Lesegottesdienst

mit den gottesdienstlichen Texten zum

letzten Sonntag im Kirchenjahr, Ewigkeitssonntag, 22. 11. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lk 12,35)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 126

1 Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden.

2 Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan!

3 Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich.

4 HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland.

5 Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten.

6 Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

An diesem Morgen sind wir, guter Gott,

vor dir, diesmal ganz anders as sonst!

An verschiedenen Orten in unseren Wohnungen und Häusern,

glücklich oder trauernd,

mutig oder verängstigt.

Wie gut, dass du uns jetzt nahe bist.

So denken wir zurück:

Heute sind da viele Trauernde.

Menschen denken heute besonders an andere Menschen,

die sie verloren haben.

In unserer Trauer brauchen wir Hoffnung.

Du, Herr weißt, wie sehr wir dein Erbarmen brauchen.

 

Wir denken aber auch voraus.

Hoffend, immer wieder hoffend,

trotz aller Fragen und Zweifel,

denken wir an die großen Verheißungen.

„Selig sind, die da Leid tragen“,

sagt Jesus,

„denn sie sollen getröstet werden.«

So vertrauen wir auf deine Gnade.

Sie gilt uns und denen,

die bei dir für alle Zeit geborgen sind.

Alles, was uns belastet und bedrückt, wollen wir nun,

jede und jeder für sich –

in der Stille vor dich bringen!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir vertrauen darauf, was uns gesagt ist:

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen,

und der Tod wird nicht mehr sein,

noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein;

denn das Erste ist vergangen.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Wir kommen zu dir,

damit du deine heilende Hand auf die Wunden legst,

die uns das Leben schlug.

Lass uns deine Stimme vernehmen,

die alle Angst bannen und allen Zweifel beseitigen kann.

Sprich dein Wort zu uns,

dass es unseren Glauben weckt und stärkt an Jesus Christus,

der dem Tod die Macht genommen

und das Leben und ein unvergängliches Wesen an Licht gebracht hat

durch das Evangelium.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 25, Verse 1-13:

1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen, die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam entgegen.

2 Aber fünf von ihnen waren töricht und fünf waren klug.

3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie nahmen kein Öl mit.

4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen, samt ihren Lampen. 5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden sie alle schläfrig und schliefen ein.

6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen: Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!

7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und machten ihre Lampen fertig. 8 Die törichten aber sprachen zu den klugen: Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.

9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein, sonst würde es für uns und euch nicht genug sein; geht aber zu den Händlern und kauft für euch selbst.

10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen. 11 Später kamen auch die andern Jungfrauen und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!

12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Ich kenne euch nicht.

13 Darum wachet! Denn ihr wisst weder Tag noch Stunde.

Halleluja! Ich aber will schauen dein Antlitz in Gerechtigkeit, ich will satt werden, wenn ich erwache, an deinem Bilde. Halleluja!

 

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Buch der Offenbarung, Kapitel 21, Verse 1-7:

(auch Predigttext)

1 Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr.

2 Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

3 Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;

4 und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.

5 Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!

6 Und er sprach zu mir: Es ist geschehen. Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende. Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

7 Wer überwindet, der wird dies ererben, und ich werde sein Gott sein und er wird mein Sohn sein.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade Worte aus dem letzten Buch des Neuen Testaments, aus dem Buch der Offenbarung etwas weiter oben gelesen.

Diese Worte gehören zu den – wie ich finde – schönsten Verheißungsworten der ganzen Bibel. Von einem neuen Himmel wird geredet, von einer neuen Erde, vom himmlischen Jerusalem. Aber so schön diese Verheißung auch ist, vielleicht ist sie für viele von uns ja doch nur etwas ganz Fernes, vielleicht nur wie ein Traum in der Nacht, der verschwimmt und vergeht, wenn der Tag wieder anbricht.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Es ist wirklich einen Versuch wert, dieses Buch der Offenbarung einmal von Anfang an zu lesen, Kapitel für Kapitel. Es ist ein Versuch wert, diese Offenbarung wirklich einmal innerlich zu durchwandern, durch alle Tiefen und Irrgärten der menschlichen Geschichte, wie sie da beschrieben werden, durch alle Plagen und Nöte, durch Stürme, Gerichte und Tode. Und wenn wir dieses Buch so aufmerksam durchwandern würden, mit all seinen Bildern für Krisen, für Katastrophen, die je über die Menschen hereinbrachen – und manche der darin beschriebenen Szenarien scheinen uns in den vergangenen Wochen und Monate ja irgendwie näher gerückt zu sein –, dann wird das letzte Kapitels dieses Büchleins, das vom neuen Himmel und von der neuen Erde berichtet, wohl nicht mehr als vergeblicher Trost empfunden werden können. Nein, lebensnotwendige Erlösung will dieses letzte Kapitel sein, Befreiung von allem, was uns bindet hier auf Erden, will es sein; nach soviel eigener Hölle – endlich der Himmel, nach soviel Leid und Tränen – endlich befreites Lachen und nicht mehr endende Freude.

Ich wünschte mir, uns passierte an diesem Totensonntag, an diesem Ewigkeitssonntag ähnliches. An diesem Sonntag ist es unsere Tradition, uns der Verstorbenen zu erinnern. Gerne tun wir es mit den Angehörigen der Verstorbenen des vergangenen Kirchenjahres. Dieses ist heute in unseren Kirchen leider nur bedingt und unter Auflagen möglich. Gleichzeitig predigen wir aber da, wo wir uns treffen, sogar hier mit diesem Lesegottesdienst die Auferstehung: Gottes ewiges Leben – deshalb auch: Ewigkeitssonntag.

„Der Tod wird nicht mehr sein“, haben wir gehört, „siehe ich mache alles neu!“ Das Bibelwort in der Offenbarung spricht in Bildern zu uns. Für einige sind auch diese Bilder noch unsäglich weit entfernt, ja noch nicht vorstellbar, einfach noch unglaublich. Zu nah ist das Erleben noch, zu tief sind die Spuren nahen Leides eingegraben. Aber vielleicht begreifen wir ja, wovon die Rede ist, wenn wir – wie beim Lesen der Offenbarung – noch einmal gedanklich die Wege gehen, die wir im vergangenen Jahr gegangen sind.

Mitten im Leben – der Tod! Das war die Wirklichkeit für Menschen in unserer Gemeinde, in unserer Nähe, in unseren Familien und im Freundeskreis. Da waren für einige die schlimmen Stunden des Wissens, das Spüren der eigenen Ohnmacht, die Tage der ersten tiefen Trauer, die schlimme Zeit danach, vielleicht sogar ein Fallen ins Nichts. Alle Beerdigungen und Trauerfeiern konnten in diesem Jahr nur in kleinem Kreis oder eben wieder unter besonderen Auflagen stattfinden. Ich weiß, genau das hat einigen sehr weh getan! Viele von uns, die in den eigenen Familien solche Verluste miterleben mussten, können das gut nachvollziehen. Könnten ebenfalls bejahen, dass dies Wüstenzeiten unseres Lebens sind.

Wie vieles zerbricht, wenn der Tod ins Leben einbricht? Und in wie vielen von uns zerbricht etwas, wenn der Tod einbricht? In vielen Gesprächen, die ich führen durfte, war immer etwas, was mich sehr tief mit berührte: das Spüren der eigenen Ohnmacht, dieses Gefühl, eigentlich nichts tun zu können. Das, was wirklich belastet, ist das Loslassenmüssen, ist natürlich der Tod des Ehepartners, der Mutter, des Vaters, ja sogar des Kindes; es ist aber auch immer die Ungewissheit, wie denn das eigene Leben eigentlich weitergehen kann.

Die beeindruckendsten Gedanken dazu für mich hat einmal die Dichterin Mascha Kaleko in wenigen Worten zusammengefasst. Ich zitiere sie oft und gern, weil niemand es wohl hätte schöner sensibler und treffender ausdrücken können. Sie schreibt – und mir selbst helfen ihre Worte:

Vor meinem eigenen Tod ist mir nicht bang,

nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

Bedenkt, den eig‘nen Tod, den stirbt man nur,

doch mit dem Tod der andern muß man leben!

Kann es sein, dass diese wenigen Verse einen wichtigen Gedanken aufnehmen, der uns so oft angesichts des Todes bewegt? Wie soll es eigentlich weitergehen – was wird, was kann überhaupt noch werden? Diese Fragen – sie sind immer auch da, und sie stehen genauso wichtig neben unsrer tiefen Trauer. Und es ist gut, dass sie da sind! Denn diese Fragen lassen uns nicht am Totensonntag stehen, sondern sie nehmen uns mit hinein in diesen Ewigkeitssonntag und stellen uns in einen weiten Raum. Unsere Angst, all diese Stationen allein gehen zu müssen, – sie sind letztlich unbegründet. Unser Predigtwort weist uns darauf in – wie ich finde – ganz sensiblen und eindrucksvollen Worten.

Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden seine Völker sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein. (V.3)

Eine Hütte baut man nicht in Städten. Eine Hütte ist allenfalls eine vorübergehende Behausung, die Schutz bietet. Die Menschen, an die der Verfasser sich richtet, kannten solche Hütten. Sie standen z.B. in den Wüsten und gaben ihnen Schutz.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser! Besonders ihr, die ihr noch trauert!

Diese Verheißung wollen wir hören. „Die Hütte Gottes bei den Menschen!“das heißt nichts anderes, als dass Gott zu uns kommen will, in die Wüstenzeiten eines jeden Lebens. Jedes Leben durchlebt solche Zeiten. Gott selbst will die Hütte aufrichten; er kommt, er ist da, um seinen Schutz zu bieten. In dieser Hütte dürfen wir uns geborgen fühlen, da dürfen wir weinen, klagen, zweifeln, ja verzweifeln, dürfen unser ganzes Leid herauslassen. Vielleicht lernen wir es dann ja wieder, in dieser Hütte neu aufzuatmen, lernen wir es wieder für unser eigenes Leben, das ja auch auf Zukunft hin und nicht nur in der Vergangenheit gelebt werden will; vielleicht lernen wir es ja, für dieses, für unser eigenes Leben neu frei zu werden. So etwas kann und wird gelingen! Wenn da vielleicht bei einigen auch immer so etwas wie ein Stachel im Fleisch bleibt, es kann gelingen, neu ins Leben zu gehen. Ich kann davon aus eigener Erfahrung erzählen, viele andere auch. Aber losgehen muss jede und jeder selbst!

Mir fällt dies alles nicht leicht zu schreiben. Mir fällt es deshalb nicht leicht, weil es oft leicht nicht nach Trost, eher wohl nach Vertröstung klingt, nach vielleicht zu billigem Trost.

Aber, liebe Schwestern und Brüder, ich glaube zutiefst daran – und ich werde niemals müde darin, das immer und immer wieder zu predigen, auf welche Weise auch immer –, ich glaube zutiefst daran, dass unser Gott ein liebender Gott ist. Auch wenn ich seine Wege oft nicht verstehe. Ich glaube an einen Gott, der niemanden jemals allein lässt; der, im Gegenteil, Menschen spüren lässt, wie sehr er sie liebt. Er selbst will ja dafür eintreten, dass Menschen Kraft zum Leben finden, auch wenn sie sich vielleicht am Ende glauben. Er selbst bereitet jedem Menschen, der stirbt, eine Zukunft, daran glaube ich ganz fest – ohne den Versuch zu machen zu spekulieren, wie dies aussehen könnte. Nein, Gott selbst bereitet eine Zukunft – und das eben nicht nur unseren Verstorbenen. Er bereitet sie gerade auch uns, die wir zurückbleiben und uns neu und anders auf den Weg machen müssen. Gerade auch dafür steht das Bild der Hütte für mich. Eine Hütte kann ich abreißen, wenn ich weitergehe. Genau so will es Gott machen. Wenn wir uns überwinden, neu ins Leben zu gehen, dann packt Gott die Hütte zusammen, und er geht alle unsere Wege mit. Ja, er tut sogar noch mehr.

Und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. (V.4)

Diese Verheißung geht noch weiter. Ist dies nicht ein wunderschönes und, wie ich finde, ein wirklich tröstendes Bild. Gott wird abwischen alle Tränen.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wer trocknete uns die Tränen, wenn wir weinten? Als Kind bei mir z.B. war es meine Oma und viele meiner Tanten, die jetzt alle nicht mehr leben. Immer waren es Menschen, die mich liebten. Wer, liebe Schwestern und Brüder, trocknete eure Tränen? Waren oder sind da nicht auch Menschen, die lieben, uns lieben? Gott wird abwischen alle Tränen! Das, liebe Schwestern und Brüder, ist ein Liebesbeweis, falls wir so etwas überhaupt brauchen. Gott handelt an uns, er sorgt dafür, dass der Tod keine Macht mehr über uns hat, dass Leid, Geschrei und Schmerz nicht mehr sind. Wir selbst können das alles nicht. Niemand befreit sich selbst. Niemand von uns, der Menschen in schweren Zeiten begleitet, befreit den anderen.

Gott in uns, Gott durch uns – er allein befreit und trägt dort, wo wir nicht mehr weiterkönnen. Manchmal tut er es ganz unmerklich und still; oft aber auch spürbar durch andere Menschen – in ganz verschiedenen Berufen und Berufungen. Gerade in den vergangenen Wochen und Monate hat er es getan. Ich danke Gott für jeden Menschen, durch dessen Worte und Tun seiner Hände er selbst, unser liebender Gott, für andere spürbar wurde. Da waren so viele – in ganz verschiedenen Berufen, in ganz verschiedenen Engagements, auch in ganz schwierigen Situationen! Ihnen sei herzlich gedankt!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott will bei uns wohnen, untrennbar, immer und ewig. Wir Menschen möchten so gern die Zeit anhalten oder besser, weil wohl ehrlicher, zurückdrehen können, zumindest für einige Augenblicke unseres Lebens. Ich persönlich habe ganz viele davon. Aber wir können es nicht. Nein, wenn es auch weh tut, wir Menschen müssen einander irgendwann loslassen, können irgendwann nicht mehr Begleiterin oder Begleiter sein. Ein Stück unseres Weges gehen wir vielleicht ohne einen vertrauten Menschen. Und wenn wir nicht mehr mitgehen können, dann wollen wir daran denken, dass Gott bleibt. Er lässt sich niemals von uns trennen, nicht im Leben und nicht im Sterben. Er hält uns fest in seinen Schöpferhänden.

Das, liebe Schwestern und Brüder, das ist schließlich und endlich Totensonntag: In all unserer Liebe, ja sogar in all unserem Schmerz unserer Verstorbenen gedenken, aber sie nie vergessen. Aber eben nicht nur. Es gilt auch, die Zukunft zu sehen, die Ewigkeit, den letzten Tag der Welt und ihren wieder ersten, an dem der Tod nicht mehr sein wird, ebenso wenig wie Leid und Geschrei und Schmerz. Den Tag, der für uns wie ein neuer Himmel und eine neue Erde sein wird. Gottes Licht wird uns leuchten.

Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag. Ein sehr bekanntes Lied nimmt den Predigtgedanken noch einmal auf. Wir hätten es gesungen. Wenn wir uns heute hätten treffen können! Aber wir werden es wieder gemeinsam singen und uns auch an diese Zeit erinnern, vor allem aber daran, dass wir getragen wurden – durch diese Zeit! Wir werden es singen – und ich hoffe mit euch, wir können es bald!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

 Gott, bei dir ist die Quelle und das Ziel des Lebens!

Wir bringen vor dich,

was im vergangenen Kirchenjahr zu Ende gegangen ist

was wir loslassen mussten, was wir ertragen mussten,

was wir anderen angetan haben.

Wir möchten in dir ruhen lassen,

was nicht mehr zu ändern ist,

und bitten dich:

Stärke und ermutige uns,

dass wir uns auf neue Wege wagen,

damit wir heilen können,

was noch heil werden kann,

damit wir wachsam bleiben

für unsere Zeit und für deine Zeit.

Am Ende des Kirchenjahres stehen wir vor dir, guter Gott,

und denken an die,

deren Leben vor unserem vollendet war.

 

Wir denken heute auch

an die vielen Opfer von Terror und Gewalt,

an die, die ihr Leben unverschuldet lassen mussten

und an die, die um sie trauern.

 

Für alle, Herr, die an diesem Tag trauern,

brennt ein Licht, dein Osterlicht –

als Wegweiser zu dir,

wo wir wohl aufgehoben sind,

bis in alle Ewigkeit.

In der Stille beten wir zu dir und bringen vor dich,

was uns noch auf der Seele liegt:

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –,

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel