Liturgie und Predigt: Pfarrer Rüdiger Dunkel

 

Wochenspruch:

Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern. (Lk 12,48)

 

 Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 63

 2 Gott, du bist mein Gott, den ich suche. Es dürstet meine Seele nach dir, mein Leib verlangt nach dir aus trockenem, dürrem Land, wo kein Wasser ist.

3 So schaue ich aus nach dir in deinem Heiligtum, wollte gerne sehen deine Macht und Herrlichkeit.

4 Denn deine Güte ist besser als Leben; meine Lippen preisen dich.

5 So will ich dich loben mein Leben lang und meine Hände in deinem Namen aufheben.

6 Das ist meines Herzens Freude und Wonne, wenn ich dich mit fröhlichem Munde loben kann;

7 wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.

8 Denn du bist mein Helfer, und unter dem Schatten deiner Flügel frohlocke ich.

9 Meine Seele hängt an dir; deine rechte Hand hält mich.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, Jesus Christus!

Jede und jeder von uns

hat viele gute Gaben geschenkt bekommen.

Jede und jeder kann etwas.

Keiner kann gar nichts.

Aber wir sparen oft ängstlich,

das alles einzusetzen,

was wir von unserem himmlischen Vater mitbekommen haben.

Du, Jesus Christus,

hast alles, was Gott dir geschenkt hat,

für die Mitmenschen eingesetzt.

Du hast dich ausgeteilt an uns Unwürdige,

du hast dich für uns geopfert.

Welche Opfer bringen wir,

was teilen wir mit anderen?

Schauen wir darauf, dann, Herr,

können wir dich nur bitten:

Komm! Komm und erbarme dich unser!

Höre, wie wir in der Stille zu dir beten!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Christus spricht:

Ich bin das Brot des Lebens.

Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern;

wer an mich glaubt,

der wird nimmermehr dürsten.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Guter Gott, himmlischer Vater,

hab Dank für alles,

was du uns und der Gemeinschaft,

in der wir leben, geschenkt hast:

Dass wir alle so viele Fähigkeiten des Verstandes,

der Hände und des Gemüts haben!

Gib uns nun noch den Mut und die Bereitschaft dazu,

unsere Talente füreinander einzusetzen,

besonders für die,

denen gerade das, was wir können, fehlt.

Nimm alle Vorbehalte und alle falsche Scheu von uns.

Lass uns zur Gemeinde

und zur Gemeinschaft werden,

die alle deine Geschenke miteinander teilt

durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 13, die Verse 44-46:

 44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.

45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte,

46 und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Halleluja! Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus Jeremia, Kapitel 1, die Verse 4-10:

(auch Predigttext)

 4 Und des HERRN Wort geschah zu mir:

5 Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.

6 Ich aber sprach: Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung.

7 Der HERR sprach aber zu mir: Sage nicht: »Ich bin zu jung«, sondern du sollst gehen, wohin ich dich sende, und predigen alles, was ich dir gebiete.

8 Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten, spricht der HERR.

9 Und der HERR streckte seine Hand aus und rührte meinen Mund an und sprach zu mir: Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund. 10 Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst und bauen und pflanzen.

Amen.

 

Predigt

 

Die Gnade unseres Herrn und Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Das klingt doch alles ganz schön, was wir da als Predigttext gerade gehört oder gelesen haben. Gott beruft den Jeremia zum Propheten. Ja mehr noch! Gott selbst lässt tief in sich blicken. Das mit dem Jeremia war kein Zufall. Jeremia und sein Prophetendienst waren von Anfang an Gottes Idee. Hier haben wir ein wunderbares Beispiel dafür, dass Gott mit dem Menschen – ja ich behaupte sogar mit jedem Menschen –  seinen Plan hat. Der Mensch als Idee Gottes – hier hören wir von Gott selbst davon:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. (Jeremia 1,5)

Nun ist es ja nicht so, dass wir Menschen uns immer schön in Gottes Plan mit uns fügen. Nein, da sind schon eigene Ideen, zumindest meistens. Da haben andere, z.B. unsere Väter und Mütter, manchmal mit uns einen Plan, eine Vision von dem, was einmal aus uns werden kann. Wie oft planen Eltern für ihre Kinder und erkennen manchmal erst sehr spät, dass es ihr eigener Plan ist und nicht der der Tochter oder der des Sohnes. Und nicht selten brechen dann in Familien manchmal schwere Zeiten an!

Oder da ist das andere. Da merken wir manchmal sehr genau, wozu Gott uns drängt, wo er uns hin haben will. Aber wir selbst verweigern uns. Flüchten uns in Ausreden oder versuchen, jeder Unbequemlichkeit in unserem Leben möglichst aus dem Weg zu gehen. Dabei wissen wir manchmal sehr wohl, wo und wogegen wir unsere Stimme erheben müssten, wo wir einschreiten statt wegsehen müssten. Gerade im Moment ist Zivilcourage gefragter denn je – in einer Zeit, in der es gilt, maßvoll und geduldig zu bleiben und andere vielleicht sogar dazu anzuhalten.

Aber dieses Fliehen vor Gottes Anrede an uns, diese Flucht vor dem, wozu Gott uns berufen hat, es hat ja Tradition. Seit den Anfängen scheint es so zu sein. Kein Prophet schreit „Hurra, ich bin Prophet“ und zieht los. Nein, sie versuchen sich alle irgendwie herumzudrücken.

Auch der Jeremia tut es.

Ach, Herr HERR, ich tauge nicht zu predigen; denn ich bin zu jung. (Jeremia 1,6)

Nachdem sich Gott ihm in – wie ich finde – sehr persönlicher Weise anvertraut und sich dem Jeremia geöffnet hat, kommt solch ein Satz. „Ich tauge doch gar nicht dazu!“

Aber da hat Jeremia die Rechnung zu schnell ohne Gott gemacht. Gott lässt nicht von ihm. Er spricht ihm erst einmal Mut zu. Sagt ihm, dass Jeremia dass alles ja nicht allein schaffen muss. Gott verspricht, bei ihm zu bleiben. Ja mehr noch, er rüstet ihn aus. Lässt ihn seine göttliche Kraft spüren. Gott berührt seinen Mund, legt etwas von seiner Kraft in den Jeremia. Er tut es für Jeremia spürbar. Das kommt nicht oft vor. Erst viel später wieder bei Jesus, wenn er die Kranken heilt oder die Kinder in den Arm nimmt und segnet.

Dass Gott so etwas tut, einem Menschen wie Jeremia so spürbar nahe kommt, hat natürlich seinen Grund. Denn das dicke Ende kommt jetzt. Gott sagt dem Jeremia, was er mit ihm vorhat. Sagt ihm, was sein Auftrag sein wird. Das kann den Jeremia natürlich erst einmal umhauen. Denn damit wird er sich bei niemandem zum Freund machen.

Siehe, ich setze dich heute über Völker und Königreiche, dass du ausreißen und einreißen, zerstören und verderben sollst. (Jeremia, 1,10)

Ja, spätestens jetzt hätte ich auch geschaut, ob irgendwo noch ein Fluchttürchen offen ist. Mich hätte die Verantwortung erdrückt, plötzlich als einfacher und junger Mensch über Königen und Völkern zu stehen. Wer bin ich denn, dass Könige und ganze Völker auf mich hören sollten? Das bin doch nicht ich!

Nicht nur das! Ich soll ihnen auch noch ankündigen und sie darin vergewissern, dass es nun erst einmal ganz dicke kommt. Alles, was war und in Stein gemeißelt schien, es hat keinen Bestand mehr. Vertrautes wird nicht mehr sein! Gute Gewohnheiten und Traditionen – ihr könnt sie vergessen. In Kürze wird alles in Klump und Asche liegen, da wird für euch nichts mehr so sein, wie es einmal war. Ihr werdet euch von vielem verabschieden müssen. Vieles wird verderben, vielleicht sogar ihr selbst!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Stellt euch einmal nur kurz vor, Jeremia hätte am letzten Altjahrsabend – also am Übergang von 2019 zu 2020 –  in unseren Kirchen so gepredigt und hätte uns all diese Dinge von Gott her vorhergesagt! Es hätte vielleicht nicht viel gefehlt und er wäre aus so manchen Kirchen geworfen worden. Auf jeden Fall hätte man seine Worte wegen ihrer Unglaublichkeit belächelt und ihn als Phantasten abgetan. Oder einige hätte sich schlichtweg bei ihm beschwert und ihn um einen freundlicheren Vorausblick auf das neue Jahr gebeten, denn so schlimm kann es ja wohl nicht kommen.

Genau so haben es die Menschen damals mit Jeremia und den Propheten gemacht. Genau so hätten wir es heute mit ihm gemacht. Aber genau so hatte Jeremia damals schon Recht. Das Exil kam, die Verbannung! Das altgewohnte Leben – die Menschen damals konnten es über Generationen hinweg vergessen! Und bei uns heute? Ganz ehrlich! Wie sieht’s aus?

Sind wir in dieser Zeit, in der wir gerade leben, genau so und unaufhaltsam in die Katastrophe geschliddert? Wo ist Hoffnung? Welche Hoffnung gibt es? Soll etwa die Katastrophe der Beginn der Hoffnung sein? Soll das alles sein – ausreißen und einreißen, zerstören und verderben? Soll wirklich der Zusammenbruch die Voraussetzung dafür sein, dass Neues entstehen und auch wieder wachsen kann? Gott spricht Worte wie Hammerschläge zu Jeremia! Und da wundert es mich überhaupt nicht, dass er diesen Auftrag nicht annehmen will, sich herausreden möchte! Ich selbst hätte es bestimmt auch getan!

Viermal spricht Gott vom Gericht. Deshalb überhören wir vielleicht auch seine Worte der Gnade. Du sollst bauen und pflanzen! Das sind Gottes letzte Worte an Jeremia. Gott erspart dem Jeremia die Aussicht auf die vielen Schwierigkeiten nicht, aber er erzählt ihm auch vom Ende allen Unheils, von dem Ziel aller Worte, die Jeremia sagen wird.

In diesem Moment wird Jeremia auch wieder an den Anfang der Worte Gottes gedacht haben:

Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker. Fürchte dich nicht vor ihnen; denn ich bin bei dir und will dich erretten! (Jeremia 1,5.8)

Jeremia wird sich an diese ganz anderen Töne Gottes erinnert haben. Töne, die auch uns vertrauter von Gott sind und die uns immer wieder an anderen Stellen begegnen.

Im 139. Psalm lesen wir sie so: „Herr, du erforschest mich und kennest mich, ich sitze oder stehe auf, so weißt du es. Du verstehst meine Gedanken von ferne!“ (Psalm 139,3) Oder an anderer Stelle dort: „Ich danke dir dafür, dass ich wunderbar gemacht bin; wunderbar sind deine Werke; das erkennt meine Seele. … Deine Augen sahen mich, da ich noch nicht bereitet war …“ (Psalm 139,1.2.14.16)

Auf einmal spüre ich förmlich, wie Jeremia das erkennt, was hoffentlich auch viele Menschen immer wieder neu erkennen dürfen, was auch mir selbst oft – gerade auch in schwierigen Zeiten – zu einem tröstlichen Gedanken geworden ist: Ich bin kein Produkt des Zufalls, keine Laune der Natur! Sondern jeder Mensch, jedes Leben ist ein Gedanke, ein Werk des lebendigen und liebenden Gottes! Jeder Mensch!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Wenn es so ist, dass wir alle ein guter Gedanke Gottes sind, ist es denn dann ausgeschlossen, dass er auch heute unter uns Menschen beruft, die sein Wort sagen, die prophetisch reden können, uns die Augen öffnen wollen, uns durchaus schwierige Zeiten ankündigen? Einige haben es doch getan! Einige mahnen zur Vernunft. Sie tun es  dauerhaft und werden dafür kritisiert, diffamiert, verhöhnt und ausgelacht! Es scheint sich im Umgang mit Propheten nichts geändert zu haben, zumindest dann nicht, wenn sie Unbequemes verkündigen!

Aber bleiben wir doch einmal bei einem Blick mit offenen Augen in diese Welt! Da müssen wir doch alle gar keine Prophetinnen oder Propheten sein, um zu erkennen, dass diese Welt sich irgendwie auch dem eigenen Abgrund zu nähern scheint! Da sind die ständigen Zerwürfnisse zwischen den Mächtigen dieser Zeit! Da sind die Kriege weltweit mit ihren verheerenden Folgen von Flucht und Vertreibung. Da wandelt sich das Klima, alle merken es, zu wenige gehen dagegen an! Da ist immer noch Armut und Hunger, auch irgendwie ein scheinbar nicht beherrschbares Virus in der einen Menschheitsfamilie! Und da wissen wir es alle, dass Reiche immer reicher, Arme immer ärmer werden und dass genau das ein immer größer werdendes Pulverfass in unserem menschlichen Miteinander geworden ist!

Und jetzt kommt dann in den letzten Wochen auch noch ein Virus dazu, dass uns unsere ganze Hilflosigkeit und unsere Grenzen noch einmal deutlich aufzeigt? Ja, es deckt sogar die unsägliche Dummheit einiger auf, dich ich noch viel schlimmer finde als unsere Hilflosigkeit!

Sind wir deshalb nicht ebenfalls zu einem prophetischen Leben berufen? Als einzelne? Besonders auch als Kirche? Sollen wir uns wirklich nur noch mit unserem Klagen und unserem eigenen Unvermögen beschäftigen, das uns einreden will, wir können an all diesen Dingen gar nichts ändern?

Du sollst bauen! Und du sollst pflanzen! Ich habe dich ausgesucht! Ich weiß, dass du es kannst und dass du es auch schaffst! – Das ist Gottes Verheißung an Jeremia! Das ist Gottes Verheißung an uns!

Ich wundere mich nicht über das Schweigen und Verstummen derer, die ihren Mund gerade in diesen Tagen aufmachen müssten! Ich wundere mich nicht über die Furcht vor der eigenen Courage! Das kenne, ich seit ich sie kenne, von den alttestamentlichen Propheten auch! Aber ich weiß und hoffe darauf, dass alle die, die das Schicksal vieler wenden können weil, sie Verantwortung übernehmen können, eben vor Gott mit ihrem Schweigen und Abtauchen nicht durchkommen werden. Sie werden ihren Mut neu entdecken und beginnen. Damit beginnen, wieder aufzubauen und neu zu pflanzen.

Und sie sind doch schon dabei! Bei ruhigem Nachdenken ahnen wir doch, wie viele damit beschäftigt sind, Neues entstehen zu lassen! In der Wissenschaft, in der Politik, in der Medizin. Sie tun es durch ihre Forschung, durch ihren persönlichen Einsatz, durch das Werk ihrer Hände und Gedanken! Da sind so viele, die eben nicht einfach ihren Augen und Herzen vor den unbequemen Wahrheiten dieser Tage verschließen! Da sind so viele, die eben auch heute schon damit wieder neu begonnen haben, diese Welt zu gestalten, zu bewahren und die der Schöpfung Gottes in jedem Menschen wieder zu einem liebenden und freundlichen Bild verhelfen werden. Und sie tun das nicht irgendwie einfach so. Nein, ich weiß und vertraue darauf, dass es eben auch viele tun im Hören auf Gottes Wort und seine Verheißung, die genau dazu eben auch den Mut und die Kraft schenkt!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Vielleicht sind viele von uns nicht zu einem „Propheten für die Völker“ bestimmt – das mag ja sein. Aber gerade auch in diesen Tagen, in denen unter uns so vieles infrage gestellt ist und neu gedacht oder anders gelebt werden muss, auf Gottes Wort zu hören, auf seine Verheißung zu vertrauen, wenn sie auch einen langen Atem fordert – das wäre doch schon einmal ein lohnenswerter Neuanfang!

Und ich halte es deshalb nicht für ausgeschlossen, dass Gott auch uns – jedenfalls viel mehr Menschen als sie es selbst denken – seine Worte in den Mund legt.

Ich halte es deshalb ebenfalls nicht für ausgeschlossen, dass viele aus der geduldigen und vernünftigen, im Moment vielfach noch schweigenden Mehrheit plötzlich den unerklärlichen Mut fassen, um aufzustehen, die Wahrheit zu sagen und allem Hass entgegenzutreten.

Ich halte es deshalb nicht für ausgeschlossen, dass wir damit aufhören, uns nur noch ständig gegenseitig zu kritisieren, zu verunglimpfen und unnötig klein zu machen versuchen.

Nein, wir werden die Mauern unserer Selbstrechtfertigung einreißen und vielleicht dann auch wieder einen Spalt zu öffnen beginnen, damit eben Gottes Liebe eindringen und uns erfüllen kann und damit wir selbst diese Liebe auch wieder neu unter die Menschen bringen, so wie wir es können. Ja, dass wir selbst dann auch zu denen gehören, die neue Hoffnung pflanzen!

 

Liebe Schwestern und Brüder!

All das halte ich nicht für ausgeschlossen, weil ich mit euch gemeinsam lesen, hören und spüren möchte, dass es uns gilt, was Gott auch dem Jeremia vor langer Zeit ins Herz gelegt hat: „Fürchte dich nicht! Denn ich bin bei dir und will dich erretten!“ (Jeremia 1,8) Mit diesem Gott, der so zu uns spricht, treten wir selbst all unseren eigenen Ängsten entgegen. Und mit diesem Gott, der so zu uns spricht, wandeln wir sie in neues Vertrauen auf eine gute Zukunft! Und dann werden wir eines Tages gar nicht anders können, als von seinen Wundern wieder zu erzählen! Gott schenke uns diese Hoffnung!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Herr, unser Gott!

Begabte, von dir geliebte Menschen sind wir.

Du hast uns reich beschenkt,

dass wir einander reichlich geben können.

Wir bitten dich für die unter uns,

die ängstlich für sich bewahren wollen,

was sie haben:

dass sie die Gemeinschaft entdecken

und die Freude, die es macht,

mit anderen zu teilen.

Wir bitten dich für alle,

die wirklich weniger begnadet sind als andere,

die nicht so viel für die anderen beitragen können:

dass sie sehen, was doch auch sie haben

und dass sie gerne und ohne falschen Stolz annehmen,

was andere ihnen abgeben können.

Wir bitten dich auch für jene,

die du besonders reich

mit Gütern oder Talenten ausgestattet hast:

dass sie ihre Verpflichtung

an der Gemeinde und Gemeinschaft erkennen,

gerne teilen und dass sie das

ohne Hochmut und Herablassung tun.

Habe Dank, guter Gott,

dass du wie ein Vater für uns sorgst,

dass wir Geschwister sind

und darum ohne falsche Bescheidenheit

von einander nehmen können,

was du uns allen zuwendest.

In der Stille vertraue ich dir an,

was mir auf Herz und Seele liegt.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann bitte ich dich:

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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