Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 146

 1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! /

2 Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

3 Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

4 Denn des Menschen Geist muss davon, / und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott,

6 der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, /

7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei.

8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

9 Der HERR behütet die Fremdlinge / und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

10 Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, Jesus Christus,

unser Lob und unser Danken sind oft spärlich.

Lieber weisen wir auf unsere Beschwerden,

unsere Wünsche, unsere zerschlagenen Pläne und Träume.

Oft sehen wir gar nicht mehr,

dass du uns bewahrst,

dass du uns begleitest durch schwere Zeiten,

Manchmal scheinen wir das Gespür dafür zu verlieren

wie gut es uns doch geht,

dass wir keine Not und satt zu essen haben,

dass wir eine Wohnung und Kleider haben

und es doch an nichts fehlt, was zum Leben nötig ist.

Warum nur sind wir oft so undankbar?

Herr, erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Der Herr macht die Gefangenen frei.

Der Herr macht die Blinden sehend.

Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, unser Gott,

wir lass uns zufrieden und froh leben,

auch wenn vielleicht gerade vieles uns beschwert.

Wir sind mit allem gesegnet,

was zum äußeren Leben gehört.

Wir haben Menschen in unserer Nähe,

vielleicht aber auch in der Ferne,

die uns lieben und zu uns stehen.

Um etwas aber bitten wir dich:

Gib uns die Zufriedenheit der Seele

und ein dankbares Herz

durch unseren Herrn Jesus Christus.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 8, Verse 14-17:

 14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

Halleluja! Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Halleluja!    

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 1-10:

(auch Predigttext)

 1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.

2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.

3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.

4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.

5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! liebe Leserinnen und Leser!

Ich lade heute einmal dazu ein, auf diesen Zachäus zu schauen; und zwar so, als ob wir versuchen in ihn hineinzuschlüpfen, so als ob wir ihn eher von innen heraus zu verstehen suchen. Vielleicht kommt uns dieser Mensch Zachäus dadurch etwas näher. Mir ist es so gegangen, als ich mich mit diesem wohl eher kleinen Mann beschäftigte. Gedanklich war ich auf einmal an diesem Morgen in Jericho. Und ich schaue ihn an – den Zachäus.

Endlich ist er ganz oben. Leicht war es nicht. Aber jetzt hat er es geschafft. Zachäus rückt auf dem Ast hin und her, bis er einigermaßen bequem sitzt. Ja, hier oben hat er einen ganz guten Überblick. Hoffentlich hat ihn niemand bei seiner Klettertour auf den Baum beobachtet. Ein bisschen peinlich ist es schon. Schließlich ist er eine Amtsperson und lebt davon, dass die Leute ihn respektieren und auch ein wenig fürchten. Als Oberzöllner braucht er das. Er bestimmt den Wegezoll hier in Jericho, er legt die Pachthöhe der Bauern fest. Die Leute maulen zwar über ihn, aber aufzubegehren trauen sie sich doch nicht. Er handelt schließlich im Auftrag der römischen Besatzungsmacht. Und mit denen sollte man sich besser nicht anlegen.

Zachäus kann ja verstehen, dass die Leute murren: Warensteuer, Brückensteuer, Wegezoll, Ernteabgaben, Importsteuern, Exportsteuern, Mieten und wer weiß was noch. Wer hat da noch den Durchblick – und wer soll das alles bezahlen?

Aber wenn Zachäus einmal versucht, den Leuten zu erklären, dass er selber auch nur ein Rad im großen Getriebe sei, dann will niemand ihm zuhören. Sie meiden ihn. Er selbst findet das ungerecht. Die Römer verlangen von ihm eine festgesetzte Steuersumme im voraus – und er kann dann sehen, wie er sie wieder hereinbekommt – plus Aufschläge für den eigenen Lebensunterhalt. Zum Glück ist der Standort hier in Jericho wirklich nicht schlecht: die Haupthandelsstraße zwischen dem Ost- und dem Westjordanland wirft einiges ab. Er hat es geschafft. Zachäus ist, was seine Möglichkeiten angeht, ganz oben. Ein Oberer der Zöllner. Oberzöllner. Wohlhabend. Respektiert. Unbeliebt.

Zachäus gibt sich da keinen Illusionen hin: Die Leute achten ihn wegen seines Amtes. Als Privatperson, außerhalb seiner Amtsgeschäfte da ist er ein Niemand. Das hat er heute am Morgen wieder einmal überdeutlich zu spüren bekommen. Ursprünglich war er einer der ersten gewesen, die an der Zollstation davon gehört hatten, dass Jesus von Nazareth nach Jericho kommen sollte. Aber obwohl Zachäus einer der ersten an der Straße gewesen war, hatten ihn die anderen wie unabsichtlich, aber konsequent abgedrängt. Die meisten waren größer und breiter als er, und hier war eben nicht die Zollstation. Zu guter Letzt hatte er in der hintersten Reihe gestanden, die anderen alle vor ihm, Schulter an Schulter. Damit nicht genug, sie raunten sich auch noch Kommentare zu – wie: „Findest du nicht auch, dass es hier schlecht riecht? Muss irgendwo ein Zöllner stecken…“

Aber Zachäus weiß sich immer zu helfen. Er will diesen Jesus sehen. Er will wissen, was es mit ihm auf sich hat. Propheten und Prediger gibt es viele, täglich ziehen sie auf der Straße hinauf nach Jerusalem. Aber bisher hat Zachäus noch nie einen getroffen, zu dessen Freundeskreis auch Zöllner gehörten. Im Gegenteil: Die meisten hielten an der Zollstation an, um eine extra gewürzte donnernde Gerichtspredigt über die Zöllner zu halten, die sich mit den römischen Hundesöhnen verbünden, um das eigene Volk auszusaugen.

Dieser Jesus aus Nazareth scheint aus einem anderen Holz geschnitzt: Zachäus war mehr als erstaunt zu hören, dass Jesus den Zöllnerkollegen Levi vom Zollhaus weg als einen seiner Apostel engagiert hatte (s. Lukas 5, 27-32). Nicht, weil er ihm gedroht hätte mit furchtbaren Strafen, sondern weil er ihn, diesen Levi, offensichtlich bei sich haben wollte.

Wer ist dieser Jesus? denkt Zachäus und rückt erneut auf seinem Ast zurecht: Ich will ihn sehen. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, von hier oben den ganzen Trubel zu verfolgen. Direkt an der Straße wäre manche Überraschung möglich. Was würde ich sagen, wenn er mich plötzlich mitnehmen wollte? Mein Leben, das ich mir so mühsam aufgebaut habe, aufgeben? Ich weiß nicht… Ach, Unsinn, er kann ja nicht alle Zöllner abwerben und mit ihnen durchs Land ziehen. Es ändert auch nichts: wo ein Zöllner verschwindet, bewerben sich fünf andere um den Posten. Man ist zwar nicht beliebt, aber man hat etwas zu beißen. Von Beliebtheit kann keiner satt werden.

Andererseits: Das kann doch nicht alles gewesen sein in meinem Leben. Ich bin ganz oben, gewiss. Ich habe mein Auskommen, die Sorgen halten sich in Grenzen, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Soll das meine Hoffnung sein: dass es so weitergeht wie bisher? Wenn ich jetzt schon ganz oben bin – kann’s eigentlich nur noch bergab gehen. Ich glaube, ich weiß selber nicht, was ich will. Ich kann doch mein Leben nicht einfach aufgeben. Aber ich kann auch nicht einfach so weitermachen wie bisher. Nur satt sein reicht doch nicht. Ich möchte diesen Jesus sehen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das könnten die Gedanken von Zachäus vor der Begegnung mit Jesus gewesen sein. Und dann? Dann wird Zachäus angesprochen, genau von diesem Jesus: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. (Lk 19,5) Jetzt stelle ich mir den aufgeregten Zachäus vor: den, dessen Herz bis zum Hals schlägt.

Ich? Ich soll vom Baum runterkommen? Meinst du wirklich mich? Aber wieso, um Himmels willen? Hier sind doch Hunderte von anderen Leuten – warum gerade ich? Also gut, ich komme. Ja, ich bin schon da. Natürlich können wir in mein Haus gehen, bitte hier entlang, es ist nicht weit: nur hier die Gasse hinunter, gleich das zweite Haus rechts. Bitte kommt mit. Ich muss um Entschuldigung bitten, ich war natürlich nicht darauf gefasst, es ist nichts vorbereitet. Aber ich habe natürlich etwas da, nur einen kleinen Moment.

Zachäus wird voller Aufregung hin und her gelaufen sein:

Bitte setzt euch, man wird euch gleich die Füße waschen… Auf Leute, schnell, Getränke, bringt Feigen und Oliven, Brot und Wein…

Zachäus schaut aus seinem Haus hinaus auf die Straße und stutzt.

Verzeih, Herr, aber die Leute draußen machen mich ein wenig nervös. Was werden sie von dir denken, dass du bei einem Zöllner einkehrst? Und was werden sie von mir denken? Was? Ich soll mich nicht kümmern und mich endlich hinsetzen? Ja, Herr, verzeih, ich bin ein wenig aufgeregt.

Zachäus eröffnet das Mahl als Hausherr.

„Gelobt sei Gott, unser Schöpfer, der uns Brot schenkt, Früchte und Wein: Dank sei Gott!“ Greift nur zu, es ist genug da. Herr, ich weiß, dass ich zu viel rede, wenn ich aufgeregt bin, aber erlaube mir… Ich sehe, du lächelst – das ist gut. Weißt du, seit Jahren waren keine wirklichen Gäste in meinem Haus. Der ein oder andere Kollege gewiss, aber das ist doch wenig, immer nur mit seinesgleichen zusammenzukommen. Wirkliche Gäste seid ihr: ihr erwartet von mir keine Vorteile, kein Protegieren im Beruf, keine Fürsprache bei den Vorgesetzten. Sonst esse ich, und wenn ich satt bin, stehe ich auf. Aber heute? Dass wir miteinander essen, trinken und reden – es bedeutet mir soviel mehr! Weißt du, was mir aufgefallen ist, Jesus? Wir haben kein einziges Wort über meine Arbeit verloren. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Alle sehen in mir nur den Oberzöllner. Ich selbst oft auch. Ich weiß gar nicht mehr, wer Zachäus als Mensch ist. Wer bin ich, was bin ich – außer Zöllner? Ich bin doch auch ein Mensch, ich habe Gefühle. Immer muss ich funktionieren, muss bei den Römern geschickt taktieren und verhandeln. In der Zollstation darf ich mir keine Blöße geben. Lieber kein persönliches Wort verlieren, es könnte jemand ausnutzen. Weißt du, Jesus, dass ich mich heute zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wirklich gefreut habe? Das war, als ich auf dem Baum gemerkt habe, dass du mit mir sprichst, dass du mich anschaust, dass du mich meinst. Die Leute am Zoll gucken auf meine Hände, meine Kleidung, auf ihr Geld. Du bist der erste seit langer Zeit, der mir in die Augen geschaut hat. Und dem ich in die Augen schauen konnte. Ich wollte von dir kein Geld, und in deinen Augen war nicht nur Hass und Verachtung zu lesen.

Weißt du – ich glaube nicht, dass ich darauf wieder Jahre warten könnte. Ich glaube nicht, dass ich darauf wieder verzichten könnte. Ich glaube nicht, dass morgen alles so sein kann wie gestern. Jesus – ich möchte dir ein Geschenk machen. Kein übliches, wie bei anderen Leuten. Ich möchte dir etwas ganz Besonderes schenken. Ich werde dir schenken, dass ich den Menschen, die ich am Zoll über die Maßen geschröpft habe, ihr Geld vierfach zurückerstatte – genau so wie es im Gesetz des Mose steht. Und ich werde die Hälfte meines Besitzes an die Bedürftigen geben.

Jesus, ich habe es heute gelernt, habe es neu gespürt: solange ich Angst habe um mich und meine Sicherheit und meinen Besitz, kann ich überhaupt niemandem wirklich in die Augen schauen. Egal, wen ich sehe: ich denke immer nur an mich. Wenn ich die Menschen am Zoll sehe, denke ich nur daran, wie viel ich verlangen kann. Es muss doch mehr geben im Leben als nur meine Sorge um mich selbst. Weißt du was, Herr? Als wir miteinander gegessen haben, habe ich gespürt, dass du dich um mich sorgst. Das hat so gut getan. Ich habe bisher immer gedacht, ich wäre der Einzige, der sich um mich sorgt. Ich habe noch eine Idee: Bisher steht draußen an meinem Haus geschrieben: „Zachäus, Oberzöllner“. Ja, damit habe ich ein bisschen angegeben. Es sollte auch die vielen Bettler abschrecken. Ich werde es ändern – du hast eben selbst gesagt, auch ich sei Abrahams Sohn. Also – ich werde „Oberzöllner“ überpinseln und darunter schreiben: „Abrahams Sohn“.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht ist das ja auch etwas für uns alle – in jedem Haus, in jeder Gemeinde. Gerade auch in diesen Tagen ist es unendlich wertvoll, sich immer wieder daran zu erinnern. Schreibt es euch auf und hängt es euch an die Pinnwand, legt es auf den Schreibtisch oder auf das Bügelbrett oder klebt es an euren Computer: „Ich bin gemeint. Gott will bei mir einkehren! Gott will mein Gast und Freund sein!“ Und wenn dann wieder so ein Tag kommt, an dem wir das Gefühl haben, wir müssen nur funktionieren und dies und das tun, was jeden Tag getan werden muss, dann schauen auf das Schild, schauen auf unser Blatt und freuen uns: Gott ist da – mitten im meinem Leben. Er nimmt mich, so wie ich bin. Aber ich muss ja vielleicht – Gott sei Dank – gar nicht so bleiben. Und er ist bei mir, wo ich auch bin. Das beruhigt, wenn wir uns in diesen Tagen vielleicht nicht so unbeschwert treffen und sehen können, wie wir es vor Monaten noch gewohnt waren. Gott ist da, in jedem Haus, er ist bei allen, er sucht und findet uns. In ihm bleiben wir verbunden. Heute und alle Zeit. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet

Guter Gott und Vater,

so viele Menschen unserer Tage

sind unzufrieden mit dem, was sie haben.

Sie haben sich das Klagen und Jammern über das angewöhnt,

was ihnen fehlt.

Das, was sie in Händen halten,

die Geschenke deiner Güte, sehen sie nicht.

Gott, rühre ihr Herz an, dass sie dankbar werden.

 

Guter Gott und Vater,

so viele Menschen aber

haben wirklich nicht genug.

Sie wissen heute nicht,

wie sie den morgigen Tag bestehen sollen.

Wenn wir ihnen nicht helfen,

dann bleiben sie allein mit ihrer Not.

Gott, rühre unser Herz an,

dass wir dankbar werden

und anderen Menschen von dem abgeben,

was wir aus deinen guten Händen nehmen dürfen.

 

Guter Gott und Vater,

wir haben genug.

Vielleicht sind wir nicht besonders reich,

nicht vermögend,

haben nicht viel Macht oder Einfluss.

Und doch sind wir bevorzugt unter den Menschen.

Wir dürfen sicher leben,

auch wenn wir vielleicht sorgenvoll in die Zukunft blicken.

Gott, rühre unser Herz an,

dass wir dankbar werden und bleiben,

um das rechte Maß für unser Leben wiederzufinden.

Wir wollen niemals vergessen,

dass wir alle aus deiner Gnade leben.

Guter Gott und Vater,

höre mich, wenn ich nun in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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