Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jes 42,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 147

 1 Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.

2 Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels.

3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

4 Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.

5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit.

6 Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.

11 Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott,

wenn wir schauen und in Wahrheit nicht hinsehen

wenn wir schauen und doch nicht sehen wollen;

wenn wir hören und in Wahrheit nicht hinhören,

wenn wir hören und doch nichts hören wollen;

wenn wir uns genügen und dabei in Wahrheit Mangel leiden,

wenn wir uns genügen und dabei selbst an uns zu Grunde gehen,

dann, guter Gott und Vater, komm du und bete in uns,

Komm, und erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott spricht uns frei von aller Schuld,

er nimmt uns ab,

was uns auf der Seele liegt

wenn er sagt:

Seid getrost und fürchtet euch nicht!

Seht, da ist euer Gott!

Er wird euch helfen.

Dann werden die Augen der Blinden aufgetan

und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, Jesus Christus,

löse alle Fesseln,

mit denen wir uns selbst binden!

Öffne du uns die Ohren und den Mund.

Wir bitten dich:

Mach uns frei von uns selbst

und offen füreinander,

dass wir dich in deiner Gemeinde loben und preisen.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 3, die Verse 9-17:

 9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,

13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Halleluja! Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Halleluja!

  

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 7, die Verse 31-37:

(auch Predigttext)

 31 Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. 32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege.

33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge

34 und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.

36 Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.

37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade von einer wundersamen Heilung durch Jesus gelesen, von der Heilung des Taubstummen. Ich möchte heute mit ihnen einmal die Personen betrachten, die in dieser Geschichte vorkommen. Bleiben wir zunächst einmal bei der Hauptperson, dem Taubstummen.

Vielleicht ist es Ihnen ja beim Lesen aufgefallen, sein Name wird nicht genannt. Wahrscheinlich ist sein Name für den Inhalt der Geschichte ja überhaupt nicht wichtig. Im Mittelpunkt steht seine Krankheit, seine Behinderung. Manchmal machen wir das ja heute auch noch so. Wir beschreiben jemanden über ein charakteristisches Merkmal. Wir wissen auch nicht, ob der Taubstumme in der Geschichte von Geburt an behindert war oder ob ein schlimmes Erlebnis ihm Ohren und Mund verschlossen hat. Auch das scheint also nicht von Bedeutung zu sein.

Das Leben als Taubstummer zur Zeit Jesu war alles andere als angenehm.

Sie kennen bestimmt auch etliche Menschen, die schlecht hören. Oft erzählen mir diese Menschen, wie schwer es ist, wenn man nicht versteht, was die Anderen sagen. Ich persönlich höre das oft am Schluss eines Gottesdienstes, wenn ich die Menschen mit einem Handschlag verabschiede. „Herr, Pfarrer, heute haben sie wieder zu schnell und zu leise gesprochen!“ (Kurze Nebenbemerkung: Ich merke gerade, während ich das schreibe, wie sehr ich solche Rituale in dieser Pandemie-Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleiben muss, vermisse!)

Schlecht hörende Menschen tun sich manchmal schwer damit, dauernd nachzufragen, womöglich auch noch dumme Bemerkungen einstecken zu müssen. Der Taubstumme hat nicht einmal diese Möglichkeiten gehabt. Er sah, wie andere lachten, aber warum, blieb für ihn unklar. Er sah, wie Andere redeten, aber worüber, blieb ihm verborgen. Ob sie über ihn redeten und lachten, konnte er sich wohl oft nur selbst fragen.

Neben der eigenen Unsicherheit steht die Unsicherheit der Mitmenschen. Damals dachte man – und das gilt für die anderen Menschen mit einer Behinderung, denen Jesus damals begegnete, ebenso –, Behinderung steckt an. Menschen mit Behinderungen mussten rasseln oder trommeln, wenn sie durch die Dörfer gingen. Sie mussten es, damit andere, Normale oder Gesunde, sich schnell in Sicherheit bringen konnten, die Türen verriegeln konnten. Menschen mit Behinderung waren total isoliert. Ihre Plätze waren draußen vor den Städten und Dörfern. Und so war es mit Sicherheit auch bei dem Taubstummen. Er lebt isoliert und verlassen. In der damaligen Zeit kam dazu, dass Krankheiten oft als eine Strafe von Gott angesehen wurden. Ich denke, es war ein sehr einsames und abgeschnittenes Leben, das dieser Mann führte.

Heute ist das sicher an manchen Punkten für taubstumme Menschen einfacher, es gibt die Gebärdensprache. Wir kennen z.B. aus dem Fernsehen die Gebärdendolmetscher, die die Nachrichten in Gebärdensprache übersetzen. Andererseits: wer von uns beherrscht sie schon? Und daran scheitert dann auch schon wieder eine normale Verständigung. Und wenn wir ehrlich sind: wann sind wir zuletzt einer Person begegnet, die taubstumm ist? Wirklich wahrnehmbar kommen sie auch in unserem Alltag doch nicht vor. Aber ich weiß eben auch von einigen, meist älteren Menschen, wie sehr sie sich auch von uns zurückziehen, weil es ihnen zu mühsam ist, immer wieder neu um deutlichere Aussprache, um lauteres und langsameres Sprechen bitten zu müssen.

Und so kommt der Taubstumme zu Jesus. Nein, er kommt nicht, er wird gebracht. Ob er eigentlich wusste, wohin und zu wem er da gebracht wurde. Gebärdensprache wird er nicht gekannt haben. Lesen konnte er sicher auch nicht. Also: vermutlich ein mutiger Schritt zu einem Unbekannten. Mutig schon deshalb, weil er ja nicht wissen konnte, was sie mit ihm vorhatten. Er wird gefühlt haben, dass sie es gut mit ihm meinten, denn sonst wäre er sicher nicht mitgegangen. Sie hatten sich ja schon allein dadurch, dass sie ihn zu Jesus brachten um ihn bemüht. Wie lange wird er allein das nicht mehr gefühlt haben.  Und dann kommt Jesu Berührung und das Wort: „Effata – öffne dich“. Das hört er wohl noch nicht. Erst danach kann er hören und reden.

Wie überwältigt muss er gewesen sein? Mit Jesu Heilung ist er aus seiner Isolation befreit. Er kann am normalen Leben teilnehmen; er kann lachen, wenn die anderen lachen, weinen, wenn die anderen weinen. Er gehört dazu. Er ist wieder einer von ihnen. Die Heilung ermöglicht ihm Gemeinschaft und neues Leben.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Für den Taubstummen ist diese Begegnung mit Jesus der Beginn eines normalen Lebens, der Beginn eines Lebens in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Wir wenden jetzt aber unseren Blick. Schauen wir auf die Leute, schauen wir einmal auf die Gruppe der umstehenden Menschen.

Viele sind sicher gekommen, weil sie von Jesus schon einiges gehört haben. Weil sie auch gehört haben, dass er Kranke nicht wegschickt. Genau deshalb werden sie auch den Taubstummen zu ihm gebracht haben. Nicht, weil sie einfach einmal live bei einem Wunder dabei sein wollten. Nein, ich glaube, es war etwas anderes. Auch sie haben einen mutigen Schritt getan. Sie haben  ihre eigene Angst überwunden, wollten offensichtlich helfen. Schon damit haben sie ihn ein Stück weit in die Gemeinschaft wieder aufgenommen. Und Martin Luther hat diese Haltung der Menschen, die den Taubstummen aus seiner Isolation herausholen, schon so erkannt und so mit den folgenden Worten – übrigens auch zu seiner Zeit schon am 12. Sonntag nach Trinitatis der aktuelle Predigttext – beschrieben: „Das Gute an dieser Historie ist nun dies, dass sie sich des armen Menschen angenommen haben wie ihrer eigenen Not. Damit ist uns ihr Glaube und ihre Liebe angezeigt. Ihre Liebe ist hier so gemalt, dass sie fremde Sorge auf sich nimmt. Sie sehen nicht auf sich, sondern auf den armen Menschen und denken, wie ihm Hilfe werden kann.“

Eine solche wirkliche Heilung des Taubstummen wird wohl keiner erwartet, allenfalls erhofft haben. Aber sie wollten es wohl einfach probieren, die Situation dieses Menschen zu verändern. Ihr Erstaunen wird groß gewesen sein, natürlich auch ihre Freude. Und vielleicht kommt sogar auch so etwas wie Angst, wie Unsicherheit auf: was ist das für einer, der sogar Taube zum Hören und Stumme zum Reden bringen kann? Was sind das für Heilpraktiken, die er beherrscht?

Und so beginnen die Menschen über Jesus zu reden, nicht anders als bei uns heute auch. Trotz des Verbotes, die Sache weiterzuerzählen, wird Jesu Heilung des Taubstummen immer weiter erzählt. Dass die Menschen nicht schweigen können, ist völlig klar, wer kann schon schweigen, wenn es etwas derart Ungewöhnliches erlebt hat? Sie versuchen sich ein Bild zu machen. Sie versuchen herauszubekommen, was dieser Jesus für einer ist; ob er etwa einer von den vielen Wunderheilern ist, die es gibt und deren Methoden sich dann doch nur als Augenwischerei herausstellen oder ob er wirklich etwas bewirken kann.

Fremd erscheint mir das Verhalten der Menschen absolut nicht. Wie oft erleben wir es bis heute immer wieder, dass Menschen auf eine neue Wunderdiät, auf eine neue Wunderheilung, auf ein neues Zaubermittel für Behandlung vertrauen. Nicht wenige warten gerade in diesen Tagen auf ein Medikament, dass helfen kann, diese Zeit und unser gemeinsames Leben wieder in normalere Bahnen lenken kann. Und wie gut ist es, dass sich Forschung nun endlich auch einmal zusammenschließt und viele an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Das unterscheidet sich gerade grundlegend von vielen anderen Erforschungen von „Wundermitteln“, die häufig damit enden, dass Menschen viel Geld für Wunderpillen oder Wunderpulver verlieren, vor allem viel Vertrauen verlieren. Weil es dem Anbieter nur darum geht, sich selbst zu bereichern. Ihm ist es oft nicht wichtig, dem Andern zu helfen.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich denke in unserer Geschichte waren die umstehenden Menschen auch daran interessiert herauszubekommen, was da an diesem Jesus dran war. Was macht er, was kann er, wovon redet er?

Und damit schauen wir auf die dritte Person in dieser Geschichte, nämlich auf Jesus selbst.

Er benimmt sich eigentlich ganz in der Art und Weise der Wunderheiler seiner Zeit. Er nimmt den Kranken erst einmal zur Seite, das heißt für Jesus selbst natürlich auch erst einmal: dieser Mensch, dieser Taubstumme ist mir jetzt wichtig, dieser und kein Anderer. Auch das kennen wir doch von uns selbst: wenn wir mit jemandem etwas wirklich Wichtiges besprechen wollen, dann versuchen wir mit ihm oder ihr allein zu sein. Jesus legt dem Taubstummen dann die Finger in die Ohren und den Speichel auf die Zunge. Mich erinnert das ein bisschen an meine Oma. Wenn ich mir weh getan hatte oder wenn ich gefallen war, dann hat sie manchmal etwas von ihrer Spucke auf ihr Stofftaschentuch genommen, mich leicht damit betupft und mir gesagt, dass jetzt alles wieder gut sei. Eigenartigerweise hat das übrigens meistens funktioniert! Meine Oma war eine sehr fromme Frau, vielleicht hat sie sich ja an diese Geschichte erinnert.

Aber hätten wir uns von Jesus nicht eigentlich eine andere Heilungsweise gewünscht, als die, die alle Wunderheiler seiner Zeit so ähnlich benutzt hatten, eine die ihn eindeutiger als Sohn Gottes identifizierbar gemacht hätte? Eine, die ihn deutlich herausnimmt aus der Menge der Wunderheiler seiner und unserer Zeit. Denn mit dieser Heilungsmethode arbeitet Jesus wie viele andere Heiler seiner Zeit auch, vielleicht bloß als ein besonders guter. Warum macht Jesus die Sache nicht eindeutiger?

Aber er tut es doch! Und das wird eigentlich erst durch das Verbot zu reden deutlich. Denn das sogenannte Schweigegebot –  „Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen“ (V. 36) – macht deutlich, dass Jesus erst als der zu erkennen ist, der er ist, wenn Karfreitag und Ostern geschehen ist. Erst mit seinem Tod und seiner Auferstehung wird Jesus eindeutig aus der Schar der Wunderheiler seiner Zeit herausgenommen und erkennbar werden als Sohn Gottes. Und auch seine Wunder und Taten werden erst von daher ganz verständlich.

Erst dann ist deutlich, dass mit diesem Jesus Gott uns ganz nahe gekommen ist, dass er mit uns geht – bei jedem Schritt an jedem Tag durch unser ganzes Leben.

Und damit ist dann auch klar, warum diese Geschichte bis heute Bedeutung für uns hat. Nicht, weil da irgendwann mal ein Taubstummer geheilt wurde, sondern weil Jesus bis heute Menschen heilen möchte. Weil Jesus bis heute Menschen aus ihrer Isolation herausholen möchte. Nicht körperlich, das ist vorbei. Aber denen möchte er helfen, die sich bei uns verschließen.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir alle kennen sicher gerade auch in diesen Tagen Menschen, die allein sind und isoliert, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder weil sie Angst haben. Heute sind es Menschen mit der Sorge, wie sie sich und andere, die sie lieben, vor einer Infektion schützen können. Aber davor und auch jetzt und heute gibt es Menschen, die sich schon immer isoliert haben, die einen leisen Rückzug angetreten haben, z.B. aus der Angst  vor der Fremdheit der anderen oder vielleicht auch weil sie das Gerede der anderen nicht mehr ertragen. Am Anfang ist da nur der Rückzug. Aber irgendwann ist die Isolation so groß, dass sie sich allein nicht mehr helfen können, dass sie alleine nicht mehr herauskommen.

Da braucht es dann Menschen wie in unserer Geschichte; Menschen, die einen sehen, dem es schlecht geht und ihn mitnehmen, ihn herausholen. Da sind wir alle gefragt. Da können wir die sein, die jemanden sehen und wieder in die Gemeinschaft hereinnehmen. Das kann ganz einfach sein, einfach mal vorbeigehen und sich Zeit nehmen. Nicht nur Gespräche zwischen Tür und Angel führen, sondern ganz allein, abseits, ohne Trubel, mit viel Zeit – und heutzutage auch mit dem nötigen Abstand. Noch etwas kommt dazu:  es kann und es muss auch unser Gebet sein, ein intensives Gebet für jemanden, der uns am Herzen liegt. Am Ende dieses Lesegottesdienstes bitte ich Sie immer darum, die Worte des Segens zu sprechen und dabei auch an diejenigen zu denken, die Sie dabei im Herzen haben! Trauen Sie sich!

Eine alte Geschichte also, aber sie will in unser Leben wirken, weil Gott uns nahe ist. Sie will aber auch durch unser Leben wirken. Deshalb gilt Jesu Wort auch für jede und jeden von uns: Effata – öffne dich!

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Guter Gott und Vater,

du schenkst uns deine Liebe immer wieder neu.

Du schenkst uns mehr als wir erwarten dürfen.

Und so bitten wir dich:

 

Wende ab, was unser Herz erschreckt.

Lass unsere Augen

deine Wunder immer wieder neu sehen.

Lass uns hinsehen, hinhören und mitfühlen,

überall dort, wo du uns hinstellt.

 

Du kannst alles Leben heil machen.

So bitten wir dich:

 

Öffne unsere Ohren,

dass wir dein lebenschenkendes Wort

alle Zeit hören und verstehen,

es annehmen und auch tun können.

 

Öffne uns den Mund,

dass wir dein Lob in diese Welt sagen.

Gott, du sorgst dich um unsere Seele.

Heile die Wunden, die uns schmerzen.

Heile die Wunden, die wir anderen zugefügt haben.

Höre mich, wenn ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und ich lade Sie ein, die Worte zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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