Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 15. Sonntag nach Trinitatis, 20. 09. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch. (1. Petr 5,7)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 127

 Wenn der HERR nicht das Haus baut,

so arbeiten umsonst, die daran bauen.

Wenn der HERR nicht die Stadt behütet,

so wacht der Wächter umsonst.

Es ist umsonst, dass ihr früh aufsteht

und hernach lange sitzet

und esset euer Brot mit Sorgen;

denn seinen Freunden gibt er es im Schlaf.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott und Vater!

Du hast uns eine Sorglosigkeit geschenkt,

die unser Leben reich gemacht hat.

Vieles trauen wir uns gerade nicht,

aber wir wollen dir trauen.

Wir würden gern unser Leben

noch mehr sichern nach allen Seiten

Und werden doch ängstlich und arm.

Wir schaffen es oft nicht,

das Wagnis des Lebens einzugehen,

nämlich Vertrauen zu wagen

und Sorgfalt im täglichen Leben zu üben.

Manchmal sind wir zögerlich und kleingläubig.

Wie gut ist es da,

dass du immer an unserer Seite bleibst.

So bitten wir dich immer wieder neu:

Komm, Herr, komm und bleibe,

erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken,

sondern Gerechtigkeit und Friede

und Freude in dem heiligen Geist.

Wer darin Christus dient,

der ist Gott gefällig

und den Menschen wert.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Gott, du Beschützer aller,

die auf dich hoffen,

wir bitten dich:

Mache uns frei von der Sorge um unsere Zukunft,

dass wir auf dich schauen

und uns alle Zeit auf deine Güte verlassen.

Geh du mit uns auf all unseren Wegen.

Das bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn,

der mit dir und dem heiligen Geist lebt und regiert,

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium:

Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 6, die Verse 25-34

 25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?

26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?

27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch darum sorgt?

28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung? Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.

29 Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.

30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet, das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun, ihr Kleingläubigen?

31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit werden wir uns kleiden?

32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn euer himmlischer Vater weiß, dass ihr all dessen bedürft.

33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen.

34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug, dass jeder Tag seine eigene Plage hat.

Halleluja! Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der Herr über die, die ihn fürchten. Halleluja!     

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung:

Aus dem 1. Buch Mose, Kapitel 2, die Verse 4-9 und 15

(auch Predigttext)

 4 Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.

5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute;

6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land.

7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

8 Und Gott der HERR pflanzte einen Garten in Eden gegen Osten hin und setzte den Menschen hinein, den er gemacht hatte.

9 Und Gott der HERR ließ aufwachsen aus der Erde allerlei Bäume, verlockend anzusehen und gut zu essen, und den Baum des Lebens mitten im Garten und den Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen. 15 Und Gott der HERR nahm den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, dass er ihn bebaute und bewahrte.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich weiß nicht wie es Euch geht. Aber die Erzählungen von der Erschaffung der Welt gehörten auf jeden Fall fest zu den Geschichten, die schon in meiner Kindheit meine Phantasie beflügelt haben. Im Kindergarten, in der Schule, im Kindergottesdienst habe ich diese Geschichten gehört, gemalt, besungen und natürlich auch erzählt bekommen.

Jede Kultur, jede Religion hat sich durch alle Zeiten eine Vorstellung davon bewahrt, in der die Entstehung der Welt und auch die Erschaffung des Menschen ins Bild gesetzt werden. Und oft haben wir dabei gedacht, die uns vertrauten biblischen Geschichten darüber und auch unsere religiösen Vorstellungen stünden heute im Widerspruch zu den bekannten wissenschaftlichen Erklärungen darüber. Auch im Konfirmandenunterricht in der vergangenen Woche  – wegen der Pandemiezeit fand er sehr konzentriert als Videokonferenz statt – ging es genau um dieses Thema. Stimmen denn die biblischen Geschichten, wenn wir die Biologie und die bekannten Ergebnisse dagegen setzen? Genau so fragten junge Menschen.

 

Aber liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die biblischen Schöpfungsberichte wollen uns doch gar nicht die Frage nach der Entstehung des Universums und der Entwicklung der Arten beantworten. Nein, die biblischen Geschichten geben auf – wie ich finde – wunderbare Weise darüber Auskunft, was der Mensch ist und was es bedeutet, auf der Welt zu sein und das Leben zu haben. Darum geht es den biblischen Erzählungen zu allererst. Deshalb ist es auch als eine Verstehenshilfe zu begreifen, dass die Bibel mit zwei Schöpfungsberichten beginnt, die gleich am Anfang ganz unterschiedliche Akzente setzen.

Die Bibel, wie wir sie kennen, beginnt mit der Erzählung von den Schöpfungstagen. Das ist die eine, die erste Schöpfungsgeschichte. Die Welt in sieben Tagen, ein Nacheinander von der Erschaffung des Himmels bis hin zur Schöpfung des Menschen und dem 7. Tag als dem Tag, an dem er sein Werk vollendet und dann ruht.

Und dann wird eine andere, eine zweite  Schöpfungsgeschichte erzählt. Eine Erzählung, in der es um den einen Menschen geht – Adam –, was schlicht und einfach übersetzt Mensch heißt, ein Mensch, der beispielhaft für uns alle steht.  Es geht um das Leben – das wir auf denkbar vielgestaltige Art und Weise haben.

Die Zeitangabe „Es war zu der Zeit, da Gott der HERR Erde und Himmel machte.“ in V. 4 zeigt uns noch einmal, dass es den vielen Generationen, die diese Geschichten seit dem 12. Jahrhundert vor Christus weitererzählt haben, eben nicht um ein konkretes Datum ging, um eine historische Begebenheit. Nein, sie wollten uns eine Geschichte überliefern, eine Lebensgeschichte, die die Lebensgeschichte aller Menschen für alle Zeiten ist.

Die Verse aus dem 2. Kapitel des 1. Buch Mose erzählen, anders als die vorausgehende Schilderung der Schöpfung der Welt in sieben Tagen, eben kein Nacheinander von der Erschaffung des Himmels und der Erde bis hin zur Schöpfung des Menschen und dem 7. Tag als dem Tag, an dem Gott sein Werk vollendete und dann ruhte. Es werden nicht etwa die einzelnen Bestandteile der Welt nacheinander hergestellt und von Gott für sehr gut befunden, unser Schöpfungsbericht kreist vielmehr allein um den Menschen. Ausdrücklich heißt es: „5 Und alle die Sträucher auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und all das Kraut auf dem Felde war noch nicht gewachsen. Denn Gott der HERR hatte noch nicht regnen lassen auf Erden, und kein Mensch war da, der das Land bebaute; 6 aber ein Strom stieg aus der Erde empor und tränkte das ganze Land.

Und nun wird es eben besonders interessant. Die Voraussetzung für das Leben ist von Beginn an da, z.B. das Wasser als Lebenselixier des Menschen. Gott selbst  trifft hier gewissermaßen Vorsorge, noch bevor er den Menschen selbst erschaffen hat. Die Welt kommt dem Menschen schon lebensfreundlich entgegen. Gott schafft das, was er für das Leben unabdingbar zuerst braucht – eben das Wasser. Und wenn wir heute bedenken, dass immer noch und ungebrochen sauberes und trinkbares Wasser Grundbedingung für das Leben ist, auch für das jedes einzelnen Menschen, wenn wir dann noch schauen, was da alles im Wasser herumschwimmt, weil wir es dorthin entsorgt haben, dann ist das Verständnis des Menschen von der Schöpfung Gottes ernsthaft infrage gestellt. Da, wo wir den Wert des Wassers nicht mehr zu schätzen wissen, dort, wo wir die Achtung davor verlieren, stellen wir unsere Art zu leben infrage und blenden die Konsequenzen einfach aus. So wird es nicht dauerhaft weitergehen können!

Doch bleiben wir beim biblischen Schöpfungstext. Die Schöpfung des Menschen wird darin dann auch ganz lapidar, ganz kurz und knapp erzählt. 7 Da machte Gott der HERR den Menschen aus Staub von der Erde und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase. Und so ward der Mensch ein lebendiges Wesen.

Der Mensch ist hier selbst Teil der Natur, von der er leben wird: Erde vom Acker. Erst dann, im weiteren Verlauf der Erzählung gewinnt dieser menschliche Rohstoff eine problematische Bedeutung und wird vom Leben spendenden Nährboden zum Symbol für den Kreislauf der Vergänglichkeit. „Denn Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück“ (1 Mose 3, 19b), wird Gott später zu Adam sagen. Nämlich erst nach dem Sündenfall ist das Ende des Lebens in die Erzählung eingetragen. Hier, am Anfang zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte, ist davon noch keine Rede. Gott bläst dem Menschen das Leben ein. Er gibt ihm den Atem und damit ist dieser erste Mensch nicht nur Staub, und nicht nur ein beseelter Leib, sondern von Beginn an ein Wesen vor Gott. Ja sogar Gott ähnlich.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Genau darin liegt die Pointe der Schöpfung des Menschen: Der Mensch hat sein Leben von Gott. Deshalb ist er niemals ohne Gott, sondern stets ein Mensch vor Gott. Der Mensch steht im Mittelpunkt der Schöpfungsgeschichte, aber doch nicht selbstherrlich, sondern immer so, dass er stets von Gott umgeben ist, der ihn umsorgt und umhegt; ihm das Leben schenkt, ohne ihn sich selbst zu überlassen. Der Garten Eden, von Gott geschaffen und bebaut, in den er den Menschen setzt, ist das Symbol für einen vollkommenen Lebensraum, den Gott für den Mensch schafft, noch ehe der Mensch selbst irgend etwas bebauen kann.

Genau diese umfassende Sorge für den Menschen, diese Fürsorge Gottes hat Martin Luther viel später so sehr beeindruckt, als der den gnädigen Gott für sich entdeckt hat und als er begann, die Bibel zu übersetzen. In seiner Erklärung des ersten Artikels des Glaubensbekenntnisses entfaltet er es, wenn er sagt:

„Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde. Was ist das? Ich glaube, dass mich Gott geschaffen hat samt allen Kreaturen, mit Leib und Seele, Augen, Ohren und alle Glieder, Vernunft und alle Sinne gegeben hat und noch erhält: dazu Kleider und Schuh, Essen und Trinken, Haus und Hof, Weib und Kind, Acker, Vieh und alle Güter; mit allem, was not tut für Leib und Leben, mich reichlich und täglich versorgt, in allen Gefahren beschirmt und vor allem Übel behütet und bewahrt; und das alles aus lauter väterlicher, göttlicher Güte und Barmherzigkeit“.

Mit allem, was not tut für Leib und Leben – für soziale Gemeinschaft und für Bewahrung vor allem Übel – konkreter und umfassender zugleich kann Schöpfung nicht gedacht sein.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Urgeschichte deutet uns das Leben in seinen Anfängen. Sie antwortet auf die Frage nach dem, was der Mensch ist und was es bedeutet, das Leben zu haben. Und soviel steht fest: Der Mensch als Geschöpf Gottes ist niemals allein. Er ist ein umsorgter und bewahrter Mensch, der sich sein Leben nicht selbst geben und erhalten kann, sondern es von Gott empfangen hat und jeden Augenblick auf Neue empfängt. Und damit ist nicht nur an die nackte Existenz gedacht, sondern an alles, was wir brauchen. Auch noch Kleider und Schuh, wie Luther mit Sinn fürs Detail aufzählt.

Mensch sein, heißt immer auch bedürftig sein: nach Leben und Liebe, nach Nahrung und Kleidung und vielem mehr. Das ist die Bedingung des Menschseins.

Ist die Erzählung über die Schöpfung des Menschen dann nun nicht doch nur ein phantasievoller Traum? So viele Paradiesvorstellungen hat z. B. die bildende Kunst hervorgebracht, in der die Träume vom Garten Eden konkrete Gestalt gewinnen. Wie viel Realität verträgt eigentlich dieses Stückchen Schöpfungsgeschichte?

Schon hier am Anfang der Erzählung klingt an, was dann später in Kontrast treten wird zur Schöpfung Gottes: Bereits hier zu Beginn ist die Rede vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen (V.14). Gott wird dem Mensch verbieten, von diesem einen Baum zu essen und der Mensch – wir kennen die Geschichte – er wird es trotzdem tun: der Sündenfall kommt in die Welt.

Die Erzählung vom Sündenfall tritt aber dann nicht an die Stelle des ersten Teils dieser  Schöpfungsgeschichte, sie ergänzt sie und sie kommentiert diese vielmehr. Beide Erzählungen bleiben aufeinander bezogen. Die eine ist nicht ohne die andere zu lesen.

Die Welt ist eben nur so zu deuten, dass man beide Erzählungen so wie Folien aufeinander legt: Da ist der Garten Eden als das Paradies aus dem wir kommen, das Gott für uns gemacht hat, nach dem wir uns immer sehnen und das unter unserer Welt immer noch durchschimmert. Und ich hoffe sehr, dass wir es niemals ganz verlernen, in dieser Welt immer auch gute Schöpfung Gottes für uns alle zu erkennen und auch dadurch eine Achtung vor dieser Schöpfung wieder neu in uns wachsen lassen!

Hier und da mögen wir es so empfinden können. Aber da ist eben auch der Sündenfall, der hier schon angedeutet ist und der doch auch unser Menschsein bestimmt – zu allen Zeiten.

Keine moralische Verfehlung, nichts anderes als die Realität, so wie sie eben ist, wird am Ende, wenn wir die Geschichte weiterlesen würden, erzählt: erlebte Sinnlosigkeit des Daseins, und letztlich der Tod als stete Bedrohung und als das Ende des Lebens hier auf Erden. Und diese Realität, liebe Schwestern und Brüder, ob wir das wollen oder nicht, sie bleibt unserem Menschsein namentlich eingeschrieben: Adam ist der von Gott in seiner ganzen Bedürftigkeit Umsorgte; und es ist derselbe Adam, der das Leben verlieren wird.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Die Bibel ist eigentlich kein Buch der kleinen Geschichten, der Episoden. Nein, eigentlich bietet sie schon große Erzählungen. Oder genauer gesagt: eine große Erzählung, die über die Schöpfung des Menschen und über den Sündenfall weit hinausreicht. Nicht der Tod des Menschen steht am Ende der biblischen Geschichte, sondern die Auferstehung und das Leben.

Das Leben als Schöpfung am Anfang und das ewige Leben bei Gott als Erlösung am Ende – solch ein Leben ist der rote Faden der biblischen Großerzählung, der sich durch das ganze Buch zieht. Das Leben als ein von Gott geschenktes, das Leben als die Fürsorge Gottes zugunsten von uns Menschen, auch dann noch, wenn wir unser Leben einmal verlieren und zur Erde zurückkehren. Erst von diesem Ende der Erzählung her ist ihr Anfang zu verstehen. Von der Zusage der Neuschöpfung und dem Geschenk neuen und ewigen Lebens her ist der Anfang –die Schöpfung Gottes für uns Menschen – richtig zu verstehen. Die Fürsorge Gottes für den Menschen ist mit dessen Tod nicht zu Ende. Der Mensch ist und bleibt ein Wesen vor Gott, auch über den Tod hinaus. Und Gottes  Liebe bleibt, von der ersten bis zur letzten Geschichte. Sie bleibt – für jede und jeden von uns. Darauf unsere Hoffnung.

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Vater im Himmel,

wir sind dir dankbar,

dass du uns von unseren Sorgen befreien kannst.

Darum dürfen wir dich bitten:

– für die Mühseligen unter uns, denen jeder Tag eine erneute Anstrengung bedeutet,

  • für die Beladenen unter uns, die sich erdrückt fühlen von der Last der Forderungen,
  • für die Trauernden, die nach deiner spürbaren Nähe und Trost suchen,
  • für die jungen Menschen, die oft nicht wissen, wie der Weg in ihre Zukunft aussieht oder ob es ihn überhaupt gibt,
  • die Alten, die Angst haben, krank zu werden, pflegebedürftig, alleingelassen oder einsam zu sein,

–   für uns Gesunde und Zufriedenen, die wir so oft einfach hilflos vor dem Elend anderer dastehen.

Guter Gott und Vater,

höre mich, wenn ich nun in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 14. Sonntag nach Trinitatis, 13. 09. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Psalm 103,2)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 146

 1 Halleluja! Lobe den HERRN, meine Seele! /

2 Ich will den HERRN loben, solange ich lebe, und meinem Gott lobsingen, solange ich bin.

3 Verlasset euch nicht auf Fürsten; sie sind Menschen, die können ja nicht helfen.

4 Denn des Menschen Geist muss davon, / und er muss wieder zu Erde werden; dann sind verloren alle seine Pläne.

5 Wohl dem, dessen Hilfe der Gott Jakobs ist, der seine Hoffnung setzt auf den HERRN, seinen Gott,

6 der Himmel und Erde gemacht hat, das Meer und alles, was darinnen ist; der Treue hält ewiglich, /

7 der Recht schafft denen, die Gewalt leiden, der die Hungrigen speiset. Der HERR macht die Gefangenen frei.

8 Der HERR macht die Blinden sehend. Der HERR richtet auf, die niedergeschlagen sind. Der HERR liebt die Gerechten.

9 Der HERR behütet die Fremdlinge / und erhält Waisen und Witwen; aber die Gottlosen führt er in die Irre.

10 Der HERR ist König ewiglich, dein Gott, Zion, für und für. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar

und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, Jesus Christus,

unser Lob und unser Danken sind oft spärlich.

Lieber weisen wir auf unsere Beschwerden,

unsere Wünsche, unsere zerschlagenen Pläne und Träume.

Oft sehen wir gar nicht mehr,

dass du uns bewahrst,

dass du uns begleitest durch schwere Zeiten,

Manchmal scheinen wir das Gespür dafür zu verlieren

wie gut es uns doch geht,

dass wir keine Not und satt zu essen haben,

dass wir eine Wohnung und Kleider haben

und es doch an nichts fehlt, was zum Leben nötig ist.

Warum nur sind wir oft so undankbar?

Herr, erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Der Herr macht die Gefangenen frei.

Der Herr macht die Blinden sehend.

Der Herr richtet auf, die niedergeschlagen sind.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, unser Gott,

wir lass uns zufrieden und froh leben,

auch wenn vielleicht gerade vieles uns beschwert.

Wir sind mit allem gesegnet,

was zum äußeren Leben gehört.

Wir haben Menschen in unserer Nähe,

vielleicht aber auch in der Ferne,

die uns lieben und zu uns stehen.

Um etwas aber bitten wir dich:

Gib uns die Zufriedenheit der Seele

und ein dankbares Herz

durch unseren Herrn Jesus Christus.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 8, Verse 14-17:

 14 Denn welche der Geist Gottes treibt, die sind Gottes Kinder.

15 Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch abermals fürchten müsstet; sondern ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, durch den wir rufen: Abba, lieber Vater!

16 Der Geist selbst gibt Zeugnis unserm Geist, dass wir Gottes Kinder sind.

17 Sind wir aber Kinder, so sind wir auch Erben, nämlich Gottes Erben und Miterben Christi, da wir ja mit ihm leiden, damit wir auch mit ihm zur Herrlichkeit erhoben werden.

Halleluja! Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Halleluja!    

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 1-10:

(auch Predigttext)

 1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.

2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich.

3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt.

4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerfeigenbaum, um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.

5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren.

6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden.

7 Da sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt.

8 Zachäus aber trat herzu und sprach zu dem Herrn: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.

9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist ein Sohn Abrahams.

10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! liebe Leserinnen und Leser!

Ich lade heute einmal dazu ein, auf diesen Zachäus zu schauen; und zwar so, als ob wir versuchen in ihn hineinzuschlüpfen, so als ob wir ihn eher von innen heraus zu verstehen suchen. Vielleicht kommt uns dieser Mensch Zachäus dadurch etwas näher. Mir ist es so gegangen, als ich mich mit diesem wohl eher kleinen Mann beschäftigte. Gedanklich war ich auf einmal an diesem Morgen in Jericho. Und ich schaue ihn an – den Zachäus.

Endlich ist er ganz oben. Leicht war es nicht. Aber jetzt hat er es geschafft. Zachäus rückt auf dem Ast hin und her, bis er einigermaßen bequem sitzt. Ja, hier oben hat er einen ganz guten Überblick. Hoffentlich hat ihn niemand bei seiner Klettertour auf den Baum beobachtet. Ein bisschen peinlich ist es schon. Schließlich ist er eine Amtsperson und lebt davon, dass die Leute ihn respektieren und auch ein wenig fürchten. Als Oberzöllner braucht er das. Er bestimmt den Wegezoll hier in Jericho, er legt die Pachthöhe der Bauern fest. Die Leute maulen zwar über ihn, aber aufzubegehren trauen sie sich doch nicht. Er handelt schließlich im Auftrag der römischen Besatzungsmacht. Und mit denen sollte man sich besser nicht anlegen.

Zachäus kann ja verstehen, dass die Leute murren: Warensteuer, Brückensteuer, Wegezoll, Ernteabgaben, Importsteuern, Exportsteuern, Mieten und wer weiß was noch. Wer hat da noch den Durchblick – und wer soll das alles bezahlen?

Aber wenn Zachäus einmal versucht, den Leuten zu erklären, dass er selber auch nur ein Rad im großen Getriebe sei, dann will niemand ihm zuhören. Sie meiden ihn. Er selbst findet das ungerecht. Die Römer verlangen von ihm eine festgesetzte Steuersumme im voraus – und er kann dann sehen, wie er sie wieder hereinbekommt – plus Aufschläge für den eigenen Lebensunterhalt. Zum Glück ist der Standort hier in Jericho wirklich nicht schlecht: die Haupthandelsstraße zwischen dem Ost- und dem Westjordanland wirft einiges ab. Er hat es geschafft. Zachäus ist, was seine Möglichkeiten angeht, ganz oben. Ein Oberer der Zöllner. Oberzöllner. Wohlhabend. Respektiert. Unbeliebt.

Zachäus gibt sich da keinen Illusionen hin: Die Leute achten ihn wegen seines Amtes. Als Privatperson, außerhalb seiner Amtsgeschäfte da ist er ein Niemand. Das hat er heute am Morgen wieder einmal überdeutlich zu spüren bekommen. Ursprünglich war er einer der ersten gewesen, die an der Zollstation davon gehört hatten, dass Jesus von Nazareth nach Jericho kommen sollte. Aber obwohl Zachäus einer der ersten an der Straße gewesen war, hatten ihn die anderen wie unabsichtlich, aber konsequent abgedrängt. Die meisten waren größer und breiter als er, und hier war eben nicht die Zollstation. Zu guter Letzt hatte er in der hintersten Reihe gestanden, die anderen alle vor ihm, Schulter an Schulter. Damit nicht genug, sie raunten sich auch noch Kommentare zu – wie: „Findest du nicht auch, dass es hier schlecht riecht? Muss irgendwo ein Zöllner stecken…“

Aber Zachäus weiß sich immer zu helfen. Er will diesen Jesus sehen. Er will wissen, was es mit ihm auf sich hat. Propheten und Prediger gibt es viele, täglich ziehen sie auf der Straße hinauf nach Jerusalem. Aber bisher hat Zachäus noch nie einen getroffen, zu dessen Freundeskreis auch Zöllner gehörten. Im Gegenteil: Die meisten hielten an der Zollstation an, um eine extra gewürzte donnernde Gerichtspredigt über die Zöllner zu halten, die sich mit den römischen Hundesöhnen verbünden, um das eigene Volk auszusaugen.

Dieser Jesus aus Nazareth scheint aus einem anderen Holz geschnitzt: Zachäus war mehr als erstaunt zu hören, dass Jesus den Zöllnerkollegen Levi vom Zollhaus weg als einen seiner Apostel engagiert hatte (s. Lukas 5, 27-32). Nicht, weil er ihm gedroht hätte mit furchtbaren Strafen, sondern weil er ihn, diesen Levi, offensichtlich bei sich haben wollte.

Wer ist dieser Jesus? denkt Zachäus und rückt erneut auf seinem Ast zurecht: Ich will ihn sehen. Vielleicht ist es gar nicht schlecht, von hier oben den ganzen Trubel zu verfolgen. Direkt an der Straße wäre manche Überraschung möglich. Was würde ich sagen, wenn er mich plötzlich mitnehmen wollte? Mein Leben, das ich mir so mühsam aufgebaut habe, aufgeben? Ich weiß nicht… Ach, Unsinn, er kann ja nicht alle Zöllner abwerben und mit ihnen durchs Land ziehen. Es ändert auch nichts: wo ein Zöllner verschwindet, bewerben sich fünf andere um den Posten. Man ist zwar nicht beliebt, aber man hat etwas zu beißen. Von Beliebtheit kann keiner satt werden.

Andererseits: Das kann doch nicht alles gewesen sein in meinem Leben. Ich bin ganz oben, gewiss. Ich habe mein Auskommen, die Sorgen halten sich in Grenzen, die Kinder sind aus dem Gröbsten raus. Soll das meine Hoffnung sein: dass es so weitergeht wie bisher? Wenn ich jetzt schon ganz oben bin – kann’s eigentlich nur noch bergab gehen. Ich glaube, ich weiß selber nicht, was ich will. Ich kann doch mein Leben nicht einfach aufgeben. Aber ich kann auch nicht einfach so weitermachen wie bisher. Nur satt sein reicht doch nicht. Ich möchte diesen Jesus sehen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das könnten die Gedanken von Zachäus vor der Begegnung mit Jesus gewesen sein. Und dann? Dann wird Zachäus angesprochen, genau von diesem Jesus: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. (Lk 19,5) Jetzt stelle ich mir den aufgeregten Zachäus vor: den, dessen Herz bis zum Hals schlägt.

Ich? Ich soll vom Baum runterkommen? Meinst du wirklich mich? Aber wieso, um Himmels willen? Hier sind doch Hunderte von anderen Leuten – warum gerade ich? Also gut, ich komme. Ja, ich bin schon da. Natürlich können wir in mein Haus gehen, bitte hier entlang, es ist nicht weit: nur hier die Gasse hinunter, gleich das zweite Haus rechts. Bitte kommt mit. Ich muss um Entschuldigung bitten, ich war natürlich nicht darauf gefasst, es ist nichts vorbereitet. Aber ich habe natürlich etwas da, nur einen kleinen Moment.

Zachäus wird voller Aufregung hin und her gelaufen sein:

Bitte setzt euch, man wird euch gleich die Füße waschen… Auf Leute, schnell, Getränke, bringt Feigen und Oliven, Brot und Wein…

Zachäus schaut aus seinem Haus hinaus auf die Straße und stutzt.

Verzeih, Herr, aber die Leute draußen machen mich ein wenig nervös. Was werden sie von dir denken, dass du bei einem Zöllner einkehrst? Und was werden sie von mir denken? Was? Ich soll mich nicht kümmern und mich endlich hinsetzen? Ja, Herr, verzeih, ich bin ein wenig aufgeregt.

Zachäus eröffnet das Mahl als Hausherr.

„Gelobt sei Gott, unser Schöpfer, der uns Brot schenkt, Früchte und Wein: Dank sei Gott!“ Greift nur zu, es ist genug da. Herr, ich weiß, dass ich zu viel rede, wenn ich aufgeregt bin, aber erlaube mir… Ich sehe, du lächelst – das ist gut. Weißt du, seit Jahren waren keine wirklichen Gäste in meinem Haus. Der ein oder andere Kollege gewiss, aber das ist doch wenig, immer nur mit seinesgleichen zusammenzukommen. Wirkliche Gäste seid ihr: ihr erwartet von mir keine Vorteile, kein Protegieren im Beruf, keine Fürsprache bei den Vorgesetzten. Sonst esse ich, und wenn ich satt bin, stehe ich auf. Aber heute? Dass wir miteinander essen, trinken und reden – es bedeutet mir soviel mehr! Weißt du, was mir aufgefallen ist, Jesus? Wir haben kein einziges Wort über meine Arbeit verloren. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Alle sehen in mir nur den Oberzöllner. Ich selbst oft auch. Ich weiß gar nicht mehr, wer Zachäus als Mensch ist. Wer bin ich, was bin ich – außer Zöllner? Ich bin doch auch ein Mensch, ich habe Gefühle. Immer muss ich funktionieren, muss bei den Römern geschickt taktieren und verhandeln. In der Zollstation darf ich mir keine Blöße geben. Lieber kein persönliches Wort verlieren, es könnte jemand ausnutzen. Weißt du, Jesus, dass ich mich heute zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wirklich gefreut habe? Das war, als ich auf dem Baum gemerkt habe, dass du mit mir sprichst, dass du mich anschaust, dass du mich meinst. Die Leute am Zoll gucken auf meine Hände, meine Kleidung, auf ihr Geld. Du bist der erste seit langer Zeit, der mir in die Augen geschaut hat. Und dem ich in die Augen schauen konnte. Ich wollte von dir kein Geld, und in deinen Augen war nicht nur Hass und Verachtung zu lesen.

Weißt du – ich glaube nicht, dass ich darauf wieder Jahre warten könnte. Ich glaube nicht, dass ich darauf wieder verzichten könnte. Ich glaube nicht, dass morgen alles so sein kann wie gestern. Jesus – ich möchte dir ein Geschenk machen. Kein übliches, wie bei anderen Leuten. Ich möchte dir etwas ganz Besonderes schenken. Ich werde dir schenken, dass ich den Menschen, die ich am Zoll über die Maßen geschröpft habe, ihr Geld vierfach zurückerstatte – genau so wie es im Gesetz des Mose steht. Und ich werde die Hälfte meines Besitzes an die Bedürftigen geben.

Jesus, ich habe es heute gelernt, habe es neu gespürt: solange ich Angst habe um mich und meine Sicherheit und meinen Besitz, kann ich überhaupt niemandem wirklich in die Augen schauen. Egal, wen ich sehe: ich denke immer nur an mich. Wenn ich die Menschen am Zoll sehe, denke ich nur daran, wie viel ich verlangen kann. Es muss doch mehr geben im Leben als nur meine Sorge um mich selbst. Weißt du was, Herr? Als wir miteinander gegessen haben, habe ich gespürt, dass du dich um mich sorgst. Das hat so gut getan. Ich habe bisher immer gedacht, ich wäre der Einzige, der sich um mich sorgt. Ich habe noch eine Idee: Bisher steht draußen an meinem Haus geschrieben: „Zachäus, Oberzöllner“. Ja, damit habe ich ein bisschen angegeben. Es sollte auch die vielen Bettler abschrecken. Ich werde es ändern – du hast eben selbst gesagt, auch ich sei Abrahams Sohn. Also – ich werde „Oberzöllner“ überpinseln und darunter schreiben: „Abrahams Sohn“.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht ist das ja auch etwas für uns alle – in jedem Haus, in jeder Gemeinde. Gerade auch in diesen Tagen ist es unendlich wertvoll, sich immer wieder daran zu erinnern. Schreibt es euch auf und hängt es euch an die Pinnwand, legt es auf den Schreibtisch oder auf das Bügelbrett oder klebt es an euren Computer: „Ich bin gemeint. Gott will bei mir einkehren! Gott will mein Gast und Freund sein!“ Und wenn dann wieder so ein Tag kommt, an dem wir das Gefühl haben, wir müssen nur funktionieren und dies und das tun, was jeden Tag getan werden muss, dann schauen auf das Schild, schauen auf unser Blatt und freuen uns: Gott ist da – mitten im meinem Leben. Er nimmt mich, so wie ich bin. Aber ich muss ja vielleicht – Gott sei Dank – gar nicht so bleiben. Und er ist bei mir, wo ich auch bin. Das beruhigt, wenn wir uns in diesen Tagen vielleicht nicht so unbeschwert treffen und sehen können, wie wir es vor Monaten noch gewohnt waren. Gott ist da, in jedem Haus, er ist bei allen, er sucht und findet uns. In ihm bleiben wir verbunden. Heute und alle Zeit. Amen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 

Fürbittgebet

Guter Gott und Vater,

so viele Menschen unserer Tage

sind unzufrieden mit dem, was sie haben.

Sie haben sich das Klagen und Jammern über das angewöhnt,

was ihnen fehlt.

Das, was sie in Händen halten,

die Geschenke deiner Güte, sehen sie nicht.

Gott, rühre ihr Herz an, dass sie dankbar werden.

 

Guter Gott und Vater,

so viele Menschen aber

haben wirklich nicht genug.

Sie wissen heute nicht,

wie sie den morgigen Tag bestehen sollen.

Wenn wir ihnen nicht helfen,

dann bleiben sie allein mit ihrer Not.

Gott, rühre unser Herz an,

dass wir dankbar werden

und anderen Menschen von dem abgeben,

was wir aus deinen guten Händen nehmen dürfen.

 

Guter Gott und Vater,

wir haben genug.

Vielleicht sind wir nicht besonders reich,

nicht vermögend,

haben nicht viel Macht oder Einfluss.

Und doch sind wir bevorzugt unter den Menschen.

Wir dürfen sicher leben,

auch wenn wir vielleicht sorgenvoll in die Zukunft blicken.

Gott, rühre unser Herz an,

dass wir dankbar werden und bleiben,

um das rechte Maß für unser Leben wiederzufinden.

Wir wollen niemals vergessen,

dass wir alle aus deiner Gnade leben.

Guter Gott und Vater,

höre mich, wenn ich nun in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 13. Sonntag nach Trinitatis, 06. 09. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Christus spricht: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 112

 

1 Halleluja! Wohl dem, der den HERRN fürchtet, der große Freude hat an seinen Geboten!

2 Sein Geschlecht wird gewaltig sein im Lande; die Kinder der Frommen werden gesegnet sein.

3 Reichtum und Fülle wird in ihrem Hause sein, und ihre Gerechtigkeit bleibt ewiglich.

4 Den Frommen geht das Licht auf in der Finsternis, gnädig, barmherzig und gerecht.

5 Wohl dem, der barmherzig ist und gerne leiht und das Seine tut, wie es recht ist!

6 Denn er wird niemals wanken; der Gerechte wird nimmermehr vergessen. 7 Vor schlimmer Kunde fürchtet er sich nicht; sein Herz hofft unverzagt auf den HERRN.

8 Sein Herz ist getrost und fürchtet sich nicht, bis er auf seine Feinde herabsieht.

9 Er streut aus und gibt den Armen; / seine Gerechtigkeit bleibt ewiglich. Sein Horn wird erhöht mit Ehren.

10 Der Frevler wird’s sehen und es wird ihn verdrießen; / mit den Zähnen wird er knirschen und vergehen. Denn was die Frevler wollen, das wird zunichte.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

 

Herr, unser Gott!

Du lässt uns deine Freundlichkeit erfahren

– jeden Tag neu.

Wir nehmen deine Gaben meist ganz selbstverständlich an.

Wir behaupten deine Gnade und Güte als unser Recht.

Aber wir sind nur selten bereit,

durch uns selbst andere

etwas von deiner Güte und Gnade spüren zu lassen.

Im Umgang miteinander fehlt es uns oft an Geduld.

Wir geben die Liebe nicht weiter,

mit der du dich uns zuwendest.

So, bitten wir: Komm, und erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott gibt uns nicht auf. Niemals!

Er wendet zum Guten, was wir versäumt haben.

Seine Liebe ist größer als unsere Schuld.

Darum können wir uns freuen und sprechen:

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

 

Guter Gott und Herr,

dein Wort will uns die Richtung weisen,

damit wir nicht umherirren und ohne Orientierung sind.

Darum sammle jetzt unsere Gedanken

zu dir hin, dass wir zur Ruhe kommen

aus der Unruhe und den Sorgen unseres Alltages.

Dann wird deine Liebe uns verändern

und neue Anfänge schenken.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 6, Verse 1-7:

 1 In diesen Tagen aber, als die Zahl der Jünger zunahm, erhob sich ein Murren unter den griechischen Juden in der Gemeinde gegen die hebräischen, weil ihre Witwen übersehen wurden bei der täglichen Versorgung.

2 Da riefen die Zwölf die Menge der Jünger zusammen und sprachen: Es ist nicht recht, dass wir das Wort Gottes vernachlässigen und zu Tische dienen.

3 Darum, liebe Brüder, seht euch um nach sieben Männern in eurer Mitte, die einen guten Ruf haben und voll Geistes und Weisheit sind, die wollen wir bestellen zu diesem Dienst.

4 Wir aber wollen ganz beim Gebet und beim Dienst des Wortes bleiben. 5 Und die Rede gefiel der ganzen Menge gut; und sie wählten Stephanus, einen Mann voll Glaubens und Heiligen Geistes, und Philippus und Prochorus und Nikanor und Timon und Parmenas und Nikolaus, den Proselyten aus Antiochia.

6 Diese stellten sie vor die Apostel; die beteten und legten ihnen die Hände auf.

7 Und das Wort Gottes breitete sich aus, und die Zahl der Jünger wurde sehr groß in Jerusalem. Es wurden auch viele Priester dem Glauben gehorsam.

Halleluja! Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen! Halleluja!

  

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 10, die Verse 25-37:

(auch Predigttext)

 25 Und siehe, da stand ein Gesetzeslehrer auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe? 26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz geschrieben? Was liest du?

27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und mit all deiner Kraft und deinem ganzen Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5. Mose 6,5; 3. Mose 19,18).

28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.

29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?

30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und machten sich davon und ließen ihn halb tot liegen.

31 Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.

32 Desgleichen auch ein Levit: Als er zu der Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.

33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war, kam dahin; und als er ihn sah, jammerte es ihn;

34 und er ging zu ihm, goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.

35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn; und wenn du mehr ausgibst, will ich dir’s bezahlen, wenn ich wiederkomme.

36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der Nächste geworden dem, der unter die Räuber gefallen war?

37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu desgleichen!

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

„Meister, was muss ich tun, dass ich das ewige Leben ererbe?“(V.25) Der Schriftgelehrte in der Geschichte sorgt sich. Er rechnet mit einer Möglichkeit, mit der heute kaum noch jemand rechnet. Er rechnet nämlich damit, dass der heilige und allmächtige Gott neben dem Himmel, in dem er ewig leben könnte, offensichtlich noch eine andere Möglichkeit bereithält. Manche nennen es vielleicht Hölle. Auf jeden Fall ahnt er irgendwie, dass ewiges Leben ihm nicht einfach so und automatisch zufallen könnte, sonst würde er nicht so fragen. Nein, er rechnet offensichtlich auch mit der Möglichkeit, dass sein Leben nicht an das Ziel gelangt, das Gott für ihn gedacht hatte. Er bedenkt wenigstens theoretisch die Gefahr, er könne Sinn und Ziel seines Lebens verfehlen und so eben nicht in ewigem Frieden mit und bei Gott ankommen; er könne vielmehr in der Hölle landen, in der Ferne von Gott, in einer verfluchten Unzufriedenheit und in ewig fortdauernder Suche nach Erfüllung, nach Heil mitten in endlosem Unheil, in dem es keine Zukunft, kein Hoffen mehr gibt.

So könnte es gewesen sein. Aber vielleicht hatte er doch etwas anderes vor. So ganz ernst rechnete schon damals auch der Schriftgelehrte wohl doch nicht mit dieser Möglichkeit. Eigentlich will er Jesus nur auf’s theologische Glatteis führen, um nach langer, hochgeistiger Diskussion selbstgerecht sagen zu können: „Ich hab’s ja gleich gewusst: mit dem Glauben ist es eine sehr unsichere Sache; beweisen kann man hier nichts; also lässt man als aufgeklärter Denker gleich die Finger davon und lebt nach eigenen Ideen und Vorstellungen, bis dann eben der Tod kommt. Irgendwie wird es dann schon gut weiter gehen.“ Nicht wenige denken auch heute so ähnlich.

Der Schriftgelehrte fragt Jesus, um einen Grund zu haben, nicht glauben zu müssen, um sich nicht an Jesus Christus binden zu müssen, eben unentschieden einem sogenannten individuellen Glauben ohne Gemeindebindung, und herrisch bestimmenden Gott leben zu können. Er möchte sich Gott eigentlich vom Leibe halten. Er will keinen ihn bindenden Glauben, oder gar eine neue Glaubenslehre haben. Er will sich nicht in eine Gemeinschaft von Glaubenden einbinden lassen, gar täglich Gottes Wort hören und beachten, oder zu Gott beten, gar noch vor jedem Essen und mit Gästen. Er will mit dem Gespräch mit Jesus sein selbstherrliches sowieso schon schriftgelehrtes Gewissen beruhigen. Aber –  im Innersten ist er, finde ich, ziemlich  unsicher, ob es nicht doch ein verfehltes Leben geben könnte, ob nicht doch Jesus der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, ob es nicht auch für ihn ein „Zu-spät“, ein „Aus-und-vorbei“ bei Gott geben könnte.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Millionenfach läuft dieser Schriftgelehrte heute noch in unseren Landen herum, auch unter uns und manchmal sogar in uns selbst. Der „Suchende“, der „religiöse Mensch“ wird er heute genannt. Aufgeschlossen ist er für alle Glaubensrichtungen, für alle Lebensformen, offen für alle Ideen, die seinem Leben Sinn versprechen. Und er fragt immer noch und immer noch ganz unsicher: „Was muss ich denn nun Deiner Meinung nach tun, um das Ewige Leben zu ererben?“ – Bei allem Fragen aber will auch er eines nicht: Er will sich nicht wirklich festlegen! Er will mit der Vielzahl von Antworten die Bestätigung dafür, dass es doch keine letztgültig wahre Antwort, keine letzte Sicherheit in dieser Frage gibt. Und so muss er sich vernünftigerweise auch nicht auf eine Glaubensrichtung, nicht auf „die Wahrheit“ festlegen.

Schauen wir aber auf Jesus! Jesus lässt sich da auf gar keine Diskussion ein. Jesus weiß ja, wie schwer es uns Menschen fällt, uns an Gott zu binden, Gott zu gehorchen, festgelegt zu sein auf einen Herrn, der mir eigentlich unverfügbar ist. So etwas ist manchen Menschen von heute höchst zuwider. Und es ist wohl auch ein Grund, warum Menschen sich von Gott abwenden. Jesus weiß, dass wir am liebsten unabhängig und frei leben. Und er weiß auch, dass uns das am Ende doch nicht zufrieden macht, dass uns die letzte Bindung in solch einem Leben fehlt. Er weiß, dass uns Klarheit und Wahrheit im Glauben oft abhanden gekommen sind. Und Jesus weiß auch, dass wir dies im Innersten ja selbst wissen, es aber nicht wissen wollen, weil wir es sonst ändern müssten, ändern eben mit der persönlichen Bindung an Gott, mit der ganzen, ehrlichen Liebe zu Gott und seinem Wort und Willen.

So holt Jesus dieses tiefe Wissen in uns allen mit der einfachen Rückfrage ins Bewusstsein des Schriftgelehrten zurück: „Schau, Du weißt doch, was in der Schrift steht, was Gott will. Er will doch nur das Eine von dir“. Und der Schriftgelehrte, der religiöse Mensch, sagt es dann auch sofort ganz schön brav auf: „Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem Gemüt, und deinen Nächsten wie dich selbst.“ (V.27) Also – der Schriftgelehrte weiß es ja doch! Er kennt den Weg zum Himmel genau: Gottesliebe und Nächstenliebe! So einfach ist das. „Du hast recht geantwortet; tu das, so wirst du leben.“ (V.28) sagt ihm Jesus.

Und nun fragt der Schriftgelehrte weiter und mit ihm auch wir: „Wer ist denn mein Nächster?“ (V.29) So klar ist das doch gar nicht immer! Ist es mein Nachbar? Ist es mein Mann, vor dem ich den Respekt verloren habe, weil er keine Arbeit hat und findet? Sind es die Kranken und Alleingelassenen, die ich sehr wohl kenne, zu denen ich aber meinen Kontakt vermeide? Oder sind es die vielen namenlosen Menschen, die hierherkommen, weil sie alles verloren haben, die denen Krieg und Terror nur noch Angst in die Seele gepflanzt haben und sie sich bei uns Frieden und Ausruhen erhoffen und die hier so behandelt wären, als wären sie allesamt die gleichen Verbrecher und Menschen, die uns alles nehmen würden; die hier eingesperrt werden müssen, damit wir ihr Leben hier vor einem braunen Pöbel und so vielen unsäglichen verblendeten Nachläufern und Nachplapperern schützen müssen.

Wir müssen uns das mal klar machen: die meisten – unter ihnen die Unehrlichen einmal abgezogen – fliehen vor Krieg und Terror und landen hier hinter Stacheldraht und Zäunen, oft nicht sicher, ob ihre Unterkunft nicht in der Nacht in Flammen steht. Es ist beschämend. Und es ist beschämend, wie viele sich von der Hetze auch nur im kleinsten innersten Funken anstecken lassen.

Ich kann allen, die das nun lesen, nur empfehlen, einmal einen einzigen Tag bei Pfarrer Pick im Ausländerpfarramt unseres Kirchenkreises zu verbringen, um zu sehen, welche Dramen sich dort Tag für Tag abspielen, welche unglaublichen und unsagbar traurigen Geschichten dort jeden Tag erzählt und vor allem endlich auch einmal angehört werden. Gott sei es gedankt, sind es hier bei uns so viele, die sich ehrenamtlich für verfolgte Menschen einsetzen, dass es dort ganz klar und gar keine Frage ist, wer denn der Nächste ist.

Und doch, die Haltung des Schriftgelehrten ist auch heute noch eine immer ganz weit verbreitete. Er denkt: Bevor nicht genau klar ist, wer mein Nächster ist – und Jesus soll mir das bitte erst einmal klarmachen – vorher bin ich zur Tat der Liebe auch nicht verpflichtet, da mach’ ich lieber gar nichts. Ich könnte ja dem Falschen helfen, und wieder wäre ich der Dumme. So mag es dem Schriftgelehrten oder auch manchmal uns modernen Menschen schon durch den Kopf geschossen sein.

Jesus aber lässt sich wiederum nicht auf theologische Problemdiskussionen ein. Er erzählt vielmehr eine Geschichte. Viele kennen sie oder haben sie etwas weiter oben seit Längerem wieder einmal gelesen: Zwei Männer, die im Dienste Gottes stehen, gehen an dem Geschundenen und womöglich hilflos und unschuldig Sterbenden vorüber. Ein Mann einer verachteten Volksgruppe sieht den Überfallenen, geht zu ihm und hilft.

Zwei Menschen, die in all ihrem Handeln darauf bedacht sind, das Gute zu tun und nur ja nichts zu versäumen, was ihnen vor Gott Pluspunkte einbringt und die doch blind sind für das Notwendige. – Der eine, dem man nachsagt, dass er es mit Gott und dem Glauben gar nicht so genau nimmt, der tut das Naheliegende. Er stellt sich der Situation, in die er, wie der Verletzte, scheinbar zufällig geraten ist. Er erkennt die Not des anderen. Er erkennt seine Pflicht zu helfen. Er sieht, was zu tun ist und hilft mit der Tat, mit seiner Zeit, mit seinem Geld, mit dem persönlichen Risiko, das immer auch bei der Hilfeleistung gegeben ist.

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Soll unser Glaube und alles, was wir darin tun, vor allem uns und unserem Heil bei Gott dienen, dann lieben wir den Nächsten nicht! Und Gott lieben wir dann schon gar nicht. Haben wir nicht manchmal – und das ist schon der Vorwurf in der Geschichte – sogar die Gottesliebe und mit ihr die Nächstenliebe zum Selbstzweck, zum Heilsweg für uns selbst gemacht? Tun wir das, was wir als Christin, als Christ tun, tun wir es wirklich aus Liebe ohne jeden Vorbehalt, ohne jede Taktik, ohne jedes Schielen auf Lohn und Ansehen?

Da, wo wir Gott wirklich von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von allen Kräften lieb haben, da geben wir alles Sorgen und Taktieren um unser Heil und Leben auf, liebe Schwestern und Brüder! Denn es ist doch Jesus, der uns da mit den Augen seiner unendlichen Liebe ansieht. Jesus hat uns ja doch sein Heil und Leben schon geschenkt. Bei ihm ist die Frage längst beantwortet, die Frage, wie ich das ewige Leben ererbe! Lassen wir es uns doch von ihm, von Jesus, schenken.

Und dann tue ich einfach das Not-wendende – an Arbeit, an Hilfe; mit solcher Gottesliebe im Herzen erkenne ich wieder, wem ich mit den mir geschenkten Gaben der Nächste bin. Und ich tue das, was Gott von mir will: die Barmherzigkeit! Und ich tue es dort, wo es von mir gefordert ist. Und wenn es vielleicht erst einmal und nur darin besteht, sich gedanklich der Hetze zu widersetzen, die in unserem Land und mitten unter uns manchmal so brutal um sich greift.

Das Nächstliegende erkenne ich nur da, wo ich Gott ganz nahe bin, wo ich mich in seinem Herzen ewig geborgen weiß. Meinen Nächsten erkennen ich dann, wenn ich in meinem Gegenüber Gott erkenne, der mich anschaut und spüren lässt, wozu er mich braucht. So wollen Gottesliebe und Nächstenliebe zusammenwirken. Und so macht Gott uns einander zum Nächsten in seiner Welt. Darauf können wir uns von Herzen und getrost einlassen, uns an ihn mit unserem ganzen Leben binden. Denn er hat sich längst und unverbrüchlich an uns gebunden

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Es gibt so vieles,

für das wir immer auch danken können:

Wir danken dir für alle Zeichen

deiner Liebe und Freundlichkeit,

die wir in unserem Leben erfahren dürfen.

Wir alle sind beschenkte und begabte Menschen,

jede und jeder von uns hat Grund genug,

dir zu danken.

Weck unsre Sinne auf,

dass wir uns auch über die kleinen Dinge freuen können:

über ein mutmachendes, freundliches Wort,

über die kleine Aufmerksamkeit,

über die Liebe, die wir von anderen erfahren,

auch über die Schönheiten dieser Erde.

 

Du bist ein großzügiger Gott,

du schickst keinen mit leeren Händen fort,

der zu dir kommt.

Fülle auch uns die Hände,

– dass wir denen helfen, die hilflos sind,

– dass wir die ansprechen, die einsam sind

und denen niemand zuhört,

– dass wir denen vertrauen,

die nur noch Misstrauen erfahren,

– dass wir denen zu ihrem Recht verhelfen,

die rechtlos und verachtet sind,

– dass wir diejenigen versöhnen,

die sich auseinandergelebt haben,

– so sollen alle sehen, wie freundlich du bist.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 12. Sonntag nach Trinitatis, 30. 08. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. (Jes 42,3)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 147

 1 Lobet den HERRN! / Denn unsern Gott loben, das ist ein köstlich Ding, ihn loben ist lieblich und schön.

2 Der HERR baut Jerusalem auf und bringt zusammen die Verstreuten Israels.

3 Er heilt, die zerbrochenen Herzens sind, und verbindet ihre Wunden.

4 Er zählt die Sterne und nennt sie alle mit Namen.

5 Unser Herr ist groß und von großer Kraft, und unermesslich ist seine Weisheit.

6 Der HERR richtet die Elenden auf und stößt die Frevler zu Boden.

11 Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott,

wenn wir schauen und in Wahrheit nicht hinsehen

wenn wir schauen und doch nicht sehen wollen;

wenn wir hören und in Wahrheit nicht hinhören,

wenn wir hören und doch nichts hören wollen;

wenn wir uns genügen und dabei in Wahrheit Mangel leiden,

wenn wir uns genügen und dabei selbst an uns zu Grunde gehen,

dann, guter Gott und Vater, komm du und bete in uns,

Komm, und erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott spricht uns frei von aller Schuld,

er nimmt uns ab,

was uns auf der Seele liegt

wenn er sagt:

Seid getrost und fürchtet euch nicht!

Seht, da ist euer Gott!

Er wird euch helfen.

Dann werden die Augen der Blinden aufgetan

und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Herr, Jesus Christus,

löse alle Fesseln,

mit denen wir uns selbst binden!

Öffne du uns die Ohren und den Mund.

Wir bitten dich:

Mach uns frei von uns selbst

und offen füreinander,

dass wir dich in deiner Gemeinde loben und preisen.

Dir sei Ehre in Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 3, die Verse 9-17:

 9 Denn wir sind Gottes Mitarbeiter; ihr seid Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.

10 Nach Gottes Gnade, die mir gegeben ist, habe ich den Grund gelegt als ein weiser Baumeister; ein anderer baut darauf. Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut.

11 Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.

12 Wenn aber jemand auf den Grund baut Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh,

13 so wird das Werk eines jeden offenbar werden. Der Tag des Gerichts wird es ans Licht bringen; denn mit Feuer wird er sich offenbaren. Und von welcher Art eines jeden Werk ist, wird das Feuer erweisen.

14 Wird jemandes Werk bleiben, das er darauf gebaut hat, so wird er Lohn empfangen.

15 Wird aber jemandes Werk verbrennen, so wird er Schaden leiden; er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durchs Feuer hindurch. 16 Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?

17 Wenn jemand den Tempel Gottes zerstört, den wird Gott zerstören, denn der Tempel Gottes ist heilig – der seid ihr.

Halleluja! Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Halleluja!

  

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Markusevangelium, Kapitel 7, die Verse 31-37:

(auch Predigttext)

 31 Und als er wieder fortging aus dem Gebiet von Tyrus, kam er durch Sidon an das Galiläische Meer, mitten in das Gebiet der Zehn Städte. 32 Und sie brachten zu ihm einen, der taub war und stammelte, und baten ihn, dass er ihm die Hand auflege.

33 Und er nahm ihn aus der Menge beiseite und legte ihm die Finger in die Ohren und spuckte aus und berührte seine Zunge

34 und sah auf zum Himmel und seufzte und sprach zu ihm: Hefata!, das heißt: Tu dich auf!

35 Und sogleich taten sich seine Ohren auf, und die Fessel seiner Zunge wurde gelöst, und er redete richtig.

36 Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen. Je mehr er’s ihnen aber verbot, desto mehr breiteten sie es aus.

37 Und sie wunderten sich über die Maßen und sprachen: Er hat alles wohl gemacht; die Tauben macht er hören und die Sprachlosen reden.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir haben gerade von einer wundersamen Heilung durch Jesus gelesen, von der Heilung des Taubstummen. Ich möchte heute mit ihnen einmal die Personen betrachten, die in dieser Geschichte vorkommen. Bleiben wir zunächst einmal bei der Hauptperson, dem Taubstummen.

Vielleicht ist es Ihnen ja beim Lesen aufgefallen, sein Name wird nicht genannt. Wahrscheinlich ist sein Name für den Inhalt der Geschichte ja überhaupt nicht wichtig. Im Mittelpunkt steht seine Krankheit, seine Behinderung. Manchmal machen wir das ja heute auch noch so. Wir beschreiben jemanden über ein charakteristisches Merkmal. Wir wissen auch nicht, ob der Taubstumme in der Geschichte von Geburt an behindert war oder ob ein schlimmes Erlebnis ihm Ohren und Mund verschlossen hat. Auch das scheint also nicht von Bedeutung zu sein.

Das Leben als Taubstummer zur Zeit Jesu war alles andere als angenehm.

Sie kennen bestimmt auch etliche Menschen, die schlecht hören. Oft erzählen mir diese Menschen, wie schwer es ist, wenn man nicht versteht, was die Anderen sagen. Ich persönlich höre das oft am Schluss eines Gottesdienstes, wenn ich die Menschen mit einem Handschlag verabschiede. „Herr, Pfarrer, heute haben sie wieder zu schnell und zu leise gesprochen!“ (Kurze Nebenbemerkung: Ich merke gerade, während ich das schreibe, wie sehr ich solche Rituale in dieser Pandemie-Zeit, in der unsere Kirche geschlossen bleiben muss, vermisse!)

Schlecht hörende Menschen tun sich manchmal schwer damit, dauernd nachzufragen, womöglich auch noch dumme Bemerkungen einstecken zu müssen. Der Taubstumme hat nicht einmal diese Möglichkeiten gehabt. Er sah, wie andere lachten, aber warum, blieb für ihn unklar. Er sah, wie Andere redeten, aber worüber, blieb ihm verborgen. Ob sie über ihn redeten und lachten, konnte er sich wohl oft nur selbst fragen.

Neben der eigenen Unsicherheit steht die Unsicherheit der Mitmenschen. Damals dachte man – und das gilt für die anderen Menschen mit einer Behinderung, denen Jesus damals begegnete, ebenso –, Behinderung steckt an. Menschen mit Behinderungen mussten rasseln oder trommeln, wenn sie durch die Dörfer gingen. Sie mussten es, damit andere, Normale oder Gesunde, sich schnell in Sicherheit bringen konnten, die Türen verriegeln konnten. Menschen mit Behinderung waren total isoliert. Ihre Plätze waren draußen vor den Städten und Dörfern. Und so war es mit Sicherheit auch bei dem Taubstummen. Er lebt isoliert und verlassen. In der damaligen Zeit kam dazu, dass Krankheiten oft als eine Strafe von Gott angesehen wurden. Ich denke, es war ein sehr einsames und abgeschnittenes Leben, das dieser Mann führte.

Heute ist das sicher an manchen Punkten für taubstumme Menschen einfacher, es gibt die Gebärdensprache. Wir kennen z.B. aus dem Fernsehen die Gebärdendolmetscher, die die Nachrichten in Gebärdensprache übersetzen. Andererseits: wer von uns beherrscht sie schon? Und daran scheitert dann auch schon wieder eine normale Verständigung. Und wenn wir ehrlich sind: wann sind wir zuletzt einer Person begegnet, die taubstumm ist? Wirklich wahrnehmbar kommen sie auch in unserem Alltag doch nicht vor. Aber ich weiß eben auch von einigen, meist älteren Menschen, wie sehr sie sich auch von uns zurückziehen, weil es ihnen zu mühsam ist, immer wieder neu um deutlichere Aussprache, um lauteres und langsameres Sprechen bitten zu müssen.

Und so kommt der Taubstumme zu Jesus. Nein, er kommt nicht, er wird gebracht. Ob er eigentlich wusste, wohin und zu wem er da gebracht wurde. Gebärdensprache wird er nicht gekannt haben. Lesen konnte er sicher auch nicht. Also: vermutlich ein mutiger Schritt zu einem Unbekannten. Mutig schon deshalb, weil er ja nicht wissen konnte, was sie mit ihm vorhatten. Er wird gefühlt haben, dass sie es gut mit ihm meinten, denn sonst wäre er sicher nicht mitgegangen. Sie hatten sich ja schon allein dadurch, dass sie ihn zu Jesus brachten um ihn bemüht. Wie lange wird er allein das nicht mehr gefühlt haben.  Und dann kommt Jesu Berührung und das Wort: „Effata – öffne dich“. Das hört er wohl noch nicht. Erst danach kann er hören und reden.

Wie überwältigt muss er gewesen sein? Mit Jesu Heilung ist er aus seiner Isolation befreit. Er kann am normalen Leben teilnehmen; er kann lachen, wenn die anderen lachen, weinen, wenn die anderen weinen. Er gehört dazu. Er ist wieder einer von ihnen. Die Heilung ermöglicht ihm Gemeinschaft und neues Leben.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Für den Taubstummen ist diese Begegnung mit Jesus der Beginn eines normalen Lebens, der Beginn eines Lebens in der Gemeinschaft mit anderen Menschen.

Wir wenden jetzt aber unseren Blick. Schauen wir auf die Leute, schauen wir einmal auf die Gruppe der umstehenden Menschen.

Viele sind sicher gekommen, weil sie von Jesus schon einiges gehört haben. Weil sie auch gehört haben, dass er Kranke nicht wegschickt. Genau deshalb werden sie auch den Taubstummen zu ihm gebracht haben. Nicht, weil sie einfach einmal live bei einem Wunder dabei sein wollten. Nein, ich glaube, es war etwas anderes. Auch sie haben einen mutigen Schritt getan. Sie haben  ihre eigene Angst überwunden, wollten offensichtlich helfen. Schon damit haben sie ihn ein Stück weit in die Gemeinschaft wieder aufgenommen. Und Martin Luther hat diese Haltung der Menschen, die den Taubstummen aus seiner Isolation herausholen, schon so erkannt und so mit den folgenden Worten – übrigens auch zu seiner Zeit schon am 12. Sonntag nach Trinitatis der aktuelle Predigttext – beschrieben: „Das Gute an dieser Historie ist nun dies, dass sie sich des armen Menschen angenommen haben wie ihrer eigenen Not. Damit ist uns ihr Glaube und ihre Liebe angezeigt. Ihre Liebe ist hier so gemalt, dass sie fremde Sorge auf sich nimmt. Sie sehen nicht auf sich, sondern auf den armen Menschen und denken, wie ihm Hilfe werden kann.“

Eine solche wirkliche Heilung des Taubstummen wird wohl keiner erwartet, allenfalls erhofft haben. Aber sie wollten es wohl einfach probieren, die Situation dieses Menschen zu verändern. Ihr Erstaunen wird groß gewesen sein, natürlich auch ihre Freude. Und vielleicht kommt sogar auch so etwas wie Angst, wie Unsicherheit auf: was ist das für einer, der sogar Taube zum Hören und Stumme zum Reden bringen kann? Was sind das für Heilpraktiken, die er beherrscht?

Und so beginnen die Menschen über Jesus zu reden, nicht anders als bei uns heute auch. Trotz des Verbotes, die Sache weiterzuerzählen, wird Jesu Heilung des Taubstummen immer weiter erzählt. Dass die Menschen nicht schweigen können, ist völlig klar, wer kann schon schweigen, wenn es etwas derart Ungewöhnliches erlebt hat? Sie versuchen sich ein Bild zu machen. Sie versuchen herauszubekommen, was dieser Jesus für einer ist; ob er etwa einer von den vielen Wunderheilern ist, die es gibt und deren Methoden sich dann doch nur als Augenwischerei herausstellen oder ob er wirklich etwas bewirken kann.

Fremd erscheint mir das Verhalten der Menschen absolut nicht. Wie oft erleben wir es bis heute immer wieder, dass Menschen auf eine neue Wunderdiät, auf eine neue Wunderheilung, auf ein neues Zaubermittel für Behandlung vertrauen. Nicht wenige warten gerade in diesen Tagen auf ein Medikament, dass helfen kann, diese Zeit und unser gemeinsames Leben wieder in normalere Bahnen lenken kann. Und wie gut ist es, dass sich Forschung nun endlich auch einmal zusammenschließt und viele an einem gemeinsamen Ziel arbeiten.

Das unterscheidet sich gerade grundlegend von vielen anderen Erforschungen von „Wundermitteln“, die häufig damit enden, dass Menschen viel Geld für Wunderpillen oder Wunderpulver verlieren, vor allem viel Vertrauen verlieren. Weil es dem Anbieter nur darum geht, sich selbst zu bereichern. Ihm ist es oft nicht wichtig, dem Andern zu helfen.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich denke in unserer Geschichte waren die umstehenden Menschen auch daran interessiert herauszubekommen, was da an diesem Jesus dran war. Was macht er, was kann er, wovon redet er?

Und damit schauen wir auf die dritte Person in dieser Geschichte, nämlich auf Jesus selbst.

Er benimmt sich eigentlich ganz in der Art und Weise der Wunderheiler seiner Zeit. Er nimmt den Kranken erst einmal zur Seite, das heißt für Jesus selbst natürlich auch erst einmal: dieser Mensch, dieser Taubstumme ist mir jetzt wichtig, dieser und kein Anderer. Auch das kennen wir doch von uns selbst: wenn wir mit jemandem etwas wirklich Wichtiges besprechen wollen, dann versuchen wir mit ihm oder ihr allein zu sein. Jesus legt dem Taubstummen dann die Finger in die Ohren und den Speichel auf die Zunge. Mich erinnert das ein bisschen an meine Oma. Wenn ich mir weh getan hatte oder wenn ich gefallen war, dann hat sie manchmal etwas von ihrer Spucke auf ihr Stofftaschentuch genommen, mich leicht damit betupft und mir gesagt, dass jetzt alles wieder gut sei. Eigenartigerweise hat das übrigens meistens funktioniert! Meine Oma war eine sehr fromme Frau, vielleicht hat sie sich ja an diese Geschichte erinnert.

Aber hätten wir uns von Jesus nicht eigentlich eine andere Heilungsweise gewünscht, als die, die alle Wunderheiler seiner Zeit so ähnlich benutzt hatten, eine die ihn eindeutiger als Sohn Gottes identifizierbar gemacht hätte? Eine, die ihn deutlich herausnimmt aus der Menge der Wunderheiler seiner und unserer Zeit. Denn mit dieser Heilungsmethode arbeitet Jesus wie viele andere Heiler seiner Zeit auch, vielleicht bloß als ein besonders guter. Warum macht Jesus die Sache nicht eindeutiger?

Aber er tut es doch! Und das wird eigentlich erst durch das Verbot zu reden deutlich. Denn das sogenannte Schweigegebot –  „Und er gebot ihnen, sie sollten’s niemandem sagen“ (V. 36) – macht deutlich, dass Jesus erst als der zu erkennen ist, der er ist, wenn Karfreitag und Ostern geschehen ist. Erst mit seinem Tod und seiner Auferstehung wird Jesus eindeutig aus der Schar der Wunderheiler seiner Zeit herausgenommen und erkennbar werden als Sohn Gottes. Und auch seine Wunder und Taten werden erst von daher ganz verständlich.

Erst dann ist deutlich, dass mit diesem Jesus Gott uns ganz nahe gekommen ist, dass er mit uns geht – bei jedem Schritt an jedem Tag durch unser ganzes Leben.

Und damit ist dann auch klar, warum diese Geschichte bis heute Bedeutung für uns hat. Nicht, weil da irgendwann mal ein Taubstummer geheilt wurde, sondern weil Jesus bis heute Menschen heilen möchte. Weil Jesus bis heute Menschen aus ihrer Isolation herausholen möchte. Nicht körperlich, das ist vorbei. Aber denen möchte er helfen, die sich bei uns verschließen.

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir alle kennen sicher gerade auch in diesen Tagen Menschen, die allein sind und isoliert, weil sie schlechte Erfahrungen gemacht haben oder weil sie Angst haben. Heute sind es Menschen mit der Sorge, wie sie sich und andere, die sie lieben, vor einer Infektion schützen können. Aber davor und auch jetzt und heute gibt es Menschen, die sich schon immer isoliert haben, die einen leisen Rückzug angetreten haben, z.B. aus der Angst  vor der Fremdheit der anderen oder vielleicht auch weil sie das Gerede der anderen nicht mehr ertragen. Am Anfang ist da nur der Rückzug. Aber irgendwann ist die Isolation so groß, dass sie sich allein nicht mehr helfen können, dass sie alleine nicht mehr herauskommen.

Da braucht es dann Menschen wie in unserer Geschichte; Menschen, die einen sehen, dem es schlecht geht und ihn mitnehmen, ihn herausholen. Da sind wir alle gefragt. Da können wir die sein, die jemanden sehen und wieder in die Gemeinschaft hereinnehmen. Das kann ganz einfach sein, einfach mal vorbeigehen und sich Zeit nehmen. Nicht nur Gespräche zwischen Tür und Angel führen, sondern ganz allein, abseits, ohne Trubel, mit viel Zeit – und heutzutage auch mit dem nötigen Abstand. Noch etwas kommt dazu:  es kann und es muss auch unser Gebet sein, ein intensives Gebet für jemanden, der uns am Herzen liegt. Am Ende dieses Lesegottesdienstes bitte ich Sie immer darum, die Worte des Segens zu sprechen und dabei auch an diejenigen zu denken, die Sie dabei im Herzen haben! Trauen Sie sich!

Eine alte Geschichte also, aber sie will in unser Leben wirken, weil Gott uns nahe ist. Sie will aber auch durch unser Leben wirken. Deshalb gilt Jesu Wort auch für jede und jeden von uns: Effata – öffne dich!

 Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Guter Gott und Vater,

du schenkst uns deine Liebe immer wieder neu.

Du schenkst uns mehr als wir erwarten dürfen.

Und so bitten wir dich:

 

Wende ab, was unser Herz erschreckt.

Lass unsere Augen

deine Wunder immer wieder neu sehen.

Lass uns hinsehen, hinhören und mitfühlen,

überall dort, wo du uns hinstellt.

 

Du kannst alles Leben heil machen.

So bitten wir dich:

 

Öffne unsere Ohren,

dass wir dein lebenschenkendes Wort

alle Zeit hören und verstehen,

es annehmen und auch tun können.

 

Öffne uns den Mund,

dass wir dein Lob in diese Welt sagen.

Gott, du sorgst dich um unsere Seele.

Heile die Wunden, die uns schmerzen.

Heile die Wunden, die wir anderen zugefügt haben.

Höre mich, wenn ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und ich lade Sie ein, die Worte zu sprechen,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 11. Sonntag nach Trinitatis, 23. 08. 2020

Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade. (1. Petr 5,5b)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 145

 1 Ein Loblied Davids. Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.

2 Ich will dich täglich loben und deinen Namen rühmen immer und ewiglich.

14 Der HERR hält alle, die da fallen, und richtet alle auf, die niedergeschlagen sind.

17 Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

18 Der HERR ist nahe allen, die ihn anrufen, allen, die ihn mit Ernst anrufen.

19 Er tut, was die Gottesfürchtigen begehren, und hört ihr Schreien und hilft ihnen.

20 Der HERR behütet alle, die ihn lieben, und wird vertilgen alle Gottlosen.

21 Mein Mund soll des HERRN Lob verkündigen, und alles Fleisch lobe seinen heiligen Namen immer und ewiglich.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, guter Gott.

Gott, unser Vater!

Wie viel Einsamkeit gibt es unter uns,

wie viel Sprachlosigkeit

– gerade auch in diesen Tagen, Wochen und Monaten?

Manchmal reden wir viel und sagen doch so wenig.

Wie schwer tun wir uns, miteinander zu sprechen,

um zu sagen, wie es wirklich in uns aussieht!

Und wie wenig sprechen wir mit dir,

weil wir meinen, wir hätten keine Zeit zu beten

oder du wärest so weit weg und würdest uns nicht hören.

Befreie uns von allem,

was uns fernhält von dir.

Befreie uns von der Verschlossenheit,

in der wir verkümmern

und schenke uns das Glück der Zwiesprache

mit dir und mit unseren Mitmenschen.

So bitten wir dich: Komm, und erbarme dich unser!

Höre, Herr, wie ich in der Stille zu dir bete!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir erinnern uns,

wie Jesus auch zu uns sagt:

Ich bin der Weinstock,

ihr seid die Reben.

Wer in mir bleibt und ich in ihm,

der bringt viel Frucht.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott!

In deiner Gegenwart sind wir,

bin ich vor dir.

Wir sind niemals verlassen,

auch wenn wir manchmal meinen,

wir hätten keinen Boden unter den Füßen.

Du bist da, und du wirst immer da sein,

wo immer die Zeit uns hinführt.

Dass dieses für uns alle spürbar bleibt,

dass wir dieses immer wieder neu erfahren,

Tag für Tag,

das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 2, die Verse 4-10:

 4 Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat in seiner großen Liebe, mit der er uns geliebt hat,

5 auch uns, die wir tot waren in den Sünden, mit Christus lebendig gemacht – aus Gnade seid ihr gerettet –;

6 und er hat uns mit auferweckt und mit eingesetzt im Himmel in Christus Jesus,

7 damit er in den kommenden Zeiten erzeige den überschwänglichen Reichtum seiner Gnade durch seine Güte gegen uns in Christus Jesus. 8 Denn aus Gnade seid ihr gerettet durch Glauben, und das nicht aus euch: Gottes Gabe ist es,

9 nicht aus Werken, damit sich nicht jemand rühme. 10 Denn wir sind sein Werk, geschaffen in Christus Jesus zu guten Werken, die Gott zuvor bereitet hat, dass wir darin wandeln sollen.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg. Halleluja!

  

 Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 18, die Verse 9-14:

(auch Predigttext)

 9 Er sagte aber zu einigen, die überzeugt waren, fromm und gerecht zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:

10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel, um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere ein Zöllner.

11 Der Pharisäer stand und betete bei sich selbst so: Ich danke dir, Gott, dass ich nicht bin wie die andern Leute, Räuber, Ungerechte, Ehebrecher, oder auch wie dieser Zöllner.

12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe den Zehnten von allem, was ich einnehme.

13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!

14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich schreibe es gleich mal vorneweg: Da ist etwas an diesem Gleichnis, das mir überhaupt nicht gefällt! Irgendwie schaut man auf dieses Gleichnis und tut genau das, was man ja offensichtlich eigentlich gar nicht soll: man achtet jemanden gering. Ja, man ist sogar versucht, die Religion eines anderen oder vielleicht auch nur seinen Frömmigkeitsstil schlecht zu machen. Und dabei ist es eigentlich ganz gleich, ob man nun wie der Pharisäer mal eben diesen Zöllner schlecht macht; oder ob man mal eben, wie wir es vielleicht lieber tun, den Pharisäer als einen Heuchler bezeichnen würden.

Deshalb gefällt es mir eben gar nicht, dass hier Menschen irgendwie in eine Schublade gepresst werden. Da sind die, die gerechtfertigt sind. Und die anderen eben nicht. Eigentlich ist es gar nicht wichtig, wer in welche Schublade gehört.

Dieses kleine Gleichnis hat in der Geschichte des Christentums leider oftmals eine Wirkung gezeigt, die nicht immer gut war. Manchmal wurde es geradezu benutzt, um eine Karikatur des Judentums, eine geradezu böswillige Karikatur zu zeichnen. Dieses kleine Gleichnis hat sich seinen Platz in der Geschichte des Antisemitismus irgendwie gesichert. Und ich kenne kaum einen biblischen Text, der mehr zu einer christlichen Überheblichkeit beigetragen hat als dieses eigentlich ja doch eher unscheinbare Stückchen Bibel.

Aber ich hoffe, wir haben alle aus der Geschichte gelernt. Niemand hat das Recht, den Glauben anderer Menschen irgendwie herunterzumachen, zu verdächtigen oder schlecht zu reden. Der dänische Theologe und Philosoph Sören Kierkegaard hat einmal einen, wie ich finde, wunderbaren Satz niedergeschrieben. Er schreibt: „Du hast nicht das Recht, den Glauben eines anderen Menschen anzuzweifeln – nur an deinem eigenen Glauben darfst du zweifeln.“

Und das versuche ich ernst zu nehmen, auch wenn es – das gestehe ich – nicht immer leicht fällt. Aber niemand hat eben das Recht, einen anderen, der seinen eigenen Glauben und sein Leben darin ernst nimmt, einen Heuchler oder Pharisäer zu nennen. Aber umgekehrt ist es dann aber auch genau so. Es ist auch nicht angeraten, die Demut und die Bescheidenheit des Zöllners als falsch und heuchlerisch zu bezeichnen.

Schaue ich in die Gleichnisse, die Jesus erzählt, sind da einige, die von zwei Personen oder von zwei Dingen handeln. Da sind zum Beispiel Maria und Marta, da sind der Richter und die arme Witwe. Hier sind es eben der Pharisäer und der Zöllner. Und je öfter ich diese Gleichnisse gelesen und über sie nachgedacht habe, desto klarer wurde es mir. Es geht niemals darum, dass Jesus hier zwei verschiedene Menschen irgendwie gegeneinander ausspielt oder so aufstellt, dass ich mich für einen von beiden entscheiden müsste. Nein, in all diesen Gleichnissen glaube ich fest daran, dass Jesus die zwei Seiten in mir selbst beschreibt. Jesus teilt die Menschen nicht auf in diejenigen, die gerechtfertigt sind, und die anderen, die es eben nicht sind. Und wir sollten das schon gar nicht tun, obwohl wir es ja manchmal leider immer wieder versuchen.

Ich möchte dieses Gleichnis eher an mich gerichtet lesen oder hören. Ich brauche dann gar nicht von „den anderen“ reden. Denn ich erkenne mich selbst.

Natürlich kann ich mich in dem Pharisäer wiedererkennen. Ich muss ihm ja deshalb nicht gleich werden. Aber da ist doch einiges, worin er uns ähnlich sein kann. Ich finde drei Punkte.

Der Pharisäer will nicht „wie die anderen sein“. Das kenne ich. In vielen Dingen möchte ich das auch nicht! Und er stellt deshalb besondere Forderungen an sich selbst. Er will sich nicht der allgemeinen Mittelmäßigkeit und der Gleichgültigkeit in vielen Dingen anpassen. Ganz ehrlich: wenn mir manchmal jemand sagt „Du bist nicht wie die anderen!“, dann verstehe ich das meist als Kompliment! Ich weiß ja selbst, dass ich das nicht bin, aber manchmal möchte ich schon ganz gern anders sein als andere, möchte zumindest nicht so sein wie sie.

Der Pharisäer hat ganz klare moralische und auch ethische Grundsätze. Er nimmt sein Glaubensleben ernst. Wer von uns wollte das für sich nicht?

Der Pharisäer muss mit einem weiteren Vorwurf leben. Er sucht die Anerkennung vor Gott. Und nicht nur das. Er sucht die Anerkennung vor Gott und den Menschen! Und bleiben wir doch auch hier einfach mal ehrlich! Wer möchte das nicht. Es ist manchmal ganz schön schwer, ohne die Anerkennung von anderen zu leben. Ich halte es für geradezu arrogant und auch verlogen, wenn jemand behauptet, es sei ihm gleichgültig, was andere von ihm oder ihr halten!

Deshalb behaupte ich es einfach einmal: in jedem Menschen wohnt solch ein Pharisäer. Wir wollen anders sein als die anderen, dennoch wollen wir respektiert sein und auch anerkannt. Wir wollen unser Leben ernst nehmen, wollen es verantwortlich leben! Das ist doch nicht schlecht oder falsch? Oder!?!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Aber wenn ich sage, dass Jesus zwei Menschen vor mich stellt, um mir meine beiden Seiten aufzuzeigen, dann muss ich natürlich auch den Zöllner in mir entdecken. Ich schaue auf ihn und sage: Ja, kenne ich auch! Da ist auch die andere Seite in mir! Da sind die Dinge, über die ich nicht gerne spreche. Manchmal finde ich keine Worte, manchmal möchte ich gar nichts sagen. Da passiert im Leben viel mehr, als ich im Moment beherrschen kann. Ich kenne auch die Angst, zu kurz zu kommen. Ja, wenn ich auch hier ehrlich bleibe, wenn wir alle ehrlich bleiben, dann müssen wir doch wohl auch uns selbst eingestehen: es gibt sie – die Schattenseiten in unserem Leben! Da gibt es eben Dinge, die wir nicht kontrollieren können. Mit manchen Dingen in unserem Leben werden wir irgendwie nicht richtig fertig. So ging es dem Zöllner, so geht es eben auch uns so manches Mal!

Klar, ich habe in meinem Leben noch nie einen echten Pharisäer gesehen. Ich möchte es auch vermeiden, über jemanden so zu denken oder ihn so zu bezeichnen. Und einen Zöllner nach biblischem schlechten Vorbild habe ich so auch noch nie getroffen – jemanden, der sich nur und ausschließlich als einen armen Sünder sieht; jemanden, der gar keinen Eigenwert mehr in sich fühlt. Aber ich denke an viele Menschen die ich kenne – und da zähle ich mich zweifelsfrei dazu –, die eben beides in sich tragen. Ja, wir wissen, was wir uns selbst und anderen wert sind. Wir stellen manchmal große Forderungen an uns selbst und an unser Leben. Und dann kennen wir auch unsere Zeiten der Ohnmacht. Wir kennen auch die Sorge, ob wir uns selbst und unserem Leben gerecht werden.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Vielleicht ist es ja tatsächlich so, dass dieses kleine Gleichnis mehr von der Macht und der Ohnmacht zu leben handelt. Da ist der Pharisäer und beschreibt das Starke in uns, die Macht. Und da ist der Zöllner, der für unsere Schwäche, unsere Ohnmacht steht. Und beides ist in uns und oft auch sogar sichtbar – vor Gott und vor anderen Menschen.

Vielleicht ist es ja das eine, nämlich selbstgerecht und eingenommen von sich selbst zu sein. Aber das kann man als Pharisäer genau so gut wie als Zöllner. Aber es ist doch aber etwas ganz anderes, wenn wir versuchen, wir selbst zu sein. Es ist doch gut, wenn wir uns zu uns selbst bekennen können. Sind wir dann in der Sprache der Bibel zwar nicht gerecht, aber gerechtfertigt?

Ich denke, genau davon erzählt der Schluss des kleinen Gleichnisses. Und damit hatte die Auslegung dieser Geschichte offenbar schon immer ihre Schwierigkeiten. Denn ich glaube, die Menschheit in Gerechtfertigte und nicht Gerechtfertigte aufzuteilen, ist ja wohl schon wieder ein geradezu pharisäischer Gedanke!

In alten Übersetzungen dieser Textstelle klang das noch ein wenig sympathischer und hilft vielleicht zum besseren Verständnis. Da wurde eben nicht davon gesprochen bzw. geschrieben, dass der eine gerechtfertigt ist und der andere nicht. Nein, da hieß es, dass der eine gerechtfertigt ist – vor dem anderen.

Versuchen wir es so zu verstehen, dann schauen wir auch befreiter auf den letzten Satz des Gleichnisses. „Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden, und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden“. (V.14)

Hier geht es eben nicht um die Demut oder um falsche Bescheidenheit. Wir können nicht mit unserer Fähigkeit zur Sünde geradezu „demütig prahlen“. Nein, wenn ich es annehme, dass Gott die beiden Seiten in uns selbst anrühren und anreden möchte, dann höre ich geradezu, wie er zu uns allen so spricht:

„Wenn du dich selbst erhöhst, wenn du immer an die Grenzen deiner eigenen Stärke gehst und manchmal sogar zu selbstbewusst darüber hinaus, dann wirst du so erniedrigt, dass du auch wieder deine Ohnmacht, deine Abhängigkeit heilsam neu zu spüren lernst. Du kannst nicht alles. Du hast auch nicht alles in der Hand. Auch dein manchmal von deinen eigenen Forderungen an dich selbst überfrachtetes Leben bleibt ein Leben aus meiner Gnade. Ich schenke dir alles, was du dazu brauchst!

Wenn du dich selbst erniedrigst, wenn du nur noch deine Schwäche, deine Ängste und deine vermeintliche Schuld spürst und dich nur noch von all dem lenken lässt, dann sorge ich dafür, dass du es auch wieder anders spürst. Ich erinnere dich an deine Stärke. Du bist viel mehr als du es vielleicht selbst glaubst. Auch du lebst ein Leben aus meiner Gnade. Ich schenke dir alles, was du dazu brauchst.“

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich denke, so würde Gott selbst zu uns reden. Wer sich nur stark fühlt, wird auch heilsam seine eigene Ohnmacht spüren. Wer schwach ist, den wird Gott immer wieder auch auf seine Stärken besinnen. Denn er hat seinen Sohn Jesus Christus zu beiden gesandt. Jesus Christus ist für beide gestorben und auferstanden. Für den Pharisäer und den Zöllner! Und wenn das die beiden Seiten in mir, in uns sind, dann erkennen wir es eben auch in uns und für uns. Auch für jede und jeden von uns ist er gestorben und auferstanden. Christus selbst lebt und betet in uns! Wir sind niemals allein! Nicht in unserer Stärke und nicht in unserer Ohnmacht! Er, Gott in Christus, ist uns nahe!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Vater im Himmel!

Wir bitten dich für alle Menschen,

denn alle sind deine Geschöpfe,

alle sind geschaffen nach deinem Ebenbild:

Lass jeden sein wahres Menschsein finden,

so dass wir uns gegenseitig Mensch und Mitmensch werden.

Wir bitten dich für die,

die Macht haben und Verantwortung in der Politik:

Gib ihnen den nötigen Weitblick,

dass sie über den jetzigen Tag hinaus denken,

dass sie wissen und berücksichtigen,

dass wir auch Verantwortung für die kommenden Generationen haben.

Gib ihnen Einsicht,

dass sie verstehen, was die Menschen wirklich brauchen:

das tägliche Brot,

ein Dach über dem Kopf,

Arbeit und gegenseitige Unterstützung,

Vertrauen in die Gerechtigkeit,

Hoffnung auf Frieden.

Und schenke uns die nötige Einsicht,

dass vieles gerade nur schwer zu leben

und auch umzusetzen ist.

Vieles ist anders geworden

und braucht unsere Geduld und einen langen Atem.

Wir bitten dich für die Kirche:

das wir alle, die wir dazugehören,

beständig sind in der Liebe zu deinem Wort,

dass wir das Evangelium von deiner Liebe

in allem zum Maßstab machen

und es glaubwürdig bezeugen

mit unseren Taten, mit unserem Denken

und auch mit unseren Worten.

Dazu hilf uns durch deinen Geist.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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