Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 7. Sonntag nach Trinitatis, 26. 07. 2020

Wochenspruch: So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen. (Eph 2,19)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 107

 1 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

2 So sollen sagen, die erlöst sind durch den HERRN, die er aus der Not erlöst hat,

3 die er aus den Ländern zusammengebracht hat von Osten und Westen, von Norden und Süden.

4 Die irregingen in der Wüste, auf ungebahntem Wege, und fanden keine Stadt, in der sie wohnen konnten,

5 die hungrig und durstig waren und deren Seele verschmachtete,

6 die dann zum HERRN riefen in ihrer Not und er errettete sie aus ihren Ängsten

7 und führte sie den richtigen Weg, dass sie kamen zur Stadt, in der sie wohnen konnten:

8 Die sollen dem HERRN danken für seine Güte / und für seine Wunder, die er an den Menschenkindern tut,

9 dass er sättigt die durstige Seele und die Hungrigen füllt mit Gutem.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater!

Wie Hunger und Durst wiederkehren,

so auch das Verlangen nach Leben.

Wir betäuben es, weil wir es nicht stillen können.

Unser Mangel wird spürbar im Überfluss.

So viel ist es, was wir haben;

so wenig ist es manchmal, was wir sind.

So bitten wir dich:

Wende dich niemals von uns ab;

Höre uns,

wenn wir in der Stille um dein Erbarmen bitten:

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und Christus erbarmt sich unser,

und er selbst lädt uns ein,

wenn er zu uns spricht:

Ich bin das Brot des Lebens.

Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern,

und wer an mich glaubt, den wird nimmermehr dürsten.

Ehre sei Gott in der Höhe!

 

Du, Herr und Gott, schenkst uns,

was wir zum Leben brauchen,

du schenkst uns deinen Sohn.

Er ist das Brot des Lebens.

Mache du unser Herz weit,

dass wir wahrnehmen,

wie reich deine Güte für alle Menschen ist,

in Jesus Christus unserem Herrn,

der mit dir und dem Heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Hebräerbrief, Kapitel 13, die Verse 1-3:

 1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe.

2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt.

3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 6, die Verse 1-15:

(auch Predigttext)

 1 Danach ging Jesus weg ans andre Ufer des Galiläischen Meeres, das auch See von Tiberias heißt.

2 Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat.

3 Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern.

4 Es war aber kurz vor dem Passa, dem Fest der Juden.

5 Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt, und spricht zu Philippus: Wo kaufen wir Brot, damit diese zu essen haben?

6 Das sagte er aber, um ihn zu prüfen; denn er wusste wohl, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Für zweihundert Silbergroschen Brot ist nicht genug für sie, dass jeder auch nur ein wenig bekomme.

8 Spricht zu ihm einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus:

9 Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele?

10 Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Es war aber viel Gras an dem Ort. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer.

11 Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten.

12 Als sie aber satt waren, spricht er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrigen Brocken, damit nichts umkommt.

13 Da sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren.

14 Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll.

15 Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder!

Eines gleich vorweg: Ich weiß es nicht! Ich weiß nicht, wie Jesus das gemacht hat und wie das alles funktioniert haben soll – damals da am Seeufer. Und gleich noch eines vorweg: Für meine Art zu glauben, ist dies auch überhaupt nicht wichtig. Überhaupt nicht! Wenn immer nur das bloße Wunder im Vordergrund stünde und wenn unser ganzes Verstehenwollen sich nur auf die Wunder ausrichten würde, die Jesus tut, dann wird das Nichtverstehen dieser Handlungen Jesu ja geradezu zu einem Symbol unseres Kleinglaubens und unserer Zweifel. Wie armselig würden wir dann mit solchen Geschichten verfahren!

Nein, so kann es doch wohl nicht sein. Ich denke, wir müssen uns auf die Suche nach anderen Dingen und Verstehensmöglichkeiten machen, wenn wir solche Geschichten lesen oder hören. Tun, wir das auch hier. Begeben wir uns auf eine kleine Entdeckungsreise und fragen wir nach dem Sinn einer solchen erzählten Begebenheit für uns heute und für unseren Glauben. Schauen wir auf die vielen Dinge um das eigentliche Wunder herum.

Da sind so viele Menschen, fünftausend Männer, sagt die Bibel, wieviele Frauen und Kinder da noch dazu kommen, können wir nur ahnen. Nicht die Zahl der Menschen versetzt mich in Staunen – wieviele es wirklich waren, wissen wir nicht -, aber was mich in Erstaunen versetzt, ist die Tatsache, wie bekannt Jesus schon war, wie verbreitet sein Wirken schon war. Wir reden zu oft von den Jüngern, den Aposteln, den Freunden, vor denen Jesus redete. Nein, da gab es wohl doch schon eine größere Bewegung hin zu diesem Jesus, aus welchen Gründen auch immer. Seine Taten hatten sich herumgesprochen, ganz am Anfang wird es ja gesagt. Und es zog ihm viel Volk nach, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. (V. 2) Sein Wirken konnte nicht mehr verborgen bleiben, es zog immer weitere und größere Kreise. Dies als eine erste Beobachtung.

Gehen wir ein Stückchen weiter. Jesus sieht auf die Menschen und weiß, dass sie Hunger haben. Er weiß um ihre Not, und er weiß, dass etwas dagegen zu tun ist. Eine Not zu sehen, lindert sie noch nicht. Gegen eine Not zu wirken, das schafft Mut und neue Hoffnung, gibt Kraft zu neuen Anfängen. Und Jesus weiß ganz genau: Es ist das eigentlich Unmögliche zu wagen. Sie waren schließlich nicht groß organisiert, hatten keinen funktionierenden Apparat zur Verfügung. Kreativität war gefragt. Und er testet einen seiner engsten Anhänger, den Philippus: Wo kriegen wir all das her? Und Philippus reagiert, wie Jesus es erwartet hat, nämlich in dem ganz eingefahrenen Denkschema: Wir müssen etwas haben, müssen etwas machen, dazu brauchen wir Geld, viel Geld, haben wir aber nicht, geht also nicht! Philippus bedient sich offensichtlich nicht nur des ewig gleichen Denkschemas, nein, er bediente sich damals schon des immer noch gültigen und gerade in der Kirche noch immer weit verbreiteten Denkschemas: Kein Geld, geht also nicht! Der Andreas aber, der ahnt wohl, daß Jesus hier eine erwartete Antwort bekommt, eigentlich doch aber etwas anderes erhofft. Andreas geht einen Schritt weiter. Er sieht auf die Anfänge, aber weiß den Weg noch nicht. Aber er geht in die richtige Richtung. Sieh Jesus, der Junge hat fünf Brote und zwei Fische, aber das reicht doch wohl nicht! Nun ist es für Jesus Zeit, einzugreifen. Das Wunder geschieht, wie auch immer. Brot genug, Fisch genug, sie sammeln die Reste in Körben, in zwölf Körben.

Bis zu diesem Punkt reicht meist unsere Erinnerung an diese Geschichte. Aber da gibt es ja noch den so wichtigen Schluß, einen Schluß, der in so vielen Auslegungen und in so vielen Bibelarbeiten zu dieser Geschichte einfach unterschlagen wird.

Die Menschen erkennen in dem Wunder den Propheten, auf den sie so gewartet hatten: „Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll“ (V. 14), sagen sie. Schauen wir deshalb in diesem Moment ganz auf Jesus. Auch ihm wird es in diesem Moment noch einmal ganz deutlich. Ganz eindringlich wird er durch sein eigenes Tun an seinen eigenen Auftrag erinnert. Er sieht plötzlich ganz offen, was werden wird und dass nichts, aber auch gar nichts dies verhindern wird. Johannes schreibt: Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein. (V.15)

Jesus sieht die Massen. Er merkt plötzlich, wie sie ihm nahe kommen werden. Sie werden versuchen, ihre Sehnsucht auf den Befreier an ihm zu stillen. Er ahnt ihre Sehnsucht nach einem machtvollen Herrscher, der ihrer Besetzung ein Ende machen wird. Sie warten auf einen mächtigen König in der Tradition ihrer Väter. Sie werden ihn nicht in Ruhe lassen. Und Jesus weiß: Er ist ja auch derjenige, der da kommen soll. Nur, er ist ganz anders gekommen, als erwartet. Er wird ganz anders bei ihnen ankommen als erwartet.

Sein Weg wird überhaupt ein ganz anderer sein, als sie alle erwarten. Nicht die Maßstäbe der vielen Menschen gelten. Nein, allein Gottes Maßstäbe werden an ihn gelegt. Werden. Sein Weg ist vorgezeichnet. Er läßt sich nicht mehr aufhalten. Und das alles kann er ihnen in diesem Moment nicht erklären. Er kann ihre Erwartungen im Moment nicht erfüllen. Und so muß er einfach jetzt mal weg. In all seiner Traurigkeit in diesem Moment, da gibt es für ihn nur die Einsamkeit, die Stille. Und genau in die flüchtet er sich, allein auf einen Berg, wohlwissend: aufhalten kann er das, was kommt, kommen muß, nicht mehr.

Liebe Schwestern und Brüder!

Ich denke, dies alles geschieht in dieser Geschichte da am Seeufer. Das eigentliche Wunder, die Vermehrung des Brotes, tritt dabei doch eigentlich ganz in den Hintergrund, oder? Und jetzt schaue ich auf uns Menschen heute, auf die vielen Christinnen und Christen. Nicht wenige sitzen da und warten, warten auf das Wunder. Auf das Wunder, daß ihr Hunger gestillt wird: gerade wohl vor allem auf das Ende dieser Pandemie-Zeit mit ihren so tiefgreifende Veränderungen bis in jede Wohnung, jedes Haus, jede Familie! Da bleibt hinter den gerade aktuellen Sorgen, auch das, as vorher auch schon da war: der Hunger nach Antworten auf die vielen Fragen dieser Zeit, der Hunger nach Arbeit. Und da bleibt der Hunger nach einer neu aufbrechenden Kirche! Die Frage nach solch einer Kirche beschäftigt uns eigentlich immer in den letzten Jahren! Aber jetzt stellt sie sich ganz neu. Kirchen liegen brach, weil in ihnen plötzlich keine Gottesdienste mehr möglich sind. Gemeindearbeit ruht an vielen Orten, weil Menschen sich nicht mehr unbefangen treffen können, es vielleicht gar nicht dürfen. Vielleicht wird nichts mehr so, wie es war. Aber wie wird es dann?

Kirche ist Kirche Gottes und bleibt es auch, das ist wohl wahr! Aber trotzdem: Kirche, zeig‘ dein Gesicht, vielleicht dein neues Gesicht! Und bei all den neuen Formen, die gerade über uns hereinbrechen. Bei all den neuen Formen und bei einem vielleicht ganz neuen Gesicht frage ich, weil es mich persönlich umtreibt: Bleibst du eine Kirche, die auch wieder eindeutig für die Menschen eintritt und dabei sich selbst vergisst oder sich zumindest hinten anstellt? Bleibt in dir der Hunger nach Versöhnung einer gespaltenen Kirche?

Und dann höre ich Jesus zurückfragen, wie in der Geschichte da am See: Wo bekommen wir all das her, was die Menschen brauchen; was geben wir ihnen? Dann  sehe ich ein Mitglied aus den Leitungen unserer Kirchen aufstehen und höre, wie er die Worte des Philippus nachspricht: Wir haben nicht genug Geld! Klar: Wir müssen etwas haben, wir müssen etwas machen, müssen mehr machen, müssen Dinge ganz anders und ganz neu machen und denken! Und dazu brauchen wir Geld, viel Geld, haben wir aber nicht, geht also nicht! Da können wir leider gar nichts mehr machen!

Ich stelle mir gerade die Trauer in den Augen Jesu über solch eine Antwort vor. Aber dann steht vielleicht ja doch einer wie der Andreas in der Geschichte auf und sagt: Wir haben noch etwas, nicht mehr viel. Wir haben nicht mehr das viele Geld! Aber wir haben die Vision einer Kirche, in der Menschen ihre Ideen einbringen dürfen und werden. In der Menschen wieder entdecken, das nicht nur ihr Geld gefragt ist, sondern ihr Engagement und ihr Wille zur Versöhnung. Wir brauchen Menschen, die Mut haben zu teilen, was sie haben, damit sie erkennen, welch ein Reichtum in ihnen schlummert und wie bewegend sie eigentlich sein könnten! Leider sind wir zu wenig! Aber wir können immer noch und immer wieder neu denken und neu werden!

Jetzt sehe ich das Leuchten in den Augen Jesu. Es ist Zeit für sein Wunder: Schaut euch einmal genau um, höre ich ihn sagen. Schaut euch um, erkennt euch als Schwestern und Brüder, erkennt eure Fähigkeiten. Jedem Menschen hat mein Vater Talente gegeben, die an anderen wirken sollen. Auch wenn ihr jetzt vielleicht vereinzelt in euren Häusern und Wohnungen sitzt. Auch wenn euch gerade so vieles zu fehlen scheint! Erkennt doch, was ihr schon einmal geschaffen habt, soviel Gutes, lasst es nicht vor die Hunde gehen. Schaut auf das, was ihr geschafft habt in euren Gemeinden! Schöpft auch daraus die Kraft zu neuen Anfängen. Neue Anfänge, die vielleicht wirklich ganz anders gedacht, ganz neu gelebt werden müssen! Ich gehe mit euch! Deshalb wird es auch gelingen!  Ihr werdet merken, wie viel unter euch möglich wird, wenn ihr wieder auf das Ganze seht. Da ist viel mehr in euch als ihr ahnt! Viel, viel mehr, also resigniert nicht!

Liebe Schwestern und Brüder!

Wo wir das Unerwartete unter uns zulassen, gerade auch in einer Zeit wie dieser, in der viele von uns immer noch wie gelähmt erscheinen, in einer Zeit, in der wir nicht nur auf Wunder warten, sondern das Wunderbare unter uns entdecken und plötzlich auch wieder wachsen sehen, da werden wir uns nicht satt sehen können an der Fülle, die Gott uns schenkt und wieder neu schenken will. Wo wir das Wunderbare unter uns zulassen, da werden wir die Erfahrung Jesu machen und teilen, die er selbst da am See gemacht hat. Es wird gesehen und es wird eben wachsen. Und niemand wird es rückgängig machen können, niemand. Weil Gott selbst will, dass wir weitermachen und weiterkommen. Auch in unserer Kirche, auch mit unserer Kirche, mit allen Menschen in den vielen Gemeinden. Auch in unserer! So soll es sein, so will es Gott!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Guter Gott und Vater!

Du gibst uns, was wir zum Leben brauchen!

Wenn unser Weg durch die Wüste führt,

wenn wir nicht mehr wissen,

wohin wir noch gehen sollen,

wenn wir verzweifeln,

weil wir die Richtung in unserem Leben verloren haben,

dann erhältst du uns auf wunderbare Weise.

Gott, du kennst unsere Verdrossenheit,

gerade auch in diesen Zeiten.

Darum bitten wir:

wenn uns unklar ist, wie es mit uns weitergehen soll,

lass uns die erfreulichen Dinge im Leben wiederentdecken.

Wir selbst übersehen sie so leicht.

Wenn wir an den Kleinkriegen mit Menschen,

die wir eigentlich lieben,

zu ermüden drohen,

dann ermuntere du uns zu neuen Friedenschlüssen.

Laß uns einen neuen Anfang machen.

Wenn wir griesgrämig werden,

weil die Sorge unsere ganze Kraft verbraucht,

überrasche uns mit Zeit,

die wir ganz für uns gestalten können

und die uns deshalb nicht zu lang wird.

Wenn die Gefahr besteht,

dass wir unser Leben vertun,

dann achte du auf uns und sorge dich um uns.

Lass uns finden, was wir täglich brauchen,

lass uns dich immer neu finden,

damit wir uns immer wieder neu aufmachen können.

Mit deinen Wundern schenkst du uns,

was nötig ist,

du schenkst uns jeden neuen Tag.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

 

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 6. Sonntag nach Trinitatis, 19. 07. 2020

Wochenspruch: So spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein! (Jes 43,1)

 

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 139

 1 HERR, du erforschest mich und kennest mich.

2 Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne. 3 Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.

4 Denn siehe, es ist kein Wort auf meiner Zunge, das du, HERR, nicht alles wüsstest. 5 Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir.

6 Diese Erkenntnis ist mir zu wunderbar und zu hoch, ich kann sie nicht begreifen. 7 Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht?

8 Führe ich gen Himmel, so bist du da; bettete ich mich bei den Toten, siehe, so bist du auch da.

9 Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer,

10 so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten. 11 Spräche ich: Finsternis möge mich decken und Nacht statt Licht um mich sein –, 12 so wäre auch Finsternis nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtete wie der Tag. Finsternis ist wie das Licht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott und Vater,

in der Taufe hast du uns versprochen,

immer bei uns zu sein.

Du brichst dein Versprechen nie.

Wir aber brechen unsere Versprechen oft.

Wie oft haben wir uns von dir abgewandt?

Wie oft wollten wir eigene Wege gehen,

wollten wir deinen Weg mit uns nicht annehmen?

Vergib uns, Herr,

wir haben niemand anders als nur dich.

So komm, Herr, sei uns nahe und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Der, Herr, unser Gott,

er wendet sich niemals ab.

Er bleibt mit uns auf dem Weg.

Denn so hat er es versprochen:

»Ich will dich unterweisen

und dir den Weg zeigen,

den du gehen sollst;

ich will dich mit meinen Augen leiten.«

 

Du treuer Gott,

du hast uns in der Taufe zu deinen Kindern gemacht.

Lass uns froh und mit Zuversicht unseren Weg gehen,

weil uns nichts von deiner Liebe trennen kann,

die du uns schenkst in Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 28, die Verse 16-20:

 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.

Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten.

Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes

und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Halleluja! Ich will deinen Namen kundtun, ich will dich in der Gemeinde rühmen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

Alttestamentliche Lesung: Aus dem 5. Buch Mose, Kapitel 7, die Verse 6-12:

(auch Predigttext)

 6 Denn du bist ein heiliges Volk dem HERRN, deinem Gott. Dich hat der HERR, dein Gott, erwählt zum Volk des Eigentums aus allen Völkern, die auf Erden sind.

7 Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern –,

8 sondern weil er euch geliebt hat und damit er seinen Eid hielte, den er euren Vätern geschworen hat. Darum hat der HERR euch herausgeführt mit mächtiger Hand und hat dich erlöst von der Knechtschaft, aus der Hand des Pharao, des Königs von Ägypten.

9 So sollst du nun wissen, dass der HERR, dein Gott, allein Gott ist, der treue Gott, der den Bund und die Barmherzigkeit bis ins tausendste Glied hält denen, die ihn lieben und seine Gebote halten,

10 und vergilt ins Angesicht denen, die ihn hassen, und bringt sie um und säumt nicht, zu vergelten ins Angesicht denen, die ihn hassen.

11 So halte nun die Gebote und Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, dass du danach tust.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Wir können heute an dieser Stelle nicht der gesamten Erwählungsgeschichte auf den Grund gehen. Das würde sehr weit führen. Kilometerlang sind Bücher dazu geschrieben worden. Die Erwählung des Volkes Israels hat die Menschen zu jeder Zeit, bis in die heutige beschäftigt. Sie war Anlass zu vielen verhängnisvollen Missverständnissen. Ja, sogar Kriege sind geführt worden, Katastrophen begleiten die Geschichte des Volkes Israels. Erwählung wurde mit falsch verstandener Überheblichkeit, mit einem gesteigerten Sendungsbewusstsein, das andere sich selbst aneignen wollten, verwechselt. Wir sind theologisch mit diesem Thema noch lange nicht fertig. Weitere Bücher werden dazu entstehen, es ist ein Thema, das wohl nie zu Ende gedacht werden kann. Bleiben wir aber in unserem Heute!

Heute, an diesem 6. Sonntag nach Trinitatis werden wir durch unsere liturgischen Texte und durch die Lieder, die vorgeschlagen sind, an die Taufe, vielleicht ja sogar auch an unsere eigene Taufe erinnert. Erinnern Sie sich noch? Wie weit müssen Sie in Ihrer Lebensgeschichte zurück? Wo fand sie statt? Wer war dabei? An vieles können wir denken, wenn wir kurz innehalten, um uns zu erinnern. Säßen wir nun zusammen – so wie wir es immer gern getan haben, wie es im Moment leider nicht geht, aber hoffentlich bald auch wieder neu beginnen wird –, würden wir zu erzählen beginnen. Und welche Geschichten kämen da zusammen! Auch das wären wohl ganz persönliche Erwählungsgeschichten! Bleiben wir aber bei dem alttestamentlichen Text und schauen wir also danach, was dieser Text mit unserer Taufe zu tun hat. Und eigentlich liegt es ja auf der Hand.

Nicht hat euch der HERR angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker – denn du bist das kleinste unter allen Völkern -, sondern weil er euch geliebt hat.

So heißt es in unserem Predigtwort. Und das ist für mich im Horizont der Taufe der entscheidende Satz in diesem Abschnitt.

Vor langer Zeit erwählt Gott einen alten Mann, den Abraham, um die Menschen auf einen neuen Weg zu bringen. Aus dem ganzen israelitischen Sklavenheer in Ägypten da wählt Gott ein Kind aus zum Retter, den Moses. Und er wählt schließlich, so erinnert der Predigttext ein ganz und gar unscheinbares, ein kleines Volk aus: Israel. Nicht etwa, weil es etwas Besonderes war. Nein, Gott tat dies, so sagt es uns die Bibel, er tat es aus Liebe. Die Liebe ist der einzige Grund für die Erwählung.

Erwählung geht immer von Gott aus, der seine Zusage hält. Und das haben wir im Horizont der Taufe zu bedenken. Den Wochenspruch haben wir gehört, und wir haben ihn auf dem Taufstein in der Ev. Lukas-Kirche in Winzenheim, in der wir gerade und wohl auch noch für länger nicht feiern können, immer vor Augen – den Spruch, in dem Gott verkünden lässt: „Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein“. (Jesaja 43,1)

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

In der Taufe ruft Gott uns, bindet sich an uns. Wir können dazu nichts tun! Wir sind geliebt. Gott selbst bindet sich an uns, an jede und jeden von uns, so wie er es uns in der Erwählung Israels deutlich machen möchte. Und deshalb lebt kein Mensch allein, niemals! Jede und jeder darf sich begleitet wissen, selbst in den Zeiten, in denen wir manchmal glauben, nichts davon zu spüren! Gott ist da. Gott liebt!

Die Taufe, eines der sichtbaren Zeichen der Liebe Gottes, ist allerdings keine billige Gnade. Ich denke, diese Liebeserklärung Gottes hat auch einen verpflichtenden Charakter.

„Warum liebst du mich eigentlich?“ fragen Menschen manchmal ihre Partnerin oder ihren Partner. Wann haben Sie eigentlich das letzte Mal so gefragt. Manche führen das dann sogar noch weiter aus. „An mir ist doch eigentlich nichts Besonderes. Andere Männer sind schöner, andere Frauen sind hübscher, vielleicht sogar klüger oder gebildeter. Warum gerade ich?“ Und manchmal können wir – wenn wir ehrlich bleiben – gar nicht richtig antworten. Und nur selten offenbaren wir das, was in uns als Erkenntnis gereift ist: „Für mich bist du die Schönste, der Klügste, das Liebste! Du bist die ideale Ergänzung für mich, zusammen geben wir 100 Prozent!“ Wie wunderbar, wenn Liebende so sprechen könnten. Denn dann lernen wir etwas daraus. Wir lernen: wahre Liebe klammert sich nicht an einzelne Eigenschaften, wahre Liebe meint immer einen ganzen Menschen. Manchmal können wir gar nichts Besonderes nennen, wissen einfach nur: du bist es!

Und so, liebe Schwestern und Brüder, genau so liebt Gott! Er sagt: Nicht weil du etwas Besonderes bist, liebe ich dich. Nein, er sagt, weil du da bist, weil ich dich ins Leben gerufen habe, weil du so unendlich wertvoll in meinen Augen bist, deshalb liebe ich dich!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Ja, ich bleibe dabei. Dass Gott ausgerechnet Israel erwählt hat, dafür gibt es eigentlich gar keinen Grund…

Außer den der Liebe. „Nicht hat euch der Herr angenommen und euch erwählt, weil ihr größer wäret als alle Völker, sondern weil er euch geliebt hat.“

Diese Liebe Gottes kennt offenbar keinen Grund, keine Ursache. Darin ist Gottes Liebe wie jede Liebe ganz unverwechselbar. Gottes Liebe ist einfach da, und man sieht ihre Früchte wachsen – oder eben nicht. Wahre Liebe und echte Erwählung kann man sich weder verdienen noch erkaufen, man kann sie weder einfordern noch erwarten noch erzwingen. Man kann Liebe erhoffen und ersehnen, aber niemand von uns hat darauf einen Anspruch. Zuneigung, Liebe und Erwählung  – sie ereignen sich – einfach so. Oder eben nicht! Es gibt Menschen, die glauben sich nicht geliebt. Und ich persönlich denke, das ist mit das Schlimmste, was einem Menschen passieren kann! Zu meinen: ich werde nicht geliebt!

Und ich glaube es zutiefst – Gott liebt! Gott liebt jede und jeden! Er liebt grundlos, liebt uns ohne Bedenken, er liebt bedingungslos! So ist Gottes Liebe – zu allen Menschen, auch zu uns. Begründen kann man das nicht, sogar letzte Sicherheit wird darin niemand von uns erlangen können. Die Liebe Gottes – sie ist da! Sie wird uns zugesprochen, sie wird immer wieder verheißen, immer wieder neu. Und diese Verheißung gilt. Und da können wir gar nichts tun! Oder? Ich glaube, wir können doch etwas tun!

Was wir tun können, ist, dass wir ein Gefühl für die Liebe Gottes zu uns entwickeln, ein Gefühl für die Liebe, die Gott zu uns hat; einen Glauben, dass da ein liebender Gott ist, der uns behütet, der uns bewahrt. Einen Glauben an Gottes grenzenlose Zuwendung zu uns, der sich aus unserer eigenen Lebenserfahrung nährt. Wie oft haben wir Gottes Nähe gespürt, wie oft hat seine Liebe uns getröstet und getragen? Ja, wir können eine Haltung der Dankbarkeit entwickeln, die uns täglich neu und staunend auf unser Leben blicken lässt. Wenn wir es auch manchmal gar nicht begreifen können, wir können aber weitergeben, was uns geschenkt ist! Wir können weitergeben, was wir Gutes von Gott erfahren haben! Wir können dankbar werden und dankbar bleiben, für den Weg, auf dem Gott uns geführt hat und weiter führen wird.

Und dann werden wir sehr schnell merken, dass Erwählung, dass Gottes Liebe nicht nur allgemein dem Volk Israel, sondern uns, einer jeden und einem jeden von uns ganz persönlich, in unserem Leben geschenkt ist.

Und vielleicht wird da dann eine Melodie Einzug in unser Herz finden und zu klingen beginnen. Wir haben es oft in unseren Kirchen gesungen und werden es bald hoffentlich auch wieder gemeinsam tun!

Bis hierher hat mich Gott gebracht
durch seine große Güte,
bis hierher hat er Tag und Nacht
bewahrt Herz und Gemüte,
bis hierher hat er mich geleit’,
bis hierher hat er mich erfreut,
bis hierher mir geholfen.

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

 Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

wir bitten dich für alle,

in deren Leben Angst und Not

gerade das Bestimmende sind.

Zeige du ihnen den Weg der Hoffnung,

den du uns durch Jesus Christus gegeben hast.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, unser Gott, wir danken dir,

dass du uns immer wieder fähig machst,

Mauern zwischen uns wahrzunehmen und auch abzubauen.

Gib uns Kraft und Mut auch in Situationen,

in denen wir uns bedrängt und alleine fühlen.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, unser Gott, wir bitten dich für unsere Gemeinden.

Lass uns die Menschen nicht vergessen,

die traurig und  einsam sind.

Lass uns die Menschen nicht vergessen,

die am Rande stehen.

Erinnere uns immer wieder daran,

dass du zu ihnen gegangen bist.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, guter Gott,

wir beten für die verfolgte Christenheit

in vielen Ländern überall auf dieser Welt.

Wir beten für den Frieden.

So viel Hass, so viel Gewalt, so viele unschuldige Opfer.

Oft können wir die Bilder kaum ertragen.

Herr, schaffe du, was wir Menschen nicht schaffen.

Gib Frieden, Herr, gib Frieden.

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 5. Sonntag nach Trinitatis, 12. 7. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 73

 1 Gott ist dennoch Israels Trost für alle, die reinen Herzens sind.

2 Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen; mein Tritt wäre beinahe geglitten. 3 Denn ich ereiferte mich über die Ruhmredigen, da ich sah, dass es den Frevlern so gut ging.

8 Sie höhnen und reden böse, sie reden und lästern hoch her.

9 Was sie reden, das soll vom Himmel herab geredet sein; was sie sagen, das soll gelten auf Erden.

10 Darum läuft ihnen der Pöbel zu und schlürft ihr Wasser in vollen Zügen. 23 Dennoch bleibe ich stets an dir; denn du hältst mich bei meiner rechten Hand, 24 du leitest mich nach deinem Rat und nimmst mich am Ende mit Ehren an.

25 Wenn ich nur dich habe, so frage ich nichts nach Himmel und Erde.

26 Wenn mir gleich Leib und Seele verschmachtet, so bist du doch, Gott, allezeit meines Herzens Trost und mein Teil.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, du hast uns füreinander

zu Schwestern und Brüdern gemacht.

Keiner ist allein,

niemand soll sagen müssen,

ich habe keinen Menschen.

Wenn wir nicht allein sind in dieser Welt,

dann wollen aber auch wir

niemanden allein lassen in seinen Sorgen,

seiner Not und seinen Ängsten.

Hilf uns, denen zu helfen,

die uns brauchen.

Schenke uns die Kraft,

unseren Mitmenschen Schwester oder Bruder zu sein!

Herr, sieh gnädig auf uns und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott gibt uns nicht auf, niemals!

Das dürfen wir immer wieder neu spüren!

Er wendet zum Guten,

was wir versäumt haben.

Seine Liebe ist größer als unsere Schuld.

Darum können wir uns freuen und sprechen:

Lobe den Herrn, meine Seele,

und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat!

 

Guter Gott und Vater,

du willst, dass wir einander

für dein Reich auf Erden gewinnen.

Du suchst uns und rufst uns.

Wir sollen deine Einladung

an alle Menschen weitersagen.

Lass uns das doch

mit immer mehr Freude und Beharrlichkeit tun.

Lass uns spüren,

dass dein Segen auf unserem Tun und Reden ruht.

Lass unsere Gemeinschaft blühen

und unsere Gemeinde auch wieder wachsen

durch unseren Herrn Jesus Christus,

der mit dir und dem Hl. Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 1, die Verse 18-25

 Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft.

Denn es steht geschrieben (Jesaja 29,14): »Ich will zunichte machen die Weisheit der Weisen, und den Verstand der Verständigen will ich verwerfen.«

Wo sind die Klugen? Wo sind die Schriftgelehrten? Wo sind die Weisen dieser Welt? Hat nicht Gott die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht?

Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben.

Denn die Juden fordern Zeichen und die Griechen fragen nach Weisheit,

wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit;

denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit.

Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind.

Halleluja! Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 5, die Verse 1-11:

(auch Predigttext)

 Der Fischzug des Petrus

1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand er am See Genezareth

2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.

3 Da stieg er in eines der Boote, das Simon gehörte, und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.

4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus!

5 Und Simon antwortete und sprach: Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen.

6 Und als sie das taten, fingen sie eine große Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen.

7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen. Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so daß sie fast sanken.

8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich bin ein sündiger Mensch.

9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfaßt und alle, die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander getan hatten,

10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst du Menschen fangen.

11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen alles und folgten ihm nach.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Stellen wir es uns doch einfach einmal vor! gehen wir in unseren Gedanken einmal ganz weit zurück!

Es war ein warmer Tag gewesen. Früh waren sie ausgefahren, gegen Mittag brannte dann die Sonne vom Himmel. Ihre Arbeit war hart. Sie hatten heute nicht viel gefangen. Wenn alle Fische verteilt waren, dann waren wohl die Familie und die Angehörigen satt. Aber ein Geschäft war nicht mehr zu machen. Jetzt nur noch die Netze säubern, und dann endlich nach Hause, den Abend genießen. In der Nacht mussten sie schließlich wieder los. Und dann sahen sie ihn. Diesen Jesus. Alle Menschen erzählten sich von ihm. Einige wundersame Dinge hatte er getan, solche Nachrichten verbreiteten sich schnell. Und er redete zu den Menschen, wo immer er auf sie traf, er redete sie an. Simon hatte all dies gehört. Was er aber von diesem Jesus halten sollte, darüber war er sich überhaupt noch nicht ganz klar!

Genau dieser Jesus kam auf ihn zu, bat ihn, ihn vom Ufer wegzufahren. Nein, Simon wollte nicht. Er war müde, sehr müde. Aber dieser Jesus sah ihn an. Simon spürte etwas, er wusste aber nicht, was es war. Er fuhr ihn hinaus; auf sein Wort hin fuhr er hinaus!

Und dann hörte er ihn reden. Dinge, die er so nie vorher gehört hatte. Vom Reich Gottes, von der spürbaren Nähe Gottes, vom angefangenen Himmelreich. Simon wusste immer noch nicht, was er davon halten sollte. Es war spät, sehr spät. Jetzt nur noch nach Hause. „Fahr hinaus auf den See! Werft eure Netze aus!“ Und jetzt endlich traute sich Simon den Protest zu. „Nein, heute ist kein Geschäft zu machen!“

Aber was war das? Er gehorchte schon wieder, eigentlich gegen seinen eigenen Willen. Die anderen begleiteten ihn, sie kannten die See zwar gut, aber sie war doch immer auch gefährlich, und allein wollten sie den Simon eben auch nicht fahren lassen. Sie waren schließlich Freunde, sie lebten und arbeiteten zusammen. Und auch deshalb zogen sie mit hinaus. Obwohl sie so müde waren.

Die Fische kamen, schwarmweise. So viele Fische! Eigentlich unmöglich! So viele Fische, Fische, wie noch nie oder zumindest ganz selten. Solch eine Wendung an einem einzigen Tag, ja sogar in einer Nach! So etwas hatten sie noch nicht erlebt. Simon starrte auf die Fische. Dann sah er auf diesen Jesus. Plötzlich hatte er die Worte wieder im Ohr, die er vor kurzem von seinem Boot aus gesprochen hatte. Jetzt erst, jetzt erst fiel es ihm wie Schuppen von den Augen. Dieser Jesus, dieser Jesus war selbst der Gottessohn, der Menschensohn. Gottes spürbare Nähe, da war sie – auf seinem Boot. Auf die Knie, das war das einzige, was ihm blieb. Auf die Knie: „Herr, geh weg von mir; ich bin ein sündiger Mensch!“

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Diese Begegnung veränderte den Simon schlagartig. Nicht nur ihn, auch seine Freunde. Diese Begegnung veränderte sein ganzes Denken, sein Leben. Er hatte Gott erkannt, hatte seine Nähe gespürt. Erstaunt war er, wie seine Freunde, erschrocken waren sie. Sie spürten die Veränderung, aber sie wussten nicht, was dies letztendlich für sie bedeuten würde.

Was hätten die Männer um Simon eigentlich gemacht, wenn diese Episode mit den vollen Netzen geendet hätte. Hätten sie sich ihr Leben lang diesen Tag immer und immer wieder in Erinnerung gerufen, wenn sie abends nach dem Fischfang zusammengesessen hätten. Hätten sie an diese Episode gedacht, wenn die Netze ‘mal wieder leer geblieben wären?

Das wissen wir alle nicht. Bestimmt aber hätten sie deshalb nicht ihre Familien verlassen und wären weggezogen. Nicht wegen der vollen Netze. Aber jetzt geschieht doch noch für sie Entscheidendes. Am Ende dieser Szene geschieht das für sie Unerwartete. Jesus spricht sie an. Er ruft sie in seinen Dienst. Er sondert sie aus ihrem Alltag aus, beruft sie für die Sache Gottes. „Fürchtet euch nicht! Von nun an werdet ihr Menschen fangen!“ Jetzt erst machen sie etwas, was sie vorher nie gemacht hätten. „Und sie zogen die Boote an Land, ließen alles zurück und folgten ihm  nach!“ Sie werden zu Menschenfischern, werden von nun an Menschen für die Sache Gottes begeistern.

 

Wie immer denke ich, wir sollten gerade bei bekannten Geschichten, deshalb auch bei dieser, sehr genau und sehr sensibel auf den Schluss achten. Nach ihrer Begegnung mit Jesus, nach seiner Rede, nach den vollen Netzen schwingen sich Petrus, Jakobus und Johannes eben nicht zu selbsternannten Missionaren auf, rennen los, um anderen von dem zu erzählen, was sie gesehen und gehört hatten, was sie selbst erlebt hatten. Nein, genau das tun sie nicht! Sie machten sich kein Programm, stellten sich nicht an die Ecken, hielten keine eigenen großen Reden, versuchten andere durch ihr eigenes Erlebnis zu überzeugen.

Nach ihnen, in der Geschichte unserer Kirche, ja bis in unsere heutigen Tage haben dies leider immer und immer wieder Menschen versucht. Immer wieder haben Menschen ihr eigenes Erlebnis mit Gott dazu benutzt, andere dadurch zu überzeugen. Viele Missionsbemühungen waren dadurch geprägt, andere allein durch das Wort Gottes zu einem anderen Leben zu überzeugen. Und wenn dies nicht reichte, ja dann kam eben das je eigene Erlebnis mit Gott dazu, so als ob dann das Erzählte, das Verkündete authentischer würde. Ja, es gibt sogar Gemeinschaften, in denen gilt sogar solch ein selbsterlebtes Ereignis, ähnlich dem der Fischer am See, als Voraussetzung, geradezu als Bestätigung der Mitgliedschaft.

Vielfach waren solche Missionsbemühungen zum Scheitern verurteilt. Längst nicht alle, das nicht. Aber immer und überall dort, wo das verkündete Wort Gottes, das manchmal sogar Massen überzeugen sollte, sich einfach nicht deckte mit der Art zu Leben derer, die es so verkündeten.

All dies will diese Geschichte von den vollen Netzen ja auch nicht. Sie will uns nicht zeigen, dass es ein wundersames Erlebnis braucht, damit wir uns dann selbst zu Missionaren für die Sache Gottes aufschwingen. Nein, sie will, glaube ich, etwas ganz anderes. Lenken wir unsere Aufmerksamkeit wieder auf den Schluss. Dort redet Jesus Menschen konkret an. Er ruft sie in seinen Dienst.

Auf sein Wort hin, auf diesen Ruf hin verlassen die Jünger alles, was sie haben. Für diesen Auftrag Jesu sind sie bereit ein anderes Leben zu führen. Sie kennen das Programm nicht, ja sie brauchen selbst überhaupt keines zu machen. Ob sie jemals ihre eigene Geschichte erzählen müssen, das wissen sie nicht. Sie wissen überhaupt nicht, was kommt; wissen nicht, wie es kommen wird. Sie wissen nur, ihnen ist eine Aufgabe zugetraut, sie sollen Menschen fischen. Aber sie wissen nicht, wo; sie wissen nicht, wie; sie wissen nicht, wann.

Aber genau in diesem Augenblick der Berufung, da geben sie Jesus, da geben sie Gott ihr Leben in die Hand; in diesem Augenblick wird ihr Leben ganz und gar von dem Vertrauen auf Gott bestimmt. Und dieses Vertrauen, nicht ihr vorheriges Erschrecken, nicht ihre plötzlich selbstentdeckte missionarische Ader, nein, nur ihr Vertrauen auf Gott wirkt in ihnen alle Veränderung, ihr neues Leben.

Genau da, liebe Schwestern und Brüder, wird diese Geschichte uns zur Anfrage. Wenn Jesus Menschen in seinen Dienst ruft, wozu wären wir, wozu wäre jede und jeder einzelne bereit? Wären wir z.B. bereit zu warten, bis wir seinen Ruf hören, statt selbst schon vorher loszuziehen? Wären wir überhaupt offen, seinen Ruf zu hören, weil wir ahnen, dass sich unser Leben von Grund auf ändern würde? Wäre unser Vertrauen so groß, das, woran wir uns oft klammern, loszulassen, um frei zu werden, unsere Berufung als Christin, als Christ zu leben?

 

Ich glaube fest daran, dass Gott uns unablässig ruft. Er drängt sich nicht auf, das nicht. Aber er ruft uns, ruft uns dazu, in dieser Welt von heute, Menschen seine Nähe spürbar zu machen. Ihnen die Hoffnung vielleicht neu zu geben, dass Gott diese Welt und die Menschen in dieser Welt niemals verlässt, sondern dass er verlässlich an unserer Seite ist und uns bewahrt. Wie wichtig ist das in diesen Tagen, in denen der Glaube sich bei denen einen verfestigt, bei vielen anderen aber brüchig zu werden scheint!

Jesus ruft uns dazu, anderen wieder Mut zu machen, diese Welt kreativ zu gestalten, an eine neue Zukunft zu glauben, wieder neu daran zu glauben, dass Gott am Werke ist in aller Zeit – auch heute, uns zum Segen. Dazu ruft uns Gott.

 

Und dann haben wir loszugehen! Nicht mit vollmundigen Worten, nicht mit gigantischen Missionsveranstaltungen. Wir brauchen keine Wunder, brauchen keine selbsterlebten Erlebnisse, die uns treiben. Was wir brauchen ist viel Vertrauen, viel Hoffnung und vor allem, den Mut zum Bekenntnis. Nicht unser Reden ist gefragt. Nein, wir müssen so leben, daß anderen durch uns Gottes Nähe spürbar wird. Wir sollen so lieben, dass Gottes Liebe andere erreicht. „Liebe, und zeige es durch dein Leben!“  So sagt es einer der alten Kirchenväter. Einer meiner Lebenslieblingssätze; die mich kennen, wissen das.

Wir sollen uns bekennen, dort wo es nötig ist und wo es einladend für andere ist. Frère Roger benutzte in einem Gespräch mit uns Jugendlichen vor langer Zeit einmal folgendes Zitat und das ist für mich die eigentlich ganze Konsequenz dieser Geschichte des Fischzugs der Jünger und damit möchte ich schließen:

„Rede nicht von Gott, wenn du nicht nach ihm gefragt wirst! Aber lebe so, daß man dich nach ihm fragt!“

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott,

so viele Menschen wissen nichts von dir,

von deiner Güte und Treue,

deiner Liebe und Zuneigung

zu allen deinen Kindern.

 

Schenke uns die nötige Liebe,

unsere Mitmenschen immer wieder zu dir einzuladen

und ihnen von deiner Liebe

und deinem Willen zu erzählen.

Wir wollen uns nicht zufrieden geben damit,

dass wir doch zu dir gehören

und in deiner Nähe leben.

 

Gib uns die Geduld und die Ausdauer,

die wir brauchen,

nicht zu schnell aufzugeben,

wenn wir um die Herzen der Mitmenschen werben.

Lass uns auch in Rückschlägen bestehen.

Schärfe es uns immer wieder neu ein,

dass du uns für einander,

zur Gemeinschaft unter uns und mit dir,

bestimmt hast.

 

Vor allem, himmlischer Vater,

halte uns im Gespräch

und in guten Beziehungen miteinander,

dass wir dieses Leben

nicht jeder für sich allein bestehen wollen,

sondern gemeinsam,

einer als Stütze und Halt des anderen,

als deine Kinder und Geschwister Jesu Christi!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 4. Sonntag nach Trinitatis, 5. 7. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 42

 2 Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.

3 Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann werde ich dahin kommen, dass ich Gottes Angesicht schaue?

4 Meine Tränen sind meine Speise Tag und Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?

5 Daran will ich denken und ausschütten mein Herz bei mir selbst: wie ich einherzog in großer Schar, mit ihnen zu wallen zum Hause Gottes mit Frohlocken und Danken in der Schar derer, die da feiern.

6 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er mir hilft mit seinem Angesicht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott!

Wie oft lassen wir uns zu Sachen hinreißen,

die wir eigentlich nicht tun dürfen,

die wir vielleicht noch nicht einmal denken dürfen!

Wie oft leben wir mit einem schlechten Gewissen!

Wie oft benutzen wir die Lüge, um die Wahrheit zu vertuschen!

Wie oft leben wir auf Kosten anderer

und schämen uns nicht!

Herr, sieh gnädig auf uns und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Und dann dürfen wir darauf vertrauen,

dass Gott uns eben gnädig ist

und dass er sich unser aller erbarmt.

Denn von ihm ist uns gesagt:

Wie sich ein Vater über seine Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die,

die ihn ehren.

 

Und so dürfen wir zu ihm beten:

Herr, unser Gott, dir wollen wir folgen.

Lass uns Abstand gewinnen von allem,

was von dir wegführt.

Deine Gebote wollen wir achten;

unsere Fehler wollen wir einsehen

und Uneinsichtige nicht verachten.

Darum bitten wir in deinem Sohn Jesus Christus,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 6, die Verse 36-42:

Vom Umgang mit dem Nächsten

36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.

37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.

38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes, gerütteltes und überfließendes Maß wird man in euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit dem ihr messt, wird man euch zumessen.

39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann denn ein Blinder einem Blinden den Weg weisen? Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?

40 Ein Jünger steht nicht über dem Meister; wer aber alles gelernt hat, der ist wie sein Meister.

41 Was siehst du den Splitter in deines Bruders Auge, aber den Balken im eigenen Auge nimmst du nicht wahr?

42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt still, Bruder, ich will dir den Splitter aus deinem Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem Auge, danach kannst du sehen und den Splitter aus deines Bruders Auge ziehen.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Römerbrief, Kapitel 12, die Verse 17-21

(auch Predigttext)

 17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5. Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Ich hoffe, jetzt lesen einige hier, von denen ich annehmen darf, dass sie unsere kleine, aber so feine Ev. Lukas-Kirche auch vermissen! Die Corona-Krise mit all ihren Einschränkungen und einzuhaltenden Hygienerichtlinien macht ein Feiern in ihr zur Zeit noch unmöglich. gerade zwei Handvoll von uns dürften gleichzeitig in ihr feiern. Und so weichen wir auf unsere schöne Waldkirche aus. Doch auch dort wird immer wieder neu sichtbar in welch schwieriger zeit wir gerade leben. Auch dort gilt es, vieles einzuhalten und auch anders zu organisieren. Die Leichtigkeit in vielem ist auf der Strecke geblieben.

Vielleicht geht es einigen von Euch ja auch so. Es ist schwierig, den Glauben für sich allein zu leben. Unser christlicher Glaube ist nun einmal auch zu einem ganz großen Teil ein Gemeinschaftsglaube. Und mir fällt es deshalb auch einfach viel leichter, in unserer Kirche christlich zu sein. Da bin ich mit  Gleichgesinnten vor Gott, fühle mich geborgen von Gott und von einer Gemeinschaft, in der ich meinen Platz gefunden habe.

Da in der Kirche –  da ist die Bibel mit Gottes Wort mir nahe. Jesus ist Gottes Sohn und alle Menschen sind dort Gottes Kinder – wie ich. Ich kann sie sehen, sie hören, bis vor kurzem durfte ich sie beim Händeschütteln oder einer Umarmung sogar spüren.

Und gemeinsam in der Kirche da sind wir natürlich alle wie selbstverständlich für den Frieden, gegen Feindschaft unter den Menschen, sind wir alle viel leichter für Vergebung und gegen jede Vergeltung, sind wir für natürlich auch alle gleichermaßen für die Nächstenliebe, die Toleranz und das Verständnis und gegen jede Fremdenangst, Rechthaberei und Härte. In der Kirche geben wir Jesus selbstverständlich Recht, was immer er auch von uns verlangt. Gern folgen wir seiner Rede, die uns so überzeugend klarmacht, daß es immer noch besser sei, die andere Wange hinzuhalten, als die empfangene Ohrfeige mit gleicher Schlagkraft heimzuzahlen. In der Kirche geht alles – alles, was Paulus im Anschluss an die alten Schriften und die neue Botschaft Jesu den römischen Christen in ihr Stammbuch schreibt; es geht ohne Anstoß über die Schwelle unseres Gemüts. Die Rache ist süß, – das lässt uns Paulus vergessen. Sein mahnender Finger weist nach oben, zum Himmel hin: dort wird vergolten, nicht auf Erden in unseren Herzen. Kann Böses denn überhaupt anders überwunden werden als durch Gutes? Kann unsere Verstrickung in friedlose Aggressionen, die sich ja so manches Mal auch in uns selbst breit machen wollen,  überhaupt anders bezwungen werden als durch unsere Fähigkeit zur Ruhe, zum Vertrauen auf Gott, dem wir uns in solchen Situationen anvertrauen dürfen? In so vielen Liedern besingen wir den Frieden, auch den inneren Frieden in uns, singen wir über Versöhnung und Nächstenliebe. Wer würde dort in der Kirche, wenn wir es gemeinsam tun, nicht aus voller Überzeugung mitsingen wollen?

Liebe Schwestern und Brüder!

Was ist aber eigentlich, wenn sich die Kirchentüren dann immer auch irgendwann hinter uns schließen, wenn das letzte Lied gesungen und der Segen gesprochen ist? Was ist denn, wenn wir herausgehen in den Alltag, der morgen ja auch wieder neu beginnt? Sieht dann nicht alles schon wieder ganz anders aus? Manchmal erwacht dann ja doch der alte Adam in uns aus seinem Kirchenschlaf und ergreift wieder ganz unauffällig Herrschaft über uns. Schnell merken wir das, was schon oft zu unserer eigenen Erfahrung geworden ist: Der Alltag ist mit den einfachen christlichen Grundsätzen doch nicht immer so leicht in den Griff zu bekommen – beim besten Willen nicht.

Unvergessen bleibt mir eine Konfirmandin – es ist schon einige Zeit her –, die an einem Seminar, in dem wir über das Phänomen der Gewalt nachdachten, ihren Schulweg beschrieb, der sie immer durch eine Unterführung in unserer Stadt führt, fragte: „Ja, was mach’ ich denn, wenn sich die Großen auf dem Schulweg mir in den Weg stellen, und mein Taschengeld wollen und dabei ein Messer blitzt? Wenn ich denen nicht gebe, was ich habe? Vielleicht komme ich ja dann gar nicht mehr dazu, die andere Backe hinzuhalten. Die hauen einmal so zu, da bin ich platt! Da muß ich entweder rennen, oder zuerst zuhauen!“ Ich weiß in meiner Erinnerung, dass ich diesem Mädchen, das sich sehr wohl auch zu verteidigen wusste, nicht empfahl: „Vergeltet niemand Böses mit Bösem! Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann!“

Kann dieser Satz – wie ich finde „Spitzenworte“ des Paulus – überhaupt Bestand haben, wenn sich nicht alle gleichermaßen daran halten? Würden mich Jugendliche, die mich so fragen, bei solch einer Antwort eigentlich noch ernst nehmen?

Und ich denke an den jungen Mann aus Bosnien. Wir feierten damals gemeinsam, Pfarrer Stephan Wahl aus der katholischen Nachbargemeinde St. Peter, Jugendliche aus Kroatien, Bosnien und Serbien und ich als Vertreter der evangelischen Kirche einen Versöhnungsgottesdienst zum Ende des Balkankrieges. Und in der Vorbereitung mit den ausländischen Gästen erzählte dieser junge Mann, wie man seine Familie niedergemetzelt hat. Er schilderte es so, dass uns allen die Tränen kamen und mir persönlich einfach schlecht wurde. Wenn ich mir heute noch vorstelle, dass er dies alles ja nicht nur aus Erzählungen kennt, sondern mitansehen musste, da verstehe ich heute noch – wenn ich ehrlich bleibe – sein Recht auf seine Wut, vielleicht sogar den Hass auf die Mörder. „Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.!“ Würde er mich nicht für verrückt halten, wenn ich ihm in diesem Augenblick damit gekommen wäre? Vielleicht hätte ich es tun müssen, aber ich konnte es nicht!

Ich denke auch an eine Frau, die ich aus meiner Gemeindearbeit kenne und die es auch mir manchmal nicht gerade leicht gemacht hat. Sie wohnte mit vielen anderen in einem Haus und hat den anderen Mietern durch ihre Boshaftigkeit das Leben in diesem Haus manchmal wirklich „zur Hölle machen können“. Bei einem Geburtstagsbesuch sagte mir ein alter Mann, der ebenfalls in diesem Haus wohnte: „Herr Pfarrer, ich weiß ja daß die Nachbarin alt, krank und verbittert ist. Aber immer wenn ich sie sehe, dann könnte ich ihr eine ‘runterhauen. Der ewige Ärger mit ihr vermiest meiner Frau und mir jede Lebensfreude. ‘Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben’, sie kennen das ja!“ Eines Tages treffe ich die beiden und sie sind wie verwandelt. „Stellen sie sich vor, unsere Nachbarin ist in ein Altersheim umgezogen! Jetzt ist endlich Ruhe!“

Und noch ein letztes Beispiel, an das ich denken musste, als ich diesen Predigttext las und mir Situationen in den Sinn kamen, die ich in meiner Arbeit schon erlebt habe und in denen ich mich innerlich mit den Worten des Paulus irgendwie immer auseinandersetzen musste. Dieses letzte Beispiel kommt den Worten des Paulus vielleicht am nächsten. Ich denke an einen Wirt in meiner Heimatstadt, mittlerweile hat er sich leider zur Ruhe gesetzt. Aber als Freunde begegnen wir uns weiterhin. Ein Betrunkener stänkerte in seinem Lokal alle Gäste an. Und weil ihn keiner beachtete, wurde er immer wilder und lauter. Und als der Wirt – ein Schrank von einem Mann – hinter dem Tresen hervorkam, um leere Gläser einzusammeln, da kippte ihm der Betrunkene ein Glas Bier vor die Brust. Stille im Lokal, jeder dachte, nun packt er ihn endlich und schmeißt den Trunkenbold ‘raus. „Wenn ich wollte, könntest du jetzt ‘was erleben!“, sagte er, drehte sich um, sammelte die Gläser weiter ein und ging wieder hinter den Tresen, um weiterzuarbeiten. Der Betrunkene schaut sich um, sagte nichts mehr, legte Geld auf den Tisch und verschwand. Diese Szene bleibt mir unvergesslich.

Dieser Wirt, dieser Freund bewegte sich, vermutlich natürlich ohne es zu wissen, genau auf dem Kurs des Paulus. Während ein labiler Gegner Streit sucht, konnte er es sich leisten, einen eskalierenden Konflikt zu entschärfen. Dieser Wirt und Freud ist wahrlich kein Mensch, der sich alles gefallen läßt. Aber in einer Zeit wachsender Gereiztheit und vorschneller Gewaltbereitschaft war er ein lebendiger Beweis dafür, daß eigentliche Stärke und Gewalt eben nicht das gleiche sind.

Dem Einwand, den jetzt einige im Kopf haben, dass dieser Wirt ja nicht besonders christlich, sondern allenfalls klug und umsichtig gehandelt habe, dem kann ich zumindest mit dem Hinweis begegnen, daß Jesus selbst diejenigen klug nennt, die sich nach seinen Worten richten. Und das tat er ja, bewusst oder unbewusst. Und so sehen wir, daß das Christliche und das Vernünftige durchaus gute Partner sein können.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Was bleibt nun aber von diesem eigentlich schönen Text des Römerbriefes – einem Text, der Wut und Ohnmacht gleichermaßen auslösen kann wie Faszination und neuen Mut! Wenn uns denn nur schon einmal die Einsicht bliebe, dass die Rache nicht unsere Sache ist, dass sie göttlich ist – wenn Gott überhaupt einen Rachegedanken kennen sollte! Wenn uns doch der Glaube bliebe, dass bei Gott Rache und Vergeltung nicht einfach Zurückschlagen oder Draufhauen bedeutet, sondern dass Gott damit allenfalls meint, jedem die Gerechtigkeit zukommen zu lassen, die ihm zusteht, Opfern wie auch Tätern. Wenn uns der Glaube bliebe, dass Unrecht auch heute noch Unrecht bleibt, und Recht letztlich eben doch über Unrecht siegt – wenn uns das alles bliebe, dann wären wir schon weit.

Vieles spricht aber dagegen. Und manche Geschehnisse, Ereignisse, die uns manchmal durch die Fernsehkanäle bis ins Wohnzimmer geliefert werden, sprechen so radikal dagegen, dass bei vielen eigene Resignation über den Zustand dieser Welt schlichtweg in Wut umschlägt. Ich denke, nur deshalb können sich auch in unserem Land, aber auch in vielen anderen, wieder radikale Strömungen breit machen. Dies alles ist nur möglich, weil wir es offensichtlich verlernt haben, uns auf Wege zu begeben, die z. B. der Apostel Paulus vorzeichnet. Wer von uns ist denn heute noch bereit, sich den Mechanismen und Automatismen dieser Zeit entgegenzustellen? Wer predigt den seinen Kindern denn noch den Frieden, statt ihnen das Recht des vermeintlich Stärkeren nahezubringen?

Um Böses nicht mehr mit Bösem zu vergelten, um gut gegen jedermann zu werden, um Frieden zu bringen denen, die auf Frieden warten, um vor dem Bösen niemals einfach zu kapitulieren, da bedarf es eines inneren Friedens, den wir Christinnen und Christen wiederfinden müssen. Wie erschüttert ist er aber gerade bei so vielen Menschen! Aber dieser innere Frieden muss wieder so stark werden, dass er auch außerhalb unserer Kirchenmauern trägt, uns durch den Alltag hindurchträgt und so dann auch wieder unseren Alltag verändert.

Ich habe dafür keine Patentrezepte. Aber eines weiß ich: Solange wir an unseren Stammtischen weiterhin unsere radikalen Sprüche loslassen, die so ganz anders klingen, als die Worte, die wir uns z.B. in unseren Kirchen sagen,  solange wir weiter versuchen, unser Glück und Frieden auf dem Rücken derer aufzubauen versuchen, die wir für all unsere gesellschaftlichen Miseren verantwortlich machen, seien es Arbeitslose, Asylsuchende, Zugezogene, Menschen, die irgendwie aus der Norm fallen, – solange wir auf so manch versteckte Art selbst Gewalt schüren und letztendlich Gewalt dadurch hoffähig machen, solange geben wir dem Paulus, nein, solange geben wir uns selbst, keine Chance, unser Leben anders, eben gottgefällig zu gestalten.

Wenn Politikerinnen und Politiker den inneren Frieden in unserem Land bedroht sehen, dann sehen sie nur kurz. Wir selbst müssen uns fragen, wieviel an Frieden in uns selbst schon zerbrochen ist. Sind wir noch friedensfähig? Sind wir noch dazu fähig, aus einem vertrauensvollen Glauben heraus, Frieden in uns wachsen zu lassen? Einen Frieden, der uns auch wieder fähig macht, uns selbst aus so manch dummen radikalen Geschwätz herauszuhalten. Gerade in der letzten Zeit, den letzten Wochen und Monaten waren da auf einmal so viele verworrene Köpfe, die ihre abstrusen Meinungen herausposaunen konnten, dass mir selbst mein Kopfschütteln dafür schon zu viel an Reaktion war. Aber genau in solchen Momenten erlebte ich es eben auch wieder an mir selbst: Menschen, die Frieden bringen, müssen selbst vom Frieden erfüllt sein. Und das ist manchmal eine wirklich schwere Übung!

Deshalb bleibt einiges für uns selbst zu tun, ehe wir mit dem Finger auf andere zeigen. Wir müssen uns wohl selbst erst wieder neu zu dem erziehen, was Paulus hier sagt. Müssen neu verstehen lernen, was er uns sagen will: Tu dir selbst nichts Böses an, dann tust du es wohl auch keinem anderen! Sei gut zu dir, dann strahlt deine Güte aus! Finde deinen eigenen Frieden, dann machst du deine Umgebung friedlich! Und kapituliere nicht vor dem Bösen, denn dann kapitulierst du vor dieser Welt! Vielleicht verschaffst du der Welt nicht ihr Recht, aber setz dich für das Recht ein, wo du es nur kannst. Und dabei glaube daran und vertraue darauf: Gott will Gerechtigkeit, für diese Welt, für die Menschen in dieser Welt, er will sie für dich!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott.

Wir haben deine Gebote gelernt.

Aber noch öfter haben wir sie umgangen.

Wir kennen deine Gebote oftmals nur von ferne.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Gib uns zu verstehen,

daß wir für unsere Gedanken und Taten

Maßstäbe brauchen.

Deine Gebote führen in die Freiheit,

sie sind Wegweiser zum Leben.

Hilf uns Menschen,

dies endlich zu verstehen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

An vielen Orten dieser Erde

werden deine Gebote mit Füßen getreten.

Da wird die Erde ausgebeutet und zerstört,

da gelten Menschenrechte nichts,

da leben Menschen auf Kosten anderer.

Unrecht schreit zum Himmel.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

Herr, wir sehen auf unser Leben.

So vieles ist anders geworden.

Wir schauen nicht nur auf uns,

sehen vielmehr auch auf andere.

Befreie uns von allem Neid.

Herr, schenke du uns die Ruhe und Gelassenheit,

in unserem Leben das Schöne zu sehen.

Dann bleiben wir auch hellhörig

für die Nöte der anderen.

Wir bitten dich:

Herr, erbarme dich!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 3. Sonntag nach Trinitatis, 28. 6. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 103

 1 Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!

2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:

3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,

4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,

5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.

6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.

7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.

8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.

9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.

10 Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.

11 Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten.

12 So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.

 13 Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Herr, wir haben dir für so vieles zu danken.

Aber unsere Erinnerung ist manchmal so schwach,

wenn es um die Zeichen deiner Liebe

im Alltäglichen geht.

Oft lassen wir den Mut sinken,

weil wir nicht sehen,

was du uns Gutes getan hast.

Wir bleiben bei dem stehen,

was andere uns angetan haben,

und rechnen einander die Schuld vor,

die du uns längst vergeben hast.

So bitten wir dich!

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist,

und erinnern uns:

Wie sich ein Vater seiner Kinder erbarmt,

so erbarmt sich der Herr über die, die ihn ehren,

die seinen Bund halten, sich seine Gebote merken

und danach leben.

 

Guter Gott und Vater!

Du redest mit uns,

gerade dann,

wenn vieles um uns herum verstummt ist.

Du bringst uns neu in Bewegung,

nimmst uns mit auf einen neuen Weg.

Du sprichst uns an,

kommst uns unablässig entgegen,

egal wo wir sind und uns nach dir sehnen.

Wir können Neues in unserem Alltag wagen,

auch wenn es gerade schwierig ist.

Lass uns nun mit all unseren Gedanken

ganz bei dir sein,

damit wir nicht ohne deine Antwort bleiben.

Das bitten wir in Jesus Christus, deinem Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Amen.

 

Lesung aus dem Alten Testament: Aus dem Buch des Propheten Micha, Kapitel 7, die Verse 18-20

18 Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

19 Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen.

20 Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast.

Halleluja! Lobe den Herrn, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15, die Verse 1-3.11.-32

(auch Predigttext)

 1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner und Sünder, um ihn zu hören.

2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und ißt mit ihnen.

3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:

11 Ein Mensch hatte zwei Söhne.

12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht. Und er teilte Hab und Gut unter sie.

13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land; und dort brachte er sein Erbteil durch mit Prassen.

14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte, kam eine große Hungersnot über jenes Land, und er fing an zu darben

15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker, die Säue zu hüten.

16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand gab sie ihm.

17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben, und ich verderbe hier im Hunger!

18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.

19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!

20 Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küßte ihn.

21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.

22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße

23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet’s; laßt uns essen und fröhlich sein!

24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; er war verloren und ist gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.

25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und Tanzen

26 und rief zu sich einen der Knechte, und fragte, was das wäre.

27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiederhat.

28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.

29 Er antwortete aber und sprach zu seinem Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen Freunden fröhlich gewesen wäre.

30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.

31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.

32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, er war verloren und ist wiedergefunden.

Amen.

 

Predigt

 

Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

 Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Alle, die mich kennen, wissen es, dass ich mich eigentlich immer an den vorgeschlagenen Predigttext halte. Es wäre der Text gewesen, den Sie oben gerade als Lesung aus dem Alten Testament gefunden haben, Worte des Propheten Micha!

Wenn ich das nicht tue, dann muss es zumindest für mich einen besonderen Grund geben. Genau den gibt es eben heute. Zwar werden einige geradeaus dem Lukasevangelium die Geschichte vom verlorenen Sohn gelesen und gedacht haben: Klar, kenn’ ich! Alles bekannt! Aber ich trage diese Geschichte eben ganz besonders seit langer Zeit in mir mit.

Wer zufällig mein Buch gelesen hat, der kennt auch die Geschichte hinter der Geschichte. Die Geschichte vom verlorenen Sohn ist das Evangelium dieses 3. Sonntages nach Trinitatis.

Genau hier habe ich meine Lieblingsgeschichte. Und nicht nur das! Sie ist für mich zur Berufungsgeschichte geworden! Die mich kennen wissen, dass ich schon so oft erzählt habe, wie sich hier und gerade im Vers 20 – in dem es heißt:

Und er machte sich auf und kam zu seinem Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und fiel ihm um den Hals und küsste ihn

– genau hier mein Verhältnis zu dem Gott, an den ich glaube, und zu dem, was ich seit dem auch in meinem Beruf tue, entschieden hat. Seitdem habe ich natürlich immer auch das Gefühl, worüber kann ich hier noch schreiben? Was bleibt noch?

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Es wäre für mich jetzt schön, wenn einige von denen, die diese Zeilen jetzt lesen, sich hinsetzen würden, um Ihre eigenen Gedanken über dieses Stückchen Evangelium zu Papier bringen und mir zusenden würden.

Ich bin nämlich zutiefst davon überzeugt, jede und jeder von Ihnen könnte eine Auslegung darüber machen. Ganz sicher! Worüber würden Sie nachdenken? Vielleicht über die Unfähigkeit, auf eigenen Füßen zu stehen, oder über das Glück, dann nach Hause kommen zu dürfen. Über Gott als den liebenden Vater, der einem gestrauchelten Menschen entgegenkommt. Über das natürliche Ärgernis des anderen Sohnes, der treu und folgsam auf dem Hof gearbeitet hatte. Einige haben Geschwister und wissen, dass beides möglich ist – ein Herz und eine Seele oder eben ganz verschieden! All dies ist hinreichend bekannt. Worüber also noch schreiben? Was bleibt?

Nun, für mich bleibt nicht viel mehr, als zu bekennen, wie wichtig mir selbst dieser Text, diese Geschichte geworden ist. Wie sehr sie das, was ich auch in meinem Beruf als Pfarrer versuche, geprägt hat und noch weiter prägt.

In fast jeder Woche, die ich im Kloster von Taizé verbringe – und mir tut es in der Seele weh, dass das nach nun 50 Jahren im 51. Jahr tatsächlich nicht möglich ist –, begegnet mir diese Geschichte. Nicht zufällig. Sie begegnet mir deshalb, weil sie für die Brüder von Taizé zu einer der wichtigsten Geschichten geworden ist. In jeder Woche kommt sie einmal irgendwo vor. Diese Geschichte prägt ihr Gottesbild, das Bild von dem liebenden Vater, der bereit ist, seine tägliche Arbeit zu verlassen. Der sich hinstellt, einfach so mit offenen Armen, um zu warten. Lange bevor der Sohn beschließt, wieder nach Hause zu gehen, steht der Vater schon da und wartet. Ohne Zweifel, einfach so, mit viel Vorfreude, weil er weiß: Mein Sohn kommt zurück! So sehen die Brüder von Taizé den Gott, den sie so sehr lieben. So sehe und liebe ich ihn auch.

Aber mich prägt  auch noch ein anderer Aspekt, der den Brüdern dort wesentlich an dieser Geschichte ist. Der Sohn weiß genau: Er hat seine Sohnschaft eigentlich verspielt. Er möchte nicht mehr als Sohn zurück, nur noch als Tagelöhner. Seine frühere Stellung beansprucht er nicht mehr, so weit geht sein Realitätssinn noch. Und so legt er sich Entschuldigungen zurecht, Ansätze zu neuen Formen des Zusammenlebens. Doch bevor er überhaupt dazu kommt, irgend etwas an Entschuldigung vorzubringen, läuft ihm dieser Vater entgegen, nimmt ihn in die Armen und lässt seiner ganzen Freude Lauf.

Das für mich beeindruckende: Der Vater vermeidet jede Art von Demütigung! Er weiß offensichtlich, wie schwer es ist, Fehler einzusehen; er weiß offensichtlich, wie schwer es ist, umzukehren; wieder zurück zu Menschen zu gehen, an denen man irgendwie schuldig geworden zu sein scheint. Er weiß offensichtlich um den Kloß im Hals, den Menschen so oft verspüren, wenn sie genau wissen, wie schwer es ist, auch nur ein Wort der Entschuldigung zu sagen und noch einmal neu anzufangen. Nein, der Vater lässt alle Formen der Demütigung.

Im Gegenteil! Er richtet ein Fest aus. Und er macht damit nicht nur deutlich, dass er längst vergeben hat, lange vor jeder Entschuldigung. Nein, er macht auch öffentlich deutlich, dass mit einem gemeinsamen neuen Anfang eben auch das Alte vergangen ist, dass nichts mehr lastend einen neuen Weg beeinträchtigt, und dass neuer Anfang eben wirklich neuer Anfang bedeutet. Nicht im Sinne von „unter den Tisch gekehrt, um es irgendwann noch ‘mal zu gebrauchen“. Nein, von Herzen vergeben, frei für einen neuen Weg, so sagt es uns diese Geschichte.

Und so möchte sie mich etwas für mich ganz Entscheidendes lehren: Die Vergebung geht jeder Entschuldigung voraus! – Die Vergebung geht jeder Entschuldigung voraus. Ich stelle mir vor, ich könnte das in meinem Alltag leben. Ich kann es leider nicht immer, aber ich stelle es mir eben vor, und ich versuche es. Ich versuche es wirklich. Stellen wir uns doch kurz einmal vor, liebe Schwestern und Brüder, wir könnten so leben. Mit unserem Nachbarn, dem wir ein Ereignis oder eine eigentlich dumme Begebenheit nicht vergessen und verzeihen können. Mit unseren Freunden, die plötzlich keine mehr sind, weil eine Eiszeit über uns hereingebrochen ist, und wir einfach unfähig sind, Vergebung zu buchstabieren. In unseren Familien, in denen wir an so manchem Streit leiden und bereit sind, eher selbst daran zugrunde zu gehen, als neue Wege zu bahnen.

Nein, wir verharren lieber in den alten Mustern: uns ist Unrecht geschehen. Die anderen müssen sich entschuldigen. Aber eines sollten wir uns klar machen. Niemand kann, wenn wir das Wort entschuldigen ernst nehmen, – nämlich ent-schuldigen im Sinne von: Schuld wegnehmen, abnehmen, eben entschuldigen -, niemand kann sich selbst Schuld abnehmen, niemand kann sich selbst entschuldigen. Ent-schuldigen müssen mich immer andere, andere müssen mir meine Schuldgefühle nehmen, müssen mir die Schuld abnehmen, damit ich frei davon werde und neu beginnen darf.

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Der Vater hatte gewartet. Er hatte schon längst vergeben. Er wartete jetzt eigentlich nur noch darauf, diese Vergebung endlich mit seinem Sohn leben zu können, neu anfangen zu können. Er hatte das neue Leben schon vor Augen, in aller Freude, in aller Liebe, zu der er fähig war

Und der Vater – ich sage das noch einmal – der Vater verzichtet auf jede Art von Demütigung! Er verzichtet darauf, weil er weiß, wie viel er gewinnt, wenn er seinen Sohn ent-schuldigt, ihm wirklich vergibt. Er weiß, er bekommt seinen Sohn zurück, keinen Tagelöhner! Er bekommt einen Sohn zurück, dem seine Liebe ungebrochen galt; einen Sohn, den er ziehen lassen musste, loslassen musste, was ihm so weh getan hat und den er eigentlich so gern zurückgehalten hätte. Er bekommt ihn zurück, und darf mit ihm neu anfangen.

Liebe Schwestern und Brüder!

Diese Geschichte – so wohlbekannt und ausgeschlachtet sie oft wirkt – sie stellt höchste Ansprüche an uns, die wir sie hören. Sie mahnt uns, ernst zu machen mit der Liebe unter uns Menschen, die Gott wirklich meint. Nämlich eine Liebe, in der die Vergebung jeder Entschuldigung vorausläuft, eben aus Liebe. Und sie zeigt uns genau so deutlich, daß wir eben nicht der liebe Gott sind, auch wenn wir uns manchmal so aufführen, gerade wenn wir über andere richten oder meinen, urteilen zu dürfen. An seinem Willen, an Gottes Willen, vergebend zu leben, neue Anfänge zu gewähren, Schuld nicht vorzuhalten – da sehen wir den größten Unterschied zwischen uns und dem lieben Gott. Wir selbst wollen immer so viel, aber letztendlich sind wir manchmal einfach zu wenig. Und es ist gut, dass gerade dies Gott uns wohl schon vergeben hat. Und aus dieser Vergebung dürfen wir leben und immer wieder neu ins Leben gehen. Vor allem aber dürfen wir eben auch immer wieder zu ihm zurückkehren, in seine offenen Arme!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir:

du schaust nach uns;

du gibst niemanden verloren;

du wartest auf uns,

du kommst uns entgegen;

du nimmst uns in deine Arme,

damit wir spüren,

wie sehr du liebst!

Gib, dass diese Liebe uns leitet und hilft:

– in dieser schwierigen Zeit nicht zu verzweifeln,

– in dir immer wieder die Mitte unseres Lebens zu finden

– mit dir in eine Zukunft gehen, die du schon für uns bereitet hast.

– vorsichtig zu bleiben, aber eben auch unser Lachen und unsere Unbeschwertheit

wiederzufinden!

– uns dir immer wieder neu anzuvertrauen, weil wir deine Vergebung spüren

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 2. Sonntag nach Trinitatis, 21. 6. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 36

Herr, deine Güte reicht, so weit der Himmel ist,

und deine Wahrheit, so weit die Wolken gehen.

Deine Gerechtigkeit steht wie die Berge Gottes

und dein recht wie die große Tiefe.

Herr, du hilfst Menschen und Tieren.

Wie köstlich ist deine Güte, Gott,

daß Menschenkinder unter dem Schatten

deiner Flügel Zuflucht haben!

Denn bei dir ist die Quelle des Lebens,

und in deinem Lichte sehen wir das Licht.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesgebet

Guter Gott,

wir haben Sorgen, wir leiden unter Zwängen,

wir stellen viele Fragen.

Wir wissen,

daß vieles in unserem Leben gerade nicht so ist,

wie es einmal war

und noch nicht so, wie es wieder werden soll.

Deswegen treten wir vor dein Angesicht –

so wie wir sind.

Dir vertrauen wir an, was uns belastet.

Dir sagen wir, was wir falsch gemacht haben,

du weißt es längst.

Dir gestehen wir unsere Fehler ein,

uns selbst können wir es nicht.

Da sind die vielen Entschuldigungen,

die wir vorbringen,

um vor dir davonlaufen zu können.

So vieles andere als deine Gemeinschaft ist uns wichtig.

Vor allem aber vertrauen wir dir unsere Ängste und Sorgen an,

die uns manchmal so kleingläubig machen wollen.

Und deshalb bitten wir dich:

Vergib uns Herr, komm und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Gott erbarmt sich unser.

Wir beten zu ihm und bleiben niemals ohne Antwort.

Darum dürfen wir seiner Einladung immer wieder neu folgen:

Bittet, so wird euch gegeben; suchet, so werdet ihr finden;

klopfet an, so wird euch aufgetan.

Ehre sei Gott in der Höhe!

Herr, guter Gott und Vater,

du lädst uns immer wieder neu ein,

dir nahe zu kommen,

wo immer wir auch gerade sind.

Hinter uns liegt eine Woche, die angefüllt war

mit Sorgen und Freuden,

mit Hoffnungen und Enttäuschungen,

mit schönen und vielleicht auch traurigen Erlebnissen.

Heute können wir von allem ausruhen.

Wir versuchen, zur Ruhe zu kommen

und Kraft zu tanken für die Aufgaben, die auf uns warten.

Wir dürfen dir bringen, was uns sonst keiner abnimmt,

und du schenkst uns, was es sonst nirgends gibt.

Wir bitten dich:

Befreie uns von allen Lasten,

die sich in den letzten Tagen

auf unseren Schultern angesammelt haben

und gib uns neue Kraft.

Das alles erbitten wir

durch die Liebe deines Sohnes Jesus Christus,

der mit dir und dem Hl. Geist lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Epistellesung: Aus dem Epheserbrief, Kapitel 2, die Verse 17-22:

Und er ist gekommen und hat im Evangelium Frieden verkündigt euch, die ihr fern wart, und Frieden denen, die nahe waren.

Denn durch ihn haben wir alle beide in einem Geist den Zugang zum Vater.

So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen,

erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist,

auf welchem der ganze Bau ineinander gefügt wächst zu einem heiligen Tempel in dem Herrn.

Durch ihn werdet auch ihr mit erbaut zu einer Wohnung Gottes im Geist.

Halleluja! Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Weg! Halleluja!

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 11, die Verse 25-30

(auch Predigttext)

25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies Weisen und Klugen verborgen hast und hast es Unmündigen offenbart.

26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.

27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater, und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.

28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.

30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus!

 

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

Eines Tages werden wir auf die ersten Monate des Jahres 2020 zurückschauen. Vielleicht noch nicht mit dem nötigen Abstand etwa schon im nächsten Jahr. Aber irgendwann werden wir es tun.

Woran werden wir uns dann erinnern? Welche Gefühle werden wieder in uns hoch kommen? Welche Erinnerungen lassen wir zu?

Für mich als Pfarrer begann dieser Lockdown mit der Beerdigung einer Frau im hohen Alter, die ich sehr mochte. Es war die erste Beerdigung, bei der maximal fünf Personen teilnehmen durften. Und es war die Beerdigung, bei der der einzige Sohn nicht anwesend sein durfte, weil er aus einem anderen Land nicht einreisen konnte. Diese Beerdigung werde ich nie mehr aus dem Kopf bekommen, weil es mir selbst fast das Herz zerreißt, wenn ich an all die mehr als traurigen Begleitumstände denke. Kein Gottesdienst! Eine kurze Trauerfeier mit so wenigen Menschen wie möglich! So würdig und tröstlich wie eben möglich, aber auch so unendlich traurig!

Werden wir uns vielleicht an das Gefühl der Ohnmacht erinnern, irgendwie ausgeliefert gewesen zu sein, in unseren gewohnten Freiheiten beschränkt? Die eigenen vier Wände haben viele lange nicht verlassen können, dürfen oder wollen.

So vieles war bis dahin ganz selbstverständlich, gerade auch bei jungen Menschen. Auf einmal durften sie nicht einmal mehr in die Schule. Einige frohlockten zuerst über diese wunderbaren und so unverhofften „Ferien“! Von Tag zu Tag wurden die Erfahrungen am eigenen Leib aber dann ganz andere. Einige der jungen Menschen haben es in dieser Zeit wohl niemals gedacht, sich einmal nach der Schule geradezu zu sehnen.

Angst schlich sich in viele Herzen ein. Die Sorgen wurden von Tag zu Tag größer. Was kommt da auf uns zu, fragten auf einmal Menschen in der aufkommenden Ahnung, dass der Alltag sich wohl grundlegend verändern könnte. Was wird in Zukunft „normal“ sein?

Ganz und gar existenzielle Fragen und Sorgen kamen auf, weil auf einmal für viele Menschen noch nicht einmal die Arbeit sicher war, das Einkommen gekürzt wurde. Menschen hatte sich etwas aufgebaut und mussten in ganz kurzer Zeit auch erfahren, wie brüchig eigene Existenz sein kann.

Woran werden wir denken, wenn wir uns irgendwann einmal an die erste Jahreshälfte von 2020 erinnern? Was werden einige von uns ihren Enkelkindern einmal davon erzählen und vielleicht nur ein müdes, aber mitleidiges Lächeln dafür zurückbekommen?

Vielleicht wird es das erleichterte Aufatmen der Davongekommenen sein, das noch nicht erreicht ist, aber sich vielleicht irgendwann einstellen wird.

Vielleicht wird es die Freude darüber sein, dass hier bei uns die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind, dass uns Bilder wie aus vielen anderen Ländern bei uns erspart geblieben sind. Es wird allerdings nicht die Freude derer sein, die jetzt gerade trauern, weil diese Krise in ihren Familien eben doch ihr Opfer gefunden hat.

Ich würde mir wünschen, dass wir uns an die Dankbarkeit erinnern werden, die auch in dieser Zeit schon in einigen ihren Platz gefunden hat und zu einer guten Erinnerung werden kann. Dankbar zu bleiben dafür, dass ich gehen und stehen darf, atmen und schauen, essen und trinken darf, dass ich ein Dach über dem Kopf habe. Ich hoffe, wir werden es gelernt haben dass Bescheidenheit auch zur Dankbarkeit werden kann.

Vor allem aber wünsche ich mir, dass sich in uns die Erkenntnis darüber durchsetzen wird, zu erkennen, wie wenig wir wirklich brauchen. Nämlich Menschen, die uns lieben, die uns vertrauen, die uns ertragen und mittragen. Natürlich auch Menschen, die wir selbst lieben, denen wir vertrauen, die wir ertragen und mittragen. Sie sind das Kostbarste!

Ich habe gelernt und möchte es niemals mehr vergessen: Nichts kann echte Begegnungen und Beziehungen ersetzen. Es gibt nichts, was eine Umarmung, was die spürbare Nähe zu geliebten Menschen ersetzen kann!

Die Dichterin Mascha Kaléko hat viele wunderbare Gedanken aufgeschrieben. Einer davon ist dieser:

„Man braucht nur eine Insel

allein im weiten Meer.

Man braucht nur einen Menschen,

den aber braucht man sehr.“

Es gibt Menschen, die haben solch einen anderen Menschen. Glücklich dürfen sie sein!

Und es gibt Menschen, die haben ebenfalls einen solchen geliebten Menschen, haben ihn in dieser Zeit aber vielleicht nicht in der Nähe gehabt. Glücklich traurig oder traurig glücklich dürfen sie sein!

Und da sind die Menschen, die solch einen geliebten Menschen einmal hatten, ihn sich zurückgesehnt, vielleicht sich sogar zu ihm hingesehnt haben! Traurig und sich an ihr Glück erinnernd dürfen sie sein!

Egal, wozu wir gehören, wir alle stehen vor Gott, stehen vor Jesus Christus, der uns sieht und hört. Der uns hält und trägt, der zu uns spricht:

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Ich finde diese Worte Jesu wunderbar! Sie wirken erleichternd. Ich sehe sie geradezu vor mir: die geöffneten Arme Gottes, die mich auffangen werden, liebevoll! Die geöffneten Arme eines liebevollen Gottes, dir mir Ruhe verschaffen wird, auch wenn tief in mir drin noch ein Meer tobt! ER, der liebende Gott, bringt es zum Schweigen!

Für uns alle gibt es einen Ort, wo unsere Seele zur Ruhe kommt! Wir sollen das nie vergessen. Bei Jesus selbst ist dieser Ort, und er zeigt uns sogar den Weg dorthin. Im 29. Vers unseres Predigttextes heißt es – und ich zitiere noch einmal, aber nun aus der Bibelübersetzung „Hoffnung für alle“:

„Vertraut euch meiner Leitung an und lernt von mir, denn ich gehe behutsam mit euch um und sehe auf niemanden herab. Wenn ihr das tut, dann findet ihr Ruhe für euer Leben.“

Aber soll das wirklich so einfach sein? Ja, ich denke es könnte so sein! Vielleicht sind wir in der ersten Hälfte des Jahres 2020 für vieles empfindsamer geworden. Wir werden uns an manch kleine Geste erinnern, die alles geändert hat.

Da ist der Nachbar, der geklingelt und gefragt hat, ob er etwas vom Einkauf mitbringen kann. Da wurde einer alten Frau an Ostern ein kleines Osternest mit bunten Eiern und Schokolade vor die Tür gestellt. Da haben Menschen am Telefon zueinander gefunden, die sich lange nicht mehr gesprochen hatten. Ja selbst unsere Lesepredigten wurden dorthin verteilt, wo keine Computer in Wohnungen Einzug gehalten haben.

Ich schreibe hier also nicht von den großen Wundern, die geschehen können. Ich werde einmal an die vielen kleinen Gesten denken wollen, die Menschen anderen Menschen zukommen ließen, um deutlich zu machen: du bist nicht allein!

Liebe Schwestern und Brüder!

Von Jesus selbst dürfen wir es lernen. Ihm dürfen wir es ruhig abschauen, anderen unser Herz zu öffnen und demütig zu werden, um die Not anderer zu erkennen. Sein Leben und sein Wirken machen es für uns sichtbar, wie das eben geht – mit der Liebe und dem Vertrauen, mit der Nächstenliebe, der Sanftmut und Geduld.

Wenn auch vieles in uns vielleicht erschüttert war und ist, dürfen wir dennoch es versuchen zu wagen. Nämlich wie Jesus selbst ganz auf Gott zu vertrauen!

Natürlich ist das alles andere als leicht, bleibt für die eine oder den anderen sogar ein Wagnis! Aber schauen wir noch einmal auf Gott selbst und seinen Sohn Jesus Christus.

Gott selbst hat seinem Sohn Jesus sein ganzes Herz geöffnet und ihm alles gezeigt, „offenbart“ sagt die Bibel – die Wahrheit, die Weisheit, seinen göttlichen Willen. Und der Weg, dieses alles zu erkennen und mitzugehen, war für Jesus nicht gerade leicht. Wir wissen es. Aber Vater und Sohn – beide sind so eng miteinander verbunden, dass es eben ein Geist ist, der sie treibt! Nichts und niemand bringt sie auseinander!

Und genau das gibt nun Jesus hier in dem heutigen Predigttext aus dem Matthäusevangelium an uns alle weiter. Jede und jeden von uns spricht er an, wenn er sagt:

„Komm, komm zu mir! Meine Einladung für dich gilt! Sie gilt dir und jedem Menschen! Ich schenke dir den Raum für alle Liebe, für alle Barmherzigkeit, die du in dir entdecken wirst, für alle Kraft zur Versöhnung und für den Frieden, den du in dir wieder finden und aus dem du wieder leben sollst!“

Diese Einladung spricht Jesu an uns alle aus! Sie gilt jeder und jedem von uns! Es ist an uns, sie anzunehmen und aus ihr zu leben! Das ist wieder nicht einfach und kann leicht zu einer Lebensaufgabe, im besten Fall sogar zu einer Lebenshaltung werden!

Dem Kirchenvater Augustinus wird ein Satz zugeschrieben, den ich in Taizé in vielen Gesprächen oft gehört habe. Er wird dort oft zitiert, weil es einer der Lieblingssätze von Frère Roger ist. Dieser Satz fasst die Einladung Jesu an uns alle ganz kurz, aber eben als Aufgabe auch ganz unmissverständlich zusammen und lautet:

„Liebe, und sag es durch dein Leben!“

Und dem ist nichts hinzuzufügen!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Herr, unser Gott und Vater,

durch Jesus Christus wissen wir,

dass du niemanden übersiehst, der sich verirrt.

Wir danken dir, dass du uns suchst und findest,

auch immer auf uns wartest.

Du schickst uns aber auch auf den Weg,

das Verlorene zu suchen.

Darum bitten wir dich:

Mach uns empfindsam für Menschen,

die innerlich am Ende sind,

sich aber sicher und tüchtig geben.

Lass uns auf diejenigen zugehen,

die von anderen gemieden werden.

Schenke uns Geduld mit denen,

die misstrauisch geworden sind,

weil sie überall Feinde und Verschwörung vermuten.

Wir möchten denen vertrauen können,

die abgestempelt sind,

nur weil sie anders sind als wir.

Hilf uns, daß wir niemals den Mut verlieren,

offen auf sie und auf alle Menschen zuzugehen.

Du gibst uns dazu die Kraft,

weil du niemanden aufgibst.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum 1. Sonntag nach Trinitatis, 14. 6. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Aus Psalm 34

 2 Ich will den HERRN loben allezeit; sein Lob soll immerdar in meinem Munde sein.

3 Meine Seele soll sich rühmen des HERRN, dass es die Elenden hören und sich freuen.

4 Preiset mit mir den HERRN und lasst uns miteinander seinen Namen erhöhen!

5 Da ich den HERRN suchte, antwortete er mir und errettete mich aus aller meiner Furcht.

6 Die auf ihn sehen, werden strahlen vor Freude, und ihr Angesicht soll nicht schamrot werden.

7 Als einer im Elend rief, hörte der HERR und half ihm aus allen seinen Nöten.

8 Der Engel des HERRN lagert sich um die her, die ihn fürchten, und hilft ihnen heraus.

9 Schmecket und sehet, wie freundlich der HERR ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

10 Fürchtet den HERRN, ihr seine Heiligen! Denn die ihn fürchten, haben keinen Mangel.

11 Reiche müssen darben und hungern; aber die den HERRN suchen, haben keinen Mangel an irgendeinem Gut.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Guter Gott und Vater!

Wenn einer wüsste,

der andere schämt sich nicht, wenn er ihm hilft

– viele würden hingehen und trösten.

Wenn einer wüsste,

der andere lacht nicht über ihn, wenn er ihm sagt: „Ich brauche dich“

– viele würden Vertrauen fassen.

Wenn einer wüsste,

der andere bemerkt, daß er ernst genommen wird

– viele könnten ihre Zweifel zerstreuen.

In all unserer eigenen Unsicherheit,

die wir so manches Mal an den Tag legen,

bitten wir dich:

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Wir denken daran, dass Gott uns gnädig ist.

Er sagt zu uns:

Siehe ich breite deinen Frieden aus, wie einen Strom.

Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.

 

Guter Gott und Vater,

ohne dich vermögen wir nichts,

darum hoffen wir auf deine Hilfe:

Gib uns deinen Geist,

dass wir wollen, was dich erfreut,

und tun, was du von uns erwartest.

Das bitten wir

durch unseren Herrn Jesus Christus, deinen Sohn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Lukasevangelium, Kapitel 19, die Verse 19-31

Vom reichen Mann und armen Lazarus

19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle Tage herrlich und in Freuden.

20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus, der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren

21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem, was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch die Hunde und leckten seine Geschwüre.

22 Es begab sich aber, daß der Arme starb, und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.

23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.

24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle; denn ich leide Pein in diesen Flammen.

25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben, Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er hier getröstet, und du wirst gepeinigt.

26 Und überdies besteht zwischen uns und euch eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch niemand von dort zu uns herüber.

27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater, daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;

28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen Ort der Qual.

29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten; die sollen sie hören.

30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden sie Buße tun.

31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

Halleluja! Deine Mahnungen, Herr, sind gerecht in Ewigkeit; unterweise mich, so lebe ich. Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus dem 1. Johannesbrief, Kapitel 4, die Verse 16b-21

(auch Predigttext)

 16 Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.

17 Darin ist die Liebe bei uns vollendet, auf dass wir die Freiheit haben, zu reden am Tag des Gerichts; denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.

18 Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus. Denn die Furcht rechnet mit Strafe; wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

19 Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

20 Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner. Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.

21 Und dies Gebot haben wir von ihm, dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder! Liebe Leserinnen und Leser!

„Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm.“ – Ich weiß gar nicht, wie viele Paare, die ich in meinen bisher 35 Dienstjahren im Verkündigungsdienst getraut habe, diesen Vers als Trauspruch und wie viele Konfirmandinnen und Konfirmanden ihn als Konfirmationsspruch haben. „Gott ist Liebe“ – das spricht uns Menschen anscheinend doch in ganz besonderer Weise an.

Heutzutage wird überall – und manchmal geradezu inflationär – von der Liebe geredet, gesungen. Alle möglichen Ratgeber schalten sich in allen möglichen Medien ein, um uns die Wege zu einem erfüllten „Liebesleben“ zu bahnen. Manche Lieder verkaufen die Liebe so billig. Liebe, die man sich – so formulieren es einige – buchstäblich kaufen kann, ist da wesentlich teurer. Geht man ins Kino, kann man zwischen verschiedenen Liebesfilmen wählen. Und selbst, wenn einem der Sinn eher nach der großen „Action“ und Spannung steht: Ein kleine ‚Lovestory‘ – eine Liebesgeschichte –  ist immer mitverpackt.

Nun ist die Liebe ja tatsächlich durchaus etwas Schönes. Und mancher denkt bei unserem Predigttext an das, was er selbst damit erlebt hat. Es ist ja nicht so, dass wir die Liebe nicht kennen würden …

Aber wir kennen eben auch das andere: Beziehungen zerbrechen! Da reden Geschwister kein Wort mehr miteinander, Nachbarn streiten sich seit Jahren und Menschen auf der ganzen Welt bekämpfen sich. Die Schriftstellerin Elke Heidenreich schreibt: „Meine Mutter sagte immer: ‚Hör du bloß auf mit deinen saublöden Liebesgeschichten und mach lieber deine Schularbeiten.’ Die Liebe, behauptete sie, sei ein Dreck, ein einziger gigantischer Schwindel, und ich solle mir doch nur meinen Vater ansehen. Ich hatte selten Gelegenheit dazu, mir meinen Vater anzusehen – er war fast nie da.“

Ja, liebe Schwestern und Brüder, auch wenn Filme und Romane uns etwas anderes vorgaukeln. Wahre Liebe ist anscheinend selten und kostbar geworden. Zwei- oder dreimal in einem Jahrhundert käme sie vor, hat Albert Camus einmal geschrieben. Das ist nicht wirklich viel!

Und nun kommt uns die Bibel damit heute auch noch: 14mal kommt das Wort „Liebe“ in den 6 Versen unseres Predigttextes vor!

„Gott ist Liebe.“ – Für einige Theologen ist in diesem Satz das ganze Neue  Testament zusammengefasst. Natürlich hat sich auch Martin Luther darüber Gedanken gemacht. Er schreibt an einer Stelle: „Wollte einer Gott malen, er müsste einen Abgrund von Feuer malen – einen glühenden Backofen voll lauter Liebe. Gott ist eitel Liebe, ja die Liebe ist Gott.“

An dieser Stelle habe ich eine Stunde im Konfirmandenunterricht vor Augen. Sie liegt schon etwas länger zurück, aber war für mich einer dieser Momente, an den man sich eben gern zurückdenkt.

Da haben wir das mit dem Malen einmal ausprobiert. Wie malt man Gott? Natürlich kamen sofort einige, die sagten, das darf man ja gar nicht. Wir haben dann kurz darüber gesprochen, was mit dem Bilderverbot im Alten Testament eigentlich gemeint ist. Dann haben wir festgestellt, dass das Alte und auch das Neue Testament voll von Bildern ist, mit denen Menschen ihren Gott beschreiben. „Der Herr ist mein Fels … ist meine Burg … ist wie eine Mutter … ist mein Schild … ist wie eine lebendige Quelle … usw.“ Denn natürlich hat doch jeder Mensch sein ganz eigenes Bild von Gott im Kopf und im Herzen, jede und jeder von uns auch!

Und dann ging es los. Wir fingen an. Und ganz Verschiedenes kam zusammen. Da tauchte natürlich bei einigen der alte Mann mit Bart auf. Andere hatten aber auch so etwas wie ein großes Auge gemalt oder versucht, ihre Vorstellung mit Hilfe von Farben zum Ausdruck zu bringen. Eine Konfirmandin – und deshalb komme ich auf diese Stunde – hatte ein riesengroßes Herz gemalt, vollständig ausgefüllt mit roter Farbe. Und sie hatte für ihr Bild eine ganz einfache und biblische Erklärung. Sie sagte: „Gott ist Liebe! Nur Liebe!“ Welch eine junge Theologin!

Wie groß Gottes Liebe ist und wie weit sie geht, das dürfen wir an Jesus selbst ablesen, sagt unsere Bibel. Jesus selbst hat gezeigt, was Liebe bedeutet. Er hat kaputtes Leben wieder heil und Kranke wieder gesund gemacht. Er hat geholfen, dass einsame Menschen wieder Kontakt fanden und dass jemand, der vor Stress und Sorge nicht mehr wusste, wohin, dann endlich auch zur Ruhe kam. Gottes Liebe ist in unserer Welt schon einmal gelebt und in dieser Welt schon einmal ausgeteilt worden.

Gott ist Liebe! Nur Liebe! – Was soll das denn bringen? So fragte ein ganz cooler Konfirmand damals, als wir feststellten, dass Gott eben Liebe ist. Und heute frage ich uns, liebe Schwestern und Brüder: was bringt uns das denn tatsächlich ein, wenn wir wissen, dass Gott gar nicht anders kann, als dass er uns und seine Welt liebt?

Im Unterricht damals habe ich das Bild der Konfirmandin noch einmal hochgehalten und gezeigt. Das Bild mit dem großen, roten Herzen. „Seht es euch noch einmal an“, habe ich erklärt. „Das Herz ist ganz und gar ausgemalt mit roter Farbe. Für etwas anderes ist da überhaupt kein Platz mehr.“

Und so sagt s die Bibel doch auch: Gottes Liebe ist da, erfüllt alles, füllt alles aus. Und darum ist für die Angst und für alles andere, was die Liebe zerstören möchte, kein Platz mehr. „Furcht ist nicht in der Liebe“, steht im Predigttext oben, „sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus„,

Und nun, liebe Schwestern und Brüder, stellen wir uns vor, wir könnten es tatsächlich – uns ganz ohne Furcht, ganz selbstvergessen dem uns liebenden Gott anvertrauen und die uns zugesagte Liebe glaubend annehmen. Gerade in diesen Tagen, die viele von uns auf eine solch harte Probe gestellt haben. Diese Zeit im Frühling des Jahres 2020 war doch für viele auch eine Zeit der Glaubensprüfung. Viele haben bisher geklagt, viele sind mit ihrem Glauben ins Zweifeln geraten und viele haben natürlich gefragt: „Gott, wo bist du? Hilf mir!“

Gott ist Liebe! Nur Liebe! – Können wir uns wirklich dieser Liebe ganz und gar anvertrauen? Können wir uns ganz und gar dieser Liebe Gottes überlassen, der bei uns ist im Leben und auch im Sterben? Ja, mehr noch – können wir uns dieser Liebe nicht nur überlassen, sondern sie auch mit unserem Leben beantworten?

Dann hätten wir es gar nicht mehr nötig, das Maß unseres Glaubens oder unserer Liebe zu bestimmen, was wir so gerne zu tun versuchen. Vielmehr würden wir es der Liebe Gottes zutrauen, dass sie uns vollenden wird und all unserer Furcht, all unseren Fehlern zum Trotz das letzte Wort haben wird. Es kommt also gar nicht auf das Maß unserer Liebe an, sondern auf unser Vertrauen auf die Macht des liebenden Gottes, der einem Menschen Furcht nimmt, ja sogar Schuld vergibt, der all unser Klagen und all unsere Zweifel in Zuversicht wandeln kann!

Vertrauen wir uns einem liebenden Gott an, der will, dass wir leben und mit ihm in die Zukunft gehen, die er für uns bereithält! Und auf diesem Weg soll für die Furcht kein Platz mehr sein. Denn Furcht ist nicht in der Liebe!

Liebe Schwestern und Brüder! Ich weiß natürlich: So weit sind wir Menschen noch lange nicht. Lieben ganz ohne Angst und Furcht – wer kann das? Gerade wenn wir lieben, sorgen wir uns doch. Wir sorgen uns um andere Menschen. Wenn man einen Menschen liebt, ist man immer auch ein wenig bange, dass ihm etwas passieren könnte. Oder dass sich das einmal ändert und der andere einen irgendwann wieder fallen lässt? Kennen wir solche Sorgen nicht?

Ich finde darum das griechische Wort interessant, das im biblischen Urtext an dieser Stelle steht. Wenn man den Satz des Predigttextes ‚Darin ist die Liebe bei uns vollkommen, dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts“, im griechischen genau nachliest, steht dort für das übersetzte Wort ‚Gericht‘ das griechische Wort „Krisis“, das eben „Gericht“ bedeuten kann, genauso wie aber eben auch „Krise“. Und wenn ich es dann so übersetze, dann spüre ich, was der Briefschreiber auch wohl kennt: Jede Liebe, jeder Glauben erlebt ihre Krise. Davon können wir alle ein Lied singen. Gerade in dieser Zeit und in diesen Tagen, in denen wir nun mehr und mehr geduldig bleiben müssen! Aber niemand muss davor Angst haben, denn Gottes Liebe ist ja da. Gott ist Liebe! Nur Liebe! Und auf sie ist Verlass – immer, denn Gottes Liebe ist unverbrüchlich.

„Dieu ne peut que donner son amour, notre Dieu est tendresse“. So singen wir es in einem Lied im Kloster von Taizé: Gott kann nur seine Liebe schenken. Unser Gott ist Zärtlichkeit, ist Liebe!

Liebe Schwestern und Brüder!

Wir haben einen Gott, der uns so sehr liebt, dass er alles – sogar seinen eigenen Sohn – für uns gibt. Wenn wir uns das immer wieder klar machen, wenn wir Gottes Fähigkeit zu lieben wirklich begreifen könnten, dann können wir gar nicht mehr anders, so sagt Johannes, dann können wir gar nicht mehr anders: Wir sehen unsere Mitmenschen mit anderen Augen, wir sehen sie als jemanden, der Gott wichtig und lieb ist.

Und darum bringt er das auf eine ganz einfache Formel: ‚Wenn jemand spricht: Ich liebe Gott und hasst seinen Bruder und seine Schwester, der ist ein Lügner‘.  Das ist doch logisch, oder?

„Menschen, die aus Liebe leben, sehen tiefer“, hat einmal ein kluger Mann gesagt. „Menschen, die glauben können, sehen alles in einem ganz anderen Licht.“ Sie wissen, was sie selbst Gott wert sind und sie wissen auch, wie hoch Gott die anderen Menschen schätzt. Mit einer solchen Einstellung sollten wir uns und anderen ins Gesicht schauen, um es dann aber auch zu ahnen und sich daran zu freuen, wie gut es Gott mit uns meint! Gestern, heute und in aller Zeit!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Wir danken dir, Herr guter Gott,

dass du uns einlädst und Gemeinschaft schenkst mit dir.

Wir danken dir, daß wir bei dir zu Hause sind,

auch wenn du gerade bei uns zu Hause bist.

Du bist uns nah

– auch jetzt, wo wir mit unseren Gedanken ganz bei dir sind.

Du bist bei uns, wenn wir beten, dein Wort lesen,

Du hörst unsere Klagen, aber auch unsere leisen Hoffnungen.

Herr, erbarme dich!

 

Deine Einladung ist grenzenlos

– und doch sind uns Grenzen in dieser Zeit gesetzt.

Wir machen uns viel zu schaffen mit allem Möglichen.

Hilf, daß wir die Zeichen deiner Nähe nicht übersehen.

Du begegnest uns doch in deinem Wort

und in den Menschen, die du uns schickst,

die vielleicht gerade in diesen Tagen besonders für uns sorgen.

Da sind immer auch die überraschenden Erfahrungen deiner Gegenwart.

Herr, erbarme dich!

 

Die Tür zu dir steht allen offen.

Lass uns Botinnen und Boten deiner Einladung sein

– gerade für die, die ferne stehen.

Lass uns glaubwürdig sein in unserem Leben,

damit Menschen, die uns begegnen, spüren:

Du schließt niemanden aus.

Lass uns die Not anderer sehen und lindern,

wo wir es können,

den Ausgestoßenen und  Entfremdeten ein Stück Heimat geben,

so wie wir Zuflucht haben bei dir.

Herr, erbarme dich!

 

Herr, in so vielen Ländern herrschen gerade Angst und Sorge.

Wir denken nicht nur an uns selbst,

auch an unsere Schwestern und Brüder auf den anderen Kontinenten.

Lass uns gemeinsam vorsichtig und geduldig bleiben.

Hilf uns allen und überall,

dass wir andere schützen,

indem wir uns selbst schützen.

Und dann lass uns gemeinsam die neue Zukunft schauen,

in der wir uns wieder begegnen werden

– ganz unbeschwert und fröhlich unbelastet.

Herr, erbarme dich!

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag!

Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Trinitatis, 7. 6. 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 113

 Gottes Hoheit und Huld

1 Halleluja! Lobet, ihr Knechte des HERRN, lobet den Namen des HERRN!

2 Gelobt sei der Name des HERRN von nun an bis in Ewigkeit!

3 Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang sei gelobet der Name des HERRN!

4 Der HERR ist hoch über alle Völker; seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.

5 Wer ist wie der HERR, unser Gott, der oben thront in der Höhe,

6 der niederschaut in die Tiefe, auf Himmel und Erde;

7 der den Geringen aufrichtet aus dem Staube und erhöht den Armen aus dem Schmutz,

8 dass er ihn setze neben die Fürsten, neben die Fürsten seines Volkes;

9 der die Unfruchtbare im Hause wohnen lässt, dass sie eine fröhliche Kindermutter wird. Halleluja!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Guter Gott, es ist wahr:

Ohne Hoffnung auf Wandel gibt es keinen Frieden,

kein Glück, finden wir keinen Sinn.

Gern hantieren wir mit Neuheiten,

und verschließen uns doch

der erneuernden Kraft deines Geistes.

Nimm uns die Furcht vor neuen Anfängen,

die du mit uns machst.

Stärke uns,

unsere Schuld vor dir zu bekennen,

lass uns spüren,

wie du davon befreien willst.

Komm, Herr, und erbarme dich unser!

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

So erinnern wir uns, was uns verheißen ist:

Und es soll geschehen in den letzten Tagen,

spricht Gott, da will ich ausgießen von meinem Geist

auf alles Fleisch;

und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,

und eure Alten sollen Träume haben.

 

Guter Gott und Vater,

du kennst uns lange,

siehst in unser Herz.

Du merkst, wenn wir uns verändern.

Wir merken es manchmal nicht.

Gib, daß wir nicht erschrecken müssen

vor unserer neuen Gestalt.

Gib, daß wir deine Liebe wiederspiegeln,

wenn wir uns verändern.

Das bitten wir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 13, die Verse 1-8

Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, einer von den Oberen der Juden.

Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Meister, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich,  sage dir: Es sei denn, daß jemand von neuem geboren werde, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Es sei denn, daß jemand geboren werde aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was vom Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was vom Geist geboren ist, das ist Geist.

Wundere dich nicht, daß ich dir gesagt habe: Ihr müsst von neuem geboren werden.

Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist es bei jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus dem 4. Buch Mose, Kapitel 6, die Verse 22-27

(auch Predigttext)

 Der priesterliche Segen

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach:

23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:

24 Der HERR segne dich und behüte dich;

der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;

26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.

27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.

Amen.

 

Predigt

 Die Gnade unseres Gottes sei mit uns allen. Amen!

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Leserinnen und Leser!

Hier zuerst noch einmal die Worte aus dem heutigen Predigttext, die mich dazu gebracht haben, Euch heute einmal eher erinnernd erzählend zu „lesepredigen“.

Aus dem Buch Numeri, dem 4. Buch Mose, lesen wir noch einmal aus dem 6. Kapitel die Verse 24-26:

„Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“Dieser sogenannte „aaronitische Segen“, so wie er auch in der alttestamentlichen Lesung weiter oben zu finden ist, gehört zu meinen persönlichen „TOP 3 – Bibeltexten“. Alle, die mich kennen, wissen von mir, dass der Vers Lk 15,20 mein ganz persönlicher „Lebenstext“ ist, weswegen ich sogar auf langen Umwegen Pfarrer geworden bin, und dass Psalm 121 mein Lieblingspsalm ist. Und direkt dahinter kommt eben der heutige Predigttext aus dem Alten Testament, aus dem Buch Numeri, dem 4. Buch Mose, aus dem 6. Kapitel die Verse 24-26.

Die Worte des Segens, so wie sie uns hier geschenkt sind, sind wohl die Worte, die ich als Pfarrer am häufigsten aus der Bibel zitiert habe. Jedes Mal und überall dort, wo wir Gottesdienste feiern, stehen sie am Schluss eines Gottesdienstes. Und nur ganz selten weiche ich von ihnen ab. Ich tue das deshalb so ungern, weil ich mir immer schon vorgestellt habe, dass hier Gott noch einmal selbst zu Wort kommt und all denjenigen, die da gerade vor ihm versammelt sind, verspricht, immer bei ihnen zu sein und sie neu ins Leben sendet. Und ich möchte am Ende eines Gottesdienstes niemals meine Worte gewichtiger finden, als die Worte, die Gott selbst für seinen Segen gefunden hat.

Diese Worte des aaronitischen Segens begleiten mich, seit der Gottesdienst für mich der Ort geworden ist, an dem ich immer wieder erleben durfte, wie Gott spricht und sich den Menschen zuwendet. Er tut es eben nicht nur durch die Predigt und diejenigen, die sich darum bemühen sein Wort zu „übersetzen“ und den Menschen zu erklären. Er tut es eben auch durch seinen Segen, und er tut es mit seinen eigenen Worten!

Damit ich zu dieser Einsicht gelangen konnte, hat dieser Segen in mir gearbeitet, ist mir nahe gekommen. Und er ist für mich untrennbar verbunden mit zwei ganz lieben Menschen in der Gemeinde, in der ich meinen Dienst tun darf, die mich gelehrt haben, es so zu sehen, wie ich es gerade etwas weiter oben beschrieben habe. Vor einigen Jahren schon musste ich beide beerdigen, sie starben kurz nacheinander. Er war ein Kollege. Nein, ich schreibe es etwas anders. Er war ein ganz besonderer Kollege und Lehrer für mich. Es war seine tiefe Geistlichkeit, besonders aber seine Demut vor Gott, die mich immer sehr berührte. Er schaffte es in jeder Begegnung, immer Gott den Vortritt zu lassen. Er brachte wirklich Gott den Menschen nahe. Und das in seiner ganz unnachahmlichen stillen Fröhlichkeit. Und sie – sie war Pfarrfrau! Im besten Sinne! Sie scheute kein direktes Wort, sie konnte zupacken, war unglaublich kreativ und immer zu jeder Hilfe bereit.

Die beiden saßen im Gottesdienst, ich erinnere mich gut und gern daran. Nach seinem Ruhestand waren sie in unsere Gemeinde gezogen. Es kam der Schluss des Gottesdienstes. Und ich sprach den Segen. Ich sprach ihn so, wie ich es immer tat. Ich hob meine Hände zum Segen, so wie es viele Kolleginnen und Kollegen am Ende eines Gottesdienstes tun und sagte: „Der Herr segne uns und behüte uns. Der Herr lasse sein Angesicht über uns leuchten und sei uns gnädig. Der Herr erhebe sein Angesicht auf uns und schenke uns seinen Frieden. Amen!“

Kurz danach stand ich am Ausgang unserer Kirche, um alle zu verabschieden. Irgendwann kam sie, die Pfarrfrau! Sie kam auf mich zu, wir gaben uns die Hand und sie sagte: „Das war kein Segen! Nächsten Sonntag möchte ich gesegnet werden!“ Direkt dahinter kam er, mein Kollege. „Sie meint es nicht so! Bis nächsten Sonntag!“ sagte er und gab mir ebenfalls die Hand, lächelnd wie immer. Verdutzt stand ich da. Was hatte ich falsch gemacht? Es ließ mir die ganze Woche über keine Ruhe. Was hatte ich falsch gemacht?

Der nächste Sonntag kam, wir feierten wieder Gottesdienst. Es kam wieder zum Segen. Diesmal passte ich auf, wo der Fehler liegen könnte. Ich hob wieder meine Hände – wie immer. Ich sagte die gleichen Worte „Der Herr segne uns und behüte uns …“ – wie immer. Ich hatte alles richtig gemacht. Zufrieden ging ich an den Ausgang. Sie kam. Händeschüttelnd sagte sie: „Sie sollten öfter in der Bibel lesen! Dann würden sie Gott die Ehre geben! Ich möchte den Segen zugesprochen bekommen!“ Er kam wieder hinter ihr her. „Machen sie sich nichts draus! Sie meint es nicht so!“ sagte er und ging ein paar Schritte. Dann blieb er stehen und drehte sich noch einmal zu mir um. Er lächelte mich an und sagte: „Aber sie hat Recht! Einen schönen Sonntag noch!“

Zwei Tage später besuchte ich die beiden. Ich wollte wissen, was ich in ihren Augen falsch machte. Wir nahmen uns eine Bibel und lasen was da an dieser Stelle Num 6, 24-26 wirklich stand. „Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.“  „Aber das sag’ ich doch auch!“ war mein erster Gedanke und Satz danach. „Nein“, sagte er – mein Kollege – „du sagst nicht „dich“, du sagst „uns“! Und das ist ein Unterschied! Ein großer Unterschied! Du bist der Bote, der Überbringer des Segens Gottes! Sein Segen ist ein großes Geschenk an alle! Es ist seine gute Gabe für alle, die vor ihm stehen und ihn empfangen! Es ist sein Versprechen, bei jedem einzelnen und bei gleichzeitig deshalb auch bei allen Menschen zu sein! Also verschenk’ Gottes Wort reichlich!“

Dieser Nachmittag bei diesen wunderbaren beiden Menschen war für mich mein ganz persönliches drittes Erlebnis, neu zu erfahren, wie Gott für uns Menschen ist und wie er natürlich auch für mich ist. Die ersten beiden Erlebnisse mit Texten aus der Bibel, die mich zu dem gemacht haben, was und wie ich bin, habe ich ganz zu Anfang kurz genannt. Hier – im aaronitischen Segen – begegnet mir meine „dritte Säule“, auf die der Gott, an den ich glaube, gebaut ist.

Ich habe damals verstanden, worin der Unterschied zwischen den Worten, die ich bis dahin benutzt hatte, und dem, was uns als Segen und als heutiger Predigttext in der Bibel tatsächlich begegnet. Ich hatte bis dahin immer die Formulierung „Gott segne uns und behüte uns …“ als Segen zum Schluss eines Gottesdienstes benutzt. Ich hatte nämlich niemals vor, mich über die Gemeinde zu erhöhen und etwas auf sie zu legen, was ich durch die Geste der erhobenen Hände allerdings eigentlich immer sowieso schon getan hatte. Meine Absicht war es bis dahin, mich auf eine Stufe mit der Gemeinde vor Gott zu stellen und gemeinsam mit allen, um seinen Segen zu bitten. Deshalb immer mein „Gott segne uns und behüte uns …“. Es war aber dann tatsächlich eine Bitte! Ein Bitte um Gottes Segen!

Und genau so hatte es die Pfarrfrau immer auch empfunden, aber es kam dann eben kein Segen mehr. Nach ihrer Ansicht beendete ich meine Gottesdienste immer mit der Bitte um einen Segen. Aber dann blieb der Segen eben aus. Und sie verließ immer die Kirche mit dem Gefühl, Gottes Segen noch irgendwie oder irgendwo erfahren zu müssen. Irgendwie fühlte sie sich eben ungesegnet!

Aber das Wichtigste, das mir in dem Gespräch mit meinem Kollegen klar wurde – und das hat mich bis heute eben geprägt und dankbar gemacht -, war etwas anderes.

Er hat mich gelehrt, dass ich mich als Pfarrer am Ende eines Gottesdienstes noch einmal sehr sensibel zu einem Werkzeug Gottes machen lassen darf. Gott nimmt mich in seinen Dienst, damit ich sein – und eben nicht mein – Wort weitersage. Genau wie z.B. in der Predigt auch!

Ich darf am Ende eines Gottesdienstes seinen Segen weitergeben. Er geht durch meinen Mund und durch meine Hände. Es ist sein Geschenk an alle Menschen, und es geht auch durch mich! Es ist sein Geschenk an jeden einzelnen Menschen, der vor ihm steht. Ganz egal wie jung oder alt, ganz egal wie fromm oder unfromm, ganz egal wie einheimisch oder fremd!

Mich hat diese Einsicht, die ich durch einen Kollegen geschenkt bekam, der unvergesslich in meinem Herzen bleibt, bis heute und zukünftig verändert. Und viele, die mich lange in meinem Dienst begleiten, wissen das.

Ich habe seitdem sogar meine Segensgeste verändert. Niemals mehr habe ich meine Hände zum Segen über die Gemeinde erhoben. Segen ist und bleibt Geschenk Gottes. Deshalb strecke ich, während ich nun die Segensworte spreche, meine Hände mit den Handflächen nach oben zur Gemeinde hin. Der Segen ist und bleibt ein Geschenk. Und ich überreiche es praktisch in Gottes Namen an die, die vor ihm versammelt sind, weiter.

Seit ich gelernt habe, all mein pfarramtliches Handeln im Gottesdienst in erster Linie immer durch die Augen Gottes, zu sehen, der mich dazu in Gottesdiensten, bei Taufen, Konfirmationen, Trauungen und bei Beerdigungen in den Dienst nimmt, höre ich am Ende eines Gottesdienstes geradezu immer, wie er zu den Menschen spricht, wenn er sagt – und nun übersetze ich die Segensworte aus dem Buch Numeri tatsächlich einmal:

„Ich segne dich! Ich behüte dich und verlasse dich nie! Ich schaue dich an und freue mich über dich! Ich richte dich niemals, sondern wende mich dir in all meiner Gnade und Liebe zu! Ich schaue auf dich und um dich herum, damit du sicher in mir leben darfst. Ich schenke dir meinen Frieden, in dem deine Seele Ruhe findet und dir alle Angst genommen ist! Lebe und sei gewiss: Ich lebe mit dir!“

Das alles ist uns gewiss und von Gott zugesprochen, wenn wir am Ende eines Gottesdienstes eben nicht nur einfach durch den Menschen, der am Altar steht, Gott um seinen Segen bitten. Dazu können Lieder wie „Komm, Herr, segne uns“ oder „Herr, wir bitten, komm und segne uns“ vor den Segensworten eher helfen, solch eine Bitte vor Gott zu bringen, und das können wir durchaus zusammen tun – wenn wir es denn irgendwann wieder können und dürfen.

Nein, wir dürfen uns wirklich segnen und behüten lassen. Gott selbst schenkt uns sein Versprechen, bei uns zu sein, als seinen Segen. Und deshalb heißt es eben richtig, so wie es heute auch in unserem Predigttext steht: „Der Herr segne dich und behüte dich. Der Herr lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig. Er hebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden!“ Obwohl, so manches Mal bin ich auch dem untreu geworden, wenn ich das „dich“ durch ein „euch“ ersetze. Aber es bleibt dann immer noch eher sein Segen als es durch das „uns“ zu einer Bitte formuliert wird.

Eine Bitte am Schluss habe ich noch! Wenn Ihr, liebe Schwestern und Brüder,  unsere Lesegottesdienste aufmerksam verfolgt – und ich freue mich sehr darüber, dass es einige tun und auch weitergeben -, dann wisst ihr, dass ich weiter unten in den gottesdienstlichen Texten vor dem Segen immer darum bitte, sich die Menschen vorzustellen, an die Ihr gerade denkt und die Ihr dem Segen Gottes anvertraut.

Und nun meine Bitte: tut es auch! Stellt euch die Menschen vor, die in eurem Herzen sind und für die ihr selbst Gott um seinen Segen bitten möchtet. Und dann lasst Euch in den Dienst nehmen von Gott! Lasst Gottes Worte durch Euren Mund gehen, sprecht die Segensworte, so wie ihr sie dort findet. Es ist Gottes Stimme, die durch euch geht und aus euch kommt! Vielleicht segnet Ihr sie sogar aus der Entfernung auch mit Euren Händen und teilt somit Gottes Freude aus! Der Segen Gottes als Ausdruck seines Versprechens an alle und seine Freude über alle – all das geht auch durch Euch – durch Euer Herz, aus Eurem Mund und durch Eure Hände! Und natürlich gilt das alles auch Euch! Denn ein guter Herr und Vater sorgt immer auch für seine Dienerinnen und Diener! Seid gesegnet und behütet!

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als all unsere Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

 

Fürbittgebet

Guter und gütiger Gott,

du wirst andere Menschen aus uns machen.

Du willst nicht,

daß wir einander zerstören,

du willst,

daß wir deine Liebe leben;

sie neu zu leben lernen.

Darüber dürfen wir uns freuen,

denn wir leiden an uns selbst,

dass wir nicht sind,

wie du uns haben willst.

 

Wir bitten dich:

Gewähre uns genug Zeit,

schenke uns eine neue Zeit,

dass der neue Mensch in uns wachsen kann.

Schenke uns den nötigen Raum,

damit wir nicht heimatlos werden,

wenn wir vertraute Standpunkte verlassen.

Wir sehen auf die Menschen neben uns.

Gib,

dass wir niemanden danach beurteilen,

was er im Augenblick darstellt,

sondern herausfinden,

wer er wirklich ist.

 

Schenke uns Geduld miteinander,

schenke uns Zeit und Raum,

damit wir untereinander zu leben lernen,

wie du es willst.

 

So vieles müssen wir in diesen Tagen neu bedenken,

so viele Sorgen begleiten uns.

Alles, was uns so sicher schien,

wir stellen es infrage.

Da ist die Unruhe in uns über das,

was werden wird.

Schenke uns die Ruhe,

damit wir in der Stille zu dir beten können.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der HERR segne dich und behüte dich!

Der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir

und sei dir gnädig!

Der HERR hebe sein Angesicht über dich

und gebe dir Frieden!

Amen.

 

 Liebe Schwestern und Brüder!

Euch allen einen gesegneten Sonntag! Kommt gut durch die Zeit, passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Pfingstsonntag, 31. Mai 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 118, die Verse 24-29

 24 Dies ist der Tag, den der HERR macht; lasst uns freuen und fröhlich an ihm sein.

25 O HERR, hilf! O HERR, lass wohlgelingen!

26 Gelobt sei, der da kommt im Namen des HERRN! Wir segnen euch vom Haus des HERRN.

27 Der HERR ist Gott, der uns erleuchtet. Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars!

28 Du bist mein Gott, und ich danke dir; mein Gott, ich will dich preisen.

29 Danket dem HERRN; denn er ist freundlich, und seine Güte währet ewiglich.

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Lieber und guter Gott!

Du hast uns alles geschenkt.

Deine Schöpfung, deinen Sohn

und auch deinen heiligen Geist.

Was machen wir daraus?

So vieles läuft schief!

So vieles ist auf einmal anders geworden.

So vieles scheint unsicher.

Auch wir selbst haben uns verändert –

in unseren Ansichten und Meinungen.

Wir unterscheiden neu,

was wichtig und unwichtig für unser Leben ist.

Da ist viel Zuversicht und Glaube,

aber auch Kleingläubigkeit und Unglaube.

So vieles ist da, was uns verwirrt.

Wir glauben uns allein und verlassen.

Wie oft vergessen wir aber dabei,

dass du immer bei uns bist,

dass du uns niemals allein lässt?

In allem und auch in uns bist du, guter Gott!

Ja, auch jetzt,

wenn wir dich in der Stille zu dir bete,

hörst du mich, hörst mir zu.

 

– Kurzes Innehalten in der Stille und Zeit zum persönlichen Gebet –

 

Ich danke, dass du mir in meiner Stille nahe bist

und hörst, was ich dir anvertraue.

Ich danke dir,

dass du mich heute an diesem Pfingsttag daran erinnerst,

was du deinen Jüngern und uns allen verheißen hast:

 

Aber der Tröster, der heilige Geist,

welchen mein Vater senden wird in meinem Namen,

der wird euch alles lehren und euch erinnern an all das,

was ich euch gesagt habe.

Den Frieden lasse ich euch,

meinen Frieden gebe ich euch.

Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt.

Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

 

Guter Gott und Vater! Lieber Gott!

Du entzündest in uns das Feuer deiner Liebe!

Du schenkst uns allen deinen heiligen Geist.

Wir sind gerufen, deine Kirche zu werden

– immer wieder neu.

Eine Kirche, die schon in der Familie,

ja, die sogar schon in uns selbst,

in unseren Wohnungen und Häusern

beginnt und lebt.

Wir alle gehören dazu,

denn du schließt niemanden aus.

Du kommst und bleibst bei uns.

Gestern, heute und in aller Zeit.

Dafür danken wir dir in Jesu Namen.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 14, die Verse 15-19.23-27

Die Verheißung des Heiligen Geistes

15 Liebt ihr mich, so werdet ihr meine Gebote halten. 16 Und ich will den Vater bitten und er wird euch einen andern Tröster geben, dass er bei euch sei in Ewigkeit: 17 den Geist der Wahrheit, den die Welt nicht empfangen kann, denn sie sieht ihn nicht und kennt ihn nicht. Ihr kennt ihn, denn er bleibt bei euch und wird in euch sein. 18 Ich will euch nicht als Waisen zurücklassen; ich komme zu euch. 19 Es ist noch eine kleine Zeit, dann sieht die Welt mich nicht mehr. Ihr aber seht mich, denn ich lebe, und ihr sollt auch leben.

23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.

24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.

25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.

26 Aber der Tröster, der heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.

27 Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Halleluja! Komm, Heiliger Geist, erfüll die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner göttlichen Liebe! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

 Epistellesung: Aus der Apostelgeschichte, Kapitel 2, die Verse 1-18

(auch Predigttext)

Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt.

Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.

Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder.

Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.

Nun lebten in Jerusalem fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten.

Als sie das mächtige Rauschen hörten, strömten sie alle zusammen. Sie waren ganz verwirrt, denn jeder hörte die Versammelten, die Apostel und die anderen, in seiner eigenen Sprache reden.

Außer sich vor Staunen riefen sie: »Die Leute, die da reden, sind doch alle aus Galiläa!

Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache reden hört?

Wir kommen aus Persien, Medien und Elam, aus Mesopotamien, aus Judäa und Kappadozien, aus Pontus und aus der Provinz Asien,

aus Phrygien und Pamphylien, aus Ägypten, aus der Gegend von Zyrene in Libyen und sogar aus Rom.

Wir sind geborene Juden und Fremde, die sich der jüdischen Gemeinde angeschlossen haben, Insel- und Wüstenbewohner. Und wir alle hören sie in unserer eigenen Sprache die großen Taten Gottes verkünden!«

Erstaunt und ratlos fragten sie einander, was das bedeuten solle.

Andere machten sich darüber lustig und meinten: »Die Leute sind doch betrunken!«

Da stand Petrus auf und die elf anderen Apostel mit ihm, und er rief laut: »Ihr Juden aus aller Welt und alle Bewohner Jerusalems! Lasst euch erklären, was hier vorgeht; hört mich an!

Die Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst neun Uhr früh.

Nein, hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joël angekündigt hat:

‚Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume.

Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden.

Amen.

 

Predigt

 Gnade sei mit euch von dem, der da war, der da ist und der da kommt!

Liebe Schwestern und Brüder!

Gewaltig was da erzählt wird, der Geist Gottes kommt zu Jesu Anhängern. Sie hatten sich nach seinem Tod verkrochen, vielleicht aus Angst selbst den Tod zu finden.

Aber der Geist, den sie erhalten, die Begeisterung, die sie am eigenen Leib erfahren haben, ändert alles. Sie fangen an, laut von Gottes Taten zu erzählen und werden auf wunderbare Weise von allen verstanden.

Dazu kommt die flammende Predigt des Petrus! Ein Funke, der überspringt. Tief beeindruckte, in das Herz getroffene Zuhörerinnen und Zuhörer. 3000 Menschen, die sich taufen lassen. Ein wahr gewordener Pfingsttraum!

In meinem Studium habe ich einige Jahre mit einem baptistischen Studenten zusammen studiert und gewohnt. Er hat immer mal wieder behauptet, die Landeskirche schränke mit ihren Gottesdiensten den heiligen Geist viel zu sehr einschränken.

Ich habe das immer bestritten, hatte ich doch während meines Studiums bei meinen regelmäßigen Predigten in meiner Heimatgemeinde eine doppelte Erfahrung gemacht:

Voll Freude hielt ich meine Predigt aus dem Homiletikseminar – mit gut benotet und entsprechend sprachlich und theologisch richtig gut -, aber schon während des Gottesdienstes merkte ich, dass die Botschaft irgendwie nicht ankam. Drei Wochen später stand ich noch mal auf der Kanzel – als Vertretung in den Sommerferien. 13 Leute verloren sich in der Kirche, vier davon aus unserem Kirchenchor, einer davon auch noch ausgerechnet der Finanz-Kirchmeister unserer Gemeinde, mit dem ich über Kreuz lag. Ich hatte einen dicken Klos im Hals, weil mir die Geschichte vom brennenden Dornbusch zwar eine Menge sagte, ich es aber nicht recht formulieren konnte.

Nach dem Gottesdienst bat er mich um ein Gespräch im Gemeindehaus. Zu meiner Überraschung war bei ihm nicht nur angekommen, was ich sagen wollte, es hatte ihn auch getroffen. Meine Erfahrung aus diesen beiden Erlebnissen: Der Geist weht, wo er will. Er hilft, da wo wir zu scheitern, drohen, und wenn wir scheitern tröstet er uns.

Und das zweite noch viel wichtigere: Wenn ich einen Gottesdienst halte, dann mache ich im Grunde nichts, sondern der Macher ist Gottes Heiliger Geist. Durch ihn dient uns Gott, durch ihn stiftet er Gemeinschaft. Er hilft, füreinander da zu sein.

Wer von diesem Geist begeistert ist, fällt dem oder der anderen vielleicht eben nicht vor Begeisterung direkt um den Hals. Nein, er geht vielmehr achtsam mit ihm um.

Gerade in dieser Zeit, wo plötzlich die Umgangsformen ganz neu definiert werden, hilft dieser Geist Gottes uns auch dabei, andere Möglichkeiten zu finden, für die anderen da zu sein und ihnen Gottes frohes Wort weiterzusagen.

Und er gibt uns Mut! Mut überhaupt noch etwas zu tun!

Und den braucht es auch gerade in diesen Zeiten in unserem Leben. Die Bedrohung durch das Virus hat für mich zu einer völligen Umkehr der Lebensverhältnisse geführt. Mir scheint, als sei plötzlich alles verboten, was nicht ausdrücklich erlaubt ist.

Und so sind diejenigen, die für die Durchführung von öffentlichen Veranstaltungen Verantwortung tragen, auch noch zu dieser Verantwortung mit erheblich Bußgeldandrohungen belegt für den Fall, dass etwas passiert.

Für mich ist es so ein echtes Pfingstwunder, dass es heute für uns evangelischen Christinnen und Christen die Möglichkeit gibt, Gottesdienst in der katholischen Kirche St. Peter feiern können.

Nach unserer Kirchenordnung, sind es die Presbyter, die die Verantwortung für die äußere Durchführung der Gottesdienste haben. Und so haben sie –  im Bewusstsein ihrer Verantwortung und der persönlichen Haftung – das Schutzkonzept, das für diesen Gottesdienst zwingend vorgeschrieben war, erarbeitet und arbeiten bei dessen Umsetzung mit. Dafür sei ihnen allen auch an diesem Ort ganz herzlich Danke gesagt.

Und zugleich gilt unser Dank den Schwestern und Brüdern der katholischen Sankt Peter Kirchengemeinde, bei der wir heute wie selbstverständlich eingeladen sind.

Der Geist Jesu, an dessen Kommen wir uns heute erinnern lassen, eint uns zu einer Gemeinschaft der Heiligen. Die Gastfreundschaft, die wir hier erfahren, ist auf dem Weg zu dieser Gemeinschaft ein wunderbares Wegzeichen.

In diesen Corona-Zeiten Gott auf diesem Weg nicht loben und danken zu können, nicht in lauten Jubel ausbrechen zu können, nicht mit allen gemeinsam singen zu dürfen – all das fällt schwer!

Ein Blick zurück auf das allererste Pfingstfest zeigt, in welch schwierigen Zeiten wir heute leben.

Aber so ängstlich ich den Wettlauf zwischen den Bundesländern bei der Beendigung des Shut-Downs beobachte, ich bin und bleibe gewiss:

Gott hat der ersten Gemeinde an Pfingsten gegen ihre Angst seinen Geist gegeben und ihr so das Leben in Gemeinschaft ermöglicht. Er gibt auch uns in dieser Zeit seinen Geist, damit wir auch ohne Angst, dafür mit Mut und Fantasie neue Wege finden als seine Gemeinde miteinander zu leben, so dass wir mehr und mehr dazu kommen, diese widernatürliche Situation auch wieder zu überwinden. Und wir werden in einer nicht allzu fernen Zukunft dann endlich so miteinander leben, wie es von Gott her gemeint ist. Ihnen allen ein gesegnetes Pfingstfest!

 Und der Friede Gottes, der höher ist als alle unsere Vernunft, der bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

Amen!

 

Fürbittgebet

Du Heiliger Geist, komm, komm zu uns, erneure uns,
ermutige uns, dich zu bekennen,
begeistere uns, beieinander zu bleiben.
Stifte uns an, dich zu verkündigen,
komm zu deinen Gläubigen

und komm auch zu mir.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist,
komm zu den Armen und Notleidenden,
sättige sie, heile sie,
bestärke sie in ihrem Vertrauen zu dir,
lass sie nicht resignieren.
Sende ihnen Menschen,
die mit ihnen zusammen gegen das Elend ankämpfen.
Komm und schenke neues Leben!

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Stolzen und Mächtigen,
leite sie zur Umkehr.
Gib ihnen Liebe zu denen, die ihnen anvertraut sind,
schärfe ihre Gewissen, lass sie dich suchen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Trauernden und Verzweifelten,
tröste sie, wärme ihre Herzen,
erfülle sie mit Hoffnung.
Gib ihnen Menschen, die ihnen Nähe schenken,
lass sie Hoffnung schöpfen, zeige ihnen dein Licht.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu den Fröhlichen und Glücklichen,
mache ihre Freude groß.
Lass sie dich als Quelle aller Freude erkennen.
Komm und schenke neues Leben.

Du Heiliger Geist, komm,
komm zu deiner Kirche,
bewege sie, eine sie,
stärke sie in ihrem Glauben an den einen Herrn Jesus Christus.
Komm und schenke neues Leben.

 

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

 

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

–  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

–  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

 

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

 

Guter Gott, ich bete für alle,

an die ich nun denke,

und auch für mich das Gebet,

das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat

und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

 

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen,

die uns am Herzen liegen

– und natürlich auch an uns selbst –

und wir sprechen die Worte des Segens,

mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

 

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag und frohe Pfingsten!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Pfarrer Oliver Schmidt und Pfarrer Rüdiger DunkelWeiterlesen

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Lesegottesdienst mit den gottesdienstlichen Texten zum Sonntag Exaudi, 24. Mai 2020

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.

 

Eingangs- und Wochenpsalm: Psalm 27, die Verse 1.7-14

1 Der HERR ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten?

7 HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!

8 Mein Herz hält dir vor dein Wort: / »Ihr sollt mein Antlitz suchen.« Darum suche ich auch, HERR, dein Antlitz.

9 Verbirg dein Antlitz nicht vor mir, verstoße nicht im Zorn deinen Knecht! Denn du bist meine Hilfe; verlass mich nicht und tu die Hand nicht von mir ab, du Gott meines Heils!

10 Denn mein Vater und meine Mutter verlassen mich, aber der HERR nimmt mich auf.

11 HERR, weise mir deinen Weg und leite mich auf ebener Bahn um meiner Feinde willen.

12 Gib mich nicht preis dem Willen meiner Feinde! Denn es stehen falsche Zeugen wider mich auf und tun mir Unrecht.

13 Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde die Güte des HERRN im Lande der Lebendigen.

14 Harre des HERRN! Sei getrost und unverzagt und harre des HERRN!

Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist

wie es war im Anfang, jetzt und immerdar und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Gebet

Jesus Christus,

immer wieder fragen wir uns:

Wer hört eigentlich, wenn wir rufen?

Wer tröstet uns, wenn wir einmal traurig sind?

Wer fängt uns auf, wenn wir einmal fallen?

Wer gibt uns einmal zu essen, wenn wir hungrig sind;

und vielleicht auch ganz ohne irgendwelche Mittel?

Wer sieht unser Unrecht und unsere Fehler und hilft uns?

Wer erkennt unsere Einsamkeit?

Du selbst, Herr, willst Antwort auf unsere Fragen sein.

Du kommst und erbarmst dich unser!

So lernen wir, neu zu vertrauen und zu danken.

Und sprechen:

Danket dem Herrn, denn er ist freundlich

und seine Güte währet ewiglich.

Er erhört uns in aller Angst.

Es ist gut, auf den Herrn zu vertrauen

und sich nicht zu verlassen auf Menschen und Mächte.

Der Herr ist meine Macht und mein Heil.

Ich werde nicht sterben, sondern mit ihm leben.

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören.

In dieser ungewissen Zeit lasse uns Ruhe finden

und sprich du in der Stille neu zu uns.

In aller Unruhe unserer Herzen schenke uns dein Wort

und tröste uns mit der Kraft deiner Liebe.

Guter Gott und Vater, höre uns und lasse dich hören.

Das bitten wir in Jesus Christus,

deinem Sohn, unserem Herrn,

der mit dir und dem heiligen Geist

lebt und regiert

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen.

 

Tagesevangelium: Aus dem Johannesevangelium, Kapitel 16, die Verse 5-15

Das Werk des Heiligen Geistes

5 Jetzt aber gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat; und niemand von euch fragt mich: Wo gehst du hin?

6 Doch weil ich dies zu euch geredet habe, ist euer Herz voll Trauer.

7 Aber ich sage euch die Wahrheit: Es ist gut für euch, dass ich weggehe. Denn wenn ich nicht weggehe, kommt der Tröster nicht zu euch. Wenn ich aber gehe, werde ich ihn zu euch senden.

8 Und wenn er kommt, wird er der Welt die Augen auftun über die Sünde und über die Gerechtigkeit und über das Gericht;

9 über die Sünde: dass sie nicht an mich glauben;

10 über die Gerechtigkeit: dass ich zum Vater gehe und ihr mich hinfort nicht seht; 11 über das Gericht: dass der Fürst dieser Welt gerichtet ist.

12 Ich habe euch noch viel zu sagen; aber ihr könnt es jetzt nicht ertragen.

13 Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er euch in aller Wahrheit leiten. Denn er wird nicht aus sich selber reden; sondern was er hören wird, das wird er reden, und was zukünftig ist, wird er euch verkündigen.

14 Er wird mich verherrlichen; denn von dem Meinen wird er’s nehmen und euch verkündigen.

15 Alles, was der Vater hat, das ist mein. Darum habe ich gesagt: Er nimmt es von dem Meinen und wird es euch verkündigen.

Halleluja! Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden! Halleluja!

 

Glaubensbekenntnis

Wir bekennen – jede und jeder für sich und doch auch gemeinsam vor Gott – unseren christlichen Glauben:

Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erden. Und an Jesus Christus, seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel; er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten. Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben. Amen.

 

Alttestamentliche Lesung: Aus Jeremia, Kapitel 31, die Verse 31-34

(auch Predigttext)

Der neue Bund

31 Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen,

32 nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägyptenland zu führen, mein Bund, den sie gebrochen haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der HERR;

33 sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der HERR: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.

34 Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den HERRN«, denn sie sollen mich alle erkennen, beide, Klein und Groß, spricht der HERR; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.

Amen.

 

Predigt

Gnade sei mit Euch und Friede von dem, der da ist, der da war und der da sein wird.

Nein, diesen Sonntag mag ich nicht im Verlauf des Kirchenjahres – und ob er wirklich in die Freudenzeit ist für mich die Frage. Jesus ist endgültig gegangen, und die Bibel berichtet, dass die Jünger sich ängstlich verkriechen. Jesus hat den Tröster verheissen, aber es scheinen Zweifel bestanden zu haben. Jedenfalls berichtet der Anfang der Pfingstgeschichte, dass sich die Jünger mehr oder weniger verkrochen haben. Und die Jünger wussten noch nicht, dass schon an und mit Pfingsten alles anders wird.

Und natürlich ist es ganz etwas anderes, ob man sich von Angesicht zu Angesicht sieht oder dies mittels irgendwelcher technischer Hilfsmittel ersetzt. Wie sehr einem schnell der persönliche Kontakt fehlt, haben wir in den vergangenen Wochen schmerzvoll entdecken müssen. Telefonieren, skypen oder zoomen ersetzt eben die persönliche Begegnung nicht.

Und so ist dieser Sonntag für mich passend für diese Zeit, in der wir auf bessere Zeiten zugehen, aber ein Freudensonntag? Eher ein Hoffnungslicht auf das, was da kommt, ein Vorfreudensonntag auf Pfingsten zu, wo wir uns hoffentlich und endlich wieder von Angesicht zu Angesicht im Gottesdienst sehen werden.

Aber zurück zum Predigttext! Jeremia lebte in einer dunklen Zeit im 6. Jahrhundert vor Christus. Weite Teile von Israel und Juda sind von den Babyloniern eingenommen worden. Die Städte dort sind zerstört, die Führungsschicht des Landes wurde nach Babylon umgesiedelt. Jerusalem aber war noch frei. Und der König tat so, als ob das auch immer so bleiben würde. Dabei kamen die Babylonier mit ihrer mächtigen Armee immer näher. Jeremia erkennt: Jerusalem hat keine Chance! Und er weiß: Das ist Gottes gerechte Strafe dafür, dass das Volk seinen Bund gebrochen hat. Als Prophet hat Jeremia viel zu tun: Schon lange hielten sich der König und die Menschen nicht mehr an Gottes Gebote. Sie verehren andere Götter, sie kümmern sich nicht um Witwen und Waisen, sie lügen, betrügen und stehlen. Deshalb, so richtet Jeremia die Botschaft Gottes aus, wird Gott die Babylonier über Jerusalem kommen lassen und Jerusalem wird zerstört werden, so wie es bereits den Dörfern und Städten im Norden ging. Aber weder der König, noch die Priester, noch das Volk wollten auf Jeremia hören, sie vertrauten darauf: Gott wohnt im Tempel. Er garantiert unsere Sicherheit. Jerusalem ist uneinnehmbar. Für sie war Jeremia deshalb ein Schwarzseher, ein Unruhestifter, ein Spinner. Aber Jeremia ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Er predigte den Untergang, auch wenn er verhaftet und geschlagen wurde, wenn Anschläge auf ihn verübt werden und er in Lebensgefahr war.

Und dann trat ein, was Jeremia vorausgesagt hatte: Die Babylonier belagerten Jerusalem. Und angesichts der unmittelbar bevorstehenden Katastrophe redet Jeremia ganz anders.

Als alle wussten, dass sie jetzt dem Untergang und Verderben entgegen gehen und bereuten, dass sie Gottes Weg verlassen haben, sagt Jeremia eine Zeit voraus, in der Gott seinen Bund erneuern wird. Dann wird der Mensch Gott erkennen, und das Gesetz Gottes wird den Menschen ins Herz geschrieben sein. Sie werden Gottes Wort befolgen, nicht weil sie es müssen und weil sie dazu ermahnt werden, sondern weil sie es wollen. Das ist nicht das Ende, sagt Jeremia voraus, auch wenn Jerusalem jetzt zerstört wird, auch wenn ihr in das Exil geführt werdet, auch wenn ihr so weit von Gottes Wegen und seinem Gesetz entfernt seid, das ist nicht das Ende. Gottes Weg mit euch geht weiter, Gottes Gnade wird größer sein als eure Schuld. „Es lohnt sich“, könnte Jeremia den Menschen sagen, „es lohnt sich, weiterzumachen, nicht aufzugeben, zu Gott zurückzukehren. Das ist nicht das Ende. In Gottes Namen sage ich euch: Es wird eine Zeit kommen, da wird alles wieder gut.“ Diese Zeit kommt allerdings nicht gleich und oft gerade dann nicht, wenn man sie sich als Mensch am meisten wünscht.

„Es kommt die Zeit“, sagt Gott. Sie ist eben noch nicht da. Und so neigen wir dazu, uns zu verkriechen, wie es die Jünger zwischen Himmelfahrt und Pfingsten getan haben. Aber Gott gibt nicht auf. Er will, dass es am Ende gut wird für seine Menschen. Er will, dass sie gut leben. Deshalb hat er sein Volk Israel aus der Sklaverei in Ägypten befreit. Deshalb hat er ihnen die 10 Gebote auf den steinernen Tafeln gegeben. Deshalb hat Gott seine Propheten geschickt, die unter dem Einsatz des eigenen Lebens Gottes Willen ausrichten. Und deshalb schickte Gott seinen Sohn Jesus Christus auf die Erde, damit die Menschen erfahren, wie gut es Gott mit ihnen meint. Als Jesus dann am Kreuz starb, dachten die Menschen, die an ihn glaubten und die mit ihm gegangen sind, dass dies das Ende wäre. Aber sie durften erfahren, dass Gott einen neuen Anfang setzte, denn Jesus war nach drei Tagen wieder lebendig. Und als Jesus dann an Himmelfahrt in den Himmel fuhr, schien das wieder das Ende zu sein. Aber es war nicht das Ende, Gott sandte seinen Heiligen Geist und machte wieder einen Anfang, und seine frohe Botschaft breitete sich aus bis an das Ende der Welt.

Und am Ende dieser Zeit wird seine neue Welt kommen. Wie diese neue Welt, diese neue Zeit aussehen wird, wissen wir nicht wirklich, aber Jeremia lässt uns einen Blick darauf werfen.

Für diese Zeit, die kommen soll, sagt Jeremia einen Bund Gottes mit den Menschen voraus. Dann werden die Menschen nicht mehr nach Gott fragen müssen, sondern sie werden ihn erkennen, und sein Gesetz soll in ihre Herzen geschrieben sein. Ohne Zweifel wird das auch wieder die Erde neu machen. Und diese neue Zeit strahlt schon jetzt in diese Welt.

Für uns Christen hat mit Jesus Gottes neuer Bund mit uns Menschen begonnen. In Jesus stellt Gott sich ein für allemal auf die Seite der Menschen. Er wird selbst ein Mensch. Wir müssen nicht mehr rätseln, wie Gott ist. Aus den Worten und Geschichten Jesu wissen wir, wie Gott ist. In Jesus gibt sich Gott zu erkennen. Die Liebe ist sein Gesetz. Die Liebe ist das Gesetz, das Jesus gelebt hat. Die Liebe ist das Gesetz, das uns Gott ins Herz gibt. Die Liebe ist das Gesetz, das uns sagt, was zu tun und was zu lassen ist. Die Liebe macht, dass das Ende gut wird. Wo die Liebe regiert, ist die Zeit, von der der Prophet Jeremia spricht, schon angebrochen. Sie ist noch nicht vollendet. Die Vollendung ist noch nicht ganz da, aber Jeremia blickt bis an das Ende der Welt. Fast ganz am Ende der Bibel werden Jeremias Worte noch einmal zitiert. Dort beschreibt der Seher Johannes, wie es sein wird, wenn am Ende der Zeit Gottes neues Reich anbricht und wenn wirklich alles gut sein wird: Und Gott wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein, denn das Erste ist vergangen. (Offb 21,3b-4). Dann erst wird das Ende sein, dahin sind wir unterwegs durch die Zeit und dann wird es wahrlich gut sein.

Dem aber, der überschwänglich tun kann über alles hinaus, was wir bitten oder verstehen, nach der Kraft, die in uns wirkt, dem sei Ehre in der Gemeinde und in Christus Jesus durch alle Geschlechter von Ewigkeit zu Ewigkeit! (Eph3, 20f)

Und der Friede Gottes, der Frieden möglich macht, indem er in unsere Herzen einzieht, der bewahre uns alle durch unsern Glauben an unseren Herrn Jesus Christus zum Leben in seinem Reich.

Amen.

 

Fürbittgebet

Guter Gott! Wir rufen zu dir:

Gott, viele fühlen sich leer,

ausgelaugt und ohne Halt.

Lege ihnen die Liebe neu ins Herz,

damit sie sich und anderen wieder etwas zutrauen.

Herr, erbarme dich!

Viele fühlen sich einsam,

ohne Menschen, die ihnen zuhören können.

Laß sie gute und neue Erfahrungen machen

– gerade auch in dieser Zeit –,

damit sie sich wieder freuen können

und das Leben neu entdecken.

Herr, erbarme dich!

Viele sind wie stumm,

können nicht in Worte fassen,

was sie bedrückt und quält.

Richte sie auf, damit sie ein neues Licht sehen,

Hilfe finden, und wieder sprechen

und sogar wieder singen lernen.

Herr, erbarme dich!

Viele fürchten sich vor dem,

was kommt und ihnen geschehen könnte.

Alles ist ungewiss.

Stärke ihren Glauben,

damit sie mutig werden

und alle Angst verlieren.

Denn du bist da – für uns!

Herr, erbarme dich!

Herr, schau’ auf uns!

Schenke du uns allen deinen Segen!

Schenke deinen Segen den Menschen,

die mir heute besonders am Herzen liegen.

Sei du da mit deinem Segen

– für alle, die wir lieben.

  für alle, die nun leben, um anderen zu helfen.

  für alle, die sich selbst nicht helfen können.

Sei bei den Einsamen und Kranken.

Schenke uns Einsicht in vieles, was wir nun mittragen müssen.

Schenke uns Geduld und einen langen Atem.

Schenke uns Hoffnung, an der wir niemals zweifeln wollen.

Sei bei uns allen! Heute und in aller Zeit!

Guter Gott, ich bete für alle, an die ich nun denke, und auch für mich das Gebet, das dein Sohn Jesus Christus uns allen hinterlassen hat und das uns durch schwere Zeiten tragen will:

Vater Unser im Himmel

Geheiligt werde dein Name

Dein Reich komme

Dein Wille geschehe

Wie im Himmel so auf Erden

Unser tägliches Brot gib uns heute

Und vergib uns unsere Schuld

Wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Und führe uns nicht in Versuchung,

Sondern erlöse uns von dem Bösen.

Denn dein ist das Reich und die Kraft

Und die Herrlichkeit.

In Ewigkeit.

Amen.

 

Segen

Wir denken nun an all diejenigen, die uns am Herzen liegen – und natürlich auch an uns selbst – und wir sprechen die Worte des Segens, mit denen wir unsere Gottesdienste schließen.

Der Herr segne euch und behüte euch.

Der Herr lasse sein Angesicht über euch leuchten

und sei euch gnädig.

Der Herr erhebe sein Angesicht auf euch

und schenke euch Frieden.

Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Sonntag!

Kommen Sie gut durch die Zeit, passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Oliver Schmidt, Pfr.Weiterlesen

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