR, sie werden im Licht deines Antlitzes wandeln.

Epheser 5,8-9

„Wandelt als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit.“

 

Ich kann träumen, wohin ich will!

Gestern war ich in Südtirol, mit meiner Liebsten in „unserem“ Sulden zum Skifahren! Ich war in Spanien, in Moraira, einem wunderbaren Ort an der Costa Blanca, in dem ich seit mehr als 35 Jahren oft bin. Ich war in Kroatien, in Okrug Donji auf der Terrasse zweier wunderbarer Menschen, die ich als engste Freunde immer mit im Herzen habe. Und ich war in Taizé, meiner geistlichen Heimat. Und natürlich habe ich dort bei Kiki und Georges auf der Terrasse gesessen. Und als ich die Augen wieder aufmachte, saß ich in meinem Garten in der Sonne. Und konnte lächeln!

Lächeln, weil in mir auf einmal der Mut neu erwachte, fest darauf zu hoffen, dass diese Orte und Menschen auch wieder mein Leben teilen werden. Vorbei die Trauer, die mich überkommen hatte, weil ich vor vierzehn Tagen eigentlich im Paradies von Sulden zum Skifahren gewesen wäre. Abgesagt! Angenommen habe ich die Trauer, dass ich Kiki und Georges in Taizé für den Mai noch absagen muss. Zjelka in Kroatien gönnt mir ab und zu per Facetime einen Blick auf meinen Platz auf der Terrasse direkt an der Adria, der in diesem Jahr leer bleiben wird. Und aus Moraira bekam ich gestern einen Gruß von meinem Lieblingswirt meiner Lieblingskneipe. Wie oft haben wir dort in der Sonne vor seinem Lokal gesessen und bei einem frisch gezapften Mahou über Gott und die Welt philosophiert und das Leben genossen. Sie alle kennen bestimmt auch solche Lieblingsplätze, an die Sie sich hinträumen können. Auch Ihnen fallen Menschen ein, die Ihnen an anderen Orten zu Freunden geworden sind. Und auch Ihnen wird es deshalb ähnlich wie mir gehen. Einige meiner Pläne für dieses Jahr sind bereits gekippt, andere werden es wahrscheinlich ebenfalls bald nachmachen. Nichts ist mehr, wie es war. Im Moment ist gar nichts planbar!

Und als ich gestern da in der Sonne in meinem Garten saß, da ist mir noch einmal ganz neu bewusst geworden, für wie selbstverständlich ist das alles bisher genommen habe. Frei leben zu dürfen; reisen zu dürfen, wohin ich will! Einen Beruf auszuüben, der für mich auch Berufung ist, und mir erlaubt, gesichert zu leben. Wie oft habe ich vergessen, für all das zu danken, weil es eben keineswegs selbstverständlich ist.

Und dann habe ich an all diejenigen gedacht, für die das ein oder andere eben nicht zutrifft, und für die sich in diesen Tagen in der persönlichen Situation vielleicht sogar einiges verschärft. Ach ja, gesund bin ich auch. Noch, muss man ehrlicherweise heute sagen! Auch das ist nicht selbstverständlich, und wir werden in diesen Tagen brutal darauf gestoßen. Und immer sind wir dabei in der Gefahr, all das zu bedenken und uns mit solchen Gedanken wieder ängstlich und klein zu machen, ja in Trübseligkeit und verzweifelnden Momenten zu versinken. Deshalb an dieser Stelle jetzt genug davon! Schluss!

Ich wollte Ihnen nämlich noch schreiben, woran ich noch dachte, als ich da gestern im Garten saß, in den blauen Himmel sah und durch die Sonnenbrille die Sonne anschaute. Es war ein Psalmvers und ein Lied, das ich auf einmal vor mich hin summte. In Psalm 113 Vers 3 heißt es: „ Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des Herrn!“

Und mit diesem Gedanken und mit meinem Lächeln saß ich auf einmal da. Und freute mich. Freute mich bei dem Gedanken, dass es die gleiche Sonne ist, die nun gerade auch auf meine Lieblingsorte sowie Freundinnen und Freunde dort scheint, egal, wo sie gerade sind. Es ist die gleiche Sonne, die auch auf die Menschen scheint, die ich liebe und mit denen ich jetzt nicht zusammen sein kann. Und es ist nicht nur die gleiche Sonne. Es ist auch die gleiche Liebe, in der sie alle leben dürfen. Denn es ist auch der gleiche Gott, der mir hier in meinem Garten Wärme, Licht, Hilfe und Schutz ist. Genau so ist er es auch bei denen, zu denen ich mich hinträume, wenn ich meine Augen schließe. Ich spüre den Schnee im kleinen Paradies Sulden unter meinen Füßen knirschen, ich rieche die herrlichen Düfte aus der Küche von Zjelka in Kroatien, ich schaue das wunderbare klare Meer in Moraira an der Costa Blanca. Und ich höre das Läuten der Glocken von Taizé, die mich zum Gebet rufen. Taizé, mein Taizé!

An all diesen Orten sitzen Menschen jetzt ähnlich eingeschränkt wie ich. Sie alle haben genau wie wir schwere Zeiten durchzumachen. Und all diesen Orten und Menschen bin ich trotzdem nahe. Eben weil sie in meinem Herzen wohnen!

Und ich bitte Sie alle, die Sie das jetzt hier lesen, ganz herzlich, erinnern Sie sich auch an ihre Lieblingsorte und Menschen, denen Sie so gerne begegnen. Schließen wir sie alle in unsere Gebete ein. Und dann träumen wir uns einfach kurz einmal hin! Denn unsere Träume und Gedanken sind frei! Daran kann kein Virus dieser Welt uns hindern! Und dann schließen wir all unsere Träume und Gedanken mit unserer gemeinsamen Hoffnung: Wie sehen uns wieder!

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 2. 4. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Donnerstag, 2. 4. 2020

 Ps 71,17

Gott, du hast mich von Jugend auf gelehrt, und noch jetzt verkündige ich deine Wunder.

Lk 2,28-30

„Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.“

 

Petrus, ich könnte glatt von dir lernen!

Es gibt in diesen Tagen Momente, da fühle ich mich ganz allein. Und dann merke ich, ich bin es ja auch. Natürlich bin ich es nicht! Da sind Menschen, die ich liebe und die mich lieben. Aber wir können im Moment eben nicht zusammen sein. Und das macht es in manchen Momenten eben noch schwerer. Gestern war ein solcher Moment. Kurz dachte ich, es würde alles über mir zusammenbrechen, und ich versinke in ein Tal von Trauer, Müdigkeit oder Verzweiflung.

In solchen Momenten, die – glaube ich – auch vor Corona-Zeiten jeder schon einmal erlebt hat und deshalb kennt, kommt mir immer eine biblische Geschichte in Kopf und Herz, die mir dann wieder heraushilft. Einige kennen sie vielleicht.

Jesus hatte zu den Menschen gesprochen, wollte dann allein sein und zog sich auf einen Berg zurück. Die Jünger blieben im Boot, fuhren zurück auf den See. Die Wellen wurden stärker, Wind kam auf. Jesus spürte ihre Angst und kam ihnen deshalb auf dem Wasser entgegen. Als die Jünger das sahen, erschraken sie. „Seid getrost! Ich bin’s erschreckt nicht! Fürchtet euch nicht“ So redete Jesus sie an. Einer, Petrus, nahm den Mund allerdings gleich wieder ganz schön voll, wie so oft: „Wenn du es bist, befiehl mir, dass ich zu dir komme!“ Jesus schaut ihn an und sagt: „Komm her!“ Und was macht Petrus. Er steigt aus dem Boot und geht über’s Wasser. Nach ein paar Schritten auf dem Wasser und im starken Wind geht er unter. Jesus packt ihn, redet ihn an: „Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt!“

Genau so kam ich mir gestern für einen kurzen Moment vor, wie ein Kleingläubiger! Ich kann irgendwie im Moment keine Corona-Nachrichten mehr hören. Wenn sie bei allen Zahlen von Neuinfektionen, Todesfällen wenigstens die Zahl der Genesenen, wenn sie überhaupt genannt wird, nicht immer nur hinten dran hängen würden, sondern als bewusstes Hoffnungszeichen vielleicht auch einmal zuerst nennen würden. Wenn manche einfach einmal ihren Mund halten würden, statt Halbwissen oder Unausgegorenes zu verbreiten. Wenn manche einfach einmal ein wenig demütiger sein könnten, weil sie einsehen könnten, dass wir alle wohl noch einen langen Atem brauchen, um aus dieser Krise heil heraus zu kommen. All das schien gestern kurz einmal über mir zusammenbrechen zu wollen. Und auch das kennen wohl viele von uns, das Zweifeln, das Klagen, Mutlosigkeit manchmal.

Aber dann schaue ich eben hin. Jesus spricht den Petrus an. Er traut ihm fast Unmögliches zu. Und es geschieht sogar. Petrus kann es. Er kann tatsächlich über das Wasser laufen, eben solange er auf Jesus schaut. In dem Moment, in dem Wind, Wasser und Wellen den Petrus ganz für sich gewinnen, geht er unter.

Danke, Petrus! Von dir darf ich lernen. Ich darf lernen, dass wenn Gott mich anspricht, ich aufbrechen darf, um sogar meine eigenen Grenzen zu überwinden; ich darf auf das Unmögliche hoffen und mit Gott beginnen. Während ich das schreibe, denke ich an die vielen Menschen, die sich jetzt an jedem Morgen aufmachen müssen, um wieder neu anderen Menschen zu begegnen, ihnen nahe sein müssen, um sie zu pflegen und bei ihnen zu sein, in der Krankenpflege, in der häuslichen Versorgung, in den noch möglichen Dienstleistungen. Jesus sagt zu ihnen: „Komm her,  ich brauche dich! Überwinde dich!“ Und dann ahne ich, wie die meisten auch mit ihrer eigenen Angst und auch gleichzeitig gegen ihre eigene Angst aufbrechen, um zu tun, was notwendend ist. Danke, ihr Lieben! Tausend Dank!

Petrus kann über’s Wasser gehen, solange er auf Jesus schaut! Sich ganz auf ihn verlässt. Danke, Petrus, das möchte ich von dir lernen. Aufzubrechen, wenn Gott ruft und sagt: „Komm, mach dich auf!“ Dann möchte ich all das ablegen können, was mich runterziehen will, weil ich weiß, wer mir die Kraft schenken kann, manchmal eben auch über meine eigenen Grenzen zu gehen. Gerade in diesen Tagen wird das von mir und von vielen von Euch gefordert sein. Ich muss zum Beispiel neu lernen, viel mehr Geduld aufzubringen für eine Situation, die ich im Moment nur dadurch ändern kann, dass ich – so kommt es mir vor – möglichst nichts mache. Das habe ich nie gelernt, wie auch wieder viele andere von Euch. „Komm“, sagt Jesus, „schau’ auf mich, bleib in meiner Nähe! Du bist nicht allein! Halte aus!“

Und das ist das dritte, was ich von Petrus lernen darf. Ja, Petrus, mit dir teile ich Ängste und Zweifel, genauso übrigens wie manchmal deine Fähigkeit, den Mund zu voll zu nehmen. Ja, gemeinsam mit dir habe ich manchmal das Gefühl, jetzt versinke ich. Das war’s! Aber wie wunderbar ist es, dass ich eben dann auch mit dir spüren kann, wie jemand zupackt, uns eben nicht untergehen lässt. Gott ist da, streckt seine Hand aus, packt zu, holt uns heraus aus den um uns herumtobenden Wellen, aus unserer Sorge und Angst. Er richtet uns auf, stellt uns wieder hin!

Ja, es gibt Momente, da tragen wir schwer, scheinen erdrückt zu werden. Und Sie kennen vielleicht solche Moment aus ihrem eigenen Leben. Vielleicht erleben auch gerade jetzt viele Menschen das genau so. Und ich hoffe sehr, dass sie dann eben auch das andere erleben. Gott packt an, hält uns, stellt uns wieder hin, richtet uns auf.

Und dann hören wir es. Hören wir es, wie der gleiche Gott, der zu uns allen gesagt hat „Komm her!“, dann auch zu jedem von uns sagt: „Lass uns gehen! Ich habe noch so viel vor mit dir. Ich brauche dich! Ich liebe dich!“ So ist Gott!

 

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 1. 4. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Mittwoch, 1. 4. 2020

 Jesaja 65,19

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Johannes 16,22

„Jesus sprach zu den Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“.

 

„Alles wird gut!“

Gestern musste ich einfach mal raus! Spazieren über Felder, allein! Tief einatmen, und natürlich auch wieder aus. Ein Blick in den blauen Himmel. Wunderbar! Irgendetwas war am Himmel anders. Ich musste einen Moment überlegen. Dann wusste ich es. Da waren nirgendwo am ganzen weiten Himmel die Kondensstreifen der Flugzeuge zu sehen. Im Anfluggebiet des Frankfurter Flughafens sind sie sonst kreuz und quer am Himmel gemalt. Kein einziger war gestern zu sehen! Null!

Und dann fiel mir auf einmal noch mehr auf. Es war anders still. Auch die Straße mit ihrem Autolärm war nur ganz schwach und auch nur ab und zu zu hören. Ich sah mich um. Da war auch kein Mensch weit und breit! Und auch ich war irgendwie anders. Da ich als Kontaktperson eines Familienmitgliedes, dass sich testen lassen musste, solange auch in häuslicher Quarantäne war, bis endlich das negative Ergebnis da war, war ich einige Tage auch nur zu Hause.

Nun ging ich endlich wieder über die Felder in der Nähe meines Hauses und war froh, keinem zu begegnen. Sonst war das immer anders. Wie gern hielt ich dann, wenn ich jemandem begegnete, für ein kleines Schwätzchen. Jetzt war es anders. Ich war froh, dass ich niemanden traf! Hoffentlich wird das in mir auch wieder anders! Denn so bin ich nicht und möchte ich auf Dauer auch nicht sein. Vielleicht geht es Ihnen ja ebenso!

Vieles verändert sich gerade! Und wie wird es werden, wenn Normalität wieder ihren unbeschwerten Einzug halten wird? Wird sie das überhaupt wieder können?

Gedankenversunken ging ich weiter.

Als ich die Felder verließ und wieder auf die Wege mit den Häusern kam, kam ich an eine Stelle, die als Abkürzung zwischen zwei benachbarten Straßen ein „Reilchen“, also einen ganz kleinen Durchgang als Abkürzung, bietet. Ich dachte noch, als ich einbog, hoffentlich kommt mir nun keiner entgegen. Und genau das geschah! Allerdings war mein Gegenüber offensichtlich genau so erschreckt wie ich. Abstand halten, das Gebot der Stunde, das wäre keinesfalls möglich gewesen. Ich trat sofort einen Schritt zurück und winkte meinem Gegenüber, dass es kommen könnte, ich wartete mit einigem Abstand. Und genau so machten wir es. Anderen ruhig mal den Vortritt lassen, lieber Gott, du hast mich wieder an etwas erinnert, was ich in diesen Tagen schon öfter beobachtet habe und mir für die Zukunft auch noch einmal viel bewusster bewahren werde. Was werden wir uns von dem vielen, was überhaupt im Umgang miteinander momentan offensichtlich besser läuft, wohl behalten? Respekt, Nachbarschaftshilfe? Wertschätzung des anderen Menschen und Selbstachtung? Was werden wir uns bewahren?

Als ich weitergehen konnte, ging ich durch die Straßen meines Wohnortes. In einem Fenster sah ich ein Kinderbild, einen gemalten Regenbogen. Diesem ersten schenkte ich noch wenig Aufmerksamkeit, aber er fiel mir auf. Ein paar Häuser weiter sah ich wieder einen, wenig später noch einen. Ich ging näher und las die Botschaft, die der liebe Gott mir gestern wohl sagen wollte. In Kinderschrift stand unter dem Regenbogen „Alles wird gut!“ und ein Kindername. Und Gott hat viele Namen! Ich stand da, lächelte und erinnerte mich, was in der Bibel über den Regenbogen gesagt ist: Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken; der soll das Zeichen sein des Bundes zwischen mir und der Erde. (1. Mose 9,13)

Ja, Gott ist da für uns. Er hält seinen Bund! Er hat sich uns versprochen! Und er bleibt da, geht mit uns alle Wege! Er tut es in den guten Tagen. Und er tut es in den schwierigen Tagen, in denen wir gerade leben. Die Regenbögen der Kinder sprechen eine eindeutige Sprache. Die Kinder sind mir zu kleinen Gottesboten geworden, wenn sie das Zeichen des Bundes uns zur Erinnerung in die Fenster hängen und uns damit ins Herz schreiben, was Gott für uns alle will: „Alles wird gut!“ Oder wie es der Lehrtext aus dem Johannesevangelium für heute, den Sie auch oben finden, so sagt: „Jesus sprach zu den Jüngern: Ihr habt nun Traurigkeit; aber ich will euch wiedersehen, und euer Herz soll sich freuen, und eure Freude soll niemand von euch nehmen“. (Johannes 16,22)

 Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 31. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Dienstag, 31. 3. 2020

 Sacharja 6,15

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen.

Epheserbrief 2,22

Durch Jesus Christus werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

 

Ich hätte heulen können!

Als ich gestern nachmittags am Schreibtisch saß und beginnen wollte, zu überlegen, was ich Ihnen heute mit in den Tag geben kann, machte mein digitaler Handykalender „klingeling“. Das tut er, wenn er mich an einen Termin erinnert. Ich nahm also mein Handy in die Hand, drückte den Knopf und was las ich: „Morgen 16.30 Uhr Konfirmandenunterricht“. Erst lächelte ich, denn er findet natürlich momentan nicht statt. Aber dann erschrak ich auch. Dieser Termin erinnerte mich nämlich auch an die Zeit vor drei Wochen, als wir uns das vorerst letzte Mal trafen, ohne genau dieses zu wissen, nämlich das es das vorerst letzte Mal sein sollte. Eine Konfirmandentaufe haben wir vorbereitet, sie findet vorerst nicht statt. An die Konfirmation am 3. Mai 2020 haben wir schon gedacht. Sie findet vorerst nicht statt. Die Konfirmandenfreizeit fällt aus. Richtig, im Moment findet ja gar nichts mehr statt, nicht einmal der Gottesdienst.

Darf ich ihnen etwas gestehen? – Gestern tat es richtig weh! Für einen kurzen Moment war da Mutlosigkeit, Heimweh nach Vertrautem, eine unterdrückte Träne und vor allem eine spürbare Einsamkeit, die mir an mir selbst so noch nie vorher aufgefallen war. Ich vermisse dieses alles so sehr, alles andere wäre gelogen.

Manchmal können Konfi’s mich als Pfarrer unglaublich nerven; aber ich vermisse sie, im Moment besonders diejenigen, die ich bald hätte konfirmieren dürfen. Wir haben solch wunderbare Gespräche geführt – über Gott und die Welt. Sie haben sich so wunderbar schon in der Gemeinde eingesetzt, in Kinder- und Jugendarbeit mit den Kleineren. Sie  haben sich eingesetzt für andere Jugendliche in Buenos Aires und im Libanon. Und sie werden einen wunderbaren Konfirmationsgottesdienst auf die Beine stellen, ich freu’ mich jetzt schon darauf!

Ich vermisse die Kinder- und Jugendlichen im Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus unserer Gemeinde, da ist zur Zeit kein Lachen zu hören! Ich vermisse unsere Kreise, das Beisammensein in frohen Runden, das Gemeindemittagessen in großer Zahl. Ich vermisse mein Stück Kuchen und die Tasse Kaffee in unserem Gemeindecafé. Ich vermisse unsere Gottesdienste; ich vermisse „meine“ Kirche, in der ich so manches Mal ganz allein gestanden habe – so wie Don Camillo in den berühmten Filmen –, um mit Gott zu reden, zu streiten und zu beraten, vor allem aber um ihm zuzuhören. Ja, all das vermisse ich! Und natürlich das „presbyterielle Frühschoppenbierchen“ nach getanem Dienst am Sonntag! All das scheint auf einmal so weit weg! Als wäre das alles aus einer anderen Zeit, dabei sind es gerade erst drei Wochen!

So – mit diesen trüben Gedanken – saß ich dann gestern vor meinem PC und wollte beginnen. Aber da war kein brauchbarer, mutmachender Gedanke!  Also, dachte ich mir, füge erst einmal oben schon einmal Losung und Lehrtext für morgen – also den heutigen Dienstag – ein. Ich suchte den Text, las und jetzt erst – nachdem ich es solange unterdrückt hatte – ließ ich ihm freien Lauf, meinem Tränchen. Jetzt war der Zeitpunkt, genau jetzt! Denn auf einmal war es keine Trauerträne mehr. Es wurde eine Freudenträne. Eine Hoffnungsträne! Denn ich las nur einen Satz. Sie finden ihn auch oben! Ich hörte, wie Gott durch Sacharja und direkt in mein Herz sagte: „Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des Herrn bauen!“ (Sacharja 6,15)

Ist es nicht wunderbar, was sich der liebe Gott alles einfallen lässt. Manchmal erst viel später, mag sein. Aber dann auch oft genau im richtigen Moment! Und der war genau gestern da an meinem Schreibtisch!

Ja, so wird es sein, genau so! Eines Tages schließt die Küsterin das Gemeindehaus auf, es riecht nach Essen. Und dann kommen sie wieder,  Gemeindemittagessen in froher Runde. Alle Gruppen kommen wieder, Stimmengewirr, Lachen, Fröhlichkeit und herzliche Umarmungen. Mittwochs werden wir in der Kellerkirche wieder unsere Taizé-Gottesdienste feiern. Auf dem Rasen vor dem ökumenischen Kinder- und Jugendhaus werden sie wieder toben, rennen, sich auf dem Rasen wälzen. Und in unseren Kirchen, der Lukas-Kirche genauso wie bei schönem Wetter in unserer Waldkirche in den Weinbergen unter offenem Himmel, werden wir feiern, singen, beten. Wir werden Gott loben und spüren wie er lächelnd auf uns schaut und sagt: „Ich hab’s euch doch versprochen!“

Ja, wir werden weiterbauen am Tempel Gottes, an seiner Gemeinde. Wir werden wieder zusammen sein, lebendige Gemeinschaft sein und genau als solch eine Gemeinschaft mit Gott in eine gute Zukunft gehen! Das haben die Menschen vor uns gemacht, wir werden es weiter tun und andere die, nach uns kommen, werden es auch tun. Denn uns allen gilt seine Verheißung: „Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des Herrn bauen!“ (Sacharja 6,6)

Übrigens: Der liebe Gott hatte vielleicht doch seine Zweifel, ob ich in all meinen trüben Gedanken für sein befreiendes Wort offen genug war. Während ich an den ersten Sätzen schrieb, machte mein E-Mail-Programm ein deutliches „Pling“. Ich hatte Post! Guillermo Perrin, ein Theologe aus Buenos Aires, hatte unmittelbar vor der Krise bis zum 9. März 2020 in unserer Gemeinde im Rahmen seines Stipendiats ein mehrwöchiges Praktikum in unserer Kirchengemeinde gemacht. Ich unterbrach mein Schreiben an diesem Geistlichen Impuls kurz, um zu lesen, was er schrieb. Allein an der Aufzählung, was er alles in den drei Wochen gesehen und miterlebt hatte, wurde auch mir noch einmal deutlich, wie reich beschenkt wir sind, weil wir einander haben und füreinander da sind. Wunderbar!

„Es war wirklich eine wunderschöne Zeit in Winzenheim“ schreibt er, „ich habe viel gesehen und erlebt. Meine Zeit war super!“ Recht hat er. Und so wird’s auch wieder werden!

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 30. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Montag, 30. 3. 2020

 Jeremia 8,4

Wo ist jemand, wenn er fällt, der nicht gern wieder aufstünde? Wo ist jemand, wenn er irregeht, der nicht gern wieder zurechtkäme?

Joh 6,37

Jesus spricht: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen.

 

Ich durfte lächeln!

In der Woche telefoniere ich momentan viel. Ich rufe Gemeindeglieder an, um zu hören, wie es ihnen geht, ob ihnen etwas fehlt, manchmal auch nur um die Einsamkeit durch ein Gespräch zu unterbrechen. Sonntags tue ich das nicht. Sonntags ist Familienanruftag! Ich dachte immer, ich hätte gar mehr so viele Verwandte. Aber da gibt’s ja immer auch die Verwandten „in der zweiten Reihe“; die, die man meist nur auf fröhlichen Familienfesten trifft, manchmal aber auch bei traurigen Anlässen. Und als ich gestern so einige Male telefonierte, musste ich auf einmal auch daran denken, wen aus meiner Familie ich nicht mehr anrufen kann. Da war sofort meine Mutter im Herzen und in meinen Gedanken. Aber dann waren es auch meine Großmütter. Ich hatte schon länger gar nicht mehr bewusst an sie gedacht. Aber immer wenn ich es tue, dann muss ich lächeln. Lächeln, weil ich dann immer sofort eine biblische Geschichte in Kopf und Herz bekomme.

Es gibt im Evangelium einige Geschichten, da geht es immer um zwei Personen. Der Richter und die Witwe, der Pharisäer und der Zöllner, Maria und Marta. Ich habe immer gedacht, es wären Geschichten, in denen Jesus unsere Entscheidung fordert, auf welcher Seite wir stehen und wem das eigene Verhalten ähnelt. Aber zumindest bei der Geschichte von Maria und Marta geht es für mich um etwas ganz anderes. Ich erinnere kurz: Jesus kommt mit seinen Freunden in das Haus der Frauen und werden von ihnen bewirtet. Marta schafft und arbeitet. Und sie tut es fast allein, weil Maria sich eben einfach zu Jesus setzt, um ihm zuzuhören. Marta beschwert sich bei Jesus und fordert ihn auf, Maria zu sagen, dass sie mit anpacken soll. Und was antwortet Jesus? Er sagt: Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden. (Lk 10,41+42)

Aus einigen Bibelarbeiten weiß ich, dass Jesu Antwort oft als ungerecht empfunden wird. Ich glaube, sie ist es nicht. Zuallererst erkennt er Marta’s Arbeit ja an. Und dann weist er aber auch darauf hin, dass es Situationen gibt, in denen eben etwas anderes gerade dran ist, auch wenn vieles dagegen anzuführen wäre. Und dann soll es eben jetzt so sein. „Das soll nicht von ihr genommen werden!“, sagt Jesus, als er auf Maria schaut.

Hier geht es also nicht darum, sich zu entscheiden, wer es gerade richtig macht und zu wem ich gehöre! Vielleicht geht es hier ja eher darum, zu erkennen, dass ich selbst immer auch etwas von Maria und von Marta in mir trage.

Und damit kommen meine beiden Großmütter wieder ins Spiel. Sie können es mir jetzt glauben oder nicht, aber es ist wie es eben ist und war. Meine Großmutter väterlicherseits hieß Martha, Martha mit „h“. Meine Großmutter mütterlicherseits hier Maria, Maria Christine. Maria und Martha. Und die beiden waren die genaue Kopie der beiden biblischen Frauen. Bei Oma Martha lernte ich viele praktische Dinge des Lebens. Meine erste Kartoffel als Kind schälte ich bei ihr. Und wenn die Familie zusammenkam – und das waren immer einige – konnten wir uns darauf verlassen: „Oma Martha macht alle satt!“ In der Küche herrschte ihr Regiment!  Meine andere Oma, Maria Christine, habe ich ganz anders in Erinnerung. Bei ihr saß ich auf dem Schoß. Ich glaube, alle biblischen Geschichten habe ich bei ihr zum ersten Mal gehört. Und auf alle meine Kinderfragen zum lieben Gott hatte sie immer eine Antwort. Und so erinnere ich mich an ihr Gottvertrauen, an ihre Güte und vor allem an ihre Ruhe. Natürlich besaß Oma Martha das auch, aber sie konnte es hinter klaren Anweisungen einfach besser verstecken. Beide waren Frauen mit einem unglaublichen Herzen, die ich tief in meinem Herzen immer bei mir habe!

Viel später fiel mir etwas auf. Mir fiel auf, wie Menschen, die wir lieben, uns auch prägen können! Es gibt wirklich viele Tage, da bin ich wie Oma Martha und wie Marta in der Bibel. Da arbeite ich von morgens bis abends, lade mir viel zu viel auf und beginne zu schimpfen, weil ich glaube, ich müsste immer alles allein machen. Stimmt natürlich nicht! Und dann gibt es Tage, da sitze ich da und merke, wie ich die Ruhe, manchmal sogar die Stille brauche. Ich brauche Zeiten, in denen ich mich Gott ganz überlasse, spüren darf, wie nahe er ist und hören kann, wie er in mein Herz spricht. Wie eben Maria in der Bibel und wie meine Oma Maria Christine.

Und im Moment habe ich das Gefühl, Oma Martha sagt: „So, ich mache jetzt Mal eine Zeitlang Pause!“ Und Oma Maria Christine ergänzt: „Komm, setz’ dich zu mir! Lass uns auf Gott vertrauen, hören wie er zu uns spricht und in uns betet und wirkt!“ Ein für mich schöner Gedanke in diesen Tagen, in denen ich – wie viele von Ihnen – in der Wohnung sitze, mich manchmal allein fühle, manchmal sogar traurig, weil mir andere fehlen. Aber ich spüre auch, wie ich meine Geduld wachsen lasse, weil es eben in diesen Tagen nicht anders geht und genau das jetzt dran ist! Und dazu haben mir gestern, als ich diese Zeilen schrieb, meine beiden Großmütter geholfen! Und mir ein Lächeln ins Gesicht gemalt! Danke, ihr beiden!

Einige Fragen für diesen Tag hätte ich aber jetzt auch an Sie und lade einmal ein, darüber nachzudenken, denn Zeit dafür haben Sie ja jetzt vielleicht mehr als sonst:  Wer hat Sie eigentlich für ihr Leben geprägt? Wer hat Ihnen den Glauben nahe gebracht? Wem sind Sie so dankbar wie ich meinen Großmüttern?

Erinnern Sie sich, grüßen Sie diese Menschen und schenken Sie Ihnen ein Lächeln!

 

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 28. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Samstag, 28. 3. 2020

 Psalm 147,11

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

 Markus 3,35

Jesus spricht: Wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

 

Herr, wohin sollen wir gehen?

„Ich bin das Brot des Lebens“, hatte er gesagt. Er hatte sie satt gemacht. Tausende Menschen. Und seine Jünger hatten es gesehen. Aber es hat sie nicht nur gefreut. Es hat sie auch unsicher gemacht. Und als sie wieder mit Jesus zusammentrafen, nachdem er sich eine Weile zurückgezogen hatte, da haben sie nachgefragt. Wollten Klärungen, Erklärungen, Sicherheiten vielleicht.

Und Jesus macht es ihnen nicht leicht. Er erzählt vom Brot, das er sein möchte. Ja, sogar vom Fleisch des Menschensohnes erzählt er, dass sie essen sollen. Von dem Blut, dass sie trinken sollen. Das waren harte Worte, die es erst einmal galt, sacken zu lassen. Und dann hatte er sie auch noch in eine Entscheidung gestellt:

Ich bin das Brot des Lebens, hatte er gesagt. Ich bin das Brot des Lebens, mehrmals.

Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten. Aber ich habe euch gesagt: Ihr habt mich gesehen und glaubt doch nicht.(Joh 6,35+36)

Und Jesus spürt das Murren, spürt ihre Unsicherheit. Er muss mitansehen, wie schwierig es für einige seiner Jünger ist, sich zu entscheiden. Aber sie tun es.

Von da an wandten sich viele seiner Jünger ab und gingen hinfort nicht mehr mit ihm. (Joh 6,66)

Aber da sind ja noch die Zwölf. Werden sie auch gehen? Er fragt sie direkt: Wollt ihr auch gehen? (Joh 6,67)

Und nun schlägt wieder einmal die Stunde des Petrus. Wenn es in ein Fettnäpfchen zu treten galt, Petrus war meist immer dazu bereit. Aber er war eben immer auch da, wenn es etwas zu bekennen gab. So wie hier!

Herr, wohin sollen wir gehen?(Joh 6,68) fragt er. Ist es eine rhetorische Frage „Herr, wohin sollten wir schon gehen?“ Oder ist da auch der kurze Moment der Sorge, der Unsicherheit – der Moment, wo auch er eben merkt: Nun gilt es. Es gilt sich für Jesus zu entscheiden, oder eben einen eigenen Weg einzuschlagen, so wie es einige von den anderen gemacht hatten. Aber welcher sollte das dann sein?

Und Petrus entscheidet sich. Du hast Worte ewigen Lebens. (Joh 6,68) Petrus bekennt sich, bekennt sich zur Nachfolge Christi. Er fragt nicht, wie der Weg aussieht. Ob’s schwierig wird, ob es so rätselhaft wie gerade bleibt, ob’s einfach so glatt läuft. Nein! Er bekennt sich dazu, den Worten Jesu, ja Jesus selbst zu folgen, egal wie der Weg aussieht.

Liebe Leserinnen, liebe Leser! Sie ahnen bestimmt, welche Worte mir in diesen Tagen besonders nahe sind. Es sind die Worte des Petrus „Herr, wohin sollen wir gehen?“ Viele von uns tragen diese Worte so oder so ähnlich auch als Last mit sich herum. Ich habe das gestern gespürt, als ich wieder viele Gemeindeglieder anrief, um mit ihnen ein wenig zu reden und manche Einsamkeit zumindest durchs Telefon zu durchbrechen. Wie soll das alles werden? Wie lange wird das alles noch dauern? Wird meine Familie gesund durch diese Zeit kommen? Hoffentlich bleiben die Kinder gesund! Alles Sätze, die wie eine Übersetzung der Worte des Petrus klingen: „Herr, wohin sollen wir gehen?“

Ich glaube, würden wir heute so fragen, würde Jesus im Moment in ganz praktischer Form antworten: „Bleibt zu Hause! Und sagt es weiter!“ Vielleicht würde er aber auch erst einmal gar nichts sagen, um uns die Möglichkeit zu geben, auf die gleiche Erkenntnis wie Petrus zu kommen.

Vielleicht tut sich die eine oder der andere damit schwer. Das mag sein. Aber für die Nachfolge Jesu Christi galt schon immer, dass sie nicht unbedingt leicht bzw. einfach ist. Aber es wird dann leichter, es wird dann gemeinsam tragbarer, wenn wir das nicht vergessen, was dem Petrus die eigene Entscheidung eben auch leichter macht. Er weiß, worauf er vertraut und wozu er sich bekennt. „Du hast Worte ewigen Lebens“. Er besinnt sich auf den, der seinen Weg mitgeht, vor ihm hergeht und ihm den Rücken stärkt. Es ist der gleiche, der auch uns durch diese Zeit begleitet, ermutigt und uns in eine gute Zukunft führt. Darauf wollen wir vertrauen, mit Petrus und mit allen, die wie wir sich Christus anvertrauen, heute und alle Zeit!

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 27. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Freitag, 27. 3. 2020

 Jeremia 17,9-10

„Es ist das Herz ein trotzig und verzagt Ding; wer kann es ergründen? Ich, der HERR, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen und gebe einem jeden nach seinem Tun.“

 1.Johannesbrief 3,19-20

Daran erkennen wir, dass wir aus der Wahrheit sind, und können vor ihm unser Herz überzeugen, dass, wenn uns unser Herz verdammt, Gott größer ist als unser Herz und erkennt alle Dinge.

 

Irgendwie ist es anders

Ein Satz hat mich gestern begleitet und beschäftigt. Er stammt aus dem Matthäusevangelium. Es ist der 34. Vers aus dem 6. Kapitel. Dort sagt Jesus zu den Menschen, die ihm auf einen Berg gefolgt sind, um ihm zuzuhören:

 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Irgendwie ist es auf einmal merkwürdig mit manchen biblischen Sätzen und Gedanken. Sie rücken auf einmal so nahe, werden ganz konkret. Wie oft ist mir dieser Satz schon begegnet, wenn ich Andachten vorbereitet habe. Im Gottesdienst habe ich schon einige Male darüber predigen dürfen. Und immer habe ich dieses „morgen“ auf Zukunft hin gesehen. Mal ging es über Lebensplanung. Manchmal habe ich vor vermeintlichen Sicherheiten gewarnt, in denen sich manche gern wiegen, so als ob wir Menschen jedes Risiko ausschalten könnten, das das Leben eben mit sich bringt. Ich habe auch schon mal darüber nachgedacht, dass das Leben eben ganz anders kommen kann, als ich es mir ausmale. Und ich habe auch darüber nachgedacht, wie schwierig es manchmal sein kann, einfach nur den Tag zu bestehen. Da brauchen Menschen ihre ganze Kraft für diesen einen Tag, für das „Heute“. Menschen als Patienten in den Krankenhäusern, Menschen, die an Einsamkeit zu verzweifeln scheinen. Menschen ohne Obdach. Menschen ohne Arbeit oder mit der Angst, sie zu verlieren. Aber auch Menschen, die sich oft einfach zu viel zumuten.

Heute sitze ich da und denke an morgen. Ich weiß – während ich diese Zeilen schreibe – noch überhaupt nicht, wie der morgige Tag für mich aussehen wird. Aus meiner Familie wird jemand noch im Laufe des Tages auf das Virus getestet. Eine Beschreibung des momentanen Zustandes hat die entsprechend Verantwortlichen veranlasst, sofort einen Test in einer Abstrichstation zu verordnen. Nun wird ein Anruf abgewartet, eine Nummer zur Einhaltung der Reihenfolge liegt schon vor.  (Ein bisschen wie an der Fleischtheke im Supermarkt, in dem ich gern einkaufe, denke ich gerade! Wie komme ich darauf?) Mein letzter Kontakt ist schon einige Tage her. Aber, was ist, wenn …? Und muss ich dann auch …? Fühle ich mich gut, habe ich einen heißen Kopf, kratzt es im Hals?

Ich merke, wie auf einmal etwas näher rückt, vor dem ich mich eigentlich sicher glaubte, weil ich doch alle Regeln eingehalten habe, die uns allen gerade auferlegt sind. Nun soll die Stille der letzten Tage und das Alleinsein vielleicht noch einmal ganz anders und vor allem noch einmal von vorn beginnen?

Und mit all diesen ungeordneten Gedanken und im Moment offenen Fragen stehe ich plötzlich vor einem ganz kleinen Stückchen Bergpredigt.

Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Plötzlich geht es nicht mehr um irgendeine in der Ferne liegende Zukunft; es geht nicht um Lebensentwürfe oder moralische Aufrufe, auch auf sich selbst zu achten. Nein! Nun geht es nur noch darum zu vertrauen. Ich habe gerade irgendwie dieses Gefühl: Jetzt gilt’s! Ich kann mich nicht mehr verstecken – vor mir selbst oder hinter meinen Sorgen. Mir nützen im Moment keine Statistiken, keine Expertenrunden. Den Fernseher mit den Nachrichten habe ich erst einmal ausgestellt. Ich kann und ich will und ich werde mich auch nicht mehr von meinen Ängsten runterziehen lassen.

Ich möchte lernen zu vertrauen, jeden Tag neu. Möchte erkennen, dass Jesus selbst in mein Leben spricht. In mein Leben, so wie es eben gerade ist. „Morgen“ heißt dann eben nur auf den nächsten Tag zu schauen. Nicht auf das Übermorgen, oder in die nächste Woche, oder in Mai und Juni. Morgen kann es schon ganz anders aussehen. Und dann werde ich weitersehen! Deshalb muss ich heute all das ablegen können, was mich gerade – wenn ich ehrlich bleibe – auch ein wenig erschreckt. Sonst trage ich morgen ja doppelt! Das will ich nicht! Kann ich auf Dauer auch gar nicht!

Ich muss mich auch Gott wieder überlassen können. Muss es vielleicht wieder neu lernen! In diesen Tagen wird mein eigener Glaube immer auch zu einem ganz persönlichen Bekenntnis. Zu einem Bekenntnis, dass ich eben fest daran glaube und mich auch darauf verlasse, dass Gott mich niemals verlässt! Er tut es nicht, weil er eben liebt. Er ist heute da, bei allem was mich bewegt und trägt mit. Und wenn ich morgen wieder aufwache, ist er immer noch und wieder da! Und das möchte er jeden Menschen spüren lassen! Ohne Unterschied! Ganz egal, wie fromm oder vermeintlich unfromm, wie gottnah oder gottfern wir gelebt haben oder leben. Egal, wie nah oder fern ich der Gemeinde stehe. Er ist da, weil er liebt! Ohne Unterschied!

Einigen von uns mag das ja ein vertrauter Gedanke sein und ist nichts Neues, weil Glaube einfach zum eigenen Leben dazugehört! Aber andere erschrecken vielleicht in diesen Tagen vor sich selbst, weil Gott plötzlich auch für sie wieder eine Möglichkeit ist.  Seine Kraft und Liebe gegen die eigene Angst und den Glauben, eben doch alles selbst in der Hand zu haben! Seine Kraft und Liebe als Quelle für immer wieder neuen Mut und eine Hoffnung, die eben doch den Blick in die Zukunft mit vielleicht anderer oder sogar neuer Zeit schenkt.

Egal, zu welcher Gruppe Sie gehören, Gott geht mit Ihnen. Ja mehr noch. Er lächelt sie an, gerade auch in diesen schwierigen Zeiten. Deshalb meine kleine und wahrscheinlich naive Bitte zum Schluss: Lächeln Sie doch einfach mal zurück! Der liebe Gott kann sich nämlich darüber auch freuen!

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 26. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Donnerstag, 26. 3. 2020

 Ps 38,19

Ich bekenne meine Schuld, bekümmert bin ich meiner Sünde wegen.

 2.Korintherbrief 7,10

Die Traurigkeit nach Gottes Willen wirkt zur Seligkeit eine Umkehr, die niemanden reut.

Unterwegs mit Gott

Ich möchte heute mit Ihnen meinen Lieblingspsalm teilen. Er begleitet mich seit meinem Theologiestudium. Meine erste theologische Arbeit drehte sich ganz um ihn. Seitdem tragen mich seine Worte, ich liebe diese Worte. Es ist der Psalm 121:

1 Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. 4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, 6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Sie hatten ein Fest gefeiert – vor langer, langer Zeit. Von überall her waren sie gekommen, um im Tempel zu feiern, tagelang. Es war solch eine unbeschwerte Zeit. Lieder hatten sie gesungen, hatten gemeinsam gebetet. Es war alles so einfach, so leicht – am vertrauten Ort, mit vertrauten Menschen. So könnte es bleiben, aber das war nicht ihr Alltag. Und so endet das Fest sie müssen wieder raus, sich auf den Heimweg machen. Und auf einmal holt sie alles wieder ein, die ganze Realität ist wieder da. Schon bevor sie aus dem Tor des Tempels treten.

So steht vor langer Zeit da einer am Tor des Tempels. Er schaut hinaus, sieht die Berge vor sich, erinnert sich an den vor ihm liegenden Weg mit all seinen Gefahren – das Wetter, sogar Angst vor stechender Sonne, stechendem Mond, Räuber am Wegesrand, gefährliche Tiere – was kann da alles sein? Er steht da und seufzt, aller Mut des Festes scheint dahin: „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe?“

Wie gut, dass offensichtlich alle Pilger dort am Tor auch verabschiedet werden. Dort scheint jemand vor langer Zeit gestanden zu haben, der sehr wohl wusste, was den Menschen, die wieder in die Unsicherheit gehen müssen, auf dem Herzen liegt, welche Sorge sie begleitet. Und er spricht ihnen Mut zu, ja er sagt, worauf er selbst baut:

2 Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.

3 Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen, und der dich behütet, schläft nicht. 4 Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht.

5 Der HERR behütet dich; der HERR ist dein Schatten über deiner rechten Hand, 6 dass dich des Tages die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts.

Und damit möchte er den Pilger noch einmal erinnern. Erinnere dich, zu wem du gebetet hast, wem du dich hier anvertraut hast. Denk doch dran, auf wen du deine Hoffnung setzt, in allem, was dir in deinem Leben geschieht. Du bist doch geborgen, getragen, gehalten.

Aber er merkt auch, dass er den Pilger, der da wieder gehen muss, vielleicht selbst mit dieser Ermutigung noch nicht ganz erreicht hat. So macht er also etwas, was ihn dann doch für die Reise ausrüstet. Er segnet ihn.

7 Der HERR behüte dich vor allem Übel, er behüte deine Seele.

8 Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Er gibt ihm einen Segen mit auf den Weg. Egal, was kommt, geh, der Herr, dein Gott, begleitet dich und bewahrt dich vor allem Bösen. Ja selbst in deine Angst, die sich in deiner Seele verbirgt, geht er hinein und wandelt sie. Und so, wie du heute hier fortgehst, vertraue darauf, du wirst wieder kommen. Weil Gott selbst dich begleitet, mitgeht, an deiner Seite bleibt, dich laufen lässt und dennoch führt. Und in all deiner Sorge wirst du es immer wieder merken, dass er da ist. Und deine Freude darüber wird dich wiederkommen lassen. Geh’ und wir seh’n uns wieder!

Ich habe diese beiden da am Tor des Tempels in alttestamentlicher Zeit heute ganz deutlich vor Augen. Aber mehr noch. Ich sehe mich da stehen. Wie oft glaube ich mich selbst immer wieder am Anfang. Wie oft stehe ich da und schaue auf meine Berge, meine ganz persönlichen und die Berge meiner Arbeit. Heute schaue ich auf meinen Berg aus Sorgen. Woher kommt mir Hilfe? Diese Frage kenne ich. Gerade, weil ich mich manchmal so allein glaube. So als ob es niemanden gäbe, der sich für mich interessiert, der an mir interessiert ist, der mir vielleicht Lasten abnehmen könnte. Ja, manchmal glaube ich, ich müsste alles allein schaffen. Vielleicht gibt es jetzt einige, die mit solchen Gedanken in ihren Wohnungen sitzen. Woher kommt mir, kommt uns Hilfe?

Sag’ mal, weißt du eigentlich, woher du deine Kraft bekommst? Erinnerst du dich eigentlich daran, dass du gerufen wurdest, berufen wurdest? Ich höre jemanden, der spricht zu mir – in mein manchmal so müdes Herz, in meine Unsicherheit, in meine schleichende und deshalb so gefährliche Resignation. Ich spüre die Nähe Gottes, der sich mir selbst immer und immer wieder offenbart.

Und so redet Gott uns alle an:

Erinnerst du dich, wie oft ich dich gehalten, getragen, gestützt habe? Sicher, ich räume dir nicht alle Steine aus dem Weg, über manche musst du einfach drüber. Sicher, dein Weg ist nicht immer nur eben und glatt, natürlich gibt es Situationen, die dich ganz fordern, die gefährlich sind, die Mut zum Risiko genau so benötigen, wie manchmal die Kunst sich zurückzunehmen, um anderen Raum zu geben, sogar dir selbst. Und gerade jetzt in diesen Tagen spüre ich doch deine Sorgen; ich höre deine Klage. Ich bin bei dir in all deinen Ängsten!

Aber das sind alles keine Augenblicke deines Lebens, durch die du allein müsstest. Ich bin da, Menschen sind für dich da, auch wenn du sie jetzt vielleicht nicht treffen kannst, da ist deine Familie, mit der du verbunden bleibst, es sind Freundinnen und Freunde, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es sind Menschen, die du liebst und die für dich genau so da sein möchten, wie ich es bin.

Also geh ruhig. Geh in alles, was vor dir liegt. Oder besser: geh nicht! Bleib zu Hause und halte aus! Wie es werden wird, ob leicht oder schwer, das weißt du alles noch gar nicht. Aber ich bin da, gehe neben dir. Vergiss das niemals, bei allen Dingen, die dich jetzt fordern, die zu tun nötig sind, die vielleicht auch deine ganze Kreativität brauchen.

Und denk’ immer auch dran: ich, dein Gott, auch ich brauche dich! Denn deine Kraft, deinen Mut, deine Fürsorge, all das, was du bist und kannst, all das brauche ich. Du hilfst, damit auch andere aushalten können. Menschen, die dich brauchen wie mich. Hilf ihnen durch ein gutes Wort, einen guten Gedanken, einen Anruf, durch ein Gespräch über den Balkon. Du kannst vieles tun, auch in diesen schwierigen Zeiten. Es ist gut, dass es dich gibt. Auch du bist ein Segen!

Und so lege ich meinen ganzen Segen zurück auf dich. Geh in alle Zeit! Gehe in deine Arbeit, wenn sie möglich ist. Gehe in deine häusliche Stille und in dein jetzt vielleicht so ganz anderes Leben! Lebe, um zu lieben – denn meine ganze Liebe gilt dir, ich behüte dich bis in dein Innerstes. Und wenn du krank bist, ich werde dich tragen und behüten!

Wir bleiben gemeinsam auf dem Weg! Wende dich mir zu und bleib in meiner Nähe. Ich bin da. Du darfst abladen, dich ausruhen, stärken. Und dann gehen wir beide eines Tages auch vielleicht wie früher, aber eben vielleicht auch ganz anders wieder neu los! So wie wir es immer gemacht haben, und wieder machen werden! Raus aus den Wohnungen! Hin zu den Plätzen, wo das Leben wieder sein wird! Rein in die Tempel und Kirchen, die wir für eine kleine Weile verlassen haben! Mein Weg mit dir ist noch lange nicht vorbei! Und darauf spreche ich mein „Amen“. Tu du es auch! Amen.

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 25. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Mittwoch, 25. 3. 2020

 Jesaja 29,16

Wie kehrt ihr alles um! Als ob der Ton dem Töpfer gleich wäre, dass das Werk spräche von seinem Meister: Er hat mich nicht gemacht! und ein Bildwerk spräche von seinem Bildner: Er versteht nichts!

1.Petrusbrief 5,5

Alle miteinander bekleidet euch mit Demut.

 Die Stille aushalten

Heute war ich im Keller und habe dort unter meinen ausgemusterten Büchern ein ganz bestimmtes gesucht. Es war plötzlich in meinen Gedanken, als ich im Garten saß. Es war so still. Eigentlich wunderbar. Kein Auto zu hören, keine menschlichen Stimmen, da war für einen Moment nichts. Noch nicht einmal das ewige Rauschen der B41 in der Nähe. Dazu wolkenloser blauer Himmel und eine scheinbar lächelnde Frühlingssonne.

Es hätte so schön sein können. Aber es war irgendwie anders. Ich konnte es nicht wirklich genießen. Etwas fehlte mir. Mir fehlte das Gefühl von unbeschwertem Leben. Plötzlich rückte mir diese Stille für einen Moment auch als gespenstische Ruhe näher. Und da war mir eben auf einmal ein Buch im Kopf, eher ein Büchlein. Mit Gedanken zur Stille und zum Wert der Stille mitten im Leben. „Lasst uns das Leben wieder leise lernen“, heißt es. Ich habe es leider nicht gefunden. Aber das liegt zweifelsfrei an der Ordnung in meinem Keller!

Aber der Titel schien mir für mich gerade in der Situation, die ich gerade meist allein zu Hause verbringe, für mich ganz passend: „Lasst uns das Leben wieder leise lernen“.

Ich telefoniere in diesen Tagen viel. Natürlich mit der amilie. Aber und gerade jetzt mit vielen Gemeindegliedern, vor allem mit älteren. Viele weiß sie aus erster Quelle nun gut versorgt. Aber was ich oft höre ist das Wort „Einsamkeit“. Da fehlt der Besuch der Kinder; der Verlust des Partners, der Partnerin wird plötzlich noch einmal ganz anders wahrgenommen. Ja einige von uns haben das Tröstliche in der Stille, in der Ruhe noch nicht finden können. Zu sehr sind es noch sorgenvolle Gedanken, die es uns manchmal schwer machen wollen, die nötige Geduld für diese schwierige Zeit aufzubringen.

Ich helfe mir dann meist selbst. Ich tauche in schöne Erinnerungen ab. Ich höre plötzlich meine Kinder wieder lachen, denke an schöne Urlaubszeiten, an die Wanderung auf den Ortler mit meiner Frau, an mein Feierabendbier auf der Terrasse von Zjelka und Marian, unseren kroatischen Freunden. Und wenn ich so gedanklich abtauche, bin ich manchmal ganz weit weg. Und dann spüre ich, wie ich auch loslassen kann. All meine Sorgen, all das, was mich vielleicht jetzt traurig machen kann.

Ich lasse los und spüre, wie mir die Erinnerungen auch jetzt schon dazu helfen, mir Gedanken für die Zukunft zu machen. Für die Zeit, in der wir wieder lachend auf der Straße mit den Nachbarn zusammen stehen, in der wir wieder in Orte reisen werden, die für uns längst irgendwie auch zweite Heimat geworden sind. Ich rieche jetzt schon wieder meinen Grill, auf dem so vieles bruzzelt, was wir dann unter Freunden im Garten teilen, egal ob es dann Sommer, Herbst oder schon Winter ist.

Aber dann spüre ich eben auch, dass ich Geduld brauche. Eine Geduld, die die Stille, die mich nun umgibt, auch wieder schätzen lernt. Ja, ich muss einfach wieder lernen, das Leben leise zu lernen. Und daran denken, dass ich auch in diesen stillen und so entschleunigten Zeiten niemals allein bin, an keinem Ort, nicht im Krankenhaus, nicht im Seniorenwohnheim, nicht in meiner Wohnung, nicht in meiner so verlassen da liegenden Kirche oder im leeren Gemeindehaus.

Einer bleibt – in allem Trubel, der mich sonst umgibt, besonders aber auch jetzt in dieser eher stillen Zeit. Und zu ihm darf ich mich hinwenden, er ist mir nah und wohnt in jedem Haus, auch in meinem. In dieser Hinwendung dürfen wir spüren, was für jede und jeden von uns gilt und was ein Beter vor langer Zeit in einem Psalm einmal so betete: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft.“ (Ps 62,6)

Kommen Sie gut durch den Tag, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 24. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Dienstag, 24. 3. 2020

Psalm 145,17

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

 Kolosser 1,9

Darum lassen auch wir nicht ab, für euch zu beten und zu bitten, dass ihr erfüllt werdet mit der Erkenntnis seines Willens in aller geistlichen Weisheit und Einsicht.

Ein Satz für’s Leben

Wenn es nach mir gegangen wäre, wäre ich Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts des vergangenen Jahrtausends Jahre ins Kloster von Taizé eingetreten. Der liebe Gott wollte es allerdings wohl anders. Wissen Sie, warum ich dann aber Theologe geworden bin? Ich sag’s Ihnen. Den jahrelangen Weg dorthin erspare ich Ihnen jetzt allerdings. Letztlich gab es nämlich nur eines, was den Ausschlag gab. Es war ein einziger Vers aus der Heiligen Schrift. Ein Satz, auf den ich mein Leben gegründet habe. Er steht im 15. Kapitel des Lukasevangeliums, es ist der Vers 20. Ich hoffe, Sie möchten jetzt wissen, was dort steht! Hier ist er:

Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater und es jammerte ihn, und er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn.

Es mag bedeutender klingende Sätze in der Bibel geben und Sie kennen bestimmt einige davon, aber bei mir war es dieser. Der verlorene Sohn hatte alles verzockt, war ganz unten und wollte nur noch eines – nach Hause! Auf dem Weg zurück überlegte er, was er als Erklärung, als Bitte, als Entschuldigung sagen könnte, wenn er endlich wieder vor seinem Vater stehen würde. Und was passiert? Noch bevor er überhaupt irgendein Wort, irgendeinen Satz sagen kann, rennt der Vater, der offensichtlich gewartet hatte, weil er wusste, wohin sein Sohn geht, wenn es nichts anderes mehr gibt, auf seinen Sohn zu, nimmt ihn in die Arme und küsst ihn. So ist Gott! Egal, was war, egal, was ist, er nimmt mich in seine Arme und hält mich! Und weil Gott so ist, wollte ich, nachdem mein Leben als Mönch nicht zustande kam, mich dafür einsetzen, anderen Menschen diesen liebenden Gott nahe zu bringen. Und so wurde ich eben Pfarrer. Und habe es nie bereut! Obwohl als Mönch … na lassen wir das lieber!

Warum schreibe ich Ihnen das? Eigentlich ganz einfach! Ich sitze momentan wie so viele andere zu Hause und arbeite von hier aus, weil vieles andere ja gar nicht mehr möglich ist! Und dann kommen täglich auch die Momente, bei denen ich  ganz einfach da sitze und an all die Menschen denke, die ich jetzt nicht sehen kann, die mir so unglaublich fehlen. Meine Frau, die jetzt in ihrer Gemeinde in Remagen als Pfarrerin gebraucht wird, meine Kinder, meine Eltern und Freunde, „meine“ Gemeinde. Und ganz ehrlich, manchmal könnte ich heulen! Und ich glaube, ich tue es sogar. Und dafür schäme ich mich nicht!

Denn da sind dann auf einmal all die Sorgen! Gar nicht so sehr um mich, sondern um die, die ich liebe und denen ich jetzt vielleicht nicht nahe sein kann! Und dann habe ich manchmal das Gefühl, ich kann außer telefonieren oder „facetimen“ nichts für sie und mit ihnen tun. Obwohl das ja auch einiges ist, um in diesen schweren Zeiten den Kontakt nicht zu verlieren. Aber ich fühle mich dann eben wie der verlorene Sohn. Da liegt mir so vieles auf der Seele. Und ich weiß gar nicht, womit ich anfangen möchte, das alles vor Gott zu bringen.

Aber ich brauche es ja gar nicht. Denn wie damals, als dieser Satz zu einem Licht für mein Leben wurde, fühle ich es immer noch: Er rennt auf mich zu, nimmt mich in die Arme, hält mich und küsst mich! Mein Gestammel braucht es dabei nicht. Auch nicht meine in Worte gefassten Sorgen oder all meine ungeordneten Gedanken. Er hat mich längst verstanden! Er hält mich längst! Dieses Gefühl lasse ich mir nicht nehmen. Von keinem Virus der Welt!

Und deshalb möchte ich Sie an etwas erinnern. Welches Wort aus der Bibel, welcher Satz trägt Sie? Ich glaube, die meisten haben solch ein Wort, solch einen Satz ebenfalls längst für das eigene Leben gefunden. Für die einen ist es vielleicht ein Konfirmationsspruch geworden, oder auch ein Trauspruch. Manche erinnern sich an Worte, die sie von den eigenen Großeltern übernommen haben. Ja, ich glaube, viele von uns haben solch einen Satz, der auch durch schwere Zeiten tragen kann, in ihrem Herzen. Vielleicht manchmal tief verschüttet, aber immer noch tragfähig. Ich bitte Sie: Holen Sie ihn heraus, erinnern Sie sich! Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt!

Wir alle müssen nämlich nicht das ganze Evangelium verstehen, so sagte es uns Jugendlichen vor langer Zeit einmal Frère Roger, der verstorbene Prior des Klosters von Taizé, in einem abendlichen Gespräch. Wenn du nämlich ein Wort, einen Satz für dein Leben gefunden hast, so legte er es uns damals ans Herz, dann hast du Gott ganz gefunden. Und ich denke, genau so ist es!

Ach übrigens: wenn jetzt jemand denkt „Schade, solch einen Satz habe ich leider noch nicht gefunden!“, dann bitte sehr: Nehmen Sie doch meinen. Ich teile gern, schließlich ist er für alle da!

Kommen Sie gut durch den Tag, bleiben Sie daheim, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund! Gott segne Sie!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

(Stand 23. 3. 2020)

Geistlicher Impuls für den Tag

Losung und Lehrtext für Montag, 23. 3. 2020

 

Nehemia 9,6

HERR, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.

 

Apostelgeschichte 14,17

Gott hat sich selbst nicht unbezeugt gelassen, hat viel Gutes getan und euch vom Himmel Regen und fruchtbare Zeiten gegeben, hat euch ernährt und eure Herzen mit Freude erfüllt.

 

Eine kleine Geschichte erklärt mir Gott

Ein Kind musste in einem Krankenhaus operiert werden. Im Vorbereitungsraum wartete es gemeinsam mit seinem Vater. Dann war es soweit. Mit sorgenvollen Augen sah das Kind auf den Vater. „Papa“, fragte das Kind, „Papa, bleibst du bei mir?“ „Ja“, sagte der Vater, „ich bleibe bei dir.“ „Die ganze Zeit?“ „Ja, die ganze Zeit!“ Die Narkose wurde eingeleitet, das Kind schlief ein. „Sie können jetzt gehen, es schläft“, sagte die Anästhesistin. „Nein, ich kann nicht gehen“, antwortete der Vater, „ich hab’s versprochen! Ich bleibe!“

Für mich braucht es manchmal nicht viel, um den Gott zu erklären, an den ich glaube. Der Gott, an den ich glaube, hat mir, als er mich ins Leben rief, versprochen, an meiner Seite zu bleiben. Und oft durfte ich das erfahren – in guten Zeiten meines Lebens und eben auch in ganz schweren, in denen ich es manchmal vielleicht sogar für unmöglich hielt. Der Gott, an den ich glaube, hat sich niemals aufgedrängt. Aber er war immer so spürbar, dass ich wusste, ich bin nicht allein, niemals. Manchmal wurde mir das natürlich auch immer erst viel später klar. Aber ich weiß, es gibt keinen Tag ohne Gott! Es gibt keinen Tag ohne Gott an meiner Seite! Aus dieser Zuversicht lebe ich!

Wo war das bei Ihnen so? Wo und wie haben Sie das auch spüren können? Und wie ist es jetzt? In den Zeiten, in denen wir uns sorgen. Sorgen um uns, um die, die wir lieben, um die, die für uns sorgen. Manche können wir gerade sehen, weil wir mit ihnen leben. Bei anderen, die in unserem Herzen sind, ist das vielleicht gerade nicht möglich. Haben Sie schon die Ruhe finden können, die immer auch mit Vertrauen zu tun hat? Eine Ruhe, in der Sie hören können, wie Gott spricht: „Ich bin da! Ich hab’s versprochen! Und ich bleibe, bei dir und allen Menschen!“ Er sagt es Ihnen, täglich und immer wieder neu. Sie werden es hören. Ich wünsche es Ihnen. Kommen Sie gut durch den Tag! Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

 

Geistlicher Impuls (20. 03. 2020):

Ein katholischer Mitbruder – Monsignore Stephan Wahl, einige kennen ihn aus seiner Winzenheimer Zeit – und ich haben ein Lieblingszitat. Es stammt von Blaise Pascal (franz. Mathematiker, Physiker und Philosoph) und lautet:

„Das ganze Unglück der Menschen rührt allein daher, dass sie nicht ruhig in einem Zimmer zu bleiben vermögen“.

Einige , die jetzt immer noch gemeinsam draußen herumlaufen, scheinen seine Worte bestätigen zu wollen und handeln unverantwortlich. Aber wie werden wir, werden Sie Blaise Pascal widerlegen können? Was kann uns, was kann Ihnen helfen, diese schwierige Zeit vielleicht allein oder mit der Familie zu Hause zu verbringen? Vielleicht müssen wir nach diesen letzten uns alle wohl aufwühlenden Tagen erst einmal zur Ruhe kommen, damit sich bei aller Sorge und bei allen Ängsten in uns auch wieder Raum für Zuversicht wachsen kann. Z.B. die Zuversicht, dass wir alle mithelfen können, diese Krise zu überwinden, indem wir uns für eine Weile zurückziehen, auch wenn es uns vielleicht schwerfällt. Aber dahinter ahne ich auch wieder unsere Fröhlichkeit, höre jetzt schon unser Lachen, ahne ich jetzt schon das Glück, das Leben in Fülle, das Gott uns schenkt, wieder mit anderen teilen zu dürfen. Aber bis dahin, sollten wir vieles tun und auch bei uns für möglich halten, Blaise Pascal und seine Worte zu widerlegen! Es wird gelingen, schließlich sind wir niemals allein in einem Zimmer. Einer verlässt uns nie und ist immer bei uns, niemals aufdringlich und manchmal ganz unmerklich. Aber er ist da, bleibt da und geht mit uns! Gelobt sei Gott!

Passen Sie auf sich auf!

Es segne und behüte sie Gott, der Allmächtige, der Vater, der Sohn und der heilige Geist! Amen.

Rüdiger Dunkel, Pfr.