Wochenspruch: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 139

 1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. 7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. 11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, 12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater,

in der Taufe hast du uns versprochen,

immer bei uns zu sein.

Du brichst dein Versprechen nie.

Wir aber brechen unsere Versprechen oft.

Wie oft haben wir uns von dir abgewandt?

Wie oft wollten wir eigene Wege gehen,

wollten wir deinen Weg mit uns nicht annehmen?

Vergib uns, Herr,

wir haben niemand anders als nur dich.

So komm, Herr, sei uns nahe und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Der, Herr, unser Gott,

er wendet sich niemals ab.

Er bleibt mit uns auf dem Weg.

Denn so hat er es versprochen:

»Ich will dich unterweisen

und dir den Weg zeigen,

den du gehen sollst;

ich will dich mit meinen Augen leiten.«

 

Du treuer Gott,

du hast uns in der Taufe zu deinen Kindern gemacht.

Lass uns froh und mit Zuversicht unseren Weg gehen,

weil uns nichts von deiner Liebe trennen kann,

die du uns schenkst in Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 28, die Verse 16-20:

 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Halleluja! Ich will deinen Namen kundtun, ich will dich in der Gemeinde rühmen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Alttestamentliche Lesung: Aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 7, die Verse 6-12:

(auch Predigttext)

 6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,

10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.

11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir können heute an dieser Stelle nicht der gesamten Erwählungsgeschichte auf den Grund gehen. Das würde sehr weit führen. Kilometerlang sind Bücher dazu geschrieben worden. Die Erwählung des Volkes Israels hat die Menschen zu jeder Zeit, bis in die heutige beschäftigt. Sie war Anlass zu vielen verhängnisvollen Missverständnissen. Ja, sogar Kriege sind geführt worden, Katastrophen begleiten die Geschichte des Volkes Israels. Erwählung wurde mit falsch verstandener Überheblichkeit, mit einem gesteigerten Sendungsbewusstsein, das andere sich selbst aneignen wollten, verwechselt. Wir sind theologisch mit diesem Thema noch lange nicht fertig. Weitere Bücher werden dazu entstehen, es ist ein Thema, das wohl nie zu Ende gedacht werden kann. Bleiben wir aber in unserem Heute!

Heute, an diesem 6. Sonntag nach Trinitatis werden wir durch unsere liturgischen Texte und durch die Lieder, die vorgeschlagen sind, an die Taufe, vielleicht ja sogar auch an unsere eigene Taufe erinnert. Erinnern Sie sich noch? Wie weit müssen Sie in Ihrer Lebensgeschichte zurück? Wo fand sie statt? Wer war dabei? An vieles können wir denken, wenn wir kurz innehalten, um uns zu erinnern. Säßen wir nun zusammen – so wie wir es immer gern getan haben, wie es im Moment leider nicht geht, aber hoffentlich bald auch wieder neu beginnen wird –, würden wir zu erzählen beginnen. Und welche Geschichten kämen da zusammen! Auch das wären wohl ganz persönliche Erwählungsgeschichten! Bleiben wir aber bei dem alttestamentlichen Text und schauen wir also danach, was dieser Text mit unserer Taufe zu tun hat. Und eigentlich liegt es ja auf der Hand.

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat.

So heißt es in unserem Predigtwort. Und das ist für mich im Horizont der Taufe der entscheidende Satz in diesem Abschnitt.

Vor langer Zeit erwählt Gott einen alten Mann, den Abraham, um die Menschen auf einen neuen Weg zu bringen. Aus dem ganzen israelitischen Sklavenheer in Ägypten da wählt Gott ein Kind aus zum Retter, den Moses. Und er wählt schließlich, so erinnert der Predigttext ein ganz und gar unscheinbares, ein kleines Volk aus: Israel. Nicht etwa, weil es etwas Besonderes war. Nein, Gott tat dies, so sagt es uns die Bibel, er tat es aus Liebe. Die Liebe ist der einzige Grund für die Erwählung.

Erwählung geht immer von Gott aus, der seine Zusage hält. Und das haben wir im Horizont der Taufe zu bedenken. Den Wochenspruch haben wir gehört, und wir haben ihn auf dem Taufstein in der Ev. Lukas-Kirche in Winzenheim, in der wir gerade und wohl auch noch für länger nicht feiern können, immer vor Augen – den Spruch, in dem Gott verkünden lässt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“. (Jesaja 43,1)

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

In der Taufe ruft Gott uns, bindet sich an uns. Wir können dazu nichts tun! Wir sind geliebt. Gott selbst bindet sich an uns, an jede und jeden von uns, so wie er es uns in der Erwählung Israels deutlich machen möchte. Und deshalb lebt kein Mensch allein, niemals! Jede und jeder darf sich begleitet wissen, selbst in den Zeiten, in denen wir manchmal glauben, nichts davon zu spüren! Gott ist da. Gott liebt!

Die Taufe, eines der sichtbaren Zeichen der Liebe Gottes, ist allerdings keine billige Gnade. Ich denke, diese Liebeserklärung Gottes hat auch einen verpflichtenden Charakter.

„Warum liebst du mich eigentlich?“ fragen Menschen manchmal ihre Partnerin oder ihren Partner. Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal so gefragt. Manche führen das dann sogar noch weiter aus. „An mir ist doch eigentlich nichts Besonderes. Andere Männer sind schöner, andere Frauen sind hübscher, vielleicht sogar klüger oder gebildeter. Warum gerade ich?“ Und manchmal können wir – wenn wir ehrlich bleiben – gar nicht richtig antworten. Und nur selten offenbaren wir das, was in uns als Erkenntnis gereift ist: „Für mich bist du die Schönste, der Klügste, das Liebste! Du bist die ideale Ergänzung für mich, zusammen geben wir 100 Prozent!“ Wie wunderbar, wenn Liebende so sprechen könnten. Denn dann lernen wir etwas daraus. Wir lernen: wahre Liebe klammert sich nicht an einzelne Eigenschaften, wahre Liebe meint immer einen ganzen Menschen. Manchmal können wir gar nichts Besonderes nennen, wissen einfach nur: du bist es!

Und so, liebe Schwestern und Brüder, genau so liebt Gott! Er sagt: Nicht weil du etwas Besonderes bist, liebe ich dich. Nein, er sagt, weil du da bist, weil ich dich ins Leben gerufen habe, weil du so unendlich wertvoll in meinen Augen bist, deshalb liebe ich dich!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Ja, ich bleibe dabei. Dass Gott ausgerechnet Israel erwählt hat, dafür gibt es eigentlich gar keinen Grund…

Außer den der Liebe. „Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker, sondern weil er euch geliebt hat.“

Diese Liebe Gottes kennt offenbar keinen Grund, keine Ursache. Darin ist Gottes Liebe wie jede Liebe ganz unverwechselbar. Gottes Liebe ist einfach da, und man sieht ihre Früchte wachsen – oder eben nicht. Wahre Liebe und echte Erwählung kann man sich weder verdienen noch erkaufen, man kann sie weder einfordern noch erwarten noch erzwingen. Man kann Liebe erhoffen und ersehnen, aber niemand von uns hat darauf einen Anspruch. Zuneigung, Liebe und Erwählung  – sie ereignen sich – einfach so. Oder eben nicht! Es gibt Menschen, die glauben sich nicht geliebt. Und ich persönlich denke, das ist mit das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann! Zu meinen: ich werde nicht geliebt!

Und ich glaube es zutiefst – Gott liebt! Gott liebt jede und jeden! Er liebt grundlos, liebt uns ohne Bedenken, er liebt bedingungslos! So ist Gottes Liebe – zu allen Menschen, auch zu uns. Begründen kann man das nicht, sogar letzte Sicherheit wird darin niemand von uns erlangen können. Die Liebe Gottes – sie ist da! Sie wird uns zugesprochen, sie wird immer wieder verheißen, immer wieder neu. Und diese Verheißung gilt. Und da können wir gar nichts tun! Oder? Ich glaube, wir können doch etwas tun!

Was wir tun können, ist, dass wir ein Gefühl für die Liebe Gottes zu uns entwickeln, ein Gefühl für die Liebe, die Gott zu uns hat; einen Glauben, dass da ein liebender Gott ist, der uns behütet, der uns bewahrt. Einen Glauben an Gottes grenzenlose Zuwendung zu uns, der sich aus unserer eigenen Lebenserfahrung nährt. Wie oft haben wir Gottes Nähe gespürt, wie oft hat seine Liebe uns getröstet und getragen? Ja, wir können eine Haltung der Dankbarkeit entwickeln, die uns täglich neu und staunend auf unser Leben blicken lässt. Wenn wir es auch manchmal gar nicht begreifen können, wir können aber weitergeben, was uns geschenkt ist! Wir können weitergeben, was wir Gutes von Gott erfahren haben! Wir können dankbar werden und dankbar bleiben, für den Weg, auf dem Gott uns geführt hat und weiter führen wird.

Und dann werden wir sehr schnell merken, dass Erwählung, dass Gottes Liebe nicht nur allgemein dem Volk Israel, sondern uns, einer jeden und einem jeden von uns ganz persönlich, in unserem Leben geschenkt ist.

Und vielleicht wird da dann eine Melodie Einzug in unser Herz finden und zu klingen beginnen. Wir haben es oft in unseren Kirchen gesungen und werden es bald hoffentlich auch wieder gemeinsam tun!

Bis hierher hat mich Gott gebracht
durch seine große Güte,
bis hierher hat er Tag und Nacht
bewahrt Herz und Gemüte,
bis hierher hat er mich geleit’,
bis hierher hat er mich erfreut,
bis hierher mir geholfen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

wir bitten dich für alle,

in deren Leben Angst und Not

gerade das Bestimmende sind.

Zeige du ihnen den Weg der Hoffnung,

den du uns durch Jesus Christus gegeben hast.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, unser Gott, wir danken dir,

dass du uns immer wieder fähig machst,

Mauern zwischen uns wahrzunehmen und auch abzubauen.

Gib uns Kraft und Mut auch in Situationen,

in denen wir uns bedrängt und alleine fühlen.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, unser Gott, wir bitten dich für unsere Gemeinden.

Lass uns die Menschen nicht vergessen,

die traurig und  einsam sind.

Lass uns die Menschen nicht vergessen,

die am Rande stehen.

Erinnere uns immer wieder daran,

dass du zu ihnen gegangen bist.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, guter Gott,

wir beten für die verfolgte Christenheit

in vielen Ländern überall auf dieser Welt.

Wir beten für den Frieden.

So viel Hass, so viel Gewalt, so viele unschuldige Opfer.

Oft können wir die Bilder kaum ertragen.

Herr, schaffe du, was wir Menschen nicht schaffen.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden.

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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