Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5,8)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 34

16 Die Augen des HERRN merken auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Schreien.

17 Das Antlitz des HERRN steht wider alle, die Böses tun, dass er ihren Namen ausrotte von der Erde.

18 Wenn die Gerechten schreien, so hört der HERR und errettet sie aus all ihrer Not.

19 Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben.

20 Der Gerechte muss viel leiden, aber aus alledem hilft ihm der HERR.

21 Er bewahrt ihm alle seine Gebeine, dass nicht eines von ihnen zerbrochen wird.

22 Den Frevler wird das Unglück töten, und die den Gerechten hassen, fallen in Schuld.

23 Der HERR erlöst das Leben seiner Knechte, und alle, die auf ihn trauen, werden frei von Schuld.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr guter Gott und Vater!

Wir wollen gerne alles haben, alles erreichen,

alles festhalten – alleine für uns.

Wir teilen nur ungern unser Land,

unsere Arbeit, unseren Wohlstand – mit anderen.

Wir teilen nur ungern unser Brot,

unser Leben, unsere Zeit – mit anderen.

Wir verzichten nicht gerne

und verlieren so

das Leben und das Reich Gottes aus den Augen.

Gegen unsere Blindheit, gegen unseren Kleinglauben

bitten wir dich: Herr, erbarme dich unser!

Höre, wenn wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So spricht Gott, der Herr:

Ich will sie retten von allen Abwegen,

auf denen sie gesündigt haben,

und will sie reinigen,

und sie sollen mein Volk sein.

Sie sollen wandeln in meinen Rechten

und meine Gebote halten und danach tun.

 

Vieles, guter Gott, hält uns gefangen.

Schlechte Erfahrungen von einst

nehmen uns die Hoffnung,

dass es heute und morgen besser wird

mit uns und den anderen.

Nicht überwundene Enttäuschungen rauben uns die Kraft,

neu anzufangen

und unser Leben im Licht deiner Liebe zu sehen.

Vieles, guter Gott, hält uns gefangen, öffne du uns,

damit wir dein Wort verstehen und dir vertrauen.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 9, Verse 57-62:

57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.

58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.

59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, dass ich zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.

60 Er aber sprach zu ihm: Lass die Toten ihre Toten begraben; du aber geh hin und verkündige das Reich Gottes!

61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme von denen, die in meinem Hause sind.

62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Brief an die Epheser, Kapitel 5, Verse 1-9

(auch Predigttext)

1 So ahmt nun Gott nach als geliebte Kinder

2 und wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat und hat sich selbst für uns gegeben als Gabe und Opfer, Gott zu einem lieblichen Geruch.

3 Von Unzucht aber und jeder Art Unreinheit oder Habsucht soll bei euch nicht einmal die Rede sein, wie es sich für die Heiligen gehört,

4 auch nicht von schändlichem Tun und von närrischem oder losem Reden, was sich nicht ziemt, sondern vielmehr von Danksagung.

5 Denn das sollt ihr wissen, dass kein Unzüchtiger oder Unreiner oder Habsüchtiger – das ist ein Götzendiener – ein Erbteil hat im Reich Christi und Gottes.

6 Lasst euch von niemandem verführen mit leeren Worten; denn um dieser Dinge willen kommt der Zorn Gottes über die Kinder des Ungehorsams.

7 Darum seid nicht ihre Mitgenossen.

8 Denn ihr wart früher Finsternis; nun aber seid ihr Licht in dem Herrn. Wandelt als Kinder des Lichts.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

So folgt nun Gottes Beispiel als seine geliebten Kinder! So hieß es in den früheren Ausgaben der Luther-Bibel. Ahmt nun Gott nach, heißt es in der in der neuen Ausgabe. An diesen Worten bleibe ich sofort hängen. Und ich denke, es gibt verschiedene Arten, diesen Satz zu hören. Er könnte zum einen eine Aufforderung an uns sein: Nun los, folgt Gottes Beispiel, los, lebt in der Liebe! Ebenso könnte uns aber auch damit unser Maßstab abgesteckt werden: „.., wandelt in der Liebe, wie auch Christus uns geliebt hat!“ Er könnte aber schließlich auch die Begründung unseres eigenen Christseins werden: Weil Gott euch als seine Kinder liebt, deshalb wandelt von nun an in derselben Liebe! Egal, wie man diesen Satz des Epheserbriefes hört, man kann ihn eigentlich nur hören als die kurze Zusammenfassung dessen, was die Beziehung zwischen Gott und uns Menschen ausmacht. In wenigen Worten wird eigentlich alles gesagt.

„Ahmt nun Gott nach!“ – Ein kurzer Satz, auch ein gefährlicher Satz. Nicht wenige versuchen daraus abzuleiten, sich selbst zu Göttern aufschwingen zu dürfen. Doch eines ist klar: Wir selbst sind alle eben keine Götter! Viele von uns Menschen halten sich zwar bisweilen dafür, andere wären es gern und benehmen sich manchmal so, überschreiten Grenzen, wo sie die Folgen nicht absehen, glauben, alles allein zu schaffen, meinen, für alles verantwortlich zu sein. Aber wir sind nicht der liebe Gott. Das ist gut so! Und für uns, die wir versuchen als Christinnen und Christen zu leben, kann und darf dies auch gar kein Ziel sein.

„Ahmt nun Gott nach!“ – Das fordert uns vielmehr immer wieder dazu auf, uns zu erinnern, welches Beispiel Gott uns überhaupt gegeben hat. Und der Briefschreiber erinnert hier ja auch daran. Gerade in dieser Passionszeit steht uns Gottes Beispiel ganz anders und ganz besonders vor Augen. Gott ist in Christus für uns Mensch geworden, hat sich erniedrigt, erniedrigt bis ans Kreuz. Doch bis dahin hatte er sich längst als Freund der Menschen bewährt, sich ausgewiesen als der Vater, der seine Kinder liebt: in den unendlich vielen Zuwendungen an die Entrechteten und Ausgestoßenen, in der Zuwendung zu denen, die ihm selbst nach dem Leben trachteten, in der liebenden Fürsorge für alles kranke und behinderte Leben. Keinen Menschen gab es, an dem er einfach achtlos vorbei gegangen wäre, keinen Menschen gab es, den er mit Vorurteilen gleich auch vorverurteilt hätte. Wie gut tut es, solch einen Gott zu haben, an solch einen Gott glauben zu dürfen, sich von einem solchen Gott im Leben und im Sterben geborgen wissen zu dürfen. Aber wie schwer ist es dann auch für uns, eben solch einen Gott als Beispiel für unser eigenes Leben zu haben.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wenn wir nur ganz kurz innehalten und nachdenken, dann werden wir sehr schnell verstehen, dass wir selbst unseren Anspruch an uns und damit an auch an andere nicht zu hoch ansetzen dürfen. Wir werden niemals perfektgläubig sein. Wer das von sich behauptet, der hat Gott aus seinem Leben gestrichen und glaubt nur noch an sich selbst! Wir können uns niemals allen Problemen dieser Welt gleichermaßen zuwenden, ja wir können vielleicht noch nicht einmal ein Problem in dieser Welt lösen – wir spüren das gerade schmerzhaft in unserem Land, auch in der ganzen Welt. Oder wir merken zumindest, wie lange so etwas dauern kann, eine Krise zu bewältigen, wie ungeduldig wir dabei werden und wie viele Fehler wir alle dabei machen!

Selbst in unserem kleinen Lebenskreis, in unserem eigenen Lebensvollzug machen wir so oft so vieles falsch. Wir merken dabei immer wieder, dass wir eben nicht Gott sind. Trotzdem dürfen wir deshalb niemals Gott als Beispiel für unser eigenes Leben aufgeben! Selbst wenn wir in der Nachfolge Gottes zu keinen großen Sprüngen fähig sind, die kleinen Schritte müssen auch gegangen werden. Gott verlangt von uns keine großen und spektakulären Sprünge, nein, er fordert vielmehr die Beharrlichkeit in den unendlich vielen kleinen Schritten. Das Zugehen auf das Reich Gottes, und davon spricht ja unser Predigtwort auch, besteht aus zahllosen kleinen, aber zielgerichteten Schritten, die für uns den Weg ausmachen.

Wenn wir in unseren Kirchengemeinden manchmal auch große Pläne haben, wenn wir auch immer wieder mit Zukunftsängsten über unsere Kirche konfrontiert werden, ja wenn Leute uns einreden wollen, dass Gott immer mehr verblassen wird in einer Zeit, die für Gefühl, für Glauben und Emotion immer weniger Platz bietet, dann dürfen wir trotz allem nicht vergessen, voranzugehen auf dem Weg der Nachfolge, um das zu tun, was auch vor Ort – da, wo Gott selbst uns hingestellt hat – eben getan werden muss.

Das Reich Gottes kommt nicht von irgendwo her, es entsteht auch nicht irgendwo, es wird auch von hier aus und durch jede und jeden in der Nachfolge Christi mitgebaut. Es ist nicht von dieser Welt, aber es ist auch in dieser Welt und wir gehen darauf zu. Das ist das Beispiel, das Gott uns gegeben hat, der Weg, auf dem er selbst uns vorangegangen ist. Alles, was wir in unseren Gemeinden tun, alles was wir hier in dieser Gemeinde tun, jedes Engagement in einem unserer Gemeindekreise – die gerade alle brach liegen, aber hoffenrtlich aus diesem unfreiwilligen Dornröschenschlaf auch wieder aufwachen werden –, auch das, was wir in den Presbyterien und anderen Gremien beraten und beschließen, all dies tun wir auf dieses Reich hin und niemals zur eigenen Ehre und schon gar nicht für ein späteres Denkmal. Alles, was wir tun, haben wir daraufhin zu prüfen, ob es uns auf den Weg führt, den Gott vor uns gegangen ist und vor allem, ob es andere einlädt, darauf mitzugehen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wie schwer es ist, so in der Liebe zu leben, wie schwer es ist, Gottes Liebe so zu leben und weiterzugeben, das wusste der Verfasser wohl, als er diesen Brief schrieb. Er wusste wohl, welche Konzentration auf Gott und den neuen Glauben nötig war, wie sehr die Menschen aber offenbar immer in Anfechtung lebten. Und er nennt die Probleme seiner Zeit, vieles davon kennen wir heute noch. Unzucht und Unreinheit, Habsucht, schändliches Gerede, nennt er. Offenbar sind Menschen, wie sie eben sind und ändern sich wenig. Gerade das schändliche Gerede wurde uns von so manchen Zeitgenossen in den letzten Monaten in geradezu unerträglicher Weise immer wieder in den Medien zelebriert. Ich selbst stand manchmal erschüttert davor, wie viel Hass und Dummschwätzerei sich breit machen durfte und konnte! Natürlich könnten wir heute noch unendlich viele andere Probleme daneben stellen, doch bleiben wir bei den drei genannten, wir haben genug daran zu kauen.

Der Verfasser redet von einem Leben in Liebe und führt danach gleich Unzucht und Unreinheit als Gefährdung dieser Liebe an. Er kannte offenbar den Unterschied zwischen der Liebe zwischen Menschen, die sich in Treue, Verantwortung und gegenseitiger Achtung offenbart, und z.B. einer Sexualität, die menschenverachtend und zerstörerisch die Beziehungsfähigkeit der Menschen auf’s Spiel setzt. Er redet von der Habsucht, von der Gier des Immer-mehr-haben-wollens, die uns Menschen durch die Jahrtausende begleitet, die Millionen von Menschen das Leben und die Existenz gekostet hat und die irgendwie nie an ihr Ende zu kommen scheint – oder gerade doch? Mittlerweile müssen wir wohl lauter nachfragen, wie lange solch ein menschliches Unverhalten noch funktionieren wird. Schließlich nennt der Briefschreiber eben noch das schandbare und lose Gerede. Ich weiß nicht, wie sehr z.B. der Apostel Paulus darunter litt, wegen des Geredes der Menschen seiner Zeit hat er jedenfalls vieles erleiden müssen. Und solch ein dummes Geschwätz ist auch meine empfindliche Stelle. Ich finde es immer verletzend und so enttäuschend, wenn Menschen über andere, statt mit anderen reden. Wie schnell werden so Vorurteile zementiert, und wie oft zerbrechen Menschen an dem Gerede über sie? Ist Wahrheit, ist Ehrlichkeit denn so schwer zu leben, so schwer, dass wir Menschen solch ein leeres und schandbares Reden überhaupt noch nötig haben? Wie heute über Menschen in unserem Land geredet wird, wie viel Hass wieder ungestraft verbreitet werden darf und nicht unter Strafe gestellt wird, wie dumme Parolen wieder unsere Hirne besetzen dürfen, als hätten wir z. B. aus unserer eigenen Geschichte nichts gelernt, wie viele scheinbar intelligente Menschen sich davon verleiten lassen, ja, es ist wirklich eine Schande!

Wenn ich einen Wunsch und eine Hoffnung für unser gemeinsames Leben, Arbeiten und Handeln in unseren Gemeinden habe, dann kann es auch dieses sein: Lassen wir doch alles dumme Geschwätz über uns und andere, machen wir statt dessen Platz für Wahrheit und Ehrlichkeit. Denn ein Leben in Gottes Liebe, und zu einem solchen sind wir ja gerufen, zu einem Leben in seinem Lichte, in solch einem Leben ist kein Platz für Neid, für Nachreden und Gerüchte oder gar für Hass. Ein Leben in Gottes Licht gewährt vielmehr Vergebung, macht uns mutig, um Vergebung zu bitten und schafft immer wieder Platz für neue und gemeinsame Anfänge.

Ein Leben in der Liebe und in dem Licht Gottes lässt die Achtung vor dem anderen Menschen niemals zuschanden werden. Und deshalb sollten wir uns selbst – jede und jeder für sich – prüfen, ob wir zu solch einer Vergebung bereit sind, ob wir bereit sind, dort um Vergebung zu bitten, wo wir genau wissen, dass Dinge noch in Unordnung sind. Wenn wir dazu nicht fähig sind, dann haben wir uns selbst zumindest noch neben die Liebe und das Licht Gottes gestellt.

Wir alle stehen gleichermaßen in Bewährung und Anfechtung. An einige von uns werden sogar besondere Maßstäbe angelegt. Allein deshalb ist es so unendlich wichtig, sich eines immer wieder neu klar zu machen: Niemand von uns ist besser oder schlechter als irgendeine andere oder ein anderer. Alles, was wir in einer Gemeinde tun, ist Dienst für andere, der von vielen mitgetragen werden muss. Trägt nur einer an einer Sache, dann geht er oder sie irgendwann daran kaputt. Und alles, was wir tun, hat mit der Liebe Gottes zu uns Menschen zu tun und niemals mit der Macht über andere Menschen.

Martin Luther hat in einer kleinen Schrift mit dem Titel „Von der Winkelmesse und Pfaffenweihe“ einmal geschrieben und damit möchte ich meine Gedanken abschließen: „Wer angefangen hat, Christ zu sein, der muß eingedenk sein, daß er noch kein Christ ist, sondern er versuche erst, Christ zu werden, daß er mit Paulus rühmen kann: Ich bin es nicht, sondern ich versuche es zu sein (Phil 3,12.15). Und die wir uns schon vollkommen glauben, laßt uns in dieser Regel bleiben. Denn ein Christ ist immer im Werden, nie im Gewordensein“.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott und Vater, der du im Urteilen freundlich bist,

du willst, dass wir dir nachfolgen,

und du verlangst nichts Unmögliches von uns.

Dafür danken wir dir und bitten

– für die schnell Entschlossenen unter uns,

dass sie ihr Ja und Nein bedenken

und rechtzeitig deutlich reden;

– für die Kleinlichen unter uns,

dass sie lernen zu unterscheiden

und nicht jede Vorschrift

als heilige Pflicht nehmen,

sondern auch ihr Gewissen befragen,

was zu tun nötig ist.

– für die Ängstlichen unter uns,

dass sie vorausschauen

und neu lernen, anderen zu vertrauen,

anstatt ständig im Misstrauen zu leben.

– für die Trauernden unter uns,

dass sie deine Nähe spüren

und erkennen, dass deine Liebe mit dem Tod

niemals endet, sondern ihn überwindet.

So beten wir schließlich um den Mut,

unser eigenes Maß zu finden

und deine Ziele im Auge zu behalten,

damit wir dir dienen können

auf allen unseren Wegen.

Höre uns, wenn wir dir in der Stille alles anvertrauen!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

(Stand 28. 2. 2021)

 

Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

Sonntag Reminiscere, 28. 2. 2021

 

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren. (Röm 5,8)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 25

1 Von David. Nach dir, HERR, verlangt mich.

2 Mein Gott, ich hoffe auf dich; lass mich nicht zuschanden werden, dass meine Feinde nicht frohlocken über mich.

3 Denn keiner wird zuschanden, der auf dich harret; aber zuschanden werden die leichtfertigen Verächter.

4 HERR, zeige mir deine Wege und lehre mich deine Steige!

5 Leite mich in deiner Wahrheit und lehre mich! Denn du bist der Gott, der mir hilft; täglich harre ich auf dich.

6 Gedenke, HERR, an deine Barmherzigkeit und an deine Güte, die von Ewigkeit her gewesen sind.

7 Gedenke nicht der Sünden meiner Jugend und meiner Übertretungen, gedenke aber meiner nach deiner Barmherzigkeit, HERR, um deiner Güte willen!

8 Der HERR ist gut und gerecht; darum weist er Sündern den Weg.

9 Er leitet die Elenden recht und lehrt die Elenden seinen Weg.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Du hast täglich Grund, über uns traurig zu sein.

Doch du trägst uns mit großer Geduld.

Du schaust nicht auf unsere Sünden,

statt zornerfüllt kommst du uns

mit Barmherzigkeit entgegen.

So werden auch wir mutig,

dir trotz all unserer Schuld entgegenzusehen

und entgegenzugehen.

Und trotz all unserer Schuld

bitten wir dich um dein Erbarmen.

Sieh’ auf uns und höre,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Barmherzig und gnädig ist Gott

geduldig und von großer Güte.

So gibt Gott deinem Leben einen neuen Klang,

stimmt sich freundlich auf dich ein

und lässt dich deine eigene Melodie finden.

Nun singe Gott ein neues Lied.

Lobe Gott, meine Seele,

und vergiss nicht, was Gott dir Gutes getan hat.

 

Guter Gott,

denk an deine Barmherzigkeit,

die du uns von Anbeginn an erwiesen hast.

Lass uns niemals versinken

in den Folgen unserer Eigenmächtigkeiten.

Öffne unsere Ohren, dass wir auf dich hören

und dein rettendes Tun verkünden,

das wir erfahren in Jesus Christus, deinem Sohn,

der für uns eintritt, jetzt und in Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 3, Verse 14-21:

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.

17 Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, dass er die Welt richte, sondern dass die Welt durch ihn gerettet werde.

18 Wer an ihn glaubt, der wird nicht gerichtet; wer aber nicht glaubt, der ist schon gerichtet, denn er hat nicht geglaubt an den Namen des eingeborenen Sohnes Gottes.

19 Das ist aber das Gericht, dass das Licht in die Welt gekommen ist, und die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht, denn ihre Werke waren böse.

20 Wer Böses tut, der hasst das Licht und kommt nicht zu dem Licht, damit seine Werke nicht aufgedeckt werden.

21 Wer aber die Wahrheit tut, der kommt zu dem Licht, damit offenbar wird, dass seine Werke in Gott getan sind.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttstamentliche Lesung: Aus dem Jesajabuch, Kapitel 5, Verse 1-7

(auch Predigttext)

Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg

1 Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe.

2 Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.

3 Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg!

4 Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

5 Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde.

6 Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

7 Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ein altes Lied haben wir gerade als alttestamentliche Lesung etwas weiter oben gelesen, das Lied des Propheten Jesaja über einen unfruchtbaren Weinberg (5,1-7).

Alle, die mich kennen, wissen dass ich eigentlich nur sehr, sehr selten Wein trinke. Das wird meiner endgültigen Winzenheimer Einbürgerung wohl immer im Weg stehen. Aber jedesmal, wenn ich dann ‘mal Winzenheimer Wein trinke, dann kommt mir dabei oft eine Frage in den Sinn, die vielleicht erst einmal ein wenig eigenartig klingt: Müsste der Wein hier bei uns nicht eigentlich viel teurer sein? Ist der Wein, den wir hier trinken und der uns irgendwie immer zur Verfügung steht, nicht zu billig?

Wissen wir eigentlich und achten wir es eigentlich noch, wie viel Arbeit es macht, einen guten Wein zu produzieren? Ich weiß, ich rede jetzt von Dingen, von denen ich eigentlich ja gar keine Ahnung habe. Aber hingeschaut habe ich in meinen nun fast genau 30 Jahren in Winzenheim schon. Und in der Weinlese war ich auch schon, die „Leele“ habe ich auch schon getragen. Leider ist diese „Romantik“ des gemeinsamen Weinlesens heute fast vollständig verschwunden.

Da ist das Anlegen des Weinbergs. Da ist die mühsame Bepflanzung und die  schwierige Pflege der Pflanzen. Und dann das ständige Risiko mit dem Wetter: Weinstöcke sind sehr empfindlich! Das kommt es leicht zu einer Missernte. Der Weinanbau ist ein mühsames Geschäft. Doch was  wissen wir wirklich davon, wenn wir abends mal in aller Gemütlichkeit ein Fläschchen aufziehen, heute muss man wohl eher sagen: aufdrehen?

Machen wir uns überhaupt noch Gedanken? Was wissen wir z.B. von der schwierigen Arbeit und Problemen in der Landwirtschaft, wenn wir unser tägliches Brot essen? Was wissen wir von den Problemen und Enttäuschungen der Lehrerinnen und Lehrer, die hoffentlich alle bald wieder tagtäglich an den Schulen auch vor schwierigen Klassen stehen, sogar in einer kleinen Grundschule wie bei uns in Winzenheim? Welche Probleme treibt sie gerade um, welche werden sie unter veränderten Bedingungen noch zu lösen haben? Was wissen wir von der täglichen Arbeit der viele Menschen, die für uns da sind? Manches wissen wir recht gut! Manches wollen wir vielleicht gar nicht wissen.

Diejenigen, die hier in unserem Ort Winzenheim mit dem Wein aufgewachsen sind, wissen sehr gut, welche Mühe der Weinanbau macht. Deshalb werden sie es lebhaft nachvollziehen können, welche Mühen Jesaja in seinem Lied vom Weinberg beschreibt: die mühsamen Vorbereitungen mit der Umzäunung, dem Wachturm, dem Entsteinen, dem Pflanzen und dem ständigen Jäten. Dann kommt das lange und bange Warten: ob denn der Weinberg eine ergiebige Ernte bringt. Zuletzt vielleicht auch mal die bittere Enttäuschung: alles war umsonst!

Da möchte man am liebsten alles hinschmeißen. Ein kluger Wirtschaftsmann, dem ein Geschäft misslungen ist, wird dieses Geschäft erst gründlich überprüfen und dann wahrscheinlich aufgeben. Eine zweite Fehlinvestition im gleichen Geschäft kann sich wohl niemand leisten. Nicht wenige der kleineren Winzer haben das längst getan.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Nun handelt es sich bei unserem Predigttext aber um einen Vergleich. Oft, wenn in der Bibel von einem Weinberg die Rede ist, geht es um eine Beziehung zwischen Gott und seinem Volk Israel. Das gilt auch noch heute: das Neue Testament sieht die Kirche als das neue Israel an. Wir Christen sind mit den Juden das Volk Gottes. Gott hat viel für sein Volk getan. Er hat es durch viele Gefahren hindurch behütet. Er hat dem Volk seine Lebensordnung gegeben. Und doch hat das Volk ihn enttäuscht. Andere Gottheiten lenkten die Leute vom Glauben ab. Geschäfte waren wichtiger als der Schutz des Schwachen. Die Lebensordnung Gottes wurde lange nicht mehr beachtet. Lange Zeit hat sich Gott die Menschen angesehen: nun ist er zornig!

Natürlich wollen wir kaum hören, dass Gott zornig sein könnte. Gott sollte doch über den Dingen stehen. Wie  kann er der liebe Gott sein, wenn er frustriert und zornig ist? Wie kann er der liebe Gott sein, dass er sein Volk fallen lässt? Aber schließt denn die Liebe aus, dass man nicht auch mal zornig auf den anderen ist? Kann es nicht in einer guten Ehe auch einmal zum dosierten Ehekrach kommen? Wenn jemand sich aufregt, dann ist ihr oder ihm die Beziehung vielleicht noch nicht gleichgültig. Wir Menschen sind Gott nicht egal, weil er uns lieb hat. Deshalb muss es wohl auch sein, dass Gott den Menschen auch mal zornig ist, eben weil wir ihm nicht egal sind.

In einem anderen Stückchen Bibel ist auch von einem Weinberg, vor allem von seinem Besitzer die Rede (Mk 12,1-12). Auch er ist erzürnt. Da bringen die Pächter sogar den Sohn des Weinbergbesitzers um und machen sich den Besitzer zum Feind. Dieser wird sie bestrafen und den Weinberg anderen geben. Vermutlich hat die junge Kirche Jesus dieses Gleichnis von den bösen Pächtern im Weinberg in den Mund gelegt. Sie wollte darauf hinweisen, dass der Sohn des Weinbergbesitzers Jesus ist, der mit dem Kreuz getötet wurde. Die junge Kirche wollte darauf aufmerksam machen, dass sie nun das neue Israel ist und ihr nun der Weinberg Gottes gehört.

Doch hat Gott nicht auch mit seinen neuen Pächtern Pech gehabt? Wie oft hat sich seine Kirche – und ich meine jetzt ausdrücklich beide Konfessionen – versündigt und ist schuldig geworden? In der Geschichte der Menschheit gibt es so viele Beispiele dafür, dass die Kirche auch Leid über die Menschen gebracht hat. Das prägnanteste Beispiel aus unserer eigentlich kirchenhistorisch noch jungen Geschichte, weist auf die Geschichte in unserem Land. Hat nicht die evangelische Kirche gemeinsam mit der katholischen Kirche geschwiegen, als z. B. Millionen von Juden von den Nazis ermordet wurden? Wenige haben damals nur ihre Stimme dagegen erhoben. Und von den wenigen haben es viele nicht überlebt.

Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit. (Jes 5,7b) – So heißt es im Predigttext.

Auch in seiner Kirche hat Gott in den 2000 Jahren des Christentums Rechtsbruch und schreiendes Unrecht  erfahren. Auch wegen dieser Kirche hat Gott Grund genug, zornig zu sein. Deshalb haben wir Christinnen und Christen z.B. wenig Anlass, uns über die Juden zu erheben. Deshalb bleibt uns nur das Eine, dass wir Gott um dreifache Vergebung bitten: Vergebung für eine Kirche, die Schuld auf sich geladen hat; Vergebung für die Christen, die Gewalt gegen Andersdenkende und Andersgläubige verübt haben und Vergebung auch für uns persönlich, die wir so oft gegen Gottes Gebot leben, denken und handeln!

Das Gottesvolk Israel ist in seiner langen Geschichte oft geschlagen und verfolgt worden. Hatte das immer mit Gottes Zorn zu tun? Es steht uns Christinnen und Christen nicht zu, diese Frage beantworten zu wollen, so wie man es früher zu gern getan hat. Dafür denken jüdische Rabbiner selbst über diese Frage nach und versuchen ihre  Antwort darauf zu finden. Wir als Christenheit haben inzwischen genug vor der eigenen Haustür zu kehren: Gott hat Grund genug, auch seiner Christenheit zornig zu sein. Was wäre, wenn Gott seinen Weinberg Kirche ohne Schutz lässt? Was ist, wenn Gott seinen Weinberg Kirche brach liegen und vertrocknen lässt? Und ist unsere deutsche Volkskirche nicht schon an vielen Stellen längst zu einer wüsten Einöde geworden? Ich denke, allein die letzten 12 Monate der Pandemiezeit haben einiges dazu aufgedeckt.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Auch das wird auf uns zukommen; nämlich noch mehr darüber nachzudenken, was aus unserer Kirche wird und ob unsere Gemeinden immer noch ein Spiegel dieser Kirche sind, sein wollen oder eben nicht. Unser ganzer Mut wird eingefordert werden, diese Kirche und unsere Gemeinde zukunftsfähig zu machen. Und ich behaupte, die Zukunftsfähigkeit unserer Kirche hängt nicht nur an einem halbwegs gesunden Haushalt, den wir zurzeit immer noch präsentieren dürfen. Nein, die Zukunft unserer Kirche und unserer Gemeinden hängt in erster Linie daran, wie wir wieder einladend missionarisch Menschen für Gott gewinnen können. Wie wir den Glauben, der in so vielen Menschen verschüttet scheint, wecken können. Wie wir wieder deutlich machen, dass es sich gerade in einer immer mehr auseinander rückenden Gesellschaft lohnt, Gemeinschaft zu suchen und zu stiften. Und keine beliebige Gemeinschaft, sondern eine Gemeinschaft, in der Gott und Glaube auch wieder eine Mitte findet, um die herum es sich zu leben lohnt und es Freude macht, dabei zu sein. Nicht mehr, aber auch nicht weniger haben wir in den Blick zu nehmen. Und ob das in immer größer fusionierten Gemeinden leichter wird, wage ich an dieser Stelle einmal deutlich zu bezweifeln. Gott sucht immer die Nähe der Menschen und findet sich mit Ferne niemals ab!

Vieles wird in sich verändernden Strukturen stattfinden, die uns ängstigen könnten, die wir aber – und damit meine ich jetzt auch einmal besonders diejenigen, die als Presbyterin oder Presbyter in unseren Gemeinden und somit unserer Kirche Verantwortung übernommen haben –  immer auch noch gestalten können, eben ohne Angst, sondern mit viel Kreativität und eben mit Gottes Segen, der uns niemals verlässt. Gott will dabei ja mit uns auf dem Weg sein. Und er wird es!

Auch in der Zornespredigt des Jesaja findet sich doch auch schon dieser Ausblick: Gott ruft die Angeklagten als Richter an: „Richtet ihr zwischen mir und zwischen meinem Weinberg!“ So will er das Gewissen wachrütteln. Unser eigenes Gewissen soll uns sagen, wo es in und bei uns fehlt: am Glauben und in der Hoffnung, an Liebe und in der Gerechtigkeit. Gott will keine öde Kirche mit vielen Kirchensteuerchristen, sondern einen blühenden Garten des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe. Und in diesem Garten ist jede und jeder von uns ein Gott ganz und gar willkommenes Pflänzchen. Wir sollen seine Freude sein, er will uns wachsen sehen! Wunderbar!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Gott, unser Vater,

wir danken dir, dass dein Wort uns bis heute erreicht.

Du hast Jesus Christus, deinen Sohn,

als den Beweis deiner Liebe zu den Menschen gesandt.

Er wurde verlacht, er musste leiden.

Er wurde gekreuzigt.

Er stirbt noch heute unter uns,

wo Gewalt und Misstrauen herrschen

und deine Botschaft abgelehnt wird.

Deshalb bitten wir dich:

Mach uns zu Botinnen und Botenen deines Evangeliums

und schenke uns die Kraft deines Geistes,

– dass wir den Mut nicht verlieren,

wenn man uns hart zusetzt,

– dass wir nicht gleichgültig werden,

wenn man von dir nichts mehr erwartet.

 

Wir wollen uns in die Verantwortung rufen lassen,

weil wir sehen:

Viele verzweifeln und niemand richtet sie auf.

Viele fragen und bekommen keine Antwort.

Viele leben und wissen nicht warum.

Viele sterben und haben keine Hoffnung.

 

Wir bitten dich:

Lehre uns die Sprache der Liebe,

damit wir ihnen ihr Elend tragen helfen.

So wird dein Friedensreich unter uns aufgerichtet.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel