Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Quasimodogeniti, 11. April 2021

Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Versen aus Psalm 116 in meinen Worten:

Es tut so gut, darauf vertrauen zu können,

dass Gott hört, wie ich zu ihm rufe,

er hört mein Weinen und Klagen!

Er kommt mir ganz nahe,

damit keines meiner Wort ungehört bei ihm verhallt!

Das möchte ich mir mein Leben lang bewahren!

Manchmal da schnürt mir die Angst die Kehle zu.

Ja, ich habe in diesen Tagen auch in meinem Leben

auch an den Tod denken müssen!

Das hat mich erschreckt! Tief erschreckt!

Aber du, guter Gott, schaust auf mich mit all deiner Gnade.

Ich weiß auch du verteilst deine Gnade gerecht,

und sie reicht für alle!

Mit all deiner Barmherzigkeit,

die so gut tut, bist du bei uns!

Die Schwachen brauchen dich gerade sehr.

Alle die, die nicht für sich selbst sprechen können!

Du bist dort. Und das ist gut!

Aber du bist auch bei mir, denn auch in bin so oft schwach.

Und auch mir hilfst du!

Deshalb finde ich ganz tief in mir nun auch meine Ruhe wieder!

Und das tut gut! Du tust mir Gutes!

Die düsteren Gedanken hast du vertrieben.

Ich vertraue wieder dir und mir.

Meine Tränen wische ich ab.

Und ich stehe wieder fest!

Ja, ich werde wieder neu gehen können!

Sehr aufmerksam!

Und ich werde wieder von dir erzählen!

Und dann werde ich auch eines Tages wieder feiern,

vor dir und mit vielen anderen.

Wir werden singen, beten und dein Wort hören!

Und wir werden dir danken!

Von ganzem Herzen!

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Es gibt viele Menschen, die glauben.

Und sie sagen:

Mit Ostern hat das Leben wieder neu begonnen

Und es wird anders werden, ganz anders!

Es wird gut werden!

Da sind aber auch die anderen;

die, die gerade sagen:

Ich glaube nur, was ich sehe!

gerade in diesen Tagen!

Und das, was ich sehe, es spricht alles dagegen!

Vieles wird nie wieder gut!

Herr beides bringen wir heute

auch in unsrem Gebet vor dich!

Unseren ganzen Optimismus,

der uns manchmal dazu verleitet,

unsere Aufmerksamkeit und Vorsicht zu verlieren

und sich in unserer Ungeduld seine Bahn bricht!

Aber auch unsere ganze Verzagtheit und Mutlosigkeit;

beides wirkt so lähmend

beides will uns daran hindern,

mit dir nach vorn zu schauen!

Schau auf uns, Herr,

und wandle uns in deiner Liebe!

Ermutige uns!

 

Mache uns getrost und gewiss,

dass wir wieder daran denken

und es uns als einen festen Glauben bewahren:

Du, guter Gott, gibst uns niemals auf!

Es galt zu allen Zeiten und es gilt heute und in Zukunft!

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Unsere Hoffnungen kommen und gehen.

Manchmal verkümmern sie.

Manchmal sogar begraben wir all unsere Hoffnungen.

Wir bitten dich, gib uns neue und lebendige Hoffnung,

die uns trägt, gerade in diesen Tagen,

gerade in diesen Zeiten.

Sei du selbst unsere Hoffnung,

mit der wir neu durch das Leben gehen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14:

(Auch Predigttext)

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade eine Geschichte gehört – die Geschichte von Jesu Begegnung mit den Fischern am See in Tiberias -, die eigentlich im Johannesevangelium schon gar nicht mehr drinsteht. Wenn man nämlich genau hinschaut, sich einmal in neutestamentliche Theologie und besonders in das Johannesevangelium vertieft, dann kann man feststellen, wie das Johannesevangelium an sich schon mit dem Kapitel vorher in aller Form abgeschlossen wird.

Da hat Johannes – wie die anderen Evangelisten auch – vom Leiden und der Kreuzigung Jesu erzählt. Es folgen seine Ostergeschichten mit der Auffindung des leeren Grabes und den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena, seinen Jüngern und schließlich auch mit Thomas, dem Zweifler. Dann kommt da schließlich, unmittelbar vor unserer heutigen Evangeliumslesung von der Geschichte am See der eigentliche Schlusssatz des Evangeliums, wenn der Evangelist schreibt: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30f) Deutlicher kann ein Schlusspunkt doch wohl nicht sein.

Aber jetzt folgt noch ein Kapitel mit der Geschichte, über die wir heute nachdenken. Ganz offensichtlich ein Nachtrag. Warum? Warum macht sich der Evangelist damals schon die Mühe, noch eine Geschichte zu erforschen, aufzuschreiben, zu erinnern und eben an sein eigentliches Gesamtwerk anzuhängen?

Eigentlich gibt es wohl nur eine Erklärung: diese Geschichte hängt er an und schreibt sie auf für all diejenigen, die die Ostergeschichten damals zwar schon andächtig gehört, dann aber damals wohl auch schon gesagt haben: So wie das da von Maria Magdalena und den Jüngern und erst recht von dem Thomas erzählt wird, der den Auferstandenen regelrecht zu fassen kriegt, so direkt und eindeutig und zwingend zeigt sich der Auferstandene uns leider nicht. Dabei hat er doch versprochen, bei und in seiner Gemeinde zu bleiben bis an der Welt Ende. Woran kann unsereiner das denn nun merken? Bis heute reden Menschen so. Niemals ist das Sehnen danach, den Auferstandenen leibhaftig zu sehen, um dann vermeintlich besser und zweifelsfreier glauben zu können, verstummt.

Ich denke, genau auf diese Frage gibt diese Nachtragsgeschichte eine Antwort. Ostern wird noch einmal erzählt, als hätte es die Geschichten von den umwerfenden Erscheinungen in Jerusalem gar nicht gegeben. Es ist, als habe alles mit Karfreitag geendet und die Jünger seien in ihren Alltag am See Tiberias zurückgekehrt, den wir auch als See Genezareth kennen. Die Jünger werden mit Menschen in ihren späteren Gemeinden und deshalb auch mit Menschen wie uns auf eine Stufe gestellt. Deshalb diese andere Ostergeschichte vom See in Tiberias.

Wir erinnern uns: Es geht damit los, dass Petrus zu seinem Gefährten sagt: Ich will fischen gehen – er sagt also: ich gehe zur Arbeit. Und die anderen tun das auch. Und natürlich gehört das nur zu gut bekannte unwillige Seufzen dazu, wenn es heißt: ich muss zur Arbeit… Kennen doch einige von uns, oder? Manchmal weiß man nur zu genau, dass die Arbeit oft nicht der Mühe wert zu sein scheint. Und so ist es hier in der Geschichte ja tatsächlich auch: Nach einer mühevollen Nacht beim Fischfang kommen sie in der Frühe todmüde zurück – mit leeren Netzen. Nichts gefangen. Und damit stehen sie für alle, die von der Arbeit oder vielleicht auch aus der Schule kommen mit dem Gefühl: Es hat heute mal wieder nichts gebracht! Manchmal habe ich solch ein Gefühl sogar bei der Hausarbeit. – Obwohl, während ich das schreibe, fühlen es wohl manche gerade ganz anders. Homeoffice und Homeschooling – das Arbeiten und das Lernen von zu Hause aus – haben die Prioritäten vielleicht verschoben, lassen aber bei manchen vielleicht auch schon wieder das Sehnen nach dem scheinbar Vergangenem, wachsen. Wie kläglich war das Seufzen, aber wie schön war es auch, unbeschwert zur Arbeit oder in die Schule gehen zu können!

Genau jedoch in diese Stimmung des Alltäglichen tritt in unserer Geschichte Jesus, wieder erst einmal in der Gestalt eines Fremden ein. Das war bei Maria aus Magdala damals am Grab nicht anders. Die sah ja zunächst den Friedhofsgärtner in ihm. Oder denken wir an die Jünger auf dem Wege nach Emmaus. Der Auferstandene begegnet ihnen unerkannt. Nicht an seiner Gestalt wird er erkannt, sondern an dem, was er sagt und in Gang setzt. Erkannt wird er, als er das Brot bricht.

Hier beginnt der noch fremd erscheinende Jesus mit einer Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ (V. 5) Er fragt geradezu väterlich, möchte nicht mehr fremd sein. Jesus sucht den Kontakt zu seinen Jüngern. Die Jünger aber müssen passen, sie haben ja nichts gefangen. Bei der im Orient selbstverständlichen Gastfreundschaft muss ihnen das besonders peinlich gewesen sein. Allein schon deshalb muss Jesus jetzt geradezu aktiv werden. Menschen in eine peinliche Lage zu bringen, das hat er nämlich niemals getan.

„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden, rät er ihnen. Auf deutsch: Kommt, versucht es noch einmal! Auch wenn ihr denkt: der hat gut reden. Als hätten wir nicht schon alles versucht – natürlich nicht nur links, sondern auch rechts!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Was wären wir ohne die Menschen –  Ehepartnerinnen und -partner, Kolleginnen  und Kollegen, gute Freundinnen und Freunde -, ohne die Menschen, die uns gut zureden, den Kopf nicht hängen zu lassen, die uns sagen: Komm, du schaffst das. Ich weiß doch, was du kannst. Menschen, die uns nicht festlegen auf unsere Misserfolge, die uns etwas zutrauen, uns Mut machen und uns auf neue Ideen bringen. Menschen, die uns gegen all unsere Angst, gegen all unsere Resignation auch wieder Mut zusprechen. Menschen, die geradezu – wie hier der Auferstandene – mit der aufgehenden Sonne am Ufer unseres Lebens stehen. In ihnen begegnet uns der Auferstandene – also in denen, die uns wieder an die Arbeit schicken, die uns wieder ins Leben schicken, die uns wieder ermutigen und neu aufrichten. So irdisch, so alltäglich, so menschlich kann Ostern sich auswirken! Und wie wichtig sind gerade in diesen Tagen solche Menschen für uns alle! Wie wichtig ist es sogar, wenn wir vielleicht selbst solche Menschen für andere sein können!

Die Jünger fahren also wieder los. Und natürlich passiert das, was Jesus für sie ja wollte; sie kommen mit übervollen Netzen zurück. Ich schaue damit auch noch einmal auf uns. Denn das kennen wir doch auch: Ja, das gibt es! Ja, das kommt vor, dass mitten im normalen Trott unsere Arbeit überreich gesegnet wird – wenn man eben nicht ausgelaugt, sondern wirklich erfüllt nach Hause kommt im Triumph über eine gute Arbeit; mit der Genugtuung, heute habe ich wirklich etwas bewegt, ich habe etwas weitergebracht. Vielleicht sogar: ich habe mich weitergebracht. Die Arbeit macht Spaß, und ich freu mich schon auf den nächsten Tag. Oder mir wird vielleicht sogar in diesen schwierigen Tagen mal wieder klar: Was für ein Segen, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein kann, ja dass ich sogar zu Hause mit und nach meiner Arbeit Geborgenheit und eine Atmosphäre schaffen kann, in der sich die Menschen, die ich liebe und mit denen ich lebe, wohlfühlen können.

Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen solche Segenstage. Tage, an denen wir erkennen, wie wunderbar das Leben sein kann und wie wunderbar es ist, von diesem Gefühl weitergeben zu können. Ich wünsche es uns gerade auch in dieser Zeit!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich wünsche uns sogar noch etwas. Nämlich dieses Gefühl auch oft zu spüren, wie gut ist es, an solchen Segenstagen einen Menschen wie den Johannes im Boot des eigenen Lebens zu haben – einen Menschen, der uns die Augen öffnet für das, was hinter dem steht, was man so obenhin als Glück, Glückssträhne oder Gutgehen bezeichnet. Jemanden, der immer auch tiefer sieht und der es eben auch weitersagt: „Es ist der Herr.“ (V. 7)  Wer Grund hat, von Glück und Segen zu reden – oder vielleicht sogar zu singen, wie ich es manchmal bis zum März des vergangenen Jahres, aber hoffentlich bald auch wieder in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres 2021 an verschiedenen Orten tun darf –, der hat es, ob er es weiß oder nicht, mit nichts Geringerem als mit Ostern und mit der Lebensäußerung des Auferstandenen zu tun.

Ich glaube – gestattet mir, liebe Freundinnen und Freunde, die ihr mich kennt und von meiner Leidenschaft wisst, diesen eingeschobenen Gedanken – genau deshalb ziehe ich umher und singe und erzähle ich. Und tue es sehr gern!

Auf Petrus – damit sind wir wieder bei der Geschichte am See –, der bisher gar nichts davon mitbekommen hat, wirkt diese Entdeckung wie elektrisierend. Ohne lange nachzudenken, wirft er sich ins Wasser, um möglichst schnell an Land und zu Jesus zu kommen.

Und hier begegnet uns das, woran ich schon in vielen Predigten erinnert habe: Die beiden Menschentypen, die uns hier vor Augen geführt werden, die kennen wir doch gut: wir kennen den Stillen, den Tieferblickenden, den Meditativen auf der einen Seite. Wir kennen aber auch den Impulsiven auf der anderen Seite, den, dem es oft nicht schnell genug gehen kann; den, der voller Ungeduld Hals über Kopf einfach losprescht. Und lebt eine Gemeinde – bei uns in Winzenheim und natürlich auch überall – nicht geradezu davon, dass beide dieser Typen in einem Boot sitzen? Sind diese Typen wirklich so gegensätzlich, dass man sie nur zu leicht gegeneinander ausspielen kann und meint, man könne sich nur für den einen oder den anderen entscheiden?

Ich glaube das nicht. Es geht hier um mehr. Es geht bei diesem zunächst als Gegensatz Erscheinenden doch eher um die Spannung zwischen Kontemplation und Aktion. Jedes Presbyterium kennt doch z.B. diese Frage: Wo soll in unserer Gemeindearbeit der Schwerpunkt gesetzt werden? Liegt der Schwerpunkt in der Sammlung um Gottes Wort, im Gebet, im Gottesdienst oder in den vielen möglichen Aktivitäten, die den Willen Jesu im Alltag der Welt umsetzen? Und welchen Schwerpunkt werden wir so neu gewichten, dass er uns in eine gute Zukunft trägt?

Genau diese Spannung – liebe Schwestern und Brüder –  war von Anfang da in der christlichen Gemeinde. Sie gehört dazu wie die Männer und Frauen, die den Unterschied zwischen Johannes und Petrus bis heute verkörpern. Alles hängt daran, dass keiner dem anderen die Nähe zum Auferstandenen streitig macht. Der auferstandene Jesus, der Christus – er trifft keine Entscheidung zwischen ihnen; er äußert sich nicht zu der Frage, wo denn wohl die größere christliche Substanz ist. Er lädt sie beide zusammen mit all den verschiedenen Menschen zwischen diesen beiden Typen zum gemeinsamen Mahl. Die Unterschiede und Gegensätze im Glauben – sie wurden und werden uns wohl auch in Zukunft nicht erspart. Aber das andere bleibt eben auch: bei allem Streit, bei all unseren Verschiedenheiten bleiben wir Gemeinde des Auferstandenen; wir bleiben es, solange wir uns an seinen Tisch bitten lassen und seiner Einladung dann auch folgen. Zumindest dann, wenn wir uns auch wieder als sichtbare Gemeinschaft von Geschwistern rund um diesen Tisch versammeln dürfen. Selbst jetzt, wo es gerade nicht so ist, bleiben wir, wenn auch vielleicht anders und niemals gedacht, als Gemeinschaft vor Gott verbunden! Denn es war, es ist und es bleibt sein Wille!

Wir sind in seinem Geist zusammen, feiern das Leben, genießen die Gemeinschaft untereinander, auch und gerade in der momentanen Zerstreuung! Wo immer wir auch gerade sind, der Auferstandene will und wird uns nahe bleiben! Er tritt mitten unter uns, schickt uns immer wieder neu auf unseren Weg. Er geht ihn sogar mit. Also: auf geht’s! Denn der Weg ist noch weit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet:

Wir beten!

Herr! Guter Gott und Vater!

Wir danken dir für alle Menschen,

die du in deinen Dienst nimmst.

Gerade auch in diesen Tagen!

Sie tun es auf so viele verschiedene Weisen!

Für einige ist es ihr Dienst,

andere tun es freiwillig.

Wir danken dir für alle Menschen,

die du auch in diesen Tagen zu den Menschen sendest!

 

Deine Gemeinde lebt.

Auch wenn wir uns vielleicht nicht sehen können,

aber wir dürfen es spüren! Danke!

Viel Kraft ist nötig, Herr,

um diese Zeit zu bestehen.

Und noch mehr Kraft wird nötig sein,

um diese Zeit zu überwinden.

 

Da warten so viele Aufgaben,

vieles müssen wir neu denken und neu leben!

Wir wollen vertrauen, Herr!

Auf dich und auf die Kräfte,

die du auch wieder in uns wecken wirst

Rüste uns aus mit allem, was wir brauchen,

um mit dir neu leben zu können!

Denn du bist das neue Leben für uns.

Es hat begonnen! Schon heute! Schon in uns!

Du schenkst uns alles!

Und deine Liebe trägt uns weit!

 

Guter Gott, wir bitten dich!

Schau auf unsere Gemeinden!

Zeige du uns den Weg,

den wir vielleicht bald wieder gehen können!

Aber es soll dein Weg sein!

Nicht ein Weg, der auf unserer Ungeduld gebaut ist.

Nicht ein Weg, auf dem wir uns selbst mehr sehen als dich!

Wir wollen dich vor Augen haben!

Denn du führst und leitest uns!

Nicht uns, sondern dich haben wir vor Augen!

 

Wir wollen nicht darüber streiten,

welche Wege zu dir und in die Gemeinschaft mir dir

führen! Und wie schnell das sein muss!

Lass uns auf die Nöte und Bedenken genau so hören

wie auf die schöpferische Ideen,

die neue Möglichkeiten zeigen.

Lass uns aneinander interessiert bleiben!

Gib, dass wir uns respektieren!

Gib, dass wir uns nicht fremd werden,

in dem, was wir tun und sagen!

Stärke in uns das Vertrauen,

dass wir einander brauchen!

Du vertraust uns, Herr!

So lass uns auch ganz auf dich vertrauen!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostermontag, 05. 04. 2021

Wochenspruch: Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar

 und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Wir hätten allen Grund zum Jubeln, guter Gott!

Deine Auferstehung hätten wir zu preisen.

Aber weißt du, guter Gott,

wie schwer uns das in diesen Tagen manchmal fällt?

Statt Freude, dass du lebst,

ist da die Sorge, wie das alles noch werden wird!

Statt Mut zum Leben, weil du den Tod besiegt hast,

schauen wir angstvoll auf Zahlen und wissen nicht,

wie wir unser Morgen planen sollen!

Wir können es gar nicht!

Statt Vertrauen auf deine Auferstehung

werden wir von Zweifeln geschüttelt.

Wir sind so kleingläubig!

Weißt du das alles, Herr und Gott?

Komm, Herr, erbarme dich unser

und höre, wie wir in der Stille zu dir beten.

 

– Kurze Stille zum persönlichen Gebet –

 

Ja, natürlich weißt du es!

Und du vertraust darauf,

dass wir neuen Mut in dir und deiner Auferstehung

in deinem Sohn Jesus Christus finden.

Du willst uns deine Liebe neu spüren lassen,

gerade auch in diesen Tagen.

Du willst auch, dass wir sie wieder zu anderen Menschen tragen.

Dazu ist dein Sohn Jesus Christus in die Welt gekommen;

der auferstandene Christus, der zu uns allen spricht:

Nicht ihr habt mich erwählt,

sondern ich habe euch erwählt und gesetzt,

daß ihr hingeht und Frucht bringt und eure Frucht bleibt.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Ja, Jesus, in deiner Gegenwart leben wir.

Du bist die Kraft unseres Lebens

und du wirst auch einmal unsere Kraft im Sterben.

Denn wir leben und wir sterben mit dir.

In dir sind wir allezeit geborgen,

du erfüllst unsere Seelen mit der Kraft deines Lebens.

Weil du lebst, leben auch wir.

Wir bitten dich, sei bei uns, in uns und um uns.

Das bitten wird dich,

deinen Vater und den heiligen Geist.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 24, Verse 13 – 35

13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa sechzig Stadien entfernt; dessen Name ist Emmaus.

14 Und sie redeten miteinander von allen diesen Geschichten.

15 Und es geschah, als sie so redeten und einander fragten, da nahte sich Jesus selbst und ging mit ihnen.

16 Aber ihre Augen wurden gehalten, dass sie ihn nicht erkannten.

17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs? Da blieben sie traurig stehen.

18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete und sprach zu ihm: Bist du der Einzige unter den Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der ein Prophet war, mächtig in Tat und Wort vor Gott und allem Volk;

20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.

21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel erlösen werde. Und über das alles ist heute der dritte Tag, dass dies geschehen ist.

22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,

23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln gesehen, die sagen, er lebe.

24 Und einige von denen, die mit uns waren, gingen hin zum Grab und fanden’s so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen sie nicht.

25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten geredet haben!

26 Musste nicht der Christus dies erleiden und in seine Herrlichkeit eingehen?

27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten und legte ihnen aus, was in allen Schriften von ihm gesagt war.

28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen. Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.

29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen zu bleiben.

30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch saß, nahm er das Brot, dankte, brach’s und gab’s ihnen.

31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten ihn. Und er verschwand vor ihnen.

32 Und sie sprachen untereinander: Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?

33 Und sie standen auf zu derselben Stunde, kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf versammelt und die bei ihnen waren;

34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden und dem Simon erschienen.

35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde, da er das Brot brach.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Buch der Offenbarung, Kap. 21, Verse 6-14  

(auch Predigttext)

6 Und ich sah mitten zwischen dem Thron und den vier Wesen und mitten unter den Ältesten ein Lamm stehen, wie geschlachtet; es hatte sieben Hörner und sieben Augen, das sind die sieben Geister Gottes, gesandt in alle Lande.

7 Und es kam und nahm das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.

8 Und als es das Buch nahm, da fielen die vier Wesen und die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem Lamm, und ein jeder hatte eine Harfe und goldene Schalen voll Räucherwerk, das sind die Gebete der Heiligen,

9 und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel; denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen

10 und hast sie unserm Gott zu einem Königreich und zu Priestern gemacht, und sie werden herrschen auf Erden.

11 Und ich sah, und ich hörte eine Stimme vieler Engel um den Thron und um die Wesen und um die Ältesten her, und ihre Zahl war zehntausendmal zehntausend und vieltausendmal tausend;

12 die sprachen mit großer Stimme: Das Lamm, das geschlachtet ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob.

13 Und jedes Geschöpf, das im Himmel ist und auf Erden und unter der Erde und auf dem Meer und alles, was darin ist, hörte ich sagen: Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!

14 Und die vier Wesen sprachen: Amen! Und die Ältesten fielen nieder und beteten an.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das, was ich zum Lesegottesdienst am Ostersonntag zum Predigttext schrieb, gilt hier ganz genauso. Mein Ärger darüber, wer so etwas aussucht, ist wieder da und auch mein Ärger darüber, das ich das einfach schon wieder mitmache. Genau wie ich am Ostersonntag die Geschichte von der Auferstehung als Predigttext erwarte und nicht die Erzählung von der Rettung am Schilfmeer, erwarte ich auch am Ostermontag natürlich eine Geschichte aus dem Evangelium, das in mir die Erinnerung wachhält, was denn direkt nach Ostern geschah, wie Jesus z.B. seinen Freunden begegnet oder wie er auf dem Weg nach Emmaus mit den Freunden sogar mitgeht.  Aber dann kommt so etwas Unverständliches wie heute als Epistellesung und Predigttext aus dem Buch der Offenbarung. Wie gesagt, mein Ärger darüber ist genau so wieder da! Aber ich lasse es jetzt lieber, sonst rege ich mich ja nur unnötig auf!

Was finde ich Österliches in diesem kleinen Teil eines weitgehend mysteriösem und unverständlichem Buch der Bibel? Nun, es ist natürlich das Bild des Lammes, das geschlachtet wird. Es ist ja ein sehr gebräuchliches Bild für Jesus, der für uns ans Kreuz gegangen ist und dort den Tod überwunden hat. „Das Lämmlein geht und trägt die Schuld der Welt und ihrer Kinder … es geht dahin, wird matt und krank, ergibt sich auf die Würgebank“ – Kirchenlieder (eg 83), die mir unglaublich schwerfallen zu singen, weiden dieses Bild genüsslich aus. Viele Maler haben es gemalt, van Eyck sogar als Lamm, das ausblutet.

Ja, Jesus Christus als Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt, so habe wohl nicht nur ich es als Kind schon gelernt. Und eines weiß ich von mir eben auch seit Kindertagen. Lämmer mag ich, geschlachtete Lämmer nicht! Und so ist mir auch dieses Bild für Jesus niemals wirklich nahegekommen, als Kind nicht und auch heute als Erwachsenem nicht. Wie geht es Euch eigentlich damit, liebe Schwestern und Brüder?

Heute weiß ich, ich brauche dieses Bild für meinen Glauben gar nicht. Ja, wenn ich für mich selbst Kreuz und Auferstehung  beschreiben müsste, dann kann ich es eher mit einem Wort beschreiben. Und dieses Wort wäre „Dankbarkeit“. Ich bin dankbar dafür, dass Jesus ans Kreuz gegangen ist – für uns Menschen, also auch für mich. Ich bin dankbar dafür, dass er auferstanden ist – damit wir Menschen neu leben können, also auch ich. Ich bin dankbar dafür, dass Gott so sehr lieben kann – uns Menschen, also auch mich! Ja, für all das bin ich dankbar. Genau aus dieser Dankbarkeit schaue ich eben auf das Kreuz und auf die Auferstehung Jesu, ohne mir das in Bildern ausmalen zu müssen. Kreuz und Auferstehung kann ich letztlich nur im Glauben verstehen und annehmen. Vorstellen kann und mag ich mir das eigentlich nicht! Denn vieles bliebe dann doch auch unverständlich, vielleicht sogar missverständlich.

Ich weiß aus vielen Gesprächen, z.B. mit Konfirmandinnen und Konfirmanden, dass junge Menschen manchmal ihr eigenes „Ja“ zu Gott und dem Glauben davon abhängig machen, ob sie genau für Kreuz und Auferstehung eine schlüssige Erklärung bekommen. Die gibt es aber nicht! Aber genau in solchen Gesprächen geschieht oft etwas Wunderbares. Aus ihren Antworten und Erklärungsversuchen höre ich sehr oft, dass sie das Geschehen der Kar- und Osterwoche zwar nicht richtig erklären können, aber dass sie doch immer auch noch Möglichkeiten suchen, dass sie auch für sie einfach wahr sein kann. Ist nicht dieses Suchen nach Antworten immer auch ein Suchen nach Gott? Ist nicht dieses Suchen nach Antworten immer auch schon der Anfang oder besser: das Weitersuchen von Glauben? Einem Glauben, der ein ganz persönlicher Glaube werden soll. Ein Glauben, zu dem ein junger Mensch „Ja“ sagen kann. Ein Glauben an einen Gott, der einem nahe ist und der im Leben mitgeht. Ja, all das höre und finde ich in solchen Gesprächen mit jungen Menschen. In solchen Momenten hat dann wohl niemand von den „Konfi’s“ eine Ahnung, dass ich auch immer dann ein Lernender und oft in solchen Momenten Beschenkter bin.

Aus solch einem Glauben, der immer auch ein suchender Glaube ist und bleibt, kann ich nämlich gut leben. Alles wächst und kommt aus dem Glauben, dass Gott da ist, mich begleitet und niemals allein lässt. Das ist österlicher Glaube. Gott ist da, geht mit, ich bin niemals mehr allein! So haben es die Frauen am Grab erfahren, so haben sie es den Freunden Jesu weitergesagt. So hat sich diese gute Nachricht auf der ganzen erde verbreitet. Das Bild des Lammes kommt darin meist gar nicht mehr vor. Muss es auch nicht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Und da ist noch das andere in unserem so unverständlichen Predigttext aus dem Buch der Offenbarung, das aus der Quelle von Ostern entspringt. Da heißt es fast am Schluss:

„Dem, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm sei Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ (V.13)

Ich übersetze es einfach einmal für mich etwas einfacher und freier:

Gott und seinem Sohn Jesus Christus gilt mein Lob und meine Ehre in Ewigkeit!

Das wären für mich Worte des Dankes, mit denen ich Kreuz und Auferstehung gut und ausreichend beschrieben hätte. Kreuz und Auferstehung als Grund, in meinem und durch mein Leben Gott zu loben und zu danken.

Ich möchte mir immer neu bewusst machen, dass Gott in mir lebt und auch durch mich handeln möchte. Ich möchte mir immer wieder neu bewusst machen, dass ich dabei natürlich auch Fehler mache und mich sogar versündige. Aber genau so bewusst ist mir, dass Gott vergibt, einen Neuanfang mit mir macht und niemals von mir lässt. Das ist kein Freibrief, in meinem Leben zu tun und lassen, was ich will. Nein, es ist Ansporn immer auch selbst danach zu fragen, ob ich noch auf dem Weg bin, auf den Gott mich gestellt hat und ob ich ihn, Gott selbst, auch in meinem Gegenüber erkenne.

Zugegeben, heute hat mich der Predigttext aus dem Buch der Offenbarung nicht wirklich „vom Hocker gehauen“. Aber zumindest hat er mir dazu verholfen, wieder einmal über meinen eigenen Glauben nachzudenken. Darüber nachzudenken, was mich trägt und prägt. Ich glaube, das ist manchmal nötig und gut.

Und nun frage ich Euch, liebe Schwestern und Brüder. Welche Bedeutung haben eigentlich Kreuz und Auferstehung für Euch? Wie könntet Ihr das, was da vor langer Zeit geschehen ist, ganz kurz für Euch selbst ausreichen beschreiben? Vielleicht gibt der heutige Ostermontag ja auch ein klein wenig Raum dafür, einmal nicht immer nur über die augenblickliche Situation oder über all das, was gerade nicht möglich ist, nachzudenken. Vielleicht nutzen wir einmal die Zeit darüber nachzudenken, an welchen Gott wir glauben, um dann auch wieder neu zu entdecken, wie gut er es mit uns meint und wie nahe er uns gerade auch in schwierigen Zeiten ist! Vielleicht, nein bestimmt stimmt uns das dann auch österlich und fröhlich!

Einen Versuch wäre bestimmt lohnenswert! Euch allen frohe Ostern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Lebendiger Jesus, Herr und Bruder!

Schenke uns die Kraft deines Lebens,

dass wir von der Fülle des Lebens hier schon kosten können.

Auch heute schon, auch in diesen Tagen!

Stärke alle engagierten Menschen,

die sich im Moment voll und ganz einsetzen,

anderen Leben in Fülle zu ermöglichen.

Jesus, wir denken an die Menschen,

denen die gerade jede Lebensfreude verloren haben.

In unserer Hilflosigkeit,

in all unseren eingeschränkten Möglichkeiten

bitten wir dich

dass du sie nicht übersiehst und ihnen nahe bist.

Viele von uns können das nämlich gerade nicht,

geliebten Menschen nahe sein!

 

Wir denken an die Menschen,

die in unseren Familien das Leben lernen,

an unsere Kinder.

Gib, dass wir ihnen in diesen Tagen

lohnende Vorbilder deiner Liebe sein können.

 

Wir denken auch an die Menschen,

die vielleicht in unseren Familien

und überall im Sterben liegen.

Sei du ihnen Licht der Ewigkeit,

so dass sie auch im Sterben in dir Trost finden,

denn wir dürfen ihnen vielleicht gerade

mit unserem Trost nicht nahe sein!

 

Setze du dich Herrn, zu denen,

die sich in Finsternis glauben,

zu all denen, die nun um ihre Arbeit und Existenz fürchten,

zu all denen, die nun wohnungslos, aber nicht würdelos

Orte suchen, an denen sie diese schwere Zeit überstehen!

Erhelle ihnen ihre Finsternis,

sei du ihnen Licht des Lebens, lebendiges Osterlicht.

Und sei es auch für uns!

Wir alle sind in deiner Hand, du hältst uns geborgen.

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

Höre nun, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Zeit für Stille und zum persönlichen Gebet –

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Gottesdienst am Ostermontag abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Botinnen und Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostermontag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

 Rüdiger Dunkel, Pfr. Weiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Ostersonntag, 04. 04. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

 Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn du dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Herr Jesus, lebendiger Christus!

Du bist auferstanden, du hast die Macht des Todes besiegt.

Aber er wütet gerade um uns herum; zeigt sich so stark!

Du hast dem Tode alle Macht genommen.

So beten wir es!

Aber er ist so mächtig in diesen Tagen!

Sieh in unsere Herzen,

schau auf unsere Verzagtheit und unseren Kleinglauben.

All unsere Sorgen und Ängste,

all unsere Unruhe und Traurigkeit

– all das ist dir nicht verborgen!

Lass uns doch deine Barmherzigkeit spüren;

lass uns das neue Leben spüren,

Mach uns stark, mach uns neu, Herr, gib uns Mut!

Lass auch uns geistlich auferstehen,

schon heute!

In der Stille bekennen wir dir,

was als Last auf unserer Seele liegt

und bitten dich um dein Erbarmen!

 

– Raum für persönliche Stille –

 

Guter Gott, wir durften ablegen, was uns belastet!

So lass uns jetzt neu hören,

was die Menschen verkündeten,

als sie das offene Grab begriffen,

als sie verstanden haben,

dass dein Sohn Jesus Christus

für uns gestorben und auferstanden ist,

um uns all unsere Schuld zu nehmen,

um mit uns neu ins Leben zu gehen:

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Und deshalb, guter Gott, werden wir nicht

an der Macht des Todes verzweifeln!

Niemals!

Du lässt es Ostern werden in uns!

Lass dein österliches Licht auch in uns

und auch durch uns für andere scheinen!

Wir vertrauen darauf,

dass du uns neue Kraft und neuen Mut schenkst!

Du machst uns darin gewiss,

dass wir den Schrecken dieser Tage besiegen

und die Freude auf das Leben neu entdecken.

Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Osterevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kap. 16, Verse 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem 2.Buch Mose, Kap 14,8–14.19–23.28–30a; Kap. 15,20f

(auch Predigttext)

8 Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen.

9 Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten.

10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN

11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?

12 Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

13 Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen.

14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie

20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.

22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb.

29 Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.

21 Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

Amen.

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und von Jesus Christus seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ostern habe ich schon immer als so etwas wie Befreiung empfunden. Die Passionszeit ist vorbei. Vorbei die traurigen Gesänge in unseren Kirchen mit den zum Teil nur schwer zu ertragenden Texten. In diesem Jahr haben wir allerdings die wenigsten davon gehört bzw. selbst singen dürfen. An vielen Orten fanden ja keine oder nur sehr wenige Gottesdienste statt – und wenn, dann unter strengen und stumm machenden Auflagen.

Vorbei auch die Fastenzeit, die ich diesmal eingehalten habe, da ich ja sowieso die meiste Zeit zu Hause sitzen musste und die verführerischen Ablenkungen durch Restaurants, Kneipen und Eisdielen ja doch nur sehr vereinzelt anders bis gar nicht möglich waren. Alles eine sehr eigenartige Zeit, bei der ich manchmal – wie wohl andere auch – immer noch irgendwie hoffe, ich wache bald auf, und es war alles nur ein böser Traum! Aber leider – es ist wohl Realität!

Wir feiern in unserer Gemeinde an den Feiertagen – und das nach reiflicher Überlegung und Abwägung – wieder keine präsenten Gottesdienste wie schon im vergangenen Jahr auch nicht. Das tut weh! Richtig weh!

Und doch! Ostern ist immer auch ein Fest der Befreiung. Alles, was uns in der Zeit davor beschwert, ängstigt, runterziehen will, so traurig und stumm gemacht hat – all das wird aufgehoben und verwandelt, in der Liebestat Gottes, an die wir heute denken und die wir heute feiern!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Gott lässt das Leben über den Tod siegen, hebt seinen Sohn aus dem Grab und stellt ihn mit uns neu ins Leben. Und wir dürfen mit ihm auferstehen und auch neu ins Leben gehen!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Davon künden die Lieder, die wir normalerweise singen. Davon erzählen vor allem die biblischen Geschichten von der Auferstehung die heute in der Mitte unserer Gottesdienste, wie immer wir sie auch feiern können, stehen. Genau solch eine Geschichte, eine Auferstehungsgeschichte erwarte ich dann natürlich auch als Predigttext, als Mitte des Gottesdienstes an einem für unsere Christenheit so bedeutsamen Tag unseres Glaubens.

Aber dann schlage ich vor einigen Tagen den Predigttext auf, und was sehe ich dort als den vorgeschlagenen Text? – Ich sehe die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten, und ihre Rettung am Schilfmeer, das sich teilt, sie durchziehen lässt und alle Ägypter in sich begräbt und ertrinken lässt.

Ganz ehrlich – ich habe erst einmal nachgeschaut, ob ich mich im Datum vertan hätte. Dann habe ich geschaut, ob ich überhaupt in den richtigen Kalender schaue. Aber es stimmte alles! Und dann kam einmal wieder mein Kopfschütteln darüber, was in so manchen Theologenhirnen vorgehen muss, wenn sie am ersten fröhlichen Tag nach sieben Wochen ohne – und in diesem Jahr war es ja mit besonders viel „ohne“ -, am ersten Tag, an dem sich die Freude in uns Bahn brechen soll, auch wenn gerade so vieles dagegen spricht, solch einen Predigttext aussuchen, dem wir als alttestamentliche Lesung gerade begegnet sind.

Was soll das? Heute ist Ostern! Halleluja! Was soll da die Geschichte von der Errettung Israels am Schilfmeer und dem Tod der Ägypter darin? Zugegeben, manchmal ärgere ich mich einfach nur! Über den Hochmut mancher Theologinnen und Theologen, in dem sie fröhlich und einfach glaubenden Menschen ihr theologisches Insiderwissen überstülpen möchten. Ich ärgere mich über mich, dass ich mich ärgere und dennoch mitmache. Viel lieber hätte ich über das Evangelium vom leeren Grab unseres heutigen Tagesevangeliums gepredigt.

Jedes Mal, wenn ich mich dann so ärgere, steht mir plötzlich immer wieder mein Predigtlehrer Prof. Dr. Manfred Seitz vor Augen, bei dem ich vor langer Zeit an der Universität von Erlangen lernen durfte, wie man predigen soll. „Wenn Ihnen mal eine Geschichte oder ein Text so gar nichts zu sagen scheint“, hat er uns junge Studentinnen und Studenten gelehrt,  „dann atmen Sie tief ein, kommen Sie zur Ruhe und lesen sie noch einmal. Und dabei suchen sie das eine Wort, den einen Satz, in dem Gott zu Ihnen spricht und von dem er möchte, dass Sie genau das dann auch weitersagen!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Also las ich den Text im 2. Buch Mose noch einmal und fragte mich: Wo ist Ostern? Wo ist Ostern und die frohe Botschaft in dieser alten Geschichte? Und tatsächlich – ich habe ihn für mich gefunden, den Satz, oder sogar besser: die beiden Sätze, in denen Gott zu mir sagte: Frohe Ostern! Gott legt diese Worte dem Mose in den Mund und lässt ihn im Vers 13 sagen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird!“

Fürchtet euch nicht! – Natürlich, es sind die gleichen Worte, die im Evangelium der Auferstehung Jesu Christi der Jüngling im weißen Gewand zu den erschrockenen und sich ängstigenden Frauen am leeren Grab sagt. Nun geht, sagt er zu den Frauen, geht und sagt weiter, was ihr gesehen habt und neu glaubt! Er lebt, ist auferstanden! Geht in all eurem Schrecken, in all eurer Furcht und spürt mit jedem Schritt, wie ihr alle Angst und Furcht ablegt, wie Freude euch erfüllen wird! Teilt sie aus, diese Freude! Geht und sagt es allen Menschen!

Steht fest, sagt Mose vor langer Zeit seinem Volk. Steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird! Er sieht auf eure Angst, eure Schwäche, er kennt eure Hoffnungslosigkeit. All das kennt er; und er verwandelt es. Nicht irgendwann, er tut es heute! Er tut es jetzt! Er tut es, damit aus eurer Angst neue Zuversicht wächst. Er tut es, damit eure Schwäche sich in eure alte und wieder neue Stärke wandelt. Er tut es, damit ihr all eure Hoffnungslosigkeit ablegt und mit neuer Hoffnung, mit neuer Freude und mit neuem Mut euren Weg weitergeht in eine Zukunft, die er, Gott selbst, euch schenkt.

Und dann spüre ich förmlich, wie viele Menschen damals natürlich versuchen, an all das zu glauben; wie viele Menschen versuchen, sich wieder und zum wiederholten Mal aufzuraffen, um ihre eigenen und letzten Kräfte für den weiten Weg zu mobilisieren, aber sie können es irgendwie gerade scheinbar nicht mehr. Ich ahne die Menschen, die versuchen, diese Worte ihr Herz zu lassen, aber es irgendwie nicht mehr zu schaffen scheinen.

Ich sehe all diese Menschen und höre, wie Moses in Vers 14 weiter spricht:

Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Auch Gott sieht auf all diese Menschen vor langer Zeit. Er sieht sie und legt diese Worte in den Mund des Moses.

„Ich weiß“, sagt Gott mit diesen Worten, „ich weiß, ihr könnt nicht mehr! Viele von euch glauben das! Ich sehe es euch an, ihr habt so vieles mitgemacht, musstet so vieles ertragen. Ihr wart tapfer. Ihr habt gelitten! Ihr habt manche Träne geweint, ich habe euer Klagen gehört. Es ging mir ins Ohr und vor allem in mein Herz.

Aber hier ist nicht das Ende. Hier ist nicht das Ziel, das ich für euch habe! Ich führe euch nach Hause, dort wo ihr nicht einfach euer altes Leben wiederfindet. Aber ich führe euch dorthin, wo ihr euer altes Leben neu und anders leben könnt und werdet! Ich weiß, der Weg ist noch weit! Aber was euch beschwert, ich möchte es für euch tragen. Diesmal bereite ich euch den Weg! Selbst durch ein Meer, wenn es sein muss! Ihr braucht nichts sagen! Ihr braucht nichts tun! Nur eines: gehen – gehen müsst ihr selbst! Denn es ist eure Zukunft! Es ist mein Geschenk für euch! Ich braucht nichts sagen, ihr braucht nichts tun! Aber in all eurer Stille vertraut. Vertraut mir und geht! Vertraut den neuen Wegen, auf die ich euch weise! Ihr geht sie nicht allein. Ich gehe sie immer mit euch mit! Seid einfach still und vertraut! Und geht weiter!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, ich schaue auf diesen Ostertag heute! Ich schaue auf das leere Grab! Ich schaue auf das alte Volk Israel da am Schilfmeer. Ich schaue auf Moses und höre Gottes Worte durch seinen Mund. Und sie sprechen durch eine lange Zeit von damals da am Schilfmeer bis heute an diesem Ostermorgen direkt in unsere Herzen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Wie die Menschen damals im alten Volk Israel sind wir doch, oder? Sind wir nicht in den letzten Monaten auch durch eine Wüstenzeit unseres Lebens gegangen? Sind nicht einige von uns scheinbar am Ende ihrer Kräfte und ihrer Geduld? Fragen nicht auch einige von uns, wie lange und wohin das alles noch gehen soll?

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott spricht mit der gleichen Liebe wie damals seine Worte heute zu uns allen. Mit der gleichen Liebe bereitet er auch für uns einen Weg aus allem Unheil. In der gleichen Liebe stellt er heute seinen auferstandenen Sohn Jesus Christus wieder neu an unsere Seite, damit in ihm Gott selbst alle Wege mit uns geht. Und er ist schon auf dem Weg – in eine neue Zukunft für uns. Damit wir alle wieder fest stehen und sehen, was für ein Heil der Herr heute an uns getan hat!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! – Darauf unsere Hoffnung und unser Vertrauen! – Ihnen und euch allen frohe Ostern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Guter Gott in Jesus Christus,

lass Freude in uns wachsen an diesem Ostermorgen!

Auch wenn so vieles uns daran hindern will.

Aber du lebst das muss uns zur Freude werden!

 

Ostern können wir nicht verstehen.

Wir müssen es erfahren, daß du auferstanden bist.

Lass uns diese Erfahrung nicht in Vergangenem suchen.

Denn das Vergangene ist auf einmal so weit weg!

Lass uns diese Ostererfahrung heute suchen und finden,

auch wenn es vielleicht schwierig scheint.

Lass sie uns in der kommenden Zeit suchen,

in der wir Neues leben

und uns neu und anders begegnen werden.

 

So wollen wir dich preisen und bitten dich:

Geh mit uns, wenn uns Zweifel überfallen,

wenn wir meinen, wir hätten kein Ziel.

Geh mit uns, auch wenn wir dich nicht erkennen.

Geh mit uns durch die Nacht unserer Ängste,

führe uns heraus aus dem, was uns bedrängt.

 

Herr, wir wollen fröhlich sein.

Aber sieh auch auf unsere Not!

Da ist so viel Leid in so vielen Familien,

bei so vielen Menschen!

Sei bei allen, die nun trauern,

sei bei allen, die gerade keine Osterfreude spüren können.

Und wenn ich an diesem Osterfest einmal zu ihnen dazugehöre,

dann schau auch auf mich und bleib’ mir nah!

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

 

Öffne unsere Augen und Herzen,

mach es hell in uns mit dem Licht deiner Auferstehung,

damit wir zu Trägerinnen und Trägern deiner frohen Botschaft werden

und Mut und Hoffnung in diese Welt bringen.

Halte uns miteinander verbunden,

auch wenn wir jetzt nicht zusammen sein können.

Schenke du uns die Freude deiner Auferstehung,

heute und in Ewigkeit.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Ostergottesdienst abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostersonntag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Frohe Ostern!

 

Rüdiger Dunkel, Pfr.Weiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Karfreitag, 02. April 2021

Wochenspruch: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gedanken zu Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Du hörst doch mein Rufen, aber ich spüre einfach noch keine Hilfe!

Weißt du, wie oft ich in diesen Tagen zu dir rufe

und auf eine Antwort von dir warte?

Manchmal bete ich sogar nachts zu dir,

weil ich keine Ruhe und keinen Schlaf finde!

Aber du bleibst mein Gott,

selbst wenn du mir in einigen Augenblicken

ganz weit weg zu sein scheinst!

Deshalb werde ich wie Generationen vor mir

auf dich hoffen, auf dich vertrauen!

Du hast deine Freude an ihrer Hoffnung gehabt und ihnen geholfen!

Keiner ihrer Rufe verhallte ungehört!

Jeder Hoffnung ließt du Rettung folgen!

Aber ich fühl’ mich im Moment so klein.

Sähen andere mich jetzt, die mich gut kennen,

sie würden vielleicht sogar den Kopf über mich schütteln

–  über meine Verzagtheit und meinen Kleinglauben!

Bring deine Klage vor Gott, sagt jemand zu mir.

Hoffe auf ihn und bitte ihn!

Deshalb, Herr, höre meine Bitte!

Lass mich deine Nähe spüren, die alle Angst vertreibt!

Schau auf meine ganze Mutlosigkeit,

ich fühle mich schwach, ich habe bald keine Worte mehr!

Lass Krankheit und Tod an mir vorüber gehen!

Lass mich einfach nur deine Nähe spüren!

Du bist meine Stärke,

damit auch ich wieder stark sein kann!

Hilf mir, guter Gott! Hilf!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater,

Deinen Sohn gibst du in den Tod – für uns

als Zeichen deiner Liebe;

einer Liebe, die selbst durch den Tod hindurch neues Leben verheißt.

Wie gern würden wir dein uns allen hinterlassenes Zeichen,

deinen Sohn in Brot und Wein, heute teilen,

aber wir können es nicht!

Wie gern würden wir unsere Schuld jetzt vor den Altar bringen,

all unsere Bitten um Vergebung,

unser großes Sehnen nach Gemeinschaft mit dir!

Wie gern würden wir spüren,

wie du in uns kommst und in uns lebst

– spürbar durch Brot und Wein

Aber wir sind still, schweigen vor dir,

um alles, was uns auf der Seele liegt,

vor dich zu bringen und ablegen zu dürfen.

Vieles an Gemeinschaft ist uns erschwert,

vieles ist nur schwer auszuhalten!

Aber wir sind vor dir!

Und wir können dich bitten:

Höre, Herr, was ich dir in der Stille nun anvertraue!

 

– Raum für einen Moment persönlicher Stille –

 

All unsere Schuld, all unsere Sorge,

alles, was uns ängstet und beschweren will,

es ist aufgehoben bei dir.

Wir alle sind bei dir geborgen.

Wir alle dürfen in deiner Liebe leben.

Einer Liebe, von der wir wissen:

 

Also hat Gott die Welt geliebt,

daß er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf daß alle, die an ihn glauben,

nicht verloren werden,

sondern das ewige Leben haben.

 

Und nun lass uns befreit an dich denken, Jesus Christus!

Ohnmächtig und verachtet hängst du am Kreuz.

Lass uns dich und dein Kreuz neu sehen lernen

als Zeichen einer neuen Welt,

als Zeichen deiner Gerechtigkeit und Liebe,

als Zeichen der Hoffnung für alle.

Mit allen, mit denen wir uns nun

in deiner Gemeinschaft verbunden wissen dürfen,

bitten wir dich darum, Jesus Christus,

der du mit deinem Vater und dem heiligen Geist

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Amen.

 

– Wir werden still vor dem Kreuz Jesu –

 

Glaubensbekenntnis

In aller Stille bekennen nun jede und jeder für sich und vor Gott wir doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 52,13-15 und Kap. 53,1-12

(auch Predigttext)

13 Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.

14 Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –,

15 so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.

1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?

2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war.

9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.

11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Dieses Predigtwort aus dem Jesajabuch ist eine der eindrücklichsten Aussagen, die wir in der Heiligen Schrift vorfinden. Es hat viele Menschen angeregt, über ihr Leben nachzudenken, dem Sinn des Todes und des Leides nachzusinnen; und es hat viele Menschen auf den verwiesen, an dessen Tod wir heute denken. Jesus Christus ist in diesem prophetischen Wort nicht erwähnt. Dennoch spüren wir natürlich darin einen Hinweis auf den Sohn Gottes, der zum Erlöser für die Menschheit wurde. Ich denke, dies geschieht deshalb, weil das Wort Jesajas in seiner ganzen Dichte dazu einlädt, unser eigenes Leben im Spiegel dieser Worte zu erblicken. Karfreitag ist dazu der rechte Ort, denn er lässt uns nacherleben, wie es vor langer Zeit  den Jüngern gegangen sein mag.

Da war dieser Jesus aus Nazareth mit seiner unglaublichen Botschaft, dieser Mensch, von dem offensichtlich so viel Wärme und Liebe ausging, dass er fähig war, neue Hoffnung in den Herzen der Menschen zu entfachen, ihnen neuen Lebensmut zu geben und ihnen einen unerhörte Botschaft zu verkündigen: Gott, der Vater im Himmel wendet sich euch in Liebe zu!

An diesen Menschen Jesus haben sie neu geglaubt, sind ihm nachgefolgt, haben gesehen, zu was er fähig war. In ihm erhofften sie sich eine neue Welt, die noch zu ihren Lebzeiten anbrechen würde.

Aber dann kam dieser Tag, dieser Karfreitag aber, den wir heute bedenken, und es war alles vorbei! Tod und Kreuzigung, eine schmähliche Niederlage in den Augen der Feinde, Hohn und Spott über die, die an ihn geglaubt hatten. Angst und Furcht vor Verfolgung und Nachstellungen. Jesus war ihnen genommen worden und mit ihm ein Stück ihres neuen Lebens: der Glaube, die Liebe und die Hoffnung – alles war wie erstarrt.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Liturgie ist am Karfreitag immer besonders still. Gesänge verstummen, keine Antwortgesänge, mit denen wir Gott loben. In diesem Jahr natürlich auch aus ganz anderen Gründen nicht! Die Altäre in den Kirchen sind  nicht geschmückt wie sonst, auch in den Kirchen scheint vieles heute wie erstarrt.

In diesem Augenblick des Karfreitags sind wir selbst hier vor dem Kreuz, irgendwie auch besonders auf uns alleine gestellt. Wir werden konfrontiert mit dem, was wir eigentlich sind. Denn wofür steht denn das Kreuz, an das er für uns geschlagen wurde?

Es steht nicht für unsere Leidverliebtheit – das Christentum kennt in seinem Wesen keine Leidverherrlichung, sondern es steht für die Konfrontation mit unserem Wesen: es sagt uns: das seid ihr – auch ihr gehört zu denen, die es gerufen haben „Ans Kreuz mit ihm“. „Halleluja“ könnt ihr rufen, wenn ihr Gott euch wohlgesonnen nahe fühlt. Ihn verleugnen könnt ihr wie Petrus, wenn ihr euch bekennen müsstet. Vor dem Kreuz verdrückt ihr euch schließlich so gern wie die anderen, die damals nur mitgezogen waren, um ein Spektakel zu erleben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gäbe es nur Karfreitag und nur das Kreuz, wir gingen zugrunde. Wir könnten nicht bestehen, sondern müssten uns verstecken vor der grausamen Wahrheit, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Wir würden zu Zynikern, die das Leben verachten. Deswegen weist das Kreuz auch heute schon, auch in der Stunde seines Todes schon auf Ostern hin. Aber das Kreuz nimmt Ostern eben nicht einfach vorweg. Bis Ostern sind es noch drei Tage, drei Tage, in denen wir auch mit unserer eigenen Finsternis konfrontiert werden sollen.

Jesaja schreibt: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jes 53,6)

Da ist der Missbrauch des Namens Gottes, dem diese Welt seit langen unwidersprochen zuschaut.

Es ist die vermessene und maßlose Aufteilung der Welt in Gut und Böse, in richtig und falsch, in christlich und unchristlich, die Schundluder treibt mit dem Wort des lebendigen Gottes, einem Gott, der sich solidarisch erklärt hat mit den Armen und den Schwachen.

Es ist die gefährliche Verwechslung einer Kultur-Idee mit dem Gottesreich, welches Staaten und Staatenlenker zu gefährlichen Agitatoren macht, Kriege entstehen lässt und im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand malt.

An die Stelle des Nachdenkens über eigene Schwächen und Fehler wird der Glaube an Leistung, an wirtschaftliche Macht, ja an ein Übermenschentum propagiert, der jeder Verwendung des Namens Christi Hohn spricht, und der bei vielen von uns gerade so erschüttert wird, weil das Leben in diesen Zeiten so ganz anders verläuft als wir es gewohnt sind.

Jesaja schreibt: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg.“ (Jes 53,3)

Da ist traurigerweise die Tradition der Ablehnung zwischen Gemeinschaften, die doch nahe beieinander liegen. Wie Kain und Abel als Brüder miteinander leben sollten und sich doch gegeneinander abgrenzten bis zum Tode. Anstatt vorwärts zu blicken und zu sehen, wo Gemeinschaft tragen kann, wird rückwärts gewandt gehetzt und der Same der Verachtung schon wieder früh und erschreckend unter uns gelegt.

Wie sehr bejubeln wir alle ehrlicherweise z.B., wenn wir in unseren Kirchen, vor allem in den Gemeinden vor Ort ökumenische Erfolge sehen und ein Miteinander spüren. Wie sehr formieren sich aber die wirklich vermeintlich Mächtigen in allen Kirchen, um das je Eigene zu schützen und zu verteidigen, solange es eben geht.

Oder wie kommt es, dass Kinder so oft den Hass und die Vorurteile der Alten oder Erwachsenen übernehmen? Wer trägt die Verantwortung: die Alten, die diese böse Tradition pflegen wie eine alte Erinnerung an einen verlorenen Krieg? Manche Erwachsene, die sie übernommen haben und neu pflegen und hoffähig machen?  Die Jungen, weil ihnen die Scheuklappen vor den Augen die Wahrnehmung ihrer Umgebung leichter macht?

Jesaja spricht: „Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.“ (Jes 53,9)

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich weiß, all das ist schwer zu hören, noch schwerer anzunehmen. Dennoch: Karfreitag zwingt uns dazu. Wir haben dieser Tage nicht das Recht, auf Ostern hinzuweisen und einfach darüber hinweg zu gehen – über das Dunkel von Karfreitag. Österlich geschmückte Fenster und Vorgärten – schon in den vergangenen Tagen und Wochen. Ich gönne es allen, die es getan haben. Vielleicht sind sie in diesem Jahr ja auch ein besonderes Hoffnungszeichen in schwierigen Zeiten! Wie gesagt, es sei von Herzen gegönnt!

Aber sind sie nicht letztendlich auch ein Indiz dafür, dass wir uns dem Leiden Christi eben nicht stellen wollen, dass wir unserem eigenen Leiden, unserer eigenen Schuld und Sünde eben nicht standhalten können oder wollen. Wie schön wäre es, wenn wir mit dem österlichen Halleluja auf den Lippen am Ostermorgen auf die Straßen laufen würden und unsere kleine Welt in bunten Farben schmücken. Gegen alles, was uns bedrohen will und für die Hoffnung, dass Gott in Christus alles neu macht – auch für uns. Die Osterzeit beginnt erst in der Frühe mit einem leeren Grab. Freilich wird uns allerhand angeboten, um nicht in den kirchlichen Rhythmus eintauchen zu müssen. Studiert nur einmal das Fernsehprogramm: dort finden Ihr genügend Ablenkung, um über Karfreitag nicht nachdenken zu müssen. Und dennoch oder gerade trotzdem: es ist die schreckliche Zeit der Ungewissheit, die kaum auszuhaltende Konfrontation mit unseren dunklen Seiten, die wir uns auch hier und in den Kirchen stellen müssen. Wir sollten sie auch sehen und bedenken.

Wie wäre es eigentlich gewesen, wenn wirklich mit dem Kreuz alles aus gewesen wäre? – Für mich unvorstellbar, dieser Tag wäre niemals gefeiert worden!

Aber wir sind doch heute vor Gott, weil wir eben spüren wollen, dass wir alle nichts wären ohne den gekreuzigten und auferstehenden Christus.

Wir sind dich heute auch vor Gott, weil wir spüren, wie allein wir wären, wäre Christus nicht mit uns.

Was bleibt uns eigentlich, liebe Schwestern und Brüder?

Nun, es bleibt die Gewissheit, dass Christus für uns gestorben ist und dass er für uns auferstehen wird, damit auch wir neu ins Leben gehen können! Wir als Christinnen und Christen haben in dieser Welt einen entscheidenden Vorteil: wir wissen Bescheid über unsere eigene Finsternis, wir wissen Bescheid über die Zerrissenheit der Welt, wir wissen Bescheid über die Schmerzen, die wir automatisch mit unserer Person auch anderen Menschen zufügen können. Deswegen bleiben wir angewiesen auf  Hilfe und Trost, einen Trost nämlich, der uns zusichert: es wird euch Gerechtigkeit geschaffen werden, eure Sünden werden getragen werden!

Aber weil diese Gewissheit in uns immer irgendwie unsicher bleibt, weil sie in uns immer wieder ins Wanken gerät, weil wir unseren Glauben immer auch in Anfechtung leben und er oft ins Wanken gerät,  legt Gott uns Worte und Glauben immer wieder neu ins Herz; auch wenn er uns heute durch den Propheten daran erinnert, was für seinen Sohn und uns unverbrüchlich gilt:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4.5)

In diesem Glauben, liebe Schwestern und Brüder, können wir diesem Karfreitag begegnen, ihn aushalten und auch schon als den Beginn des neues Lebens erahnen, den Gott mit uns gehen will. Darauf unsere Hoffnung. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Fürbittgebet:

Herr, Jesus Christus, auch ich stehe unter deinem Kreuz!

Du gehst den Weg des Opfers und des Leidens!

Sei auch in meinem Leid, in meiner Sorge!

Rette mich, mach mich frei von allem,

was mir das Herz schwer macht!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und sehe die Bosheit dieser Welt!

Lass mich nicht abseits stehen, sondern immer in deiner Nähe!

Schau auf das Leid, schau auf mein und auf fremdes Leid!

Ich will es nicht verdrängen oder überspielen.

hilf mir, es ebenfalls anzunehmen und zu tragen!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne,

wie du für mich einstehst und mir hilfst.

Auf dem Weg, zu denen, die leiden,

zu denen, die sich gering und verachtet fühlen,

zu denen, die in ihrem Leben scheitern,

zu denen, die ich so oft übersehe –

auf diesem Weg möchte ich dir folgen.

Nimm mich in deinen Dienst,

mit all meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten,

auch wenn sie in diesen Tagen so sehr eingeschränkt sind.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne deine Barmherzigkeit!

Du trägst, was ich nicht tragen kann!

Du willst, dass ich wieder aufatmen kann,

dass ich wieder als freier Mensch leben kann.

Du willst, dass ich von deiner Barmherzigkeit,

die ich in diesen Tagen deiner Bewahrung erfahren darf,

weitergeben kann an all die Menschen,

denen ich hoffentlich dann auch wieder begegnen werde!

Und dann werden wir all unser Gerede übereinander lassen,

und Worte der Zuneigung, der Liebe

und der Freundlichkeit neu füreinander finden.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Euch allen einen gesegneten Karfreitag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

 

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zu Gründonnerstag, 01. April 2021

Wochenspruch: Er hat ein Gedächtnis gestiftet seiner Wunder, der gnädige und barmherzige HERR. (Ps 111,4)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 111 in meinen Worten und Gedanken

Halleluja! Guter Gott, ich möchte dir Dank sagen,

für alle und mit allen, die jetzt hier mitlesen.

Gemeinsam erinnern wir uns daran, was du alles für uns tust,

auch und gerade jetzt in dieser Zeit!

Wir denken daran, und es schenkt uns Mut und neue Freude!

Du hast alles wunderbar gemacht,

in der Schöpfung sehen wir deine ganze Pracht!

Wie oft dürfen wir uns daran freuen

und auch das Wunderbare darin wieder erkennen!

Du schenkst, was wir für unser Leben brauchen.

Du hältst dein Versprechen, immer bei uns zu sein,

gerade auch jetzt in diesen Tagen.

So viele erzählen gerade auf ganz verschiedene Weisen

von dir und deiner Nähe;

wir werden es nicht vergessen, sondern uns bewahren.

Viele helfende und zupackende Hände

künden gerade von der Wahrheit deiner Nähe,

sie tun, was du uns als Gebot deiner Liebe ins Herz gelegt hast.

Und dieses Gebot deiner Liebe galt gestern,

es trägt heute und wir werden morgen daraus leben;

dein Heil für uns erkennen wir darin.

Und doch bitten wir:

Sende uns doch die Erlösung aus der Bedrängnis dieser Zeit,

schenke uns Geduld und immer wieder neue Hoffnung darauf.

Dein Versprechen, dein Bund mit uns gilt,

auch durch alle schweren Zeiten.

Dein Name bleibt in meinem Herzen geheiligt!

Das Vertrauen, dass du mir nahe bleibst,

ist der Beginn meiner Zuversicht und meiner Hoffnung,

wenn ich nach vorne schaue.

Sei auch bei allen anderen,

dass sie es ebenso spüren und mit mir dich loben.

Heute und in der Zukunft, die du uns allen schenkst!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar,

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Wir beten:

Jesus Christus, Sohn Gottes,

von Anfang an hast du Menschen an deinem Tisch zusammengerufen.

Manchmal waren wir mit unseren Meinungen ganz weit auseinander.

Manchmal traten wir sogar zerstritten vor dich.

Und doch, du liebst uns alle.

Du weißt, manchmal hat in unserem Leben

so vieles zwischen uns und dir gestanden,

andere Dinge waren uns viel wichtiger.

Wie gern säßen wir jetzt alle, so wie wir sind,

verschieden und doch von dir geliebt,

gemeinsam an deinem Tisch.

Nun sitze ich vielleicht allein an meinem Tisch

und bete in der Stille zu dir.

Herr, höre mein Gebet in der Stille

und erbarme dich meiner!

 

– Kurze Stille zum persönlichen Gebet –

 

Und in meine Stille und mein Bitten

höre ich, dass mich nichts von deiner Liebe trennen kann,

egal wo ich gerade sitze und an dich denke.

Ich lese und höre, wie du mir ins Herz sprichst:

 

Ich bin der Weinstock und ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

 

Jesus Christus, darauf vertraue ich

und deshalb gehe ich mit dir in den Abend dieses Tages,

an dem du verraten wurdest.

Du nahmst unsere Schuld auf dich,

damit wir niemals verzweifeln.

Du gingst für uns in den Tod, damit wir leben.

Dafür danke ich und danken wir alle dir,

Jesus Christus,

der du mit Gott, deinem Vater,

und dem heiligen Geist lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 11, die Verse 23-26

23 Denn ich habe von dem Herrn empfangen, was ich euch weitergegeben habe: Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward, nahm er das Brot,

24 dankte und brach’s und sprach: Das ist mein Leib für euch; das tut zu meinem Gedächtnis.

25 Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.

26 Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium 26, 17-30

17 Aber am ersten Tag der Ungesäuerten Brote traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wo willst du, dass wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?

18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passamahl halten mit meinen Jüngern.

19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und bereiteten das Passalamm.

20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.

21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an, jeder einzeln zu ihm zu sagen: Herr, bin ich’s?

23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.

24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.

25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Bin ich’s, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.

26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot, dankte und brach’s und gab’s den Jüngern und sprach: Nehmet, esset; das ist mein Leib.

27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen den und sprach: Trinket alle daraus;

28 das ist mein Blut des Bundes, das vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.

29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken bis an den Tag, an dem ich aufs Neue davon trinken werde mit euch in meines Vaters Reich.

30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade des Herrn, unseres Gottes, sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hätte es niemals für möglich gehalten, in Situationen zu kommen, in denen wir nicht einfach im Kreis nebeneinander um einen Altar stehen können, Brot und Wein weiterreichen, von einem Teller essen, aus einem Kelch trinken und uns die Hände reichen. Das war alles so selbstverständlich. Nun erlebe ich mit vielen anderen, dass dies genau an dem Abend, an dem das gemeinsame Abendmahl im Mittelpunkt aller gottesdienstlichen Lieder, Gebet und Geschichten steht, schon zum zweiten Mal nicht möglich ist, nämlich das Abendmahl in einer solch vertrauten Runde zu feiern. Nein, das hätte ich nicht für möglich gehalten. Was bleibt denn dann – jetzt und hier oder wo auch immer Sie jetzt gerade meine Gedanken mitlesen?

In jedem Abendmahl erinnern wir uns daran, was Jesus uns eben auch hinterlassen wollte. Hinterlassen wollte, damit wir z.B. auch schwierige Zeiten durchstehen und ihn nahe bei uns spüren sollten. Heute können wir diese Erinnerung nicht einfach schmecken und feiern. Heute können wir sie nur im Herzen tragen. Und uns eben darauf verlassen, dass Gott dennoch immer und unverbrüchlich in uns lebt und mit uns geht.

An diesem Tag, an diesem Abend des Gründonnerstages erinnern wir uns daran, wie wichtig es Jesus war, mit anderen das Mahl zu feiern und Gemeinschaft für alle sichtbar, erlebbar und schmeckbar zu machen. Viele Geschichten erzählen in besonderer Weise davon.

Da ist die Geschichte vom großen Gastmahl. Einer wollte ein großes Fest machen; so nach und nach ließen sich alle entschuldigen. Jeder hatte Gründe, um fernzubleiben. Da ließ der Gastgeber alle rein holen, die nicht eingeladen waren, die sich unwürdig fühlten, die niemand jemals eingeladen hätte. Und dann feierten sie eben. Was ist uns an dieser Geschichte wichtig, was fällt uns ein? Nun, ich denke darüber nach, wie traurig wohl der Gastgeber gewesen sein musste. Wir kennen das selbst ja auch. Einige, die hier jetzt mitlesen, haben bestimmt schon ‘mal ein Fest ausgerichtet und waren dann über Absagen enttäuscht. Heute wäre man froh über jede erlaubte und mögliche Zusage!

Ob jemand von uns dann einfach rausgegangen wäre, um die, die zufällig erreichbar waren, hereinzuholen, wage ich zu bezweifeln. Und dann erinnere ich mich als Pfarrer daran, wie eindringlich ich vor jedem Abendmahl, das wir in unserer Kirche gefeiert haben, immer versuche, dieses Mahl als Einladung Gottes zu verkünden. Und doch,  es bleiben immer einige sitzen, es gehen fast niemals alle. Dabei sind doch gerade immer von Gott her auch alle eingeladen – jede und jeder, ohne Unterschied. Eben, weil Gott selbst an diesem Tisch lädt. Wir sind ihm wichtig, er will sich mit uns teilen, will uns nahe sein. Und doch, es gibt immer auch diejenigen unter uns, die meinen, gute Gründe dafür zu haben, dieser Einladung nicht zu folgen. Aber eines gilt eben immer: wenn wir auch die Einladung ausschlagen, Gott hat uns alle zuerst einmal eingeladen. Er würde sich sehr freuen, wenn diese Einladung nicht ausgeschlagen würde. Gerade diejenigen, die Mühe mit diesem Abendmahl haben, sie sind geladen, von Gott eingeladen.

Es gibt eine andere Geschichte, die mich sehr geprägt hat. Es ist die Geschichte vom vermeintlich verlorenen Sohn. Von dem Sohn, der fortgeht, sein ganzes Erbe verprasst, der dann nach Hause kommt, wo ihn sein Vater mit offenen Armen empfängt und ein großes Mahl ausrichten lässt. Warum eigentlich dieses Fest mit den vielen Leuten? Nun, seine Freude wollte der Vater ausdrücken. Mehr noch: ein sichtbares Zeichen wollte er setzen. Ein Zeichen, dass sein Sohn von nun an wieder zu der Gemeinschaft der Freunde und Bekannten gehört, ja dass er, auch wenn er fort war, aus dieser Gemeinschaft eigentlich niemals herausgefallen war. So setzt dieser Vater ein deutliches Zeichen, dass er dem Sohn vergeben hatte, wie groß seine Schuld auch war. Wenn auch der Bruder damit nicht einverstanden war, der Vater setzte die Gemeinschaft, die Liebe und die Vergebung über alles. Genau das feiern wir heute ungebrochen, wenn wir eben gemeinsam feiern können. Wir feiern die Liebe Gottes, feiern seinen Ruf in die Gemeinschaft und freuen uns, dass Gott uns spürbar vergibt, was zwischen uns und ihm steht. Genau dazu sind eben alle eingeladen. Aber genau das jetzt nicht so vertraut gemeinsam feiern zu können, das macht unendlich traurig. Wie gut aber, dass uns die Erinnerung daran ins Herz gelegt ist. Sie hält in uns die Hoffnung und die Vorfreude wach auf die zeit, in der wir es wieder unbeschwert tun werden.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Natürlich gehört an diesem Abend auch das Erinnern an eine ganz besondere Liebestat Jesu zu unserem erinnern. Der Apostel Paulus erinnert uns in der Epistellesung daran. Und wir konnten es etwas weiter oben auch im Evangelium für diesen Tag, für diesen besonderen Abend in unserem Kirchenjahr nachlesen.

Es ist die Geschichte vom letzten, besser gesagt: vom ersten Abendmahl, schließlich feiern wir es seitdem bis heute – fast ungebrochen. Diese Geschichte bündelt all unser Erinnern noch einmal. „Ich will das Passamahl halten mit meinen Jüngern!“ (V.18) sagt Jesus selbst. Und genau das wollen wir nicht vergessen: Jesus selbst will es! Mit uns! Und dann kommt die Szene, die mich schon immer – seit ich als Kind diese Geschichte  kennengelernt habe – am meisten beeindruckt. „Der die Hand mit mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten!“ (V.23)  sagt Jesus. Er beginnt diesen eigentlich schönen Abend mit einem Paukenschlag. Er gibt auch zu erkennen, dass er natürlich weiß, dass dieser Verräter nur dabei hilft, die Schrift zu erfüllen. Ja, er weiß sogar, wie es mit ihm enden wird. Auch das sagt er. (V.24) Die Stimmung ist auf einmal weg. Jeder spürt es: „Ich könnte es sei, denn ich hab’ Schwächen, hab’ Fehler, bin ich es?“ Jeder fragt so. Auch der Judas. „Ja, du sagst es!“ (V.25) Jetzt höre ich förmlich, wie all die anderen Jünger kurz durchatmen, weil sie froh sind, dass ihnen diese Rolle nicht zufällt; und dann könnte ich mir gut vorstellen, wie sie nach dem ersten Schreck wütend werden. „Raus mit dem Kerl, hau ab, Judas! Mit dem wollen wir nichts mehr zu tun haben! “Bin ich’s, Rabbi? (V.25) fragt dieser Judas. „Ja, du sagst es!“ (V.25)

Mich hat dann schon immer fasziniert, wie diese Geschichte weitergeht. Nun, sie aßen gemeinsam. Jesus nahm das Brot, dankte brach es und gab es ihnen. Jesus beginnt nach diesem großen Schreck für alle mit dem, was uns als Abendmahl überliefert ist. Er schickt den Judas nicht weg. Er isst mit ihm. Er bietet ihm das Mahl an, er teilt Brot und das Gewächs des Weinstocks mit ihm. Könnte es sein, daß Jesus im Abendmahl eben noch mehr ausdrücken will, als seine Nähe zu uns Menschen, als seine Gemeinschaft, die er uns anbietet? Wenn wir auch dem Judas vielleicht nie hätten vergeben können, es vielleicht heute noch nicht tun, Jesus hat es schon damals – an diesem Tisch – zeigen wollen. Liegt in seiner Geste nicht eben doch alle Vergebung und der Neubeginn jeder Versöhnung? „Ja, du sagst es!“ (V.25) antwortet Jesus auf die Frage des Judas. Dann fällt kein böses Wort mehr, es folgt das gemeinsame Mahl, mit Judas und allen anderen. Und deshalb, wenn wir uns eben an dieses Abendmahl erinnern, erinnern wir immer auch  daran, wie groß Gottes Liebe zu uns ist. In der Gemeinschaft, in die er uns ruft und die er selber stiftet, da spüren wir seine Nähe und Liebe, seinen Willen zur Vergebung und zur Versöhnung.

Liebe Schwester und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir feiern also viel mehr, wenn wir bei einem Abendmahl zusammenkommen können, als das Erinnern an diesen Abend des ersten Gründonnerstages. Wir feiern die Liebe Gottes, die er zu uns hat. Wir hören seinen Ruf zur Vergebung und zur Versöhnung, weil er selbst uns vergibt und mit sich selbst versöhnt. Ich spüre förmlich, wie er uns heute anschaut und uns genau dazu auch ermahnen will.

In einer Zeit, die sehr schwierig für uns alle ist, höre ich wie Gott selbst uns dazu rufen will:

Hört doch endlich auf, euch gegenseitig schlecht zu machen. Ihr braucht voreinander nicht prahlen, mit dem, was ihr habt und vermeintlich besser wisst. Ihr braucht nicht zu neiden, was andere vielleicht mehr haben. Werft euch eure Herkunft nicht vor. Hört auf immer gleich draufzuschlagen. Lasst doch endlich das verächtliche Reden übereinander. Warum seid ihr so hart gegen euch selbst geworden? Die Gräben zwischen euch werden immer größer. Es wird kälter zwischen euch. Denkt daran, Zukunft werdet ihr nur haben, lebenswerte Zukunft wenn ihr auch wieder lebt, woran ihr euch erinnert, zum Beispiel an diesem Tag, an diesem Abend. Nämlich an die Gemeinschaft, in die ich euch rufe – selbst wenn sie vielleicht gerade nicht sichtbar gefeiert werden kann! Es ist eine Gemeinschaft, in der ihr eure Vorurteile voreinander endlich fallen lasst, eine Gemeinschaft, in der ihr merkt, dass ihr eben nicht immer nur die Starke, den Starken spielen müsst, weil andere immer auch eure Schwächen sehen; eine Gemeinschaft, in der ihr euch auf andere wieder verlassen könnt, weil sie sich auf euch verlassen können. Eine Gemeinschaft, die uns unaufhörlich daran erinnert, dass wir alle, ob das der einen oder dem anderen passt, dass wir alle gerufen sind als Brüder und Schwestern miteinander zu leben. So will ich es, Gott selbst – für euch!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Genau deshalb, weil Gott das alles für uns will und es Jesus uns in einem einfachen Zeichen hinterlassen hat, wollen wir weder das Abendmahl, noch die Erinnerung daran jemals verhöhnen, gering achten oder verblassen lassen. Auch wenn wir es heute vielleicht nicht überall feiern können und nicht feiern werden, bleibt die Einladung Gottes in Jesus Christus offen und bestehen, bleibt sein Wille zur Versöhnung und Vergebung in uns gelegt, bleibt seine Liebe ungebrochen! Gott will in uns wohnen und mit uns leben! Er tut es in Brot und Wein. Ja, er tut es sogar in der Erinnerung daran. Er tut es, weil er uns zuerst geliebt hat. Und diese Liebe bleibt! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Wir sind dir dankbar, guter Gott und Vater,

dass deine Liebe auf dieser Erde Spuren hinterlässt.

Wir danken dir für die Menschen, die dem Beispiel Jesu folgen

und uns – oft unerwartet – so viel Liebe schenken.

Wir danken dir für jeden Menschen, der in dieser Welt

selbstverständlich die Schürze anzieht und dient.

Wir bitten dich für deine Kirche in der Welt,

dass sie nicht dient, um zu herrschen,

auch nicht dienert aus Angst vor Herrschern,

sondern dass sie – deiner Liebe gewiss –

eindeutig ist, wenn sie redet, und mutig, wenn sie handelt.

Aber nun Herr, schau auch auf uns.

Schau auf all unsere Sorgen und Nöte.

Schau auf das viele,

das uns unser Herz schwer macht in diesen Tagen.

Und dann beschenke uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen schönen und gesegneten Gründonnerstag!

Kommt alle gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.Weiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Judika, 21. 03. 2021

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Judika, 21. 03. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele. (Mt 20,28)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 43

1 Schaffe mir Recht, Gott, / und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten!

2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt?

3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung,

4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, / zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott.

5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott und Vater!

Wenn es um unsere Leistungen geht, dann schwanken wir:

zwischen Rechthaberei und Unsicherheit,

zwischen stolzem Selbstbewusstsein und Ängstlichkeit.

Gern drängen wir uns nach vorn und stoßen andere so zurück.

Unsere eigene Schwäche wollen wir damit überdecken.

Doch du, Herr, siehst in unser Herz.

Du weißt, was uns wirklich bewegt.

Wenn wir immer wieder auch an dir, Herr, zweifeln,

dann hilf unserem Kleinglauben.

So komm, Herr, und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott spricht uns seine Gnade zu,

so verkündet es der Prophet Jesaja:

Es sollen wohl Berge fallen und Hügel hinfallen,

aber meine Gnade soll nicht von dir weichen

und der Bund meines Friedens soll nicht hinfallen.

 

Gott in Christus,

du bist durch Leiden, Angst und Verzweiflung

zum Kreuz gegangen.

Du hast mit deinem Sterben besiegt,

was uns besiegen will.

Gib uns Mut und Kraft,

uns deiner Macht anzuvertrauen,

damit über uns nicht mächtig werde,

was dir unterlegen ist.

Das bitten wir dich,

der du dreieinig lebst und regierst

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 10, Verse 35-45:

35 Da gingen zu ihm Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, und sprachen zu ihm: Meister, wir wollen, dass du für uns tust, was wir dich bitten werden.

36 Er sprach zu ihnen: Was wollt ihr, dass ich für euch tue?

37 Sie sprachen zu ihm: Gib uns, dass wir sitzen einer zu deiner Rechten und einer zu deiner Linken in deiner Herrlichkeit.

38 Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr wisst nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder euch taufen lassen mit der Taufe, mit der ich getauft werde?

39 Sie sprachen zu ihm: Ja, das können wir. Jesus aber sprach zu ihnen: Ihr werdet zwar den Kelch trinken, den ich trinke, und getauft werden mit der Taufe, mit der ich getauft werde;

40 zu sitzen aber zu meiner Rechten oder zu meiner Linken, das zu geben steht mir nicht zu, sondern das wird denen zuteil, für die es bestimmt ist.

41 Und als das die Zehn hörten, wurden sie unwillig über Jakobus und Johannes.

42 Da rief Jesus sie zu sich und sprach zu ihnen: Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.

43 Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;

44 und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.

45 Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Hiob, Kap. 19, 19-27

(auch Predigttext)

19 Alle meine Getreuen verabscheuen mich, und die ich lieb hatte, haben sich gegen mich gewandt.

20 Mein Gebein hängt nur noch an Haut und Fleisch, und nur das nackte Leben brachte ich davon.

21 Erbarmt euch über mich, erbarmt euch, ihr meine Freunde; denn die Hand Gottes hat mich getroffen!

22 Warum verfolgt ihr mich wie Gott und könnt nicht satt werden von meinem Fleisch?

23 Ach dass meine Reden aufgeschrieben würden! Ach dass sie aufgezeichnet würden als Inschrift,

24 mit einem eisernen Griffel und mit Blei für immer in einen Felsen gehauen!

25 Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt, und als der Letzte wird er über dem Staub sich erheben.

26 Nachdem meine Haut noch so zerschlagen ist, werde ich doch ohne mein Fleisch Gott sehen.

27 Ich selbst werde ihn sehen, meine Augen werden ihn schauen und kein Fremder. Danach sehnt sich mein Herz in meiner Brust.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Hiob hatte es ja wirklich nicht leicht. Er glaubt sich von Gott auf die Probe gestellt. Und wohl nicht nur wegen seines Glaubens. Nach und nach verliert er alles – seine Kinder, seinen Besitz und Wohlstand und zum Schluss auch noch seine Gesundheit. Allzu verständlich ist es deshalb, dass er Gott anklagt, ihn nicht mehr versteht und natürlich fragt, warum Gott ihm das alles zumutet.

Aber in all seinem Leid hat sich Hiob irgendwie doch eines bewahrt. Er weiß um seine Unschuld! Freunde wollen ihm einreden, dass sein Schicksal mit seinem Tun davor zusammenhängt. Aber Hiob weiß es innerlich anders. Da ist etwas, das unerschütterlich in ihm zu sein scheint, auch wenn äußerlich alles dagegen spricht. Vielleicht ist dieser Hiob mir deshalb manchmal so nah! Und wohl nicht nur mir.

In der alttestamentlichen Lesung etwas weiter oben kurz vor dieser Predigt wird dieses – wie ich finde – wunderbar deutlich. Hiob scheint wieder einmal ganz unten zu sein. Auch dieses Gefühl ist vielen von uns zu manchen Zeiten des eigenen Lebens nicht fremd. Auch nicht, was er da gerade beklagte.

Er erinnert sich an seine Freude, an seine Begleiter. Menschen, die ihm wichtig waren und denen er vertraut hatte. Er scheint sie verloren zu haben, sie scheinen sich verändert zu haben. Er empfindet sie plötzlich als Bedrohung. Vielleicht ja auch, weil sie zu viel von ihm wissen, vielleicht weil er selbst zu gutgläubig war und sich nun ausgenutzt fühlt. Und ebenso vielleicht merken ja einige gerade, während sie diesen Gedanken lesen, dass er ihnen selbst auch nicht fremd ist.

Ich bin nur noch Haut und Knochen, sagt Hiob über sich selbst. Er betrachtet sich selbst und merkt, wie schlecht er aussieht, wie schwach er sich fühlt. Alle Kraft scheint ihn verlassen zu haben. Er kennt sich doch auch ganz anders, erinnert sich daran, wie er einmal war. Wo ist sein Selbstvertrauen, wo ist seine Kraft, sein Mut? Wie ein Häufchen elend fühlt er sich. Auch hier frage ich: Kennt das jemand von sich?

Hiob fühlt sich gestraft, fühlt sich verlassen. Er meint wohl, dass er genügend Zeichen um Hilfe aussendet, dass er oft genug ruft. Aber niemand scheint ihn zu hören. Alle müssten es doch sehen, wird er gedacht haben. Sie müssen doch merken, wie schlecht es mir geht. Warum hilft mir niemand? Ich bin verlassen, von der Welt, den Menschen und von Gott! Verlassenheit, verlassen von der Welt den Menschen und von Gott. Einigen von uns auch nicht unbekannt!

Und Hiob fragt sich schließlich, was eigentlich von ihm bleibt. Große Reden hat er nie geschwungen. An was wird man sich erinnern, wie werden Menschen über ihn denken, was bleibt von ihm? Große Hoffnung hat er nicht. Das Leben geht weiter auch ohne ihn. Was bleibt eigentlich von mir? Und warum? Dieser Frage entziehe ich mich gern, wie manch anderer wohl auch.

Ja, Hiobs Erfahrungen, Hiobs Leiden, all seine Traurigkeiten und Verlassenheiten – all das mag zu viel für ihn sein. Es ist auf jeden Fall dann zu viel, wenn scheinbar alles zusammenkommt, alles über ihm zusammenbrechen zu scheint. Nichts geht mehr! Selbst Gott und Glaube geht irgendwie nicht mehr! Und da ist es schon wieder – ein Gefühl, das uns nicht unbekannt ist, uns manchmal auch überkommt, bei einigen vielleicht sogar gerade wie über Nacht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Aber ist dann da wirklich gar nichts mehr? Gibt es wirklich diese totale Gottverlassenheit? Ganz ehrlich – ich glaube es nicht! Denn das müsste dann ja bedeuten, dass Gott sich von mir zurückgezogen hätte, mich aufgegeben hätte. Das könnte doch nur sei, wenn Gott sich entschlossen hätte, nicht mehr für mich da sein zu wollen! Wäre Gott ein Gott, der solches denken und zu solchem fähig sein würde, wäre er für mich von diesem Moment an kein Gott mehr. Ich würde die Bibel nie mehr zur Hand nehmen, würde alles vergessen wollen, was ich darin gelesen und für mein Leben als Traggrund gefunden hätte. Gott wäre dann zu einer bloßen Idee verkommen, die für mich all ihren Wert verloren hätte!

Vielleicht überspitze ich ja gerade etwas, was auch in Hiobs Gedanken immer einmal aufgeblitzt war. Aber genau bei ihm finde ich es, dass es eben nicht so ist, selbst im tiefsten Leid, selbst in den tiefsten Momenten nicht!

„Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

In all seinen leidvollen Erfahrungen, ja am tiefsten Punkt seines Lebens ist Hiob zu diesen Worten fähig! Betrachtet man sie in der Situation, in der sie gesagt und bekannt werden, gehören sie wohl zu den stärksten Worten der ganzen Bibel. „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“ Selbst wenn ich am Boden und im Staub liege, Gott ist da, sagt Hiob. Selbst wenn ich fleischlich nicht mehr da bin, werde ich Gott sehen, glaubt Hiob. Gott wendet sich mir ganz zu, ich werde ihn sehen und spüren, darauf vertraut Hiob. Davon, von diesem Glauben und Vertrauen, ist mein Herz voll, kann Hiob sich am Ende unserer Lesung wieder eingestehen. Gott ist da, für mich! In allem Leid ist dieser Gedanke, dieses Wissen, dieses Vertrauen letztlich sein Glaube, seine Unerschütterlichkeit!

Ich habe ihn, den alten Hiob, vor Augen. Und ich erinnere mich an Menschen, die ich in ganz verschiedenen Lebenslagen in meinem Dienst als Pfarrer begleiten durfte. Ich erinnere mich an viele Gespräche z.B. mit alten Menschen. Sie konnten mir von Dingen erzählen, die in meinen Ohren ganz unglaublich klangen. Von Dingen, die Menschen an Menschen in Kriegen tun können. Von Verlusten, die ganz genau auch Hiob erlebt hatte. Ich kenne Menschen, die mussten so vieles aushalten – an Leid, an Schmerz, an Trauer. Wenn ich mich an viele solcher Gespräche und Situationen zurückerinnere und dann auch ehrlich bleibe, fällt mir eines auf:

Wie oft wollte ich trösten und konnte es nicht? Wie oft ging ich selbst gestärkt aus solchen Situationen heraus, weil es genau umgekehrt war. So viele Leidgeschichten wurden – manchmal unmerklich für die Erzählenden – zu Hoffnungsgeschichten für mich. Da predigten Menschen mir gegenüber von einem Gott in allem Leide, manchmal wohl ohne dass sie es selbst merkten. Und besonders schön, wertvoll und für mich unvergesslich war es dann, wenn sie es in ihren Erzählungen und Erinnerungen dann auf einmal doch ganz klar sehen und auch aussprechen konnten, was Glaube zu tragen vermag – wie es eine alte Frau einmal so sagte: „Wäre der liebe Gott nicht die ganze Zeit bei mir gewesen, ich wäre heute nicht hier!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, Hiob klagt, hiob weint, Hiob hadert, Hiob ist am Boden. Aber Gott wohnt immer noch und auch für immer in ihm. Er ist da, er hört, er trägt. Das weiß auch Hiob  selbst. Das nimmt ihm nicht all sein Leiden. Aber er trägt es nicht allein. Er vertraut darauf, dass er Gott eines Tages auch wieder sieht, ihn spürt und ihn hört. Vielleicht wird er ihn niemals wirklich verstehen. Vielleicht werden auch nicht all seine Fragen beantwortet. Aber sein Sehnen nach Frieden, darauf vertraut er, das wird gestillt werden. Von Gott, zu Gott und durch Gott hin!

Und von ihm, von Hiob, müssen wir uns selbst fragen lassen: Wo ist deine Unerschütterlichkeit? Was bewahrst du dir selbst tief in deinem Herzen von Gott? Auch wenn alles um dich herum über dir zusammenbricht! Wo ist dein Vertrauen, dein Glaube, der dich immer wieder neu leben lässt, selbst in den schwersten Zeiten deines Lebens? Gott erlaubt auch dir die Klage, sieht deine Tränen, schaut deine Schwachheit an. Nur eines tut Gott nicht – dich verlassen! Niemals!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir sind mitten in der Passionszeit, einer in diesem Jahr wohl auch wieder besonderen Zeit. Viele merken Verlassenheit, Einsamkeit, Angst du Not ganz anders als sonst, denn vielen von uns ist gerade ein anderes Leben aufgezwungen als sonst! Passionszeit war aber immer auch die Zeit der Besinnung auf schwere Zeiten, die wir mit Gott durchleben und die zu unserem Leben dazugehören. Jesus selbst brauchte solch eine Zeit, wir brauchen solche Zeiten. So ist es wohl auch kein Zufall, dass uns Hiob als Predigttext gerade in dieser Zeit begegnet. Genau in ihm, dem vermeintlich Schwachen und Glaubensfernen, dürfen wir erkennen, dass auch diese Zeiten, die uns selbst vielleicht schwerfallen, immer auch Zeiten mit Gott sind. Einem Gott, der uns niemals einfach dem Leiden überlässt. Am Ende steht immer sein Wort der Liebe und des Neuanfangs mit uns. Darauf vertraut Hiob. Und mit ihm wollen wir es dann auch tun! Vielleicht nicht immer leicht! Aber lohnend! Und mit ihm sprechen wir aus, worauf er vertraut: „Aber ich weiß, dass mein Erlöser lebt!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Gott, du wurdest Diener der Menschen.

Wir beten für alle, die etwas gelten,

die begabt und klug sind, einflussreich und bedeutend:

dass sie bescheiden bleiben;

dass sie nur Aufgaben übernehmen, die sie erfüllen können;

dass sie nicht viele Ämter auf sich häufen,

sondern tun, was ihnen entspricht;

dass sie Zeit haben für ihre Familien und für sich selbst.

 

Wir beten für alle, die sich für unwichtig und unbegabt halten:

dass sie ihre Fähigkeiten entdecken;

dass sie erfahren, wie unentbehrlich auch ihre Arbeit ist;

dass sie merken, wie viel sie anderen bedeuten.

 

Wir beten für alle, die sich für andere einsetzen:

dass sie beim Helfen nicht unversehens herrschen;

dass sie sich eingestehen,

wie viel Freude ihnen das Helfen macht;

dass sie den Dank für ihre Hilfe gern annehmen.

 

Vieles gibt es noch,

worum wir dich, Herr, bitten möchten.

Vertrauensvoll legen wir all das,

was uns auf der Seele liegt,

vor dich und beten in der Stille!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Lätare, 14. 03. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht. (Joh 12,24)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 84

2 Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!

3 Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.

4 Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.

5 Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.

6 Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!

7 Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, / wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.

8 Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.

9 HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs!

10 Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten!

11 Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.

12 Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; / der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.

13 HERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott und Vater!

In unserem Leben suchen wir Sicherheiten.

Wir versuchen, das Gesicht zu wahren,

wir wollen nichts riskieren,

wir halten fest, was wir haben.

Herr, nimm uns bei der Hand,

daß wir mit dir einen Schritt weitergehen,

daß wir uns wirklich einsetzen,

daß wir hergeben und loslassen

und freimütig Neues wagen.

So sei nun bei uns, Herr und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Christus spricht:

Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt,

so bleibt’s allein;

wenn es aber erstirbt, so bringt es viel Frucht.

 

Herr, Jesus Christus,

du hast dein Kreuz auf dich genommen,

und es ist dir schwer geworden.

Wenn uns die Lasten des Lebens drücken,

dann sei du uns nahe.

Stärke uns – auch heute,

wenn wir vielleicht allein vor dir sitzen

und uns doch mit anderen verbunden wissen.

So bitten wir zu Gott, deinem Vater,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 2. Korintherbrief, Kapitel 1, Verse 3-7:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes,

4 der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis, damit wir auch trösten können, die in allerlei Bedrängnis sind, mit dem Trost, mit dem wir selber getröstet werden von Gott.

5 Denn wie die Leiden Christi reichlich über uns kommen, so werden wir auch reichlich getröstet durch Christus.

6 Werden wir aber bedrängt, so geschieht es euch zu Trost und Heil; werden wir getröstet, so geschieht es euch zum Trost, der sich wirksam erweist, wenn ihr mit Geduld dieselben Leiden ertragt, die auch wir leiden.

7 Und unsre Hoffnung steht fest für euch, weil wir wissen: Wie ihr an den Leiden teilhabt, so habt ihr auch am Trost teil.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kap. 12, 20-26

(auch Predigttext)

20 Es waren aber einige Griechen unter denen, die heraufgekommen waren, um anzubeten auf dem Fest.

21 Die traten zu Philippus, der aus Betsaida in Galiläa war, und baten ihn und sprachen: Herr, wir wollen Jesus sehen.

22 Philippus kommt und sagt es Andreas, und Andreas und Philippus sagen’s Jesus.

23 Jesus aber antwortete ihnen und sprach: Die Stunde ist gekommen, dass der Menschensohn verherrlicht werde.

24 Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.

25 Wer sein Leben lieb hat, der verliert es; und wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.

26 Wer mir dienen will, der folge mir nach; und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein. Und wer mir dienen wird, den wird mein Vater ehren.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht erinnern sich einige ja noch. Vor einigen Jahren gab es im Radio einen Ohrwurm. Kein Wunder, denn die Melodie ging direkt ins Ohr und der Text ins Herz. Er war von der deutschen Band „Silbermond“ und nicht wenige junge Brautpaare in dieser Zeit ließen bei ihren Traugottesdiensten dieses Lied singen. Darin heißt es:

„Gib mir’n kleines bisschen Sicherheit, in einer Welt in der nichts sicher scheint. Gib mir in dieser schnellen Zeit, irgendwas das bleibt“.

Vielen schien das Lied aus der Seele zu sprechen. „Gib mir ein bisschen Sicherheit, in einer Welt, in der nichts sicher scheint.“ Ist das nicht heute wieder ganz aktuell der Ruf vieler Menschen, hinein in diese Zeit, in der so vieles über uns gekommen ist, sich verändert hat und Unsicherheit darüber wachsen lässt, wie alles einmal werden wird?

Kinder in den Kindertagestätten scheinen nicht sicher, in Schulen nicht. Menschen in den Einkaufsstraßen unserer Städte müssen sich erst wieder langsam daran gewöhnen, dass es voll und voller zu werden scheint.

So ganz plötzlich und irgendwie ja auch unvermutet hat sich unser gemeinsames Leben vor fast genau einem Jahr schlagartig verändert. Wir alle haben es wieder einmal neu erfahren müssen: Nichts ist sicher in dieser Welt!

Dabei möchte ich doch aber gerne mein Leben geborgen wissen und behütet. Ich brauche die Nähe von Menschen, mit denen ich leben kann. Ich weiß jetzt, wie viel Kontakte zwischen Menschen wert sind. Zu lange habe ich sie schon vermissen müssen. Und ich möchte in dieser Zeit spürbar Gott an meiner Seite wissen und abends sprechen können: „Ich liege und schlafe ganz mit Frieden; denn allein du, Herr, hilfst mir, dass ich sicher wohne“ (Psalm 4,9). So fest, wünsche ich mir meinen Glauben!

Mit solchen und ähnlichen Gedanken im Gepäck haben sich vor langer einige griechische Festpilger an Philippus, einen der Jünger Jesu, gewandt und ihn gebeten, Jesus möge doch mit ihnen sprechen. „Herr, wir wollen Jesus sehen“(V.20), sagen sie. Wir möchten gerne den kennenlernen, von dem alle hier auf dem Fest reden. Wir möchten ein kleines bisschen Sicherheit und schauen, ob sein Wort gilt, ob er einen Weg für uns weiß, ob er eine Hoffnung hat, an der festzuhalten sich lohnt.

Mit einem Bildwort lässt Jesus ihnen ausrichten: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt, bringt es viel Frucht.“ (V.24).

Aus diesem Wechsel von Saat und Ernte besteht das Leben. Deshalb gibt es keine Sicherheiten in dem Sinne, dass alles auf immer so bleibt wie es ist. Es gibt keine Garantien, dass das Leben immer nur angenehm und schön sein wird. Es gibt keine Zertifikate, die uns versichern, dass wir vor allem Schlimmen bewahrt bleiben. Und es gibt auch keine Bescheinigungen, die uns beruhigen, dass wir unsere Ziele immer erreichen werden.

Wir hätten es zwar manchmal wohl gerne so, aber es gibt keine absoluten Sicherheiten im Leben, jedenfalls nicht solche, die wir festhalten können, weil alles diesem Kreislauf von Werden und Vergehen unterworfen ist, weil immer etwas stirbt, uns verlorengeht oder abhanden kommt. Wir können unsere Gesundheit nicht konservieren und auch nicht unser Hab und Gut gegen alle Finanzkrisen absichern, viele haben das in den vergangenen Monaten leidvoll erfahren. Morgen schon kann der Arzt sagen, dass die Blutwerte nicht stimmen und der Personalrat kann die Nachricht von der Kurzarbeit bringen, auch hier in Bad Kreuznach hat er das in Firmen längst getan.

Für alle, die nun ein kleines bisschen Sicherheit für ihr Leben wünschen, mag dieses Bild von dem Weizenkorn, das Jesus benutzt, auf den ersten Blick enttäuschen. Das Bild erinnert daran, dass sich alles im Leben wandelt und verändert und dass wir irgendwie nichts dagegen unternehmen können. Auch wenn wir es so, wie es gerade ist, wohl niemals wirklich vermutet hätten!

Ja, so können wir es sehen, aber man kann in diesem Bild auch das Andere, nämlich etwas Hoffnungsvolles entdecken. Es führt uns vor Augen: Es gibt in allem Scheitern und Vergehen auch die Möglichkeit zu einem Neubeginn, zu einem erneuten Wachsen und Reifen, ja sogar die Möglichkeit einer Ernte.

Jesus sagte den Menschen damals zu und würde es heute für uns vielleicht ja so tun: „Auch wenn manches anders vielleicht ganz wird als geplant, es soll neue Aussichten in deinem Leben geben. Es wird auch bei dir wieder etwas aufblühen. Du wirst dein Leben unter neuen Vorzeichen bestreiten können, vieles wird vielleicht anders werden. Aber du wirst spüren, wie neue Hoffnung aufkeimt. Du darfst wieder etwas in den Händen halten, was dir gelungen ist. Du wirst die Frühlingssonne spüren, vielleicht einmal wieder ohne Schmerzen aufwachen, ohne Angst aufstehen, kannst den Tag wieder unbeschwert anlachen und all deine Sorgen mir anvertrauen, ich trage sie mit dir. Du wirst spüren, dass dir jemand Liebe und Nähe neu entgegenbringt. Du wirst manches in einem ganz anderen Licht sehen dürfen, wirst selbst auch wieder gelassener und weitsichtiger werden. Wenn etwas sicher im Leben ist, dann auch dieses: Immer dann, wenn du meinst, dass etwas unwiderruflich vorbei ist, hat Gott neues Aufkeimen für dich bereit. Seine Möglichkeiten sind immer größer als deine kurze und sorgenvolle Sicht und die Aussichten, die du für dich selbst hast.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser! 

Die griechischen Pilger damals haben dieses Bild vom Vergehen und Neubeginn gleich verstanden. Nach Ostern haben die ersten Christen gemerkt, dass Jesus dieses Bild vom Weizenkorn, das in die Erde gelegt wird und neu aufkeimt, auf sich selbst bezogen hat. Als alle menschlichen Sicherheiten nicht mehr geholfen haben, als alles vergangen und vorbei schien, da hat Gott neues Leben entstehen lassen. Und sie haben begriffen, dass Sicherheit nicht etwas ist, was wir für immer in unseren Händen festhalten können, sondern was uns von Gott zukommt. Bei ihm sind wir gehalten und geborgen, was auch kommen mag.

Für uns verstehe ich das Bild deshalb heute so: Auch wenn alle menschlichen Sicherheiten einbrechen, auch wenn ich einen Weg gehen muss, bei dem mit dem Schlimmsten zu rechnen ist, kann ich mein Leben mit Gott an meiner Seite unter anderen Vorzeichen leben, auch durch alle Passionszeiten meines Lebens hindurch.

Jahr für Jahr erinnern wir uns in den Wochen vor Ostern daran. Im letzten und auch in diesem Jahr wohl ganz besonders. Manchmal braucht es ein ganzes Leben um das Vertrauen neu aufzubauen, dass Gott da ist und nicht von der Seite weicht. Und ebenso ist das Leben auch ein Einüben, es ist ein Abklären und Abwägen von dem, was hält und trägt. Auch in schwierigen Zeiten wie diesen!

Jesus bringt es so auf den Punkt: „…wer sein Leben auf dieser Welt hasst, der wird’s bewahren zum ewigen Leben.“ (V.25) Wie man jetzt im Frühjahr die letzten Keime loslassen und für die Aussaat hergeben muss, so geht es uns mit dem Vielem, was wir gerade mit uns herumschleppen.

Aber wenn wir eben richtig hinhören, bedeutet es doch auch, dass wir uns nicht an vermeintliche Sicherheiten klammen brauchen. Und manchmal müssen wir loslassen, auch unter Schmerzen, damit Neues spürbar und sichtbar wird.

Konkret kann das bedeuten, dass wir es uns auch einmal eingestehen und sagen: Ich bin einfach nicht die richtige Person. Ich habe mich überschätzt. Ich habe mich in diese eine Sache zu sehr hineingebissen, habe mich von meinen Ängsten einfach treiben lassen. Sie haben mir in manchem vielleicht sogar meine Sinne vernebelt. Ich habe so viele gute Gaben, ich will sie wieder offenlegen, will neu aufstehen!

Dass wir verpassten Chancen nicht dauernd nachtrauern und ständig lamentieren: „Hätte ich doch nur …“ oder „Was wäre, wenn …“.

Oder dass wir nicht tiefer in eine Krise verfallen, wenn wir unaufhörlich in Nachrichtenticker schauen und nur noch schlechte Nachrichten in uns aufsaugen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Auch in unseren Kirchengemeinden lernen wir ja immer mehr, dass das Jammern über gekürzte Stellen einfach nichts nützt, sondern dass es nun auch darum geht, gemeinsam nach neuen Wegen zu suchen. Wir müssten uns als Kirchengemeinden der Nachbarschaft vielmehr voneinander erzählen, miteinander machen, gemeinsam Dinge ausprobieren, um dann auch endlich eins zu werden! Aber nein, jede Gemeinde – auch unsere –  hat bisher gemeint, immer noch alles allein machen zu müssen, alles allein anbieten und vorhalten zu müssen. Wir haben noch lange nicht entdeckt, wie anregend es sein kann, über die eigenen Kirchenmauern hinauszuschauen und andere Christinnen und Christen kennenzulernen. Für die eigene Gemeindearbeit ist es immer ein Gewinn, wenn man miterleben kann, wie andere Christen ihr Gemeindeleben gestalten und darin auch die Vision reifen lassen, dass wir es durchaus auch gemeinsam tun können und werden.

„Lernen, Altes loszulassen!“ Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan und lässt sich bestimmt nicht in wenigen Wochen abhaken. Wer loslassen kann – Ideale, feste Grundsätze, falsche Freundschaften, Essgewohnheiten, einseitige Gottesbilder, was auch immer – wird Leben für alle Ewigkeit gewinnen und kann sagen: Das ist nicht das Ende. Das ist noch nicht alles gewesen. Da kommt noch was. Da ist noch etwas Neues, was ich noch nicht kenne. Darauf gilt es doch auch, sich zu freuen!

Auch bei Jesus und in der Zeit danach ist überraschend mehr gekommen. Bei ihm und mit ihm ist es auch noch nicht alles gewesen. 70 Jahre nachdem die griechischen Festpilger Jesus sehen wollten und nach Sicherheiten fragten, macht der Evangelist Johannes den Menschen seiner Zeit Mut. Und auch uns! Auf den Wegen, an denen wir nur ein Ende sehen oder ein tiefes Loch, in das man hineinzufallen droht oder ein großes Kreuz, das man auf ewig tragen muss, hat Gott Möglichkeiten, uns auf neue Wege zu bringen. Seine Sicherheit für uns gilt nicht nur jetzt, sondern auch später einmal.

Das Bild vom Weizenkorn macht mir Mut, nach vorne zu schauen und gespannt zu sein, was Gott alles noch mit uns vorhat. Auf alle Fälle: Wir sind noch im Werden. Unser innerer Mensch ist noch längst nicht vollkommen entfaltet. Er entwickelt sich noch. Er bringt immer neue Blüten. Gottes Güte verwandelt uns weiter. Lässt uns bislang verborgene Lebenszusammenhänge erkennen. Vermag uns zu ganz neuen Einstellungen verhelfen. Vielleicht ja auch zu ganz neuen Formen des Umgangs miteinander.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Unser Leben bleibt spannend; es bleibt spannend, weil es voller Veränderung ist. Die Sängerin der Band Silbermond bittet „Gib mir in dieser schnellen Zeit irgendwas, das bleibt.“ Und so ist es für uns zum Beispiel wichtig zu wissen, dass in allem Auf und Ab, egal wie unser Leben gerade verläuft, egal auf welchen Höhen oder in welchen Tiefen wir uns gerade befinden, unser Herr und Gott bleibt, der Gott, der „Sonne und Schild“ ist und „Gnade und Ehre“ schenkt (Wochenpsalm, Psalm 84,12).

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir wollen beten:

Herr, Jesus Christus,

wir sehen mit Staunen und Ehrfurcht,

wie du den Weg zum Kreuz gegangen bist.

Du hast das Leiden auf dich genommen.

Es hat dich Mühe und Arbeit gekostet,

es hat unserem Leben Sinn gegeben.

So kann es uns auch gehen,

wenn wir dir nachfolgen,

wenn wir unser Leiden aushalten

und anderen in ihrem Leiden beistehen.

Lass es uns gelingen,

dass wir Trauernde trösten,

dass wir mutig eintreten für Menschen,

über die man so leicht hinweggeht,

die ausgestoßen und verachtet,

unterdrückt und ausgebeutet sind;

dass wir das Leid derer zur Sprache bringen,

die nicht selbst für sich reden können.

 

Guter Gott, oft spürst du unsere Ohnmacht.

Dennoch bleiben wir fest an dir.

Denn wir wissen, du verlässt uns nicht.

Stärke unsere Hoffnung.

Mehre unseren Glauben.

Führe du uns die Wege,

die du für uns bereitest.

Höre uns, wenn wir dir in der Stille alles anvertrauen!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Okuli, 07. 03. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5,8)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 34

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

17 Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.

22 Den Frevler wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.

23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr guter Gott und Vater!

Wir wollen gerne alles haben, alles erreichen,

alles festhalten – alleine für uns.

Wir teilen nur ungern unser Land,

unsere Arbeit, unseren Wohlstand – mit anderen.

Wir teilen nur ungern unser Brot,

unser Leben, unsere Zeit – mit anderen.

Wir verzichten nicht gerne

und verlieren so

das Leben und das Reich Gottes aus den Augen.

Gegen unsere Blindheit, gegen unseren Kleinglauben

bitten wir dich: Herr, erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So spricht Gott, der Herr:

Ich will sie retten von allen Abwegen,

auf denen sie gesündigt haben,

und will sie reinigen,

und sie sollen mein Volk sein.

Sie sollen wandeln in meinen Rechten

und meine Gebote halten und danach tun.

 

Vieles, guter Gott, hält uns gefangen.

Schlechte Erfahrungen von einst

nehmen uns die Hoffnung,

dass es heute und morgen besser wird

mit uns und den anderen.

Nicht überwundene Enttäuschungen rauben uns die Kraft,

neu anzufangen

und unser Leben im Licht deiner Liebe zu sehen.

Vieles, guter Gott, hält uns gefangen, öffne du uns,

damit wir dein Wort verstehen und dir vertrauen.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 9, Verse 57-62:

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.

62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 5, Verse 1-9

(auch Predigttext)

1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder

2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört,

4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung.

5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.

6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.

8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

So folgt nun Gottes Beispiel als seine geliebten Kinder! So hieß es in den früheren Ausgaben der Luther-Bibel. Ahmt nun Gott nach, heißt es in der in der neuen Ausgabe. An diesen Worten bleibe ich sofort hängen. Und ich denke, es gibt verschiedene Arten, diesen Satz zu hören. Er könnte zum einen eine Aufforderung an uns sein: Nun los, folgt Gottes Beispiel, los, lebt in der Liebe! Ebenso könnte uns aber auch damit unser Maßstab abgesteckt werden: „.., wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat!“ Er könnte aber schließlich auch die Begründung unseres eigenen Christseins werden: Weil Gott euch als seine Kinder liebt, deshalb wandelt von nun an in derselben Liebe! Egal, wie man diesen Satz des Epheserbriefes hört, man kann ihn eigentlich nur hören als die kurze Zusammenfassung dessen, was die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen ausmacht. In wenigen Worten wird eigentlich alles gesagt.

„Ahmt nun Gott nach!“ – Ein kurzer Satz, auch ein gefährlicher Satz. Nicht wenige versuchen daraus abzuleiten, sich selbst zu Göttern aufschwingen zu dürfen. Doch eines ist klar: Wir selbst sind alle eben keine Götter! Viele von uns Menschen halten sich zwar bisweilen dafür, andere wären es gern und benehmen sich manchmal so, überschreiten Grenzen, wo sie die Folgen nicht absehen, glauben, alles allein zu schaffen, meinen, für alles verantwortlich zu sein. Aber wir sind nicht der liebe Gott. Das ist gut so! Und für uns, die wir versuchen als Christinnen und Christen zu leben, kann und darf dies auch gar kein Ziel sein.

„Ahmt nun Gott nach!“ – Das fordert uns vielmehr immer wieder dazu auf, uns zu erinnern, welches Beispiel Gott uns überhaupt gegeben hat. Und der Briefschreiber erinnert hier ja auch daran. Gerade in dieser Passionszeit steht uns Gottes Beispiel ganz anders und ganz besonders vor Augen. Gott ist in Christus für uns Mensch geworden, hat sich erniedrigt, erniedrigt bis ans Kreuz. Doch bis dahin hatte er sich längst als Freund der Menschen bewährt, sich ausgewiesen als der Vater, der seine Kinder liebt: in den unendlich vielen Zuwendungen an die Entrechteten und Ausgestoßenen, in der Zuwendung zu denen, die ihm selbst nach dem Leben trachteten, in der liebenden Fürsorge für alles kranke und behinderte Leben. Keinen Menschen gab es, an dem er einfach achtlos vorbei gegangen wäre, keinen Menschen gab es, den er mit Vorurteilen gleich auch vorverurteilt hätte. Wie gut tut es, solch einen Gott zu haben, an solch einen Gott glauben zu dürfen, sich von einem solchen Gott im Leben und im Sterben geborgen wissen zu dürfen. Aber wie schwer ist es dann auch für uns, eben solch einen Gott als Beispiel für unser eigenes Leben zu haben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn wir nur ganz kurz innehalten und nachdenken, dann werden wir sehr schnell verstehen, dass wir selbst unseren Anspruch an uns und damit an auch an andere nicht zu hoch ansetzen dürfen. Wir werden niemals perfektgläubig sein. Wer das von sich behauptet, der hat Gott aus seinem Leben gestrichen und glaubt nur noch an sich selbst! Wir können uns niemals allen Problemen dieser Welt gleichermaßen zuwenden, ja wir können vielleicht noch nicht einmal ein Problem in dieser Welt lösen – wir spüren das gerade schmerzhaft in unserem Land, auch in der ganzen Welt. Oder wir merken zumindest, wie lange so etwas dauern kann, eine Krise zu bewältigen, wie ungeduldig wir dabei werden und wie viele Fehler wir alle dabei machen!

Selbst in unserem kleinen Lebenskreis, in unserem eigenen Lebensvollzug machen wir so oft so vieles falsch. Wir merken dabei immer wieder, dass wir eben nicht Gott sind. Trotzdem dürfen wir deshalb niemals Gott als Beispiel für unser eigenes Leben aufgeben! Selbst wenn wir in der Nachfolge Gottes zu keinen großen Sprüngen fähig sind, die kleinen Schritte müssen auch gegangen werden. Gott verlangt von uns keine großen und spektakulären Sprünge, nein, er fordert vielmehr die Beharrlichkeit in den unendlich vielen kleinen Schritten. Das Zugehen auf das Reich Gottes, und davon spricht ja unser Predigtwort auch, besteht aus zahllosen kleinen, aber zielgerichteten Schritten, die für uns den Weg ausmachen.

Wenn wir in unseren Kirchengemeinden manchmal auch große Pläne haben, wenn wir auch immer wieder mit Zukunftsängsten über unsere Kirche konfrontiert werden, ja wenn Leute uns einreden wollen, dass Gott immer mehr verblassen wird in einer Zeit, die für Gefühl, für Glauben und Emotion immer weniger Platz bietet, dann dürfen wir trotz allem nicht vergessen, voranzugehen auf dem Weg der Nachfolge, um das zu tun, was auch vor Ort – da, wo Gott selbst uns hingestellt hat – eben getan werden muss.

Das Reich Gottes kommt nicht von irgendwo her, es entsteht auch nicht irgendwo, es wird auch von hier aus und durch jede und jeden in der Nachfolge Christi mitgebaut. Es ist nicht von dieser Welt, aber es ist auch in dieser Welt und wir gehen darauf zu. Das ist das Beispiel, das Gott uns gegeben hat, der Weg, auf dem er selbst uns vorangegangen ist. Alles, was wir in unseren Gemeinden tun, alles was wir hier in dieser Gemeinde tun, jedes Engagement in einem unserer Gemeindekreise – die gerade alle brach liegen, aber hoffenrtlich aus diesem unfreiwilligen Dornröschenschlaf auch wieder aufwachen werden –, auch das, was wir in den Presbyterien und anderen Gremien beraten und beschließen, all dies tun wir auf dieses Reich hin und niemals zur eigenen Ehre und schon gar nicht für ein späteres Denkmal. Alles, was wir tun, haben wir daraufhin zu prüfen, ob es uns auf den Weg führt, den Gott vor uns gegangen ist und vor allem, ob es andere einlädt, darauf mitzugehen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wie schwer es ist, so in der Liebe zu leben, wie schwer es ist, Gottes Liebe so zu leben und weiterzugeben, das wusste der Verfasser wohl, als er diesen Brief schrieb. Er wusste wohl, welche Konzentration auf Gott und den neuen Glauben nötig war, wie sehr die Menschen aber offenbar immer in Anfechtung lebten. Und er nennt die Probleme seiner Zeit, vieles davon kennen wir heute noch. Unzucht und Unreinheit, Habsucht, schändliches Gerede, nennt er. Offenbar sind Menschen, wie sie eben sind und ändern sich wenig. Gerade das schändliche Gerede wurde uns von so manchen Zeitgenossen in den letzten Monaten in geradezu unerträglicher Weise immer wieder in den Medien zelebriert. Ich selbst stand manchmal erschüttert davor, wie viel Hass und Dummschwätzerei sich breit machen durfte und konnte! Natürlich könnten wir heute noch unendlich viele andere Probleme daneben stellen, doch bleiben wir bei den drei genannten, wir haben genug daran zu kauen.

Der Verfasser redet von einem Leben in Liebe und führt danach gleich Unzucht und Unreinheit als Gefährdung dieser Liebe an. Er kannte offenbar den Unterschied zwischen der Liebe zwischen Menschen, die sich in Treue, Verantwortung und gegenseitiger Achtung offenbart, und z.B. einer Sexualität, die menschenverachtend und zerstörerisch die Beziehungsfähigkeit der Menschen auf’s Spiel setzt. Er redet von der Habsucht, von der Gier des Immer-mehr-haben-wollens, die uns Menschen durch die Jahrtausende begleitet, die Millionen von Menschen das Leben und die Existenz gekostet hat und die irgendwie nie an ihr Ende zu kommen scheint – oder gerade doch? Mittlerweile müssen wir wohl lauter nachfragen, wie lange solch ein menschliches Unverhalten noch funktionieren wird. Schließlich nennt der Briefschreiber eben noch das schandbare und lose Gerede. Ich weiß nicht, wie sehr z.B. der Apostel Paulus darunter litt, wegen des Geredes der Menschen seiner Zeit hat er jedenfalls vieles erleiden müssen. Und solch ein dummes Geschwätz ist auch meine empfindliche Stelle. Ich finde es immer verletzend und so enttäuschend, wenn Menschen über andere, statt mit anderen reden. Wie schnell werden so Vorurteile zementiert, und wie oft zerbrechen Menschen an dem Gerede über sie? Ist Wahrheit, ist Ehrlichkeit denn so schwer zu leben, so schwer, dass wir Menschen solch ein leeres und schandbares Reden überhaupt noch nötig haben? Wie heute über Menschen in unserem Land geredet wird, wie viel Hass wieder ungestraft verbreitet werden darf und nicht unter Strafe gestellt wird, wie dumme Parolen wieder unsere Hirne besetzen dürfen, als hätten wir z. B. aus unserer eigenen Geschichte nichts gelernt, wie viele scheinbar intelligente Menschen sich davon verleiten lassen, ja, es ist wirklich eine Schande!

Wenn ich einen Wunsch und eine Hoffnung für unser gemeinsames Leben, Arbeiten und Handeln in unseren Gemeinden habe, dann kann es auch dieses sein: Lassen wir doch alles dumme Geschwätz über uns und andere, machen wir statt dessen Platz für Wahrheit und Ehrlichkeit. Denn ein Leben in Gottes Liebe, und zu einem solchen sind wir ja gerufen, zu einem Leben in seinem Lichte, in solch einem Leben ist kein Platz für Neid, für Nachreden und Gerüchte oder gar für Hass. Ein Leben in Gottes Licht gewährt vielmehr Vergebung, macht uns mutig, um Vergebung zu bitten und schafft immer wieder Platz für neue und gemeinsame Anfänge.

Ein Leben in der Liebe und in dem Licht Gottes lässt die Achtung vor dem anderen Menschen niemals zuschanden werden. Und deshalb sollten wir uns selbst – jede und jeder für sich – prüfen, ob wir zu solch einer Vergebung bereit sind, ob wir bereit sind, dort um Vergebung zu bitten, wo wir genau wissen, dass Dinge noch in Unordnung sind. Wenn wir dazu nicht fähig sind, dann haben wir uns selbst zumindest noch neben die Liebe und das Licht Gottes gestellt.

Wir alle stehen gleichermaßen in Bewährung und Anfechtung. An einige von uns werden sogar besondere Maßstäbe angelegt. Allein deshalb ist es so unendlich wichtig, sich eines immer wieder neu klar zu machen: Niemand von uns ist besser oder schlechter als irgendeine andere oder ein anderer. Alles, was wir in einer Gemeinde tun, ist Dienst für andere, der von vielen mitgetragen werden muss. Trägt nur einer an einer Sache, dann geht er oder sie irgendwann daran kaputt. Und alles, was wir tun, hat mit der Liebe Gottes zu uns Menschen zu tun und niemals mit der Macht über andere Menschen.

Martin Luther hat in einer kleinen Schrift mit dem Titel „Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe“ einmal geschrieben und damit möchte ich meine Gedanken abschließen: „Wer angefangen hat, Christ zu sein, der muß eingedenk sein, daß er noch kein Christ ist, sondern er versuche erst, Christ zu werden, daß er mit Paulus rühmen kann: Ich bin es nicht, sondern ich versuche es zu sein (Phil 3,12.15). Und die wir uns schon vollkommen glauben, laßt uns in dieser Regel bleiben. Denn ein Christ ist immer im Werden, nie im Gewordensein“.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott und Vater, der du im Urteilen freundlich bist,

du willst, dass wir dir nachfolgen,

und du verlangst nichts Unmögliches von uns.

Dafür danken wir dir und bitten

– für die schnell Entschlossenen unter uns,

dass sie ihr Ja und Nein bedenken

und rechtzeitig deutlich reden;

– für die Kleinlichen unter uns,

dass sie lernen zu unterscheiden

und nicht jede Vorschrift

als heilige Pflicht nehmen,

sondern auch ihr Gewissen befragen,

was zu tun nötig ist.

– für die Ängstlichen unter uns,

dass sie vorausschauen

und neu lernen, anderen zu vertrauen,

anstatt ständig im Misstrauen zu leben.

– für die Trauernden unter uns,

dass sie deine Nähe spüren

und erkennen, dass deine Liebe mit dem Tod

niemals endet, sondern ihn überwindet.

So beten wir schließlich um den Mut,

unser eigenes Maß zu finden

und deine Ziele im Auge zu behalten,

damit wir dir dienen können

auf allen unseren Wegen.

Höre uns, wenn wir dir in der Stille alles anvertrauen!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

(Stand 28. 2. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

Sonntag Reminiscere, 28. 2. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5,8)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 25

1 Von David. Nach dir, HERR, verlangt mich.

2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!

5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!

8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.

9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Du hast täglich Grund, über uns traurig zu sein.

Doch du trägst uns mit großer Geduld.

Du schaust nicht auf unsere Sünden,

statt zornerfüllt kommst du uns

mit Barmherzigkeit entgegen.

So werden auch wir mutig,

dir trotz all unserer Schuld entgegenzusehen

und entgegenzugehen.

Und trotz all unserer Schuld

bitten wir dich um dein Erbarmen.

Sieh’ auf uns und höre,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Barmherzig und gnädig ist Gott

geduldig und von großer Güte.

So gibt Gott deinem Leben einen neuen Klang,

stimmt sich freundlich auf dich ein

und lässt dich deine eigene Melodie finden.

Nun singe Gott ein neues Lied.

Lobe Gott, meine Seele,

und vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.

 

Guter Gott,

denk an deine Barmherzigkeit,

die du uns von Anbeginn an erwiesen hast.

Lass uns niemals versinken

in den Folgen unserer Eigenmächtigkeiten.

Öffne unsere Ohren, dass wir auf dich hören

und dein rettendes Tun verkünden,

das wir erfahren in Jesus Christus, deinem Sohn,

der für uns eintritt, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 3, Verse 14-21:

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttstamentliche Lesung: Aus dem Jesajabuch, Kapitel 5, Verse 1-7

(auch Predigttext)

Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg

1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.

2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.

3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!

4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ein altes Lied haben wir gerade als alttestamentliche Lesung etwas weiter oben gelesen, das Lied des Propheten Jesaja über einen unfruchtbaren Weinberg (5,1-7).

Alle, die mich kennen, wissen dass ich eigentlich nur sehr, sehr selten Wein trinke. Das wird meiner endgültigen Winzenheimer Einbürgerung wohl immer im Weg stehen. Aber jedesmal, wenn ich dann ‘mal Winzenheimer Wein trinke, dann kommt mir dabei oft eine Frage in den Sinn, die vielleicht erst einmal ein wenig eigenartig klingt: Müsste der Wein hier bei uns nicht eigentlich viel teurer sein? Ist der Wein, den wir hier trinken und der uns irgendwie immer zur Verfügung steht, nicht zu billig?

Wissen wir eigentlich und achten wir es eigentlich noch, wie viel Arbeit es macht, einen guten Wein zu produzieren? Ich weiß, ich rede jetzt von Dingen, von denen ich eigentlich ja gar keine Ahnung habe. Aber hingeschaut habe ich in meinen nun fast genau 30 Jahren in Winzenheim schon. Und in der Weinlese war ich auch schon, die „Leele“ habe ich auch schon getragen. Leider ist diese „Romantik“ des gemeinsamen Weinlesens heute fast vollständig verschwunden.

Da ist das Anlegen des Weinbergs. Da ist die mühsame Bepflanzung und die  schwierige Pflege der Pflanzen. Und dann das ständige Risiko mit dem Wetter: Weinstöcke sind sehr empfindlich! Das kommt es leicht zu einer Missernte. Der Weinanbau ist ein mühsames Geschäft. Doch was  wissen wir wirklich davon, wenn wir abends mal in aller Gemütlichkeit ein Fläschchen aufziehen, heute muss man wohl eher sagen: aufdrehen?

Machen wir uns überhaupt noch Gedanken? Was wissen wir z.B. von der schwierigen Arbeit und Problemen in der Landwirtschaft, wenn wir unser tägliches Brot essen? Was wissen wir von den Problemen und Enttäuschungen der Lehrerinnen und Lehrer, die hoffentlich alle bald wieder tagtäglich an den Schulen auch vor schwierigen Klassen stehen, sogar in einer kleinen Grundschule wie bei uns in Winzenheim? Welche Probleme treibt sie gerade um, welche werden sie unter veränderten Bedingungen noch zu lösen haben? Was wissen wir von der täglichen Arbeit der viele Menschen, die für uns da sind? Manches wissen wir recht gut! Manches wollen wir vielleicht gar nicht wissen.

Diejenigen, die hier in unserem Ort Winzenheim mit dem Wein aufgewachsen sind, wissen sehr gut, welche Mühe der Weinanbau macht. Deshalb werden sie es lebhaft nachvollziehen können, welche Mühen Jesaja in seinem Lied vom Weinberg beschreibt: die mühsamen Vorbereitungen mit der Umzäunung, dem Wachturm, dem Entsteinen, dem Pflanzen und dem ständigen Jäten. Dann kommt das lange und bange Warten: ob denn der Weinberg eine ergiebige Ernte bringt. Zuletzt vielleicht auch mal die bittere Enttäuschung: alles war umsonst!

Da möchte man am liebsten alles hinschmeißen. Ein kluger Wirtschaftsmann, dem ein Geschäft misslungen ist, wird dieses Geschäft erst gründlich überprüfen und dann wahrscheinlich aufgeben. Eine zweite Fehlinvestition im gleichen Geschäft kann sich wohl niemand leisten. Nicht wenige der kleineren Winzer haben das längst getan.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Nun handelt es sich bei unserem Predigttext aber um einen Vergleich. Oft, wenn in der Bibel von einem Weinberg die Rede ist, geht es um eine Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Das gilt auch noch heute: das Neue Testament sieht die Kirche als das neue Israel an. Wir Christen sind mit den Juden das Volk Gottes. Gott hat viel für sein Volk getan. Er hat es durch viele Gefahren hindurch behütet. Er hat dem Volk seine Lebensordnung gegeben. Und doch hat das Volk ihn enttäuscht. Andere Gottheiten lenkten die Leute vom Glauben ab. Geschäfte waren wichtiger als der Schutz des Schwachen. Die Lebensordnung Gottes wurde lange nicht mehr beachtet. Lange Zeit hat sich Gott die Menschen angesehen: nun ist er zornig!

Natürlich wollen wir kaum hören, dass Gott zornig sein könnte. Gott sollte doch über den Dingen stehen. Wie  kann er der liebe Gott sein, wenn er frustriert und zornig ist? Wie kann er der liebe Gott sein, dass er sein Volk fallen lässt? Aber schließt denn die Liebe aus, dass man nicht auch mal zornig auf den anderen ist? Kann es nicht in einer guten Ehe auch einmal zum dosierten Ehekrach kommen? Wenn jemand sich aufregt, dann ist ihr oder ihm die Beziehung vielleicht noch nicht gleichgültig. Wir Menschen sind Gott nicht egal, weil er uns lieb hat. Deshalb muss es wohl auch sein, dass Gott den Menschen auch mal zornig ist, eben weil wir ihm nicht egal sind.

In einem anderen Stückchen Bibel ist auch von einem Weinberg, vor allem von seinem Besitzer die Rede (Mk 12,1-12). Auch er ist erzürnt. Da bringen die Pächter sogar den Sohn des Weinbergbesitzers um und machen sich den Besitzer zum Feind. Dieser wird sie bestrafen und den Weinberg anderen geben. Vermutlich hat die junge Kirche Jesus dieses Gleichnis von den bösen Pächtern im Weinberg in den Mund gelegt. Sie wollte darauf hinweisen, dass der Sohn des Weinbergbesitzers Jesus ist, der mit dem Kreuz getötet wurde. Die junge Kirche wollte darauf aufmerksam machen, dass sie nun das neue Israel ist und ihr nun der Weinberg Gottes gehört.

Doch hat Gott nicht auch mit seinen neuen Pächtern Pech gehabt? Wie oft hat sich seine Kirche – und ich meine jetzt ausdrücklich beide Konfessionen – versündigt und ist schuldig geworden? In der Geschichte der Menschheit gibt es so viele Beispiele dafür, dass die Kirche auch Leid über die Menschen gebracht hat. Das prägnanteste Beispiel aus unserer eigentlich kirchenhistorisch noch jungen Geschichte, weist auf die Geschichte in unserem Land. Hat nicht die evangelische Kirche gemeinsam mit der katholischen Kirche geschwiegen, als z. B. Millionen von Juden von den Nazis ermordet wurden? Wenige haben damals nur ihre Stimme dagegen erhoben. Und von den wenigen haben es viele nicht überlebt.

Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit. (Jes 5,7b) – So heißt es im Predigttext.

Auch in seiner Kirche hat Gott in den 2000 Jahren des Christentums Rechtsbruch und schreiendes Unrecht  erfahren. Auch wegen dieser Kirche hat Gott Grund genug, zornig zu sein. Deshalb haben wir Christinnen und Christen z.B. wenig Anlass, uns über die Juden zu erheben. Deshalb bleibt uns nur das Eine, dass wir Gott um dreifache Vergebung bitten: Vergebung für eine Kirche, die Schuld auf sich geladen hat; Vergebung für die Christen, die Gewalt gegen Andersdenkende und Andersgläubige verübt haben und Vergebung auch für uns persönlich, die wir so oft gegen Gottes Gebot leben, denken und handeln!

Das Gottesvolk Israel ist in seiner langen Geschichte oft geschlagen und verfolgt worden. Hatte das immer mit Gottes Zorn zu tun? Es steht uns Christinnen und Christen nicht zu, diese Frage beantworten zu wollen, so wie man es früher zu gern getan hat. Dafür denken jüdische Rabbiner selbst über diese Frage nach und versuchen ihre  Antwort darauf zu finden. Wir als Christenheit haben inzwischen genug vor der eigenen Haustür zu kehren: Gott hat Grund genug, auch seiner Christenheit zornig zu sein. Was wäre, wenn Gott seinen Weinberg Kirche ohne Schutz lässt? Was ist, wenn Gott seinen Weinberg Kirche brach liegen und vertrocknen lässt? Und ist unsere deutsche Volkskirche nicht schon an vielen Stellen längst zu einer wüsten Einöde geworden? Ich denke, allein die letzten 12 Monate der Pandemiezeit haben einiges dazu aufgedeckt.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Auch das wird auf uns zukommen; nämlich noch mehr darüber nachzudenken, was aus unserer Kirche wird und ob unsere Gemeinden immer noch ein Spiegel dieser Kirche sind, sein wollen oder eben nicht. Unser ganzer Mut wird eingefordert werden, diese Kirche und unsere Gemeinde zukunftsfähig zu machen. Und ich behaupte, die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche hängt nicht nur an einem halbwegs gesunden Haushalt, den wir zurzeit immer noch präsentieren dürfen. Nein, die Zukunft unserer Kirche und unserer Gemeinden hängt in erster Linie daran, wie wir wieder einladend missionarisch Menschen für Gott gewinnen können. Wie wir den Glauben, der in so vielen Menschen verschüttet scheint, wecken können. Wie wir wieder deutlich machen, dass es sich gerade in einer immer mehr auseinander rückenden Gesellschaft lohnt, Gemeinschaft zu suchen und zu stiften. Und keine beliebige Gemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft, in der Gott und Glaube auch wieder eine Mitte findet, um die herum es sich zu leben lohnt und es Freude macht, dabei zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger haben wir in den Blick zu nehmen. Und ob das in immer größer fusionierten Gemeinden leichter wird, wage ich an dieser Stelle einmal deutlich zu bezweifeln. Gott sucht immer die Nähe der Menschen und findet sich mit Ferne niemals ab!

Vieles wird in sich verändernden Strukturen stattfinden, die uns ängstigen könnten, die wir aber – und damit meine ich jetzt auch einmal besonders diejenigen, die als Presbyterin oder Presbyter in unseren Gemeinden und somit unserer Kirche Verantwortung übernommen haben –  immer auch noch gestalten können, eben ohne Angst, sondern mit viel Kreativität und eben mit Gottes Segen, der uns niemals verlässt. Gott will dabei ja mit uns auf dem Weg sein. Und er wird es!

Auch in der Zornespredigt des Jesaja findet sich doch auch schon dieser Ausblick: Gott ruft die Angeklagten als Richter an: „Richtet ihr zwischen mir und zwischen meinem Weinberg!“ So will er das Gewissen wachrütteln. Unser eigenes Gewissen soll uns sagen, wo es in und bei uns fehlt: am Glauben und in der Hoffnung, an Liebe und in der Gerechtigkeit. Gott will keine öde Kirche mit vielen Kirchensteuerchristen, sondern einen blühenden Garten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Und in diesem Garten ist jede und jeder von uns ein Gott ganz und gar willkommenes Pflänzchen. Wir sollen seine Freude sein, er will uns wachsen sehen! Wunderbar!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Gott, unser Vater,

wir danken dir, dass dein Wort uns bis heute erreicht.

Du hast Jesus Christus, deinen Sohn,

als den Beweis deiner Liebe zu den Menschen gesandt.

Er wurde verlacht, er musste leiden.

Er wurde gekreuzigt.

Er stirbt noch heute unter uns,

wo Gewalt und Misstrauen herrschen

und deine Botschaft abgelehnt wird.

Deshalb bitten wir dich:

Mach uns zu Botinnen und Botenen deines Evangeliums

und schenke uns die Kraft deines Geistes,

– dass wir den Mut nicht verlieren,

wenn man uns hart zusetzt,

– dass wir nicht gleichgültig werden,

wenn man von dir nichts mehr erwartet.

 

Wir wollen uns in die Verantwortung rufen lassen,

weil wir sehen:

Viele verzweifeln und niemand richtet sie auf.

Viele fragen und bekommen keine Antwort.

Viele leben und wissen nicht warum.

Viele sterben und haben keine Hoffnung.

 

Wir bitten dich:

Lehre uns die Sprache der Liebe,

damit wir ihnen ihr Elend tragen helfen.

So wird dein Friedensreich unter uns aufgerichtet.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Invocavit, 21. 02. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre. (1. Joh 3,8b)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 91

1 Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt,

2 der spricht zu dem HERRN: / Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.

3 Denn er errettet dich vom Strick des Jägers und von der verderblichen Pest.

4 Er wird dich mit seinen Fittichen decken, / und Zuflucht wirst du haben unter seinen Flügeln. Seine Wahrheit ist Schirm und Schild,

5 dass du nicht erschrecken musst vor dem Grauen der Nacht, vor dem Pfeil, der des Tages fliegt,

6 vor der Pest, die im Finstern schleicht, vor der Seuche, die am Mittag Verderben bringt.

9 Denn der HERR ist deine Zuversicht, der Höchste ist deine Zuflucht.

10 Es wird dir kein Übel begegnen, und keine Plage wird sich deinem Hause nahen.

11 Denn er hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen,

12 dass sie dich auf den Händen tragen und du deinen Fuß nicht an einen Stein stoßest.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott!

Wie oft sind wir auf der Flucht

vor uns selber und vor anderen

und haben Angst, nichts zu gelten

und immer zu kurz zu kommen.

Wir möchten gern herrschen,

möchten immer mehr,

Erfolg um jeden Preis.

Das alles lässt uns nicht zur Ruhe kommen.

Wir bleiben zurück, elend und leer.

So bitten wir dich: nimm uns an, so wie wir sind.

 

Sieh’ auf uns und höre,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Bei Gott hat alles Fliehen sein Ende.

Bei ihm dürfen wir aufatmen

und uns neu besinnen.

Sein Sohn spricht zu uns:

Kommt her zu mir alle,

die ihr mühselig und beladen seid.

Ich will euch erquicken. Amen.

 

Wir beten:

Gott und Vater,

du bist unsere Zuflucht.

Dass wir gewisser glauben,

furchtloser handeln

und zuversichtlicher hoffen,

das erbitten wir,

durch Jesus Christus deinen Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Hebräerbrief, Kapitel 4, Verse 14-16:

14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.

15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.

16 Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagsevangelium: Aus dem Johanesevangelium, Kapitel 13, Verse 21-30

(auch Predigttext)

21 Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.

22 Da sahen sich die Jünger untereinander an, und ihnen wurde bange, von wem er wohl redete.

23 Es war aber einer unter seinen Jüngern, der zu Tische lag an der Brust Jesu, den hatte Jesus lieb.

24 Dem winkte Simon Petrus, dass er fragen sollte, wer es wäre, von dem er redete.

25 Da lehnte der sich an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist’s?

26 Jesus antwortete: Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe. Und er nahm den Bissen, tauchte ihn ein und gab ihn Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.

27 Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn. Da sprach Jesus zu ihm: Was du tust, das tue bald!

28 Niemand am Tisch aber wusste, wozu er ihm das sagte.

29 Denn einige meinten, weil Judas den Beutel hatte, spräche Jesus zu ihm: Kaufe, was wir zum Fest nötig haben!, oder dass er den Armen etwas geben sollte.

30 Als er nun den Bissen genommen hatte, ging er alsbald hinaus. Und es war Nacht.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Jesus und Judas – ich glaube, das war schon immer ein besonderes Verhältnis. Als Kind habe ich, wenn ich die Geschichten der letzten Tage Jesu mit seinen Freunden und dann auch die Ostergeschichten erzählt bekommen habe – dafür war in unserer Familie immer meine Oma zuständig – den Judas nie so richtig leiden können. Für mich war einfach immer der Böse! Der Verräter! Ich glaube, wenn ich zurückdenke, dass er genau das für meine Oma auch war, denn so hat sie ihn – vielleicht ja auch aus ihrem ganz persönlichen Glauben heraus – immer geschildert.

Erst viel später habe ich darauf geschaut, wie Jesus selbst auf ihn angesehen hat, wie er selbst mit ihm umgegangen ist. Irgendwann ist mir dann aufgefallen, oder besser: aufgegangen, wie sehr es zwischen den beiden wohl „gemenschelt“ hat.

Hier, bei dem heutigen Evangelium und Predigttext – der mir als solcher nach über 30 Jahren im Predigtdienst zum ersten Mal als solcher begegnet – merke ich das wieder. Und mir fällt auf, dass der Evangelist Johannes es hier anders erzählt als alle drei anderen Evangelisten – wie so oft übrigens.

Als Jesus das gesagt hatte, wurde er erregt im Geist und bezeugte und sprach: Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Einer unter euch wird mich verraten. (V.21)

So beginnt unser heutiger Predigttext. Was hatte Jesus eigentlich so aufgeregt, aufgewühlt? Dazu müssen wir uns erinnern, was unmittelbar davor geschehen war.

Sie saßen zusammen, Jesus und seine engsten Freunde. Die meisten von ihnen hatten wohl auf einen schönen Abend gehofft. Gemütliches Essen, nette Tischgespräche. Aber es kam anders. Jesus hatte sich eine Schürze umgebunden, eine Schale mit Wasser genommen und ihnen die Füße gewaschen. Einigen von ihnen war das unangenehm. Petrus besonders. Er hatte sich erst dagegen gewehrt, hatte versucht, mit Jesus darüber zu diskutieren; er hatte es sich dann aber doch geschehen lassen.

Jesus selbst wollte ihnen ein Beispiel geben. Das hatte er schließlich selbst so gesagt. Anderen dienen sollten sie, andere Menschen vorbereiten sollten sie. Um das zu verstehen, gab Jesus ihnen dieses eindrückliche Beispiel. Aber er schien damals schon nicht ganz bei der Sache zu sein, war mit seinen Gedanken nicht wirklich ganz bei seinen Freunden. Er sah schon, was kommen sollte, seine eigene Anspannung und Erregung darüber schien schon zu wachsen. Zweimal brachte er das sogar zum Ausdruck. „Ihr seid rein“, sagte er während der Fußwaschung zu seinen Freunden, „aber nicht alle!“ (Joh 13,10) Und als er damit fertig war und sie alle endlich zum gemeinsamen Essen übergehen konnten, blickte er noch einmal voraus. Ich spüre geradezu wie er – vielleicht gedankenverloren – sagte: „Es muss die Schrift erfüllt werden (Ps 41,10): Der mein Brot aß, tritt mich mit Füßen!“ (Joh 13,18)

Nun beginnt die Szene unseres Predigttextes. Jesus konnte diesen Gedanken, den er selbst geäußert hatte, nicht mehr ablegen, nicht mehr aus dem Kopf bekommen. Er wurde – so lesen wir es heute – „erregt im Geist“. So sagt er, was er sieht, was er weiß, was er nun ganz nahe fühlt: „Einer unter euch wird mich verraten!“ (V. 21)

Erst die Hoffnung auf einen gemütlichen Abend, dann die Fußwaschung. Stimmung iritiert. Dann neue Hoffnung auf ein gemeinsames Essen in vertrauter Runde – und dann dieser Spruch. Die Stimmung kippt wieder. Sie bestimmen einen, der Jesus fragen sollte. Johannes sollte es sein. Der, der Jesus besonders nahe zu sein schien. Er traute sich zu fragen und Jesus wich der Antwort auch nicht mehr aus.

„Der ist’s, dem ich den Bissen eintauche und gebe.“ (V. 26) Genau das tat er unmittelbar sofort nach diesen Worten! Aber er tat es anders als in den anderen Evangelien. Dort bedrängt Jesus den Judas mit Worten, beschimpft ihn vielleicht sogar: „Weh dem Menschen! Es wäre besser, er wäre nicht geboren worden!“ So lesen wir es dort.

Und hier? – Nichts davon! Jesus gibt ihm das Stück Brot, lässt ihn teilhaben an seinem Mahl. „Was du tust, tue bald!“ (V. 27) sagt Jesus dann. Kein böses Wort zu Judas, keine Verurteilung, noch nicht einmal ein Wort der Enttäuschung über ihn. Nicht von Jesus, auch nicht von allen anderen!

Jesus weiß offensichtlich hier schon, dass Judas nicht schlecht ist! Schwach vielleicht, das mag sein. Aber nicht schlecht! Jesus weiß, dass Judas zu Recht zu diesem engen Freundeskreis gehört und ab jetzt gehört hat. Er selbst hat ihn schließlich dazu berufen. Aber Jesus weiß in diesem Moment eben auch noch einmal, dass sein Werk von seinem Vater bestimmt ist. Es hat in ihm schon begonnen, ist aber noch nicht vollendet. Gott hat sich Jesus längst offenbart und ihm seinen Weg klar gemacht. Vor allem hat er ihm auch klar gemacht, wozu Judas in seiner eigenen Geschichte eben dienen soll. Judas wird durch eine für ihn ganz unglückliche Rolle helfen, die Schrift zu erfüllen.

So, ich denke, genau so, sieht Jesus in diesem Moment da am Tisch auf den Judas. „Was du tust, tue bald!“ Jesus sendet ihn geradezu. Fordert ihn auf, mitzuhelfen, die Schrift zu erfüllen und Gottes Werk mit den Menschen weiter in Gang zu halten. Von all dem habe die anderen offensichtlich keine Ahnung!

Ja, selbst Judas wird es letztlich nicht klar gewesen sein. Ja, er war der Faszination des Geldes erlegen. War bereit, für Geld Dinge zu tun, die man als Freund einfach nicht tut. Aber wird er sich der Tragweite wirklich bewusst gewesen sein? – Nein!

Und genau auch darauf gibt uns der Predigttext den Hinweis. Jesus teilt mit ihm das Brot. Jesus lässt ihn erst noch einmal Anteil haben an sich selbst und seiner Gemeinschaft. Dann sendet er ihn, sein Werk zu tun. Und nun erst geschieht etwas in Judas. Nun erst verändert er sich. Und der Evangelist Johannes beschreibt es so: „Und nach dem Bissen fuhr der Satan in ihn.“ (V.27) Johannes macht uns mit Jesus in dieser Szene sehr eindrücklich deutlich, dass das Böse eben nicht aus Judas selbst herauskommt. Er ist nicht von Grund auf schlecht. Nein, in diesem Moment der Versöhnung Jesu mit ihm, dem Judas, wird die Kraft zum Bösen in ihn gelegt, damit er überhaupt erst fähig werden kann, das Böse, nämlich den Verrat, auch zu tun. Hier in diesem Moment wird Judas zum Werkzeug Gottes, die Schrift an seinem Sohn Jesus zu erfüllen. Er wird zu einem Dienst, einem Werk berufen, dass er aus sich allein heraus vielleicht niemals getan hätte, zu dem er vielleicht niemals wirklich fähig gewesen wäre. Und es gibt sogar in einem einzigen Satz einen Hinweis darauf, zumindest beim Evangelisten Matthäus. Denn dort wird berichtet, dass sich Judas, sobald er diesen Dienst, dieses Werk erfüllt hat, erhängt (Mt 27,5). In dem Moment als er nämlich seinen Dienst erfüllt hat, wird der Satan auch wieder aus ihm gefahren sein, denn er war ja nun in ihm nicht mehr nötig. Judas wird sich wieder selbst erkannt haben. Er wird für ihn selbst unverständlich auf das geschaut haben, was er getan hatte. Und weil er eben nicht erkannt hat, dass er geradezu dazu berufen, ja gesendet wurde, konnte er mit dem, was dann als Schuld auf ihm lag, nicht mehr leben. Und so machte er seinem Leben ein Ende.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich schaue auf Jesus, und ich schaue genau so auch auf Judas. Ich erkenne, die beiden sind in ganz besonderer Weise aneinander gebunden. Beide sind auf ganz unterschiedliche Weise daran gebunden, Gottes Werk, Gottes Geschichte mit uns Menschen zu erfüllen. Ich schaue auf die beiden und merke, wie mir selbst Fragen kommen.

Halte ich manchmal Menschen für abgrundtief böse? Wie schwer fällt es mir manchmal, Menschen – so wie Jesus – vorurteilsfrei anzusehen? Könnte ich – wie Jesus – Menschen erst einmal Versöhnung anbieten, auch wenn ich weiß, dass sie mich bedrängen werden, mir Leid zufügen werden?

Wie ist das eigentlich bei mir, wenn ich manchmal mir selbst ganz unangenehme Dinge tun muss, um Dinge oder Geschichten ins Laufen zu bringen – so wie Judas es muss? Wie lebe ich eigentlich weiter, wenn ich spüre, dass ich mich schuldig gemacht habe, buchstäblich vielleicht auch „zum Judas geworden bin“? Wo erliege ich so manches Mal einer Schwäche und tue Dinge, die ich nicht will?

Und wie ist es eigentlich bei mir selbst – weiß ich, dass es keinen Menschen gibt, der aus sich selbst heraus nur böse ist, sondern dass Böses in einen Menschen gelegt wird, wodurch und durch wen auch immer? Gilt das nach meinem Bild vom Menschen für jeden anderen, für jede andere?

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Jesus und Judas – die beiden lassen mich seit meinen Kindertagen und meinen ersten Erinnerungen an diese beiden nicht mehr los. Oft habe ich meine Bilder über sie schon korrigiert, korrigieren müssen. Manchmal sind sie mir sehr nah. Manchmal bleiben sie mir unverständlich. Aber ich ahne, wie wichtig eben beide und auch ihre Beziehung zueinander für meinen eigenen Glauben sind.

Welche menschlichen Begegnungen, welche Beziehungen in der Bibel sind Euch eigentlich wichtig für Euren eigenen Glauben geworden? Wo merkt Ihr, dass Jesus Euch nahe kommt? In welchen biblischen Personen findet Ihr Euch wieder?

Die begonnene Passionszeit ist ja nicht nur einfach eine Zeit der Enthaltsamkeit und des körperlichen Fastens. Sie ist doch immer auch möglich, als eine Zeit der inneren Einkehr und der Bewusstmachung des eigenen Glaubens erfahren zu werden.

Wir müssen gerade schon auf so vieles, was uns bisher vielleicht immer selbstverständlich war, verzichten. Nutzen wir deshalb diese Zeit doch, unserem eigenen Glauben nachzuspüren und ihn uns neu bewusst zu machen. Erkennen wir unsere eigenen Schwächen, aber auch unsere eigenen Stärken im Glauben. Spüren wir neu dem nach, wozu Gott jede und jeden von uns berufen hat. Nehmen wir wahr, dass Gott eben auch Unbequemes und steinige Wege in unser Leben legen kann. Und dort, wo wir selbst vielleicht meinen, nicht mehr weiter zu können, zu straucheln oder Schuld auf uns geladen zu haben, da wollen wir uns gemeinsam daran erinnern, dass Jesus selbst uns schon längst seine Versöhnung angeboten hat, sich selbst mit uns geteilt hat. Ja sogar für uns hat er alle Schuld auf sich genommen hat!

Passionszeit lässt niemals nur den Tod erahnen, nicht allein den von Jesus, nicht allein unseren. Passionszeit ahnt und schmeckt dahinter immer auch schon die Auferstehung, nicht allein die von Jesus, auch die unsrige! Darauf unsere Hoffnung. Amen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir bitten, Herr, um deinen Geist.

Stärke und erneuere uns,

wandle unsere Herzen und Sinne,

dass wir der Zukunft trauen,

in die du uns führen willst.

Herr, erbarme dich!

 

Hilf allen Menschen, die leiden,

besonders denen, die heimatlos, gefangen,

gefoltert und verfolgt werden.

Sei bei ihnen in ihrer Angst und Not,

stärke und tröste sie,

lass sie nicht verzweifeln,

sondern neuen Mut finden.

Herr, erbarme dich

 

Herr, hilf uns und allen Menschen,

deiner guten Schöpfung zu dienen,

lass uns dabei deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein

und im Vertrauen zu dir deiner Liebe entsprechen.

Herr, erbarme dich.

Erbarme dich unser und höre uns,

wenn wir noch einmal in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Estomihi, 14. 02. 2021

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 31

2 HERR, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

5 Du wollest mich aus dem Netze ziehen, / das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele

9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

16 Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

17 Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott uns Vater!

An einem Tag bekennen wir uns zu dir,

an einem anderen verleugnen wir dich wieder.

Wir sind so leidensscheu.

Wir haben Angst, unser Leben zu verlieren.

Wir suchen es so oft krampfhaft,

versuchen alles festzuhalten

und spüren doch,

wie es uns manchmal zu entgleiten scheint.

Du siehst auf uns,

du hörst,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

In Jesus Christus, erfahren wir,

was Liebe heißt.

Er gibt uns nicht auf.

Er ermuntert uns durch seinen Geist.

Er spricht uns zu:

Kommt her zu mir alle,

die ihr mühselig und beladen seid,

ich will euch erquicken.

Ehr sei Gott in der Höhe!

 

Herr, guter Gott und Vater,

du bist dem Leiden nicht aus dem Weg gegangen.

Hilf, dass auch wir,

trotz all unserer Ängste,

den Mut gewinnen, dir nachzufolgen.

Das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn, unserem Herrn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 8, Verse 31-38:

31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.

33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten.

36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?

37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Jesajabuch, Kapitel 58, Verse 1-9a

(auch Predigttext)

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Am kommenden Mittwoch ist es wieder so weit. Aschermittwoch – Schluss mit Fasching und Karneval, hinein in die Fastenzeit. Ehrlich gesagt, ich hätte in diesem Jahr fast nicht bemerkt, dass wir gerade im Faschingswochenende stecken. Aber im Moment ist ja alles anders, als wir es gewohnt waren und für selbstverständlich hielten. Nun haben wir diesen „Nichtfasching“ aber bald hinter uns und schauen auf die Zeit die vor uns liegt, die Fastenzeit. Eine Zeit, die wir so gerne mit „Sieben Wochen ohne“ beschreiben. Eine Zeit, die unseren Blick wenden will. Wir sollen auf uns schauen, auf das, was wirklich nötig ist. Wir sollen uns selbst befragen, was wir überhaupt brauchen. Wir sollen uns fragen, was es eigentlich heißt, auch einmal zu verzichten. Wie wir es richtig machen sollen, sagt uns heute der Prophet Jesaja. In der alttestamentlichen Lesung etwas weiter oben konnten wir es gerade lesen. Und was er sagt, das fasst ein Gesangbuchlied zusammen, das wir heute als Lied vor der Predigt gesungen hätten, wenn wir uns im Gottesdienst hätten begegnen können. Hätte, hätte, … Können wir aber leider nicht!

Also erinnern wir uns. Im Lied eg 420 unseres Gesangbuches heißt es: „Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus. Such mit den Fertigen ein Ziel.“

Worum geht es eigentlich, wenn wir das in unseren Gottesdiensten singen? Ich finde, das Lied weist uns so herrlich darauf, was andere von uns brauchen; es weist gerade nicht darauf, was wir selbst besitzen und uns sichern sollen. Es weist geradezu von uns weg. Und wenn wir danach fragen, wo andere uns brauchen oder was andere von uns brauchen, dann ahnen wir doch auch wieder neu, wie vieles wir wohl geben können, wie vieles wir selbst haben. Vor allem aber ahnen wir auch, dass nichts wohl selbstverständlich ist, was uns umgibt, sondern vieles ist uns geschenkt. Nichts ist selbstverständlich, aber vieles ist unendlich kostbar und wertvoll. Ich denke, genau das sollen wir in der Fastenzeit immer wieder neu spüren und für uns selbst erfahren.

Aber gilt das auch in  diesem Jahr? Oder ist selbst das in diesem Jahr anders? – Ich denke, es ist anders!

Ich schaue in diesem Jahr gar nicht so sehr auf die „Sieben Wochen ohne“, die vor uns liegen. Ich erinnere mich in diesem Jahr eher an die fast nun zwölf Monate die hinter uns liegen. Das waren vielfach und für viele Menschen irgendwie „zwölf Monate ohne“, eine Zeit der Entbehrung. Wir haben auf viele Dinge verzichten müssen und zwar so, wie wir es uns eigentlich bis dahin nicht vorstellen konnten.

Schmerzlich mussten wir auf die Nähe zu geliebten Menschen verzichten. Die Eltern nur selten gesehen. Geschwister auf dem Bildschirm besucht, Freunde und Nachbarn über den Gartenzaun auf Abstand gegrüßt. Vielen sind wir an liebgewordenen Plätzen im vergangenen Jahr vielleicht gar nicht begegnet. Urlaube sind ausgefallen. Da sind unsere Kinder, viele junge Menschen – vieles war und ist ihnen nicht möglich. Völlig ungewohnt und schwer zu verstehen für viele von ihnen!

Ich habe auch gelernt, dass kein Bildschirm, kein Skype, kein ZOOM, kein noch so lieb gemeint geschicktes Foto oder was auch sonst immer auch nur eine einzige Umarmung ersetzen kann! Kein gemütliches Zusammensitzen ist durch eine ZOOM-Konferenz auch nur annähernd auszugleichen! Es fehlt die dabei die Liebe, die unter uns praktische gelebte Liebe, die körperlich gespürte Zuneigung! Ich möchte andere Menschen wieder spüren, fühlen. Denn dabei spüre ich mich doch immer auch selbst. Und ich spüre, du bist da, spürbar für mich da! So wie ich es auch für dich sein will! Wir halten uns und sind stark! Was sind wir ohne solch eine spürbare Liebe?

Und da war das andere. Freiheit war uns so selbstverständlich. In unserem eigenen und möglichen Rahmen waren wir es gewohnt, so zu leben, wie wir es wollten und so wie wir es für gut und richtig empfunden haben. Und auf einmal? Freiheit war eben nicht mehr selbstverständlich! Teile der persönlichen Freiheit galt es als Rücksicht auf andere einzusetzen. Wir haben nicht nur auf persönliche Freiheiten verzichten müssen, sondern auf Freiheit. Das ist ein Unterschied!

Für viele von uns war es irgendwie schon ein ganzes Leben lang selbstverständlich. Hingehen, wohin und wann man will. Reisen, wohin man will bzw. der Geldbeutel es zulässt. Treffen, wen man will und wie viele man will.

Und auf einmal? Bleibt in euren Wohnungen! Lasst eure Kinder zu Hause! Keine Gäste mehr! Verzichtet auf das Reisen! Menschen, die ihr liebt – lasst sie in euren Herzen wohnen, aber nicht in euren Wohnungen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

All das geschieht aus guten Gründen. All das braucht unsere ganze Fähigkeit zur Geduld, selbst zu unserer überstrapazierten Geduld! All dies müssen wir aus Rücksicht tun. Es geht nicht nur um unser eigenes Leben, auch um das der anderen. Und trotzdem: Wir entbehren so vieles. Und es ist so unglaublich schwer für viele, das auszuhalten. Da merken Menschen in Partnerschaften, wie Nähe und Distanz immer wieder neu bestimmt werden müssen. Ja, einige mussten sogar leidvoll spüren, wie gefährdet Liebe sein kann, wenn Nähe sie erdrückt. Da leben Familien unter einem enormen Druck, weil auf engem Raum Leben ganz anders zu gestalten ist. Und der Druck wächst – auf die Eltern, auf die Kinder!

Eigentlich müssten wir alle mal so richtig raus. Einmal ganz weg, um befreit wiederkommen zu können! Frei bewegen, ohne Sorge und Angst! Ohne Regeln, die es scheinbar beschneiden und unmöglich machen wollen! Aber es geht nicht! Wir dürfen, können und sollten es nicht! Noch nicht! Ja – Freiheit fehlt uns! Und wir erkennen ihren Wert neu!

Aber ich glaube, bei vielen von uns ist da noch etwas, was uns umtreibt und mit dem wir nur ganz schwer umgehen können. Was ist eigentlich mit unserem Gefühl, selbst Frau oder Herr über das eigene Leben zu sein? „Selbstbestimmung“ nennen wir es oft. Wenn ich mich umschaue, meine ich in dieser nun schon so lange dauernden Pandemiezeit mehr und mehr ein – ja ich beschreibe es einmal so – „Ohnmachtsgefühl“ zu spüren. Was wir zum Leben brauchen, wann bekommen wir es wieder? Irgendwie spüren viele von uns, dass wir gar nicht so richtig selbst dafür sorgen können. Infektionszahlen müssen immer noch runter. Die Hoffnung auf den Impfstoff, wie sehr haben wir darauf gebaut! Nun aber geht es scheinbar so unendlich langsam! Ich bekenne es: Ja, ich war so naiv! Ein Jahr der Entbehrungen, dann schnell impfen und gut ist es! Nun merke ich wie viele andere, was es heißt, einen langen Atem haben zu müssen! Es ist immer noch ein Notstand. Es braucht weiterhin uns alle, unseren Gemeinsinn und noch viele Anstrengungen, um diese schlimme Zeit zu überwinden. Vieles scheint zwischen den Fingern zu zerrinnen, braucht vielleicht aber einfach mehr Zeit! Ich weiß, viele fühlen sich betrogen, viele möchten gern ihre Schuldzuweisungen denen an den Kopf schmeißen, die die Sache – so sagen es einige – irgendwie vermasselt haben. Ich schaue auf sie und sehe all die Ohnmächtigen, die Wütenden, die Traurigen! Und ich spüre ihren Unfrieden.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, es stimmt! Wir haben eine lange Zeit der Entbehrungen hinter uns, ein ganzes Jahr! Jetzt noch einmal „Sieben Wochen ohne“. Klingt eigenartig. Ich bräuchte es nicht, ist mein erstes Gefühl. Wir hatten nicht die Wahl, ob oder worauf wir verzichten wollten. Nichts konnten wir uns aussuchen. Wir waren und sind gezwungen, auf vieles zu verzichten.

Wozu soll also nun noch eine zusätzliche Fastenzeit gut sein?

Und nun schaue ich deshalb endlich und auch abschließend noch einmal auf den Propheten Jesaja und seine Worte. Er leitet mich in die kommende Zeit und stupst mich darauf, wonach ich Ausschau halten soll. Nämlich z.B. soll ich Gott suchen und täglich nach seinen Wegen fragen.

Ja, das sollte ich, das sollten vielleicht wir in all dem, was uns um uns herum runterziehen und traurig machen will, in all dem, was wir so satt haben, in all unseren Klagen und in all unserer Verzweiflung wieder tun: Gott suchen und täglich nach seinen Wegen fragen.

Vieles, was uns der Prophet ans Herz legt, haben wir ja schon getan und tun es in unseren Gemeinden oder auch einfach, weil es unser persönliches Engagement ist: Bedürftige speisen, unser Brot teilen, Flüchtlinge versorgen. All das hat unsere Gemeinde immer auch ausgemacht. Und viele haben dabei mitgemacht. Wir erinnern uns natürlich an das gute Gefühl, wenn wir untereinander geteilt haben, was uns eben möglich war, vor allem auch wenn wir es mit den Menschen taten, die uns dazu brauchen. Ich weiß auch, dass es manche von uns geradezu mit Stolz erfüllt hat, auch ganz selbstlos für andere da sein zu können.

Und genau hier ist es nun auch in diesem Jahr vielleicht anders. Diese Fastenzeit ruft uns geradezu dazu auf, eben diesen Stolz auch einmal loslassen zu können. Es gilt – vielleicht mehr als sonst – auch das andere zu erkennen. Wir selbst sind bedürftig! Wir selbst sind angewiesen! Eine Erkenntnis, die nicht nur auf Wohlwollen in uns selbst trifft! Das einzusehen ist unangenehm. Es regt sich Widerstand in uns. Bei manchen gerät das eigene Selbstbildnis ins Wanken, und manch einer kann damit nur schwer umgehen. Aber es ist im Moment so, wie es eben ist – vieles, was bisher als unabdingbar zu unserem Leben gehörte, ist es nicht mehr. Ja, ich spüre, dass ich nicht allein über mein Leben bestimmen kann, wenn das Leben aller neu gelingen soll. Was diese Erkenntnis mit uns macht, liebe Schwestern und Brüder, ich denke, wir wissen es in aller Konsequenz noch nicht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Erkennen und anerkennen, dass wir bedürftig sind, Bedürftige vor Gott! Ja, die meisten von uns sind versorgt, gut versorgt, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen an anderen Orten auf dieser Welt in dieser schlimmen Zeit. Bei den meisten von uns ist das Einkommen und damit auch das Auskommen geregelt. Aber wir haben es alle gespürt: sicher halten wir nichts in unseren Händen, gar nichts! Wir sind bedürftig, bleiben angewiesen. Genau so sollten wir auch vor Gott treten!

So treten wir vor Gott in den „Sieben Wochen ohne“, in die wir nun bald gehen. Täglich sollen und wollen wir vor Gott kommen. Wir wollen und dürfen uns ihm anvertrauen, dürfen bekennen, wie es wirklich um uns steht. Wir dürfen danach fragen und sollen gut hinhören, welche Wege er mit uns gehen will und wird. Und wir brauchen niemals dafür zu stolz sein, ihn darum zu bitten, uns das alles zu schenken, was wir zum Leben brauchen oder uns zurückwünschen.

Denn eines stimmt und wir bekennen es heute mit Martin Luther, der als einen seiner letzten Sätze kurz vor seinem Tod niederschrieb: „Wir sind Bettler, das ist wahr!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir bitten Herr und Gott, um deinen Geist.

Stärke und erneuere uns,

wandle unsere Herzen und Sinne,

dass wir der Zukunft trauen,

in die du uns führen willst.

Hilf allen Menschen, die leiden,

besonders denen, die von Krankheit betroffen sind

oder die um einen Menschen trauern.

Sei bei ihnen in aller Angst und Not,

stärke und tröste sie,

lass sie nicht verzweifeln, sondern neuen Mut finden.

Herr, hilf uns und allen Menschen,

deiner guten Schöpfung zu dienen,

lass uns deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein

und im Vertrauen zu dir deiner Liebe entsprechen.

Herr, erbarme dich unser!

Höre uns,

wenn wir noch einmal in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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