Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 112

 

1 Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

2 Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

3 Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

4 Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, gnädig, barmherzig und gerecht.

5 Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!

6 Denn er wird niemals wanken; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. 7 Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.

8 Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht.

9 Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Sein Horn wird erhöht mit Ehren.

10 Der Frevler wird’s sehen und es wird ihn verdrießen; / mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen. Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

 

Herr, unser Gott!

Du lässt uns deine Freundlichkeit erfahren

– jeden Tag neu.

Wir nehmen deine Gaben meist ganz selbstverständlich an.

Wir behaupten deine Gnade und Güte als unser Recht.

Aber wir sind nur selten bereit,

durch uns selbst andere

etwas von deiner Güte und Gnade spüren zu lassen.

Im Umgang miteinander fehlt es uns oft an Geduld.

Wir geben die Liebe nicht weiter,

mit der du dich uns zuwendest.

So, bitten wir: Komm, und erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott gibt uns nicht auf. Niemals!

Er wendet zum Guten, was wir versäumt haben.

Seine Liebe ist größer als unsere Schuld.

Darum können wir uns freuen und sprechen:

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

 

Guter Gott und Herr,

dein Wort will uns die Richtung weisen,

damit wir nicht umherirren und ohne Orientierung sind.

Darum sammle jetzt unsere Gedanken

zu dir hin, dass wir zur Ruhe kommen

aus der Unruhe und den Sorgen unseres Alltages.

Dann wird deine Liebe uns verändern

und neue Anfänge schenken.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 6, Verse 1-7:

 1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.

2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.

3 Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.

4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. 5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.

6 Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.

7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Halleluja! Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Halleluja!

  

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 10, die Verse 25-37:

(auch Predigttext)

 25 Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?

27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18).

28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.

31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn;

34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?

37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

„Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“(V.25) Der Schriftgelehrte in der Geschichte sorgt sich. Er rechnet mit einer Möglichkeit, mit der heute kaum noch jemand rechnet. Er rechnet nämlich damit, dass der heilige und allmächtige Gott neben dem Himmel, in dem er ewig leben könnte, offensichtlich noch eine andere Möglichkeit bereithält. Manche nennen es vielleicht Hölle. Auf jeden Fall ahnt er irgendwie, dass ewiges Leben ihm nicht einfach so und automatisch zufallen könnte, sonst würde er nicht so fragen. Nein, er rechnet offensichtlich auch mit der Möglichkeit, dass sein Leben nicht an das Ziel gelangt, das Gott für ihn gedacht hatte. Er bedenkt wenigstens theoretisch die Gefahr, er könne Sinn und Ziel seines Lebens verfehlen und so eben nicht in ewigem Frieden mit und bei Gott ankommen; er könne vielmehr in der Hölle landen, in der Ferne von Gott, in einer verfluchten Unzufriedenheit und in ewig fortdauernder Suche nach Erfüllung, nach Heil mitten in endlosem Unheil, in dem es keine Zukunft, kein Hoffen mehr gibt.

So könnte es gewesen sein. Aber vielleicht hatte er doch etwas anderes vor. So ganz ernst rechnete schon damals auch der Schriftgelehrte wohl doch nicht mit dieser Möglichkeit. Eigentlich will er Jesus nur auf’s theologische Glatteis führen, um nach langer, hochgeistiger Diskussion selbstgerecht sagen zu können: „Ich hab’s ja gleich gewusst: mit dem Glauben ist es eine sehr unsichere Sache; beweisen kann man hier nichts; also lässt man als aufgeklärter Denker gleich die Finger davon und lebt nach eigenen Ideen und Vorstellungen, bis dann eben der Tod kommt. Irgendwie wird es dann schon gut weiter gehen.“ Nicht wenige denken auch heute so ähnlich.

Der Schriftgelehrte fragt Jesus, um einen Grund zu haben, nicht glauben zu müssen, um sich nicht an Jesus Christus binden zu müssen, eben unentschieden einem sogenannten individuellen Glauben ohne Gemeindebindung, und herrisch bestimmenden Gott leben zu können. Er möchte sich Gott eigentlich vom Leibe halten. Er will keinen ihn bindenden Glauben, oder gar eine neue Glaubenslehre haben. Er will sich nicht in eine Gemeinschaft von Glaubenden einbinden lassen, gar täglich Gottes Wort hören und beachten, oder zu Gott beten, gar noch vor jedem Essen und mit Gästen. Er will mit dem Gespräch mit Jesus sein selbstherrliches sowieso schon schriftgelehrtes Gewissen beruhigen. Aber –  im Innersten ist er, finde ich, ziemlich  unsicher, ob es nicht doch ein verfehltes Leben geben könnte, ob nicht doch Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ob es nicht auch für ihn ein „Zu-spät“, ein „Aus-und-vorbei“ bei Gott geben könnte.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Millionenfach läuft dieser Schriftgelehrte heute noch in unseren Landen herum, auch unter uns und manchmal sogar in uns selbst. Der „Suchende“, der „religiöse Mensch“ wird er heute genannt. Aufgeschlossen ist er für alle Glaubensrichtungen, für alle Lebensformen, offen für alle Ideen, die seinem Leben Sinn versprechen. Und er fragt immer noch und immer noch ganz unsicher: „Was muss ich denn nun Deiner Meinung nach tun, um das Ewige Leben zu ererben?“ – Bei allem Fragen aber will auch er eines nicht: Er will sich nicht wirklich festlegen! Er will mit der Vielzahl von Antworten die Bestätigung dafür, dass es doch keine letztgültig wahre Antwort, keine letzte Sicherheit in dieser Frage gibt. Und so muss er sich vernünftigerweise auch nicht auf eine Glaubensrichtung, nicht auf „die Wahrheit“ festlegen.

Schauen wir aber auf Jesus! Jesus lässt sich da auf gar keine Diskussion ein. Jesus weiß ja, wie schwer es uns Menschen fällt, uns an Gott zu binden, Gott zu gehorchen, festgelegt zu sein auf einen Herrn, der mir eigentlich unverfügbar ist. So etwas ist manchen Menschen von heute höchst zuwider. Und es ist wohl auch ein Grund, warum Menschen sich von Gott abwenden. Jesus weiß, dass wir am liebsten unabhängig und frei leben. Und er weiß auch, dass uns das am Ende doch nicht zufrieden macht, dass uns die letzte Bindung in solch einem Leben fehlt. Er weiß, dass uns Klarheit und Wahrheit im Glauben oft abhanden gekommen sind. Und Jesus weiß auch, dass wir dies im Innersten ja selbst wissen, es aber nicht wissen wollen, weil wir es sonst ändern müssten, ändern eben mit der persönlichen Bindung an Gott, mit der ganzen, ehrlichen Liebe zu Gott und seinem Wort und Willen.

So holt Jesus dieses tiefe Wissen in uns allen mit der einfachen Rückfrage ins Bewusstsein des Schriftgelehrten zurück: „Schau, Du weißt doch, was in der Schrift steht, was Gott will. Er will doch nur das Eine von dir“. Und der Schriftgelehrte, der religiöse Mensch, sagt es dann auch sofort ganz schön brav auf: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (V.27) Also – der Schriftgelehrte weiß es ja doch! Er kennt den Weg zum Himmel genau: Gottesliebe und Nächstenliebe! So einfach ist das. „Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.“ (V.28) sagt ihm Jesus.

Und nun fragt der Schriftgelehrte weiter und mit ihm auch wir: „Wer ist denn mein Nächster?“ (V.29) So klar ist das doch gar nicht immer! Ist es mein Nachbar? Ist es mein Mann, vor dem ich den Respekt verloren habe, weil er keine Arbeit hat und findet? Sind es die Kranken und Alleingelassenen, die ich sehr wohl kenne, zu denen ich aber meinen Kontakt vermeide? Oder sind es die vielen namenlosen Menschen, die hierherkommen, weil sie alles verloren haben, die denen Krieg und Terror nur noch Angst in die Seele gepflanzt haben und sie sich bei uns Frieden und Ausruhen erhoffen und die hier so behandelt wären, als wären sie allesamt die gleichen Verbrecher und Menschen, die uns alles nehmen würden; die hier eingesperrt werden müssen, damit wir ihr Leben hier vor einem braunen Pöbel und so vielen unsäglichen verblendeten Nachläufern und Nachplapperern schützen müssen.

Wir müssen uns das mal klar machen: die meisten – unter ihnen die Unehrlichen einmal abgezogen – fliehen vor Krieg und Terror und landen hier hinter Stacheldraht und Zäunen, oft nicht sicher, ob ihre Unterkunft nicht in der Nacht in Flammen steht. Es ist beschämend. Und es ist beschämend, wie viele sich von der Hetze auch nur im kleinsten innersten Funken anstecken lassen.

Ich kann allen, die das nun lesen, nur empfehlen, einmal einen einzigen Tag bei Pfarrer Pick im Ausländerpfarramt unseres Kirchenkreises zu verbringen, um zu sehen, welche Dramen sich dort Tag für Tag abspielen, welche unglaublichen und unsagbar traurigen Geschichten dort jeden Tag erzählt und vor allem endlich auch einmal angehört werden. Gott sei es gedankt, sind es hier bei uns so viele, die sich ehrenamtlich für verfolgte Menschen einsetzen, dass es dort ganz klar und gar keine Frage ist, wer denn der Nächste ist.

Und doch, die Haltung des Schriftgelehrten ist auch heute noch eine immer ganz weit verbreitete. Er denkt: Bevor nicht genau klar ist, wer mein Nächster ist – und Jesus soll mir das bitte erst einmal klarmachen – vorher bin ich zur Tat der Liebe auch nicht verpflichtet, da mach’ ich lieber gar nichts. Ich könnte ja dem Falschen helfen, und wieder wäre ich der Dumme. So mag es dem Schriftgelehrten oder auch manchmal uns modernen Menschen schon durch den Kopf geschossen sein.

Jesus aber lässt sich wiederum nicht auf theologische Problemdiskussionen ein. Er erzählt vielmehr eine Geschichte. Viele kennen sie oder haben sie etwas weiter oben seit Längerem wieder einmal gelesen: Zwei Männer, die im Dienste Gottes stehen, gehen an dem Geschundenen und womöglich hilflos und unschuldig Sterbenden vorüber. Ein Mann einer verachteten Volksgruppe sieht den Überfallenen, geht zu ihm und hilft.

Zwei Menschen, die in all ihrem Handeln darauf bedacht sind, das Gute zu tun und nur ja nichts zu versäumen, was ihnen vor Gott Pluspunkte einbringt und die doch blind sind für das Notwendige. – Der eine, dem man nachsagt, dass er es mit Gott und dem Glauben gar nicht so genau nimmt, der tut das Naheliegende. Er stellt sich der Situation, in die er, wie der Verletzte, scheinbar zufällig geraten ist. Er erkennt die Not des anderen. Er erkennt seine Pflicht zu helfen. Er sieht, was zu tun ist und hilft mit der Tat, mit seiner Zeit, mit seinem Geld, mit dem persönlichen Risiko, das immer auch bei der Hilfeleistung gegeben ist.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Soll unser Glaube und alles, was wir darin tun, vor allem uns und unserem Heil bei Gott dienen, dann lieben wir den Nächsten nicht! Und Gott lieben wir dann schon gar nicht. Haben wir nicht manchmal – und das ist schon der Vorwurf in der Geschichte – sogar die Gottesliebe und mit ihr die Nächstenliebe zum Selbstzweck, zum Heilsweg für uns selbst gemacht? Tun wir das, was wir als Christin, als Christ tun, tun wir es wirklich aus Liebe ohne jeden Vorbehalt, ohne jede Taktik, ohne jedes Schielen auf Lohn und Ansehen?

Da, wo wir Gott wirklich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieb haben, da geben wir alles Sorgen und Taktieren um unser Heil und Leben auf, liebe Schwestern und Brüder! Denn es ist doch Jesus, der uns da mit den Augen seiner unendlichen Liebe ansieht. Jesus hat uns ja doch sein Heil und Leben schon geschenkt. Bei ihm ist die Frage längst beantwortet, die Frage, wie ich das ewige Leben ererbe! Lassen wir es uns doch von ihm, von Jesus, schenken.

Und dann tue ich einfach das Not-wendende – an Arbeit, an Hilfe; mit solcher Gottesliebe im Herzen erkenne ich wieder, wem ich mit den mir geschenkten Gaben der Nächste bin. Und ich tue das, was Gott von mir will: die Barmherzigkeit! Und ich tue es dort, wo es von mir gefordert ist. Und wenn es vielleicht erst einmal und nur darin besteht, sich gedanklich der Hetze zu widersetzen, die in unserem Land und mitten unter uns manchmal so brutal um sich greift.

Das Nächstliegende erkenne ich nur da, wo ich Gott ganz nahe bin, wo ich mich in seinem Herzen ewig geborgen weiß. Meinen Nächsten erkennen ich dann, wenn ich in meinem Gegenüber Gott erkenne, der mich anschaut und spüren lässt, wozu er mich braucht. So wollen Gottesliebe und Nächstenliebe zusammenwirken. Und so macht Gott uns einander zum Nächsten in seiner Welt. Darauf können wir uns von Herzen und getrost einlassen, uns an ihn mit unserem ganzen Leben binden. Denn er hat sich längst und unverbrüchlich an uns gebunden

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Es gibt so vieles,

für das wir immer auch danken können:

Wir danken dir für alle Zeichen

deiner Liebe und Freundlichkeit,

die wir in unserem Leben erfahren dürfen.

Wir alle sind beschenkte und begabte Menschen,

jede und jeder von uns hat Grund genug,

dir zu danken.

Weck unsre Sinne auf,

dass wir uns auch über die kleinen Dinge freuen können:

über ein mutmachendes, freundliches Wort,

über die kleine Aufmerksamkeit,

über die Liebe, die wir von anderen erfahren,

auch über die Schönheiten dieser Erde.

 

Du bist ein großzügiger Gott,

du schickst keinen mit leeren Händen fort,

der zu dir kommt.

Fülle auch uns die Hände,

– dass wir denen helfen, die hilflos sind,

– dass wir die ansprechen, die einsam sind

und denen niemand zuhört,

– dass wir denen vertrauen,

die nur noch Misstrauen erfahren,

– dass wir denen zu ihrem Recht verhelfen,

die rechtlos und verachtet sind,

– dass wir diejenigen versöhnen,

die sich auseinandergelebt haben,

– so sollen alle sehen, wie freundlich du bist.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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