Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Palmsonntag, 28. 3. 2021

(Stand 28. 3. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

Sonntag Palmsonntag, 28. 3. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben. (Joh 3,14b.15)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Psalm 69 in meinen Worten:

Guter Gott hilf mir!

Das Wasser scheint mir bis zum Hals zu stehen.

Manchmal glaube ich,

ich wäre im tiefen Wasser und gehe unter!

In diesen Tagen tue ich viel weniger als sonst

und doch, ich fühle mich so müde.

Mein Hals kratzt, das ist nicht gut in diesen Tagen.

Schaust du mir in die Augen, siehst du auch Traurigkeit!

Traurigkeit über diese Zeit und dieses Warten,

bis es auch mit deiner Hilfe wieder besser wird!

Du lädst mir einiges auf, ich fühle mich nicht gut!

Ich werde mir selbst fremd!

Vielleicht sogar denen, die ich liebe und die mich lieben,

weil ich sie nicht sehen darf und sie mich auch nicht!

So viele werden ungeduldig;

ja, sie klagen, weil du nicht spürbar bist!

So bin ich nicht!

Ich bete zu dir!

Schenke mir eine neue Zeit, eine Zeit der Gnade,

in der mein Leben wieder blüht!

Ich weiß, du hörst mich und hilfst mir!

Ich sitze hier und frage mich,

ob überhaupt jemand an mich denkt!

Ich wünsche mir Trost,

aber da ist niemand, der mich tröstet.

Was zum Leben nötig ist, das habe ich,

aber nicht das Leben in Fülle.

Das alles tut mir in der Seele weh!

Guter Gott, lieber Gott!

Hilf mir und beschütze mich!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr Gott, guter Vater!

An diesem Morgen sind wir vor dir

und bringen unsere Lasten der vergangenen Woche mit.

Wir kommen mit all unserer Schuld,

dir wollten wir folgen

und sind doch wieder unsere eigenen Wege gegangen.

Doch du, Gott und Vater, willst,

dass wir umkehren, von den falschen Wegen hin zu dir,

der du unser Leben sein willst.

Vergib uns unsere Schwäche und unseren Kleinglauben.

So bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann, guter Gott,

lassen wir uns von deinem Sohn Jesus Christus,

neu einladen, der zu uns spricht:

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.

Wenn jemand meine Stimme hören wird

und die Tür auftun,

zu dem werde ich hineingehen

und das Abendmahl halten

und er mit mir.

 

Wir danken dir, Herr, unser Gott,

denn wir dürfen vor dir sein;

du siehst und hörst uns,

wo immer wir auch gerade sind.

Wir dürfen zu dir beten und dein Wort lesen,

dürfen in unseren Herzen sogar

die Lieder unseres Glaubens klingen lassen.

Sende nun deinen Geist auf uns herab,

auf uns, die wir in deiner Gegenwart stehen

und deine reiche Gnade erwarten.

Wir bringen dir Ruhm, Ehre und Anbetung,

dir dem Vater, dem Sohn und dem Hl. Geist,

denn dir gehört unsere Vergangenheit,

unsere Gegenwart und unsere Zukunft;

und du regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 12, Verse 12-19:

12 Als am nächsten Tag die große Menge, die aufs Fest gekommen war, hörte, dass Jesus nach Jerusalem kommen werde,

13 nahmen sie Palmzweige und gingen hinaus ihm entgegen und schrien: Hosianna! Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!

14 Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben steht (Sacharja 9,9):

15 »Fürchte dich nicht, du Tochter Zion! Siehe, dein König kommt und reitet auf einem Eselsfüllen.«

16 Das verstanden seine Jünger zuerst nicht; doch als Jesus verherrlicht war, da dachten sie daran, dass dies von ihm geschrieben stand und man so an ihm getan hatte.

17 Die Menge aber, die bei ihm war, als er Lazarus aus dem Grabe rief und von den Toten auferweckte, bezeugte die Tat.

18 Darum ging ihm auch die Menge entgegen, weil sie hörte, er habe dieses Zeichen getan.

19 Die Pharisäer aber sprachen untereinander: Ihr seht, dass ihr nichts ausrichtet; siehe, alle Welt läuft ihm nach.

Amen.

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Hebräerbrief, Kap. 11,1-2.8-12.39-40;12,1-3

(auch Predigttext)

1 Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.

2 In diesem Glauben haben die Alten Gottes Zeugnis empfangen.

8 Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam, als er berufen wurde, an einen Ort zu ziehen, den er erben sollte; und er zog aus und wusste nicht, wo er hinkäme.

9 Durch den Glauben ist er ein Fremdling gewesen im Land der Verheißung wie in einem fremden Land und wohnte in Zelten mit Isaak und Jakob, den Miterben derselben Verheißung.

10 Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.

11 Durch den Glauben empfing auch Sara, die unfruchtbar war, Kraft, Nachkommen hervorzubringen trotz ihres Alters; denn sie hielt den für treu, der es verheißen hatte.

12 Darum sind auch von dem einen, dessen Kraft schon erstorben war, so viele gezeugt worden wie die Sterne am Himmel und wie der Sand am Ufer des Meeres, der unzählig ist.

39 Diese alle haben durch den Glauben Gottes Zeugnis empfangen und doch nicht die Verheißung erlangt,

40 weil Gott etwas Besseres für uns vorgesehen hat: dass sie nicht ohne uns vollendet würden.

1 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist,

2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes.

3 Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Lebe Leserinnen und Leser!

Es gibt Sonntage im Kirchenjahr, die sind einfach „besetzt“! Und mit „besetzt“ meine ich, dass sie bestimmte Erinnerungen auslösen, bestimmte biblische Geschichten in den Gottesdiensten einfordern, ja einfach ein festes Thema haben. Vielleicht hat sich deshalb irgendetwas in mir gewehrt, als ich den Predigttext für den heutigen Palmsonntag – das kleine Stückchen Hebräerbrief, das Sie als Epistellesung etwas weiter oben lesen konnten – zum ersten Mal zur Kenntnis genommen habe. Damit konnte ich erst einmal gar nichts anfangen!

Warum? – Das schreibe ich Ihnen gerne hier an dieser Stelle. Weil dieser Palmsonntag für mich seit meiner frühesten Kindheit eben „besetzt“ ist. Erinnerungen kommen mir. Für mich war dieser Sonntag immer „Omatag mit Messe und Zweigen“. Die, die mich kennen, wissen, dass ich die ersten Jahre meines Lebens katholisch war. Und an Palmsonntag gab es in unserer Familie einen ganz festen Ritus. Morgendlicher Besuch bei der Oma. Meine Cousinen und ich. Mit der Oma ging es in die heilige Messe. Am Ende gingen wir dann meist dickbepackt mit Buchsbaumzweigen, deren Weihrauchgeruch mir heute noch in der Nase liegt, nach Hause. Bei Oma wurde dann als erstes am Zimmerkreuz der alte Zweig des letzten Jahres abgenommen und der neue daran gesteckt. „Das schützt vor Gewitter und allem anderen“, sagte meine Oma andächtig, machte ein Kreuzzeichen und begann dann, die Buchsbaumzweige zu ganz kleinen Sträußchen zu binden. Die Aufgabe von meinen Eltern und mir war es dann, diese kleinen Sträußchen am gleichen Tag noch unter allen erreichbaren Verwandten, von denen Oma wusste, dass sie wahrscheinlich keinen Gottesdienst besucht hatten, zu verteilen. Und niederrheinische Verwandtschaften sind groß, weil scheinbar jeder, den man kennt, irgendwie dazuzugehören scheint!

Aber wenn Oma den neuen Zweig an ihr Zimmerkreuz gesteckt hatte – was ich dann als Ritus später, wenn ich abends wieder zu Hause war, bei meinem Zimmerkreuz natürlich auch machte, schließlich hatte ich ja auch Angst vor Gewitter – gab es immer noch etwas, worauf wir uns als Kinder so freuten. Alle eng an Oma gekuschelt nahm sie eine Bilderbuchbibel und erzählte uns die Geschichte, wie Jesus auf einem Esel in die Stadt Jerusalem eingeritten kam und die Menschen ihm laut zujubelten. „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn!“ So endete die Geschichte. Das ist zweifellos einer der ersten Sätze, die ich über Jesus auswendig aufsagen konnte! Bestimmt ist das auch ein Grund dafür, dass mich später bei meinen vielen Aufenthalten im Kloster von Taizé das dort gesungene Lied „Benedictus qui venit in nomine domini“ immer besonders berührt hat. Wahrscheinlich habe ich es im Herzen immer für und mit meiner Oma gesungen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

All diese Erinnerungen kamen mir, als sich meine erste Aufgeregtheit über den für mich erst einmal unpassenden Predigttext für diesen Palmsonntag gelegt hatte. Aber dann machte ich es eben noch einmal wie früher als Kind. Ich stellte mir diese Palmsonnntagsszene vom Einzug in Jerusalem – so wie wir sie in der Evangeliumslesung oben lesen konnten – vor Augen und tauchte hinein. Wenn Oma früher erzählte – und sie erzählte so wunderbar –, war es immer ganz leicht. Ich stelle mir also diese Szene vor und schaue auf die Menschen, die dort am Wegesrand stehen und Jesus zujubeln, ihm den Weg schmücken, ihn mit all dem vielleicht sogar in diesem Moment irgendwie überfordern.

Man hatte ihnen einen König versprochen. Jemanden, der sie aus ihren bedrückten Verhältnissen holt. Jemanden, der sie neu stark macht, ihr Leben wieder mehr selbst in die eigene Hand und vor allem auch in die eigene Verwaltung zu übernehmen. Jede Bürde der Knechtschaft sollte von ihnen  genommen werden. So ähnlich war es ihnen jedenfalls schon so lange angekündigt worden, darauf hofften sie nun in diesem Moment der Begegnung mit diesem Jesu, auf den so vieles hingewiesen hat, dass er es sein sollte, der ihre Hoffnungen und Sehnsüchte stillt. Zuversicht hatte sie erfüllt, ja alter Glaube schien sich neu zu erfüllen, schien neu belebt zu werden.

„Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, …“ (Kap 11,1) – Da ist er nun, der Grundgedanke in der ersten Hälfte des ersten Satzes unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief. Er scheint also doch in diesen Sonntag zu sprechen. Ja, ich kann mir vorstellen, wie Menschen erfasst waren von dem Gedanken, dass nun alles besser wird, alles anders wird, Leben neu möglich wird. Jesus, dieser Mann auf dem Esel, er wird es wohl machen! Glaube und Zuversicht werden hier zusammengesprochen. Vielleicht sollen sie ja sogar zusammengehören; vielleicht gehören sie untrennbar zusammen!

Nun stelle ich mir Jesus vor, wie er auf die Menschen schaut, die ihm da zujubeln. Und ich ahne, wie er da schon merkt, wie brüchig das in den Menschen ist, was sie sich da gerade ansehen lassen. Er ahnt jetzt schon, dass es die gleichen Menschen sind, die ein paar Tage später  aus den gleichen Mündern statt des „Hosianna“ das „Kreuzige ihn!“ laut werden lassen. Glaube und Zuversicht – beides kann manchmal sehr brüchig sein.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ist das vielleicht auch gerade eine Erfahrung, die einige von uns selbst in sich spüren? Da sagt uns der Glaube, in dem wir auf die zentrale Woche der Erinnerung – der Karwoche mit dem abschließendem Osterfest als Hoffnungszeichen – zugehen, die uns vielleicht so eng wie sonst nie mit diesem Jesus, mit seiner Geschichte und somit mit Gott zusammenbindet. Wir feiern sie mit besonders gestalteten und sogar in der Form nahe an die Geschichte heranrückenden, liebevoll vorbereiteten Gottesdiensten, in denen wir selbst oft von der mitempfundenen Trauer über den Tod Jesu in das neue Licht der Auferstehung und der Osterfreude am Ostermorgen gehen. Wir spüren in unseren Gottesdiensten nach, wie die Auferstehung Jesu über den Tod siegt und lassen uns anstecken von der Freude. Und dann kommt vor ein paar Tagen die Nachricht und mittlerweile vielleicht sogar die stille Einsicht, dass wir dieses alles auch in diesem Jahr – wie schon so unvermutet im vergangenen Jahr – besser nicht in unseren gewohnten Formen, Liturgien und Kirchen tun sollen, um eben das Leben zu schützen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Hält unsere Zuversicht, hält unser Glaube dem allen stand? Sprechen wir auch und gerade jetzt unseren eigenen Glauben und unsere Zuversicht zusammen? Bleibt beides untrennbar in uns? Gott in Christus kommt zu uns, stirbt für uns, aufersteht für und mit uns, damit wir neu leben. Ist das unser Glaube, ist das unsere Zuversicht?

Ich verstehe alle Entmutigten. Ich verstehe auch die Enttäuschten. Ich verstehe die Ohnmächtigen und die Wütenden. Ich verstehe alle am Glauben, an der Kirche und an Gott Zweifelnden. Ich kann ihnen, so habe ich gerade in diesen Tagen auch oft – wenn ich ehrlich bleibe – das Gefühl, ich kann ihnen allen gar nicht so viel geben, wie sie bräuchten. Auf jeden Fall würde ich gern mehr geben. Mehr zum Bespiel als den zweiten Teil des ersten Satzes aus unserem Predigttext, der mir selbst zur Hilfe wird in diesen schwierigen Tagen, die uns allen gerade wieder und weiter aufgeladen werden. „…und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht.“ (Kap 11,1) – So heißt es im ersten Satz unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief weiter. Ja, das ist das, was ich selbst gerade fühle und aushalten möchte, hoffentlich auch werde! Nein, ich möchte nicht zweifeln! Zweifel dürfen niemals die Überhand bekommen, sie dürfen mich nicht beherrschen und leiten! Sie dürfen schon gar nicht meine Erinnerungen an einen Tag, den meine Oma mir als Kind so sehr ins Herz gelegt hat, verdunkeln!

Ich möchte auch nicht über das zweifeln, was ich jetzt noch nicht sehe. Die Menschen damals waren auch ganz erfüllt von der Hoffnung auf Veränderung. Niemand hatte wohl eine Ahnung, wie Jesus all ihre Sehsüchte und Vorstellungen erfüllen würde. Wahrscheinlich hat nicht ein einziger der Umstehenden damals daran gedacht, dass er es durch sein Sterben und seine Auferstehung machen und schaffen würde. Sie ließen einfach in diesem Moment die Zweifel nicht zu; sie hofften und glaubten.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Dieser Jesus schaut uns genau so an wie die Menschen damals; erschaut uns genau so ins Herz. Wie damals ahnt und weiß er, wie es wirklich um uns steht. Er kennt auch unsere Zerbrechlichkeit, kennt unseren gerade so angefochtenen Glauben, spürt unsere bröckelnde Zuversicht. Aber –  er kommt, kommt zu uns! Sollten wir auch in diesem Jahr unsere Gottesdienste wieder nicht so feiern können, wie wir es uns so sehr wünschen und gewohnt sind. Gott in Jesus Christus kommt zu uns, in jedes Haus, in jede Wohnung, in jedes Herz! Genau dieses Versprechen Gottes, das sich in Jesus Christus ja längst erfüllt hat, wird es nicht zulassen, dass wir uns unsere Zuversicht zerstören lassen oder sie aufgeben. Jesus kommt, stirbt und geht mit uns neu ins Leben, damit auch wir, damit unser Glaube lebt!

Im letzten Satz unseres Predigttextes aus dem Hebräerbrief werden wir genau daran erinnert, wenn es dort heißt:

„Gedenkt an den, der so viel Widerspruch gegen sich von den Sündern erduldet hat, dass ihr nicht matt werdet und den Mut nicht sinken lasst.“ (Kap 12,3)

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, viele von uns werden sich gerade zu den Ermatteten zählen können, weil das vergangene Jahr uns so zermürbt hat! Ja, viele von uns verlieren mehr und mehr den Mut, weil nichts wirklich voranzukommen und leichter zu werden scheint! Deshalb kann ich auch hier und heute an dieser Stelle nicht mehr tun, als uns alle zu bitten, einzuladen und zu ermutigen, auf den zu schauen, der gerade und besonders an diesem Palmsonntag in unsere Herzen einziehen möchte – Jesus Christus, für uns in den Tod gegangen, für uns den Tod überwunden und auferstanden, damit wir das Leben in Fülle haben! Genau so wird es kommen!

Und deshalb gilt für mich – und hoffentlich für viele andere auch – der Satz, mit dem meine Oma die Palmsonntagsgeschichte immer schloss: „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn! Benedictus qui venit in nomine domini!“

Darauf unsere Hoffnung! Amen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, ich brauche deine Augen,

gib mir einen lebendigen Glauben.

Ich brauche dein Herz,

gib mir in allen Situationen Liebe zum Nächsten.

Ich brauche deinen Atem,

gib mir deine Hoffnung für mich selbst und deine Kirche,

auf dass sie Zeugnis ablege für die Welt,

auf dass man die Christen erkenne

an ihrem strahlenden, heiteren Blick,

an der Wärme ihres Herzens

und an diesem unüberwindlichen Glauben,

der sich aus den heimlichen, unversiegbaren Quellen

ihrer fröhlichen Hoffnung nährt.

Vieles gibt es noch,

worum ich dich, Herr, bitten möchten.

Vertrauensvoll lege ich all das,

was mir auf der Seele liegt,

vor dich und bete in der Stille!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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