Wochenspruch: Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petr 1,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Gedanken zu Versen aus Psalm 116 in meinen Worten:

Es tut so gut, darauf vertrauen zu können,

dass Gott hört, wie ich zu ihm rufe,

er hört mein Weinen und Klagen!

Er kommt mir ganz nahe,

damit keines meiner Wort ungehört bei ihm verhallt!

Das möchte ich mir mein Leben lang bewahren!

Manchmal da schnürt mir die Angst die Kehle zu.

Ja, ich habe in diesen Tagen auch in meinem Leben

auch an den Tod denken müssen!

Das hat mich erschreckt! Tief erschreckt!

Aber du, guter Gott, schaust auf mich mit all deiner Gnade.

Ich weiß auch du verteilst deine Gnade gerecht,

und sie reicht für alle!

Mit all deiner Barmherzigkeit,

die so gut tut, bist du bei uns!

Die Schwachen brauchen dich gerade sehr.

Alle die, die nicht für sich selbst sprechen können!

Du bist dort. Und das ist gut!

Aber du bist auch bei mir, denn auch in bin so oft schwach.

Und auch mir hilfst du!

Deshalb finde ich ganz tief in mir nun auch meine Ruhe wieder!

Und das tut gut! Du tust mir Gutes!

Die düsteren Gedanken hast du vertrieben.

Ich vertraue wieder dir und mir.

Meine Tränen wische ich ab.

Und ich stehe wieder fest!

Ja, ich werde wieder neu gehen können!

Sehr aufmerksam!

Und ich werde wieder von dir erzählen!

Und dann werde ich auch eines Tages wieder feiern,

vor dir und mit vielen anderen.

Wir werden singen, beten und dein Wort hören!

Und wir werden dir danken!

Von ganzem Herzen!

 

Gebet

Guter Gott und Vater!

Es gibt viele Menschen, die glauben.

Und sie sagen:

Mit Ostern hat das Leben wieder neu begonnen

Und es wird anders werden, ganz anders!

Es wird gut werden!

Da sind aber auch die anderen;

die, die gerade sagen:

Ich glaube nur, was ich sehe!

gerade in diesen Tagen!

Und das, was ich sehe, es spricht alles dagegen!

Vieles wird nie wieder gut!

Herr beides bringen wir heute

auch in unsrem Gebet vor dich!

Unseren ganzen Optimismus,

der uns manchmal dazu verleitet,

unsere Aufmerksamkeit und Vorsicht zu verlieren

und sich in unserer Ungeduld seine Bahn bricht!

Aber auch unsere ganze Verzagtheit und Mutlosigkeit;

beides wirkt so lähmend

beides will uns daran hindern,

mit dir nach vorn zu schauen!

Schau auf uns, Herr,

und wandle uns in deiner Liebe!

Ermutige uns!

 

Mache uns getrost und gewiss,

dass wir wieder daran denken

und es uns als einen festen Glauben bewahren:

Du, guter Gott, gibst uns niemals auf!

Es galt zu allen Zeiten und es gilt heute und in Zukunft!

Barmherzig und gnädig ist der Herr,

geduldig und von großer Güte!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Unsere Hoffnungen kommen und gehen.

Manchmal verkümmern sie.

Manchmal sogar begraben wir all unsere Hoffnungen.

Wir bitten dich, gib uns neue und lebendige Hoffnung,

die uns trägt, gerade in diesen Tagen,

gerade in diesen Zeiten.

Sei du selbst unsere Hoffnung,

mit der wir neu durch das Leben gehen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Petrusbrief, Kapitel 1, die Verse 3-9:

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten,

4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch,

5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen,

7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus.

8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude,

9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 21, die Verse 1-14:

(Auch Predigttext)

1 Danach offenbarte sich Jesus abermals den Jüngern am See von Tiberias. Er offenbarte sich aber so:

2 Es waren beieinander Simon Petrus und Thomas, der Zwilling genannt wird, und Nathanael aus Kana in Galiläa und die Söhne des Zebedäus und zwei andere seiner Jünger.

3 Spricht Simon Petrus zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sprechen zu ihm: Wir kommen mit dir. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot, und in dieser Nacht fingen sie nichts.

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.

5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische.

7 Da spricht der Jünger, den Jesus lieb hatte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte: »Es ist der Herr«, da gürtete er sich das Obergewand um, denn er war nackt, und warf sich in den See.

8 Die andern Jünger aber kamen mit dem Boot, denn sie waren nicht fern vom Land, nur etwa zweihundert Ellen, und zogen das Netz mit den Fischen.

9 Als sie nun an Land stiegen, sahen sie ein Kohlenfeuer am Boden und Fisch darauf und Brot.

10 Spricht Jesus zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr jetzt gefangen habt!

11 Simon Petrus stieg herauf und zog das Netz an Land, voll großer Fische, hundertdreiundfünfzig. Und obwohl es so viele waren, zerriss doch das Netz nicht.

12 Spricht Jesus zu ihnen: Kommt und haltet das Mahl! Niemand aber unter den Jüngern wagte, ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten: Es ist der Herr.

13 Da kommt Jesus und nimmt das Brot und gibt’s ihnen, desgleichen auch den Fisch.

14 Das ist nun das dritte Mal, dass sich Jesus den Jüngern offenbarte, nachdem er von den Toten auferstanden war.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade eine Geschichte gehört – die Geschichte von Jesu Begegnung mit den Fischern am See in Tiberias -, die eigentlich im Johannesevangelium schon gar nicht mehr drinsteht. Wenn man nämlich genau hinschaut, sich einmal in neutestamentliche Theologie und besonders in das Johannesevangelium vertieft, dann kann man feststellen, wie das Johannesevangelium an sich schon mit dem Kapitel vorher in aller Form abgeschlossen wird.

Da hat Johannes – wie die anderen Evangelisten auch – vom Leiden und der Kreuzigung Jesu erzählt. Es folgen seine Ostergeschichten mit der Auffindung des leeren Grabes und den Begegnungen des Auferstandenen mit Maria Magdalena, seinen Jüngern und schließlich auch mit Thomas, dem Zweifler. Dann kommt da schließlich, unmittelbar vor unserer heutigen Evangeliumslesung von der Geschichte am See der eigentliche Schlusssatz des Evangeliums, wenn der Evangelist schreibt: „Noch viele andere Zeichen tat Jesus vor seinen Jüngern, die nicht geschrieben sind in diesem Buch. Diese aber sind geschrieben, damit ihr glaubt, dass Jesus der Christus ist, der Sohn Gottes, und damit ihr, weil ihr glaubt, das Leben habt in seinem Namen.“ (Joh 20,30f) Deutlicher kann ein Schlusspunkt doch wohl nicht sein.

Aber jetzt folgt noch ein Kapitel mit der Geschichte, über die wir heute nachdenken. Ganz offensichtlich ein Nachtrag. Warum? Warum macht sich der Evangelist damals schon die Mühe, noch eine Geschichte zu erforschen, aufzuschreiben, zu erinnern und eben an sein eigentliches Gesamtwerk anzuhängen?

Eigentlich gibt es wohl nur eine Erklärung: diese Geschichte hängt er an und schreibt sie auf für all diejenigen, die die Ostergeschichten damals zwar schon andächtig gehört, dann aber damals wohl auch schon gesagt haben: So wie das da von Maria Magdalena und den Jüngern und erst recht von dem Thomas erzählt wird, der den Auferstandenen regelrecht zu fassen kriegt, so direkt und eindeutig und zwingend zeigt sich der Auferstandene uns leider nicht. Dabei hat er doch versprochen, bei und in seiner Gemeinde zu bleiben bis an der Welt Ende. Woran kann unsereiner das denn nun merken? Bis heute reden Menschen so. Niemals ist das Sehnen danach, den Auferstandenen leibhaftig zu sehen, um dann vermeintlich besser und zweifelsfreier glauben zu können, verstummt.

Ich denke, genau auf diese Frage gibt diese Nachtragsgeschichte eine Antwort. Ostern wird noch einmal erzählt, als hätte es die Geschichten von den umwerfenden Erscheinungen in Jerusalem gar nicht gegeben. Es ist, als habe alles mit Karfreitag geendet und die Jünger seien in ihren Alltag am See Tiberias zurückgekehrt, den wir auch als See Genezareth kennen. Die Jünger werden mit Menschen in ihren späteren Gemeinden und deshalb auch mit Menschen wie uns auf eine Stufe gestellt. Deshalb diese andere Ostergeschichte vom See in Tiberias.

Wir erinnern uns: Es geht damit los, dass Petrus zu seinem Gefährten sagt: Ich will fischen gehen – er sagt also: ich gehe zur Arbeit. Und die anderen tun das auch. Und natürlich gehört das nur zu gut bekannte unwillige Seufzen dazu, wenn es heißt: ich muss zur Arbeit… Kennen doch einige von uns, oder? Manchmal weiß man nur zu genau, dass die Arbeit oft nicht der Mühe wert zu sein scheint. Und so ist es hier in der Geschichte ja tatsächlich auch: Nach einer mühevollen Nacht beim Fischfang kommen sie in der Frühe todmüde zurück – mit leeren Netzen. Nichts gefangen. Und damit stehen sie für alle, die von der Arbeit oder vielleicht auch aus der Schule kommen mit dem Gefühl: Es hat heute mal wieder nichts gebracht! Manchmal habe ich solch ein Gefühl sogar bei der Hausarbeit. – Obwohl, während ich das schreibe, fühlen es wohl manche gerade ganz anders. Homeoffice und Homeschooling – das Arbeiten und das Lernen von zu Hause aus – haben die Prioritäten vielleicht verschoben, lassen aber bei manchen vielleicht auch schon wieder das Sehnen nach dem scheinbar Vergangenem, wachsen. Wie kläglich war das Seufzen, aber wie schön war es auch, unbeschwert zur Arbeit oder in die Schule gehen zu können!

Genau jedoch in diese Stimmung des Alltäglichen tritt in unserer Geschichte Jesus, wieder erst einmal in der Gestalt eines Fremden ein. Das war bei Maria aus Magdala damals am Grab nicht anders. Die sah ja zunächst den Friedhofsgärtner in ihm. Oder denken wir an die Jünger auf dem Wege nach Emmaus. Der Auferstandene begegnet ihnen unerkannt. Nicht an seiner Gestalt wird er erkannt, sondern an dem, was er sagt und in Gang setzt. Erkannt wird er, als er das Brot bricht.

Hier beginnt der noch fremd erscheinende Jesus mit einer Frage: „Kinder, habt ihr nichts zu essen?“ (V. 5) Er fragt geradezu väterlich, möchte nicht mehr fremd sein. Jesus sucht den Kontakt zu seinen Jüngern. Die Jünger aber müssen passen, sie haben ja nichts gefangen. Bei der im Orient selbstverständlichen Gastfreundschaft muss ihnen das besonders peinlich gewesen sein. Allein schon deshalb muss Jesus jetzt geradezu aktiv werden. Menschen in eine peinliche Lage zu bringen, das hat er nämlich niemals getan.

„Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden, rät er ihnen. Auf deutsch: Kommt, versucht es noch einmal! Auch wenn ihr denkt: der hat gut reden. Als hätten wir nicht schon alles versucht – natürlich nicht nur links, sondern auch rechts!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Was wären wir ohne die Menschen –  Ehepartnerinnen und -partner, Kolleginnen  und Kollegen, gute Freundinnen und Freunde -, ohne die Menschen, die uns gut zureden, den Kopf nicht hängen zu lassen, die uns sagen: Komm, du schaffst das. Ich weiß doch, was du kannst. Menschen, die uns nicht festlegen auf unsere Misserfolge, die uns etwas zutrauen, uns Mut machen und uns auf neue Ideen bringen. Menschen, die uns gegen all unsere Angst, gegen all unsere Resignation auch wieder Mut zusprechen. Menschen, die geradezu – wie hier der Auferstandene – mit der aufgehenden Sonne am Ufer unseres Lebens stehen. In ihnen begegnet uns der Auferstandene – also in denen, die uns wieder an die Arbeit schicken, die uns wieder ins Leben schicken, die uns wieder ermutigen und neu aufrichten. So irdisch, so alltäglich, so menschlich kann Ostern sich auswirken! Und wie wichtig sind gerade in diesen Tagen solche Menschen für uns alle! Wie wichtig ist es sogar, wenn wir vielleicht selbst solche Menschen für andere sein können!

Die Jünger fahren also wieder los. Und natürlich passiert das, was Jesus für sie ja wollte; sie kommen mit übervollen Netzen zurück. Ich schaue damit auch noch einmal auf uns. Denn das kennen wir doch auch: Ja, das gibt es! Ja, das kommt vor, dass mitten im normalen Trott unsere Arbeit überreich gesegnet wird – wenn man eben nicht ausgelaugt, sondern wirklich erfüllt nach Hause kommt im Triumph über eine gute Arbeit; mit der Genugtuung, heute habe ich wirklich etwas bewegt, ich habe etwas weitergebracht. Vielleicht sogar: ich habe mich weitergebracht. Die Arbeit macht Spaß, und ich freu mich schon auf den nächsten Tag. Oder mir wird vielleicht sogar in diesen schwierigen Tagen mal wieder klar: Was für ein Segen, dass ich mit meiner Arbeit zufrieden sein kann, ja dass ich sogar zu Hause mit und nach meiner Arbeit Geborgenheit und eine Atmosphäre schaffen kann, in der sich die Menschen, die ich liebe und mit denen ich lebe, wohlfühlen können.

Ich wünsche uns allen von ganzem Herzen solche Segenstage. Tage, an denen wir erkennen, wie wunderbar das Leben sein kann und wie wunderbar es ist, von diesem Gefühl weitergeben zu können. Ich wünsche es uns gerade auch in dieser Zeit!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich wünsche uns sogar noch etwas. Nämlich dieses Gefühl auch oft zu spüren, wie gut ist es, an solchen Segenstagen einen Menschen wie den Johannes im Boot des eigenen Lebens zu haben – einen Menschen, der uns die Augen öffnet für das, was hinter dem steht, was man so obenhin als Glück, Glückssträhne oder Gutgehen bezeichnet. Jemanden, der immer auch tiefer sieht und der es eben auch weitersagt: „Es ist der Herr.“ (V. 7)  Wer Grund hat, von Glück und Segen zu reden – oder vielleicht sogar zu singen, wie ich es manchmal bis zum März des vergangenen Jahres, aber hoffentlich bald auch wieder in der zweiten Jahreshälfte dieses Jahres 2021 an verschiedenen Orten tun darf –, der hat es, ob er es weiß oder nicht, mit nichts Geringerem als mit Ostern und mit der Lebensäußerung des Auferstandenen zu tun.

Ich glaube – gestattet mir, liebe Freundinnen und Freunde, die ihr mich kennt und von meiner Leidenschaft wisst, diesen eingeschobenen Gedanken – genau deshalb ziehe ich umher und singe und erzähle ich. Und tue es sehr gern!

Auf Petrus – damit sind wir wieder bei der Geschichte am See –, der bisher gar nichts davon mitbekommen hat, wirkt diese Entdeckung wie elektrisierend. Ohne lange nachzudenken, wirft er sich ins Wasser, um möglichst schnell an Land und zu Jesus zu kommen.

Und hier begegnet uns das, woran ich schon in vielen Predigten erinnert habe: Die beiden Menschentypen, die uns hier vor Augen geführt werden, die kennen wir doch gut: wir kennen den Stillen, den Tieferblickenden, den Meditativen auf der einen Seite. Wir kennen aber auch den Impulsiven auf der anderen Seite, den, dem es oft nicht schnell genug gehen kann; den, der voller Ungeduld Hals über Kopf einfach losprescht. Und lebt eine Gemeinde – bei uns in Winzenheim und natürlich auch überall – nicht geradezu davon, dass beide dieser Typen in einem Boot sitzen? Sind diese Typen wirklich so gegensätzlich, dass man sie nur zu leicht gegeneinander ausspielen kann und meint, man könne sich nur für den einen oder den anderen entscheiden?

Ich glaube das nicht. Es geht hier um mehr. Es geht bei diesem zunächst als Gegensatz Erscheinenden doch eher um die Spannung zwischen Kontemplation und Aktion. Jedes Presbyterium kennt doch z.B. diese Frage: Wo soll in unserer Gemeindearbeit der Schwerpunkt gesetzt werden? Liegt der Schwerpunkt in der Sammlung um Gottes Wort, im Gebet, im Gottesdienst oder in den vielen möglichen Aktivitäten, die den Willen Jesu im Alltag der Welt umsetzen? Und welchen Schwerpunkt werden wir so neu gewichten, dass er uns in eine gute Zukunft trägt?

Genau diese Spannung – liebe Schwestern und Brüder –  war von Anfang da in der christlichen Gemeinde. Sie gehört dazu wie die Männer und Frauen, die den Unterschied zwischen Johannes und Petrus bis heute verkörpern. Alles hängt daran, dass keiner dem anderen die Nähe zum Auferstandenen streitig macht. Der auferstandene Jesus, der Christus – er trifft keine Entscheidung zwischen ihnen; er äußert sich nicht zu der Frage, wo denn wohl die größere christliche Substanz ist. Er lädt sie beide zusammen mit all den verschiedenen Menschen zwischen diesen beiden Typen zum gemeinsamen Mahl. Die Unterschiede und Gegensätze im Glauben – sie wurden und werden uns wohl auch in Zukunft nicht erspart. Aber das andere bleibt eben auch: bei allem Streit, bei all unseren Verschiedenheiten bleiben wir Gemeinde des Auferstandenen; wir bleiben es, solange wir uns an seinen Tisch bitten lassen und seiner Einladung dann auch folgen. Zumindest dann, wenn wir uns auch wieder als sichtbare Gemeinschaft von Geschwistern rund um diesen Tisch versammeln dürfen. Selbst jetzt, wo es gerade nicht so ist, bleiben wir, wenn auch vielleicht anders und niemals gedacht, als Gemeinschaft vor Gott verbunden! Denn es war, es ist und es bleibt sein Wille!

Wir sind in seinem Geist zusammen, feiern das Leben, genießen die Gemeinschaft untereinander, auch und gerade in der momentanen Zerstreuung! Wo immer wir auch gerade sind, der Auferstandene will und wird uns nahe bleiben! Er tritt mitten unter uns, schickt uns immer wieder neu auf unseren Weg. Er geht ihn sogar mit. Also: auf geht’s! Denn der Weg ist noch weit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet:

Wir beten!

Herr! Guter Gott und Vater!

Wir danken dir für alle Menschen,

die du in deinen Dienst nimmst.

Gerade auch in diesen Tagen!

Sie tun es auf so viele verschiedene Weisen!

Für einige ist es ihr Dienst,

andere tun es freiwillig.

Wir danken dir für alle Menschen,

die du auch in diesen Tagen zu den Menschen sendest!

 

Deine Gemeinde lebt.

Auch wenn wir uns vielleicht nicht sehen können,

aber wir dürfen es spüren! Danke!

Viel Kraft ist nötig, Herr,

um diese Zeit zu bestehen.

Und noch mehr Kraft wird nötig sein,

um diese Zeit zu überwinden.

 

Da warten so viele Aufgaben,

vieles müssen wir neu denken und neu leben!

Wir wollen vertrauen, Herr!

Auf dich und auf die Kräfte,

die du auch wieder in uns wecken wirst

Rüste uns aus mit allem, was wir brauchen,

um mit dir neu leben zu können!

Denn du bist das neue Leben für uns.

Es hat begonnen! Schon heute! Schon in uns!

Du schenkst uns alles!

Und deine Liebe trägt uns weit!

 

Guter Gott, wir bitten dich!

Schau auf unsere Gemeinden!

Zeige du uns den Weg,

den wir vielleicht bald wieder gehen können!

Aber es soll dein Weg sein!

Nicht ein Weg, der auf unserer Ungeduld gebaut ist.

Nicht ein Weg, auf dem wir uns selbst mehr sehen als dich!

Wir wollen dich vor Augen haben!

Denn du führst und leitest uns!

Nicht uns, sondern dich haben wir vor Augen!

 

Wir wollen nicht darüber streiten,

welche Wege zu dir und in die Gemeinschaft mir dir

führen! Und wie schnell das sein muss!

Lass uns auf die Nöte und Bedenken genau so hören

wie auf die schöpferische Ideen,

die neue Möglichkeiten zeigen.

Lass uns aneinander interessiert bleiben!

Gib, dass wir uns respektieren!

Gib, dass wir uns nicht fremd werden,

in dem, was wir tun und sagen!

Stärke in uns das Vertrauen,

dass wir einander brauchen!

Du vertraust uns, Herr!

So lass uns auch ganz auf dich vertrauen!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen, die Ihnen am Herzen liegen – und natürlich auch an Sie selbst – zu denken

und die Worte des Segens zu sprechen, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Rüdiger Dunkel, Pfr.