Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 27. 6. 2021

(Stand 27. 6. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

4. Sonntag nach Trinitatis, 27. 6. 2021

 

Wochenspruch: Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen. (Gal 6,2)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 42

2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Herr, unser Gott!

Wie oft lassen wir uns zu Sachen hinreißen,

die wir eigentlich nicht tun dürfen,

die wir vielleicht noch nicht einmal denken dürfen!

Wie oft leben wir mit einem schlechten Gewissen!

Wie oft benutzen wir die Lüge, um die Wahrheit zu vertuschen!

Wie oft leben wir auf Kosten anderer

und schämen uns nicht!

Herr, sieh gnädig auf uns und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann dürfen wir darauf vertrauen,

dass Gott uns eben gnädig ist

und dass er sich unser aller erbarmt.

Denn von ihm ist uns gesagt:

Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die,

die ihn ehren.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Und so dürfen wir zu ihm beten:

Herr, unser Gott, dir wollen wir folgen.

Lass uns Abstand gewinnen von allem,

was von dir wegführt.

Deine Gebote wollen wir achten;

unsere Fehler wollen wir einsehen

und Uneinsichtige nicht verachten.

Darum bitten wir in deinem Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 12, die Verse 17-21

17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, die Verse 36-42:

(auch Predigttext)

Vom Umgang mit dem Nächsten

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.

41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Was ist eigentlich das liebste Gesprächsthema, wenn wir so mit anderen zusammen sitzen, wissen Sie das?

Also wenn wir Corona und alles, was mit dieser nun schon so quälend lange dauernden Pandemiezeit zu tun hat, einmal vergessen. Wenn wir also – fast hätte ich gesagt „wie früher“ einfach mal so zusammnsitzen und miteinander schwätzen. Was war da oft unser Lieblingsthema?

Nun, eines der beliebtesten Gesprächsthemen – das waren und sind immer „die Anderen“.

Das sind diejenigen Menschen, die gerade nicht anwesend sind. Die bieten meist immer interessanten Gesprächsstoff, besonders dann, wenn man irgendetwas Negatives über sie zu erzählen weiß. Das führt dann meistens dazu, dass man über sie urteilt, sie richtet – und das wird zumeist ein Ver-Urteilen. – Warum tut wir das eigentlich – und manchmal sogar so gerne?

Oft geschieht es aus dem ganz einfachen Grund, dass man sich mit dem, was man über andere weiß, interessant machen möchte. Davon lebt im Übrigen die gesamte Regenbogenpresse. Und nicht nur sie, leider! Immer mehr leben davon auch Zeitungen und Zeitschriften, die für sich selbst den Anspruch erheben, seriös zu sein. Und auch viele Sendungen im Fernsehen. Aufmerksamkeit und Aufsehen erregen, auch wenn man weiß, dass die Meldungen eigentlich durch nichts abgesichert sind, dass man einfach Gerüchte verarbeitet – das kann man mittlerweile am besten. Und auf solche Weise wird versucht, zu unterhalten und natürlich auch, um Leser zu werden und hohe Einschaltquoten zu erzielen. Und das funktioniert sogar.

Dabei kann man gleichzeitig auch zeigen, wie genau man weiß, was gut und was böse ist; wie genau man weiß, wer gut und – vor allem – wer böse ist.

Und dann tun manche Journalisten sogar so, als ob sie sich für das Gute einsetzen und das Böse bekämpfen, indem sie es beim Namen nennen und publik machen.

Und nicht selten nutzen solche Leute dann die Gelegenheit, um zu zeigen, wie gut man selbst ist und dass man solches nie tun würde. Man zeigt z.B., wie ernst es einem um die eigene Frömmigkeit bestellt und wie wichtig einem die Bewährung im christlichen Glauben ist.

Ja, sie gebären sich manchmal selbst, diese Moralapostel!

Aber ist nicht der einkalkulierte Nebeneffekt solchen Handelns, die Blicke von einem selbst weg, vom eigenen Sein und Tun, wegzulenken, so nach dem Motto: Haltet den Dieb.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Nicht selten urteilen wir über die anderen auch, weil wir daran ganz existenziell interessiert sind, sei es, um es ihnen heimzuzahlen, sei es, weil wir sie von dort, wo sie sind, verdrängen wollen, weil wir es ihnen neiden, weil wir selbst ihre Stelle einnehmen möchten, vielleicht nur, um sie irgendwie fertig zu machen.

Wie urteilen wir Menschen? Dazu möchte ich kurz an eine andere Geschichte in der Begegnung mit Jesus erinnern. Das zeigt uns nämlich in eindrücklicher Weise auch die Geschichte von Jesus und der Ehebrecherin aus dem Johannesevangelium (Joh 8,1-11). Da bringen Schriftgelehrte und Pharisäer eine Frau zu Jesus, die auf frischem Ehebruch ergriffen worden ist. Sie wollen seine Ansicht dazu hören – aber nicht etwa, weil sie von ihm etwas lernen wollten, sondern um ihm eine Falle zu stellen. Ehebruch galt damals als Verbrechen, das nach dem Gesetz des Mose mit dem Tod, und zwar durch Steinigung, bestraft werden musste. (In streng-islamischen Ländern existiert diese unmenschliche Praxis auch heute noch.) Hätte Jesus dem zugestimmt, wäre er nicht mehr der liebende und vergebende Heiland gewesen. Hätte er aber gesagt, lasst sie laufen, hätte man ihn als Verächter des als göttlich geltenden Gesetzes verurteilen können.

Die Menschen damals hatten die Frau schon längst verurteilt: streng gesetzlich, unbarmherzig, verständnislos, gnadenlos und lieblos, ohne zu fragen, wie es überhaupt dazu gekommen war. Und – sie missbrauchen die tief betroffene, bedauernswerte, um ihr Leben bangende Frau, um Jesus zu provozieren.

Ihr urteilt, wie Menschen urteilen, sagt Jesus. Und was tut Jesus? Er verharmlost nicht etwa die Tat. Aber er sagt zu ihnen, die sich als Ankläger und Richter aufspielen: Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein. Niemand tut es, alle schleichen nacheinander kleinlaut davon. Daraufhin sagt Jesus zur Frau: So verurteile ich dich auch nicht; geh hin und sündige hinfort nicht mehr.

Trotzdem urteilen die Menschen auch heute noch. Sie tun es in ähnlich wie die Schriftgelehrten damals: selbstgerecht, nach dem Augenschein, nach Vorurteilen, undifferenziert, einseitig, parteiisch, und sie tun es manchmal geradezu unbarmherzig, gnadenlos und lieblos.

Unser Herr Jesus Christus warnt uns vor solchem Richten mit allem Nachdruck. Er öffnet uns die Augen über uns selbst. Unser Blick ist unheimlich scharf, was die anderen betrifft. Man kann manchmal von einer richtigen Entdeckerfreudigkeit sprechen, wenn es um die Fehler und Schwächen der anderen geht. Was einen selbst betrifft, so ist man unheimlich großzügig und nachsichtig; wir können meist alles erklären und entschuldigen und verharmlosen. Mit den Worten Jesu gesprochen: Den kleinen Splitter im Auge des anderen sehen wir sofort, den Balken im eigenen Auge nehmen wir nicht wahr.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das aber ist heuchlerische Überheblichkeit und ist Scheinheiligkeit. Denn das, was man am anderen Menschen verurteilt, kann einem auch sehr leicht selbst passieren, – und was dann?

Wir verurteilen am anderen oft genau das, was wir selbst auch tun oder sind, was die anderen auch an uns selbst aussetzen können. Dann aber richten wir uns selbst, sprechen wir letztendlich unser eigenes Urteil. Es ist doch eine bekannte Feststellung: Wenn ich mit meinem Zeigefinger auf den anderen zeige, weisen gleichzeitig drei Finger auf mich selbst zurück.

Jesus öffnet den Blick für den Nächsten.

Den anderen zu richten ist ein Zeichen von Lieblosigkeit. Man bemüht sich nicht, ihn zu verstehen, man hilft ihm nicht, man stellt sich nicht neben ihn, sondern über ihn,
man verdrängt ihn, man macht ihn fertig.

Jesus öffnet auch den Blick für Gott.

Andere zu richten, ist ein Zeichen von Gottlosigkeit. Man maßt sich etwas an, was Gott allein zusteht. Man stellt sich damit auf seinen Platz und greift in sein Recht ein. Gott allein kennt die Menschen, wie sie wirklich sind, und er kennt sie bis auf den Grund ihres Wesens. Ihm kann niemand etwas vormachen oder vorschreiben. Gott allein ist gut und darum kann nur er allein wissen und befinden, was gut und was böse ist. Daher steht ihm allein das Richten zu.

Aber wie richtet nun Gott?

Gott hat seinen Sohn Jesus Christus zu uns Menschen kommen und unter uns leben lassen. So hat er unser Wesen und unsere Regungen, unsere Stärken
und unsere Schwächen, unsere Gefühle und Neigungen am eigenen Leib kennengelernt. Er hat nicht verurteilt, sondern hat sich selbst anstelle der Menschen verurteilen lassen. Der Richter ist der Gerichtete geworden. Sein Kreuz ist das Zeichen von seiner großen Liebe und Barmherzigkeit. Durch sein Sterben und Auferstehen hat Jesus Christus unser Verhältnis zu Gott wieder in Ordnung gebracht. Alle Selbstanmaßung gegenüber Gott und Lieblosigkeit gegenüber den Menschen wird uns vergeben. Wir dürfen ihm getrost das Richten überlassen. Er richtet gerecht und barmherzig.
Durch ihn kommt auch unser Verhältnis zum anderen, zum Nächsten  wieder in Ordnung. Seine Barmherzigkeit öffnet uns den Blick für den anderen: wir erkennen im anderen nicht mehr nur unseren Konkurrenten, unseren Gegner, unseren Feind, sondern eben unseren Nächsten, unsere Schwester, unseren Bruder, die er auch in seiner Liebe trägt und für die er auch gestorben und auferstanden ist.

So bringt Gott auch unser Verhältnis zu uns selbst wieder in Ordnung. Seine Barmherzigkeit öffnet mir den Blick auch für mich selbst. Ich weiß mich geliebt und angenommen, darum kann ich mich selbst auch annehmen, wie ich bin – mit allen meinen Fehlern und Schwächen und allem Ungenügen. Daher habe es überhaupt nicht nötig, mich über andere zu erheben und sie herabzusetzen, um selbst zu bestehen. Dadurch ist all meinem Richten jeglicher Grund entzogen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gottes Barmherzigkeit lässt auch uns barmherzig sein. Gegenüber den anderen Menschen und gegenüber uns selbst. Ich glaube, dass ist für uns Christinnen und Christen eine der schwersten Übungen in unserem Leben in der Nachfolge Christi. Aber Gott will, dass wir uns darin übern – immer wieder und immer wieder neu.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Wir haben deine Gebote gelernt.

Aber noch öfter haben wir sie umgangen.

Wir kennen deine Gebote oftmals nur von ferne.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Gib uns zu verstehen,

dass wir für unsere Gedanken und Taten

Maßstäbe brauchen.

Deine Gebote führen in die Freiheit,

sie sind Wegweiser zum Leben.

Hilf uns Menschen,

dies endlich zu verstehen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

An vielen Orten dieser Erde

werden deine Gebote mit Füßen getreten.

Da wird die Erde ausgebeutet und zerstört,

da gelten Menschenrechte nichts,

da leben Menschen auf Kosten anderer.

Unrecht schreit zum Himmel.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Herr, wir sehen auf unser Leben.

So vieles ist anders geworden.

Wir schauen nicht nur auf uns,

sehen vielmehr auch auf andere.

Befreie uns von allem Neid.

Herr, schenke du uns die Ruhe und Gelassenheit,

in unserem Leben das Schöne zu sehen.

Dann bleiben wir auch hellhörig

für die Nöte der anderen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 20. 6. 2021

(Stand 20. 6. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

3. Sonntag nach Trinitatis, 20. 6. 2021

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 103

1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

 13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Herr, wir haben dir für so vieles zu danken.

Aber unsere Erinnerung ist manchmal so schwach,

wenn es um die Zeichen deiner Liebe

im Alltäglichen geht.

Oft lassen wir den Mut sinken,

weil wir nicht sehen,

was du uns Gutes getan hast.

Wir bleiben bei dem stehen,

was andere uns angetan haben,

und rechnen einander die Schuld vor,

die du uns längst vergeben hast.

So bitten wir dich!

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist,

und erinnern uns:

Wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn ehren,

die seinen Bund halten, sich seine Gebote merken

und danach leben.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Du redest mit uns,

gerade dann,

wenn vieles um uns herum verstummt ist.

Du bringst uns neu in Bewegung,

nimmst uns mit auf einen neuen Weg.

Du sprichst uns an,

kommst uns unablässig entgegen,

egal wo wir sind und uns nach dir sehnen.

Wir können Neues in unserem Alltag wagen,

auch wenn es gerade schwierig ist.

Lass uns nun mit all unseren Gedanken

ganz bei dir sein,

damit wir nicht ohne deine Antwort bleiben.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1.Timotheusbrief, Kapitel 1, Verse 12-17

12 Ich danke unserm Herrn Christus Jesus, der mich stark gemacht und für treu erachtet hat und in das Amt eingesetzt,

13 mich, der ich früher ein Lästerer und ein Verfolger und ein Frevler war; aber mir ist Barmherzigkeit widerfahren, denn ich habe es unwissend getan, im Unglauben.

14 Es ist aber desto reicher geworden die Gnade unseres Herrn samt dem Glauben und der Liebe, die in Christus Jesus ist.

15 Das ist gewisslich wahr und ein teuer wertes Wort: Christus Jesus ist in die Welt gekommen, die Sünder selig zu machen, unter denen ich der erste bin.

16 Aber darum ist mir Barmherzigkeit widerfahren, dass Christus Jesus an mir als Erstem alle Geduld erweise, zum Vorbild denen, die an ihn glauben sollten zum ewigen Leben.

17 Aber Gott, dem ewigen König, dem Unvergänglichen und Unsichtbaren, der allein Gott ist, sei Ehre und Preis in Ewigkeit! Amen.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15, die Verse 1-7

(auch Predigttext)

1 Es nahten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

 2 Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und isst mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert Schafe hat und, wenn er eines von ihnen verliert, nicht die neunundneunzig in der Wüste lässt und geht dem verlorenen nach, bis er’s findet?

5 Und wenn er’s gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.

7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen.

Amen.

 

Predigt 

Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Kennt Ihr das? Man sucht etwas ganz Bestimmtes. Bei mir sind es meist irgendwelche Schlüssel. Ich weiß genau, wo ich sie hingelegt habe, immer an den gleichen Platz. Und wenn ich es dann einmal besonders eilig habe, dann greife ich genau dahin, wo dieser Schlüssel eigentlich immer liegt. Und gerade dann ist er nicht da. Sicher, da ist dann meist noch irgendwo ein Ersatzschlüssel greifbar, aber den will ich nicht, ich will meinen. Ich will den Schlüssel, der eigentlich gar nicht weg sein kann, weil ich ihn immer an den gleichen Platz lege! Während ich dann in einer ersten Phase alles ganz unkontrolliert durchwühle und meinen Phantasien freien Lauf lasse, dass ich mir unverzüglich neue Schlüssel besorgen müsse, kommt dann hoffentlich bald die zweite Phase, in der ich in aller möglichen Ruhe noch einmal gedanklich meine letzten fünf Minuten zurückgehe, mich erinnere, wo ich war, gehe dann meistens an eine Stelle im Haus, wo ich mich kurz zuvor aufgehalten habe. Oft liegt er dann genau da, irgendwie unschuldig, aber eben doch an einem ganz unvermuteten Ort. Mir fällt dann wirklich ein Stein vom Herzen. Ich muss mich dann immer erst einmal wieder beruhigen. Schlüssel ist eben nicht gleich Schlüssel, dieser eine ist mein Schlüssel, fertig.

Vielleicht kennt Ihr dieses Gefühl ja so ähnlich auch. Ganz dringend etwas zu suchen. Und dann diese Freude, wenn Ihr es gefunden habt? Diese große Freude, die man teilen und mitteilen muss? Auch der Evangelist Lukas erzählt solch eine Geschichte vom Suchen, Finden und Freuen. Wir haben sie etwas weiter oben als Tagesevangelium lesen können, das Gleichnis vom verlorenen Schaf (Lukas 15,1-7).

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Jesus erzählt nicht von einem Schlüssel, er erzählt von einem Schaf, das sich verlaufen hatte. Und natürlich ist dieses Bild eben nur ein Bild, gemeint sind natürlich wir Menschen, die Gott so sehr liebt.

Auch Gott, so wollte Jesus es mit seinem Gleichnis sagen, sucht mit Schmerzen, wenn ein Mensch verloren gegangen ist. Er setzt alles in Bewegung, um ihn wieder zu finden. Deshalb hat er Jesus in Bewegung gesetzt, um die Menschen zu suchen, die ihm verloren gingen? Welch eine Freude, wenn ein Mensch wieder gefunden wurde! Welch eine Freude bei Gott, wenn das geschieht!

Diese Botschaft ist uns verkündet, und jede und jeder von uns darf sie hören und auch für sich ganz persönlich annehmen: Du denkst vielleicht, dass du Gott gleichgültig bist und er nicht nach dir fragt. Es kommt dir vielleicht so vor, als ob du verloren bist bei Gott und den Menschen. Aber Gott will dich nicht missen! Du gehörst zu ihm. Er will mit dir leben. So wertvoll bist du ihm, dass er auch deinetwegen Himmel und Erde in Bewegung gesetzt hat. So sehr fragt er nach dir!

So sehr wir diese Botschaft auch für uns hören, dürfen wir aber doch nicht vergessen, an welche Adresse sich Jesus mit diesem Gleichnis vom verlorenen Schaf richtet.

Jesus hatte es denen erzählt, die sich nicht mit freuen wollten, als Jesus Menschen für Gott wieder finden wollte. Jesus hatte dieses Gleichnis hauptsächlich den Pharisäern erzählt, die sich darüber ärgerten, dass er sich mit den Zöllnern und Sündern abgab. Sie waren über Jesus total empört: Mit solchen Leuten setzt er sich an einen Tisch und isst sogar mit ihnen. Wie kann Jesus der von Gott geschickte Messias sein, wenn er sich so verhält? Unmöglich! Der Messias muss doch in erster Linie zu den Frommen und Getreuen kommen, zu den Gerechten, aber nicht zu diesen Randsiedlern der Gesellschaft, zu den Versagern und vaterlandslosen Gesellen wie diesen Zöllnern! „Der lässt sich ja mit diesem Gesindel ein“, so sagten sie abfällig.

Und wenn wir sie so reden hören, dann sollten wir aber auch daran denken: Die Pharisäer, das waren Menschen, die ihren Glauben sehr ernst nahmen. Die Zolleinnehmer dagegen waren Leute, die im Interesse der verhassten römischen Besatzungsmacht und im eigenen Interesse überall von den Durchreisenden Geld kassierten. Und bei solchen Leuten kehrte Jesus ein! Vielleicht können wir den Ärger der Pharisäer ja deshalb durchaus auch verstehen?!

Denn sagen wir selbst es nicht manchmal so ähnlich über andere Menschen: „Die kann man doch vergessen!“ Wie grausam ist manchmal unsere Sprache. Sind sie damit nicht für uns schon wie tot? Wie lieblos ist manchmal unser Urteilen!

Das Gleichnis, das Jesus erzählt hat, will uns helfen, anders denken zu lernen. Denn Gott, so gibt Jesus zu verstehen, leidet darunter, wenn sich jemand von ihm abgewandt hat und sein Glück und Heil woanders sucht. Es ist ihm keineswegs gleichgültig, wenn jemand sich verirrt hat und einen Weg einschlägt, der nicht gut für ihn ist. Er sieht es mit Schmerzen, wenn einer womöglich durch Drogen sein Leben kaputt macht. Es tut ihm weh, wenn Menschen nur noch das Geld zum Maßstab aller Dinge machen und dann womöglich – wenn es darauf ankommt – ihn deshalb verleugnen. Und es lässt ihn nicht kalt, wenn Menschen ihn vergessen haben, ihn nicht mehr kennen oder gar nicht kennen gelernt haben. Und so viele scheint es heute genau davon zu geben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Damit enthält dieses Gleichnis auch einen Auftrag an uns Christinnen und Christen von heute. Wenn wir wirklich zu Christus gehören wollen, dann dürfen uns ebenfalls diejenigen, die sich – aus was für Gründen auch immer – von Gott entfernt haben, nicht gleichgültig sein. Dann haben wir auf sie zuzugehen. Nein, wir können sie nicht zum Glauben überreden. Aber wir können eine Atmosphäre des Vertrauens ihnen gegenüber schaffen – immer aus der Haltung heraus, dass sie in den Augen Gottes nicht weniger wert sind als wir selbst und wir kein Recht haben, uns in irgendeiner Weise über sie zu erheben. Die missionarische Kirche von heute überfällt Menschen nicht mit einer Vielzahl von Worten. Die missionarische Kirche von heute muss sich daran messen lassen, wie offen ihre Türen und die Herzen ihrer Mitglieder, wie offen unsere Herzen wirklich sind. So hat es Jesus selbst getan. Er hatte damals Türen geöffnet, Türen der Häuser, Türen der Herzen. Gerade für die, die sonst links liegen gelassen oder gar von anderen verachtet wurden. Sein Verhalten änderte Menschen! Unter seiner Botschaft, die er mit Worten und Taten lebte, begann der Glaube bei ihnen zu wachsen, der Glaube an den menschenfreundlichen und Menschen suchenden Gott. Sie kehrten um auf einen anderen Weg. Die Bibel gebraucht dafür das Wort „Buße“.

Jesus sagt: „So wird auch Freude im Himmel sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht bedürfen“ (V.7). Aber ist das nicht ein bisschen übertrieben? Dieses  aufwendige Suchen nach dem einen Schaf in unserer Gleichnisgeschichte? Das steht doch in gar keinem Verhältnis zu den vielen anderen Schafen, die noch da sind!

Hätte nicht der Schäfer sagen können: Auf das eine Schaf kann ich gut und gerne verzichten! Es sind doch noch genug andere da, 99 andere. 99 zu 1! Nur 1%, das verloren gegangen ist, was ist schon 1%?! Diese Verlustquote ist doch zu verschmerzen!

Nein! – Für Gott hat der Einzelne einen unersetzlichen Wert. Gott rechnet nicht mit Menschenmaterial, sondern mit dem einzelnen unverwechselbaren unersetzbaren Menschen. Wenn einer fehlt, dann kommt es nicht zur ungetrübten Freude.

Keineswegs ist es so, dass Gott sich über die 99, die bei ihm geblieben sind, nicht freuen würde. Er freut sich über sie alle, aber vor allem über das Finden und Wiederkommen des Einen. Zur richtigen Freude kommt es erst durch die Umkehr desjenigen, der schon verloren schien. Nun hat Gott wieder, was zu ihm gehört. Nun ist der wieder da, den er schon immer mit schmerzlicher Liebe gesucht hatte. In dem Gleichnis vom verlorenen Sohn – ebenfalls im 15. Kapitel des Lukasevangeliums – kommt das in ganz besonderer Weise zum Ausdruck.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Können wir verstehen, dass Gott so ist? Können wir Jesus verstehen, der sich so verhielt, wie Gott es wollte? Er ruft uns zu ähnlichem Verhalten. Darum wirbt er mit diesen Gleichnissen „Von der Freude über das Wiedergefundene“, die wir im 15. Kapitel des Lukasevangeliums aufgezeichnet finden. Sie fordern uns auf: Freut euch mit Gott! Denn Gott freut sich über alle Maßen, wenn ein Mensch wieder gefunden wurde, der schon verloren schien. Tut es ebenfalls! Kehrt um, sucht mit! Findet! Und dann freut euch! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir:

du schaust nach uns;

du gibst niemanden verloren;

du wartest auf uns,

du kommst uns entgegen;

du nimmst uns in deine Arme,

damit wir spüren,

wie sehr du liebst!

Gib, dass diese Liebe uns leitet und hilft:

– in dieser schwierigen Zeit nicht zu verzweifeln,

– in dir immer wieder die Mitte unseres Lebens zu finden

– mit dir in eine Zukunft gehen, die du schon für uns bereitet hast.

– vorsichtig zu bleiben, aber eben auch unser Lachen und unsere Unbeschwertheit

wiederzufinden!

– uns dir immer wieder neu anzuvertrauen, weil wir deine Vergebung spüren

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 13. 6. 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

2. Sonntag nach Trinitatis, 13. 6. 2021

 

Wochenspruch:

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Mt 11,28)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 36

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

daß Menschenkinder unter dem Schatten

deiner Flügel Zuflucht haben!

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

Guter Gott,

wir haben Sorgen, wir leiden unter Zwängen,

wir stellen viele Fragen.

Wir wissen,

daß vieles in unserem Leben gerade nicht so ist,

wie es einmal war

und noch nicht so, wie es wieder werden soll.

Deswegen treten wir vor dein Angesicht –

so wie wir sind.

Dir vertrauen wir an, was uns belastet.

Dir sagen wir, was wir falsch gemacht haben,

du weißt es längst.

Dir gestehen wir unsere Fehler ein,

uns selbst können wir es nicht.

Da sind die vielen Entschuldigungen,

die wir vorbringen,

um vor dir davonlaufen zu können.

So vieles andere als deine Gemeinschaft ist uns wichtig.

Vor allem aber vertrauen wir dir unsere Ängste und Sorgen an,

die uns manchmal so kleingläubig machen wollen.

Und deshalb bitten wir dich:

Vergib uns Herr, komm und erbarme dich unser!

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

Gott erbarmt sich unser.

Wir beten zu ihm und bleiben niemals ohne Antwort.

Darum dürfen wir seiner Einladung immer wieder neu folgen:

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;

klopfet an, so wird euch aufgetan.

Ehre sei Gott in der Höhe!

Herr, guter Gott und Vater,

du lädst uns immer wieder neu ein,

dir nahe zu kommen,

wo immer wir auch gerade sind.

Hinter uns liegt eine Woche, die angefüllt war

mit Sorgen und Freuden,

mit Hoffnungen und Enttäuschungen,

mit schönen und vielleicht auch traurigen Erlebnissen.

Heute können wir von allem ausruhen.

Wir versuchen, zur Ruhe zu kommen

und Kraft zu tanken für die Aufgaben, die auf uns warten.

Wir dürfen dir bringen, was uns sonst keiner abnimmt,

und du schenkst uns, was es sonst nirgends gibt.

Wir bitten dich:

Befreie uns von allen Lasten,

die sich in den letzten Tagen

auf unseren Schultern angesammelt haben

und gib uns neue Kraft.

Das alles erbitten wir

durch die Liebe deines Sohnes Jesus Christus,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 14, Verse 16-24

16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.

17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit!

18 Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

19 Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.

20 Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen.

21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein.

22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.

23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.

24 Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 14, Verse 1-3.

(auch Predigttext)

1 Strebt nach der Liebe! Bemüht euch um die Gaben des Geistes, am meisten aber darum, dass ihr prophetisch redet!

2 Denn wer in Zungen redet, der redet nicht zu Menschen, sondern zu Gott; denn niemand versteht ihn: im Geist redet er Geheimnisse.

3 Wer aber prophetisch redet, der redet zu Menschen zur Erbauung und zur Ermahnung und zur Tröstung.

23 Wenn nun die ganze Gemeinde an einem Ort zusammenkäme und alle redeten in Zungen, es kämen aber Unkundige oder Ungläubige hinein, würden sie nicht sagen, ihr seid von Sinnen?

24 Wenn aber alle prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein, der würde von allen überführt und von allen gerichtet;

25 was in seinem Herzen verborgen ist, würde offenbar, und so würde er niederfallen auf sein Angesicht, Gott anbeten und bekennen, dass Gott wahrhaftig unter euch ist.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Von Gaben des Geistes, von geistlichen Gaben redet Paulus. Sofort höre ich da förmlich die Frage: Was ist denn das überhaupt?

Was natürliche Gaben sind, das wissen wir alle. Ich kenne jemanden, der ist ungeheuer geschickt mit seinen Fingern. Es gibt für ihn keine größere Freude, als komplizierte Uhrwerke auseinander zu bauen und wieder zusammen zu setzen. Ich würde spätestens nach dem 10. Versuch Werk samt Gehäuse in die Ecke werfen. In Taizé saß eine alte Frau neben mir im Gottesdienst. Knieen oder auf dem Boden sitzen konnte sie nicht mehr, sie brachte sich einen Campingstuhl mit. Ich wollte beginnen zu schimpfen, weil das eigentlich verboten ist. Als der Gottesdienst begann, sie zu singen. Was hatte diese alte Dame für eine Stimme. Ich lächelte und sang neben ihr einfach mit! Herrlich! Dies nur als zwei Beispiele.

Natürliche Gaben – jede und jeder von uns ist damit natürlich auch ausgestattet, von Anfang an: Dazu gehören unsere Sinne, dazu gehört unser Leib und unser Denkvermögen, dazu gehören all die Möglichkeiten, die wir im Lauf unseres Lebens an uns entdeckt und entwickelt haben. Jede und jeder von uns ist „begabt“ –  und es ist eine aufregende Sache, bei sich selbst Begabungen zu entdecken. Fast noch aufregender ist, anderen beim Entdecken ihrer Gaben zu helfen und zuzuschauen.

Aber es geht in unserem Wort ja nicht um diese natürlichen Gaben, sondern um die geistlichen Gaben. Salopp gefragt: Wie kommt man da eigentlich ran? Wenn ein Mensch Christ wird, dann nennt die Bibel das manchmal Neugeburt. Und so wie wir bei unserer Geburt mit natürlichen Gaben begabt worden sind, so werden wir bei unserer Neugeburt von Gott mit geistlichen Gaben begabt.

Gott gibt jeder Christin, jedem Christen eine Ausrüstung für sein Leben als Christ, für die Aufgaben, die sich in diesem Christenleben stellen werden, damit wir sie erfüllen. Als Paulus Christ wurde, da wurde er zugleich berufen zum Missionar für die Heiden, und er bekam die Gaben dafür: die Gabe der Evangelisation, die Gabe der Lehre und die Gabe der Seelsorge. Als die Gemeinde in Jerusalem anfing zu wachsen, da schenkte Gott ihr Leute, die die Gabe der Leitung hatten und die Gabe der Organisation.

Es geht also keinesfalls um übernatürliche Gaben! Geistliche Gaben – das sind nicht nur Gaben wie „Glauben, Hoffnung, Liebe, Sanftmut“ – sondern er gibt eben auch diese handfesten Gaben – eine Gruppe zu leiten, etwas ordentlich zu planen, den Haufen der Christenschar zusammen zu halten.

Die Bibel ist nun von einem überzeugt: Alle, die zu Jesus Christus gehören, haben geistliche Gaben empfangen. Und alle, die zu Jesus Christus gehören, haben dazu ihre natürlichen Gaben, die von der Stunde der Neugeburt an gleichfalls für Jesus in Dienst genommen werden wollen. Von daher können wir sagen: Jede Gemeinde ist reich an Gaben, an geistlichen Gaben und an natürlichen Gaben. Sie alle stehen für den Dienst der Gemeinde im Auftrag Jesu zur Verfügung. Sie alle wollen angewendet, gebraucht, entwickelt und dadurch gestärkt werden. Genau alle diese Gaben, die wir empfangen haben und dann Jesus zur Verfügung stellen, nennt die Bibel eben geistliche Gaben.

Nun gibt es in vielen Gemeinden ein Problem – ganz anders als damals in Korinth. Dies Problem heißt: Die Gaben werden „vergraben“. Zu viele Gemeinden haben sich daran gewöhnt, dass der Pfarrer oder die Pfarrerin alle geistlichen Gaben hat: die Gabe des Glaubens, die Gabe der Predigt, die Gabe des Gebetes, die Gabe der Liebe und die Gabe der Organisation. ER oder sie muss das ja alles haben – alleine schon wegen des Studiums. Für die Gemeinde bleibt dann nur noch ein kümmerlicher Rest übrig – die Gabe des Zuhörens und ein wenig unterentwickelt die Gabe des Spendens.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Natürlich ist das jetzt überspitzt gesagt – und hoffentlich ist es bei uns doch ein wenig anders. Jedenfalls ist das nicht das Bild, das die Bibel und unser Wort vom Gebrauch der Gaben haben. Es ist auch nicht die Vorstellung, die Gott von seiner Gemeinde hat.

Gott will, dass wir alle unseren natürlichen und geistlichen Gaben entdecken, vor allem aber zu gebrauchen lernen: bei dem einen ist es die Freude am Gebet und bei der anderen ist es die Gabe, einem Menschen in Not zu helfen. Der eine hat die Gabe des Singens zum Lobpreis Gottes und die andere die Gabe des intensiven Zuhörens, das Menschen ganz ernst nimmt. Ich bin zutiefst davon überzeugt: wenn wir es lernen, die Gaben Gottes in unserem Leben zu entdecken und in die Gemeinde einzubringen, dann wird unsere Gemeinde ausstrahlen und sich für viele Menschen auch heute ungebrochen als ein Ort erweisen, an dem wir uns aufgehoben finden können. Nun gibt es eine Klippe, die schon damals in Korinth einigen zu schaffen machte: Was ist, wenn einer oder eine mit den Gaben aus dem Rahmen fällt? Was ist, wenn jemand entdeckt hat: Ich bin von Gott mit der Gabe des Gebetes beschenkt und nun alle daran misst: Betet ihr eigentlich auch so viel wie ich? Was ist, wenn in einer Gemeinde nur eine Richtung gilt oder zum Zuge kommt? In Korinth ist das mit der Zungenrede so gelaufen. Die haben manche Christen zum Maßstab gemacht: Nur wer in Zungen, das heißt: in fremden Sprachen, die er oder sie nicht gelernt hat, also unter der Wirkung des Heiligen Geistes sprechen und so Gott loben kann, der ist im Vollsinn Christ, sozusagen zu 100%!

Wenn so eine Gabe ins Zentrum gerückt wird, dann stehen Christen oft ganz schnell mit der Messlatte oder dem Fieberthermometer da oder fühlen sich selbst und anderen den Puls, um zu sehen, ob da nicht noch etwas fehlt.

Dieser Gefahr gegenüber bringt Paulus zwei hilfreiche Maßstäbe ins Spiel:

Der erste Maßstab: Alle geistlichen Gaben werden immer daran gemessen, ob sie dem Aufbau der Gemeinde nach innen dienen. Hilft die Art, wie ich meine Gaben in die Gemeinde einbringe, anderen in der Gemeinde weiter? Hilft die Art, wie ich mit meiner Gabe in der Gemeinde umgehe, das andere ihre Gabe gleichfalls entdecken und entfalten können oder drücke ich sie an die Wand?

Geistliche Gaben, liebe Schwestern und Brüder, dienen immer der Gemeinschaft. Wenn sie nur der Selbstdarstellung dienen, dann werden sie als geistlichen Gaben überhaupt nicht gebraucht. Das wird man sehr schnell bei sich selbst merken, wenn man ehrlich zu klären versucht: Suche ich mein ICH, mein gutes Image oder suche ich den Dienst für die Gemeinde mit meinen Gaben?

Der zweite Maßstab: Was ist mit denen, die noch nicht glauben? Daran misst der Apostel Paulus die Gemeinde und ihre Gaben, ob sei den „Kandidaten des ewigen Lebens“ den Zutritt zur Gemeinde schwer machen oder ihn erleichtern. Welche Sprache sprechen wir? Welche Lieder singen wir? Welche Formen bieten wir denen an, die wir einladen?

Das sind nicht nur Fragen des guten oder schlechten künstlerischen Geschmackes – das sind in erster Linie geistliche Fragen. Ein Gespräch in der Gemeinde z.B. über die verschiedenen Arten von Engeln mag für manche Christinnen und Christen ganz spannend sein – einen nichtchristlichen Menschen wird das Problem kaum bewegen. Eine Predigt über die Streitereien in Korinth ist für Christinnen und Christen vielleicht auch ganz interessant – für eine Nichtchristin oder einen Nichtchristen aber ist das keine aufregende Frage. Aber wie das Leben gelingen kann und ob man sich auf Gott verlassen kann – darin vermag ein Nichtchrist sehr wohl vielleicht auch eigene Lebensfragen zu entdecken.

Daran misst Paulus die Art, wie wir unsere geistlichen Gaben ausüben, praktizieren: ob sie dem einen Ziel dienen, dass Menschen zum Glauben an Jesus Christus kommen, dass Menschen es mitbekommen, wie gut es Gott mit ihnen meint. Daran misst Paulus die Art, wie wir unsere geistlichen Gaben ausüben, ob Menschen es mitbekommen, dass sie ihre Schuld loswerden können und dass ihr Leben noch einmal neu anfangen darf.

Nach innen und nach außen – jedes Mal ist es der gleiche Maßstab, den Paulus benennt: die Liebe zu den Menschen, ob schon in der Gemeinde oder noch draußen! „Strebt nach der Liebe!“ ((1. Kor. 14,1) Begegnet den Menschen liebevoll und freundlich. Dazu seid ihr begabt genug, jeder und jede. Und die Liebe wird unsere Hände bewegen. Sie wird unseren Mund auftun. Die Liebe wird uns genauso zeigen, wann es Zeit zu schweigen ist, aber auch wann  Zeit, einen anderen Menschen einfach endlich nur einmal wieder in die Arme zu nehmen. Und die Liebe wird uns auch dazu helfen, dass wir die Gaben niemals zur Eigenpflege missbrauchen, sondern wir werden uns  wirklich von ihr in Dienst nehmen lassen –für die Gemeinde Gottes und die Menschen in ihr und um sie  herum. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir,

dass du niemanden übersiehst, der sich verirrt.

Wir danken dir, dass du uns suchst und findest,

auch immer auf uns wartest.

Du schickst uns aber auch auf den Weg,

das Verlorene zu suchen.

Darum bitten wir dich:

Mach uns empfindsam für Menschen,

die innerlich am Ende sind,

sich aber sicher und tüchtig geben.

Lass uns auf diejenigen zugehen,

die von anderen gemieden werden.

Schenke uns Geduld mit denen,

die misstrauisch geworden sind,

weil sie überall Feinde und Verschwörung vermuten.

Wir möchten denen vertrauen können,

die abgestempelt sind,

nur weil sie anders sind als wir.

Hilf uns, daß wir niemals den Mut verlieren,

offen auf sie und auf alle Menschen zuzugehen.

Du gibst uns dazu die Kraft,

weil du niemanden aufgibst.

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 6. 6. 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

1. Sonntag nach Trinitatis, 6. 6. 2021

 

Wochenspruch: Wer euch hört, der hört mich; und wer euch verachtet, der verachtet mich. (Lk 10,16a)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 34

2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

4 Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

5 Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Guter Gott und Vater!

Wenn einer wüsste,

der andere schämt sich nicht, wenn er ihm hilft

– viele würden hingehen und trösten.

Wenn einer wüsste,

der andere lacht nicht über ihn, wenn er ihm sagt: „Ich brauche dich“

– viele würden Vertrauen fassen.

Wenn einer wüsste,

der andere bemerkt, daß er ernst genommen wird

– viele könnten ihre Zweifel zerstreuen.

In all unserer eigenen Unsicherheit,

die wir so manches Mal an den Tag legen,

bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist.

Er sagt zu uns:

Siehe ich breite deinen Frieden aus, wie einen Strom.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Guter Gott und Vater,

ohne dich vermögen wir nichts,

darum hoffen wir auf deine Hilfe:

Gib uns deinen Geist,

dass wir wollen, was dich erfreut,

und tun, was du von uns erwartest.

Das bitten wir

durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 16, die Verse 19-31

Vom reichen Mann und armen Lazarus

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.

20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren

21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.

24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.

25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt.

26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;

28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.

30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.

31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Halleluja! Deine Mahnungen, Herr, sind gerecht in Ewigkeit; unterweise mich, so lebe ich. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Buch Jona, Kapitel 1,1-16 und Kapitel 2, Verse 2+11

(auch Predigttext)

1 Es geschah das Wort des HERRN zu Jona, dem Sohn Amittais:

2 Mache dich auf und geh in die große Stadt Ninive und predige wider sie; denn ihre Bosheit ist vor mich gekommen.

3 Aber Jona machte sich auf und wollte vor dem HERRN nach Tarsis fliehen und kam hinab nach Jafo. Und als er ein Schiff fand, das nach Tarsis fahren wollte, gab er Fährgeld und trat hinein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weit weg vom HERRN.

4 Da ließ der HERR einen großen Wind aufs Meer kommen, und es erhob sich ein großes Ungewitter auf dem Meer, dass man meinte, das Schiff würde zerbrechen.

5 Und die Schiffsleute fürchteten sich und schrien, ein jeder zu seinem Gott, und warfen die Ladung, die im Schiff war, ins Meer, dass es leichter würde. Aber Jona war hinunter in das Schiff gestiegen, lag und schlief.

6 Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht verderben.

7 Und einer sprach zum andern: Kommt, wir wollen losen, dass wir erfahren, um wessentwillen es uns so übel geht. Und als sie losten, traf’s Jona.

8 Da sprachen sie zu ihm: Sage uns, um wessentwillen es uns so übel geht? Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Aus welchem Lande bist du, und von welchem Volk bist du?

9 Er sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer und fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.

10 Da fürchteten sich die Leute sehr und sprachen zu ihm: Was hast du da getan? Denn sie wussten, dass er vor dem HERRN floh; denn er hatte es ihnen gesagt.

11 Da sprachen sie zu ihm: Was sollen wir denn mit dir tun, dass das Meer stille werde und von uns ablasse? Denn das Meer ging immer ungestümer.

12 Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer still werden und von euch ablassen. Denn ich weiß, dass um meinetwillen dies große Ungewitter über euch gekommen ist.

13 Doch die Leute ruderten, dass sie wieder ans Land kämen; aber sie konnten nicht, denn das Meer ging immer ungestümer gegen sie an.

14 Da riefen sie zu dem HERRN und sprachen: Ach, HERR, lass uns nicht verderben um des Lebens dieses Mannes willen und rechne uns nicht unschuldiges Blut zu; denn du, HERR, tust, wie dir’s gefällt.

15 Und sie nahmen Jona und warfen ihn ins Meer. Da wurde das Meer still und ließ ab von seinem Wüten.

16 Und die Leute fürchteten den HERRN sehr und brachten dem HERRN Opfer dar und taten Gelübde.

1 Aber der HERR ließ einen großen Fisch kommen, Jona zu verschlingen. Und Jona war im Leibe des Fisches drei Tage und drei Nächte. 2 Und Jona betete zu dem HERRN, seinem Gott, im Leibe des Fisches.

Und der HERR sprach zu dem Fisch, und der spie Jona aus ans Land.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Geschichte vom Jona und dem Walfisch kennen wir alle irgendwie – richtig? In Kindergärten und Schulen, in Kinder- und Familiengottesdiensten ist sie eine der beliebtesten Geschichten. Wo habt ihr sie eigentlich zum ersten Mal gehört, wann war das? Vielleicht erinnern sich einige ja noch!

Und meist konzentrieren sich unsere Erinnerungen und auch manche Gottesdienste immer auf den Jona und den Walfisch.

Aber in dem Abschnitt der Geschichte, den wir gerade hier gehört haben, geschieht so viel anders, wie ich finde Wunderbares, das in unseren Erinnerungen meist überhaupt nicht gespeichert wird. Wir haben eine Geschichte gehört, die uns zum Nachdenken bringen sollte – über Gott, über Jona, aber eben auch über uns selbst! Schauen wir also hinein.

Jona hatte einen klaren Auftrag von Gott bekommen: Er sollte von Israel aus nach Osten auf dem Landweg in die große Stadt Ninive reisen und dort den Menschen predigen, dass ihre Stadt wegen ihrer Bosheit in 40 Tagen untergehen wird.

Jona machte sich auf – doch nicht nach Osten, sondern auf den Seeweg auf nach Westen. Er machte also exakt das Gegenteil von dem, was er tun sollte.

Warum eigentlich?

Am weiten und mühsamen Weg kann es nicht gelegen haben. Der Weg, den er nun einschlug, war nicht bequemer, im Gegenteil: Er führte über das gefährliche Meer, das zu seiner Zeit noch als Chaosmacht gefürchtet wurde.

Hatte Jona Angst, die Bewohner von Ninive mit einer bedrohlichen Wahrheit zu konfrontieren?

Dachte er vielleicht, es ihnen und sich selbst ersparen zu können, in dem er die Augen davor verschließt und einfach gerade nicht mehr darüber redet? Und das obwohl die Bosheit in Ninive wahrhaftig nicht zu übersehen war?

Hat er befürchtet, dass die Menschen aus Ninive ungehalten oder sogar aggressiv reagieren könnten, gerade weil er mit dem ja Recht hat, was er sagt? Das alles wäre nur zu verständlich.

Doch dieser Auftrag kam nicht von irgendwoher, er kam von Gott. Hat Jona ernsthaft damit gerechnet, dass Gott ihm seine Flucht und sein Schweigen als Prophet einfach so durchgehen lässt? Hielt er Gott für so schwach? Oder hatte er so schwerwiegende Bedenken gegen diesen Auftrag, dass er eben sogar sein eigenes Leben riskiert hätte, nur um ihn nicht ausführen zu müssen?

Vielleicht, wollte er aber auch die Feinde Israels in Ninive gar nicht warnen? Vielleicht weil er befürchtet  hatte, dass der Gott Israels  – oder er letztlich dann auch er selbst – als Lügner  dastehen würde, wenn das angekündigte Gericht dann doch nicht eintritt? Weil Jona selbst Gott eigentlich nicht getraut?

Als Gott am Ende der Geschichte die Stadt Ninive tatsächlich verschont, behauptet Jona später, er habe das schon geahnt und den Auftrag deshalb von Anfang an nicht ausführen wollen. Aber waren das auch am Anfang seine Motive? Wir merken schon: da kann man unendlich spekulieren.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich merke aber, dass ich mehr davon habe, wenn ich die Geschichte zur Selbstreflexion nutze und über mein eigenes Leben und mein eigenes Bild von Gott nachzudenken beginne. Vielleicht wird das Buch Jona übrigens genau deswegen am höchsten jüdischen Feiertag Jom Kippur, dem Versöhnungstag gelesen. An diesem Tag fasten Jüdinnen und Juden 25 Stunden und denken über ihr Leben nach und auch darüber, mit wem sie sich versöhnen müssten. Und immer wird dann diese Geschichte gelesen!

Eine Frage, die die Geschichte von Jona mir stellt, ist: Wann war ich eigentlich in einer Situation, in der ich genau wusste, was richtig gewesen wäre, und dann doch habe ich doch das Gegenteil gemacht habe oder vielleicht auch gar nichts gemacht? Warum? Ich finde das auch im Nachhinein gar nicht so einfach herauszufinden, entdecke manchmal erst nach Jahren weitere Gründe. Manchmal sogar welche, die mich mit der damals getroffenen vielleicht Fehlentscheidung etwas aussöhnen.

Aber bleiben wir bei der Geschichte: Die Flucht war jedenfalls gut geplant. Jona ging hinunter an den Hafen von Jafo.  Er suchte sich ein Schiff, das über das Mittelmeer bis nach Tarsis in Spanien fahren sollte. Anders als damals üblich, bezahlte er das Fahrgeld im Voraus. Und dann legte er sich unten im Bauch des Schiffes schlafen. Bloß weg! Und bloß nichts mehr mitkriegen! Einfach nur noch schlafen!

Doch vor Gott konnte Jona eben nicht so einfach fliehen. Was geschieht nun? Und nun müssen wir eben genau hinschauen. Ein heftiger Sturm kam auf. Dafür wird bei Jona eben nicht sofort die schuld gesucht! Die Mannschaft und die anderen Fahrgäste aus aller Welt  kämpften erst einmal verzweifelt gegen das Unwetter an. Sie werfen erst einmal die Ladung ins Meer. Sie beten erst einmal intensiv – jeder zu dem Gott, an den er glaubte. In dieser Geschichte wird übrigens kein Wort des Tadels über diesen Götzendienst oder über Andersgläubige laut! Schließlich weckt der Kapitän Jona. Hatte er wirklich nichts mitbekommen? War er so ignorant? Der Kapitän musste ihn jedenfalls ausdrücklich auffordern, auch zu beten. – V. 6: „Da trat zu ihm der Schiffsherr und sprach zu ihm: Was schläfst du? Steh auf und rufe zu deinem Gott! Vielleicht wird dieser Gott an uns denken, dass wir nicht verderben!“

Die anderen Besatzungsmitglieder haben in der Zwischenzeit gelost, um herauszufinden, wem sie ihre bedrohliche Lage zu verdanken haben: Das Los fiel auf Jona. Als sie von Jona wissen wollen, mit wem sie es zu tun haben, antwortet der denkbar knapp. Gerade einmal Volks- und Religionszugehörigkeit ließ er sich entlocken. V. 9: „Ich bin Hebräer und fürchte den Herrn des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat!“ Jona war offenbar der einzige Hebräer auf dem Schiff, der einzige, der an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs glaubte.

Die Mitreisenden, alles Menschen, die die Bibel als Heiden bezeichneten würde, machten es sich nicht leicht. Sie hatten zwar ohne zu zögern kostbare Ladung über Bord geworfen. Aber das Leben dieses merkwürdigen Fremden wollten sie auch nicht leichtfertig opfern. Sie suchten nicht einfach einen Sündenbock. Sie fragten Jona selbst danach, was nun zu tun sei. Jona selbst war es dann, der ihnen sagte, dass die Katastrophe nur abgewendet werden könnte, wenn sie ihn ins Meer würfen.

Warum machte Jona diesen Vorschlag? Wollte er wenigstens seine Mitreisenden retten? Oder war er vielleicht mittlerweile so trotzig, dass er lieber sterben, als diesen Auftrag erfüllen wollte? Oder meinte Jona sogar, das seinem Gott und seinem Volk schuldig zu sein? Damit die in der Welt der Heiden nicht schlecht dastehen? Wieder löst diese Geschichte viele Fragen bei mir aus. Und wieder merke ich, dass es heilsamer sein könnte, nicht über Jona zu spekulieren, sondern diese Fragen an mich und an mein eigenes Verhalten zu stellen. Wie sehe ich eigentlich auf Andersgläubige? Wie sehen sie eigentlich mich? Hat mich das überhaupt schon einmal interessiert?

Die Männer vom Schiff wollten Jonas Leben immer noch nicht verloren geben. Sie rudern mit all ihrer Kraft gegen das Unwetter an. Erst als sich das als aussichtslos herausstellt, sind sie bereit, auf den Jona zu hören und ihn ins Meer zu werfen. Sie hatten erst wirklich alles probiert, erst dann warfen sie ihn ins Meer und das Meer blieb still.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Mich beeindruckt es schon sehr, wie positiv im Buch Jona und in jüdischen Auslegungen die andersgläubigen Menschen aus den fremden Völkern beschrieben werden. Das gilt für die Seeleute auf dem Schiff ebenso, wie später auch für die Bewohnerinnen und Bewohner von Ninive, von denen der zweite Teil des Buches handelt, der heute ja nicht vorgelesen wurde. Aber wir erinnern uns vielleicht. Nachdem die von Jona damit konfrontiert wurden, dass die Bosheit in ihrer Stadt herrscht, haben sie ihre Chance genutzt und sich geändert.

So wie diese Geschichte erzählt ist, lässt sie Jona und alle, die diese Geschichte lesen und wirklich verstehen wollen, eigentlich keine Chance, die Verantwortung für die Misere immer einfach auf „die Anderen“ oder „die Fremden“ zu schieben. Das Buch Jona, liebe Schwestern und Brüder, lässt kein Zweifel daran, dass der Gott Israels Heil für die ganze Welt will. Genau das überlesen wir leider zu oft!

Gehen wir noch ein letztes Mal in diese Geschichte rein:

Für Jona ging es nun noch einen Stufe tiefer herab: in die Untiefen des Meeres. Aber Gott gibt ihn natürlich nicht auf. Er schickt einen großen Fisch und Jona landet in seinem Bauch. Drei Tage blieb er im Bauch des Fisches. Jona bleibt in diesem Fischbauch mit sich selbst konfrontiert, im Rachen des Todes, in der Tiefe unter Wogen und Wellen, fernab von allem Leben. Manche Dinge lernt man leider nicht freiwillig!

Doch auch an diesem unwirtlichen Ort erreichte Jonas Gebet Gott. Nach drei Tagen spuckte ihn der Fisch aufs Land. Die Zeit im Fisch war eine Krisenerfahrung, die Jona verändert hat. Sie hat ihn bereit gemacht, seinen Auftrag doch noch auszuführen. Jetzt erst war er in der Lage, den Menschen und den Tieren von Ninive zu Reue und Umkehr und damit zu neuem Leben zu verhelfen.

Wenn man den weiteren Verlauf dieser Geschichte betrachtet, erscheint mir die Beschreibung von Jonas Charakter realistisch und eigentlich ernüchternd. So ganz hat er sich nicht geändert. Kurze Zeit später versteckt er sich schon wieder unter einem Rizinusbaum, will wieder nicht gesehen werden. Bloß nicht auffallen! Wer weiß, was dann kommt! Es bleibt fraglich, ob Jona selbst wirklich begriffen hat, dass Gott das Leben will und nicht Rache und Opfer. Dass Gott zur Versöhnung bereit ist und auch selbst uns Menschen dazu einlädt.

Wenn wir lesen, wie zornig er darüber war, dass Ninive gerade nicht untergegangen ist, und wie wütend er war, dass der Rizinusbaum, der ihm Schatten gespendet hat, eingegangen ist, scheint ihm das irgendwie nicht ganz gelungen zu sein.

Trotz der eindrücklichen Erfahrung im Bauch des Fisches hätte Jona wohl noch einiges zu lernen. Aber ehrlich gesagt, kenne ich das leider auch von mir! Es sind immer wieder ähnliche Herausforderungen, mit denen ich zu kämpfen habe. Und ich hoffe, dass Gott auch mir dann einmal eine Zeit der Reflexion, der Selbstbesinnung schenkt. Es muss ja nicht gerade ein Walfischbauch sein. Vielleicht war für mich persönlich das vergangene Jahr so etwas wie eine Zeit der Selbstreflexion und Neubesinnung, auf das, wozu Gott mich ruft. Vielleicht begreife ich die Zeit, die jetzt anbricht, auch einmal als eine neue Chance!  Hoffentlich merke ich mehr und deutlicher als Jona, wie liebevoll Gott bei all meinen Versuchen und Neuanfängen auf mich sieht. Und hoffentlich bin ich nicht der einzige, der so zurück und nach vorne sieht. Denn Gott wendet sich so liebevoll jeder und jedem von uns zu!

Wie sieht’s bei euch aus? Spürt ihr es?

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir danken dir, Herr guter Gott,

dass du uns einlädst und Gemeinschaft schenkst mit dir.

Wir danken dir, daß wir bei dir zu Hause sind,

auch wenn du gerade bei uns zu Hause bist.

Du bist uns nah

– auch jetzt, wo wir mit unseren Gedanken ganz bei dir sind.

Du bist bei uns, wenn wir beten, dein Wort lesen,

Du hörst unsere Klagen, aber auch unsere leisen Hoffnungen.

Herr, erbarme dich!

 

Deine Einladung ist grenzenlos

– und doch sind uns Grenzen in dieser Zeit gesetzt.

Wir machen uns viel zu schaffen mit allem Möglichen.

Hilf, daß wir die Zeichen deiner Nähe nicht übersehen.

Du begegnest uns doch in deinem Wort

und in den Menschen, die du uns schickst,

die vielleicht gerade in diesen Tagen besonders für uns sorgen.

Da sind immer auch die überraschenden Erfahrungen deiner Gegenwart.

Herr, erbarme dich!

 

Die Tür zu dir steht allen offen.

Lass uns Botinnen und Boten deiner Einladung sein

– gerade für die, die ferne stehen.

Lass uns glaubwürdig sein in unserem Leben,

damit Menschen, die uns begegnen, spüren:

Du schließt niemanden aus.

Lass uns die Not anderer sehen und lindern,

wo wir es können,

den Ausgestoßenen und  Entfremdeten ein Stück Heimat geben,

so wie wir Zuflucht haben bei dir.

Herr, erbarme dich!

 

 

Herr, in so vielen Ländern herrschen gerade Angst und Sorge.

Wir denken nicht nur an uns selbst,

auch an unsere Schwestern und Brüder auf den anderen Kontinenten.

Lass uns gemeinsam vorsichtig und geduldig bleiben.

Hilf uns allen und überall,

dass wir andere schützen,

indem wir uns selbst schützen.

Und dann lass uns gemeinsam die neue Zukunft schauen,

in der wir uns wieder begegnen werden

– ganz unbeschwert und fröhlich unbelastet.

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Trinitatis, 30. 5. 2021

(Stand 30. 5. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Trinitatis, 30. 5. 2021

 

Wochenspruch: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. (2. Kor 13,13)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 113

Gottes Hoheit und Huld

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN!

2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe,

6 der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;

9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Guter Gott, es ist wahr:

Ohne Hoffnung auf Wandel gibt es keinen Frieden,

kein Glück, finden wir keinen Sinn.

Gern hantieren wir mit Neuheiten,

und verschließen uns doch

der erneuernden Kraft deines Geistes.

Nimm uns die Furcht vor neuen Anfängen,

die du mit uns machst.

Stärke uns,

unsere Schuld vor dir zu bekennen,

lass uns spüren,

wie du davon befreien willst.

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So erinnern wir uns, was uns verheißen ist:

Und es soll geschehen in den letzten Tagen,

spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist

auf alles Fleisch;

und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,

und eure Alten sollen Träume haben.

 

Guter Gott und Vater,

du kennst uns lange,

siehst in unser Herz.

Du merkst, wenn wir uns verändern.

Wir merken es manchmal nicht.

Gib, daß wir nicht erschrecken müssen

vor unserer neuen Gestalt.

Gib, daß wir deine Liebe wiederspiegeln,

wenn wir uns verändern.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 11, Verse 33-36

33 O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes! Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

34 Denn »wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen«? (Jesaja 40,13)

35 Oder »wer hat ihm etwas zuvor gegeben, dass Gott es ihm zurückgeben müsste?« (Hiob 41,3)

36 Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 13, die Verse 1-8

(auch Predigttext)

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich,  sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Der heutige Predigttext, die Begegnung von Jesus mit Nikodemus – wir konnten sie oben lesen -, ist irgendwie rätselhaft. Und vielleicht können wir gemeinsam versuchen, uns das Rätselhafte zu erschließen. Aber bevor wir an die Lösung gehen können, wäre es vielleicht gut, den Text doch noch einmal zu lesen. Deshalb drucke ich ihn auch an dieser Stelle noch einmal ab:

Johannes 3,1-8

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich,  sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das Rätselhafte an dieser Geschichte ist nicht, warum dieser Nikodemus zu Jesus „bei Nacht“ kommt, wie es heißt. Das ist eigentlich sonnenklar! Damals wie heute werden Menschen ja mit dem identifiziert, wo sie „hingehen“. Wenn ich auf den Fußballplatz gehe, dann kann mir jeder ansehen, für welchen Verein mein Herz schlägt! Einige, die jetzt hier lesen, wissen es ja. Wenn einer als Streikposten vor dem Werkstor steht oder für seine Sache auf dem Kornmarkt unserer Stadt steht, weiß jeder, dass sie oder er in der Gewerkschaft ist. Leider stehen dort in diesen Tagen manchmal auch Menschen für eine Sache ein, die ich persönlich überhaupt nicht verstehen kann, aber selbst das muss ich wohl aushalten können.

Und wenn da einer damals in diesen Tagen zu Jesu Zeiten  zu diesem Jesus aus Nazareth geht, dann muss er damit rechnen, dass man ihn fragt: Bist du etwa für diesen Jesus? Denkst du auch wie er? Versuchst du auch, so wie er zu leben? Und glaubst du wirklich, dass er der Sohn Gottes ist und dass er allein uns retten kann?

Dieser Nikodemus damals war nicht bereit, sich bei Jesus oder sich öffentlich mit Jesus sehen zu lassen. Darum kommt er bei Nacht und Nebel. Er war ein angesehener Jude, hatte eine bedeutende Stellung in der Gemeinde. Nein, das Risiko konnte Nikodemus nicht eingehen. Es liegt also offen auf der Hand, warum Nikodemus bei Nacht kommt.

Nikodemus formuliert das Rätsel selbst. Es ist etwas, was ihn beschäftigt; was er vielleicht ahnt, aber eben nicht erklären, vielleicht nicht einmal denken kann.

„Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist?“ fragt er. Wir wollen uns dabei nicht irritieren lassen: …wenn er alt ist… Wir können auch noch ganz jung sein, die Frage ist trotzdem: Wie können wir neu geboren werden? Und das soll und muss – wie Jesus es sagt – geschehen, wenn wir zu wirklich Gott gehören, wenn wir an seinem Reich teilhaben wollen! In den Leib unserer Mutter können wir ja in jedem Fall nicht mehr zurück. –

Wie lösen wir das Rätsel? Hören wir noch einmal genau hin. Jesus selbst gibt den Hinweis zur Lösung: „Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“

Aus „Wasser geboren“…damit – denke ich – ist zweifelsfrei unsere Taufe gemeint. Getauft sind wir. Die eine Vorbedingung erfüllen wir also schon einmal. Aber „geboren aus dem Geist“ … was soll das heißen? Wir denken im ersten Augenblick sicher an die Worte, die wir an Pfingsten über den Heiligen Geist und seine Wirkung gelesen haben: Vielleicht an sein Brausen, wenn er daherfährt wie ein Sturm. Oder an die Zungen wie Feuer auf den Köpfen der Apostel am Pfingstmorgen. Oder auch an das Wunder, dass sie in allen Sprachen der Welt von Gottes großen Taten verkündigen konnten. –

Aber wenn wir ehrlich sind: Wir können das alles doch gar nicht so richtig nachvollziehen. Oder haben wir davon etwas erlebt? Was jedenfalls feststeht, ist dies: Es muss sich bei der Lösung des Rätselhaften um Dinge handeln, die nicht wir machen, sondern die an uns geschehen:

Schon das „geboren werden“ geschieht ja an uns. Und wenn wir an die Taufe denken, auch das hat man an uns getan, sicher meist, ohne dass wir gefragt wurden. Und wenn der Geist an uns wirkt? Wie ist es damit? Und die auch heute wohl immer wieder neu zu stellende Frage: Wirkt er denn überhaupt noch an uns, in unseren Tagen? Müsste eine Kirche voll des Heiligen Geistes nicht ganz anders aussehen. Ich will gar nicht über andere Formen von Kirche von Gemeinde und Begeisterten spekulieren. Ich möchte die Kirche vor Augen haben, in der ich mitleben darf. Und ich sage:

Ja, der Heilige Geist wirkt in unserer Zeit. Und Gott sei Dank, nicht weniger als in den Tagen der Apostel. Und auch gar nicht anders als damals. Leiser zwar und verborgener. Es braustnicht unbedingt, aber es weht. Es sind keine Flammen zu sehen, aber es brennt. Wir reden nicht unbedingt gleich griechisch oder chinesisch, aber, liebe Schwestern und Brüder, wir sprechen immer noch und ungebrochen die Sprache der Liebe. Und noch eines ist heute ähnlich wie vor bald 2000 Jahren: Wir können uns durchaus auch verschließen und verstocken, wenn der Geist Gottes über uns kommt. Die Jünger hätten ja auch in ihrer Stube bleiben können, bis die Feuerflamme ausgebrannt und das Brausen vom Himmel wieder verstummt wäre. Sie hätten auch nicht unbedingt hinausgehen müssen, um fremden Leuten von Jesus zu predigen. Bequemer wäre es allemal gewesen: Einfach abwarten bis alles vorbei ist. Bequemer ist es auch heute: Warten bis der Geist wieder vorbeigezogen ist und bis dahin gar nichts tun… Bloß: Langweilig ist es auch!

Die Erfahrung, die wir im vergangenen Jahr gemacht haben, ist doch auch die, dass wir zu Hause gesessen haben, mehr als jemals zuvor und gewartet haben. Wir mussten vielfach die Hände in den Schoß legen und abwarten. Und haben wir nicht auch dann so manches Mal die Erfahrung des Geistes Gottes gemacht?  In den Momenten unsrer eigenen Traurigkeit, in den Momenten, in denen wir neuen Mut geschöpft haben, in den Momenten, wo er sich uns – allen Einschränkungen zum Trotz – ja doch auch durch Menschen, die den Kontakt zu uns hielten, nahe gekommen ist.

Und auch eine andere Erfahrung haben wir gemacht. Belebend ist es für eine Gemeinde nicht, die Hände in den Schoß zu legen. War es früher manchmal so einfach und so verführerisch, in einer Kirchengemeinde, nichts zu tun, statt immer wieder neue Anfänge zu wagen, so waren wir diesmal gezwungen nichts, oder besser: vieles nur im verborgenen zu tun.

Aber zu allen Zeiten habe ich den heiligen Geist – auch in unserer gemeinde wirken sehen. Ich schließe kurz meine Augen und erinnere mich an die Zeit vor der Pandemie.

Und ich erinnere mich an den heiligen Geist ganz wunderbar in den ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen im Ökumenischen Kinder- und Jugendhaus. Sie haben in der Zeit, als wir vor ein paar Jahren nach einer neuen Leitung für dieses Haus gesucht haben, die Ärmel hochgekrempelt und die Kinder ununterbrochen in unser Haus eingeladen, haben vorbereitet, waren da, obwohl bei einigen schon der Abiturstress am Horizont leuchtete. Das war ein wunderbares Stück gelebter Glaube – und das fast im Verborgenen. Ihnen haben andere geholfen, waren da, wenn wir sie brauchten. Ich erinnere mich gerne zurück. Nun hat uns der liebe Gott schon vor ein paar Jahren eine neue Leitung ins Haus geschickt; sie hatte sehr bald  denpfingstlicher Geist hat am einem Pfingstsamstag beim ersten Kinderbibeltag durch’s Haus wehen lassen. Wunderbar! Da waren die Gottesdienste an Christi Himmelfahrt. Raus aus den Kirchen und auf’s Gelände von Familie Weinsheimer, das nun mittlerweile zu unserer Waldkirche geworden ist. Ich durfte zusehen, wie alles wunderbar hergerichtet wurde, ja, wie unserem lieben Gott der Boden buchstäblich bereitet wurde, um mit seinem Geist unter uns zu wirken.  Ein großes Kreuz erinnert uns nun alle dort daran, dass der heilige Geist uns eben auch dort empfängt.

Ich könnte jetzt ins Aufzählen geraten über das, was möglich wurde, auch mitten unter uns, weil immer Menschen da waren, die es tun. Wir dürfen uns nur nicht daran gewöhnen, es als selbstverständlich zu erachten. Aber vertrauend leben miteinander, das dürfen wir. Es geht immer weiter – mit Gott und mit uns! Wie oft haben wir schon in unserer Gemeinde Abbrüche bedauert. Aber gab es nicht immer auch wieder neue Anfänge? Genau so wird es bleiben.

War es nicht immer der gleiche Geist, Gottes guter Tröstergeist, der uns immer wieder aufgerichtet hat, wenn wir wieder einmal dachten, es wird alles weniger, dies und das funktioniert so nicht mehr? War es nicht der gleiche Geist, der uns weitergeführt hat, der uns immer wieder neue Anfänge geschenkt hat und es immer noch tut? Haben wir es als Kirchengemeinde, habt Ihr es nicht doch auch schon einmal erlebt, dieses Neu-geboren-werden, von dem das Evangelium hier spricht. Ich denke, vieles was wir in der Bibel kompliziert glauben, ist manchmal ganz einfach.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das Neu-geboren-werden – meint es nicht auch die Fähigkeit, alles was war, anzunehmen, es, wenn es nötig ist, ruhen zu lassen, um dann jeden Tag wieder neu und anders aus Gottes Hand nehmen zu dürfen. Ja, wir dürfen uns Gott jeden Tag neu anvertrauen, sein Heiliger Geist wird niemals müde darin, uns zur Seite zu bleiben. Wir alle, so behaupte ich es einmal, haben diese Erfahrung in unserem Leben schon gemacht. Wäre es nicht so, hätte sich Gott in unserem Leben nicht gezeigt, hätten wir ihn nicht hier und da auch in unserem Leben am Werk gespürt – weshalb wären wir sonst heute hier, vielleicht auch allei vor Gott, um ihm auch mit dem Lesen dieses Gottesdienstes etwas von unserer eigenen Zeit zu schenken, um mit ihm unseren eigenen Glauben zu teilen?

Eigentlich – und das ist für mich ein sehr schöner Gedanke – eigentlich bezeugt es jede und jeder mit seinem Leben und der ganz eigenen Lebensgeschichte: Gottes Kraft geht alle Wege mit. Und mit diesem Vertrauen wird es dann für uns alle möglich, diesen Tag, ja diesen Gottesdienst auch wie einen klitzekleinen Zwischenstopp anzusehen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir dürfen Gott danken für alles, was da war in unserem Leben. Wir dürfen ihm anvertrauen, was uns auf der Seele liegt. Und dann gehen wir wieder neu los – in diesen Tag, in alle Zeit, die Gott uns schenkt. Wie vieles hält Gott noch für uns bereit? Was wird er uns noch schenken? Er ist und er bleibt an unserer Seite. Sein guter Geist trägt, begleitet und tröstet. Deshalb gilt es auch für diesen Tag: Dies ist der Tag, den Gott gemacht, lasset uns freuen und fröhlich an ihm sein!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter und gütiger Gott,

du wirst andere Menschen aus uns machen.

Du willst nicht,

daß wir einander zerstören,

du willst,

daß wir deine Liebe leben;

sie neu zu leben lernen.

Darüber dürfen wir uns freuen,

denn wir leiden an uns selbst,

dass wir nicht sind,

wie du uns haben willst.

 

Wir bitten dich:

Gewähre uns genug Zeit,

schenke uns eine neue Zeit,

dass der neue Mensch in uns wachsen kann.

Schenke uns den nötigen Raum,

damit wir nicht heimatlos werden,

wenn wir vertraute Standpunkte verlassen.

Wir sehen auf die Menschen neben uns.

Gib,

dass wir niemanden danach beurteilen,

was er im Augenblick darstellt,

sondern herausfinden,

wer er wirklich ist.

 

Schenke uns Geduld miteinander,

schenke uns Zeit und Raum,

damit wir untereinander zu leben lernen,

wie du es willst.

 

So vieles müssen wir in diesen Tagen neu bedenken,

so viele Sorgen begleiten uns.

Alles, was uns so sicher schien,

wir stellen es infrage.

Da ist die Unruhe in uns über das,

was werden wird.

Schenke uns die Ruhe,

damit wir in der Stille zu dir beten können.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Pfingstsonntag, 23. Mai 2021

(Stand 23. 5. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

Pfingstsonntag, 23. Mai 2021

 

Wochenspruch: Es soll nicht durch Heer oder Kraft, sondern durch meinen Geist geschehen, spricht der HERR Zebaoth. (Sach 4,6b)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 118, die Verse 24-29

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Lieber und guter Gott!

Du hast uns alles geschenkt.

Deine Schöpfung, deinen Sohn

und auch deinen heiligen Geist.

Was machen wir daraus?

So vieles läuft schief!

So vieles ist auf einmal anders geworden.

So vieles scheint unsicher.

Auch wir selbst haben uns verändert –

in unseren Ansichten und Meinungen.

Wir unterscheiden neu,

was wichtig und unwichtig für unser Leben ist.

Da ist viel Zuversicht und Glaube,

aber auch Kleingläubigkeit und Unglaube.

So vieles ist da, was uns verwirrt.

Wir glauben uns allein und verlassen.

Wie oft vergessen wir aber dabei,

dass du immer bei uns bist,

dass du uns niemals allein lässt?

In allem und auch in uns bist du, guter Gott!

Ja, auch jetzt,

wenn wir dich in der Stille zu dir beten,

hörst du mich, hörst mir zu.

Herr, erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Ich danke, dass du mir in meiner Stille nahe bist

und hörst, was ich dir anvertraue.

Ich danke dir,

dass du mich heute an diesem Pfingsttag daran erinnerst,

was du deinen Jüngern und uns allen verheißen hast:

 

Aber der Tröster, der heilige Geist,

welchen mein Vater senden wird in meinem Namen,

der wird euch alles lehren und euch erinnern an all das,

was ich euch gesagt habe.

Den Frieden lasse ich euch,

meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater! Lieber Gott!

Du entzündest in uns das Feuer deiner Liebe!

Du schenkst uns allen deinen heiligen Geist.

Wir sind gerufen, deine Kirche zu werden

– immer wieder neu.

Eine Kirche, die schon in der Familie,

ja, die sogar schon in uns selbst,

in unseren Wohnungen und Häusern

beginnt und lebt.

Wir alle gehören dazu,

denn du schließt niemanden aus.

Du kommst und bleibst bei uns.

Gestern, heute und in aller Zeit.

Dafür danken wir dir in Jesu Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte , Kapitel 2, Verse 1-21

Das Pfingstwunder

1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle beieinander an einem Ort.

2 Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.

3 Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt und wie von Feuer, und setzten sich auf einen jeden von ihnen,

4 und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen zu reden eingab.

5 Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.

6 Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde verstört, denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

7 Sie entsetzten sich aber, verwunderten sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, Galiläer?

8 Wie hören wir sie denn ein jeder in seiner Muttersprache?

9 Parther und Meder und Elamiter und die da wohnen in Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, Pontus und der Provinz Asia,

10 Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegend von Kyrene in Libyen und Römer, die bei uns wohnen,

11 Juden und Proselyten, Kreter und Araber: Wir hören sie in unsern Sprachen die großen Taten Gottes verkünden.

12 Sie entsetzten sich aber alle und waren ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden?

13 Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll süßen Weins.

14 Da trat Petrus auf mit den Elf, erhob seine Stimme und redete zu ihnen: Ihr Juden, und alle, die ihr in Jerusalem wohnt, das sei euch kundgetan, vernehmt meine Worte!

15 Denn diese sind nicht betrunken, wie ihr meint, ist es doch erst die dritte Stunde des Tages;

16 sondern das ist’s, was durch den Propheten Joel gesagt worden ist (Joel 3,1-5):

17 »Und es soll geschehen in den letzten Tagen, spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist auf alles Fleisch; und eure Söhne und eure Töchter sollen weissagen, und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen, und eure Alten sollen Träume haben;

18 und auf meine Knechte und auf meine Mägde will ich in jenen Tagen von meinem Geist ausgießen, und sie sollen weissagen.

19 Und ich will Wunder tun oben am Himmel und Zeichen unten auf Erden, Blut und Feuer und Rauchdampf;

20 die Sonne soll in Finsternis verwandelt werden und der Mond in Blut, ehe der große und herrliche Tag des Herrn kommt.

21 Und es soll geschehen: Wer den Namen des Herrn anrufen wird, der soll gerettet werden.«

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14, die Verse 23-27

(auch Predigttext)

Die Verheißung des Heiligen Geistes

23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.

26 Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade des Herrn unseres Gottes, die Liebe seines Sohnes Jesus Christus und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Abschiedsworte! Abschiedsworte wie auch schon ähnlich an Christi Himmelfahrt hören wir heute im Evangelium. Abschiedsworte an einem Tag wie diesem! An einem Tag, an dem die meisten Predigerinnen und Prediger vom Geburtstag der Kirche reden – an diesem Pfingsttag. Mir ist – wenn ich ehrlich sein darf – nicht ganz wohl bei diesem traditionellen Gedanken „Geburtstag der Kirche“ an diesem Pfingsttag.

Zu oft habe ich es erlebt, wie dieses Pfingstfest dazu benutzt wurde, diese Kirche, so wie sie ist, zu legitimieren, geradezu schönzureden. Zu oft habe ich es erlebt, wie von den Kanzeln verkündet wurde, dass diese Kirche nicht Menschenwerk, sondern Gotteswerk ist. Aber dann habe ich Menschen erlebt, die sich doch ein wenig und oft zu viel selbst für den lieben Gott halten. Was ist sie denn nun, frage ich? Zu wie vielem müsste ich ja sagen, wenn ich die Kirche so akzeptieren könnte, wie sie mir nun einmal begegnet: dazu, dass es wohl normal ist, dass der Kirchenbesuch sich bei etwa 4% einpendelt; dass es wohl normal ist, dass es so etwas wie eine Kerngemeinde gibt, zu der sich einige wenige zählen, während viele andere draußen vor der Tür gelassen werden. Ich müsste ja sagen zu der Tatsache, daß es wohl normal ist, daß die Reichen immer reicher und die Armen immer ärmer werden und dass selbst die Kirche ihr Augenmerk mehr auf Besitzstandswahrung richtet, statt sich selbst zu geben, wenn nötig ganz hinzugeben für die Menschen in Not, für mehr Gerechtigkeit bei uns und überall. Ja, wenn ich in dieser Kirche Gotteswerk erkenne, dann müsste ich letztendlich sogar auch zu der Spaltung der Christinnen und Christen „Ja“ sagen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das kann ich nicht. So wie mir selbst diese Institution „Kirche“ begegnet, eine Institution, die mich gut versorgt – das will ich nicht verschweigen, weil ich natürlich dafür dankbar bin -, so kann ich doch nicht uneingeschränkt „Ja“ sagen zu dieser Kirche. Je mehr ich früher zum Beispiel auch kirchenpolitisch im Kreissynodalvorstand unseres Kirchenkreises mein ganz kleines Stückchen Verantwortung wahrgenommen hatte, um so weniger konnte  ich es mit der Zeit.

Ich kann es gerade nicht, wenn ich die beiden Texte ernst nehme, die wir heute hier in diesem Gottesdienst lesen können. Und doch genau diese beiden Texte  machen mir Mut, die Kirche, die ich mit „Gotteswerk“ beschreiben möchte, hinter der von Menschen gemachten Fassade „Kirche“ zu sehen. Für diese Kirche, für die Vision Gottes, da lohnt sich dann eben jeder Einsatz – auch und gerade in dieser Kirche. Schauen wir zunächst auf das Pfingstereignis, von dem wir vorhin aus der Apostelgeschichte gelesen haben. Da wird von dem Schmelztiegel Jerusalem berichtet. Von dem Ort, an dem Menschen aus allen Himmelsrichtungen zusammenkamen und zusammenlebten. In ganz verschiedenen Verhältnissen – als Freie, als Sklaven, als Reiche, als Bettler, als Fremde und als Einheimische. Ganz verschiedene Menschen kommen da zusammen. Aus verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Sprachen, mit ganz verschiedenen Hoffnungen, Ängsten und Wünschen treffen sie sich da vor den Häusern. Sie alle werden erfüllt von dem heiligen Geist. Sie beginnen zu reden, sie beginnen sich neu zu verstehen. Trotz all ihrer verschiedenen Herkünfte finden sie zusammen. Alles, was trennend zwischen ihnen stand, ist aufgehoben in dem einen Geist Gottes, der sie alle gleichermaßen erfüllt. Da ist kein Unterschied mehr in der Zuteilung der Geistesgaben. Sie alle können sich gegenseitig neu entdecken, sich selbst als eine Gemeinschaft neu entdecken. Worin sollte in diesem Ereignis der Geburtstag der Kirche liegen, der Geburtstag dieser Kirche, so wie sie uns Menschen begegnet? Nimmt sich diese Kirche, also wir als Christinnen und Christen in der Nachfolge Jesu, nehmen wir uns gegenseitig so an? Lassen wir Unterschiede zwischen uns nicht mehr gelten, erkennen wir in allen anderen Menschen, egal aus welchen Ländern, gegenseitig die Gaben des Heiligen Geistes? Treten wir alle zusammen heraus aus unseren Häusern und finden uns buchstäblich in der Mitte zu der einen geisterfüllten Gemeinschaft zusammen? Wohl kaum! Beginnen wir, alles, was wir haben zu teilen, so dass alles, was wir haben, eben auch für alle reicht? Wohl kaum! Wenn wir die vielen Menschen auf der Flucht sehen, wenn wir ihnen nahe kommen, wenn wir ihnen unsere Ängste entgegenhalten, über das, was wir vermeintlich alles verlieren, wenn wir mit ihnen teilen, wenn wir die inneren Stammtischparolen in uns leise hören, wie sie wachsen und denen nach dem Mund reden wollen die Ängste und Hass schüren – liebe Schwestern und Brüder, wie stehen wir dann als Christusnachfolgerinnen und Christusnachfolger da? Wie ernst nehmen wir dann noch die Pfingstgeschichte, die uns von dem Geist erzählt, der uns alle vor Gott verbindet – ohne Unterschied? Was soll dann noch der Geburtagsjubel für die Kirche an diesem heutigen Tage?

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Pfingsten ist der Tag, an dem Gott selbst uns ganz konsequent an seine Kirche, an seineVision von Kirche erinnern möchte. Er ruft uns heute diese einzigartige Gemeinschaft seinerKirche ins Gedächtnis. Eine Gemeinschaft von Frauen und Männern, von Großen und Kleinen, Jungen und Alten, Fremden und Einheimischen, von Menschen aller Kulturen, aus allen Traditionen. Wer heute lediglich den Geburtstag der Kirche feiern will, der bleibt an der Oberfläche. Wer heute mit Gott selbst den Weg zu der einen Gemeinschaft, von der seine Kirche einmal ausging und zu der sie wieder finden soll, mitfeiert, ich glaube die- oder derjenige lässt sich auf das Wunder der Gemeinschaft Gottes mit uns Menschen tiefer ein. So finde ich jede ökumenische Aktionen an diesem Wochenende gut, die an vielen Orten stattfinden und die ein Stück ernst damit machen, Pfingsten so zu feiern, wie es die Apostelgeschichte beschreibt.

Nehmen wir beide Texte ernst, so können wir uns an diesem Tage als Christinnen und Christen nicht zu leicht aus der Verantwortung stehlen. Zu der einen Gemeinschaft, die die Kirche Gottes ist, sind wir gerufen. Sich daran zu erinnern, mahnt der Evangelist in unserem Predigtwort.

23 Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

Diese Kirche, liebe Schwestern und Brüder, ist nicht in unsere Beliebigkeit gestellt. Keine Synode, auf welcher Ebene auch immer, darf daraus machen, was sie will. Alles, was wir in dieser Kirche tun und was wir aus dieser Kirche heraus verantworten, muss sich daran messen lassen, ob es der Vision Gottes von seiner Kirche, die er ja auch in dem Pfingstereignis andeutet, entspricht. Alles, was wir tun und lehren, muss sich fragen lassen, ob es auf dem Weg ist, der wieder in die eine Gemeinschaft Gottes mit den Menschen führt. Nicht die Zahl der Austritte, nicht die Situation der Finanzmittel, nicht die unzähligen Statistiken, die wir zu allem und jedem erstellen, darf uns dabei leiten. Es muss allein die Frage sein, ob wir sein Wort halten, ob wir in der Liebe zu unserem einen Gott treu bleiben. Nur diese Frage muss allein uns leiten!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn wir auf das sehen, was aus unserer Kirche geworden ist, oder besser, was aus dem geworden ist, was Gott sich selbst als Kirche wünschte, vielleicht tun sich da Sorgen und Ängste auf. Ja, das könnte so sein, zu offensichtlich ist mittlerweile die Diskrepanz, wir können es nicht mehr verleugnen. Und doch: Wir Christinnen und Christen, so sagte es einmal einer der Kirchenväter, gehen immer von Neubeginn zu Neubeginn. Gott selbst gibt uns nicht auf – niemals. Er baut auf uns und vertraut uns. Er schickt uns eben seinen Geist, einen Geist, der in all unsere Entmutigungen auch wie ein Tröster kommen möchte und von dem Jesus selbst sagt:

26 Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Ich finde, es gibt keine schönere Verheißung und keine passendere für dieses Pfingstfest. Ihnen allen deshalb frohe Pfingsten!

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen!

 

Fürbittgebet

Du Heiliger Geist, komm, komm zu uns, erneuere uns,
ermutige uns, dich zu bekennen,
begeistere uns, beieinander zu bleiben.
Stifte uns an, dich zu verkündigen,
komm zu deinen Gläubigen

und komm auch zu mir.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist,
komm zu den Armen und Notleidenden,
sättige sie, heile sie,
bestärke sie in ihrem Vertrauen zu dir,
lass sie nicht resignieren.
Sende ihnen Menschen,
die mit ihnen zusammen gegen das Elend ankämpfen.
Komm und schenke neues Leben!

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Stolzen und Mächtigen,
leite sie zur Umkehr.
Gib ihnen Liebe zu denen, die ihnen anvertraut sind,
schärfe ihre Gewissen, lass sie dich suchen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Trauernden und Verzweifelten,
tröste sie, wärme ihre Herzen,
erfülle sie mit Hoffnung.
Gib ihnen Menschen, die ihnen Nähe schenken,
lass sie Hoffnung schöpfen, zeige ihnen dein Licht.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Fröhlichen und Glücklichen,
mache ihre Freude groß.
Lass sie dich als Quelle aller Freude erkennen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu deiner Kirche,
bewege sie, eine sie,
stärke sie in ihrem Glauben an den einen Herrn Jesus Christus.
Komm und schenke neues Leben.

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und frohe Pfingsten!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Exaudi, 16. Mai 2021

(Stand 16. 5. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Exaudi, 16. Mai 2021

 

Wochenspruch: Christus spricht: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 27, die Verse 1.7-14

 1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!

8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.

13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Jesus Christus,

immer wieder fragen wir uns:

Wer hört eigentlich, wenn wir rufen?

Wer tröstet uns, wenn wir einmal traurig sind?

Wer fängt uns auf, wenn wir einmal fallen?

Wer gibt uns einmal zu essen, wenn wir hungrig sind;

und vielleicht auch ganz ohne irgendwelche Mittel?

Wer sieht unser Unrecht und unsere Fehler und hilft uns?

Wer erkennt unsere Einsamkeit?

Du selbst, Herr, willst Antwort auf unsere Fragen sein.

Du kommst und erbarmst dich unser!

So lernen wir, neu zu vertrauen und zu danken.

Wir hoffen auf dein Erbarmen!

 

– Raum für ein persönliches Gebet – 

 

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

Er erhört uns in aller Angst.

Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen

und sich nicht zu verlassen auf Menschen und Mächte.

Der Herr ist meine Macht und mein Heil.

Ich werde nicht sterben, sondern mit ihm leben.

 

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören!

In dieser ungewissen Zeit lasse uns Ruhe finden

und sprich du in der Stille neu zu uns.

In aller Unruhe unserer Herzen schenke uns dein Wort

und tröste uns mit der Kraft deiner Liebe.

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören.

Das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn, unserem Herrn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 3, Verse14-21

14 Deshalb beuge ich meine Knie vor dem Vater,

15 von dem jedes Geschlecht im Himmel und auf Erden seinen Namen hat,

16 dass er euch Kraft gebe nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit, gestärkt zu werden durch seinen Geist an dem inwendigen Menschen,

17 dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne. Und ihr seid in der Liebe eingewurzelt und gegründet,

18 damit ihr mit allen Heiligen begreifen könnt, welches die Breite und die Länge und die Höhe und die Tiefe ist,

19 auch die Liebe Christi erkennen könnt, die alle Erkenntnis übertrifft, damit ihr erfüllt werdet, bis ihr die ganze Fülle Gottes erlangt habt.

20 Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt,

21 dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 7,  Verse 37-39

(auch Predigttext)

37 Aber am letzten, dem höchsten Tag des Festes trat Jesus auf und rief: Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!

38 Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.

39 Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, die an ihn glaubten; denn der Geist war noch nicht da; denn Jesus war noch nicht verherrlicht.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Heute, an diesem Sonntag, der im Kirchenjahr „Exaudi“ heißt – „Höre, Herr,…“ so beginnt der Wochenpsalm 27 – leben wir, oder besser die Jünger Jesu irgendwie wie in einer Zwischenzeit. Die Himmelfahrt ist geschehen. Jesus hat sich von ihnen verabschiedet. Ihre euphorische Freude mischte sich schon wieder mit Trauer und Angst. Der Heilige Geist sollte sie davon erst am nahen Pfingstfest befreien. Dass Jesus sie schon bald ganz mit seinem Heiligen Geist erfüllen sollte, der sie so stark machen wird, dass sie sich in die ganze Welt aufmachen werden, um Menschen vom neuen Glauben an den Auferstandenen zu überzeugen, davon hatten sie noch keine Ahnung. Nein, ihr Gefühlshaushalt war wohl eher durchwachsen. Der Blick zurück gestattete ihnen auch angenehme Erinnerungen. Der Blick nach vorn, fragte sorgenvoll, was da wohl warten würde, wenn sie nun eher allein und ohne Jesu Begleitung weiterleben sollten.

In diese Zwischenzeit der Ungewissheit und der Unsicherheit setzt der Evangelist Johannes die Geschichte vom Laubhüttenfest, an deren Schluss Jesus seine wichtigen Worte „Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke!“ (Johannes 7,37) spricht.

Jesus hatte gezögert. Er kannte die jüdischen Feste natürlich. Aber die Art wie die Juden seiner Zeit sie feierten, traf nicht auf seine Gegenliebe. Er stand ihnen durchaus kritisch gegenüber. Das Laubhüttenfest – in Kanaan damals auch das Fest der Traubenernte – erinnert die Juden bis heute an die Zeit der Wüstenwanderung des alten Volkes Israel. Sie bauten dafür kleine Laubhütten aus Palmzweigen und Ästen. Dort tranken sie und feierten, erzählten sich die alten Geschichten und verbrachten auch die Nächte in diesen provisorischen Unterkünften. Die alte 40 Jahre lange Wüstenwanderung wollten sie nachempfinden – angeblich.

All diesen Feiern standen Jesus und seine Apostel kritisch gegenüber. Sie hielten nicht mehr viel davon. Denn sie mussten mitansehen, wie die Juden damals mehr sich selbst als die Erinnerung an das wandernde Gottesvolk feierten. Jesus und seine Freude hielten sich also bedeckt. Sie waren zwar in Jerusalem, aber an dem tagelangen Treiben nahmen sie nicht teil. Bis zum letzten Tag des Festes, dem höchsten Tag des Festes. Dem Tag, der dann endlich auch im Tempel gefeiert wurde. Ein besonderer Moment des Laubhüttenfestes! An diesem letzten Tag des Festes schöpften die Priester und Gläubigen siebenmal Mal Wasser aus der Quelle und gossen es über den Altar, den Mittelpunkt des damaligen jüdischen Tempels, heute Mittelpunkt des Felsendoms auf dem ehemaligen Tempelberg in Jerusalem. Die Juden glaubten, dass es der Fels gewesen sei, auf den Moss vor langer Zeit geschlagen hatte, und es floss dann Wasser daraus. So wurde das Volk Israel vor dem Verdursten auf der Wanderung bewahrt. Jesus sah auf die Feiernden. Er zweifelte daran, dass die meisten überhaupt noch wussten, warum diese Geste stattfand. Die meisten hatten es längst vergessen.

Nun hält es Jesus allerdings nicht mehr aus. Er hält einerseits das inhaltsleere und zu einem reinen Spektakel verkommene Fest nicht mehr aus. Zum anderen hält er die Fehlinterpretation nicht mehr aus. Diese Geste sollte doch nicht nur an längst vergangene Zeiten erinnern. Sie sollte nun neu und anders verstanden werden. Sie sollte die Menschen nach vorn blicken lassen. Gott ist nicht vergangen, ist nicht weit weg. Er ist mitten unter ihnen, schon in dieser Welt. Das Reich Gottes ist längst angebrochen. Mit ihm, Jesus als seinem Sohn, auch wieder neu.

Jesus wird mutig. Er steht endlich auf und redet! Redet Klartext! Gegen die allgemeine Stimmung und mit vollem Risiko!

Wen da dürstet, der komme zu mir und trinke! Wer an mich glaubt, von dessen Leib werden, wie die Schrift sagt, Ströme lebendigen Wassers fließen.“ (Johannes, VV 37b.38)

Jesus stellt sich hin wie damals Moses. Er schlägt allerdings kein wirkliches Wasser aus dem Altar. Sondern er weist hier auf sich selbst als den lebendigen Sohn Gottes.  Eine Ungeheuerlichkeit an diesem Festtag und dazu noch mitten im Tempel!

„Ich bin der Fels“, will er sagen. „Ich bin das Wasser des Lebens! Wer tatsächlich danach dürstet, was hier wirklich gefeiert wird, der kommt zu mir, folgt mir nach, trinkt von mir!“

Ein unglaubliches Ärgernis auf einmal für alle feiernden Juden. Sie wollten doch feiern ohne nachzudenken. Einmal für ein paar Tage alles vergessen, sich einfach mal dem Festtrubel hingeben. Vielleicht wollten sie noch nicht einmal wissen, was sie da gerade selbst taten. Genau dagegen geht Jesus vor – gegen diese Sinn- und Besinnungslosigkeit. Dazu machte er tatsächlich etwas Ungeheuerliches! Er stellte sich mit seinen Worten nicht nur an die Stelle von Moses. Er setzte sich an die Stelle des Wassers. „Ich bin das Wasser des Lebens“, will er sagen. „Wer an mich glaubt, der wir nicht nur selbst neues Leben gewinnen, sondern von dem werden sogar Ströme des lebendigen Wassers ausgehen!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Was meint Jesus damit? – Nun, eigentlich ist es doch ganz einfach, vielleicht ja sogar einleuchtend! Jesus will sagen: der Glaube ist wie Wasser, ohne das wir nicht leben können. Wasser erfrischt uns, stärkt uns, ist lebens- und überlebenswichtig. Und der Glaube ist natürlich nicht nur, aber eben auch für uns selber da. Kann uns erfrischen und uns für unser Leben stark machen.

Aber ein Glaube, so sagt es später Martin Luther, der keine Frucht trägt, ist ein toter Glaube. Ein Glaube, der keine Frucht trägt, ist ein toter Glaube, wie seine Werke tot sind, wenn sie nicht aus dem Glauben geboren werden. Wie wir durch den Glauben neu geboren werden, so quillt aus dem Glauben wie aus einer Quelle neues Leben nicht nur für uns selbst, sondern auch für unseren Nächsten. Wie wir aus der Quelle des Glaubens leben, so werden wir selbst zur Quelle des Glaubens auch für andere werden. Anders als in der Gemeinde kann der Glaube selbst nicht Quelle des Lebens sein. Der Glaube fließt immer fort und fort.

Aber diese Quelle eines lebendigen Glaubens sprudelt immer nur aus dem Felsen. Der Fels ist der Ort für eine sprudelnde Quelle. Versiegt sie, erstarrt der Felsen wieder, trocknet aus. Die Quelle versiegt.

Jesus möchte den Glauben an den einen Gott in den Menschen seiner Zeit wieder wecken, den Glauben an den Gott, der uns leben lässt. Ja mehr noch, der uns ein Leben in Fülle für uns selbst und für andere schenkt. Ich denke, der erstarrte Glauben, gegen den Jesus hier in dieser Geschichte angeht, ist nicht nur ein Problem des damaligen Judentums. Erstarrter Glaube ist vielfach auch heute zu unserem Problem und Hindernis geworden. Wir kennen das. Auch unser Glaube kann erstarren, kann manchmal inhaltslos werden, verschüttet werden, vielleicht sogar ganz austrocknen.

Auch unser Glaube kann erstarren wie ein Fels, in dem die Quelle versiegt. So wie wir mit den Aposteln und Jüngern Jesu damals auch heute eingespannt sind zwischen Himmelfahrt und Pfingsten, so ist unser Glaube eingespannt zwischen Vergehen und Werden. Ein Glaube, der nicht vergehen kann, der kann auch nicht neu erstehen. Wenn wir unseren Glauben mit all unseren Kräften festhalten wollen, jede Veränderung, jedes Neue im Glauben abwehren, uns nur an Gewohntes klammern  und uns darin festhalten wollen, dann besteht auch heute für uns die Gefahr, dass er zum Felsen wird, aus dem kein Quell mehr entspringen kann, kein lebendiges Wasser, das nicht nur für uns, sondern auch aus uns fließen möchte.

Der Geist aber, den Jesus uns an Pfingsten verheißt, das – so lernen wir es aus der Heiligen Schrift – ist der Tröster, der uns tröstet, wenn unser Glaube erstirbt und vergeht. Der Geist Jesu Christi, der uns an Pfingsten als Helfer neu erfüllen möchte, wird uns helfen, dass auch unser Glaube wieder aus dem Fels als Quelle hervorquillt, als Quelle des Lebens für uns und die anderen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Deshalb gehen wir heute auch wieder mit den Aposteln und Jünger Jesu weiter, von Himmelfahrt über diesen Sonntag Exaudi auf das Pfingstfest zu. Sein Heiliger Geist, der Geist Gottes in Jesus Christus, wird zu uns kommen als Tröster, der uns in all unserer Vergänglichkeit des eigenen Glaubens, tröstet. Er wird uns helfen, aus unserem vielleicht vergehenden Glauben den neuen und frischen Glauben freizulegen, damit auch für uns und aus uns wieder mit Jesus lebendiges Wasser fließen kann! So will es Gott. Amen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Amen.

 

 

Fürbittgebet

 Guter Gott! Wir rufen zu dir:

Gott, viele fühlen sich leer,

ausgelaugt und ohne Halt.

Lege ihnen die Liebe neu ins Herz,

damit sie sich und anderen wieder etwas zutrauen.

Herr, erbarme dich!

Viele fühlen sich einsam,

ohne Menschen, die ihnen zuhören können.

Laß sie gute und neue Erfahrungen machen

– gerade auch in dieser Zeit –,

damit sie sich wieder freuen können

und das Leben neu entdecken.

Herr, erbarme dich!

 

Viele sind wie stumm,

können nicht in Worte fassen,

was sie bedrückt und quält.

Richte sie auf, damit sie ein neues Licht sehen,

Hilfe finden, und wieder sprechen

und sogar wieder singen lernen.

Herr, erbarme dich!

 

Viele fürchten sich vor dem,

was kommt und ihnen geschehen könnte.

Alles ist ungewiss.

Stärke ihren Glauben,

damit sie mutig werden

und alle Angst verlieren.

Denn du bist da – für uns!

Herr, erbarme dich!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit,

passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zu

Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 13. Mai 2021

 

Wochenspruch: Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen. (Joh 12,32)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 47, die Verse 2-10

 2 Schlagt froh in die Hände, alle Völker, und jauchzet Gott mit fröhlichem Schall!

3 Denn der HERR, der Allerhöchste, ist zu fürchten, ein großer König über die ganze Erde.

4 Er zwingt die Völker unter uns und Völkerschaften unter unsere Füße.

5 Er erwählt uns unser Erbteil, die Herrlichkeit Jakobs, den er liebt.

6 Gott fährt auf unter Jauchzen, der HERR beim Schall der Posaune.

7 Lobsinget, lobsinget Gott, lobsinget, lobsinget unserm Könige!

8 Denn Gott ist König über die ganze Erde; lobsinget ihm mit Psalmen!

9 Gott ist König über die Völker, Gott sitzt auf seinem heiligen Thron.

10 Die Fürsten der Völker sind versammelt als Volk des Gottes Abrahams; denn Gott gehören die Schilde auf Erden; er ist hoch erhaben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Alles was ist, hast du geschaffen.

Alles, was lebt, erzählt deine Gedanken.

In allem, was ist, erfüllt sich dein Plan,

auch in uns, du Gott aller Welt.

In dir ist der Himmel über uns,

in dir ist die Erde unter uns.

Du bist die Höhe und die Tiefe,

das große und das Geringe.

Du bist in dem Wind, den wir atmen.

Du bist in dem Grund, auf dem wir stehen.

Du bist in der Erde, in der wir wurzeln.

Doch wir, wir treten all das, was dir gehört,

so oft buchstäblich mit unseren Füßen.

Wollen leben, ganz ohne dich.

Deine Liebe missachten wir,

doch du hältst unverbrüchlich an ihr und an uns fest.

– Raum für ein persönliches Gebet vor Gott –

 

So sind wir nun vor dir und hoffen auf dein Erbarmen,

denn von dir ist uns gesagt:

Der Gott aller Gnade wird euch aufrichten,

stärken, kräftigen und auf einen festen Grund stellen.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Du treusorgender Gott!

Du schaffst Licht in aller Dunkelheit,

Freude in den Traurigen,

Trost in den Schwermütigen,

Klarheit in den Verwirrten,

Leben in den Schwachen.

Schaffe Licht auch in uns an diesem und Tag und alle Zeit.

Sei uns nahe, damit wir dir nahe sein können.

Heile uns, geleite uns, segne uns.

Wir danken dir für deinen neuen Tag mit uns.

In Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, die Verse 44-53

Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist.

Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen,

und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden.

Ihr seid Zeugen dafür.

Und ich werde die Gabe, die mein Vater verheißen hat, zu euch herabsenden. Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet.

Dann führte er sie hinaus in die Nähe von Betanien. Dort erhob er seine Hände und segnete sie.

Und während er sie segnete, verließ er sie und wurde zum Himmel emporgehoben;

sie aber fielen vor ihm nieder. Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück.

Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 1, Verse 20b-23

(auch Predigttext)

Er hat Christus eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel

über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.

Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles,

welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Heute wären wir eigentlich – wie seit vielen Jahren – wieder draußen in unserer Waldkirche. Es geht leider heute genau so wenig möglich wie schon im vergangenen Jahr. Christi Himmelfahrt – Gottesdienst unter freiem Himmel, um eben den Himmel auch zu sehen. Und Christus – irgendwo da oben? Vielleicht weit entfernt von uns? Die Jünger geben uns einen Hinweis darauf, wie wir diesen Tag feiern sollen. Wir konnten es etwas weiter oben im Evangelium für diesen Tag lesen. Sie ließen sich segnen, fielen auf die Knie. Aber da war keine Sorge, keine Angst mehr. Auch keine Trauer darüber, dass Jesus nun erst einmal von ihnen gegangen war. Nein, von den Jüngern wird etwas anderes berichtet. „Dann kehrten sie in großer Freude nach Jerusalem zurück. Und sie waren immer im Tempel und priesen Gott.“ (Lukas 24,52f)

Also eben kein wehmütiger Trauertag, sondern ein Freudentag. Der Akzent von Himmelfahrt lautet nicht: „Wie schade, dass Jesus weg ist.“ Sondern: „Wie schön, dass Jesus Christus da ist. Dass er überall da ist, wo Gott ist.“
Wir feiern an Himmelfahrt das, was wir in jedem Glaubensbekenntnis sprechen und eben so als unseren Glauben bekennen: „Aufgefahren in den Himmel, er sitzt zur Rechten Gottes.“Aber kann man sich „Himmelfahrt“ ganz konkret vorstellen? Wie ein historisches, beweisbares Ereignis? Jesus wie auf einer Art Rakete sitzend? So malen es manchmal Kinder! Martin Luther kannte noch keine Raketen zum Hochfliegen, aber er kannte Leitern zum Hochsteigen, und er sagt im Bezug auf Christi Himmelfahrt: „Es geht nicht so zu wie du aufsteigst auf einer Leiter ins Haus, sondern das ist es, dass Christus über alle Kreaturen und in allen und außer allen Kreaturen ist.“ Jesus Christus – überall da. Die Wirksamkeit Jesu ist nicht örtlich und sie ist nicht zeitlich beschränkt, sondern sie weitet sich. Nicht nur die Jünger von damals gehören dazu zu Jesus, sondern Menschen in aller Welt und von Generation zu Generation gehören dazu. Wir heute gehören dazu! Weil Jesus bei Gott ist und mit ihm lebt und regiert, und weil die beiden, Vater und Sohn, eins sind, sind wir mit ihnen.

Jesus Christus ganz bei Gott. Darauf kommt es an beim Fest „Himmelfahrt“. Es kommt weniger darauf an, ob die Himmelfahrt selbst ein historisches Ereignis war. Von einer „sichtbaren“ Himmelfahrt 40 Tage nach Ostern berichtet nämlich nur ein einziger biblischer Autor: Lukas. Wir haben das vorhin gehört. Alle anderen biblischen Autoren drücken das Gemeinte anders aus. Sie fassen es in eins zusammen: Auferweckung Jesu und zugleich Erhöhung Jesu zur Rechten des Vaters. Ostern und Himmelfahrt sind demnach zwei Seiten der einen Medaille. Und so sagt es ja auch unser Predigttext aus dem 1. Kapitel des Epheserbriefes (20b-23):

Er hat Christus eingesetzt zu seiner Rechten im Himmel

über alle Reiche, Gewalt, Macht, Herrschaft und jeden Namen, der angerufen wird, nicht allein in dieser Welt, sondern auch in der zukünftigen.

Und alles hat er unter seine Füße getan und hat ihn gesetzt der Gemeinde zum Haupt über alles,

welche sein Leib ist, nämlich die Fülle dessen, der alles in allem erfüllt.

Der Epheserbrief beschreibt Jesus Christus als einen eingesetzten Herrscher. Aber ist er das wirklich? Sage ich es auch so:  Er „herrscht“ auch in meinem Leben, er hat etwas zu sagen in meinem Leben, hat ein Mitspracherecht, auf ihn hoffe ich, auf ihn vertraue ich.

Es tut gut, an diesem heutigen Himmelfahrtstag auch das wieder einmal für sich selbst zu überprüfen. Und das geht aber über den ganz persönlichen Bereich weit hinaus. „Jesus herrscht“, so heißt es, „er ist eingesetzt über alle Mächte, über alles was Rang und Namen hat.“ Über welche Mächte? Wer hat Macht in unserer heutigen Welt? Wir haben das im vergangenen Jahr sehr deutlich aufgezeigt bekommen, wer denn glaubt, in dieser Welt die Macht zu haben. Ich nenne einmal drei Bereiche – die Macht der Politik, die Macht der Wirtschaft, die Macht des Todes.

Macht haben Politikerinnen und Politiker. Noch nie haben sie im vergangenen Jahr so spürbar in unser Leben eingegriffen, oder besser: eingreifen müssen. Sie mussten unpopuläre Entscheidungen treffen. Sie mussten – so meinen einige – „Freiheit“ verbieten oder einschränken. Sie mussten in unsere Lebensabläufe eingreifen. Sie mussten damit rechnen, sich noch unbeliebter zu machen als sie es sonst vielleicht schon fühlen. Das alles mussten sie  machen, um Leben zu schützen, das Allgemeinwohl wieder herzustellen, um auch gemeinsames Leben – wenn auch unter Einschränkungen – zu erhalten und neu möglich zu machen. Ganz ehrlich, ich hätte in dieser Zeit mit niemandem von ihnen tauschen mögen. Ich weiß nicht, wie viel Verantwortung ich hätte tragen können. Ich weiß auch nicht, ob ich mich an jedem Abend hätte im Spiegel ansehen können und dann mit dem ruhigen Gewissen, das Richtige getan zu haben, hätte einschlafen können, oder ob Selbstzweifel an mir unerträglich genagt hätten. Aber sie mussten entscheiden. Und wir mussten damit leben. Macht – ob in dieser Form gewollt oder nicht – war klar verteilt.

Macht haben die in der Wirtschaft Mächtigen. Auch das haben wir gespürt und mitansehen müssen. Einige haben schamlos abkassiert. Andere haben Arbeit anders verteilt und Menschen kurz gehalten. Sogar bereichert haben sich einige. In einer Weltkrise wie dieser scheint es, dass es darin immer noch Wege gibt, dass Reiche reicher und Arme ärmer werden. Firmeninteressen schienen manchmal wichtiger als Einzelschicksale. „Systemrelevanz“ nachzuweisen schien oberstes Gebot. Ja, an manchen Stellen wurde uns brutal die Dominanz der Wirtschaft über vieles andere aufgezeigt.

Die Macht des Todes. Hier viele Worte zu machen, erübrigt sich eigentlich. Wir mussten mitansehen, wie sehr der Tod seine Opfer holte. Mussten mitansehen, wie Lkw’s seine Opfer in die Krematorien fuhren. Haben wir uns jemals klar gemacht, dass hinter diesen Bildern für jede Verstorbene, für jeden Verstorbenen immer auch eine Familie steht, die trauert. Wir waren schockiert. Mittlerweile scheint es uns, als hätten wir uns so sehr daran gewöhnt, dass die tägliche Meldung über immer noch hunderte von Corona-Toten nicht mehr als einer Zweisatz-Meldung im Fernsehen bedarf, in der nur noch die neueste Zahl bekanntgegeben wird. Doch nicht so sehr unsere Gewöhnung schreckt mich. Am meisten entsetzt mich jedoch, dass es unter uns immer noch die Verharmloser und Zyniker gibt, die dies alles kleinreden, nicht wahrhaben oder am liebsten als Lüge beschreiben wollen und so jeden einzelnen verstorbenen Mitmenschen verhöhnen!

Ja – Macht hat der Tod. Wir unterliegen der Macht des Todes und niemand kann dem Tod letztlich ausweichen. Und es war entsetzlich, wie wir das tausendfache Sterben präsentiert bekamen und mitansehen durften. Ich denke dabei nicht nur an uns. Ich denke auch an die vielen, die es aus nächster Nähe durch ihre tägliche Arbeit mitansehen und ertragen mussten. Wie werden sie diese Zeit verarbeiten und wieder unbeschwert leben können? Werden wir eine Form für unseren Dank finden, die sich spürbar von unserer anfänglichen Geste der eigenen Hilflosigkeit, von unserem Applaus von den Balkonen, unterscheidet? Werden wir gemeinsam mit ihnen, mit allen Angehörigen der Opfer dieser Zeit wieder eine Form finden, in der wir es als Christinnen und Christen gemeinsam feiern können, dass der Tod niemals das letzte Wort Gottes ist und wir mit Christus selbst den Tod überwinden?

Nehme ich nun einmal alle drei genannten Bereiche zusammen – kann man das dann eigentlich noch sagen: Jesus Christus ist eingesetzt, herrscht in dieser Welt als König? So singen wir es in einem alten Kirchenlied.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja – das tut er. Aber er tut es auf sehr verborgene und stille Weise. Er herrscht nicht anders als so, wie er auch auf Erden gelebt hat: an der Seite der Schwachen, an der Seite der Opfer, an der Seite der Zu-kurz-Gekommenen, der Trauernden, der hoffnungslos Überarbeiteten und Ausgebrannten. Jesus Christus, am Ende selber verwundbar und schwach und ohnmächtig. Seine Macht weicht dem Tod nicht aus, ist keine unberührbare Macht „von oben herab“, sondern sie geht durchs Leiden und durch den Tod hindurch. Sie ist eben auch und gerade in den Schwachen mächtig.

Ich wünsche uns deshalb – ganz egal wo und wie wir gerade vor ihm sitzen oder stehen – allen einen Himmelfahrtstag, an dem wir spüren: Christus ist da, drinnen und draußen, in unsern Kirchen, Häusern Wohnungen und in der Natur, in unseren Herzen und auch in unseren Gedanken. Er ist da, mitten unter uns, und keine Macht dieser Welt kann uns jemals scheiden von der Macht seiner Liebe. Diese Liebe ist allemal stärker als Politik, Wirtschaft oder Tod. Denn sie ist unverbrüchlich! Amen.

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

 Zu dir beten wir, guter Gott,

Schöpfer dieser Welt.

Wir leben von deiner Güte und Weisheit.

 

Diese Welt gehört nicht uns, sie gehört dir.

Unsere Wissenschaft geht deinen Gedanken nach.

Unsere Technik verlässt sich auf deine Gesetze.

Unsere Wirtschaft lebt von deinen Gütern.

Unsere Politik ist dir verantwortlich.

Wir danken dir für Geist und Kraft der Menschen,

denn Geist und Kraft sind von dir.

 

Uns Menschen ist viel Macht gegeben.

Was deine Weisheit geschaffen hat,

ist uns unweisen Menschen anvertraut.

Was du gegeben hast, damit wir leben können,

ist Gefahr geworden für unser aller Leben.

Wir möchten dir danken für deine Welt.

Wir möchten einander schützen,

auch in diesen schwierigen Tagen,

vor Gewalt und Hass.

Wir möchten deine Gaben behüten:

Die Menschen und ihr Glück

Und das Leben der ganzen Erde.

 

Wir bitten dich,

bewahre uns und dieser Erde den Frieden.

Und bewahre uns davor,

den Frieden anderer zu gefährden:

den Frieden unserer Kinder, Freunde und Nachbarn

und aller, denen wir begegnen.

Wir bitten dich, Schöpfer dieser Welt,

hilf uns und gib Gelingen.

 

– Raum für persönliche Fürbitten vor Gott – 

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

 

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Feiertag!

Kommt gut durch die Zeit,

passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Rogate, 9. Mai 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Rogate, 9. Mai 2021

 

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet. (Ps 66,20)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm Ps 95,1-7a

 1 Kommt herzu, lasst uns dem HERRN frohlocken und jauchzen dem Hort unsres Heils!

2 Lasst uns mit Danken vor sein Angesicht kommen und mit Psalmen ihm jauchzen! 3 Denn der HERR ist ein großer Gott und ein großer König über alle Götter.

4 Denn in seiner Hand sind die Tiefen der Erde, und die Höhen der Berge sind auch sein.

5 Denn sein ist das Meer, und er hat’s gemacht, und seine Hände haben das Trockene bereitet.

6 Kommt, lasst uns anbeten und knien und niederfallen vor dem HERRN, der uns gemacht hat.

7 Denn er ist unser Gott und wir das Volk seiner Weide und Schafe seiner Hand.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Gott, unser Vater!

Da ist auf einmal so viel Einsamkeit unter uns,

so viel Sprachlosigkeit.

Wir möchten gern reden,

so vertraut und nahe mit vielen anderen Menschen,

wie wir es immer taten.

Wir schwer tun wir uns zur Zeit damit,

miteinander zu reden,

unbelastet und ganz frei.

Und würden wir wirklich aussprechen,

was uns so schwer auf der Seele liegt?

Auch mit dir zu reden, ist nicht immer leicht.

Da wäre gerade so viel Klage,

da wäre unsere Frage „Warum das alles?“

Würden wir Worte finden für unser Lob,

für unsere Freude darüber, dass du da bist?

Herr, befreie uns von allen trüben Gedanken,

in denen wir uns gerade so oft verstricken.

Befreie uns von der Verschlossenheit,

in der wir zu verkümmern scheinen.

Schenke uns das Glück der Zwiesprache

mit dir und mit unseren Mitmenschen.

Lass uns wieder Nähe spüren!

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurze Stille für ein persönliches Gebet –

 

Denn wir hängen doch an dir und an deinem Wort!

Daran denken wir, weil  es dein Sohn Jesus Christus,

uns doch so gesagt und versprochen hat:

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Wenn wir auch jetzt nicht als Gemeinschaft versammelt sind,

so sind wir doch in deiner Gegenwart vereint,

weil du uns in unseren Wohnungen und Häusern aufsuchst,

um bei uns zu sein.

Wir sind niemals verlassen,

auch wenn wir manchmal meinen,

wir hätten keinen Boden unter den Füßen.

Du bist da, und du wirst immer da sein,

wo immer die Zeit uns hinführt.

Dass dieses für uns alle spürbar bleibt,

jeden Tag neu,

das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 11, die Verse 1-13

1 Und es begab sich, dass er an einem Ort war und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte.

2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme.

3 Gib uns unser täglich Brot Tag für Tag

4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir vergeben jedem, der an uns schuldig wird. Und führe uns nicht in Versuchung.

5 Und er sprach zu ihnen: Wer unter euch hat einen Freund und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;

6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann,

7 und der drinnen würde antworten und sprechen: Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.

8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seines unverschämten Drängens aufstehen und ihm geben, so viel er bedarf.

9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.

10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem wird aufgetan.

11 Wo bittet unter euch ein Sohn den Vater um einen Fisch, und der gibt ihm statt des Fisches eine Schlange?

12 Oder gibt ihm, wenn er um ein Ei bittet, einen Skorpion?

13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Sirach, Kapitel 35, die Verse 16-22a

(auch Predigttext)

16 Er hilft dem Armen ohne Ansehen der Person und erhört das Gebet des Unterdrückten.

17 Er verachtet das Flehen der Waisen nicht noch die Witwe, wenn sie ihre Klage erhebt.

18 Laufen ihr nicht die Tränen die Wangen hinunter,

19 und richtet sich ihr Schreien nicht gegen den, der die Tränen fließen lässt?

20 Wer Gott dient, den nimmt er mit Wohlgefallen an, und sein Gebet reicht bis in die Wolken.

21 Das Gebet eines Demütigen dringt durch die Wolken, doch bis es dort ist, bleibt er ohne Trost, und er lässt nicht nach, bis der Höchste sich seiner annimmt

22 und den Gerechten ihr Recht zuspricht und Gericht hält.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch von Gott unserm Vater und dem Herrn Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wann beten Sie eigentlich? Wie beten Sie? Und warum eigentlich?

Wann? – Mit unseren Konfirmandinnen und Konfirmanden denke ich gern darüber nach. Dann höre ich meistens, dass die jungen Leute beten, wenn es ihnen nicht gut geht, wenn sie sich ängstigen, wenn sie sich in Not glauben. Eine sehr häufige und offenbar nötige Antwort ist dann immer auch: „Ich bete vor jeder Mathematikarbeit!“ Ganz ehrlich, ich erinnere mich gut – das habe ich auch getan! Wie ist es bei Ihnen?

Wie? – Hier gehen die Antworten meist weit auseinander. „Ich brauche keine auswendig gelernten Gebete!“ „Ich bete dann manchmal ein Vater Unser!“, „Ich denke an Gott und rede in Gedanken mit ihm!“ „Ich bete vor dem Schlafengehen und schließe dabei die Augen!“ „Ich gehe manchmal in eine Kirche, setze mich einfach kurz hin und denke an Gott!“ Vieles andere mehr kommt als Antwort. Wie ist es bei Ihnen?

Warum? – Hier gehen die Antworten selbst bei jungen Menschen manchmal sehr tief. Und ich komme dabei oft ins Staunen und kann selber lernen. „Wenn ich bete, weiß ich, dass ich nicht allein bin!“ „Ich bete einfach, weil ich hoffe und glaube, dass Gott mich hört!“ „Ich bete, damit sich Dinge in meinem Leben ändern!“ „Ich bete für andere, für Freunde und auch für die Welt!“ „Ich bete, weil ich sonst nicht weiß, wohin ich mit meiner Angst soll!“ Wie ist es bei Ihnen?

Am heutigen Sonntag „Rogate“ – „Betet“ oder „Bittet“ kreisen unsere Gedanken um das Gebet, um das Reden mit Gott, das an so vielen Stellen der Bibel zum Thema wird, z.B. im kommenden Wochenspruch für die nächste Woche: „Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“ (Ps 66,20)

Auch unser heutiger Predigttext aus dem eher unbekannten Buch Jesus Sirach, einer alttestamentlichen Spätschrift, tut das. Im 2. Jh. vor Christus macht sich in diesem Text jemand seine eigenen Gedanken zum Beten, vor allem aber auch, wie Gott auf unser Beten schaut und wie er es annimmt. Dazu schaut er auf die Menschen seiner Umgebung, auf die Armen, Unterdrückten, Waisen und Witwen. Er sieht auf die, die selbst mit ihrem Leben Gott dienen wollen. Er schaut auf die Verschiedenartigkeit, in der sie beten. Er ist beeindruckt von der Beharrlichkeit, mit der manche Menschen beten. Er sieht auch, wie das Gebet bei Menschen wirken kann und sie verändert.

Vor allem aber beginnt er über Gott zu staunen. Bei ihm ist kein Ansehen der Person, stellt er nach seinen Beobachtungen fest. Er spürt geradezu Gottes Zuwendung zu jedem Menschen.  Gottes Aufmerksamkeit gilt jedem gleich. Gott versteht das Stammeln. Er versteht die Sprache der Tränen, die manchmal gar keine Worte braucht. Ja Gott lässt sich sogar von einem Gebet selbst beschenken, wenn er es mit Freude, mit Wohlgefallen annimmt.

Manchmal, so stellt es der Schreiber unseres Predigttextes auch fest, dauert es etwas, bis ein betender Mensch im Gebet wirklich Trost findet. Aber das ist niemals Gottes letztes Wort. Gott kommt jedem Menschen nahe, auch im Gebet, im Gespräch mit Gott. Das Gebet bleibt niemals ein Monolog. Gott antwortet, manchmal sehr direkt. Manchmal bleibt er ganz unmerklich, aber er ist da, auch wenn wir das erst viel später erkennen. Gott drängt sich niemals auf, aber er wendet sich auch niemals ab. Daran erinnert viel später z.B. der Apostel Paulus die Menschen in Athen, wenn er auf dem Marktplatz zu ihnen spricht und ihnen sagt. „Fürwahr, er ist nicht ferne von einem jeden unter uns.“ (Apg 17,27)

Gott hört also! – Aber ich frage eben noch einmal. Reden wir überhaupt noch mit ihm? Oder sind wir so selbstverliebt geworden, dass uns der Monolog mit uns selbst reicht. Wir brauchen kein Gegenüber. Wir schaffen alles selbst! Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Es gibt gar nicht so wenige Menschen, die so leben und glauben. Manchmal gehöre ich selbst vielleicht sogar dazu, deshalb ist hier nicht der Ort darüber den Stab zu brechen.

Aber hat nicht gerade das letzte Jahr uns noch einmal neu und leider so ganz anders die Augen geöffnet.

Wir brauchen kein Gegenüber! Nein, und nochmals nein – das stimmt nicht!! Für viele Menschen war das in den letzten Monaten die traurige Realität, eben kein Gegenüber zu haben. Gewohnt mit anderen zusammen zu sein, fröhlich und ungezwungen, war da auf einmal vielleicht niemand mehr. Nicht einmal die Menschen, die uns lieben und die wir lieben, durften uns nahe sein. Das Spiegelbild war für manche Menschen das einzige Gegenüber an vielen Tagen.

Wir schaffen nicht alles selbst! Nein, und nochmals nein – das stimmt nicht! Wir sind angewiesen darauf, dass andere uns helfen. Einige durften zeitweise nicht aus dem Haus, andere haben sich zu Recht nicht rausgetraut, weil es zu Hause eben einfach sicherer ist. Wie gut, wenn dann andere da waren, die einen vorsorgten, die Acht darauf gaben, ob man selbst nicht unversorgt bleibt.

Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott! Nein, zumindest dann nicht, wenn ich meine, mich vor Gott stellen zu können. Dieses „Hilf dir selbst“ hat viele von uns an ihre eigenen Grenzen geführt. Das Gefühl der Ohnmacht, irgendwie nichts tun zu können, um für sich selbst, vor allem aber auch für die Menschen, um die man sich sorgt, etwas tun zu können, hat oft weh getan; besonders dann, wenn es galt, alte und kranke Menschen zu begleiten, aber genau das eben nicht möglich war. Es hat dort weh getan und hat Menschen an den Rand des auszuhaltenden Schmerzes und sogar darüberhinaus geführt, wo sie geliebte Menschen loslassen mussten und nicht einmal in diesem Moment bei ihnen sein durften.

Deshalb müssen wir den Satz eben anders sagen. Ja, wir müssen ihn tief in unserem Herzen sogar anders glauben. Vielleicht, nein bestimmt wäre er richtiger, wenn wir es für uns selbst so sagen: „Wenn du dir selbst nicht helfen kannst, Gott hilft, er ist da für dich!“ Das ist ein Glaubensgrundsatz, der in unserem Herzen verankert sein soll. Denn dann wird es für jede und jeden von uns möglich, sich in allem, was uns freut, was uns belastet und sorgt, was uns ängstigt und zittern lässt, an Gott zu wenden, um es vor ihn zu legen in all unserem Gestammel, mit all unseren Tränen, sogar in all unserer Wut und Enttäuschung. Und nichts davon geht verloren, bleibt ungehört oder ohne Antwort. So weiß es Gott von sich selbst. So möchte er, dass wir es ebenso verstehen.

Genau hier haben wir aber so manches mal ein „Übersetzungsproblem“ Es gibt Situationen, da hören wir ihn nicht. Oftmals verstehen wir ihn sogar nicht. Oftmals antwortet Gott ganz anders, als wir es erwarten oder erhoffen. Manchmal erkennen wir sogar, dass er ganz andere Wege auftut, als wir es erwarten. Aber genau dies ist die gleiche Freiheit, in der wir in all unserer Verschiedenartigkeit vor Gott stehen dürfen, in der uns Gott eben auch antwortet.

Schauen wir auf die letzten Monate, schauen wir auf das gesamte letzte Jahr, dann werden einige von uns bestimmt davon erzählen können, dass da so manches war, was sie im Gebet vor Gott gebracht haben. Gottesdienste waren an vielen Orten nicht möglich, oder durften nicht so stattfinden wie wir es gewohnt sind. Natürlich hat die Kirche, hat jede Gemeinde immer auch versucht, Menschen in ihren Häusern und Wohnungen zu erreichen. Viel Neues ist dadurch entstanden, ohne Frage. Aber oft blieb da trotzdem auch nur der Rückzug auf das eigene Gespräch, auf das eigene Gebet mit Gott möglich und übrig.

Ich habe in dieser Zeit mit vielen Menschen am Telefon und auch am Bildschirm gesprochen. Sie haben davon erzählt. Haben erzählt, dass beten hilft. Vor allem aber – und das hat mich sehr gefreut und ermutigt – habe ich in ganz vielen solchen Gesprächen erfahren dürfen, dass Menschen für andere beten. Für die Menschen, die sie lieben, für die Menschen, um die sie sich sorgen, für die kranke Nachbarin, für Menschen in anderen Ländern und schlimmen Verhältnissen. Ja, die Fürbitte, das Beten für andere haben Menschen neu entdeckt. Dabei sollte mir als so betender Mensch eines klar sein. Solch ein Gebet, ist genau ein solches Gebet, an dem Gott – so sagt es unser Predigttext – Wohlgefallen hat. Er hört es mit Freuden, nimmt es mit Freude an. Vor allem aber freut sich Gott über den, der so beten kann. Denn solch ein Gebet fällt immer auch auf mich selbst zurück. Irgendwo in einem anderen Gebet eines anderen Menschen bin nämlich auch ich ein Teil seiner Bitte vor Gott. Ich werde Gott ans Herz gelegt, und er schaut schon längst auf mich.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Rogate! – Betet! Dazu lädt uns der Wochenspruch, dazu lädt uns dieser Sonntag ein! Versuchen wir es doch einfach. Versuchen wir es so, wie und wo wir gerade sind. Beten wir für uns, beten wir für andere. Und ganz gleich, wie traurig, wie verbittert, wie einsam, aber auch wie fröhlich, wie unbeschwert wir gerade sind – Gott hört! Denn bei ihm ist kein Ansehen der Person. Geben wir Gott so die Ehre, machen wir ihm diese Freude! Es soll auch unsere werden!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

 Wir beten zu dir, Vater im Himmel!

Wir bitten dich für alle Menschen,

denn alle sind deine Geschöpfe,

alle sind geschaffen nach deinem Ebenbild:

Lass jeden Menschen in dir seine Mitte finden finden,

so dass wir uns noch mehr gegenseitig und füreinander

Mensch und Mitmensch werden.

 

Wir bitten dich für die, die Macht haben und Verantwortung in der Politik:

Gib ihnen Kraft und auch den nötigen Weitblick,

dass sie über den jetzigen Tag hinaus denken,

dass sie daran denken und berücksichtigen,

dass wir auch Verantwortung für die kommenden Generationen haben.

Gib ihnen Einsicht, daß sie verstehen,

was wir Menschen wirklich brauchen:

das tägliche Brot, ein Dach über dem Kopf,

die Hingabe für die Kranken,

Pflege und gute Versorgung für die Pflegenden.

Viele brauchen Arbeit und gegenseitige Unterstützung,

Vertrauen in die Gerechtigkeit,

Hoffnung auf Frieden,

gerade auch untereinander,

unter den geduldigen und Ungeduldigen.

Mit ihnen allen hoffen wir auf bessere Zeiten,

in denen wir auch wieder

die Unbeschwertheit und Lebensfreude leben.

 

Wir bitten dich für die Kirche:

dass wir beständig bleiben

in der Liebe zu deinem Wort,

dass wir das Evangelium von deiner Liebe

in allem zum Maßstab machen

und es glaubwürdig bezeugen

in ganz verschiedenen Formen,

auch mit unseren Taten,

mit unserem Denken und mit unseren Worten.

Dazu hilf uns durch deinen Geist,

damit die Freude am Leben wieder neu

in uns allen wächst!

 

– Raum für persönliche Stille und Gebet –

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit,

passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Kantate, 2. Mai 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Kantate, 2. Mai 2021

 

Wochenspruch: Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. (Ps 98,1)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 98

 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!

Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.

Die Ströme sollen frohlocken, und alle Berge seien fröhlich vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Herr, unser Gott und Vater!

Wir finden in unsrem Leben so viele Gründe, dir zu danken.

Aber in diesen Tagen ist es nicht so einfach wie sonst!

Da sind Unsicherheiten und Ängste darüber,

wie alles werden wird.

Da geht uns die Klage schneller über unsere Lippen als unser Dank.

Da wächst unsere Ungeduld und will uns zu Leichtsinn verleiten.

Vielleicht ist da sogar Traurigkeit in uns,

weil unbeschwerte Zukunft so weit weg scheint.

Aber jetzt, Herr und Gott,

jetzt schauen wir nur auf uns.

Wir schauen auf unser Leben und unsere Zeit mit dir.

Und dann wollen wir einen Moment still werden,

um dir anzuvertrauen,

was heute schwer auf uns liegt.

 

– Zeit für einen kurzen Moment der Stille, um Gott die eigenen Gedanken anzuvertrauen –

 

Wir danken dir, Herr, dass du hörst, worum wir in der Stille bitten.

Du lässt uns niemals allein.

Dein Sohn Jesus Christus hat es uns verkündet.

Er hat es in unsere Herzen gesprochen, als er sagte:

 

Aber der Tröster, der heilige Geist,

welchen mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren

und euch erinnern an all das, was ich euch gesagt habe.

Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Ja, Herr und Gott,

wir nehmen diese Worte dankbar in uns auf.

Und wir bitten dich:

Bleibe bei uns, bleibe uns nahe!

Gib, dass dein Friede unsere Herzen erfülle

und unsere Gedanken, unsere Worte und Taten.

Mit allem, was wir sind,

mit der Gestalt unseres ganzen Lebens

wollen wir dir danken,

wollen wir dich loben und preisen.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

 

Epistellesung: Aus dem Kolosserbrief, Kapitel 3, Verse 12-17

12 So zieht nun an als die Auserwählten Gottes, als die Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld;

13 und ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!

14 Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

15 Und der Friede Christi, zu dem ihr berufen seid in einem Leibe, regiere in euren Herzen; und seid dankbar.

16 Lasst das Wort Christi reichlich unter euch wohnen: Lehrt und ermahnt einander in aller Weisheit; mit Psalmen, Lobgesängen und geistlichen Liedern singt Gott dankbar in euren Herzen.

17 Und alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles im Namen des Herrn Jesus und dankt Gott, dem Vater, durch ihn.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

 Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem 19. Kapitel des Lukasevangeliums, die Verse 37-40

(auch Predigttext)

37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten,

38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!

39 Und einige von den Pharisäern in der Menge sprachen zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!

40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit euch all. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

„Kantate“ – so heißt dieser Sonntag im Kirchenjahr. „Kantate“ ist lateinisch und bedeutet „Singt“! Genau das tun – optimistisch geschätzt – in normalen Zeiten immer noch etwa eine Million Menschen in den auch normalerweise etwa 20.000 Gottesdiensten, nimmt man einmal alle evangelischen Landeskirchen zusammen! Viel mehr als einige vielleicht gedacht haben! Leider sind aber gerade keine „normalen“ Zeiten!

Die Musik hat Menschen schon immer fasziniert. Zum Beleg noch einmal etwas Statistik: Etwa sieben Millionen haupt- und ehrenamtliche Musikerinnen und Musiker gibt es allein in unserem Land. Sie verteilen sich auf Orchester, Chöre, und sie sind solo unterwegs. Wenn sie denn singen oder unterwegs sein dürfen. Genau das ist ja auch nun schon seit über einem Jahr nicht mehr so.

Ja, Menschen lieben die Musik. Viele Menschen schätzen den Gesang. Was hat nicht allein die evangelische Kirche an großen Chor und Musikwerken zu bieten! Johann Sebastian Bach mit seinen Werken, viele andere Namen könnten wir nennen. Da sind große Passionsmusiken, Chorwerke. In letzter Zeit kamen hier und da große Musicals vieler junger Komponisten und Chöre dazu. Kirchenchöre, Kinderchöre, Gospelchöre – Musik bewegt die Menschen. Sie öffnet uns in unseren Gottesdiensten das Herz für Gott, sie schafft Stimmungen. Musik bewegt uns buchstäblich!

Zur Zeit ruht sie, ist an vielen Orten verstummt, durch Verordnungen verboten, kann sogar gefährlich für uns werden! Wer von uns hätte das jemals gedacht! Ich weiß nicht, wie es Euch geht! Aber am heutigen Sonntag Kantate musste ich, auch durch den Predigttext aus dem Lukasevangeliumangestoßen, daran denken. Es tut weh! Aber – so hoffe nicht nur ich – noch eine kleine Weile, dann wird sie wieder erklingen. Sie wird uns froh machen! Und alle, die z.B. davon leben, dass sie uns froh macht, werden hoffentlich dann wieder sorgenbefreiter atmen, singen und auf den Plätzen, in den Hallen und Kirchen wieder für uns spielen und singen dürfen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ein Lobpreis steht im heutigen Predigttext im Mittelpunkt! Nicht nur der Lobpreis, auch das Singen dieses Liedes! Jesus ist mit seinen Freunden auf dem Weg nach Jerusalem. Und wir können es uns geradezu vorstellen, wie die Jünger und er nach einem langen Fußmarsch, nach dem Anstieg auf den Ölberg nun oben ankommen und die Stadt taucht vor ihren Augen auf, das Ziel ist nahe. Ja, Freude ergreift die Jünger. Sie beginnen zu singen, singen das Loblied über Gott. Ich denke, sie tun es in diesem Moment für alles, was sie bisher erlebt haben – auch mit diesem Jesus –, sie tun es, weil sie bald am Ziel sind. Und noch freuen sie sich auf das, was sie in der Stadt erleben und feiern wollen. Sie schauen auf diesen Jesus und spüren in und durch ihn geradezu etwas von der angebrochenen Herrschaft Gottes in dieser Welt.

Bettler und Lahme sahen wir beim Tanz, hörten wie Stumme sprachen, durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen. Zeichen und Wunder sahen wir geschehen…“. So lesen wir es in unserem Gesangbuch in dem Lied „Wir haben Gottes Spuren festgestellt“   (eg 648, 3).

Genau das hatten die Apostel erlebt – Zeichen und Wunder. Jesus hatte geheilt, hatte Menschen von ihrer Schuld und von Lasten befreit. Die Apostel haben es erlebt, sie können in diesem Moment da auf dem Ölberg nicht mehr schweigen. Sie singen ihre Freude darüber hinaus, wie geradezu unglaublich es ist, diesem Jesus nachzufolgen und mit ihm zu leben.

Diese Zeichen und Wunder haben die Jünger mit Jesus erlebt und können von diesen Erlebnissen nicht schweigen. Jesus hat getröstest, geheilt und Menschen von ihrer Schuld losgesprochen. Die Jünger singen, damit alle hören, wie unglaublich es ist, Jesus nachzufolgen und mit ihm zu leben.

Ein wenig erinnert ihr Gesang an Weihnachten. Auch dort wird ähnlich angekündigt und gesungen: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Friede im Himmel und auf Erden!“ Jesus wird mit diesen Worten als der kommende König und Messias besungen und gesegnet, der vom Himmel den Frieden auf die Erde bringt, der uns Gottes Nähe und sein Reich hier auf Erden anbrechen lässt.

Genau darüber sind die Freunde Jesu so voller Hoffnung. Vom Berg Zion aus wird sich diese Gottesherrschaft durch ihren Herrn Jesus auf der Erde verbreiten und zur neuen Wirklichkeit werden!

Nun aber stimmen die Jünger ihr eigenes Loblied an. Sie singen den Psalm 118. Hier im Predigttext sind sie schon beim Vers 26 angekommen, also fast am Ende des Liedes! Ich spüre, dass ihr Gesang fröhlich klingt. Vielleicht nicht unbedingt harmonisch, eher spontan freudevoll, jubelnd. Es ist ihre Art, den bevorstehenden Einzug in Jerusalem zu bejubeln. Da es ein alter Psalm war, den die Menschen damals kannten, da auch der Ölberg wohl eine beliebte Stätte für Menschen war, kann ich mir vorstellen, dass sie nicht allein da oben standen – schließlich waren einige Pharisäer ja wohl auch da – und wie die umstehenden Menschen sich von ihrer Freude anstecken ließen. Nach und nach begannen die Menschen dort mit den Jüngern Jesu zu singen.

Und die Pharisäer? Natürlich kannten sie diesen alten Psalm auch, waren vielleicht sogar gewohnt, ihn auch in ihren Feiern zu singen. Aber es waren eben ihre Feiern, hier auf dem Ölberg aber gerade nicht. Die ansteckende Freude scheint sie eher zu ärgern. Sie geben sich – wie so oft – eher zugknöpft, geradezu feindselig. Die Jünger sollen ruhig sein, wünschen sie sich. Jesus selbst soll dafür sorgen. „Meister, weise doch deine Jünger zurecht!“ (V. 39) fordern sie. Jubelnde Menschen, oder besser: Jesus zujubelnde Menschen können sie so kurz vor dem Passahfest überhaupt nicht gebrauchen, wollen es auch nicht dulden.

Sie ahnen nämlich genau, dass mit diesem König, der da kommt im Namen des Herrn  und den besonders die Apostel gerade besingen, dieser Jesus aus Nazareth gemeint ist. Und jetzt stecken sie durch dieses Lied auch noch andere Menschen mit dieser Annahme an. Unglaublich für die Pharisäer! Empörend! Deshalb diese scharfe Zurechtweisung an diesen Jesus!

In ihrem Denken ist nämlich alles sehr festgelegt. Für eine neue, für eine gute Nachricht, für ein Evangelium ist da nun wirklich kein Platz! Sie werden solch einem religiös Verwirrten und seiner ebenso verwirrten Anhängerschaft keine Möglichkeiten bieten, weiter so gefährlich und umstürzend zu predigen. Sie hören wie er sich als Davids Sohn bezeichnen lässt, wie er von Gott als seinem Vater redet. Ich denke, ihr Urteil wird hier schon festgeklopft, lange vor dem Einzug in Jerusalem. Ausschalten, am besten noch durch die Römer. Die Taktiker unter ihnen wissen schon den Weg.

Was macht Jesus, der, den sie so zurechtweisen? Kuscht er jetzt verängstigt, lässt er sich einschüchtern? Ob Jesus sich aufregt, wir erfahren es nicht. Ob er ängstlich wird oder eingeschüchtert, keine Spur davon im Evangelium. Nein, ich finde seine Antwort lässt momentan noch seine Gelassenheit spüren. Er beschwert sich nicht über die Art der Anrede durch die Pharisäer. Er ist an einer Auseinandersetzung mit ihnen in diesem Moment überhaupt nicht interessiert. Er weiß, was kommt. Er weiß auch, es ist nicht aufzuhalten. Er weiß vielleicht, oder besser: bestimmt sogar schon etwas über diese Stadt, auf die sie alle von da oben schauen. Vierzig Jahre später nämlich wird sie in Trümmern liegen, der Tempel zerstört sein. Es ist nicht aufzuhalten. Werden seine Jünger nicht singen dürfen, dann werden es eben die Steine tun; die Steine der Stadt werden eines Tages ihre Klagelieder singen. Aber aufzuhalten ist es nicht. Deshalb sagt Jesus, was er vor seinem inneren Auge gerade sieht, vielleicht klingt es in den Ohren der Pharisäer ebenso schroff: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“ (V. 40)

Dass Jesus es genau so meint, wird deutlich, wenn wir die nächsten vier Verse betrachten. Alle freuen sich hier nämlich gerade. Aber direkt nach seiner Antwort beginnt Jesus zu weinen. Er weint über diese Stadt Jerusalem, die ja auch ihm am Herzen liegt. Er erzählt den umstehenden Menschen von der bevorstehenden Zerstörung. Ob ihm in diesem Moment damals auf dem Ölberg die Menschen geglaubt haben, weiß ich nicht. Bestimmt nicht alle. Jesus selbst konnte dieses Wissen jedenfalls nicht mehr für sich behalten. So lässt er es heraus, weint über die Stadt Jerusalem und auch über die Menschen, die seine Worte nicht hören und annehmen können.

Nein, Gesänge seiner Jünger – wie hier bei Lukas – auch nicht später die Gesänge der Kinder beim Einzug in Jerusalem – wie an anderer Stelle bei Matthäus – können seine Kritiker, seine Gegner und wohl auch nicht viele zweifelnde, im Glauben unsichere Menschen erreichen und umstimmen. Diese Gesänge erreichen viele Herzen nicht!

Und trotzdem! der Lobpreis Gottes gerade auch durch Gesänge und Lieder – er ist seit damals niemals mehr verstummt! Immer wieder wird Jesus in den späteren Jahrhunderten als König besungen werden – „Jesus Christus herrscht als König“ (eg 123), „O König aller Ehren, Herr Jesu Christ“ (eg 71). Manche Lieder sind gesungene Predigten. Sie bewegen die Herzen der Menschen, finden Worte für ihren Glauben und bringen sie zum Klingen. Sie machen Mut zu Neuanfängen. Sie ermutigen zur tätigen Nächstenliebe. Sie wecken den Glauben im Menschen.

Die Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu, die vielen Glaubensgemeinschaften durch die Jahrhunderte und auch die Kirchen der verschiedenen Konfessionen hatten immer einen Halt an Gesang und Glaubensliedern.

Viele Lieder verbinden uns im Gotteslob der katholischen Kirche und dem Evangelischen Gesangbuch unserer Kirche. Lieder wirken glaubensverbindend. Die Lieder mit dem „Ö“ für „Ökumene“ künden in wunderbaren Tönen von dem einen Gott, den wir gemeinsam haben und besingen können. Sie vereinen uns Kirchen jetzt schon als eine von vielen Möglichkeiten, noch mehr und enger zusammenzuwachsen.

Der Lobgesang Gottes hat sich niemals mehr aufhalten lassen, durch alle Jahrhunderte nicht. Natürlich haben sich zu allen Zeiten Melodien und Texte verändert. Eines haben sie aber auch durch alle Zeit und für alle Zeit gemeinsam. Sie loben und ehren Gott. Wir tun es ebenso, wenn wir sie singen, sogar, wenn wir sie hören! Ganz gleich, ob selbst gesungen, ob durch Bachs Passionen erklungen, ob durch manchmal sehr moderne Lieder auf den Kirchentagen und Poporatorien. Aber es gibt eben Musik und Lieder in unseren Kirchen, die tatsächlich alle Generationen dazu bringen, den eigenen Glauben auf diese Weise zum Ausdruck zu bringen.

Viele dieser Lieder sind sogar zu Predigten über diesen einen Gott geworden, die viele von uns unaufgebbar in unseren Herzen tragen. Oder profaner und einfacher gesagt: die wir sogar auswendig können, weil sie uns schon so lange begleiten. „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“, bei den Älteren von uns auch noch „Lobe den Herren“ oder „Nun danket alle Gott“. Lieder begleiten uns durch das ganze Kirchenjahr. Immer wieder taucht für viele mindestens eines in den Gottesdiensten auf, mit dem wir unsere eigene Glaubensgeschichte verbinden können, die uns Halt im Glauben geben können. Zu besonderen Zeiten z.B. haben Lieder wie „So nimm denn meine Hände“ oder „Befiehl du deine Wege“ trösten aber auch ermutigen können. Viele ältere Gemeindeglieder können das bezeugen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Musik und Singen geben Halt für unseren Glauben. Deshalb freue ich mich – und ich bin bestimmt wahrlich nicht der einzige –, wenn wir endlich auch wieder singende und auf diese Art Gott gemeinsam, lebende Gemeinde in unseren Kirchen und Gottesdiensten werden können. Dann werden wir keine Klagelieder anstimmen. Das haben wir innerlich in dem vergangenen Jahr wohl zur Genüge getan. Der liebe Gott musste sie sich in all seiner Geduld anhören und hat es auch getan. Nein, mit vielen anderen werden wir alle fröhlichen Glaubenslieder, die wir kennen aufschlagen, und singen, bis auch dann der liebe Gott lächelnd sagen wird: „Ja, es reicht! Ich habe euch gehört und freu mich mit euch!“ Genau so, liebe Schwestern und Brüder, wird es kommen!

„Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder“. (Ps 98,1) Genau auch davon kündet unser Wochenspruch für die kommende Woche. Auf dieses Versprechen sprechen wir unser „Amen – so sei es“!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

 Herr, unser Gott und Vater!

Lass deinen Geist unter uns wohnen,

dass er uns erwärme und belebe,

damit wir dir gerne dienen.

 

Lass uns über dem Lobpreis deiner Güte

das Elend der Welt nicht vergessen:

die Angst der Weinenden und Verzagten,

die Not der Verlassenen und Verletzten,

die Verzweiflung der an Leib und Seele Gefolterten.

Sei du bei allen Menschen!

 

Lass in der ganzen Welt deine Kirche

aus Anbetung und Gesang

neue Kräfte schöpfen.

Mach sie bereit, von sich wegzusehen

und die vielen, die dich brauchen,

anzunehmen.

Lass deine Kirche sich auf den Dienst

an deiner Schöpfung ausrichten –

alles zu deiner Ehre, Herr, unser Gott.

Bleibe du bei deiner Kirche und bei allen Menschen!

 

Herr, unser Gott und Vater, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott,

ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen – und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfr. Rüdiger Dunkel

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