Wochenspruch: Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. (Joh 3,16)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Gedanken zu Psalm 22

Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Du hörst doch mein Rufen, aber ich spüre einfach noch keine Hilfe!

Weißt du, wie oft ich in diesen Tagen zu dir rufe

und auf eine Antwort von dir warte?

Manchmal bete ich sogar nachts zu dir,

weil ich keine Ruhe und keinen Schlaf finde!

Aber du bleibst mein Gott,

selbst wenn du mir in einigen Augenblicken

ganz weit weg zu sein scheinst!

Deshalb werde ich wie Generationen vor mir

auf dich hoffen, auf dich vertrauen!

Du hast deine Freude an ihrer Hoffnung gehabt und ihnen geholfen!

Keiner ihrer Rufe verhallte ungehört!

Jeder Hoffnung ließt du Rettung folgen!

Aber ich fühl’ mich im Moment so klein.

Sähen andere mich jetzt, die mich gut kennen,

sie würden vielleicht sogar den Kopf über mich schütteln

–  über meine Verzagtheit und meinen Kleinglauben!

Bring deine Klage vor Gott, sagt jemand zu mir.

Hoffe auf ihn und bitte ihn!

Deshalb, Herr, höre meine Bitte!

Lass mich deine Nähe spüren, die alle Angst vertreibt!

Schau auf meine ganze Mutlosigkeit,

ich fühle mich schwach, ich habe bald keine Worte mehr!

Lass Krankheit und Tod an mir vorüber gehen!

Lass mich einfach nur deine Nähe spüren!

Du bist meine Stärke,

damit auch ich wieder stark sein kann!

Hilf mir, guter Gott! Hilf!

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist, wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Gebet

Guter Gott und Vater,

Deinen Sohn gibst du in den Tod – für uns

als Zeichen deiner Liebe;

einer Liebe, die selbst durch den Tod hindurch neues Leben verheißt.

Wie gern würden wir dein uns allen hinterlassenes Zeichen,

deinen Sohn in Brot und Wein, heute teilen,

aber wir können es nicht!

Wie gern würden wir unsere Schuld jetzt vor den Altar bringen,

all unsere Bitten um Vergebung,

unser großes Sehnen nach Gemeinschaft mit dir!

Wie gern würden wir spüren,

wie du in uns kommst und in uns lebst

– spürbar durch Brot und Wein

Aber wir sind still, schweigen vor dir,

um alles, was uns auf der Seele liegt,

vor dich zu bringen und ablegen zu dürfen.

Vieles an Gemeinschaft ist uns erschwert,

vieles ist nur schwer auszuhalten!

Aber wir sind vor dir!

Und wir können dich bitten:

Höre, Herr, was ich dir in der Stille nun anvertraue!

 

– Raum für einen Moment persönlicher Stille –

 

All unsere Schuld, all unsere Sorge,

alles, was uns ängstet und beschweren will,

es ist aufgehoben bei dir.

Wir alle sind bei dir geborgen.

Wir alle dürfen in deiner Liebe leben.

Einer Liebe, von der wir wissen:

 

Also hat Gott die Welt geliebt,

daß er seinen eingeborenen Sohn gab,

auf daß alle, die an ihn glauben,

nicht verloren werden,

sondern das ewige Leben haben.

 

Und nun lass uns befreit an dich denken, Jesus Christus!

Ohnmächtig und verachtet hängst du am Kreuz.

Lass uns dich und dein Kreuz neu sehen lernen

als Zeichen einer neuen Welt,

als Zeichen deiner Gerechtigkeit und Liebe,

als Zeichen der Hoffnung für alle.

Mit allen, mit denen wir uns nun

in deiner Gemeinschaft verbunden wissen dürfen,

bitten wir dich darum, Jesus Christus,

der du mit deinem Vater und dem heiligen Geist

lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Evangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 19, die Verse 16-30

Sie nahmen ihn aber, und er trug sein Kreuz und ging hinaus zur Stätte, die da heißt Schädelstätte, auf hebräisch Golgatha.

Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus aber schrieb eine Aufschrift und setzte sie auf das Kreuz; und es war geschrieben: Jesus von Nazareth, der König der Juden.

Diese Aufschrift lasen viele Juden, denn die Stätte, wo Jesus gekreuzigt wurde, war nahe bei der Stadt. Und es war geschrieben in hebräischer, lateinischer und griechischer Sprache.

Da sprachen die Hohenpriester der Juden zu Pilatus: Schreib nicht: Der König der Juden, sondern, daß er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.

Pilatus antwortete: Was ich geschrieben habe, das habe ich geschrieben.

Als aber die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile, für jeden Soldaten einen Teil, dazu auch das Gewand. Das war aber ungenäht, von oben an gewebt in einem Stück.

Da sprachen sie untereinander: Lasst uns das nicht zerteilen, sondern darum losen, wem es gehören soll. So sollte die Schrift erfüllt werden, die sagt (Psalm 22,19): »Sie haben meine Kleider unter sich geteilt und haben über mein Gewand das Los geworfen.« Das taten die Soldaten.

Es standen aber bei dem Kreuz Jesu seine Mutter und seiner Mutter Schwester, Maria, die Frau des Klopas, und Maria von Magdala.

Als nun Jesus seine Mutter sah und bei ihr den Jünger, den er lieb hatte, spricht er zu seiner Mutter: Frau, siehe, das ist dein Sohn!

Danach spricht er zu dem Jünger: Siehe, das ist deine Mutter! Und von der Stunde an nahm sie der Jünger zu sich.

Danach, als Jesus wusste, daß schon alles vollbracht war, spricht er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet.

Da stand ein Gefäß voll Essig. Sie aber füllten einen Schwamm mit Essig und steckten ihn auf ein Ysoprohr und hielten es ihm an den Mund.

Als nun Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! und neigte das Haupt und verschied.

Amen.

 

– Wir werden still vor dem Kreuz Jesu –

 

Glaubensbekenntnis

In aller Stille bekennen nun jede und jeder für sich und vor Gott wir doch auch gemeinsam unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.

Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch des Propheten Jesaja, Kapitel 52,13-15 und Kap. 53,1-12

(auch Predigttext)

13 Siehe, meinem Knecht wird’s gelingen, er wird erhöht und sehr hoch erhaben sein.

14 Wie sich viele über ihn entsetzten – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch und seine Gestalt nicht wie die der Menschenkinder –,

15 so wird er viele Völker in Staunen versetzen, dass auch Könige ihren Mund vor ihm zuhalten. Denn was ihnen nie erzählt wurde, das werden sie nun sehen, und was sie nie gehört haben, nun erfahren.

1 Aber wer glaubt dem, was uns verkündet wurde, und an wem ist der Arm des HERRN offenbart?

2 Er schoss auf vor ihm wie ein Reis und wie eine Wurzel aus dürrem Erdreich. Er hatte keine Gestalt und Hoheit. Wir sahen ihn, aber da war keine Gestalt, die uns gefallen hätte.

3 Er war der Allerverachtetste und Unwerteste, voller Schmerzen und Krankheit. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg; darum haben wir ihn für nichts geachtet.

4 Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Wir aber hielten ihn für den, der geplagt und von Gott geschlagen und gemartert wäre.

5 Aber er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde willen zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.

6 Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg. Aber der HERR warf unser aller Sünde auf ihn.

7 Als er gemartert ward, litt er doch willig und tat seinen Mund nicht auf wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird; und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer, tat er seinen Mund nicht auf.

8 Er ist aus Angst und Gericht hinweggenommen. Wen aber kümmert sein Geschick? Denn er ist aus dem Lande der Lebendigen weggerissen, da er für die Missetat seines Volks geplagt war.

9 Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, als er gestorben war, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.

10 Aber der HERR wollte ihn also zerschlagen mit Krankheit. Wenn er sein Leben zum Schuldopfer gegeben hat, wird er Nachkommen haben und lange leben, und des HERRN Plan wird durch ihn gelingen.

11 Weil seine Seele sich abgemüht hat, wird er das Licht schauen und die Fülle haben. Durch seine Erkenntnis wird er, mein Knecht, der Gerechte, den Vielen Gerechtigkeit schaffen; denn er trägt ihre Sünden.

12 Darum will ich ihm die Vielen zur Beute geben und er soll die Starken zum Raube haben dafür, dass er sein Leben in den Tod gegeben hat und den Übeltätern gleichgerechnet ist und er die Sünde der Vielen getragen hat und für die Übeltäter gebeten.

Amen.

 

Predigt

Die Gnade unseres Herrn Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit Euch allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Dieses Predigtwort aus dem Jesajabuch ist eine der eindrücklichsten Aussagen, die wir in der Heiligen Schrift vorfinden. Es hat viele Menschen angeregt, über ihr Leben nachzudenken, dem Sinn des Todes und des Leides nachzusinnen; und es hat viele Menschen auf den verwiesen, an dessen Tod wir heute denken. Jesus Christus ist in diesem prophetischen Wort nicht erwähnt. Dennoch spüren wir natürlich darin einen Hinweis auf den Sohn Gottes, der zum Erlöser für die Menschheit wurde. Ich denke, dies geschieht deshalb, weil das Wort Jesajas in seiner ganzen Dichte dazu einlädt, unser eigenes Leben im Spiegel dieser Worte zu erblicken. Karfreitag ist dazu der rechte Ort, denn er lässt uns nacherleben, wie es vor langer Zeit  den Jüngern gegangen sein mag.

Da war dieser Jesus aus Nazareth mit seiner unglaublichen Botschaft, dieser Mensch, von dem offensichtlich so viel Wärme und Liebe ausging, dass er fähig war, neue Hoffnung in den Herzen der Menschen zu entfachen, ihnen neuen Lebensmut zu geben und ihnen einen unerhörte Botschaft zu verkündigen: Gott, der Vater im Himmel wendet sich euch in Liebe zu!

An diesen Menschen Jesus haben sie neu geglaubt, sind ihm nachgefolgt, haben gesehen, zu was er fähig war. In ihm erhofften sie sich eine neue Welt, die noch zu ihren Lebzeiten anbrechen würde.

Aber dann kam dieser Tag, dieser Karfreitag aber, den wir heute bedenken, und es war alles vorbei! Tod und Kreuzigung, eine schmähliche Niederlage in den Augen der Feinde, Hohn und Spott über die, die an ihn geglaubt hatten. Angst und Furcht vor Verfolgung und Nachstellungen. Jesus war ihnen genommen worden und mit ihm ein Stück ihres neuen Lebens: der Glaube, die Liebe und die Hoffnung – alles war wie erstarrt.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Liturgie ist am Karfreitag immer besonders still. Gesänge verstummen, keine Antwortgesänge, mit denen wir Gott loben. In diesem Jahr natürlich auch aus ganz anderen Gründen nicht! Die Altäre in den Kirchen sind  nicht geschmückt wie sonst, auch in den Kirchen scheint vieles heute wie erstarrt.

In diesem Augenblick des Karfreitags sind wir selbst hier vor dem Kreuz, irgendwie auch besonders auf uns alleine gestellt. Wir werden konfrontiert mit dem, was wir eigentlich sind. Denn wofür steht denn das Kreuz, an das er für uns geschlagen wurde?

Es steht nicht für unsere Leidverliebtheit – das Christentum kennt in seinem Wesen keine Leidverherrlichung, sondern es steht für die Konfrontation mit unserem Wesen: es sagt uns: das seid ihr – auch ihr gehört zu denen, die es gerufen haben „Ans Kreuz mit ihm“. „Halleluja“ könnt ihr rufen, wenn ihr Gott euch wohlgesonnen nahe fühlt. Ihn verleugnen könnt ihr wie Petrus, wenn ihr euch bekennen müsstet. Vor dem Kreuz verdrückt ihr euch schließlich so gern wie die anderen, die damals nur mitgezogen waren, um ein Spektakel zu erleben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gäbe es nur Karfreitag und nur das Kreuz, wir gingen zugrunde. Wir könnten nicht bestehen, sondern müssten uns verstecken vor der grausamen Wahrheit, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Wir würden zu Zynikern, die das Leben verachten. Deswegen weist das Kreuz auch heute schon, auch in der Stunde seines Todes schon auf Ostern hin. Aber das Kreuz nimmt Ostern eben nicht einfach vorweg. Bis Ostern sind es noch drei Tage, drei Tage, in denen wir auch mit unserer eigenen Finsternis konfrontiert werden sollen.

Jesaja schreibt: „Wir gingen alle in die Irre wie Schafe, ein jeder sah auf seinen Weg.“ (Jes 53,6)

Da ist der Missbrauch des Namens Gottes, dem diese Welt seit langen unwidersprochen zuschaut.

Es ist die vermessene und maßlose Aufteilung der Welt in Gut und Böse, in richtig und falsch, in christlich und unchristlich, die Schundluder treibt mit dem Wort des lebendigen Gottes, einem Gott, der sich solidarisch erklärt hat mit den Armen und den Schwachen.

Es ist die gefährliche Verwechslung einer Kultur-Idee mit dem Gottesreich, welches Staaten und Staatenlenker zu gefährlichen Agitatoren macht, Kriege entstehen lässt und im wahrsten Sinne des Wortes den Teufel an die Wand malt.

An die Stelle des Nachdenkens über eigene Schwächen und Fehler wird der Glaube an Leistung, an wirtschaftliche Macht, ja an ein Übermenschentum propagiert, der jeder Verwendung des Namens Christi Hohn spricht, und der bei vielen von uns gerade so erschüttert wird, weil das Leben in diesen Zeiten so ganz anders verläuft als wir es gewohnt sind.

Jesaja schreibt: „Er war der Allerverachtetste und Unwerteste. Er war so verachtet, dass man das Angesicht vor ihm verbarg.“ (Jes 53,3)

Da ist traurigerweise die Tradition der Ablehnung zwischen Gemeinschaften, die doch nahe beieinander liegen. Wie Kain und Abel als Brüder miteinander leben sollten und sich doch gegeneinander abgrenzten bis zum Tode. Anstatt vorwärts zu blicken und zu sehen, wo Gemeinschaft tragen kann, wird rückwärts gewandt gehetzt und der Same der Verachtung schon wieder früh und erschreckend unter uns gelegt.

Wie sehr bejubeln wir alle ehrlicherweise z.B., wenn wir in unseren Kirchen, vor allem in den Gemeinden vor Ort ökumenische Erfolge sehen und ein Miteinander spüren. Wie sehr formieren sich aber die wirklich vermeintlich Mächtigen in allen Kirchen, um das je Eigene zu schützen und zu verteidigen, solange es eben geht.

Oder wie kommt es, dass Kinder so oft den Hass und die Vorurteile der Alten oder Erwachsenen übernehmen? Wer trägt die Verantwortung: die Alten, die diese böse Tradition pflegen wie eine alte Erinnerung an einen verlorenen Krieg? Manche Erwachsene, die sie übernommen haben und neu pflegen und hoffähig machen?  Die Jungen, weil ihnen die Scheuklappen vor den Augen die Wahrnehmung ihrer Umgebung leichter macht?

Jesaja spricht: „Und man gab ihm sein Grab bei Gottlosen und bei Übeltätern, wiewohl er niemand Unrecht getan hat und kein Betrug in seinem Munde gewesen ist.“ (Jes 53,9)

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich weiß, all das ist schwer zu hören, noch schwerer anzunehmen. Dennoch: Karfreitag zwingt uns dazu. Wir haben dieser Tage nicht das Recht, auf Ostern hinzuweisen und einfach darüber hinweg zu gehen – über das Dunkel von Karfreitag. Österlich geschmückte Fenster und Vorgärten – schon in den vergangenen Tagen und Wochen. Ich gönne es allen, die es getan haben. Vielleicht sind sie in diesem Jahr ja auch ein besonderes Hoffnungszeichen in schwierigen Zeiten! Wie gesagt, es sei von Herzen gegönnt!

Aber sind sie nicht letztendlich auch ein Indiz dafür, dass wir uns dem Leiden Christi eben nicht stellen wollen, dass wir unserem eigenen Leiden, unserer eigenen Schuld und Sünde eben nicht standhalten können oder wollen. Wie schön wäre es, wenn wir mit dem österlichen Halleluja auf den Lippen am Ostermorgen auf die Straßen laufen würden und unsere kleine Welt in bunten Farben schmücken. Gegen alles, was uns bedrohen will und für die Hoffnung, dass Gott in Christus alles neu macht – auch für uns. Die Osterzeit beginnt erst in der Frühe mit einem leeren Grab. Freilich wird uns allerhand angeboten, um nicht in den kirchlichen Rhythmus eintauchen zu müssen. Studiert nur einmal das Fernsehprogramm: dort finden Ihr genügend Ablenkung, um über Karfreitag nicht nachdenken zu müssen. Und dennoch oder gerade trotzdem: es ist die schreckliche Zeit der Ungewissheit, die kaum auszuhaltende Konfrontation mit unseren dunklen Seiten, die wir uns auch hier und in den Kirchen stellen müssen. Wir sollten sie auch sehen und bedenken.

Wie wäre es eigentlich gewesen, wenn wirklich mit dem Kreuz alles aus gewesen wäre? – Für mich unvorstellbar, dieser Tag wäre niemals gefeiert worden!

Aber wir sind doch heute vor Gott, weil wir eben spüren wollen, dass wir alle nichts wären ohne den gekreuzigten und auferstehenden Christus.

Wir sind dich heute auch vor Gott, weil wir spüren, wie allein wir wären, wäre Christus nicht mit uns.

Was bleibt uns eigentlich, liebe Schwestern und Brüder?

Nun, es bleibt die Gewissheit, dass Christus für uns gestorben ist und dass er für uns auferstehen wird, damit auch wir neu ins Leben gehen können! Wir als Christinnen und Christen haben in dieser Welt einen entscheidenden Vorteil: wir wissen Bescheid über unsere eigene Finsternis, wir wissen Bescheid über die Zerrissenheit der Welt, wir wissen Bescheid über die Schmerzen, die wir automatisch mit unserer Person auch anderen Menschen zufügen können. Deswegen bleiben wir angewiesen auf  Hilfe und Trost, einen Trost nämlich, der uns zusichert: es wird euch Gerechtigkeit geschaffen werden, eure Sünden werden getragen werden!

Aber weil diese Gewissheit in uns immer irgendwie unsicher bleibt, weil sie in uns immer wieder ins Wanken gerät, weil wir unseren Glauben immer auch in Anfechtung leben und er oft ins Wanken gerät,  legt Gott uns Worte und Glauben immer wieder neu ins Herz; auch wenn er uns heute durch den Propheten daran erinnert, was für seinen Sohn und uns unverbrüchlich gilt:

„Fürwahr, er trug unsre Krankheit und lud auf sich unsre Schmerzen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten, und durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jes 53,4.5)

In diesem Glauben, liebe Schwestern und Brüder, können wir diesem Karfreitag begegnen, ihn aushalten und auch schon als den Beginn des neues Lebens erahnen, den Gott mit uns gehen will. Darauf unsere Hoffnung. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen

 

Fürbittgebet:

Herr, Jesus Christus, auch ich stehe unter deinem Kreuz!

Du gehst den Weg des Opfers und des Leidens!

Sei auch in meinem Leid, in meiner Sorge!

Rette mich, mach mich frei von allem,

was mir das Herz schwer macht!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und sehe die Bosheit dieser Welt!

Lass mich nicht abseits stehen, sondern immer in deiner Nähe!

Schau auf das Leid, schau auf mein und auf fremdes Leid!

Ich will es nicht verdrängen oder überspielen.

hilf mir, es ebenfalls anzunehmen und zu tragen!

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne,

wie du für mich einstehst und mir hilfst.

Auf dem Weg, zu denen, die leiden,

zu denen, die sich gering und verachtet fühlen,

zu denen, die in ihrem Leben scheitern,

zu denen, die ich so oft übersehe –

auf diesem Weg möchte ich dir folgen.

Nimm mich in deinen Dienst,

mit all meinen Fähigkeiten und Möglichkeiten,

auch wenn sie in diesen Tagen so sehr eingeschränkt sind.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Ich schaue auf dein Kreuz, Christus, und erkenne deine Barmherzigkeit!

Du trägst, was ich nicht tragen kann!

Du willst, dass ich wieder aufatmen kann,

dass ich wieder als freier Mensch leben kann.

Du willst, dass ich von deiner Barmherzigkeit,

die ich in diesen Tagen deiner Bewahrung erfahren darf,

weitergeben kann an all die Menschen,

denen ich hoffentlich dann auch wieder begegnen werde!

Und dann werden wir all unser Gerede übereinander lassen,

und Worte der Zuneigung, der Liebe

und der Freundlichkeit neu füreinander finden.

Christus am Kreuz,

ich rufe zu dir: Kyrie eleison, Herr, erbarme dich!

 

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Ich lade dazu ein, nun an alle diejenigen,

die Ihnen am Herzen liegen

– und natürlich auch an Sie selbst –

zu denken und die Worte des Segens zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Euch allen einen gesegneten Karfreitag!

Kommt gut durch diese Zeit,

passt auf Euch auf und bleibt gesund!

 

Pfarrer Rüdiger Dunkel