Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 42

 2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott!

Wie oft lassen wir uns zu Sachen hinreißen,

die wir eigentlich nicht tun dürfen,

die wir vielleicht noch nicht einmal denken dürfen!

Wie oft leben wir mit einem schlechten Gewissen!

Wie oft benutzen wir die Lüge, um die Wahrheit zu vertuschen!

Wie oft leben wir auf Kosten anderer

und schämen uns nicht!

Herr, sieh gnädig auf uns und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann dürfen wir darauf vertrauen,

dass Gott uns eben gnädig ist

und dass er sich unser aller erbarmt.

Denn von ihm ist uns gesagt:

Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die,

die ihn ehren.

 

Und so dürfen wir zu ihm beten:

Herr, unser Gott, dir wollen wir folgen.

Lass uns Abstand gewinnen von allem,

was von dir wegführt.

Deine Gebote wollen wir achten;

unsere Fehler wollen wir einsehen

und Uneinsichtige nicht verachten.

Darum bitten wir in deinem Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, die Verse 36-42:

Vom Umgang mit dem Nächsten

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.

41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 12, die Verse 17-21

(auch Predigttext)

 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hoffe, jetzt lesen einige hier, von denen ich annehmen darf, dass sie unsere kleine, aber so feine Ev. Lukas-Kirche auch vermissen! Die Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen und einzuhaltenden Hygienerichtlinien macht ein Feiern in ihr zur Zeit noch unmöglich. gerade zwei Handvoll von uns dürften gleichzeitig in ihr feiern. Und so weichen wir auf unsere schöne Waldkirche aus. Doch auch dort wird immer wieder neu sichtbar in welch schwieriger zeit wir gerade leben. Auch dort gilt es, vieles einzuhalten und auch anders zu organisieren. Die Leichtigkeit in vielem ist auf der Strecke geblieben.

Vielleicht geht es einigen von Euch ja auch so. Es ist schwierig, den Glauben für sich allein zu leben. Unser christlicher Glaube ist nun einmal auch zu einem ganz großen Teil ein Gemeinschaftsglaube. Und mir fällt es deshalb auch einfach viel leichter, in unserer Kirche christlich zu sein. Da bin ich mit  Gleichgesinnten vor Gott, fühle mich geborgen von Gott und von einer Gemeinschaft, in der ich meinen Platz gefunden habe.

Da in der Kirche –  da ist die Bibel mit Gottes Wort mir nahe. Jesus ist Gottes Sohn und alle Menschen sind dort Gottes Kinder – wie ich. Ich kann sie sehen, sie hören, bis vor kurzem durfte ich sie beim Händeschütteln oder einer Umarmung sogar spüren.

Und gemeinsam in der Kirche da sind wir natürlich alle wie selbstverständlich für den Frieden, gegen Feindschaft unter den Menschen, sind wir alle viel leichter für Vergebung und gegen jede Vergeltung, sind wir für natürlich auch alle gleichermaßen für die Nächstenliebe, die Toleranz und das Verständnis und gegen jede Fremdenangst, Rechthaberei und Härte. In der Kirche geben wir Jesus selbstverständlich Recht, was immer er auch von uns verlangt. Gern folgen wir seiner Rede, die uns so überzeugend klarmacht, daß es immer noch besser sei, die andere Wange hinzuhalten, als die empfangene Ohrfeige mit gleicher Schlagkraft heimzuzahlen. In der Kirche geht alles – alles, was Paulus im Anschluss an die alten Schriften und die neue Botschaft Jesu den römischen Christen in ihr Stammbuch schreibt; es geht ohne Anstoß über die Schwelle unseres Gemüts. Die Rache ist süß, – das lässt uns Paulus vergessen. Sein mahnender Finger weist nach oben, zum Himmel hin: dort wird vergolten, nicht auf Erden in unseren Herzen. Kann Böses denn überhaupt anders überwunden werden als durch Gutes? Kann unsere Verstrickung in friedlose Aggressionen, die sich ja so manches Mal auch in uns selbst breit machen wollen,  überhaupt anders bezwungen werden als durch unsere Fähigkeit zur Ruhe, zum Vertrauen auf Gott, dem wir uns in solchen Situationen anvertrauen dürfen? In so vielen Liedern besingen wir den Frieden, auch den inneren Frieden in uns, singen wir über Versöhnung und Nächstenliebe. Wer würde dort in der Kirche, wenn wir es gemeinsam tun, nicht aus voller Überzeugung mitsingen wollen?

Liebe Schwestern und Brüder!

Was ist aber eigentlich, wenn sich die Kirchentüren dann immer auch irgendwann hinter uns schließen, wenn das letzte Lied gesungen und der Segen gesprochen ist? Was ist denn, wenn wir herausgehen in den Alltag, der morgen ja auch wieder neu beginnt? Sieht dann nicht alles schon wieder ganz anders aus? Manchmal erwacht dann ja doch der alte Adam in uns aus seinem Kirchenschlaf und ergreift wieder ganz unauffällig Herrschaft über uns. Schnell merken wir das, was schon oft zu unserer eigenen Erfahrung geworden ist: Der Alltag ist mit den einfachen christlichen Grundsätzen doch nicht immer so leicht in den Griff zu bekommen – beim besten Willen nicht.

Unvergessen bleibt mir eine Konfirmandin – es ist schon einige Zeit her –, die an einem Seminar, in dem wir über das Phänomen der Gewalt nachdachten, ihren Schulweg beschrieb, der sie immer durch eine Unterführung in unserer Stadt führt, fragte: „Ja, was mach’ ich denn, wenn sich die Großen auf dem Schulweg mir in den Weg stellen, und mein Taschengeld wollen und dabei ein Messer blitzt? Wenn ich denen nicht gebe, was ich habe? Vielleicht komme ich ja dann gar nicht mehr dazu, die andere Backe hinzuhalten. Die hauen einmal so zu, da bin ich platt! Da muß ich entweder rennen, oder zuerst zuhauen!“ Ich weiß in meiner Erinnerung, dass ich diesem Mädchen, das sich sehr wohl auch zu verteidigen wusste, nicht empfahl: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann!“

Kann dieser Satz – wie ich finde „Spitzenworte“ des Paulus – überhaupt Bestand haben, wenn sich nicht alle gleichermaßen daran halten? Würden mich Jugendliche, die mich so fragen, bei solch einer Antwort eigentlich noch ernst nehmen?

Und ich denke an den jungen Mann aus Bosnien. Wir feierten damals gemeinsam, Pfarrer Stephan Wahl aus der katholischen Nachbargemeinde St. Peter, Jugendliche aus Kroatien, Bosnien und Serbien und ich als Vertreter der evangelischen Kirche einen Versöhnungsgottesdienst zum Ende des Balkankrieges. Und in der Vorbereitung mit den ausländischen Gästen erzählte dieser junge Mann, wie man seine Familie niedergemetzelt hat. Er schilderte es so, dass uns allen die Tränen kamen und mir persönlich einfach schlecht wurde. Wenn ich mir heute noch vorstelle, dass er dies alles ja nicht nur aus Erzählungen kennt, sondern mitansehen musste, da verstehe ich heute noch – wenn ich ehrlich bleibe – sein Recht auf seine Wut, vielleicht sogar den Hass auf die Mörder. „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.!“ Würde er mich nicht für verrückt halten, wenn ich ihm in diesem Augenblick damit gekommen wäre? Vielleicht hätte ich es tun müssen, aber ich konnte es nicht!

Ich denke auch an eine Frau, die ich aus meiner Gemeindearbeit kenne und die es auch mir manchmal nicht gerade leicht gemacht hat. Sie wohnte mit vielen anderen in einem Haus und hat den anderen Mietern durch ihre Boshaftigkeit das Leben in diesem Haus manchmal wirklich „zur Hölle machen können“. Bei einem Geburtstagsbesuch sagte mir ein alter Mann, der ebenfalls in diesem Haus wohnte: „Herr Pfarrer, ich weiß ja daß die Nachbarin alt, krank und verbittert ist. Aber immer wenn ich sie sehe, dann könnte ich ihr eine ‘runterhauen. Der ewige Ärger mit ihr vermiest meiner Frau und mir jede Lebensfreude. ‘Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben’, sie kennen das ja!“ Eines Tages treffe ich die beiden und sie sind wie verwandelt. „Stellen sie sich vor, unsere Nachbarin ist in ein Altersheim umgezogen! Jetzt ist endlich Ruhe!“

Und noch ein letztes Beispiel, an das ich denken musste, als ich diesen Predigttext las und mir Situationen in den Sinn kamen, die ich in meiner Arbeit schon erlebt habe und in denen ich mich innerlich mit den Worten des Paulus irgendwie immer auseinandersetzen musste. Dieses letzte Beispiel kommt den Worten des Paulus vielleicht am nächsten. Ich denke an einen Wirt in meiner Heimatstadt, mittlerweile hat er sich leider zur Ruhe gesetzt. Aber als Freunde begegnen wir uns weiterhin. Ein Betrunkener stänkerte in seinem Lokal alle Gäste an. Und weil ihn keiner beachtete, wurde er immer wilder und lauter. Und als der Wirt – ein Schrank von einem Mann – hinter dem Tresen hervorkam, um leere Gläser einzusammeln, da kippte ihm der Betrunkene ein Glas Bier vor die Brust. Stille im Lokal, jeder dachte, nun packt er ihn endlich und schmeißt den Trunkenbold ‘raus. „Wenn ich wollte, könntest du jetzt ‘was erleben!“, sagte er, drehte sich um, sammelte die Gläser weiter ein und ging wieder hinter den Tresen, um weiterzuarbeiten. Der Betrunkene schaut sich um, sagte nichts mehr, legte Geld auf den Tisch und verschwand. Diese Szene bleibt mir unvergesslich.

Dieser Wirt, dieser Freund bewegte sich, vermutlich natürlich ohne es zu wissen, genau auf dem Kurs des Paulus. Während ein labiler Gegner Streit sucht, konnte er es sich leisten, einen eskalierenden Konflikt zu entschärfen. Dieser Wirt und Freud ist wahrlich kein Mensch, der sich alles gefallen läßt. Aber in einer Zeit wachsender Gereiztheit und vorschneller Gewaltbereitschaft war er ein lebendiger Beweis dafür, daß eigentliche Stärke und Gewalt eben nicht das gleiche sind.

Dem Einwand, den jetzt einige im Kopf haben, dass dieser Wirt ja nicht besonders christlich, sondern allenfalls klug und umsichtig gehandelt habe, dem kann ich zumindest mit dem Hinweis begegnen, daß Jesus selbst diejenigen klug nennt, die sich nach seinen Worten richten. Und das tat er ja, bewusst oder unbewusst. Und so sehen wir, daß das Christliche und das Vernünftige durchaus gute Partner sein können.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Was bleibt nun aber von diesem eigentlich schönen Text des Römerbriefes – einem Text, der Wut und Ohnmacht gleichermaßen auslösen kann wie Faszination und neuen Mut! Wenn uns denn nur schon einmal die Einsicht bliebe, dass die Rache nicht unsere Sache ist, dass sie göttlich ist – wenn Gott überhaupt einen Rachegedanken kennen sollte! Wenn uns doch der Glaube bliebe, dass bei Gott Rache und Vergeltung nicht einfach Zurückschlagen oder Draufhauen bedeutet, sondern dass Gott damit allenfalls meint, jedem die Gerechtigkeit zukommen zu lassen, die ihm zusteht, Opfern wie auch Tätern. Wenn uns der Glaube bliebe, dass Unrecht auch heute noch Unrecht bleibt, und Recht letztlich eben doch über Unrecht siegt – wenn uns das alles bliebe, dann wären wir schon weit.

Vieles spricht aber dagegen. Und manche Geschehnisse, Ereignisse, die uns manchmal durch die Fernsehkanäle bis ins Wohnzimmer geliefert werden, sprechen so radikal dagegen, dass bei vielen eigene Resignation über den Zustand dieser Welt schlichtweg in Wut umschlägt. Ich denke, nur deshalb können sich auch in unserem Land, aber auch in vielen anderen, wieder radikale Strömungen breit machen. Dies alles ist nur möglich, weil wir es offensichtlich verlernt haben, uns auf Wege zu begeben, die z. B. der Apostel Paulus vorzeichnet. Wer von uns ist denn heute noch bereit, sich den Mechanismen und Automatismen dieser Zeit entgegenzustellen? Wer predigt den seinen Kindern denn noch den Frieden, statt ihnen das Recht des vermeintlich Stärkeren nahezubringen?

Um Böses nicht mehr mit Bösem zu vergelten, um gut gegen jedermann zu werden, um Frieden zu bringen denen, die auf Frieden warten, um vor dem Bösen niemals einfach zu kapitulieren, da bedarf es eines inneren Friedens, den wir Christinnen und Christen wiederfinden müssen. Wie erschüttert ist er aber gerade bei so vielen Menschen! Aber dieser innere Frieden muss wieder so stark werden, dass er auch außerhalb unserer Kirchenmauern trägt, uns durch den Alltag hindurchträgt und so dann auch wieder unseren Alltag verändert.

Ich habe dafür keine Patentrezepte. Aber eines weiß ich: Solange wir an unseren Stammtischen weiterhin unsere radikalen Sprüche loslassen, die so ganz anders klingen, als die Worte, die wir uns z.B. in unseren Kirchen sagen,  solange wir weiter versuchen, unser Glück und Frieden auf dem Rücken derer aufzubauen versuchen, die wir für all unsere gesellschaftlichen Miseren verantwortlich machen, seien es Arbeitslose, Asylsuchende, Zugezogene, Menschen, die irgendwie aus der Norm fallen, – solange wir auf so manch versteckte Art selbst Gewalt schüren und letztendlich Gewalt dadurch hoffähig machen, solange geben wir dem Paulus, nein, solange geben wir uns selbst, keine Chance, unser Leben anders, eben gottgefällig zu gestalten.

Wenn Politikerinnen und Politiker den inneren Frieden in unserem Land bedroht sehen, dann sehen sie nur kurz. Wir selbst müssen uns fragen, wieviel an Frieden in uns selbst schon zerbrochen ist. Sind wir noch friedensfähig? Sind wir noch dazu fähig, aus einem vertrauensvollen Glauben heraus, Frieden in uns wachsen zu lassen? Einen Frieden, der uns auch wieder fähig macht, uns selbst aus so manch dummen radikalen Geschwätz herauszuhalten. Gerade in der letzten Zeit, den letzten Wochen und Monaten waren da auf einmal so viele verworrene Köpfe, die ihre abstrusen Meinungen herausposaunen konnten, dass mir selbst mein Kopfschütteln dafür schon zu viel an Reaktion war. Aber genau in solchen Momenten erlebte ich es eben auch wieder an mir selbst: Menschen, die Frieden bringen, müssen selbst vom Frieden erfüllt sein. Und das ist manchmal eine wirklich schwere Übung!

Deshalb bleibt einiges für uns selbst zu tun, ehe wir mit dem Finger auf andere zeigen. Wir müssen uns wohl selbst erst wieder neu zu dem erziehen, was Paulus hier sagt. Müssen neu verstehen lernen, was er uns sagen will: Tu dir selbst nichts Böses an, dann tust du es wohl auch keinem anderen! Sei gut zu dir, dann strahlt deine Güte aus! Finde deinen eigenen Frieden, dann machst du deine Umgebung friedlich! Und kapituliere nicht vor dem Bösen, denn dann kapitulierst du vor dieser Welt! Vielleicht verschaffst du der Welt nicht ihr Recht, aber setz dich für das Recht ein, wo du es nur kannst. Und dabei glaube daran und vertraue darauf: Gott will Gerechtigkeit, für diese Welt, für die Menschen in dieser Welt, er will sie für dich!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Wir haben deine Gebote gelernt.

Aber noch öfter haben wir sie umgangen.

Wir kennen deine Gebote oftmals nur von ferne.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Gib uns zu verstehen,

daß wir für unsere Gedanken und Taten

Maßstäbe brauchen.

Deine Gebote führen in die Freiheit,

sie sind Wegweiser zum Leben.

Hilf uns Menschen,

dies endlich zu verstehen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

An vielen Orten dieser Erde

werden deine Gebote mit Füßen getreten.

Da wird die Erde ausgebeutet und zerstört,

da gelten Menschenrechte nichts,

da leben Menschen auf Kosten anderer.

Unrecht schreit zum Himmel.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Herr, wir sehen auf unser Leben.

So vieles ist anders geworden.

Wir schauen nicht nur auf uns,

sehen vielmehr auch auf andere.

Befreie uns von allem Neid.

Herr, schenke du uns die Ruhe und Gelassenheit,

in unserem Leben das Schöne zu sehen.

Dann bleiben wir auch hellhörig

für die Nöte der anderen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger Dunkel

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