Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem Menschensohn. (Lk 18,31)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 31

2 HERR, auf dich traue ich, / lass mich nimmermehr zuschanden werden, errette mich durch deine Gerechtigkeit!

3 Neige deine Ohren zu mir, hilf mir eilends! Sei mir ein starker Fels und eine Burg, dass du mir helfest!

4 Denn du bist mein Fels und meine Burg, und um deines Namens willen wollest du mich leiten und führen.

5 Du wollest mich aus dem Netze ziehen, / das sie mir heimlich stellten; denn du bist meine Stärke.

6 In deine Hände befehle ich meinen Geist; du hast mich erlöst, HERR, du treuer Gott.

8 Ich freue mich und bin fröhlich über deine Güte, dass du mein Elend ansiehst und kennst die Not meiner Seele

9 und übergibst mich nicht in die Hände des Feindes; du stellst meine Füße auf weiten Raum.

16 Meine Zeit steht in deinen Händen. Errette mich von der Hand meiner Feinde und von denen, die mich verfolgen.

17 Lass leuchten dein Antlitz über deinem Knecht; hilf mir durch deine Güte!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott uns Vater!

An einem Tag bekennen wir uns zu dir,

an einem anderen verleugnen wir dich wieder.

Wir sind so leidensscheu.

Wir haben Angst, unser Leben zu verlieren.

Wir suchen es so oft krampfhaft,

versuchen alles festzuhalten

und spüren doch,

wie es uns manchmal zu entgleiten scheint.

Du siehst auf uns,

du hörst,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

In Jesus Christus, erfahren wir,

was Liebe heißt.

Er gibt uns nicht auf.

Er ermuntert uns durch seinen Geist.

Er spricht uns zu:

Kommt her zu mir alle,

die ihr mühselig und beladen seid,

ich will euch erquicken.

Ehr sei Gott in der Höhe!

 

Herr, guter Gott und Vater,

du bist dem Leiden nicht aus dem Weg gegangen.

Hilf, dass auch wir,

trotz all unserer Ängste,

den Mut gewinnen, dir nachzufolgen.

Das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn, unserem Herrn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 8, Verse 31-38:

31 Und er fing an, sie zu lehren: Der Menschensohn muss viel leiden und verworfen werden von den Ältesten und den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten und getötet werden und nach drei Tagen auferstehen.

32 Und er redete das Wort frei und offen. Und Petrus nahm ihn beiseite und fing an, ihm zu wehren.

33 Er aber wandte sich um, sah seine Jünger an und bedrohte Petrus und sprach: Geh hinter mich, du Satan! Denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was menschlich ist.

34 Und er rief zu sich das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.

35 Denn wer sein Leben behalten will, der wird’s verlieren; und wer sein Leben verliert um meinetwillen und um des Evangeliums willen, der wird’s behalten.

36 Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?

37 Denn was kann der Mensch geben, womit er seine Seele auslöse?

38 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt unter diesem ehebrecherischen und sündigen Geschlecht, dessen wird sich auch der Menschensohn schämen, wenn er kommen wird in der Herrlichkeit seines Vaters mit den heiligen Engeln.

Amen!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Jesajabuch, Kapitel 58, Verse 1-9a

(auch Predigttext)

1 Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!

2 Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.

3 »Warum fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?« Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.

4 Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.

5 Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

6 Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!

7 Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

8 Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen.

9 Dann wirst du rufen und der HERR wird dir antworten.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Am kommenden Mittwoch ist es wieder so weit. Aschermittwoch – Schluss mit Fasching und Karneval, hinein in die Fastenzeit. Ehrlich gesagt, ich hätte in diesem Jahr fast nicht bemerkt, dass wir gerade im Faschingswochenende stecken. Aber im Moment ist ja alles anders, als wir es gewohnt waren und für selbstverständlich hielten. Nun haben wir diesen „Nichtfasching“ aber bald hinter uns und schauen auf die Zeit die vor uns liegt, die Fastenzeit. Eine Zeit, die wir so gerne mit „Sieben Wochen ohne“ beschreiben. Eine Zeit, die unseren Blick wenden will. Wir sollen auf uns schauen, auf das, was wirklich nötig ist. Wir sollen uns selbst befragen, was wir überhaupt brauchen. Wir sollen uns fragen, was es eigentlich heißt, auch einmal zu verzichten. Wie wir es richtig machen sollen, sagt uns heute der Prophet Jesaja. In der alttestamentlichen Lesung etwas weiter oben konnten wir es gerade lesen. Und was er sagt, das fasst ein Gesangbuchlied zusammen, das wir heute als Lied vor der Predigt gesungen hätten, wenn wir uns im Gottesdienst hätten begegnen können. Hätte, hätte, … Können wir aber leider nicht!

Also erinnern wir uns. Im Lied eg 420 unseres Gesangbuches heißt es: „Brich mit den Hungrigen dein Brot, sprich mit den Sprachlosen ein Wort, sing mit den Traurigen ein Lied, teil mit den Einsamen dein Haus. Such mit den Fertigen ein Ziel.“

Worum geht es eigentlich, wenn wir das in unseren Gottesdiensten singen? Ich finde, das Lied weist uns so herrlich darauf, was andere von uns brauchen; es weist gerade nicht darauf, was wir selbst besitzen und uns sichern sollen. Es weist geradezu von uns weg. Und wenn wir danach fragen, wo andere uns brauchen oder was andere von uns brauchen, dann ahnen wir doch auch wieder neu, wie vieles wir wohl geben können, wie vieles wir selbst haben. Vor allem aber ahnen wir auch, dass nichts wohl selbstverständlich ist, was uns umgibt, sondern vieles ist uns geschenkt. Nichts ist selbstverständlich, aber vieles ist unendlich kostbar und wertvoll. Ich denke, genau das sollen wir in der Fastenzeit immer wieder neu spüren und für uns selbst erfahren.

Aber gilt das auch in  diesem Jahr? Oder ist selbst das in diesem Jahr anders? – Ich denke, es ist anders!

Ich schaue in diesem Jahr gar nicht so sehr auf die „Sieben Wochen ohne“, die vor uns liegen. Ich erinnere mich in diesem Jahr eher an die fast nun zwölf Monate die hinter uns liegen. Das waren vielfach und für viele Menschen irgendwie „zwölf Monate ohne“, eine Zeit der Entbehrung. Wir haben auf viele Dinge verzichten müssen und zwar so, wie wir es uns eigentlich bis dahin nicht vorstellen konnten.

Schmerzlich mussten wir auf die Nähe zu geliebten Menschen verzichten. Die Eltern nur selten gesehen. Geschwister auf dem Bildschirm besucht, Freunde und Nachbarn über den Gartenzaun auf Abstand gegrüßt. Vielen sind wir an liebgewordenen Plätzen im vergangenen Jahr vielleicht gar nicht begegnet. Urlaube sind ausgefallen. Da sind unsere Kinder, viele junge Menschen – vieles war und ist ihnen nicht möglich. Völlig ungewohnt und schwer zu verstehen für viele von ihnen!

Ich habe auch gelernt, dass kein Bildschirm, kein Skype, kein ZOOM, kein noch so lieb gemeint geschicktes Foto oder was auch sonst immer auch nur eine einzige Umarmung ersetzen kann! Kein gemütliches Zusammensitzen ist durch eine ZOOM-Konferenz auch nur annähernd auszugleichen! Es fehlt die dabei die Liebe, die unter uns praktische gelebte Liebe, die körperlich gespürte Zuneigung! Ich möchte andere Menschen wieder spüren, fühlen. Denn dabei spüre ich mich doch immer auch selbst. Und ich spüre, du bist da, spürbar für mich da! So wie ich es auch für dich sein will! Wir halten uns und sind stark! Was sind wir ohne solch eine spürbare Liebe?

Und da war das andere. Freiheit war uns so selbstverständlich. In unserem eigenen und möglichen Rahmen waren wir es gewohnt, so zu leben, wie wir es wollten und so wie wir es für gut und richtig empfunden haben. Und auf einmal? Freiheit war eben nicht mehr selbstverständlich! Teile der persönlichen Freiheit galt es als Rücksicht auf andere einzusetzen. Wir haben nicht nur auf persönliche Freiheiten verzichten müssen, sondern auf Freiheit. Das ist ein Unterschied!

Für viele von uns war es irgendwie schon ein ganzes Leben lang selbstverständlich. Hingehen, wohin und wann man will. Reisen, wohin man will bzw. der Geldbeutel es zulässt. Treffen, wen man will und wie viele man will.

Und auf einmal? Bleibt in euren Wohnungen! Lasst eure Kinder zu Hause! Keine Gäste mehr! Verzichtet auf das Reisen! Menschen, die ihr liebt – lasst sie in euren Herzen wohnen, aber nicht in euren Wohnungen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

All das geschieht aus guten Gründen. All das braucht unsere ganze Fähigkeit zur Geduld, selbst zu unserer überstrapazierten Geduld! All dies müssen wir aus Rücksicht tun. Es geht nicht nur um unser eigenes Leben, auch um das der anderen. Und trotzdem: Wir entbehren so vieles. Und es ist so unglaublich schwer für viele, das auszuhalten. Da merken Menschen in Partnerschaften, wie Nähe und Distanz immer wieder neu bestimmt werden müssen. Ja, einige mussten sogar leidvoll spüren, wie gefährdet Liebe sein kann, wenn Nähe sie erdrückt. Da leben Familien unter einem enormen Druck, weil auf engem Raum Leben ganz anders zu gestalten ist. Und der Druck wächst – auf die Eltern, auf die Kinder!

Eigentlich müssten wir alle mal so richtig raus. Einmal ganz weg, um befreit wiederkommen zu können! Frei bewegen, ohne Sorge und Angst! Ohne Regeln, die es scheinbar beschneiden und unmöglich machen wollen! Aber es geht nicht! Wir dürfen, können und sollten es nicht! Noch nicht! Ja – Freiheit fehlt uns! Und wir erkennen ihren Wert neu!

Aber ich glaube, bei vielen von uns ist da noch etwas, was uns umtreibt und mit dem wir nur ganz schwer umgehen können. Was ist eigentlich mit unserem Gefühl, selbst Frau oder Herr über das eigene Leben zu sein? „Selbstbestimmung“ nennen wir es oft. Wenn ich mich umschaue, meine ich in dieser nun schon so lange dauernden Pandemiezeit mehr und mehr ein – ja ich beschreibe es einmal so – „Ohnmachtsgefühl“ zu spüren. Was wir zum Leben brauchen, wann bekommen wir es wieder? Irgendwie spüren viele von uns, dass wir gar nicht so richtig selbst dafür sorgen können. Infektionszahlen müssen immer noch runter. Die Hoffnung auf den Impfstoff, wie sehr haben wir darauf gebaut! Nun aber geht es scheinbar so unendlich langsam! Ich bekenne es: Ja, ich war so naiv! Ein Jahr der Entbehrungen, dann schnell impfen und gut ist es! Nun merke ich wie viele andere, was es heißt, einen langen Atem haben zu müssen! Es ist immer noch ein Notstand. Es braucht weiterhin uns alle, unseren Gemeinsinn und noch viele Anstrengungen, um diese schlimme Zeit zu überwinden. Vieles scheint zwischen den Fingern zu zerrinnen, braucht vielleicht aber einfach mehr Zeit! Ich weiß, viele fühlen sich betrogen, viele möchten gern ihre Schuldzuweisungen denen an den Kopf schmeißen, die die Sache – so sagen es einige – irgendwie vermasselt haben. Ich schaue auf sie und sehe all die Ohnmächtigen, die Wütenden, die Traurigen! Und ich spüre ihren Unfrieden.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ja, es stimmt! Wir haben eine lange Zeit der Entbehrungen hinter uns, ein ganzes Jahr! Jetzt noch einmal „Sieben Wochen ohne“. Klingt eigenartig. Ich bräuchte es nicht, ist mein erstes Gefühl. Wir hatten nicht die Wahl, ob oder worauf wir verzichten wollten. Nichts konnten wir uns aussuchen. Wir waren und sind gezwungen, auf vieles zu verzichten.

Wozu soll also nun noch eine zusätzliche Fastenzeit gut sein?

Und nun schaue ich deshalb endlich und auch abschließend noch einmal auf den Propheten Jesaja und seine Worte. Er leitet mich in die kommende Zeit und stupst mich darauf, wonach ich Ausschau halten soll. Nämlich z.B. soll ich Gott suchen und täglich nach seinen Wegen fragen.

Ja, das sollte ich, das sollten vielleicht wir in all dem, was uns um uns herum runterziehen und traurig machen will, in all dem, was wir so satt haben, in all unseren Klagen und in all unserer Verzweiflung wieder tun: Gott suchen und täglich nach seinen Wegen fragen.

Vieles, was uns der Prophet ans Herz legt, haben wir ja schon getan und tun es in unseren Gemeinden oder auch einfach, weil es unser persönliches Engagement ist: Bedürftige speisen, unser Brot teilen, Flüchtlinge versorgen. All das hat unsere Gemeinde immer auch ausgemacht. Und viele haben dabei mitgemacht. Wir erinnern uns natürlich an das gute Gefühl, wenn wir untereinander geteilt haben, was uns eben möglich war, vor allem auch wenn wir es mit den Menschen taten, die uns dazu brauchen. Ich weiß auch, dass es manche von uns geradezu mit Stolz erfüllt hat, auch ganz selbstlos für andere da sein zu können.

Und genau hier ist es nun auch in diesem Jahr vielleicht anders. Diese Fastenzeit ruft uns geradezu dazu auf, eben diesen Stolz auch einmal loslassen zu können. Es gilt – vielleicht mehr als sonst – auch das andere zu erkennen. Wir selbst sind bedürftig! Wir selbst sind angewiesen! Eine Erkenntnis, die nicht nur auf Wohlwollen in uns selbst trifft! Das einzusehen ist unangenehm. Es regt sich Widerstand in uns. Bei manchen gerät das eigene Selbstbildnis ins Wanken, und manch einer kann damit nur schwer umgehen. Aber es ist im Moment so, wie es eben ist – vieles, was bisher als unabdingbar zu unserem Leben gehörte, ist es nicht mehr. Ja, ich spüre, dass ich nicht allein über mein Leben bestimmen kann, wenn das Leben aller neu gelingen soll. Was diese Erkenntnis mit uns macht, liebe Schwestern und Brüder, ich denke, wir wissen es in aller Konsequenz noch nicht!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Erkennen und anerkennen, dass wir bedürftig sind, Bedürftige vor Gott! Ja, die meisten von uns sind versorgt, gut versorgt, im Gegensatz zu vielen anderen Menschen an anderen Orten auf dieser Welt in dieser schlimmen Zeit. Bei den meisten von uns ist das Einkommen und damit auch das Auskommen geregelt. Aber wir haben es alle gespürt: sicher halten wir nichts in unseren Händen, gar nichts! Wir sind bedürftig, bleiben angewiesen. Genau so sollten wir auch vor Gott treten!

So treten wir vor Gott in den „Sieben Wochen ohne“, in die wir nun bald gehen. Täglich sollen und wollen wir vor Gott kommen. Wir wollen und dürfen uns ihm anvertrauen, dürfen bekennen, wie es wirklich um uns steht. Wir dürfen danach fragen und sollen gut hinhören, welche Wege er mit uns gehen will und wird. Und wir brauchen niemals dafür zu stolz sein, ihn darum zu bitten, uns das alles zu schenken, was wir zum Leben brauchen oder uns zurückwünschen.

Denn eines stimmt und wir bekennen es heute mit Martin Luther, der als einen seiner letzten Sätze kurz vor seinem Tod niederschrieb: „Wir sind Bettler, das ist wahr!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir bitten Herr und Gott, um deinen Geist.

Stärke und erneuere uns,

wandle unsere Herzen und Sinne,

dass wir der Zukunft trauen,

in die du uns führen willst.

Hilf allen Menschen, die leiden,

besonders denen, die von Krankheit betroffen sind

oder die um einen Menschen trauern.

Sei bei ihnen in aller Angst und Not,

stärke und tröste sie,

lass sie nicht verzweifeln, sondern neuen Mut finden.

Herr, hilf uns und allen Menschen,

deiner guten Schöpfung zu dienen,

lass uns deine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sein

und im Vertrauen zu dir deiner Liebe entsprechen.

Herr, erbarme dich unser!

Höre uns,

wenn wir noch einmal in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel