Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Über dir geht auf der HERR, und seine Herrlichkeit erscheint über dir. (Jes 60,2)

 

 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 97

1 Der HERR ist König; des freue sich das Erdreich und seien fröhlich die Inseln, so viel ihrer sind.

2 Wolken und Dunkel sind um ihn her, Gerechtigkeit und Recht sind seines Thrones Stütze.

3 Feuer geht vor ihm her und verzehrt ringsum seine Feinde.

4 Seine Blitze erleuchten den Erdkreis, das Erdreich sieht es und erschrickt.

5 Berge zerschmelzen wie Wachs vor dem HERRN, vor dem Herrscher der ganzen Erde.

6 Die Himmel verkündigen seine Gerechtigkeit, und alle Völker sehen seine Herrlichkeit.

7 Schämen sollen sich alle, die den Bildern dienen / und sich der Götzen rühmen. Betet ihn an, alle Götter!

8 Zion hört es und ist froh, und die Töchter Juda sind fröhlich, weil du, HERR, recht regierest.

9 Denn du, HERR, bist der Höchste über allen Landen, du bist hoch erhöht über alle Götter.

10 Die ihr den HERRN liebet, hasset das Arge! Der Herr bewahrt die Seelen seiner Heiligen; aus der Hand der Frevler wird er sie erretten.

11 Dem Gerechten muss das Licht immer wieder aufgehen und Freude den aufrichtigen Herzen.

12 Ihr Gerechten, freut euch des HERRN und danket ihm und preiset seinen heiligen Namen!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Sieh du auf uns,

wenn wir es vergessen,

auf dich zu schauen.

Erfülle du uns neu mit Leben,

wenn wir meinen,

es entgleitet uns.

Sei du unser Licht,

wenn wir merken,

dass es finster um uns werden will.

Öffne unsere Augen, Herzen und hören,

dass wir wieder spüren,

wie nahe du bist.

Du siehst auf uns,

du hörst,

wenn wir dir nun in der Stille anvertrauen,

was uns auf der Seele liegt.

Komm, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Christus spricht:

Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt,

der wird nicht wandeln in der Finsternis,

sondern wird das Licht des Lebens haben.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, guter Gott!

Wir danken dir,

dass du uns so annimmst,

wie wir eben sind

Niemanden gibst du verloren,

du hältst uns in deiner Hand.

Deine Liebe wird uns zum Licht des Lebens.

Dafür danken wir dir und deinem Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von

Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 17, Verse 1-9:

1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg.

2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht.

3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm.

4 Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!

6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf ihr Angesicht und fürchteten sich sehr.

7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!

8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie niemand als Jesus allein.

9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung niemandem sagen, bis der Menschensohn von den Toten auferstanden ist.

Halleluja! Der Herr hat Gefallen an denen, die ihn ehren, die auf seine Güte hoffen. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 2. Petrusbrief, Kapitel 1, Verse 16-19

(auch Predigttext)

16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen.

17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.

18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge.

19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.

20 Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht.

21 Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet.

Amen.

 

Predigt

 

Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Bei den Worten unserer heutigen Epistellesung etwas weiter oben könnte man als –“einfaches Gemeindeglied“, wie man Christinnen und Christen in einer Gemeinde ja manchmal nennt – entweder mutlos oder aber bestätigt werden: Wir haben seine Herrlichkeit selber gesehen, sagt Petrus. Toll, ich nicht! Diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, fügt er hinzu. Toll, ich habe seine Stimme noch nie gehört!

Und schließlich heißt es, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist. Die Sache Gottes, besonders was die Heilige Schrift angeht und wie man sie verstehen soll, muss also offensichtlich den „Profis“ überlassen bleiben! Es ist die Aufgabe der Prediger und Pfarrer, der Missionare und Evangelisten, das prophetische Wort in diese Zeit hineinzurufen.

Und so hätten es manche wohl auch heute gern! Denn alles, was mit Jesus Christus zu tun hat und mit dem Glauben an ihn, das überlassen viele ja wirklich ohne Zögern und ohne Frage den vermeintlichen Fachleuten oder denen, die sie dafür halten.

Beispiele gefällig? „Herr Pfarrer, würden Sie wohl ein Tischgebet sprechen?“ fragen mich Menschen, wenn ich bei Feiern eingeladen bin. Bei der Goldenen Hochzeit: „Haben Sie noch ein gutes Wort Gottes für das Jubelpaar?“ Nicht, dass ich es dann nicht gern auch täte. Ich mache es sogar sehr gerne! Aber es stört mich eigentlich schon, wenn ich spüre, dass Menschen offensichtlich in dem Moment dann glauben, nur ich könnte das jetzt tun.

Ich möchte das so aber nicht gelten lassen. Denn ist das nicht unser aller Glaube, von dem da gesprochen wird? Ist das nicht unser aller Herr, der da bezeugt wird? Sind wir nicht alle durch ihn gerettet? Gilt seine Vergebung nicht jeder und jedem von uns? Hoffen wir nicht alle auf seine ewige Zukunft?

Warum sind wir dann nicht auch alle seine Prophetinnen und Propheten, die von ihm reden und für ihn Zeugnis ablegen? Warum schweigen wir von dem, der unser Heil ist und an den wir doch glauben? Warum schweigen so viele unter uns über ihren Glauben und überlassen das Reden, das Predigen darüber nur den Fachleuten, den Diakoninnen und Diakonen, den Pfarrerinnen und Pfarrern

Erlauben Sie mir ein persönliches Wort: Ich glaube nicht, dass ich und dass „biblische Fachleute“ überhaupt den sogenannten Laien – was für ein dummes und überhebliches Wort –, dass wir unseren Gemeindegliedern irgend etwas voraushaben, wenn es um den lebendigen Herrn Jesus Christus geht. Man kann ihn nämlich nicht studieren, wie man Theologie studiert. Er offenbart sich auch nicht besonders dem, der viel biblisches Wissen in seinem Kopf anhäuft. Er hat nicht einmal unbedingt eine Beziehung zu Menschen, die sich – wie ich zum Beispiel – in den Dienst der Kirche gestellt haben. Ihn kann man nicht mit seinem Kopf lernen und als eine Wissenschaft mit seinem Verstand aufnehmen. Ich kenne einige Kolleginnen und Kollegen, die sind so an diesen Beruf herangegangen. Und ich habe einige davon  daran zerbrechen sehen. Jesus Christus wird allein mit dem Herzen erfahren. Oder noch deutlicher: Gott spricht in das Herz eines jeden Menschen! Ich denke, das ist hier gemeint. Er ergreift Platz in den Menschen, er, Gott selbst, erfüllt sie ganz. Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. (V.16) – Und gespürt, ergänze ich!

Jetzt frage ich: Haben wir das nicht alle? Sind wir nicht alle „seine Augenzeugen geworden“, wie es in einer moderneren Übersetzung aus unseren Tagen heißt? Warum wären wir jetzt sonst hier? Ich fange einmal bei mir an, aber eben nicht, weil ich Fachmann bin. Aber – ich habe ihn gesehen! Nicht als eine Erscheinung, so dass er mir vor meinen leiblichen Augen gestanden hätte, leider nicht. Nein, ich habe ihn gesehen, so wie man eine wichtige Aufgabe „sieht“ und wie man ein Ziel vor sich „erblickt“. So bin ich jetzt Augenzeuge, weil ich ja auch gar nicht anders kann, als von ihm „zeugen“, der für mich Sinn, Inhalt, Verheißung und Ziel meines und allen Lebens geworden ist. Aber das hat erst einmal wenig damit zu tun, dass ich besonders geschult bin. Und ich sag’s noch einmal: Meine biblische – oder: theologische – Vorbildung berechtigt mich überhaupt nicht dazu, in besonderer Weise das „prophetische Wort“ von Jesus Christus weiterzusagen, sondern ausschließlich diese Tatsache: Ich habe seine Herrlichkeit gesehen! Mich hat es vor langer Zeit als Jugendlicher gepackt, als ich schon längst dachte, etwas ganz anderes in meinem Leben zu machen.

Jetzt sind sie dran, liebe Schwestern und Brüder: Ich ahne nun nämlich auch lauter „Augenzeugen“ vor mir. Leider kann ich sie heute nicht „leibhaftig“ in der Kirche sehen, aber ich schließe meine Augen und hab viele von ihnen vor mir! Sie haben den Herrn auch alle „gesehen“. Bei dem einen von ihnen war das – vielleicht sogar erst neulich – in einer  schweren Stunde am Krankenbett und am Sterbebett eines lieben Menschen. Da ging es ihnen doch auf, wie hinfällig so ein Leben ist, wie gefährdet, wie kurz auch. Da erkannten sie, wie wohl das doch tut, auf Jesu Auferstehung zu blicken und auch für uns ein ewiges Leben zu erhoffen, weil er es uns verspricht. Da kommt eine Familie, Freundinnen und Freunde dürfen es gerade leider nicht, um einem trauernden Menschen beizustehen. „Augenzeugen der Liebe Gottes“ – was denn sonst?

Vielleicht haben sie ja Gott auch vor Jahren schon „kennengelernt“, während einer Predigt möglicherweise oder tatsächlich beim Lesen in der Bibel. Etwas hat sie auf einmal angesprochen und überzeugt: Die Art dieses Jesus von Nazareth, wie Menschen bei ihm über sich hinauswachsen, wie viel Güte von ihm ausgeht, was er für die Wahrheit seiner Botschaft auf sich nimmt, wie sehr ihm offenbar an dir und mir liegt, wenn er sogar für uns leidet und stirbt. Ja, das hat von Anfang der Geschichte Jesu mit uns Menschen viele ermutigt, diesem Jesus in ihrem eigenen Leben zu folgen.

Jemand anders schließlich darf schon seit seinen Kindertagen an der Hand dieses Herrn leben. Seit den ersten Gebeten mit der Mutter abends am Bett ist da etwas entstanden und mitgewachsen bis heute: Ein Vertrauen zu diesem Jesus, ein Gefühl der Geborgenheit in seiner Nähe, ein Wissen, es kann mir nichts geschehen bei ihm. Ja, auch das gibt es heute durchaus oft. Menschen leben in einem ganz selbstverständlichen und unerschütterlichem Vertrauen. Auch so werden Menschen seine Augenzeugen – und wir sind es alle! Jeder und jeder auf eine ganz eigene Weise und jede und jeder mit ganz eigenen Erfahrungen.

Deshalb frage ich noch einmal ganz deutlich: Wo ist unser „prophetisches Wort“? Wo reden wir davon, wessen Majestät wir gesehen haben? Wo scheint unser Licht an „dunklen Orten“? Wo helfen wir, dass „der Morgenstern in den Herzen der Mitmenschen“ aufgeht? Es gibt – und ich habe daran schon so oft erinnert – so viele Kinder auch mitten hier unter uns, in unserer nächsten Nähe, hier in unserem Ort, die nicht einmal eine einzige Geschichte von Jesus gehört haben, mit denen keine Mutter je ein Abendgebet spricht. Sie sind wohl getauft! Meist keine Frage!

Es gibt auch Patinnen und Paten, die einmal versprochen haben, den Kleinen zum Glauben zu helfen – aber manche trauen sich einfach nicht, weil sie denken, sie könnten es nicht. Ich selber habe mich aber darin in Menschen schon oft getäuscht. Vielleicht brauche sie einfach ein wenig Ermutigung und die Erinnerung daran, dass auch in sie Gott vieles gelegt hat.

Ich sehe immer auch noch Jugedliche, die ohne Weg und Ziel durchs Leben gehen. Oft wird beklagt, sie kämen nicht in die Gemeinde. Aber, liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser, da ist auch niemand, der sie einmal anhält und sie erinnert: Du bist doch konfirmiert. Du wolltest dich doch einmal zur Gemeinde Jesu Christi halten. Mach‘ doch wieder mal einen Anfang damit! Ich geh’ auch mit dir.

Und schließlich gibt es auch so viele Erwachsene… O ja, sie gehören wohl zur Gemeinde, unsere Gemeinde lebt sogar – wenn wir ganz ehrlich bleiben – zu einem guten Teil von ihnen, aber wir sehen sie einfach niemals.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Bleiben wir noch einmal ehrlich: Ist das nicht auch so, weil wir als  „Augenzeugen“ irgendwie doch verstummt sind, vielleicht sogar versagen. Wo sprechen wir alle diese Menschen denn einmal an? „Komm doch einfach einmal mit!“ Wo sind wir einladende Menschen. Wie oft habe ich von der Kanzel in unserer kleinen Lukas-Kirche schon einmal darum gebeten: Bitte laden Sie doch zum nächsten Sonntag nur einen einzigen Menschen ein, mit hierher zu kommen. Ich habe für diese Idee immer ein freundliches Lächeln zurückbekommen, weil die Idee ja wirklich gar nicht so schlecht ist. Am nächsten Sonntag wären wir dann nämlich schlicht doppelt so viele. Aber warum tut das einfach kaum jemand? Oder ich frage weiter: Wo können andere an uns eine Lebensweise beobachten, die irgendwie anders ist als die des Durchschnitts? Wo machen wir sie wirklich neugierig auf die Mitte unseres Denkens, vor allem aber auch auf den tragenden Grund unseres Lebens: Jesus Christus?

Wirklich: Es gibt so viel Bedarf nach dem „prophetischen Wort“, vor allem aber auch nach dem prophetischen Dienst. So viele im sogenannten „christlichen Abendland“ – das in weiten Teilen längst entchristlicht und entkirchlicht lebt – so viele haben heute keine blasse Ahnung mehr, wer Jesus Christus ist, was er für ein Leben bedeutet und für sie bedeuten könnte. Auch wir, die Augenzeugen Jesu Christi, enthalten ihnen das Wort und das Zeugnis von diesem Herrn oft vor.

Deshalb schreibe ich es noch einmal deutlich, wenn es auch die eine oder den anderen vielleicht ärgert: das ist nicht allein die Aufgabe der Predigerinnen und Prediger, der Pfarrerinnen und Pfarrer! Mein Beruf und mein Auftrag zur Verkündigung darf für niemanden ein Alibi sein, das „prophetische Wort“ allein mir zuzuweisen, weil ich – so sagte es mir einmal ein Gemeindeglied – „weil sie doch dafür bezahlt werden.“ Der „Gelernte“ kann das „von Berufs wegen“ keinen Deut besser, als jeder andere „Augenzeuge“ auch, der in seinem und mit seinem Herzen den Herrn gesehen und erfahren hat. Und die Aufgabe „Licht an die dunklen Orte“ zu bringen, das weiß ich mittlerweile längst, ist mir allein auch viel zu groß. Das können wir als Gemeinde Jesu Christi nur zusammen.

Vielleicht ist dies für uns alle ja auch so schwierig, weil des Schreiber des 2. Petrusbriefes uns daran erinnert, dass es eben nicht einfach gilt, das eigene Wort zu sagen, das wäre in der Tat vielleicht leicht. Nein, er mahnt uns, es niemals zu vergessen:

Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift aus eigener Auslegung geschieht. Denn es ist noch nie eine Weissagung aus menschlichem Willen hervorgebracht worden, sondern getrieben vom Heiligen Geist haben Menschen in Gottes Auftrag geredet. (VV.20+21)

Es gilt, Gottes Wort weiterzusagen. Dieses Wort ist eben manchmal hart, oft unbequem. Meist aber eindeutig und immer zum Leben helfend, zumindest dann, wenn wir es nicht verbiegen oder uns so zurecht legen, wie wir es gerade brauchen! Ja, vielleicht tun wir uns deshalb oft so schwer, Gottes Wort in diese Welt zu sprechen, es den Menschen zu verkündigen. So werden wir alle oft dort still, wo wir eindeutig reden – und natürlich dann auch handeln – sollten

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Lasst es uns aber immer wieder neu gemeinsam angehen, jede und jeder von seinen Erfahrungen her und von Gott selbst ermutigt und ausgerüstet! Jede und jeder auf eine ganz eigene, aber Gott folgende Weise! Jede und jeder an dem Ort, an den sie oder er von Gott gestellt wurde. Vor allem aber: lasst es uns auch immer wieder neu und gemeinsam als Gemeinde angehen! Es ist unendlich wichtig! Und es bleibt so nötig in dieser Zeit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott und Vater!

Wir alle sind keine Übermenschen, keine Heiligen.

Wir leben ganz und gar alltäglich,

ja manchmal geht von uns nichts Besonderes aus.

Und doch danken wir dir,

dass unser Leben auch in schwieriger Zeit

in dir geborgen ist.

All unseren täglichen Ärger, unsere leisen Hoffnungen,

all unsere Angst, alles was uns freut

– wir dürfen es vor dich bringen.

Und wenn wir das tun, dann wissen wir,

dass alles einmal ein Ende hier haben wird.

Doch lass uns niemals resignieren, Herr.

Lass uns erleben, was da alles für uns ist:

Du rufst uns – und wir werden gebraucht.

Da sind Menschen für uns da, und wir sind nicht mehr allein.

Wir erfahren vertrauen und merken,

wie stark wir sein können.

So bitten wir dich:

Lass dein Licht strahlen auf uns,

dass wir ermutigt werden, uns einzusetzen,

nicht nur für uns, sondern auch für die,

die wir mit deiner Botschaft froh machen können.

Lass dein Licht strahlen

auf die Schwestern und Brüder in der Diaspora.

Sie breiten dein Licht in schwieriger Zeit aus,

und es wird zum Licht der Hoffnung für alle,

die es erreicht.

Lass dein Licht strahlen auf die,

die sich hier einsetzen für die Schwestern und Brüder

in anderen, in fernen Ländern.

Sie sollen spüren,

dass kein Engagement vergeblich ist,

sondern zur fruchtbringenden Hilfe wird.

Dein Licht strahlt auf uns, du gehst mit uns.

Und so können wir selbst zum Licht werden,

um anderen Leben zu ermöglichen.

Sei und bleibe bei uns, Herr, sei du unser Licht.

Höre uns, wenn wir noch einmal in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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