Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Und es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen werden im Reich Gottes. (Lk 13,29)

 

 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 86

1 Ein Gebet Davids. HERR, neige deine Ohren und erhöre mich; denn ich bin elend und arm.

2 Bewahre meine Seele, denn ich bin dir treu. Hilf du, mein Gott, deinem Knechte, der sich verlässt auf dich.

5 Denn du, Herr, bist gut und gnädig, von großer Güte allen, die dich anrufen.

6 Vernimm, HERR, mein Gebet und merke auf die Stimme meines Flehens!

7 In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!

8 Herr, es ist dir keiner gleich unter den Göttern, und niemand kann tun, was du tust.

9 Alle Völker, die du gemacht hast, werden kommen und vor dir anbeten, Herr, und deinen Namen ehren,

10 dass du so groß bist und Wunder tust und du allein Gott bist.

11 Weise mir, HERR, deinen Weg, dass ich wandle in deiner Wahrheit; erhalte mein Herz bei dem einen, dass ich deinen Namen fürchte.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Wir preisen deine Herrlichkeit.

Aber wir leben sie nicht.

heben dich in den Himmel,

bis wir selbst dich nicht mehr erreichen.

Wir preisen dein göttliches Licht

und bleiben dabei selbst ganz ohne Glanz.

Wir wissen, dass dein Licht

unser Leben hell machen will,

doch selbst bleiben wir

in der Finsternis und verschließen uns vor dir.

Herr, ändere uns.

Herr, komm, und erbarme dich unser!

Höre, wenn wir nun in der Stille zu dir beten

und dich um dein Erbarmen bitten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Christus spricht:

Ich bin das Licht der Welt.

Wer mir nachfolgt,

der wird nicht wandeln in der Finsternis,

sondern wird das Licht des Lebens haben.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, guter Gott!

Wir danken dir,

dass du für uns einen Platz in deiner Gemeinde hast.

Sonntag für Sonntag und zu jeder Zeit.

Du selbst willst unser Licht sein.

Du selbst lebst in uns und wir durch dich.

Dafür danken wir.

Sei du auch bei uns,

wenn wir dieses Licht

manchmal vielleicht nur noch schwer zu erkennen scheinen.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem Hl. Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 8, Verse 5-13:

5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging, trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn

6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gelähmt und leidet große Qualen.

7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn gesund machen.

8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach gehst, sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.

9 Denn auch ich bin ein Mensch, der einer Obrigkeit untersteht, und habe Soldaten unter mir; und wenn ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem Knecht: Tu das!, so tut er’s.

10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich, ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel bei keinem gefunden!

11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;

12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen in die äußerste Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin; dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus dem Buch Rut, Kapitel 1, Verse 1-19a

(auch Predigttext)

1 Zu der Zeit, als die Richter richteten, entstand eine Hungersnot im Lande. Und ein Mann von Bethlehem in Juda zog aus ins Land der Moabiter, um dort als Fremdling zu wohnen, mit seiner Frau und seinen beiden Söhnen.

2 Der hieß Elimelech und seine Frau Noomi und seine beiden Söhne Machlon und Kiljon; die waren Efratiter aus Bethlehem in Juda. Und als sie ins Land der Moabiter gekommen waren, blieben sie dort.

3 Und Elimelech, Noomis Mann, starb, und sie blieb übrig mit ihren beiden Söhnen.

4 Die nahmen sich moabitische Frauen; die eine hieß Orpa, die andere Rut. Und als sie ungefähr zehn Jahre dort gewohnt hatten,

5 starben auch die beiden, Machlon und Kiljon. Und die Frau blieb zurück ohne ihre beiden Söhne und ohne ihren Mann.

6 Da machte sie sich auf mit ihren beiden Schwiegertöchtern und zog aus dem Land der Moabiter wieder zurück; denn sie hatte erfahren im Moabiterland, dass der HERR sich seines Volkes angenommen und ihnen Brot gegeben hatte.

7 Und sie ging aus von dem Ort, wo sie gewesen war, und ihre beiden Schwiegertöchter mit ihr. Und als sie unterwegs waren, um ins Land Juda zurückzukehren,

8 sprach sie zu ihren beiden Schwiegertöchtern: Geht hin und kehrt um, eine jede ins Haus ihrer Mutter! Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt.

9 Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie. Da erhoben sie ihre Stimme und weinten

10 und sprachen zu ihr: Wir wollen mit dir zu deinem Volk gehen.

11 Aber Noomi sprach: Kehrt um, meine Töchter! Warum wollt ihr mit mir gehen? Wie kann ich noch einmal Kinder in meinem Schoße haben, die eure Männer werden könnten?

12 Kehrt um, meine Töchter, und geht hin; denn ich bin nun zu alt, um wieder einem Mann zu gehören. Und wenn ich dächte: Ich habe noch Hoffnung!, und diese Nacht einem Mann gehörte und Söhne gebären würde,

13 wolltet ihr warten, bis sie groß würden? Wolltet ihr euch einschließen und keinem Mann gehören? Nicht doch, meine Töchter! Mein Los ist zu bitter für euch, denn des HERRN Hand hat mich getroffen.

14 Da erhoben sie ihre Stimme und weinten noch mehr. Und Orpa küsste ihre Schwiegermutter, Rut aber ließ nicht von ihr.

15 Sie aber sprach: Siehe, deine Schwägerin ist umgekehrt zu ihrem Volk und zu ihrem Gott; kehre auch du um, deiner Schwägerin nach.

16 Rut antwortete: Bedränge mich nicht, dass ich dich verlassen und von dir umkehren sollte. Wo du hingehst, da will ich auch hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch. Dein Volk ist mein Volk, und dein Gott ist mein Gott.

17 Wo du stirbst, da sterbe ich auch, da will ich auch begraben werden. Der HERR tue mir dies und das, nur der Tod wird mich und dich scheiden.

18 Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden.

19 So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch und Friede von Gott, unserem Vater, und von Jesus Christus, seinem Sohn, unserem Herrn. Amen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Eine Geschichte über die unglaubliche Kraft der Liebe haben wir gerade etwas weiter oben als heutige alttestamentliche Lesung und Predigttext lesen können. Eine Geschichte allerdings allerdings über eine andere, vielleicht sogar noch tiefere Liebe als die Menschen glauben, die zumindest besonders auf den Vers 16 des Textes schauen. Da heißt es – und das ist ein Satz, der mir als Trauspruch in sehr vielen Traugottesdiensten begegnet, da ihn sich verliebte Menschen gerne zusprechen – in  ganz bekannten Worten: „Wo du hingehst, da will auch ich hingehen; wo du bleibst, da bleibe ich auch.“

In der Tat ja wirklich schöne Worte. Aber wenn ich bei solch einer kirchlichen Trauung dann meist zu Beginn meiner Predigt darüber – und ich kann es mir meist wirklich nicht verkneifen – die Braut darauf hinweise, dass das an dieser Stelle im Alten Testament eine Braut zu ihrer Schwiegermutter sagt, dann habe ich schon so manchen kurz verstörten Blick und eine heimlich spontan runterfallende Kinnlade gesehen. Glücklicherweise wohl nicht die in dem Moment betroffenen Schwiegermütter, denn die sitzen bei unseren Traugottesdiensten in der Kirche meist hinter dem Brautpaar. So habe es die beiden Heiratenden nämlich wohl eher nicht gemeint, als sie ihren Trauspruch aussuchten.

Aber bleiben wir deshalb heute bei dem, wie es denn gemeint ist. Schauen wir auf diese Geschichte. Tun wir das, dann entdecken wir heute eine Frau, die so unglaublich tief lieben kann wie wohl kaum eine andere. Noomi gehört für mich zu den faszinierendsten Frauen der gesamten Bibel. Ich kenne keine andere in der Bibel, die so sehr lieben kann. Machen wir uns einmal diese Frau und ihre Kraft zu lieben klar.

Ein Mann, Elimelech, zog wegen einer Hungersnot aus Juda in die Fremde. Er wollte Frau und Söhne besser versorgen können. Ein Neuanfang im Lande der Moabiter. Für ihn war  es vielleicht leicht, Arbeit zu finden. Und dadurch auch Bekannte, vielleicht sogar Freunde.

Für Noomi war es das nicht. Sie versorgte die Familie, allein in der Fremde. Sie kennt niemanden, wird zu Hause gebraucht. Für sie ist es nicht so leicht. Keine Frauenhilfe, kein Frauenkreis. Nein, ihre sozialen Kontakte waren ihr Mann und ihre Söhne. Noomi beschwert sich an keiner Stelle. Dann stirbt ihr Mann. Für sie bedeutete das unversorgt zu sein, auf ihre Söhne angewiesen zu sein. Auf ihre Söhne, die mittlerweile eigene Frauen haben. Sie müssen nun erst einmal für die eigenen Familien sorgen, dann erst für sie. Noomi beschwert sich an keiner Stelle. Sie wird dankbar für ihre Söhne gewesen sein. Aber die beiden, ihre Söhne, sterben auch. Nun ist sie allein, allein mit ihren Schwiegertöchtern, drei Witwen, wahrscheinlich auf Almosen der Menschen um sie herum angewiesen. So war das damals.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich schaue auf diese Frau. Den Mann hat sie verloren und ihre zwei Söhne. Ich denke an die Menschen, denen ich in meinem Dienst als Pfarrer begegnen durfte. Da waren Frauen, die ihren Mann verloren haben. Einige habe ich daran zerbrechen sehen. Ich habe Mütter – natürlich auch Väter – begleiten dürfen und müssen, denen ein Kind gestorben war. Ich erinnere mich an alte Frauen, die in das Grab ihres Sohnes geblickt haben. Ja, ich habe Menschen daran zerbrechen sehen. Und das wohl verständlicherweise!

Was macht Noomi? Sie zerbricht nicht, will es nicht, darf es nicht. Sie macht sich auf, zurück nach Hause, dorthin wo es zumindest wieder Brot geben soll, die Hungersnot also vorbei ist und sie selbst vor allem keine Fremde mehr ist. Und ganz selbstverständlich nimmt sie ihre Schwiegertöchter erst einmal mit. Sie gehören zu ihrem Leben, sind eine liebevolle und lebendige Brücke zu der Erinnerung an ihre Söhne.

Je weiter sie geht, desto mehr denkt sie nach. Sie ist allein, wird immer auf Almosen angewiesen bleiben. Sie wird ihre Schwiegertöchter aus eigener Kraft niemals so ernähren können, wie sie es ihnen selbst wünscht. Sie liebt diese beiden, die Orpa und die Rut. Sie liebt sie wie ihre Söhne. Aber sie weiß, dass sie ihnen niemals das Leben bieten kann, das sie den beiden wünscht. Und vor allem, nimmt sie diese beiden nun mit in ihr Land; dort werden die zwei jungen Frauen fremd sein. Junge, fremde Witwen – nein, das soll nicht ihr Leben sein. Noomi hat es selbst am eigenen Leib gespürt. Das sollen die beiden nun nicht auch erfahren müssen!

Noomi’s Liebe ist so groß, dass sie auf dem Weg anhält, sich ihnen zuwendet und ihnen etwas deutlich macht. Aus Liebe und in Gottes großer Barmherzigkeit möchte sie die beiden nun loslassen, damit die beiden in ihr eigenes Leben in ihren Familien in ihrer Heimat noch einmal zurückkehren. Sie wünscht ihnen sogar, dass sie noch einmal neu anfangen, jede mit einem anderen Mann. Sie gibt sogar im Namen ihrer verstorbenen Söhne diese beiden Frauen frei, indem sie ihnen einen neuen Anfang wünscht. Ich glaube fest, nur Menschen, die geradezu unglaublich und wirklich tief und von ganzem Herzen lieben können, bringen solch eine Kraft auf. Menschen aus Liebe loszulassen, wie schwer kann so etwas fallen!

Ich denke, viele von uns haben Erfahrungen damit, einen Menschen loszulassen. Und manchmal fällt es wirklich dort besonders schwer, wo wir selbst so sehr lieben!

Noomi kann das. Und ich möchte an dieser Stelle gar nicht ahnen, wie es wirklich in ihr ausgesehen hat. Allerdings an einer Stelle gibt uns Noomi selbst einen Einblick, was wohl gerade in ihr vorgegangen sein mag. In den Versen 8 und 9 tut sie es, wenn es da heißt:

„Der HERR tue an euch Barmherzigkeit, wie ihr an den Toten und an mir getan habt. Der HERR gebe euch, dass ihr Ruhe findet, eine jede in ihres Mannes Hause! Und sie küsste sie.“

Hier gibt sie zu, wie viel an Liebe, an Frieden, ja an Barmherzigkeit sie selbst durch ihre Schwiegertöchter erfahren hat. Ja, sie dankt ihnen sogar für die Liebe, die die beiden ihren Söhnen geschenkt haben. Sie schaut auf die inneren Verwundungen und die Trauer der Schwiegertöchter. Wünscht sich für die beiden, dass sie zur Ruhe kommen, einen Neuanfang schaffen. Und sie lässt sie ihre ganze Liebe spüren. Sie küsst sie! Es soll ein Abschiedskuss sein! Welch eine Liebe! Welch eine Frau!

Ja, Noomi wünscht den beiden ein glückliches Leben in neuen Familien in ihrer Heimat. Sie selbst aber muss zurück! Zurück, um überhaupt überleben zu können! Aber was passiert? Beide Schwiegertöchter wollen zunächst überhaupt nicht. Ihnen scheint es egal, ob sie bald als Fremde in einem ihnen unbekannten Land leben müssen. Ihnen scheint es egal, ob sie als Witwen in einem fremden Land höchstens als Last geduldet werden. Die Liebe, die sie empfangen haben, die Liebe, die sie selbst spüren, wehrt sich in ihnen zunächst. Nicht das Leben in Armut und Fremde scheint sie zu schrecken; nein, eher ein Leben ohne diese Liebe, die sie in ihrer bisherigen Familie leben durften erschreckt sie. Sie weinen und klagen laut, so tief sitzt der Schreck. Erst als Noomi ihnen noch einmal deutlich macht, was da alles auf sie zukommt, welches Leben da auf sie wartet, da werden sie frei, sich zu entscheiden.

Beide entscheiden sich wohl nicht spontan, sondern gut überlegt und deshalb auch richtig. Orpa nimmt den Rat Noomi’s an. Sie geht zurück. Sie tut es aus Liebe zu Noomi und zu sich selbst. Und diese Liebe bezeugt sie – ebenfalls durch einen Kuss! Sie hört auf ihre Schwiegermutter, weil sie weiß, dass sie es ehrlich meint und dass ihre Liebe deshalb – auch wenn sie dann nur noch aus der Entfernung und in den eigenen Erinnerungen gelebt werden kann – niemals aufhören wird. So wie sie aus Liebe losgelassen wird, so tut sie es auch.

Rut entscheidet sich anders. So deutlich wie Noomi ihr gesagt hat, was da alles auf sie wartet und dass es schwer werden wird, genau so deutlich und klar, sagt Rut, dass sie auf diese Liebe, die sie erfährt und die sie selbst wohl umgekehrt auch spürt und schenkt, niemals verzichten wird. Egal, was kommt, egal wo, ja selbst in den Tod und durch den Tod hindurch wird sie diese Liebe leben und keinesfalls darauf verzichten.

Noomi scheint beeindruckt, vielleicht sogar noch mehr. Sie scheint erleichtert! Denn am Ende in den Versen 18 und 19 heißt es nur sehr knapp:

„Als sie nun sah, dass sie festen Sinnes war, mit ihr zu gehen, ließ sie ab, ihr zuzureden. So gingen die beiden miteinander, bis sie nach Bethlehem kamen.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Noomi hätte jetzt noch einmal versuchen können, auch die Rut zur Rückkehr zu bewegen oder zu drängen. Sie hätte reden können, bis sie vielleicht tatsächlich gegangen wäre. Aber ich denke, aus zwei Gründen hat sie es eben nicht getan. Zum einen hätte sie bei weiteren Überredungsversuchen vielleicht eine Liebe unwiederbringlich zerstört oder zumindest beschädigt, weil sie die Rut vielleicht hätte enttäuschen müssen. Zum  anderen – und das glaube ich eher und ganz fest – wird sie in diesem Moment gespürt haben, wie gut es nicht nur tut zu lieben, sondern vor allem wie gut es auch tut, auch geliebt zu werden.

Noomi ist nicht allein. Sie wird geliebt. Da ist eine Geschichte, an der sie nicht zerbrechen oder die nicht abgelegt werden muss, sondern mitgetragen werden darf, weil sie zu ihrem Leben gehört. Rut erinnert sie daran und schenkt ihr neue Kraft!  Diese Liebe macht stark. Stark genug, um noch einmal neu anzufangen. Annehmen, was kommt! Das Leben als Geschenk jeden Tag neu annehmen. Es ist genau so kostbar wie die Liebe! „Liebe, und sag es durch dein Leben“, so wird es viel später Kirchenvater Augustinus und noch viel später Frère Roger im Kloster von Taizé einmal sagen. Noomi hat es vorgemacht! schon vor langer Zeit! Sie und ihre Schwiegertöchter! Drei wirklich starke Frauen!

Was werden wir uns von ihnen für uns selbst bewahren?

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir beten!

Lasst uns beten für alle,

die Mangel leiden am Allernotwendigsten.

Wir bitten um Genesung unserer Kranken,

um eine neue Chance des Lebens für die Gescheiterten,

um Vertrauen und Energie für die Enttäuschten.

 

Lasst uns beten:

Die, die sich verloren glauben,

mögen neu auf Freundschaft und Zuneigung stoßen.

Die, die sich für unbegabt halten,

sollen ihren Wert durch uns erkennen.

 

Lasst uns beten für uns:

dass wir selbst das Gute tun,

dass wir die Wahrheit der Lüge vorziehen,

dass wir einander nicht im Stich lassen,

dass wir einander nicht verleumden oder verspotten,

dass wir geduldig und voller Hoffnung bleiben

auf eine gute und neue Zukunft mit Gott

und allen, die wir lieben!

 

Zu ihm, der unsere Fragen kennt,

bevor wir sie noch ausgesprochen haben,

beten wir auch jetzt in der Stille.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel