Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. (1. Kor 3,11)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 46

 2 Gott ist unsre Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben.

3 Darum fürchten wir uns nicht, wenngleich die Welt unterginge und die Berge mitten ins Meer sänken,

4 wenngleich das Meer wütete und wallte und von seinem Ungestüm die Berge einfielen.

5 Dennoch soll die Stadt Gottes fein lustig bleiben mit ihren Brünnlein, da die heiligen Wohnungen des Höchsten sind.

6 Gott ist bei ihr drinnen, darum wird sie fest bleiben; Gott hilft ihr früh am Morgen.

7 Die Völker müssen verzagen und die Königreiche fallen, das Erdreich muss vergehen, wenn er sich hören lässt.

8 Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz. 9 Kommt her und schauet die Werke des HERRN, der auf Erden solch ein Zerstören anrichtet,

10 der den Kriegen ein Ende macht in aller Welt, der Bogen zerbricht, Spieße zerschlägt und Wagen mit Feuer verbrennt.

11 Seid stille und erkennet, dass ich Gott bin! Ich will mich erheben unter den Völkern, ich will mich erheben auf Erden.

12 Der HERR Zebaoth ist mit uns, der Gott Jakobs ist unser Schutz.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott,

als Menschen deiner Kirche

bekennen wir unsere Schuld

– aneinander, an der Welt und an dir.

Wo wir reden sollten und uns für deine Wahrheit einsetzen,

da haben wir geschwiegen.

Wo wir hätten schweigen sollen,

da haben wir uns in Geschwätz verloren.

Wir waren unbeteiligt, wo wir handeln sollten.

Wir sind in laute Aktivitäten ausgewichen,

um nicht in der Stille dir und deinem Auftrag zu begegnen.

Mit unserem Leben

haben wir die große Freude deiner Botschaft verleugnet

– wir sind sie anderen schuldig geblieben.

An der Spaltung der Christen sind wir alle beteiligt.

 

Herr, vergib uns!

Gib uns Raum, dich zu vernehmen.

Nimm von uns, was uns niederdrückt.

Lass uns teilhaben an deiner Freude,

dass wir – von ihr erfüllt – sie teilen können

– und sie uns miteinander verbinde und heile.

In der Stille wollen wir nun vor dich bringen,

was uns auf der Seele liegt.

In der Stille bitten wir um deine Vergebung.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Der Apostel sagt:

Seid darauf bedacht,

zu wahren die Einigkeit im Geist

durch das Band des Friedens:

ein Leib und ein Geist,

wie auch ihr berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung;

ein Herr, ein Glaube, eine Taufe,

ein Gott und Vater aller,

der da ist über allen und durch alle und in allen.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott, du kennst uns!

Du weißt, wir fahren uns immer wieder fest!

Doch du traust uns Umkehr zu.

Du mutest uns Umdenken zu!

Du gibst uns Kraft zu neuen Anfängen.

Du ermutigst uns zum Neubeginn!

So bitten wir Dich:

Erneuere deine Kirche in der ganzen Welt

und fange bei uns an.

Verbinde die getrennte Christenheit neu

und fange bei uns an.

Worte und Ideen dazu sind genügend da,

gib uns Mut zum Handeln.

Das bitten wir in Christi Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 3, Verse 21-28

 21 Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart, bezeugt durch das Gesetz und die Propheten.

22 Ich rede aber von der Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen, die glauben. Denn es ist hier kein Unterschied:

23 Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie vor Gott haben sollen,

24 und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, die durch Christus Jesus geschehen ist.

25 Den hat Gott für den Glauben hingestellt zur Sühne in seinem Blut zum Erweis seiner Gerechtigkeit, indem er die Sünden vergibt, die früher begangen wurden

26 in der Zeit der Geduld Gottes, um nun, in dieser Zeit, seine Gerechtigkeit zu erweisen, auf dass er allein gerecht sei und gerecht mache den, der da ist aus dem Glauben an Jesus.

27 Wo bleibt nun das Rühmen? Es ist ausgeschlossen. Durch welches Gesetz? Durch das Gesetz der Werke? Nein, sondern durch das Gesetz des Glaubens.

28 So halten wir nun dafür, dass der Mensch gerecht wird ohne des Gesetzes Werke, allein durch den Glauben.

Halleluja! Einen andern Grund kann niemand legen als den, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 10, Verse 26b-33

(auch Predigttext)

 26Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird.

27 Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das verkündigt auf den Dächern.

28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet viel mehr den, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle.

29 Verkauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater.

30 Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Haupt alle gezählt. 31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid kostbarer als viele Sperlinge.

32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, zu dem will ich mich auch bekennen vor meinem Vater im Himmel.

33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem Vater im Himmel.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Reformationsfest 2020! – Gestattet mir einige Fragen. Sind wir in unserem Glauben im Moment so wie es ein bedeutendes Reformationslied beschreibt, sind wir wie eine feste Burg: sicher, unerschütterlich, glaubensstark und angstfrei? Wie leben wir unseren christlichen Glauben im Alltag, im beruflichen wie im privaten Umfeld? Können wir es gerade überhaupt? Ist da eigentlich noch ein Raum der Erneuerung unseres Glaubens an Gott möglich, an den Herrn über Leben und Tod? Was feiern wir eigentlich und haben wir Grund, etwas zu feiern? So viels spricht gerade dagegen!

Da ist eine Krise, in der wir leben! Da sind die vielen kleinen Probleme und menschlichen Konflikte, die einen großen Teil unserer Lebenskräfte in Anspruch nehmen. Was lange Zeit für viele von uns ziemlich selbstverständlich im Leben war, wird heute oft so schwierig, bis unmöglich! Das schlechte Gewissen holt einen immer wieder ein! Wie kann ich in meinem Alltag und in meiner Umgebung eigentlich zeigen, dass ich mich von dem Gott der Liebe und Gerechtigkeit getragen weiß, auch wenn ich immer häufiger stolpere und an so vielen Stellen kleine und manchmal auch riesengroße Steine sehe und spüre, die mir im Weg liegen? Wenn ich in diesen tagen sogar manchmal beginnen, an vielem zu zweifeln, was mir bisher so sicher schien! Auch der Glaube!

Reformationstag 2020! – Ja, manchmal denke ich: Gott schweigt. Gott hat sich aus dieser Welt zurückgezogen. Ich spüre, in welch schwieriger Zeit wir gerade leben. Da ist ein Virus, das uns das Leben erschwert. Da ist Terror, der sich breit macht. Wo ist eigentlich Gott, der Schöpfer und Erhalter der Welt? In schwierigen Lebenssituationen, in den Krisenzeiten unseres Lebens ist es manchmal eine zusätzliche und ungeheure Belastung, wenn wir in unserem Herzen Gott zu verlieren scheinen und ihn mit seiner Gnade und Barmherzigkeit nicht mehr spüren.

In dem Leid und in der Verzweiflung lässt sich bekanntlich Gott ganz schlecht loben und ehren. Manchmal scheint es so sinnlos, auf Gott zu vertrauen. Aber für unsere Reformation heute, für die Erneuerung unseres eigenen christlichen Glaubens, müssen eben manchmal viele Steine aus dem Weg geräumt werden. Und ganz entscheidend ist bei allem und hoffentlich dann auch wieder neu unsere Kraft zu vertrauen: Wir Menschen müssen in vielem immer wieder neu lernen zu vertrauen. Wir müssen uns selbst wieder vertrauen können und an uns selbst wachsen. Wir müssen immer und immer wieder neu lernen, anderen Menschen zu vertrauen. Und wir müssen, gerade wenn uns der Glaube zu schwinden droht, immer wieder neu lernen, unserem liebenden Gott zu vertrauen, der niemanden verlässt und dessen Liebe unverbrüchlich gilt, jedem Menschen. Dieses Vertrauen haben wir wiederzuentdecken und weiterzugeben – das Vertrauen, das Gott uns in unserer Taufe für den Lebensweg angeboten hat. Liebe Schwestern und Brüder, auch das ist heute „Reformation 2020“!

Und in diesem Sinn lese ich noch einmal den für den Reformationstag 2020 vorgeschlagenen biblischen Text aus dem Evangelium nach Matthäus, aus dem 10. Kapitel die Verse 26 – 33. Da sagt Jesus:

„Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht wissen wird. Was ich euch sage in der Finsternis, das redet im Licht; und was euch gesagt wird in das Ohr, das predigt auf den Dächern. Und fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, doch die Seele nicht töten können; fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib und Seele verderben kann in der Hölle. Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die Erde ohne euren Vater. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser als viele Sperlinge. Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater. Wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Reformation im Jahr 2020!Wie hören wir eigentlich diese Aufforderung, von den Dächern der Häuser zu predigen, was wir von Gott gehört haben? Wie sollte das heute möglich sein? Wenn wir es dennoch täten: Von der Straße her hören und sehen wir den Menschen gar nicht, der von dem Dach eines Hochhauses herunter den Glauben an den dreieinigen Gott predigen würde. In Palästina zur Zeit Jesu waren die Häuser aus Lehm gebaut und sehr niedrig. Da machte es Sinn, sich auf ein Dach zu stellen, damit viele Menschen einen sehen und hören konnten. Außerdem gab es keine Geräusche von Autos, Motorrädern und Traktoren; denn diese waren noch nicht erfunden; nur Esel gab’s als Lastenträger. Und doch, er wäre wohl eine Möglichkeit, die es zu probieren gälte, gerade dort, wo wir in unseren Kirchen ja nicht feiern können!

Aber da ist noch die andere Aufforderung des biblischen Textes; sie wird heute besonders wichtig: Tut nichts heimlich! Redet im Licht! Ja, was wir tun und sagen, kann auch jeder sehen und hören. Reformation gehört in die Öffentlichkeit, von Anfang an. Sie ist nichts für’s Feiern hinter verschlossenen Türen! Jeder Mensch soll sehen und hören, was wir beten, singen, lesen und verkündigen. Besonders die mittlerweile gar nicht mehr so neuen Medien – Internet und Co –, dazu die uns vertrauten Medien zeigen sich aufgeschlossen, Gottesdienste und kirchliche Beiträge öffentlich zu übertragen. Christliche Verkündigung und christliches Leben sind und bleiben keine Sache im Geheimen.

Ich komme noch einmal zurück zu dem Bild der Burg. In Deutschland gibt es viele alte christliche Kirchen, die einer festen Burg gleichen, hier in unserer Nähe ist so eine Kirche z.B. in Herrstein. Und solche Kirchen, solche Burgkirchen sind oftmals Orte der Erneuerung, der Ruhe und Besinnung, an denen sich Menschen aus der Unruhe und dem Lärm der Straßen zurückziehen. In den Kirchen ist man geschützt vor dem, was draußen so alles passiert. Manchmal wurden und sind solche Kirchen auch ein Zufluchtsort für Menschen, die verfolgt werden. Wir brauchen immer wieder solche Orte der Erneuerung und Begegnung, des Asyls und der öffentlichen Verkündigung. Und so sollte sich auch jede Kirche präsentieren, auch die, die gerade eben nicht wie eine Burg dastehen. Doch aber als Orte, in denen in der Begegnung mit Gottes Wort alles wieder neu möglich wird. Ich freue mich auf die Zeit, wenn es wieder ungezwungen so sein kann! Und es tut weh, dass es gerade an vielen Orten – auch bei uns – nicht so ist!

Reformation 2020! – Liebe Schwestern und Brüder! In den Häusern rings um unsere Kirchen, auch hier in unserem Ort wohnen so viele Menschen einsam, unbekannt, manchmal aneinander vorbei. Manche sehnen sich nach Begegnung und Gespräch – und sie finden nichts, auch wenn manchen von uns das unmöglich zu sein scheint. Und gerade in diesen Tagen, Wochen und Monaten wäre es so wichtig! „Das gibt’s doch nicht bei uns“, denken einige. Doch auch mitten unter uns gibt es solche Menschen, sie sind innerlich geradezu hin und her gerissen zwischen selbst gewählter bzw. aufgezwungener oder sogar verordneter Isolation und dem Wunsch nach Gemeinschaft. Sie würden am liebsten über einen Ort verfügen, wo sie ihre Angst und Einsamkeit einmal herausschreien könnten.

Wo ist gerade der Raum dafür? Wo ist er, wenn wir selbst in unseren Kirchen nicht zusammenkommen können?

Jesus ermutigt seine Jünger mit dem Hinweis auf die kleinen Vögel, die Spatzen. Wenn Gott schon für die Vögel sorgt, wie viel mehr weiß Gott von unserer Sehnsucht und unserer Angst, von unserer Gewissensnot, von unserer Einsamkeit, von unseren Enttäuschungen und aber auch von unserer Hoffnung.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Gott kennt uns gut und er leidet mit uns. Jesus Christus hat alle Tiefen des Lebens am eigenen Leib durchgemacht. Deshalb kann er uns so gut begleiten und uns zum Leben Mut machen. Deshalb fordert er uns auf, so hellhörig und aufmerksam zu sein für das, was zwischen den vielen Worten der Menschen an Sorge und Schuldbewusstsein mitschwingt. „Darum fürchtet euch nicht!“, sagt Jesus. Kommt heraus aus den Mauern eurer Verängstigung. Lasst uns Reformation 2020 auch neu begreifen lernen als das sich anbahnende Ende der Angst, die uns manchmal so gefangen hält und klein macht – schon jetzt! Lasst uns Reformation auch als Ende unserer Gewissensnöte feiern. Denn Gott vergibt und befreit und schenkt den Menschen einen Neubeginn – auch wenn vielleicht gerade noch vieles dagegen zu sprechen scheint! Mit Martin Luther können wir sagen und sollen es bekennen: Wir sind freie Christenmenschen! So hat uns Gott gewollt! Dazu hat er uns durch seinen Sohn Jesus Christus gemacht! Und nun lasst uns diese Freiheit auch immer wieder neu gestalten – sogar in unserem eigenen Leben, vielleicht sogar auch in unseren eigenen vier Wänden und in unseren gerade begrenzten Möglichkeiten!

Reformationstag 2020! – Jesus hat seine Worte an seine Jünger gerichtet, als er sie in die Städte und Dörfer aussandte. Und nach einiger Zeit sind sie dann wieder zu ihm zurückgekehrt. Sie waren also nicht immer in der Geborgenheit und beschützenden Nähe ihres Herrn und Meisters. Sie mussten hinaus in die Welt gehen und ihren Glauben dort bekennen, bezeugen. Und das können wir jetzt aber auch gut auf uns heute übertragen. Es kann, dass unsere ruhe und das Gefühl der Geborgenheit bei Gott gerade erschüttert ist. Aber irgendwann wird es auch wieder so sein: wir alle müssen auch wieder in den Alltag hinausgehen! Wir müssen hören, wenn andere Menschen draußen rufen und nach Gottes Liebe fragen. Was Gott in Jesus Christus für uns getan hat, ist keine Sache unseres  angenehmen und heimeligen Wohnzimmers! Wir dürfen uns nicht mit dem lieben Gott in unser kleines Reich verkriechen und glauben, zumindest hier haben wir ihn sicher und für uns. Nein, unser Glauben stellt uns mitten in das Leben mit anderen Menschen, auch in schwierigen Zeiten! Es geht immer auch um das Leben, ja es geht sogar um unseren Tod. Wir sollen es bekennen und weitersagen, dass Gott in Jesus Christus ein neues Angebot des befreiten Lebens macht! Wir sollen es hinausrufen. Wir sollen es so hinausrufen, dass kein Mensch verzweifeln muss! Bekennend Christ zu sein, es bleibt so wichtig in dieser Zeit – auch jetzt, wenn wir uns vielleicht verstreut glauben!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Unsere Lebensgeschichte bleibt ein mühsamer Prozess des wankenden Bekennens. Und trotzdem ist es ein Weg des offenen Bekenntnisses zu dem gestorbenen und auferstandenen Jesus Christus. Wir haben weder einen harmlosen noch einen privaten Glauben an Christus, sondern wir sind auf unserem Lebensweg mit vielen anderen Menschen zusammen; wir gehen gemeinsam und wir gehen vertrauensvoll den steinigen Weg Jesu Christi – natürlich auch mit dem Ziel, vollkommen Gott nahe zu sein. Denn das verspricht Jesus in diesem biblischen Text uns Menschen: „Wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater“. Wie Christus und der Vater eins sind, so gehören wir als Nachfolgerinnen und Nachfolger Christi in seine, in Gottes Gemeinschaft – schon jetzt und zukünftig. Deshalb können, dürfen und sollen wir uns mutig als evangelische Christinnen und Christen bekennen – vor allen Menschen, überall. Wir haben nichts zu verleugnen und nichts zu verheimlichen. Im Gegenteil wir haben etwas zu sagen, weiterzusagen –ein lebendiges, lebenschaffendes Wort, nicht aus uns, sondern es ist Gottes Wort, eine frohe Botschaft! Ja, wir können frisch und mutig miteinander christlich leben und christlich singen: „Ein feste Burg ist unser Gott, ein gute Wehr und Waffen; er hilft uns frei aus aller Not, die uns jetzt hat betroffen.“ Zumindest dann, wenn wir es auch wieder gemeinsam können und dürfen! Und so wird es sein! Amen.

Der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserm Herrn. Amen

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, guter Gott!

Bleibe bei uns – mit deinem Licht,

dass die Finsternis unserer Welt durchdringt.

Gib uns Augen, dein Licht zu sehen.

Gib uns Herzen, dein Licht aufzunehmen.

Gib uns Kräfte, dein Licht weiterzugeben,

so dass viele Menschen von ihm erfüllt werden

und zur Freude finden!

Herr, wir brauchen dich!

 

Herr, bleibe bei uns – mit deinem Wort,

das den Lärm der Welt zum Schweigen bringt

und das Schweigen des Todes zerbricht.

Gib uns Ohren, dein Wort zu hören.

Gib uns Herzen, dein Wort zu empfangen.

Gib uns Worte, dein Wort weiterzusagen,

dass viele Menschen es aufnehmen

und zum Leben finden!

Herr, wir brauchen dich!

 

Herr, bleibe bei uns – mit deinem Sakrament:

Zeichen des Lebens, das dich mitteilt.

Gib uns Hände, zu begreifen.

Gib uns Herzen, dich zu erfahren.

Gib uns Liebe, die in deiner Liebe geborgen ist,

die aus dir nehmen und weitergeben kann,

dass viele Menschen sich von dir umgeben wissen

– und Grund haben zur Hoffnung.

Herr, wir brauchen dich!

Höre mich, wenn ich nun in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen eine gesegnete Zeit!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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