Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Heile du mich, HERR, so werde ich heil; hilf du mir, so ist mir geholfen. (Jer 17,14)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 32

 1 Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!

2 Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Falsch ist!

3 Denn da ich es wollte verschweigen, verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.

4 Denn deine Hand lag Tag und Nacht schwer auf mir, dass mein Saft vertrocknete, wie es im Sommer dürre wird.

5 Darum bekannte ich dir meine Sünde, und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem HERRN meine Übertretungen bekennen. Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünde.

6 Deshalb werden alle Heiligen zu dir beten zur Zeit der Angst; darum, wenn große Wasserfluten kommen, werden sie nicht an sie gelangen.

7 Du bist mein Schirm, du wirst mich vor Angst behüten, dass ich errettet gar fröhlich rühmen kann.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Du willst uns leiten auf unseren Wegen.

Aber wir – wir gehen lieber unsere eigenen.

Du willst, dass wir unser Leben teilen,

aber wir – wir igeln uns lieber ein.

Du willst,

dass wir deine Liebe

in dieser Welt spürbar werden lassen.

Aber wir – wir lieben lieber uns selbst.

 

Da ist soviel Kleinglaube in uns,

manchmal sogar Mutlosigkeit,

dich in dieser Welt frei zu bekennen.

So bitten wir dich: Komm, Herr!

 

Stärke uns, erfülle uns mit neuem Mut,

so dass wir erkennen können,

wir sehr wir auf deine Gnade angewiesen bleiben

und dass wir vor dir

all unsere Schuld bekennen dürfen,

weil du uns vergibst.

So bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So spricht Gott, der uns liebt, vergibt

und mit uns durch das Leben geht:

Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen,

den du gehen sollst;

ich will dich mit meinen Augen leiten.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott und Vater!

Von Anbeginn sorgst du dich um uns Menschen.

Du führst und leitest uns,

so wie du es immer getan hast.

Wenn wir deine Wege auch manchmal nicht verstehen,

lass uns doch auf dich vertrauen.

Lass uns darauf vertrauen, dass du es gut mit uns meinst.

Und auf dieses Vertrauen

wollen wir unser Leben gründen, jeden Tag neu.

Das bitten wir dich und deinen Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Jakobusbrief, Kapitel 5, Verse 13-16

 13 Leidet jemand unter euch, der bete; ist jemand guten Mutes, der singe Psalmen.

14 Ist jemand unter euch krank, der rufe zu sich die Ältesten der Gemeinde, dass sie über ihm beten und ihn salben mit Öl in dem Namen des Herrn.

15 Und das Gebet des Glaubens wird dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden getan hat, wird ihm vergeben werden.

16 Bekennt also einander eure Sünden und betet füreinander, dass ihr gesund werdet. Des Gerechten Gebet vermag viel, wenn es ernstlich ist.

Halleluja! HERR, deine Güte ist ewig. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 2, Verse 1-12

(auch Predigttext)

 1 Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.

2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.

3 Und es kamen einige, die brachten zu ihm einen Gelähmten, von vieren getragen.

4 Und da sie ihn nicht zu ihm bringen konnten wegen der Menge, deckten sie das Dach auf, wo er war, gruben es auf und ließen das Bett herunter, auf dem der Gelähmte lag.

5 Da nun Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.

6 Es saßen da aber einige Schriftgelehrte und dachten in ihren Herzen: 7 Wie redet der so? Er lästert Gott! Wer kann Sünden vergeben als Gott allein?

8 Und Jesus erkannte alsbald in seinem Geist, dass sie so bei sich selbst dachten, und sprach zu ihnen: Was denkt ihr solches in euren Herzen? 9 Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin?

10 Damit ihr aber wisst, dass der Menschensohn Vollmacht hat, Sünden zu vergeben auf Erden – sprach er zu dem Gelähmten:

11 Ich sage dir, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!

12 Und er stand auf und nahm sogleich sein Bett und ging hinaus vor aller Augen, sodass sie sich alle entsetzten und Gott priesen und sprachen: Wir haben solches noch nie gesehen.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Heute haben wir eine Geschichte gelesen, die vor allem die Kinder in unseren Familiengottesdiensten so lieben. Und die sie so wunderbar einfach erklären können.

Der Kranke kann nicht allein, da müssen ihm die Freunde helfen. Sie bringen ihn zu Jesus und der macht ihn gesund. Und dann freut er sich. – Das ist die Kurzfassung der Geschichte, wie ich sie oft von Kindern gehört habe. Und dieser Kurzfassung ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Wie schön wäre es, wenn wir Erwachsene und so aufgeklärte Menschen uns genau solch einen Glauben bewahrt hätten. „Wenn ihr nicht werdet wie die Kinder“, sagt Jesus zu meinem Gedanken an einer anderen Stelle. Helfen – wo Hilfe gebraucht wird. Und Jesus macht es gut. Ich schaue in die Welt von heute, ich schaue auf das viele, was gerade mitten unter uns geschieht. Und dann schließe ich meine Augen und wünsche es mir ebenso. Die, die Hilfe brauchen, bringen wir zu Jesus. Und er macht es gut. Ein frommer Wunsch oder?!?

Bleiben wir aber einfach heute einmal bei der Geschichte. Und schauen wir hinein, was da überhaupt alles geschieht.

 1 Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und es wurde bekannt, dass er im Hause war.

 So beginnt unsere Geschichte. In welchem Haus war Jesus eigentlich? Er zog doch herum. Nun es ist einfach. Wir lesen unser heutiges Tagesevangelium aus dem 2. Kap. des Markusevangeliums. Im ersten Kapitel wird beschrieben, wie er in Kapernaum in das Haus des Simon eingeladen ist, weil er dort die kranke Schwiegermutter heilen soll. Es wird erzählt, dass sich diese Heilung herumspricht. Und es wird auch erzählt, dass viele ihre Kranken brachten und Jesus sie in diesem Haus heilte.

So staune ich über diesen Simon. Kein Wort des Protestes über die vielen Fremden in seinem Haus. Kein Hinauskomplementieren nach dem Motto „So, jetzt reicht es!“ Und noch mehr, irgendwann verlässt Jesus das Haus. Mit ihm seine Jünger und auch wohl die Fremden. Aber kurze Zeit später kommt er wieder zurück. Wieder in das Haus. Und alle kommen sie wieder.

2 Und es versammelten sich viele, sodass sie nicht Raum hatten, auch nicht draußen vor der Tür; und er sagte ihnen das Wort.

Und Simon, wo bist du eigentlich? – Simon, der Hausbesitzer, taucht in der Geschichte überhaupt nicht mehr auf. Kein Protest, kein Lamentieren, dass sein Haus doch viel zu klein sei. Nichts, er öffnet es. Welch ein großherziger Mensch, still und unerkannt in dieser Geschichte!

Und da ist das nächste. Viele Menschen kommen zu Jesus, wollen ihn hören, wollen Heilung finden. Die meisten können noch selber kommen. Zumindest einer konnte es nicht. Doch gibt es auch für ihn einen Weg. Er hat Menschen, Freunde, Helferinnen und Helfer, die ihm einen Weg ermöglichen. Ja, die das eigentlich Unmögliche möglich machen. Wenn es auf geradem Weg nicht geht, denn müssen eben außergewöhnliche Wege her! Sie decken das Dach ab, lassen ihn in die Mitte der Menschenmenge herunter, bringen ihn vor Jesus. Sie kapitulieren nicht vor ihrer Aufgabe. Sie tun sie einfach. Deshalb werden sie erfinderisch.

Ich spüre nun geradezu, wie alle sie anschauen, ihr Tun mit den Augen verfolgen und zu staunen beginnen, was alles möglich sein wird, weil sie sich den Wunsch des Gelähmten zu ihrer Herzensangelegenheit gemacht haben. Sie haben seine Not zu der ihren gemacht. Deshalb müssen sie gemeinsam eben alle Schwierigkeiten überwinden. Sie tun es – mit Erfolg.

Und Simon – wo bist du? Sie decken dein Dach ab. Jetzt müsstest du doch aufschreien. Nein, er tut es nicht. Und ich stelle mir vor, wie er da steht, auf den Gelähmten schaut, auf den der Hilfe braucht. Und wie er auf die schaut, die ihm helfen. Und ich sehe seine staunenden Augen, in denen sich etwas von der stillen Freude wiederspiegelt, weil er weiß: diese Freunde da tun etwas, worauf er selbst wohl nie gekommen wär, wozu er selbst vielleicht gar nicht in der Lage ist. Und er ahnt: sie tun es auch stellvertretend für ihn selbst.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Jetzt schaue ich auf den Gelähmten. Wie oft wird er sich in seinem bisherigen Leben schon angehört haben müssen: „Weg, krabbel weiter! Zieh’ dich durch den Dreck. Bei uns hast du keinen Platz. Wie sehr musst du dich gegen Gott versündigt haben, wenn du so verkrüppelt da liegst. Mach, dass du weiter kommst, sonst steckst du uns noch an!“ So und ähnlich wird er es gehört haben, über Jahre. Hat sich draußen vor der Stadt versteckt, von dem gelebt, was sie ihm vielleicht zuwarfen, um vor Gott besser da zu stehen. Ja, manchmal hat er vielleicht sogar selbst daran geglaubt, etwas verbrochen zu haben, nur weil er eben anders war als andere. Obwohl er aber auch wusste, es war allein sein Anderssein, wissentlich Schlechtes getan hatte er nicht.

Und so begann er zu träumen – von einem neuen Anfang, vom aufrechten Gang, von der Teilhabe am Leben mit anderen. Er sehnte sich nach dem Gefühl auch einmal geliebt zu werden, nach dem Gefühl in Gemeinschaft mit anderen zu leben, arbeiten zu können, eigene Träume und Wünsche verwirklichen zu können. Er wollte gar nichts Besonderes. Nur heil werden, Leben finden.

Dann sind sie auf einmal da. Die, die es nicht mehr ertragen, ihn da liegen zu sehen. Auf die Decke mit ihm. „Wenn du nicht allein gehen kannst, wenn du für deinen neuen Anfang, für dein neues Leben nicht selbst sorgen kannst, dann tun wir es eben mit dir, tun es für dich. Komm, wir machen uns zusammen auf den Weg“! Ich ahne an diesem Punkt schon sein ungläubiges Staunen und seine ersten Freudentränen, weil er ahnt, dass jetzt etwas passieren wird, dass sein Leben verändern wird. Ich fühle geradezu, wie sich seine Schwäche verwandelt in neue Hoffnung, neue Zuversicht. Und er wird nicht enttäuscht werden. Er wird Worte hören, die er sein leben lang nicht vergessen wird und die ihn anspornen werden, selbst weiterzugeben, was er empfangen hat. Er hörte es für ihn unvergesslich: „…, steh auf, nimm dein Bett und geh heim!“ Ja, das sollte es werden. Und mehr wollte er ja auch gar nicht! Wieder nach Hause zu dürfen, einfach, weil es ihm nun möglich war!

Nun schaue ich auf die, die ihm helfen. Ich stelle mir vor, dass sie lange zugeschaut haben, wie andere an dem Gelähmten vorbei gegangen sind – angeekelt, ängstlich, abschätzend oder wie auch immer. Ich sehe sie da sitzen und spüre geradezu, wie sie es auf einmal nicht mehr ertragen können. Wie sie die Arroganz der anderen nicht mehr ertragen können, wie es sich auf einmal in ihren Herzen rührt, es sie drängt, etwas zu tun. „Wir müssen doch etwas tun! Irgendetwas!“ Und dann überwinden sie ihre eigene Angst. Sie nähern sich dem gelähmten, überwinden ihre Angst vor dem Fremden, vor der Ansteckung, vor den Blicken derer, die sie so gern davon abhalten würden – nach dem Motto: was kümmert ihr euch, der soll sich doch selbst helfen! Nein, sie packen an, bahnen sich den Weg durch die Menschen, die ihre Hände vielleicht lieber in den Taschen halten. Und sie dringen vor, durch alle Schwierigkeiten, lassen sich auch von einem schon vollen Haus nicht abhalten. Da geht noch ’was! Wenn nicht gewöhnlich, dann eben außergewöhnlich. Und sie tun es mit Erfolg. Nicht nur mit Erfolg für den Gelähmten. Nein, für alle Umstehenden. Gemeinsame Anstrengung, gemeinsamer Glaube setzt Kräfte frei, macht Menschen neu, lässt sie neu umkehren und ins Leben gehen. Ihre Tat macht allen anderen konkret sichtbar, was der unerschütterliche Glaube an Gott, an Jesus Christus möglich machen kann – neues Leben, für den betroffenen nun nicht mehr Gelähmten. Und natürlich für alle, die es gesehen haben und die sich vielleicht anstecken ließen, selbst ihren eigenen Glauben auch in der Liebe tätig werden zu lassen.

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Und über wen haben wir nun noch nicht nachgedacht? Genau – über die Pharisäer und Schriftgelehrten, über die Ewignörgler, über die, die um ihre eigene Macht fürchteten. Über die, die auch damals schon immer sagten: das darf doch alles nicht sein! Das geht doch nicht! Ich bin, liebe Schwestern und Brüder, müde darin, diese Pharisäer und Schriftgelehrten damals in Predigten immer wieder schön zu reden bzw. an dieser Stelle schön zu schreiben. So wie ich es für die heutige Predigt auch nicht tun möchte. Aber ich tue es auch deshalb nicht, weil ich von mir selbst weiß – und vielleicht kennen das einige ja auch von sich selbst -, wie leicht man selbst zu ihnen gehören kann. Zu den Ewignörglern, den Angstbeißern, den Immermotzern und Stammtischrednern!

Nein, mein letzter Blick gilt Jesus. Er war bei Simon, hat so viele Menschen geheilt wie er eben heilen konnte. Er brauchte eine Pause, ging mit seinen Freunden raus aus der Stadt, an den See. Ruhe finden, sich selbst neu stärken. Aber er wusste wohl: er waren noch nicht alle, die er heilen konnte. Deshalb musste er zurück. Genau das ist etwas, was meinen eigenen Glauben so sehr stärkt. Es ist nicht einfach so, dass alle, die Hilfe brauchen, sich auf den Weg zu Jesus machen. Nein! Er, Jesus, kommt ihnen immer auch entgegen. Geht ihrem Leid entgegen, will da sein, wo Leid ist, will heilen, was heil werden kann. Und es ist der gleiche Gott, der sie zusammenbringt. Jesus und die Menschen, beide gehen mit ihm und aufeinander zu. Deshalb ist das eine  ganz wunderbare Geschichte!

Und was hat sie mit dem Heute zu tun? Mit dem aktuellen Geschehen in unserem Land, in anderen Ländern? Ich will und werde es jetzt hier nicht weiter beschreiben. Nein, ich überlasse es euch, liebe Schwestern und Brüder, das Elend vieler Menschen, die gerade in Ängsten leben, die Not derer, die gerade um ihre Existenz fürchten, aber natürlich auch das Elend vieler Flüchtlinge und diese Geschichte da in Kapernaum zusammenzusprechen und auch  zusammenzusehen. Wenn ihr euch dann, liebe Schwestern und Brüder, eure eigene Meinung zu dem aktuellen Geschehen gebildet habt, wenn ihr euch eine Meinung zu dieser Geschichte bilden möchtet, dann habe ich eine Bitte an euch: Stellt euch diese wunderbare Erzählung von der Heilung des Gelähmten einmal als ein großes Bild vor – das Haus, der kleine Platz davor, die vielen Menschen, das offene Dach, die staubige Straße. Und dann malt sich jede und jeder von uns einmal in diese Szene hinein. Als welche Person würde ich mich malen? Wo würde ich stehen? Und was sagt das dann über mich aus? Wie schaut Gott auf mich?

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott,

da ist so vieles, für das wir danken können.

Für die Menschen, die wir lieben, – für die, die uns lieben.

Da sind unsere Familien, in denen wir leben dürfen.

Da dürfen sich die meisten von uns gut versorgt wissen.

Ja, Herr, den meisten von uns geht es gut.

Aber das ist nicht selbstverständlich.

Wie oft vergessen wir das.

Und so sollen und wollen wir, wenn wir danken,

immer auch bitten:

 

Wir bitten dich für die vielen Menschen,

die auf Hilfe angewiesen sind.

Für die,

die in diesen Tagen auf dem Weg aus ihrem Elend sind

– einige von ihnen sogar bis zu uns.

Sei bei ihnen und gehe mit ihnen an die Orte,

an denen sie Ruhe finden.

Schenke ihnen neue Kraft,

um das eigene Leben auch wieder planen zu dürfen,

so wie wir es für uns auch wollten.

 

Wir bitten dich für die Menschen,

die ihnen zur Seite stehen und ihnen helfen.

Es sind so viele und sie tun das für all diejenigen,

die dazu nicht die Kraft oder den Mut haben,

also vielleicht ja auch für uns.

Schenke ihnen alle Kraft, die sie brauchen,

anderen zum Leben zu verhelfen,

so wie sie es für uns auch wohl täten.

 

Wir bitten dich für die Menschen,

die sich von falschen Parolen,

von geschürten Ängsten

und Neid und Hass leiten lassen.

Es sind so viele.

Und manchmal sprechen sie auch aus,

was verborgen in unseren Köpfen hängt.

Schenke ihnen die Kraft,

das zu lassen und zu erkennen,

das Leben für alle möglich ist und bleibt,

auch hier bei uns.

 

Herr, guter Gott,

es ist eine solch schwierige Zeit.

Aber dein Evangelium heute zeigt uns,

dass wir alle,

die die helfen können,

die die Hilfe brauchen und die,

die sich darüber ärgern,

alle gleich vor dir stehen.

 

So lass uns gehen und vertrauen,

dass du bei uns bist,

heute und in aller Zeit und an allen Orten.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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