Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag

Misericordias Domini, 18. April 2021

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben. (Joh 10,11a.27–28a)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 23

 Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist,

wie es war im Anfang jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet:

Guter und Gnädiger Gott!

Wir erinnern uns daran!

Du hast deinen Sohn zu uns gesandt.

Wie ein guter Hirte sollte er uns sein.

Und er ist es auch!

Sein Leben sollte er für uns lassen!

Er hat es getan!

Den Tod hat er überwunden!

Das glauben wir!

Gerade in dieser Zeit,

in der der Tod uns überwinden will!

Dein Sohn Jesus Christus, guter Gott, ist auferstanden

Er will weiter unser Hirte sein!

Warum tun wir uns manchmal so schwer damit,

ihm zu folgen!

Wie oft wollen wir eigene Wege gehen,

von denen wir manchmal tatsächlich meinen,

wir könnten sie in aller Sicherheit selbst planen und gehen!

Wie oft verlieren wir dich auf diesen Wegen aus den Augen!

Wir entfernen uns von dir in so vielem!

Aber du lässt niemals von uns!

So sei nun auch jetzt bei

uns höre uns in all deinem Erbarmen,

wenn wir jetzt in der Stille zu dir beten!

 

– Zeit für ein persönliches Gebet in der Stille –

 

Du selbst hast uns gesagt:

Ich will sie retten von allen Abwegen,

auf denen sie gesündigt haben,

und will sie reinigen,

und sie sollen mein Volk sein,

und ich will ihr Gott sein.
Ehre sei Gott in der Höhe!

 

So bitten wir dich, Jesus Christus,

der du unser guter Hirte bist:

Führe uns auf deinen Wegen.

Auch durch diese schwere Zeit.

Schenke uns Kraft, Geduld und Ausdauer

mit dir auf deinen Wegen für uns zu gehen.

Du lässt uns keinen Mangel leiden.

Du sorgst für uns.

Von dir werden wir niemals verlassen!

Halte du uns alle also in deiner Nähe!

Die, die sich gerade verloren glauben,

suche sie, damit sie dich spüren.

Wenn wir in alle Richtungen auseinanderlaufen,

wenn wir jeder Nachricht, jeder schnellen Erfolgsaussicht,

jeder Verschwörungstheorie und vielem Unsinn

hinterherlaufen und uns zu Leichtsinn verleiten möchte,

dann sei du unsere Mitte, damit wir auf dich schauen.

Denn du führst uns heraus und in eine neue Zukunft.

Darauf vertrauen wir und bitten dich,

der Du mit dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes,

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 10, die Verse 11-16.27-30

11 Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

12 Der Mietling, der nicht Hirte ist, dem die Schafe nicht gehören, sieht den Wolf kommen und verlässt die Schafe und flieht – und der Wolf stürzt sich auf die Schafe und zerstreut sie –,

13 denn er ist ein Mietling und kümmert sich nicht um die Schafe.

14 Ich bin der gute Hirte und kenne die Meinen und die Meinen kennen mich,

15 wie mich mein Vater kennt; und ich kenne den Vater. Und ich lasse mein Leben für die Schafe.

16 Und ich habe noch andere Schafe, die sind nicht aus diesem Stall; auch sie muss ich herführen, und sie werden meine Stimme hören, und es wird eine Herde und ein Hirte werden.

27 Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir;

28 und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen.

29 Was mir mein Vater gegeben hat, ist größer als alles, und niemand kann es aus des Vaters Hand reißen.

30 Ich und der Vater sind eins.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Hesekiel, Kapitel 34, Verse 1–2.10–16.31

(auch Predigttext)

1 Und des HERRN Wort geschah zu mir:

2 Du Menschenkind, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen: So spricht Gott der HERR: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?

10 So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

11 Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen.

12 Wie ein Hirte seine Schafe sucht, wenn sie von seiner Herde verirrt sind, so will ich meine Schafe suchen und will sie erretten von allen Orten, wohin sie zerstreut waren zur Zeit, als es trüb und finster war.

13 Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande.

14 Ich will sie auf die beste Weide führen, und auf den hohen Bergen in Israel sollen ihre Auen sein; da werden sie auf guten Auen lagern und fette Weide haben auf den Bergen Israels.

15 Ich selbst will meine Schafe weiden, und ich will sie lagern lassen, spricht Gott der HERR.

16 Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist.

31 Ja, ihr sollt meine Herde sein, die Herde meiner Weide, und ich will euer Gott sein, spricht Gott der HERR.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Der Prophet Ezechiel, von Martin Luther eingedeutscht zu Hesekiel, regt sich auf – regt sich mächtig auf. Was war geschehen?

Etwa 600 vor Christus war Jerusalem ins Exil verschleppt worden, Ezechiel war mit dabei. Nun sitzt das Volk im Zweistromland in der babylonischen Gefangenschaft. Von hier aus schaut Ezechiel immer wieder geradezu visionär zurück nach Jerusalem. Von hier aus kündigt er das Gericht Gottes an, hier verkündigt er Gottes Weisung an die mit ihm Deportierten, hier kündigt er Gottes richtendes Handeln an den Israel umgebenden Völkern an. Hier lässt er seiner Wut und Enttäuschung über die regierenden seines Volkes freien Lauf. Wir konnten das in der Lesung etwas weiter oben geradezu nachspüren.

Ezechiel spart nicht mit Kritik an den Regierenden. Sie haben seiner Meinung nach nicht etwa aus Schwäche versagt. Nein, sie haben aus Bosheit und aus Egoismus das Volk zugrunde gerichtet! So sieht es Ezechiel! Sie haben sich benommen wie Hirten, die sich an der Herde, die ihnen anvertraut, ist einfach nur bereichern, nur auf eigenen Profit aus sind. Das Wohlergehen der Herde oder etwa Bestandspflege war ihnen völlig egal. Sie haben sich nur selbst geweidet und gemästet, haben geschaut, das die eigenen Taschen und Vorräte immer gut gefüllt waren. Sie haben nur für sich selbst gesorgt. Das Schicksal der anderen war ihnen völlig gleichgültig. Alles Ausbeuter! Und deshalb, so Ezechiel, ist jetzt eben die ganze Herde verstreut, das Land mit seiner Hauptstadt Jerusalem zerstört. Nun bekommen die schlechten Hirten eben ihre Strafe. Gott sagte es durch Ezechiel in Vers 10:

So spricht Gott der HERR: Siehe, ich will an die Hirten und will meine Herde von ihren Händen fordern; ich will ein Ende damit machen, dass sie Hirten sind, und sie sollen sich nicht mehr selbst weiden. Ich will meine Schafe erretten aus ihrem Rachen, dass sie sie nicht mehr fressen sollen.

Kritik an den Regierenden, prophetische Kritik, wie es ihnen ergehen wird. Kommt uns das – gerade auch in diesen Tagen – nicht irgendwie bekannt vor. Schweben nicht sogar die gleichen Vorwürfe im Raum? Machthabende und Politik Treibende, die ein Volk zugrunde richten, gibt es weltweit leider viel zu viele. Politikerinnen und Politiker, die in die eigene Tasche arbeiten, sind in letzter Zeit ja auch bei uns „aufgeflogen“. Ist es manchmal nicht geradezu erschreckend, wenn Verantwortliche von großen Wirtschaftsunternehmen ganz übel und betrügerisch wirtschaften und trotzdem kräftig für sich selbst abkassieren. Ist es nicht wirklich ein Ärgernis, wenn manche Managementtreibende immer mehr bekommen, und diejenigen, die vor Ort die Arbeit tun, kaum mehr verdienen?

Nun schaue ich aber auch einmal auf unsere Kirchen, also auch auf uns selbst. Wie viel Zeit, Kraft und auch Geld stecken wir alle – Kirchenleitende genau so wie Presbyterinnen und Presbyter, Gemeindeleitungen und Pfarrgemeinderäte – in Strukturreformen? Wie oft drehen wir uns im Kreis und schaffen nur halbherzige Lösungen, weil unter uns immer noch die Maßgabe gilt, größere Einheiten seien zukunftsfähiger als kleinere. Wo kommt aber auch die geistliche Erneuerung in den Blick? Wo bleibt dieser geistliche Blick auf Kirche und Gemeinden, wenn wir nur noch Rückbau planen, nicht aber Neuaufbau?

Mir ist schon klar, dass man einen geistlichen Neuaufbau nicht einfach am Reißbrett planen kann wie ein Haus oder ein anderes Gebäude. Es braucht immer auch, wie z.B. im 6. Kapitel des Epheserbriefes beschrieben, die Zurüstung durch den Heiligen Geist; es braucht die Zurüstung durch Gebet und das Lesen in der Heiligen Schrift. Es braucht vielleicht sogar das ehrliche Bekenntnis und die Einsicht: Wir können es nicht! Oder besser: wir können es nicht mehr! Haben es irgendwie scheinbar verlernt. Es ist soweit in den Hintergrund getreten. Wir müssen noch einmal mit Gott ganz neu anfangen!

Lebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wäre das – wäre solch eine Einsicht und solch ein ehrliches Bekennen – nicht auch die Voraussetzung für einen Neuanfang und Neuaufbau? Wäre es nicht gut, einmal zu bekennen: Lieber Gott! Wir sind müde geworden. Wir sehen es doch selbst, unsere Gottesdiense sind schlecht besucht. Wir reißen niemanden vom Hocker! Wir reden von deiner Freundlichkeit, aber wie oft strahlen wir sie einfach nicht aus! Wir erfahren als Kirche und Gemeinde bei vielen Menschen mittlerweile Ablehnung und Kälte; da sind viele, die wollen von uns gar nichts mehr wissen. Vielleicht noch von dir, guter Gott, aber nicht mehr von uns! Manchmal wissen wir gar nicht mehr wirklich, was uns noch zusammenhält oder neu zusammenführt!

Wäre nicht solch eine selbstkritische Betrachtung, wäre das Zulassen solch einmal wieder auf uns selbst schauender Fragen in unserer zur so festen und erstarrten Institution Kirche nicht an der Zeit? Wäre es nicht besser, so offen an die zu verändernden Situationen heranzugehen, als Meisterinnen und Meister des Herumlavierens und der faulen Kompromisse zu werden? Nach außen wollen wir gerne noch stark erscheinen, aber unsere innere Schwäche verdrängen wir meisterhaft! Aber sollten gute Hirten einer Herde nicht auch die leider wohl nur begrenzte Kraft einer „Herz-Lungen-Maschine stabiler Kirchensteuereinnahmen“ zugeben? Kirche, bekenne doch auch einmal ehrlich deine Schwäche und beginne damit, Gott neu zu suchen! Tu’ es bald!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Merken wir, wie schnell die heftige Kritik Ezechiels auch auf uns selbst zurückfällt, uns trifft und auch zu uns gesprochen ist? Gott sei es gedankt, ist das alles aber nur die eine Seite der Botschaft des mutigen Propheten. Da sind nämlich auch noch die Verse 11-16 aus unserem Predigttext. Drei Verse zitiere ich noch einmal:

Denn so spricht Gott der HERR: Siehe, ich will mich meiner Herde selbst annehmen und sie suchen. (V.11)

Ich will sie aus den Völkern herausführen und aus den Ländern sammeln und will sie in ihr Land bringen und will sie weiden auf den Bergen Israels, in den Tälern und wo immer sie wohnen im Lande. (V.13)

Ich will das Verlorene wieder suchen und das Verirrte zurückbringen und das Verwundete verbinden und das Schwache stärken und, was fett und stark ist, behüten; ich will sie weiden, wie es recht ist. (V.16)

Gott redet durch Ezechiel. Er lässt ihn Tröstliches und Hoffnungsvolles sagen. Es gibt eine Zukunft! Für die aus der Heimat Vertriebenen, für die Ausgebeuteten, für alle im Stich Gelassenen gibt es eine Zukunft des Friedens! Diese Zukunft beginnt – so Ezechiel – eben gerade nicht damit, dass sich da irgend jemand aufrafft, gerechte Verhältnisse schafft und meint, es besser als die früher Regierenden zu machen. Wie so etwas meist endet, haben wir oft genug aus der Geschichte erfahren. Nein!

Neuanfang geschieht einzig und allein als Tat Gottes! Gott selbst lässt es Ezechiel so deutlich wie möglich aussprechen, wenn er sagt: Siehe, ich will mich meiner Herde selbstannehmen und sie suchen. (V.11) Neuanfang beginnt, um es einmal bildlich zu schreiben, also „ganz oben“. Für Gott selbst steht eines nämlich fest: Für die neue Zukunft in einem neuen Frieden und in einer neuen Gestalt braucht es mehr als ein ausgefeiltes und wortreiches Programm mit neuen Slogans, es braucht mehr als ein paar neue Überzeugungstäterinnen und Überzeugungstäter!

So kam es ja dann schließlich auch. Gott selbst führte sein Volk heraus aus der Gefangenschaft und neu und auch anders in die alte Heimat zurück!

Der Neuanfang beginnt also offenbar ganz oben: Das sollen wir bejahen – gerade auch in den Fragen der Erneuerung von Kirche und Gemeinde!  Genau weil das so ist – und ja auch schon einmal beim alten Volk Israel so geschehen ist –, sollten wir doch auch so mutig sein, die eigene Verzweiflung du Hilflosigkeit zu bekennen, um dann eben auch „ganz oben“, also bei Gott selbst, nachfragen, Hilfe suchen, neu zu beten lernen. Vielleicht müssen wir es deshalb sogar neu lernen, eigene Pläne und Ideen einmal zurückzustellen, um genauer hinzuhören, was Gott uns sagen will. Vielleicht müssen wir unsere Augen und Herzen wieder einmal neu ganz weit aufmachen, um wieder neu sehen zu lernen, was Gott uns vielleicht schon zeigt und als Weg vorgibt. Manchmal müssen wir es dann vielleicht sogar auch gegen jede scheinbare Vernunft und gegen alle  Finanz- und Strukturpläne tun, auch wenn es verrückt klingt!

Wir müssen, dürfen und sollen uns auf unseren Glauben neu besinnen, in dem wir das Vertrauen wieder wachsen lassen, uns alle auf den zu besinnen, der doch schon einen grundlegenden Neuanfang für uns alle und mit uns allen gemacht hat. Dieser Neuanfang ist – wir haben ihn erst vor kurzem, wenn auch in diesem Jahr schon wieder in sehr bescheidenem Rahmen, gefeiert – an Ostern für die ganze Welt geschehen. Es ist Jesus Christus selbst, der Auferstandene! Er hat von sich selbst gesagt: „Ich bin der gute Hirte. Ein guter Hirte lässt sein Leben für die Schafe!“ (Joh 10,11)

Schauen wir deshalb auf diesen guten Hirten. Er ist nicht deshalb so besonders, weil er besondere irdische Macht hat. Er übertrifft alle Regierenden dieser Welt auch nicht einfach durch senb vorbildliches Handeln. Jesus hat nie einer Riege von Ministerinnen und Ministern vorgestanden, musste nie Bund-Länder-Konferenzen leiten. Er hat nie einer Steuerbehörde vorgestanden oder eine funktionierende Verwaltung um sich gehabt. Nein, das alles nicht! Aber dieser gute Hirte hat uns Menschen Gottes Handeln, hat uns Gottes Regieren in dieser Welt sichtbar und für uns spürbar gemacht. Das machte ihn besonders. Er hat uns darin vergewissert: Gott selbst sucht und erlöst sein Volk! Gott selbst errettet uns Menschen aus unseren Sünden, hat auch uns als sein Volk erlöst. Gerade deshalb hat Jesus immer auch diejenigen berufen, die scheinbar diese Verbindung zu Gott verloren hatten. Genau auf diesem Weg der Gerechtigkeit Gottes in dieser und für diese Welt ist der gute Hirte, ist Jesus selbst, geradezu unter die Räder gekommen. Die gerechten und Selbstgerechten dieser Welt konnten nämlich genau diesen barmherzigen Jesus nicht ertragen! Jesus hat aufgelöst, was ihnen, den Selbstgerechten, bis dahin scheinbar heilig war. Deshalb bricht Jesus geltende Gesetze und übertritt sie. Er sagte auch deutlich, warum er dies so tat. Aus seiner Verwandtschaft mit dem Gott, der diesen Weg in der Welt durch ihn für uns Menschen bahnt, machte er keinen Hehl, als er gefragt wurde, wer er denn sei. Solche Vorwürfe brachten ihn ans Kreuz. Der gute Hirte starb daran für seine Schafe. Eben nicht einfach nur, weil er die „Verlorengegangenen“ suchte oder die „Versprengten“ zurückbringen wollte. Nein! Jesus selbst stirbt nach Gottes Willen. Durch seinen Tod und durch seine Auferstehung öffnet er dann aber geradezu die Tür für die Verlorenen aller Länder und Völker ganz weit. Er selbst öffnet am Kreuz und durch seine Auferstehung die Tür zu Gott neu, zu einem neuen Leben im Frieden mit Gott, auch zur Heilung für Leib und Seele.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ist es nicht genau das, was auch und gerade die Aufgabe von Kirche und Gemeinden ist? Wir sind doch durch alles, was wir sagen, tun und handelnd bezeugen, dazu da, Gottes Regieren in dieser Welt durch die frohe Botschaft von Jesus Christus anzukündigen und weiterzusagen. Wir sind dazu gerufen, schon heute in und aus dieser guten Nachricht heraus zu leben und das Leben für viele zu gestalten! Gott sucht unablässig und erlöst unablässig durch seinen Sohn Jesus Christus!

Das ist der Weg, auf dem wir gehen sollen. Es ist der gleiche Weg, auf dem vor langer Zeit schon das alte Volk Israel schon ging und auf dem wir wohl auch noch ein gutes Stück vor uns haben. Und genau so wie er dem alten Volk Israel schon damals durch den Propheten Ezechiel ins Gewissen redete, muss er es wohl ab und zu auch bei uns tun! Und wir? – Wir haben zu hören und weiterzugehen! Mit Gott! In eine gute Zukunft, die er für uns bereithält! Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet:
Lebendiger Gott, guter Vater!

Du hast uns Menschen deine Liebe gezeigt!

In deinem Sohn, in Jesus Christus, unserem guten Hirten!

Wenn dein Jesus Christus uns Bruder geworden ist,

warum fällt es uns so schwer,

auch uns alle als Schwestern und Brüder anzunehmen!

Herr, schau’ auf uns alle, denn wir vertrauen dir und bitten dich:

 

Wir bitten dich für die Zaghaften und Kleinmütigen unter uns,

die es nicht wagen,

ihren eigenen Gefühlen und Ideen zu trauen.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie überall!

 

Wir bitten für die Mächtigen und alle diejenigen,

denen Geld oder Machtstreben

den Blick auf die Mitmenschen verstellen.

Schau’ auf uns und in diese Zeit! Es gibt sie immer noch!

 

Wir bitten für die Traurigen und die Resigierenden,

die ihren Lebenssinn verloren haben.

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind so viele!

 

Wir bitten für die Suchenden und für alle Idealisten,

die so ungeduldig werden

und sich nicht mit dem Erreichten zufrieden geben können

Herr, schau’ auf uns und in diese Zeit! Es werden mehr!

 

Wir bitten für die Kranken und Leidenden,

für all die, die sich ihrer Grenzen und ihrer Ohnmacht bewusst werden.

Herr schau’ auf uns und in diese Zeit! Es sind zu viele!

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.