Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Ich war tot, und siehe, ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit und habe die Schlüssel des Todes und der Hölle. (Offb 1,18)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

 Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 118

14 Der HERR ist meine Macht und mein Psalm und ist mein Heil.

15 Man singt mit Freuden vom Sieg / in den Hütten der Gerechten: Die Rechte des HERRN behält den Sieg!

16 Die Rechte des HERRN ist erhöht; die Rechte des HERRN behält den Sieg!

17 Ich werde nicht sterben, sondern leben und des HERRN Werke verkündigen. 18 Der HERR züchtigt mich schwer; aber er gibt mich dem Tode nicht preis.

19 Tut mir auf die Tore der Gerechtigkeit, dass ich durch sie einziehe und dem HERRN danke.

20 Das ist das Tor des HERRN; die Gerechten werden dort einziehen.

21 Ich danke dir, dass du mich erhört hast und hast mir geholfen.

22 Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden.

23 Das ist vom HERRN geschehen und ist ein Wunder vor unsern Augen.

24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

Ehre sei dem Vater du dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn du dem Heiligen Geist,

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Herr Jesus, lebendiger Christus!

Du bist auferstanden, du hast die Macht des Todes besiegt.

Aber er wütet gerade um uns herum; zeigt sich so stark!

Du hast dem Tode alle Macht genommen.

So beten wir es!

Aber er ist so mächtig in diesen Tagen!

Sieh in unsere Herzen,

schau auf unsere Verzagtheit und unseren Kleinglauben.

All unsere Sorgen und Ängste,

all unsere Unruhe und Traurigkeit

– all das ist dir nicht verborgen!

Lass uns doch deine Barmherzigkeit spüren;

lass uns das neue Leben spüren,

Mach uns stark, mach uns neu, Herr, gib uns Mut!

Lass auch uns geistlich auferstehen,

schon heute!

In der Stille bekennen wir dir,

was als Last auf unserer Seele liegt

und bitten dich um dein Erbarmen!

 

– Raum für persönliche Stille –

 

Guter Gott, wir durften ablegen, was uns belastet!

So lass uns jetzt neu hören,

was die Menschen verkündeten,

als sie das offene Grab begriffen,

als sie verstanden haben,

dass dein Sohn Jesus Christus

für uns gestorben und auferstanden ist,

um uns all unsere Schuld zu nehmen,

um mit uns neu ins Leben zu gehen:

Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Und deshalb, guter Gott, werden wir nicht

an der Macht des Todes verzweifeln!

Niemals!

Du lässt es Ostern werden in uns!

Lass dein österliches Licht auch in uns

und auch durch uns für andere scheinen!

Wir vertrauen darauf,

dass du uns neue Kraft und neuen Mut schenkst!

Du machst uns darin gewiss,

dass wir den Schrecken dieser Tage besiegen

und die Freude auf das Leben neu entdecken.

Das bitten wir durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Osterevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kap. 16, Verse 1-8

1 Und als der Sabbat vergangen war, kauften Maria von Magdala und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn zu salben.

2 Und sie kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging.

3 Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür?

4 Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war; denn er war sehr groß.

5 Und sie gingen hinein in das Grab und sahen einen Jüngling zur rechten Hand sitzen, der hatte ein langes weißes Gewand an, und sie entsetzten sich.

6 Er aber sprach zu ihnen: Entsetzt euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Siehe da die Stätte, wo sie ihn hinlegten.

7 Geht aber hin und sagt seinen Jüngern und Petrus, dass er vor euch hingehen wird nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.

8 Und sie gingen hinaus und flohen von dem Grab; denn Zittern und Entsetzen hatte sie ergriffen. Und sie sagten niemandem etwas; denn sie fürchteten sich.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden; er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem 2.Buch Mose, Kap 14,8–14.19–23.28–30a; Kap. 15,20f

(auch Predigttext)

8 Und der HERR verstockte das Herz des Pharao, des Königs von Ägypten, dass er den Israeliten nachjagte. Aber die Israeliten waren mit erhobener Hand ausgezogen.

9 Und die Ägypter jagten ihnen nach, alle Rosse und Wagen des Pharao und seine Reiter und das ganze Heer des Pharao, und holten sie ein, als sie am Meer bei Pi-Hahirot vor Baal-Zefon lagerten.

10 Und als der Pharao nahe herankam, hoben die Israeliten ihre Augen auf, und siehe, die Ägypter zogen hinter ihnen her. Und sie fürchteten sich sehr und schrien zu dem HERRN

11 und sprachen zu Mose: Waren nicht Gräber in Ägypten, dass du uns wegführen musstest, damit wir in der Wüste sterben? Warum hast du uns das angetan, dass du uns aus Ägypten geführt hast?

12 Haben wir’s dir nicht schon in Ägypten gesagt: Lass uns in Ruhe, wir wollen den Ägyptern dienen? Es wäre besser für uns, den Ägyptern zu dienen, als in der Wüste zu sterben.

13 Da sprach Mose zum Volk: Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird. Denn wie ihr die Ägypter heute seht, werdet ihr sie niemals wiedersehen.

14 Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.

19 Da erhob sich der Engel Gottes, der vor dem Heer Israels herzog, und stellte sich hinter sie. Und die Wolkensäule vor ihnen erhob sich und trat hinter sie

20 und kam zwischen das Heer der Ägypter und das Heer Israels. Und dort war die Wolke finster und hier erleuchtete sie die Nacht, und so kamen die Heere die ganze Nacht einander nicht näher.

21 Als nun Mose seine Hand über das Meer reckte, ließ es der HERR zurückweichen durch einen starken Ostwind die ganze Nacht und machte das Meer trocken, und die Wasser teilten sich.

22 Und die Israeliten gingen hinein mitten ins Meer auf dem Trockenen, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

23 Und die Ägypter folgten und zogen hinein ihnen nach, alle Rosse des Pharao, seine Wagen und Reiter, mitten ins Meer.

28 Und das Wasser kam wieder und bedeckte Wagen und Reiter, das ganze Heer des Pharao, das ihnen nachgefolgt war ins Meer, sodass nicht einer von ihnen übrig blieb.

29 Aber die Israeliten gingen trocken mitten durchs Meer, und das Wasser war ihnen eine Mauer zur Rechten und zur Linken.

30 So errettete der HERR an jenem Tage Israel aus der Ägypter Hand.

20 Da nahm Mirjam, die Prophetin, Aarons Schwester, eine Pauke in ihre Hand, und alle Frauen folgten ihr nach mit Pauken im Reigen.

21 Und Mirjam sang ihnen vor: Lasst uns dem HERRN singen, denn er ist hoch erhaben; Ross und Reiter hat er ins Meer gestürzt.

Amen.

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater, und von Jesus Christus seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ostern habe ich schon immer als so etwas wie Befreiung empfunden. Die Passionszeit ist vorbei. Vorbei die traurigen Gesänge in unseren Kirchen mit den zum Teil nur schwer zu ertragenden Texten. In diesem Jahr haben wir allerdings die wenigsten davon gehört bzw. selbst singen dürfen. An vielen Orten fanden ja keine oder nur sehr wenige Gottesdienste statt – und wenn, dann unter strengen und stumm machenden Auflagen.

Vorbei auch die Fastenzeit, die ich diesmal eingehalten habe, da ich ja sowieso die meiste Zeit zu Hause sitzen musste und die verführerischen Ablenkungen durch Restaurants, Kneipen und Eisdielen ja doch nur sehr vereinzelt anders bis gar nicht möglich waren. Alles eine sehr eigenartige Zeit, bei der ich manchmal – wie wohl andere auch – immer noch irgendwie hoffe, ich wache bald auf, und es war alles nur ein böser Traum! Aber leider – es ist wohl Realität!

Wir feiern in unserer Gemeinde an den Feiertagen – und das nach reiflicher Überlegung und Abwägung – wieder keine präsenten Gottesdienste wie schon im vergangenen Jahr auch nicht. Das tut weh! Richtig weh!

Und doch! Ostern ist immer auch ein Fest der Befreiung. Alles, was uns in der Zeit davor beschwert, ängstigt, runterziehen will, so traurig und stumm gemacht hat – all das wird aufgehoben und verwandelt, in der Liebestat Gottes, an die wir heute denken und die wir heute feiern!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Gott lässt das Leben über den Tod siegen, hebt seinen Sohn aus dem Grab und stellt ihn mit uns neu ins Leben. Und wir dürfen mit ihm auferstehen und auch neu ins Leben gehen!

Christus ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! – Davon künden die Lieder, die wir normalerweise singen. Davon erzählen vor allem die biblischen Geschichten von der Auferstehung die heute in der Mitte unserer Gottesdienste, wie immer wir sie auch feiern können, stehen. Genau solch eine Geschichte, eine Auferstehungsgeschichte erwarte ich dann natürlich auch als Predigttext, als Mitte des Gottesdienstes an einem für unsere Christenheit so bedeutsamen Tag unseres Glaubens.

Aber dann schlage ich vor einigen Tagen den Predigttext auf, und was sehe ich dort als den vorgeschlagenen Text? – Ich sehe die Geschichte vom Auszug der Israeliten aus Ägypten, und ihre Rettung am Schilfmeer, das sich teilt, sie durchziehen lässt und alle Ägypter in sich begräbt und ertrinken lässt.

Ganz ehrlich – ich habe erst einmal nachgeschaut, ob ich mich im Datum vertan hätte. Dann habe ich geschaut, ob ich überhaupt in den richtigen Kalender schaue. Aber es stimmte alles! Und dann kam einmal wieder mein Kopfschütteln darüber, was in so manchen Theologenhirnen vorgehen muss, wenn sie am ersten fröhlichen Tag nach sieben Wochen ohne – und in diesem Jahr war es ja mit besonders viel „ohne“ -, am ersten Tag, an dem sich die Freude in uns Bahn brechen soll, auch wenn gerade so vieles dagegen spricht, solch einen Predigttext aussuchen, dem wir als alttestamentliche Lesung gerade begegnet sind.

Was soll das? Heute ist Ostern! Halleluja! Was soll da die Geschichte von der Errettung Israels am Schilfmeer und dem Tod der Ägypter darin? Zugegeben, manchmal ärgere ich mich einfach nur! Über den Hochmut mancher Theologinnen und Theologen, in dem sie fröhlich und einfach glaubenden Menschen ihr theologisches Insiderwissen überstülpen möchten. Ich ärgere mich über mich, dass ich mich ärgere und dennoch mitmache. Viel lieber hätte ich über das Evangelium vom leeren Grab unseres heutigen Tagesevangeliums gepredigt.

Jedes Mal, wenn ich mich dann so ärgere, steht mir plötzlich immer wieder mein Predigtlehrer Prof. Dr. Manfred Seitz vor Augen, bei dem ich vor langer Zeit an der Universität von Erlangen lernen durfte, wie man predigen soll. „Wenn Ihnen mal eine Geschichte oder ein Text so gar nichts zu sagen scheint“, hat er uns junge Studentinnen und Studenten gelehrt,  „dann atmen Sie tief ein, kommen Sie zur Ruhe und lesen sie noch einmal. Und dabei suchen sie das eine Wort, den einen Satz, in dem Gott zu Ihnen spricht und von dem er möchte, dass Sie genau das dann auch weitersagen!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Also las ich den Text im 2. Buch Mose noch einmal und fragte mich: Wo ist Ostern? Wo ist Ostern und die frohe Botschaft in dieser alten Geschichte? Und tatsächlich – ich habe ihn für mich gefunden, den Satz, oder sogar besser: die beiden Sätze, in denen Gott zu mir sagte: Frohe Ostern! Gott legt diese Worte dem Mose in den Mund und lässt ihn im Vers 13 sagen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird!“

Fürchtet euch nicht! – Natürlich, es sind die gleichen Worte, die im Evangelium der Auferstehung Jesu Christi der Jüngling im weißen Gewand zu den erschrockenen und sich ängstigenden Frauen am leeren Grab sagt. Nun geht, sagt er zu den Frauen, geht und sagt weiter, was ihr gesehen habt und neu glaubt! Er lebt, ist auferstanden! Geht in all eurem Schrecken, in all eurer Furcht und spürt mit jedem Schritt, wie ihr alle Angst und Furcht ablegt, wie Freude euch erfüllen wird! Teilt sie aus, diese Freude! Geht und sagt es allen Menschen!

Steht fest, sagt Mose vor langer Zeit seinem Volk. Steht fest und seht zu, was für ein Heil der Herr heute an euch tun wird! Er sieht auf eure Angst, eure Schwäche, er kennt eure Hoffnungslosigkeit. All das kennt er; und er verwandelt es. Nicht irgendwann, er tut es heute! Er tut es jetzt! Er tut es, damit aus eurer Angst neue Zuversicht wächst. Er tut es, damit eure Schwäche sich in eure alte und wieder neue Stärke wandelt. Er tut es, damit ihr all eure Hoffnungslosigkeit ablegt und mit neuer Hoffnung, mit neuer Freude und mit neuem Mut euren Weg weitergeht in eine Zukunft, die er, Gott selbst, euch schenkt.

Und dann spüre ich förmlich, wie viele Menschen damals natürlich versuchen, an all das zu glauben; wie viele Menschen versuchen, sich wieder und zum wiederholten Mal aufzuraffen, um ihre eigenen und letzten Kräfte für den weiten Weg zu mobilisieren, aber sie können es irgendwie gerade scheinbar nicht mehr. Ich ahne die Menschen, die versuchen, diese Worte ihr Herz zu lassen, aber es irgendwie nicht mehr zu schaffen scheinen.

Ich sehe all diese Menschen und höre, wie Moses in Vers 14 weiter spricht:

Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Auch Gott sieht auf all diese Menschen vor langer Zeit. Er sieht sie und legt diese Worte in den Mund des Moses.

„Ich weiß“, sagt Gott mit diesen Worten, „ich weiß, ihr könnt nicht mehr! Viele von euch glauben das! Ich sehe es euch an, ihr habt so vieles mitgemacht, musstet so vieles ertragen. Ihr wart tapfer. Ihr habt gelitten! Ihr habt manche Träne geweint, ich habe euer Klagen gehört. Es ging mir ins Ohr und vor allem in mein Herz.

Aber hier ist nicht das Ende. Hier ist nicht das Ziel, das ich für euch habe! Ich führe euch nach Hause, dort wo ihr nicht einfach euer altes Leben wiederfindet. Aber ich führe euch dorthin, wo ihr euer altes Leben neu und anders leben könnt und werdet! Ich weiß, der Weg ist noch weit! Aber was euch beschwert, ich möchte es für euch tragen. Diesmal bereite ich euch den Weg! Selbst durch ein Meer, wenn es sein muss! Ihr braucht nichts sagen! Ihr braucht nichts tun! Nur eines: gehen – gehen müsst ihr selbst! Denn es ist eure Zukunft! Es ist mein Geschenk für euch! Ich braucht nichts sagen, ihr braucht nichts tun! Aber in all eurer Stille vertraut. Vertraut mir und geht! Vertraut den neuen Wegen, auf die ich euch weise! Ihr geht sie nicht allein. Ich gehe sie immer mit euch mit! Seid einfach still und vertraut! Und geht weiter!“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, ich schaue auf diesen Ostertag heute! Ich schaue auf das leere Grab! Ich schaue auf das alte Volk Israel da am Schilfmeer. Ich schaue auf Moses und höre Gottes Worte durch seinen Mund. Und sie sprechen durch eine lange Zeit von damals da am Schilfmeer bis heute an diesem Ostermorgen direkt in unsere Herzen:

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Wie die Menschen damals im alten Volk Israel sind wir doch, oder? Sind wir nicht in den letzten Monaten auch durch eine Wüstenzeit unseres Lebens gegangen? Sind nicht einige von uns scheinbar am Ende ihrer Kräfte und ihrer Geduld? Fragen nicht auch einige von uns, wie lange und wohin das alles noch gehen soll?

„Fürchtet euch nicht, steht fest und seht zu, was für ein Heil der HERR heute an euch tun wird! Der HERR wird für euch streiten, und ihr werdet stille sein.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott spricht mit der gleichen Liebe wie damals seine Worte heute zu uns allen. Mit der gleichen Liebe bereitet er auch für uns einen Weg aus allem Unheil. In der gleichen Liebe stellt er heute seinen auferstandenen Sohn Jesus Christus wieder neu an unsere Seite, damit in ihm Gott selbst alle Wege mit uns geht. Und er ist schon auf dem Weg – in eine neue Zukunft für uns. Damit wir alle wieder fest stehen und sehen, was für ein Heil der Herr heute an uns getan hat!

Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! – Darauf unsere Hoffnung und unser Vertrauen! – Ihnen und euch allen frohe Ostern!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet:

Guter Gott in Jesus Christus,

lass Freude in uns wachsen an diesem Ostermorgen!

Auch wenn so vieles uns daran hindern will.

Aber du lebst das muss uns zur Freude werden!

 

Ostern können wir nicht verstehen.

Wir müssen es erfahren, daß du auferstanden bist.

Lass uns diese Erfahrung nicht in Vergangenem suchen.

Denn das Vergangene ist auf einmal so weit weg!

Lass uns diese Ostererfahrung heute suchen und finden,

auch wenn es vielleicht schwierig scheint.

Lass sie uns in der kommenden Zeit suchen,

in der wir Neues leben

und uns neu und anders begegnen werden.

 

So wollen wir dich preisen und bitten dich:

Geh mit uns, wenn uns Zweifel überfallen,

wenn wir meinen, wir hätten kein Ziel.

Geh mit uns, auch wenn wir dich nicht erkennen.

Geh mit uns durch die Nacht unserer Ängste,

führe uns heraus aus dem, was uns bedrängt.

 

Herr, wir wollen fröhlich sein.

Aber sieh auch auf unsere Not!

Da ist so viel Leid in so vielen Familien,

bei so vielen Menschen!

Sei bei allen, die nun trauern,

sei bei allen, die gerade keine Osterfreude spüren können.

Und wenn ich an diesem Osterfest einmal zu ihnen dazugehöre,

dann schau auch auf mich und bleib’ mir nah!

Schenke uns allen einen neuen Anfang!

Schenke ihn uns bald,

denn unsere Sehnsucht danach ist so groß!

 

Öffne unsere Augen und Herzen,

mach es hell in uns mit dem Licht deiner Auferstehung,

damit wir zu Trägerinnen und Trägern deiner frohen Botschaft werden

und Mut und Hoffnung in diese Welt bringen.

Halte uns miteinander verbunden,

auch wenn wir jetzt nicht zusammen sein können.

Schenke du uns die Freude deiner Auferstehung,

heute und in Ewigkeit.

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir diesen Ostergottesdienst abschließen.

 

Gott der Vater, der seinen Sohn aus dem Tod geholt hat

– er segne und behüte euch.

Gott in Christus, dem Auferstandenen, der mit uns allen lebt

– er lasse sein Angesicht leuchten über euch und sei euch gnädig.

Gott im Heiligen Geist, der in uns die Osterfreude wachhält

und uns zu Boten der guten Nachricht macht

– er erhebe sein Angesicht auf euch und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Christ ist erstanden von der Marter alle;

des soll’n wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

Wär’ er nicht erstanden, so wär’ die Welt vergangen;

seit dass, er erstanden ist, so lob’n wir den Vater Jesu Christ.

Kyrieleis!

Halleluja, halleluja, halleluja!

Des solln wir alle froh sein, Christ will unser Trost sein.

Kyrieleis!

 

Euch allen einen gesegneten Ostersonntag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

Frohe Ostern!

 

Rüdiger Dunkel, Pfr.