Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Versen aus Psalm 116 in meinen Worten:

Es tut so gut, darauf vertrauen zu können,

dass Gott hört, wie ich zu ihm rufe,

er hört mein Weinen und Klagen!

Er kommt mir ganz nahe,

damit keines meiner Wort ungehört bei ihm verhallt!

Das möchte ich mir mein Leben lang bewahren!

Manchmal da schnürt mir die Angst die Kehle zu.

Ja, ich habe in diesen Tagen auch in meinem Leben

auch an den Tod denken müssen!

Das hat mich erschreckt! Tief erschreckt!

Aber du, guter Gott, schaust auf mich mit all deiner Gnade.

Ich weiß auch du verteilst deine Gnade gerecht,

und sie reicht für alle!

Mit all deiner Barmherzigkeit,

die so gut tut, bist du bei uns!

Die Schwachen brauchen dich gerade sehr.

Alle die, die nicht für sich selbst sprechen können!

Du bist dort. Und das ist gut!

Aber du bist auch bei mir, denn auch in bin so oft schwach.

Und auch mir hilfst du!

Deshalb finde ich ganz tief in mir nun auch meine Ruhe wieder!

Und das tut gut! Du tust mir Gutes!

Die düsteren Gedanken hast du vertrieben.

Ich vertraue wieder dir und mir.

Meine Tränen wische ich ab.

Und ich stehe wieder fest!

Ja, ich werde wieder neu gehen können!

Sehr aufmerksam!

Und ich werde wieder von dir erzählen!

Und dann werde ich auch eines Tages wieder feiern,

vor dir und mit vielen anderen.

Wir werden singen, beten und dein Wort hören!

Und wir werden dir danken!

Von ganzem Herzen!

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Es gibt viele Menschen, die glauben.

Und sie sagen:

Mit Ostern hat das Leben wieder neu begonnen

Und es wird anders werden, ganz anders!

Es wird gut werden!

Da sind aber auch die anderen;

die, die gerade sagen:

Ich glaube nur, was ich sehe!

gerade in diesen Tagen!

Und das, was ich sehe, es spricht alles dagegen!

Vieles wird nie wieder gut!

Herr beides bringen wir heute

auch in unsrem Gebet vor dich!

Unseren ganzen Optimismus,

der uns manchmal dazu verleitet,

unsere Aufmerksamkeit und Vorsicht zu verlieren

und sich in unserer Ungeduld seine Bahn bricht!

Aber auch unsere ganze Verzagtheit und Mutlosigkeit;

beides wirkt so lähmend

beides will uns daran hindern,

mit dir nach vorn zu schauen!

Schau auf uns, Herr,

und wandle uns in deiner Liebe!

Ermutige uns!

 

Mache uns getrost und gewiss,

dass wir wieder daran denken

und es uns als einen festen Glauben bewahren:

Du, guter Gott, gibst uns niemals auf!

Es galt zu allen Zeiten und es gilt heute und in Zukunft!

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Unsere Hoffnungen kommen und gehen.

Manchmal verkümmern sie.

Manchmal sogar begraben wir all unsere Hoffnungen.

Wir bitten dich, gib uns neue und lebendige Hoffnung,

die uns trägt, gerade in diesen Tagen,

gerade in diesen Zeiten.

Sei du selbst unsere Hoffnung,

mit der wir neu durch das Leben gehen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14:

(Auch Predigttext)

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade eine Geschichte gehört – die Geschichte von Jesu Begegnung mit den Fischern am See in Tiberias -, die eigentlich im Johannesevangelium schon gar nicht mehr drinsteht. Wenn man nämlich genau hinschaut, sich einmal in neutestamentliche Theologie und besonders in das Johannesevangelium vertieft, dann kann man feststellen, wie das Johannesevangelium an sich schon mit dem Kapitel vorher in aller Form abgeschlossen wird.

Da hat Johannes – wie die anderen Evangelisten auch – vom Leiden und der Kreuzigung Jesu erzählt. Es folgen seine Ostergeschichten mit der Auffindung des leeren Grabes und den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena, seinen Jüngern und schließlich auch mit Thomas, dem Zweifler. Dann kommt da schließlich, unmittelbar vor unserer heutigen Evangeliumslesung von der Geschichte am See der eigentliche Schlusssatz des Evangeliums, wenn der Evangelist schreibt: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30f) Deutlicher kann ein Schlusspunkt doch wohl nicht sein.

Aber jetzt folgt noch ein Kapitel mit der Geschichte, über die wir heute nachdenken. Ganz offensichtlich ein Nachtrag. Warum? Warum macht sich der Evangelist damals schon die Mühe, noch eine Geschichte zu erforschen, aufzuschreiben, zu erinnern und eben an sein eigentliches Gesamtwerk anzuhängen?

Eigentlich gibt es wohl nur eine Erklärung: diese Geschichte hängt er an und schreibt sie auf für all diejenigen, die die Ostergeschichten damals zwar schon andächtig gehört, dann aber damals wohl auch schon gesagt haben: So wie das da von Maria Magdalena und den Jüngern und erst recht von dem Thomas erzählt wird, der den Auferstandenen regelrecht zu fassen kriegt, so direkt und eindeutig und zwingend zeigt sich der Auferstandene uns leider nicht. Dabei hat er doch versprochen, bei und in seiner Gemeinde zu bleiben bis an der Welt Ende. Woran kann unsereiner das denn nun merken? Bis heute reden Menschen so. Niemals ist das Sehnen danach, den Auferstandenen leibhaftig zu sehen, um dann vermeintlich besser und zweifelsfreier glauben zu können, verstummt.

Ich denke, genau auf diese Frage gibt diese Nachtragsgeschichte eine Antwort. Ostern wird noch einmal erzählt, als hätte es die Geschichten von den umwerfenden Erscheinungen in Jerusalem gar nicht gegeben. Es ist, als habe alles mit Karfreitag geendet und die Jünger seien in ihren Alltag am See Tiberias zurückgekehrt, den wir auch als See Genezareth kennen. Die Jünger werden mit Menschen in ihren späteren Gemeinden und deshalb auch mit Menschen wie uns auf eine Stufe gestellt. Deshalb diese andere Ostergeschichte vom See in Tiberias.

Wir erinnern uns: Es geht damit los, dass Petrus zu seinem Gefährten sagt: Ich will fischen gehen – er sagt also: ich gehe zur Arbeit. Und die anderen tun das auch. Und natürlich gehört das nur zu gut bekannte unwillige Seufzen dazu, wenn es heißt: ich muss zur Arbeit… Kennen doch einige von uns, oder? Manchmal weiß man nur zu genau, dass die Arbeit oft nicht der Mühe wert zu sein scheint. Und so ist es hier in der Geschichte ja tatsächlich auch: Nach einer mühevollen Nacht beim Fischfang kommen sie in der Frühe todmüde zurück – mit leeren Netzen. Nichts gefangen. Und damit stehen sie für alle, die von der Arbeit oder vielleicht auch aus der Schule kommen mit dem Gefühl: Es hat heute mal wieder nichts gebracht! Manchmal habe ich solch ein Gefühl sogar bei der Hausarbeit. – Obwohl, während ich das schreibe, fühlen es wohl manche gerade ganz anders. Homeoffice und Homeschooling – das Arbeiten und das Lernen von zu Hause aus – haben die Prioritäten vielleicht verschoben, lassen aber bei manchen vielleicht auch schon wieder das Sehnen nach dem scheinbar Vergangenem, wachsen. Wie kläglich war das Seufzen, aber wie schön war es auch, unbeschwert zur Arbeit oder in die Schule gehen zu können!

Genau jedoch in diese Stimmung des Alltäglichen tritt in unserer Geschichte Jesus, wieder erst einmal in der Gestalt eines Fremden ein. Das war bei Maria aus Magdala damals am Grab nicht anders. Die sah ja zunächst den Friedhofsgärtner in ihm. Oder denken wir an die Jünger auf dem Wege nach Emmaus. Der Auferstandene begegnet ihnen unerkannt. Nicht an seiner Gestalt wird er erkannt, sondern an dem, was er sagt und in Gang setzt. Erkannt wird er, als er das Brot bricht.

Hier beginnt der noch fremd erscheinende Jesus mit einer Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ (V. 5) Er fragt geradezu väterlich, möchte nicht mehr fremd sein. Jesus sucht den Kontakt zu seinen Jüngern. Die Jünger aber müssen passen, sie haben ja nichts gefangen. Bei der im Orient selbstverständlichen Gastfreundschaft muss ihnen das besonders peinlich gewesen sein. Allein schon deshalb muss Jesus jetzt geradezu aktiv werden. Menschen in eine peinliche Lage zu bringen, das hat er nämlich niemals getan.

„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden, rät er ihnen. Auf deutsch: Kommt, versucht es noch einmal! Auch wenn ihr denkt: der hat gut reden. Als hätten wir nicht schon alles versucht – natürlich nicht nur links, sondern auch rechts!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Was wären wir ohne die Menschen –  Ehepartnerinnen und -partner, Kolleginnen  und Kollegen, gute Freundinnen und Freunde -, ohne die Menschen, die uns gut zureden, den Kopf nicht hängen zu lassen, die uns sagen: Komm, du schaffst das. Ich weiß doch, was du kannst. Menschen, die uns nicht festlegen auf unsere Misserfolge, die uns etwas zutrauen, uns Mut machen und uns auf neue Ideen bringen. Menschen, die uns gegen all unsere Angst, gegen all unsere Resignation auch wieder Mut zusprechen. Menschen, die geradezu – wie hier der Auferstandene – mit der aufgehenden Sonne am Ufer unseres Lebens stehen. In ihnen begegnet uns der Auferstandene – also in denen, die uns wieder an die Arbeit schicken, die uns wieder ins Leben schicken, die uns wieder ermutigen und neu aufrichten. So irdisch, so alltäglich, so menschlich kann Ostern sich auswirken! Und wie wichtig sind gerade in diesen Tagen solche Menschen für uns alle! Wie wichtig ist es sogar, wenn wir vielleicht selbst solche Menschen für andere sein können!

Die Jünger fahren also wieder los. Und natürlich passiert das, was Jesus für sie ja wollte; sie kommen mit übervollen Netzen zurück. Ich schaue damit auch noch einmal auf uns. Denn das kennen wir doch auch: Ja, das gibt es! Ja, das kommt vor, dass mitten im normalen Trott unsere Arbeit überreich gesegnet wird – wenn man eben nicht ausgelaugt, sondern wirklich erfüllt nach Hause kommt im Triumph über eine gute Arbeit; mit der Genugtuung, heute habe ich wirklich etwas bewegt, ich habe etwas weitergebracht. Vielleicht sogar: ich habe mich weitergebracht. Die Arbeit macht Spaß, und ich freu mich schon auf den nächsten Tag. Oder mir wird vielleicht sogar in diesen schwierigen Tagen mal wieder klar: Was für ein Segen, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein kann, ja dass ich sogar zu Hause mit und nach meiner Arbeit Geborgenheit und eine Atmosphäre schaffen kann, in der sich die Menschen, die ich liebe und mit denen ich lebe, wohlfühlen können.

Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen solche Segenstage. Tage, an denen wir erkennen, wie wunderbar das Leben sein kann und wie wunderbar es ist, von diesem Gefühl weitergeben zu können. Ich wünsche es uns gerade auch in dieser Zeit!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich wünsche uns sogar noch etwas. Nämlich dieses Gefühl auch oft zu spüren, wie gut ist es, an solchen Segenstagen einen Menschen wie den Johannes im Boot des eigenen Lebens zu haben – einen Menschen, der uns die Augen öffnet für das, was hinter dem steht, was man so obenhin als Glück, Glückssträhne oder Gutgehen bezeichnet. Jemanden, der immer auch tiefer sieht und der es eben auch weitersagt: „Es ist der Herr.“ (V. 7)  Wer Grund hat, von Glück und Segen zu reden – oder vielleicht sogar zu singen, wie ich es manchmal bis zum März des vergangenen Jahres, aber hoffentlich bald auch wieder in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres 2021 an verschiedenen Orten tun darf –, der hat es, ob er es weiß oder nicht, mit nichts Geringerem als mit Ostern und mit der Lebensäußerung des Auferstandenen zu tun.

Ich glaube – gestattet mir, liebe Freundinnen und Freunde, die ihr mich kennt und von meiner Leidenschaft wisst, diesen eingeschobenen Gedanken – genau deshalb ziehe ich umher und singe und erzähle ich. Und tue es sehr gern!

Auf Petrus – damit sind wir wieder bei der Geschichte am See –, der bisher gar nichts davon mitbekommen hat, wirkt diese Entdeckung wie elektrisierend. Ohne lange nachzudenken, wirft er sich ins Wasser, um möglichst schnell an Land und zu Jesus zu kommen.

Und hier begegnet uns das, woran ich schon in vielen Predigten erinnert habe: Die beiden Menschentypen, die uns hier vor Augen geführt werden, die kennen wir doch gut: wir kennen den Stillen, den Tieferblickenden, den Meditativen auf der einen Seite. Wir kennen aber auch den Impulsiven auf der anderen Seite, den, dem es oft nicht schnell genug gehen kann; den, der voller Ungeduld Hals über Kopf einfach losprescht. Und lebt eine Gemeinde – bei uns in Winzenheim und natürlich auch überall – nicht geradezu davon, dass beide dieser Typen in einem Boot sitzen? Sind diese Typen wirklich so gegensätzlich, dass man sie nur zu leicht gegeneinander ausspielen kann und meint, man könne sich nur für den einen oder den anderen entscheiden?

Ich glaube das nicht. Es geht hier um mehr. Es geht bei diesem zunächst als Gegensatz Erscheinenden doch eher um die Spannung zwischen Kontemplation und Aktion. Jedes Presbyterium kennt doch z.B. diese Frage: Wo soll in unserer Gemeindearbeit der Schwerpunkt gesetzt werden? Liegt der Schwerpunkt in der Sammlung um Gottes Wort, im Gebet, im Gottesdienst oder in den vielen möglichen Aktivitäten, die den Willen Jesu im Alltag der Welt umsetzen? Und welchen Schwerpunkt werden wir so neu gewichten, dass er uns in eine gute Zukunft trägt?

Genau diese Spannung – liebe Schwestern und Brüder –  war von Anfang da in der christlichen Gemeinde. Sie gehört dazu wie die Männer und Frauen, die den Unterschied zwischen Johannes und Petrus bis heute verkörpern. Alles hängt daran, dass keiner dem anderen die Nähe zum Auferstandenen streitig macht. Der auferstandene Jesus, der Christus – er trifft keine Entscheidung zwischen ihnen; er äußert sich nicht zu der Frage, wo denn wohl die größere christliche Substanz ist. Er lädt sie beide zusammen mit all den verschiedenen Menschen zwischen diesen beiden Typen zum gemeinsamen Mahl. Die Unterschiede und Gegensätze im Glauben – sie wurden und werden uns wohl auch in Zukunft nicht erspart. Aber das andere bleibt eben auch: bei allem Streit, bei all unseren Verschiedenheiten bleiben wir Gemeinde des Auferstandenen; wir bleiben es, solange wir uns an seinen Tisch bitten lassen und seiner Einladung dann auch folgen. Zumindest dann, wenn wir uns auch wieder als sichtbare Gemeinschaft von Geschwistern rund um diesen Tisch versammeln dürfen. Selbst jetzt, wo es gerade nicht so ist, bleiben wir, wenn auch vielleicht anders und niemals gedacht, als Gemeinschaft vor Gott verbunden! Denn es war, es ist und es bleibt sein Wille!

Wir sind in seinem Geist zusammen, feiern das Leben, genießen die Gemeinschaft untereinander, auch und gerade in der momentanen Zerstreuung! Wo immer wir auch gerade sind, der Auferstandene will und wird uns nahe bleiben! Er tritt mitten unter uns, schickt uns immer wieder neu auf unseren Weg. Er geht ihn sogar mit. Also: auf geht’s! Denn der Weg ist noch weit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet:

Wir beten!

Herr! Guter Gott und Vater!

Wir danken dir für alle Menschen,

die du in deinen Dienst nimmst.

Gerade auch in diesen Tagen!

Sie tun es auf so viele verschiedene Weisen!

Für einige ist es ihr Dienst,

andere tun es freiwillig.

Wir danken dir für alle Menschen,

die du auch in diesen Tagen zu den Menschen sendest!

 

Deine Gemeinde lebt.

Auch wenn wir uns vielleicht nicht sehen können,

aber wir dürfen es spüren! Danke!

Viel Kraft ist nötig, Herr,

um diese Zeit zu bestehen.

Und noch mehr Kraft wird nötig sein,

um diese Zeit zu überwinden.

 

Da warten so viele Aufgaben,

vieles müssen wir neu denken und neu leben!

Wir wollen vertrauen, Herr!

Auf dich und auf die Kräfte,

die du auch wieder in uns wecken wirst

Rüste uns aus mit allem, was wir brauchen,

um mit dir neu leben zu können!

Denn du bist das neue Leben für uns.

Es hat begonnen! Schon heute! Schon in uns!

Du schenkst uns alles!

Und deine Liebe trägt uns weit!

 

Guter Gott, wir bitten dich!

Schau auf unsere Gemeinden!

Zeige du uns den Weg,

den wir vielleicht bald wieder gehen können!

Aber es soll dein Weg sein!

Nicht ein Weg, der auf unserer Ungeduld gebaut ist.

Nicht ein Weg, auf dem wir uns selbst mehr sehen als dich!

Wir wollen dich vor Augen haben!

Denn du führst und leitest uns!

Nicht uns, sondern dich haben wir vor Augen!

 

Wir wollen nicht darüber streiten,

welche Wege zu dir und in die Gemeinschaft mir dir

führen! Und wie schnell das sein muss!

Lass uns auf die Nöte und Bedenken genau so hören

wie auf die schöpferische Ideen,

die neue Möglichkeiten zeigen.

Lass uns aneinander interessiert bleiben!

Gib, dass wir uns respektieren!

Gib, dass wir uns nicht fremd werden,

in dem, was wir tun und sagen!

Stärke in uns das Vertrauen,

dass wir einander brauchen!

Du vertraust uns, Herr!

So lass uns auch ganz auf dich vertrauen!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Judika, 21. 03. 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Judika, 21. 03. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Mt 20,28)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 43

1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott und Vater!

Wenn es um unsere Leistungen geht, dann schwanken wir:

zwischen Rechthaberei und Unsicherheit,

zwischen stolzem Selbstbewusstsein und Ängstlichkeit.

Gern drängen wir uns nach vorn und stoßen andere so zurück.

Unsere eigene Schwäche wollen wir damit überdecken.

Doch du, Herr, siehst in unser Herz.

Du weißt, was uns wirklich bewegt.

Wenn wir immer wieder auch an dir, Herr, zweifeln,

dann hilf unserem Kleinglauben.

So komm, Herr, und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott spricht uns seine Gnade zu,

so verkündet es der Prophet Jesaja:

Es sollen wohl Berge fallen und Hügel hinfallen,

aber meine Gnade soll nicht von dir weichen

und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.

 

Gott in Christus,

du bist durch Leiden, Angst und Verzweiflung

zum Kreuz gegangen.

Du hast mit deinem Sterben besiegt,

was uns besiegen will.

Gib uns Mut und Kraft,

uns deiner Macht anzuvertrauen,

damit über uns nicht mächtig werde,

was dir unterlegen ist.

Das bitten wir dich,

der du dreieinig lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 10, Verse 35-45:

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden.

36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?

37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.

38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?

39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;

40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;

44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Hiob, Kap. 19, 19-27

(auch Predigttext)

19 Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt.

20 Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.

21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift,

24 mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen!

25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.

26 Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen.

27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Hiob hatte es ja wirklich nicht leicht. Er glaubt sich von Gott auf die Probe gestellt. Und wohl nicht nur wegen seines Glaubens. Nach und nach verliert er alles – seine Kinder, seinen Besitz und Wohlstand und zum Schluss auch noch seine Gesundheit. Allzu verständlich ist es deshalb, dass er Gott anklagt, ihn nicht mehr versteht und natürlich fragt, warum Gott ihm das alles zumutet.

Aber in all seinem Leid hat sich Hiob irgendwie doch eines bewahrt. Er weiß um seine Unschuld! Freunde wollen ihm einreden, dass sein Schicksal mit seinem Tun davor zusammenhängt. Aber Hiob weiß es innerlich anders. Da ist etwas, das unerschütterlich in ihm zu sein scheint, auch wenn äußerlich alles dagegen spricht. Vielleicht ist dieser Hiob mir deshalb manchmal so nah! Und wohl nicht nur mir.

In der alttestamentlichen Lesung etwas weiter oben kurz vor dieser Predigt wird dieses – wie ich finde – wunderbar deutlich. Hiob scheint wieder einmal ganz unten zu sein. Auch dieses Gefühl ist vielen von uns zu manchen Zeiten des eigenen Lebens nicht fremd. Auch nicht, was er da gerade beklagte.

Er erinnert sich an seine Freude, an seine Begleiter. Menschen, die ihm wichtig waren und denen er vertraut hatte. Er scheint sie verloren zu haben, sie scheinen sich verändert zu haben. Er empfindet sie plötzlich als Bedrohung. Vielleicht ja auch, weil sie zu viel von ihm wissen, vielleicht weil er selbst zu gutgläubig war und sich nun ausgenutzt fühlt. Und ebenso vielleicht merken ja einige gerade, während sie diesen Gedanken lesen, dass er ihnen selbst auch nicht fremd ist.

Ich bin nur noch Haut und Knochen, sagt Hiob über sich selbst. Er betrachtet sich selbst und merkt, wie schlecht er aussieht, wie schwach er sich fühlt. Alle Kraft scheint ihn verlassen zu haben. Er kennt sich doch auch ganz anders, erinnert sich daran, wie er einmal war. Wo ist sein Selbstvertrauen, wo ist seine Kraft, sein Mut? Wie ein Häufchen elend fühlt er sich. Auch hier frage ich: Kennt das jemand von sich?

Hiob fühlt sich gestraft, fühlt sich verlassen. Er meint wohl, dass er genügend Zeichen um Hilfe aussendet, dass er oft genug ruft. Aber niemand scheint ihn zu hören. Alle müssten es doch sehen, wird er gedacht haben. Sie müssen doch merken, wie schlecht es mir geht. Warum hilft mir niemand? Ich bin verlassen, von der Welt, den Menschen und von Gott! Verlassenheit, verlassen von der Welt den Menschen und von Gott. Einigen von uns auch nicht unbekannt!

Und Hiob fragt sich schließlich, was eigentlich von ihm bleibt. Große Reden hat er nie geschwungen. An was wird man sich erinnern, wie werden Menschen über ihn denken, was bleibt von ihm? Große Hoffnung hat er nicht. Das Leben geht weiter auch ohne ihn. Was bleibt eigentlich von mir? Und warum? Dieser Frage entziehe ich mich gern, wie manch anderer wohl auch.

Ja, Hiobs Erfahrungen, Hiobs Leiden, all seine Traurigkeiten und Verlassenheiten – all das mag zu viel für ihn sein. Es ist auf jeden Fall dann zu viel, wenn scheinbar alles zusammenkommt, alles über ihm zusammenbrechen zu scheint. Nichts geht mehr! Selbst Gott und Glaube geht irgendwie nicht mehr! Und da ist es schon wieder – ein Gefühl, das uns nicht unbekannt ist, uns manchmal auch überkommt, bei einigen vielleicht sogar gerade wie über Nacht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Aber ist dann da wirklich gar nichts mehr? Gibt es wirklich diese totale Gottverlassenheit? Ganz ehrlich – ich glaube es nicht! Denn das müsste dann ja bedeuten, dass Gott sich von mir zurückgezogen hätte, mich aufgegeben hätte. Das könnte doch nur sei, wenn Gott sich entschlossen hätte, nicht mehr für mich da sein zu wollen! Wäre Gott ein Gott, der solches denken und zu solchem fähig sein würde, wäre er für mich von diesem Moment an kein Gott mehr. Ich würde die Bibel nie mehr zur Hand nehmen, würde alles vergessen wollen, was ich darin gelesen und für mein Leben als Traggrund gefunden hätte. Gott wäre dann zu einer bloßen Idee verkommen, die für mich all ihren Wert verloren hätte!

Vielleicht überspitze ich ja gerade etwas, was auch in Hiobs Gedanken immer einmal aufgeblitzt war. Aber genau bei ihm finde ich es, dass es eben nicht so ist, selbst im tiefsten Leid, selbst in den tiefsten Momenten nicht!

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

In all seinen leidvollen Erfahrungen, ja am tiefsten Punkt seines Lebens ist Hiob zu diesen Worten fähig! Betrachtet man sie in der Situation, in der sie gesagt und bekannt werden, gehören sie wohl zu den stärksten Worten der ganzen Bibel. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Selbst wenn ich am Boden und im Staub liege, Gott ist da, sagt Hiob. Selbst wenn ich fleischlich nicht mehr da bin, werde ich Gott sehen, glaubt Hiob. Gott wendet sich mir ganz zu, ich werde ihn sehen und spüren, darauf vertraut Hiob. Davon, von diesem Glauben und Vertrauen, ist mein Herz voll, kann Hiob sich am Ende unserer Lesung wieder eingestehen. Gott ist da, für mich! In allem Leid ist dieser Gedanke, dieses Wissen, dieses Vertrauen letztlich sein Glaube, seine Unerschütterlichkeit!

Ich habe ihn, den alten Hiob, vor Augen. Und ich erinnere mich an Menschen, die ich in ganz verschiedenen Lebenslagen in meinem Dienst als Pfarrer begleiten durfte. Ich erinnere mich an viele Gespräche z.B. mit alten Menschen. Sie konnten mir von Dingen erzählen, die in meinen Ohren ganz unglaublich klangen. Von Dingen, die Menschen an Menschen in Kriegen tun können. Von Verlusten, die ganz genau auch Hiob erlebt hatte. Ich kenne Menschen, die mussten so vieles aushalten – an Leid, an Schmerz, an Trauer. Wenn ich mich an viele solcher Gespräche und Situationen zurückerinnere und dann auch ehrlich bleibe, fällt mir eines auf:

Wie oft wollte ich trösten und konnte es nicht? Wie oft ging ich selbst gestärkt aus solchen Situationen heraus, weil es genau umgekehrt war. So viele Leidgeschichten wurden – manchmal unmerklich für die Erzählenden – zu Hoffnungsgeschichten für mich. Da predigten Menschen mir gegenüber von einem Gott in allem Leide, manchmal wohl ohne dass sie es selbst merkten. Und besonders schön, wertvoll und für mich unvergesslich war es dann, wenn sie es in ihren Erzählungen und Erinnerungen dann auf einmal doch ganz klar sehen und auch aussprechen konnten, was Glaube zu tragen vermag – wie es eine alte Frau einmal so sagte: „Wäre der liebe Gott nicht die ganze Zeit bei mir gewesen, ich wäre heute nicht hier!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, Hiob klagt, hiob weint, Hiob hadert, Hiob ist am Boden. Aber Gott wohnt immer noch und auch für immer in ihm. Er ist da, er hört, er trägt. Das weiß auch Hiob  selbst. Das nimmt ihm nicht all sein Leiden. Aber er trägt es nicht allein. Er vertraut darauf, dass er Gott eines Tages auch wieder sieht, ihn spürt und ihn hört. Vielleicht wird er ihn niemals wirklich verstehen. Vielleicht werden auch nicht all seine Fragen beantwortet. Aber sein Sehnen nach Frieden, darauf vertraut er, das wird gestillt werden. Von Gott, zu Gott und durch Gott hin!

Und von ihm, von Hiob, müssen wir uns selbst fragen lassen: Wo ist deine Unerschütterlichkeit? Was bewahrst du dir selbst tief in deinem Herzen von Gott? Auch wenn alles um dich herum über dir zusammenbricht! Wo ist dein Vertrauen, dein Glaube, der dich immer wieder neu leben lässt, selbst in den schwersten Zeiten deines Lebens? Gott erlaubt auch dir die Klage, sieht deine Tränen, schaut deine Schwachheit an. Nur eines tut Gott nicht – dich verlassen! Niemals!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir sind mitten in der Passionszeit, einer in diesem Jahr wohl auch wieder besonderen Zeit. Viele merken Verlassenheit, Einsamkeit, Angst du Not ganz anders als sonst, denn vielen von uns ist gerade ein anderes Leben aufgezwungen als sonst! Passionszeit war aber immer auch die Zeit der Besinnung auf schwere Zeiten, die wir mit Gott durchleben und die zu unserem Leben dazugehören. Jesus selbst brauchte solch eine Zeit, wir brauchen solche Zeiten. So ist es wohl auch kein Zufall, dass uns Hiob als Predigttext gerade in dieser Zeit begegnet. Genau in ihm, dem vermeintlich Schwachen und Glaubensfernen, dürfen wir erkennen, dass auch diese Zeiten, die uns selbst vielleicht schwerfallen, immer auch Zeiten mit Gott sind. Einem Gott, der uns niemals einfach dem Leiden überlässt. Am Ende steht immer sein Wort der Liebe und des Neuanfangs mit uns. Darauf vertraut Hiob. Und mit ihm wollen wir es dann auch tun! Vielleicht nicht immer leicht! Aber lohnend! Und mit ihm sprechen wir aus, worauf er vertraut: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Gott, du wurdest Diener der Menschen.

Wir beten für alle, die etwas gelten,

die begabt und klug sind, einflussreich und bedeutend:

dass sie bescheiden bleiben;

dass sie nur Aufgaben übernehmen, die sie erfüllen können;

dass sie nicht viele Ämter auf sich häufen,

sondern tun, was ihnen entspricht;

dass sie Zeit haben für ihre Familien und für sich selbst.

 

Wir beten für alle, die sich für unwichtig und unbegabt halten:

dass sie ihre Fähigkeiten entdecken;

dass sie erfahren, wie unentbehrlich auch ihre Arbeit ist;

dass sie merken, wie viel sie anderen bedeuten.

 

Wir beten für alle, die sich für andere einsetzen:

dass sie beim Helfen nicht unversehens herrschen;

dass sie sich eingestehen,

wie viel Freude ihnen das Helfen macht;

dass sie den Dank für ihre Hilfe gern annehmen.

 

Vieles gibt es noch,

worum wir dich, Herr, bitten möchten.

Vertrauensvoll legen wir all das,

was uns auf der Seele liegt,

vor dich und beten in der Stille!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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